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Gysi & Schmidt: Der ntv-Rückblick

Donnerstag, den 9. Juli 2020
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MI 08.07.2020 | 17.10 Uhr | ntv

40 Minuten? Für Gysi und Schmidt?
Bei ntv meinen die das ernst.
Beim Nachrichtensender treffen sich zweimal im Jahr Gregor Gysi und Harald Schmidt, um auf das vergangene halbe Jahr zurückzublicken. Am Mittwochnachmittag lief die aktuelle Ausgabe, und es war sogar auch wieder ein bisschen Publikum im Saal. Erst nach und nach wird in Fernsehshows wieder richtig geklatscht.

Es ist im ntv-Rückblick eine durchaus spannende Kombination. Einerseits Gysi, der kluge Kopf, der die Politik wunderbar analysieren kann und dabei immer sehr pointiert ist. Andererseits Schmidt, der das Ganze mehr satirisch sieht. In den 40 Minuten sind viele Themenkomplexe besprochen worden, die durch kleine Einspieler eingeleitet wurden. Allerdings von allem ein bisschen viel – oder eher: 40 Minuten sind für die beiden viel kurz. Was auch daran zu merken ist, dass sie Sendung extrem gekürzt wurde und an vielen Stellen zu merken ist, dass es hier jund dort harte Schnitte gab.

An vielen Stellen wäre es spannend gewesen, wenn die beiden ein wenig tiefer in die Themen eingestiegen wären. Auch wenn Harald Schmidt die Diskussion um die Thüringer Ministerpräsidentenwahl abgewürgt hat mit dem Argument, dass er leider Thüringen so gar nicht spannend fände.
Aber bei ntv sollten sie mutiger sein und den beiden mehr Zeit für ihre Gedanken zu geben. Ob dann einmal die Nachrichten zur vollen Stunde ausfallen, ist doch dann auch mal wurscht.

-> Die Sendung bei TV Now

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#timeline

Mittwoch, den 5. Februar 2020
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MO 03.02.2020 | 20.15 Uhr | ntv

#coronavirus
#gabrieldeutschebank
#tempolimit
#immunitätbundestag
#heilandhaaland

Wenn Micky Beisenherz eine neue Sendung startet, dann sollte man da schon mal genauer hinschauen. Denn er gehört zu den Autoren des Dschungelcamps, und wer ihn auf Twitter verfolgt, weiß, dass er ein kluger, gewitzter Kopf ist, der mit seinen Meinungen zu den Themen, die uns bewegen, immer wieder spannende Impulse setzt.
Am Montagabend lief bei ntv seine neue Talkshow “#timeline”. Darin orientiert er sich an den fünf Themen der Woche, die auf seiner Twitter-Timeline eine Rolle spielten. Siehe oben. Und das in 40 Minuten.

Ja, das war ganz interessant, aber gleichzeitig auch enttäuschend, weil es dann doch irgendwie eine ziemlich herkömmliche Talkshow war.
Beisenherz hatte sich zur Premiere Kevin Kühnert und Laura Wontorra eingeladen. Keine besonders gute Wahl. Beide sind sie interessant, aber sie waren quasi null gegensätzlich. So kam es, dass sie in dieser Sendung fast immer einer Meinung waren.
So plauderten sich dir drei durch die Themen der Woche, aber ein bisschen mehr Kontroverse und vielleicht Streit hätte schon sein dürfen.

Die Sendung ist nur 40 Minuten lang, für jedes der fünf Themen bleiben genau sieben Minuten. Vielleicht sollte man auch da variieren – oder ein oder zwei Themen weglassen. Oder eine Schnellrunde einführen, wo in ganz kurzen Stichworten weitere Themen abgehandelt werden können.
Ein bisschen mehr Einfallsreichtum darf bei “#timeline” schon sein. So hebt sich die Sendung, abgesehen vom Twitter-Ursprung, kaum von anderen Formaten ab. Es muss mehr Platz sein für Micky Beisenherz’ Bissigkeit.
Vielleicht sollte er sich – wie bei Harald Schmidt und Gregor Gysi – einen festen Partner suchen. Auf jeden Fall mehr Gegensatz wäre gut. Harmlose Plauderei wird auf Dauer lahm.

-> Die Sendung auf Youtube

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ntv Nachrichten: Bombenfund in Köln

Donnerstag, den 23. Januar 2020
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DI 21.01.2020 | 10.00 Uhr | ntv

USA-Iran-Konflikt? Gerade nicht wichtig.
Feuer und Überschwemmungen in Australien? Jetzt nicht.
Klima-Debatte? Kurz mal vergessen.
Weil: ntv wurde evakuiert. In Köln wird eine Bombe entschärft.

Dienstagvormittag auf ntv. Der Moderator Christoph Teuner meldete sich nicht aus dem Studio, sondern direkt vom Rheinufer. Denn da, auf der anderen Rheinseite sahen wir das Thema des Tages: Die Bombe, die zu entschärfen war. Weil das ntv-Studio evakutiert worden ist, wurde live von draußen gesendet.
Und wenn man das Ereignis schon mal vor der Haustür hat, dann berichtet man auch ausführlich darüber.
Christoph Teuner schaltet zu einem Reporter, der ganz nah dran steht, an der Bombe. Na ja, in Wirklichkeit steht auch er auf der anderen Seite des Rheins und sieht die Bombenstelle auch nur aus der Ferne – wenn überhaupt.
Wir sehen im Nebel einen Bagger, der baggert. Und wir erfahren, dass bald die Hohenzollernbrücke gesperrt wird. Alles sehr spannend. Für längere Zeit gibt es kein anderes Thema mehr.

Aber so ist es ja immer: Sind die Journalisten unmittelbar von einem Ereignis betroffen, machen sie das ganz große Ding draus. Da wird eine Bombenentschärfung in Köln zum ganz großen Ding, obwohl nur 15 Anwohner betroffen waren – aber eben auch ntv. Und darauf kommt es doch an.
Vielleicht kann ntv mal live aus Oranienburg berichten, wenn mal wieder 12.000 Menschen raus müssen. Aber ist halt ziemlich weit weg vom Sendezentrum in Köln.

-> Ausschnitte auf Youtube

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Breaking News: Tote bei Schießerei in Halle

Freitag, den 11. Oktober 2019
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MI 09.10.2019 | 13.30 Uhr | ntv

Nein, nein, wir wollen jetzt nicht spekulieren. Aber wir sind ja nun mal auf Sendung, und da haben wir nun mal viel Zeit, weil wir jetzt auch nichts anderes mehr senden. Also sagen Sie doch mal was. Irgendwas. Was Sie so denken. Aber wie gesagt: Wir wollen wirklich nicht spekulieren.

Mittwochmittag. In Halle an der Saale sind Schüsse gefallen, und es hat Tote gegeben. Genaueres weiß man noch nicht.
Überraschenderweise wussten sie zu diesem Zeitpunkt auf dem Nachrichtensender ntv noch nicht mehr. Also mussten sie das Nichts eben mit, nun ja, Nichts füllen. Und mit Spekulationen, die aber auf gar keinen Fall Spekulationen genannt werden durften.
Im Grunde wissen man nicht viel, sagte der Experte im Studio, während auf dem Bildschirm ein Live-Bild aus Halle zu sehen war, auf dem eigentlich nichts zu sehen war. Außer einem roten gekennzeichneten Radweg, auf dem kein Radler fuhr. Ein Straßenbahngleis, auf dem keine Straßenbahn und einem Polizeiauto. Das immerhin war wirklich da.

Rainer Wendt wurde natürlich auch flugs zur “Breaking News”-Show von ntv zugeschaltet. Er ist Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft und darf dazu etwas sagen, weil… also, weil… Keine Ahnung, warum. Weil er zu allem seinen Senf dazu gibt, wenn man ihn nur fragt, weil ja ansonsten auch noch keiner was weiß. Und so plaudert er im Live-Interview auch darüber, was denn sein könnte, um gleich danach zu sagen, dass das ja noch Spekulation sei, aber es schaue eben doch danach aus.

Unterdessen faselt ein Reporter davon, dass man immer noch auf dünnem Eis sei, man habe nur Bruchstücke, die man da versuche, zusammenzufügen. Was natürlich auch nichts mit Spekulationen zu tun habe, die man ja auf gar keinen Fall über den Sender schicken wolle. Immerhin: Man sei vorsichtig, weil man ja in anderen Fällen auch zurückrudern musste.

Zwischendurch zeigt man noch ein Video, das einen Mann zeigt, der von einem Auto aus irgendwohin schießt. Man zeigt es, aber man könne noch nicht ganz genau sagen, ob es den Täter zeige. Aber man zeigt es halt trotzdem, und auch das hat ja mit Spekulation rein gar nichts zu tun.
Der Moderator fragt dann einen Reporter in Halle, ob er irgendwelche “gesichterten Informationen, Gerüchte, was auch immer” habe. Oder anders gesagt: Sagen Sie doch was, um Gottes Willen, damit endlich wieder Sendezeit gefüllt wird. Und vergessen Sie die Gerüchte nicht! Aber bitte: Bitte nicht Spekulieren! Aber jetzt mal wirklich: Gibt es heiße Gerüchte?

Die Reporterin, die einen Augenzeugen fragt, ob der Täter denn ein Deutscher war, gehört natürlich auch zum Repertoire des ntv-Gruselnachmittags. Der Augenzeuge wollen keinesfalls was Falsches sagen, er wusste offenbar genau, dass es heikel sein könnte, was er da der ntv-Frau sagen sollte. Aber sie hakt noch mal nach, schließlich muss ja auch das unbedingt und sofort geklärt werden, damit der Social-Media-Shitstorm in neue Bahnen gelenkt werden kann. Und, ach ja, Spekulationen… ach, ist doch eh längst wurscht.

-> Zusammenschnitt von Übermedien auf Youtube

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ntv-Nachrichten: Merkel zittert (schon wieder)

Donnerstag, den 11. Juli 2019
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MI 10.07.2019 | 13.00 Uhr | ntv

“Man muss sich keine Sorgen machen.” Merkel sei “ganz fest davon überzeugt, dass ich gut leistungsfähig bin”.
Die Medien machen sich aber doch Sorgen. Manche verwechseln allerdings das Sorgenmachen mit Sensationsmache.

Ja, es ist wieder passiert. Zum dritten Mal. Diesmal beim Empfang des finnischen Ministerpräsidenten Antti Rinne in Berlin. Bei der Hymne hatte sie ihren Körper scheinbar nicht im Griff.
Ich habe es gesehen, am Mittwochmittag bei ntv. In den 13-Uhr-Nachrichten war das das Thema des Tages.
Man sah Merkel zittern. Die Kamera zoomte ran, schwenkte nach unten zu den Beinen und wieder nach oben.

Das war nicht viel Bildmaterial. Also noch mal von vorn. Die Kamera zoomte ran, schwenkte nach unten zu den Beinen und wieder nach oben.
Und weil man das Thema nicht gleich wieder fallen lassen wollte, nochmal: Die Kamera zoomte ran, schwenkte nach unten zu den Beinen und wieder nach oben.
Einen Experten ließ ntv auch noch mal zu Wort kommen, er saß sogar im Studio. Und während er sprach, gab es einen Splitscreen. Man sah den Experten und links Merkel. Zitternd. Die Kamera zoomte ran, schwenkte nach unten zu den Beinen und wieder nach oben.
Das Gespräch dauerte etwas länger, denn der Moderator hatte viele Fragen, und Sendezeit musste ja auch gefüllt werden. Also noch mal: Die Kamera zoomte ran, schwenkte nach unten zu den Beinen und wieder nach oben. Und weil das Interview immer nicht zu Ende war: Die Kamera zoomte ran, schwenkte nach unten zu den Beinen und wieder nach oben.

Bitte versteht mich nicht falsch: Es war nicht eine ewige Szene, bei der die Kamera immer hin- und herschwenkte. Es war immer die selbe Sequenz. Immer wieder. Immer wieder. Die Kamera zoomte ran, schwenkte nach unten zu den Beinen und wieder nach oben.
Ich konnte einfach nicht mehr hinsehen, ohne dass ich mich hätte vor Wut übergeben müssen.

Ja, der Gesundheitszustand der Bundeskanzlerin ist nicht ganz unwichtig. Aber die Art und Weise, wie damit umgegangen wird – Moment, was läuft grad bei ntv? Ah: Die Kamera zoomte ran, schwenkte nach unten zu den Beinen und wieder nach oben -, ist doch ziemlich widerwärtig. Und wie oft soll Merkel eigentlich noch beteuern, dass es ihr eigentlich gut gehe, auch wenn das noch ein paar mal passieren könnte?

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tagesschau24: Notre-Dame brennt

Dienstag, den 16. April 2019
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MO 15.04.2019 | 21.35 Uhr | tagesschau24

Eigentlich ist tagesschau24 ein Nachrichtensender. Aber uneigentlich darf die ARD gar keinen Nachrichtensender betreiben. Was also will dieses tagesschau24 denn nun sein? Und was darf es sein?

Breaking News am Montagabend: Die Kathedrale Notre-Dame in Paris stand in Flammen. Die Nachrichtensender ntv, Welt und euronews übertrugen in Deutschland die Live-Bilder aus der französischen Hauptstadt.
Und auf tagesschau24? Da lief der Weltspiegel vom Vorabend. Und nicht mal eine Breaking-News-Info. Und auf phoenix? Eine Doku. Ohne Nachrichtenlaufband.

Um 20 Uhr gab es dann die reguläre Tagesschau, das Feuer in Notre-Dame war an dritter Stelle mit einem Korrespondentenbericht. Mehr war nicht drin. Um 20.15 Uhr begann im Ersten eine Tierdoku, auf tagesschau24 eine 90-minütige Doku über ein Jugendamt, auf phoenix eine Geschichtsdoku.

Nun kann man natürlich drüber streiten: In Paris brennt ein Gebäude. Muss man da live berichten, obwohl man ja noch gar nichts weiß? Ja, ein Nachrichtensender muss das. Der muss schließlich zur Stelle sein, wenn Menschen von der Breaking News erfahren und erste Infos wollen.
Aber offiziell ist ja tagesschau24 kein Nachrichtensender. Gegen 19.15 Uhr endet die News-Schiene, dann gibt es nur noch Dokus. Ebenso bei phoenix.
Wäre die Katastrophe am Mittag passiert, dann hätte das sicherlich ganz anders ausgesehen. Auf phoenix hätte es sicherlich Übertragungen gegeben, ebenso auf tagesschau24, die für das Erste zugeliefert hätten.
Nach 20 Uhr aber: Still ruft der öffentlich-rechtliche See.

Auf ntv und Welt gab es die Bilder aus Paris stundenlang. Dazu holten sie sich Experten ins Studio. Feuerwehr-Insider oder Leute, die sich mit solchen historischen Bauten auskennen. Die Orakelei hielt sich ziemlich in Grenzen. Aber bei den Sendern wusste man: Das wollen die Leute sehen, denn Notre-Dame ist ein Gebäude, an dem bei vielen das Herz hängt.

Bei tagesschau24 müssen sie aber hin- und hergerissen gewesen sein. Gegen 21.35 Uhr brach die Doku plötzlich ab, und auf tagesschau24 gab es plötzlich unkommentierte Live-Bilder aus Paris. Dann aber herrschte Chaos.
Immer wieder erschien die Tagesschau-Uhr, dann wieder die Paris-Bilder. Wieder die Uhr, wieder zurück. Und so weiter. Gegen 21.47 Uhr begann plötzlich doch eine Tagesschau. Jens Riewa interviewte darin, ohne die Zuschauer zu begrüßen, den Paris-Korrespondenten. Danach, ohne eine Verabschiedung oder weiteren Hinweis zum Ablauf, gab es plötzlich einen scheinbar wahllos zusammengeschnittenen Mix aus Paris-Bildern, unkommentiert. Und diese Schleife wiederholte sich auch immer wieder. Inklusive der eingeblendeten Uhr, die am Anfang der Schleife immer wieder die alte Uhrzeit zeigte. Nach 22 Uhr gab es das Interview einfach noch mal, direkt nach eine weitere improvierte Tagesschau, das aber auch nur aus dem Interview bestand.
Vermutlich wurden die beiden Stücke nur fürs Internet produziert, und tagesschau24 hat sie mit versendet.
Aber in Wirklichkeit wirkte das extrem stümperhaft und war der ARD nicht würdig.
Um 22.15 Uhr konnten sie beim Sender aufatmen und die Tagesthemen vom Ersten übernehmen. Dort gab es fundierte Infos, wenn auch nicht sehr ausführlich.

Deshalb also die Frage: Was soll, was will, was darf tagesschau24 eigentlich? Es müssen Entscheidungen her. Und die kann eigentlich nur in die Richtung gehen, dass tagesschau24 auch am Abend ein Nachrichten-Backup liefen müssen kann. Denn das peinliche Gewurschtel, was da am Montagabend zu sehen war, schadet der Marke “Tagesschau” einfach nur.

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Das war 2018!

Montag, den 31. Dezember 2018
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Ein sonniger Winternachmittag auf dem Kudamm in Berlin. Die Lichter an den Bäumen sehen zum Träumen aus. Johannes B. Kerner und Marcus Lanz plaudern ein wenig, sie wollen auf den Weihnachtsmarkt, und Marcus freut sich schon auf das Mettbrot, das er sich kaufen will. Träumerisch blickt Johannes den Marcus an und greift nach seiner Hand, als… ähm…
Nein, nein, diese ausgedachten Geschichten sollte ich wirklich lassen. Das konnte Claas Relotius vom “Spiegel” sehr viel besser. Allerdings ist er damit im Dezember 2018 dann doch aufgeflogen. Peinliche Sache, auch für den “Spiegel”, der ja angeblich alles nachrecherchiert, was die Reporter so abliefern.

Der Skandal ist Futter für alle, die sowieso sagen, dass die Medien allesamt lügen, wenn es um brisante Themen geht. Dabei sind 2018 einige heikle Dinge aufgedeckt worden. Da ging es um die Football-Leaks und die Frage, wie sehr sich Fußballvereine von den Fans entfernen. Um den Steuer-Raubzug großer Banken bei den CumEx-Enthüllungen. Um nur zwei dieser Storys zu nennen.
Auch wenn es um die Flüchtlingskrise geht, haken die Journalisten inzwischen knallhart nach. Dass dabei andere, vielleicht sogar wichtigere Themen, untergehen, bemerken offenbar nur die Zuschauer. Bei den Sommerinterviews von ARD und ZDF ging es oft 18 Minuten um die Flüchtlingskrise und zwei um den Rest. Nur bei Alexander Gauland von der AfD ging es fast nur um den Rest – und Gauland schien ratlos.

Die AfD sitzt seit 2017 im Bundestag, und immer meinen die Blauen, Unrecht in den Medien aufgedeckt zu haben. Im Brennpunkt steht dabei die Band “Feine Sahne Fischfilet”. Dass sie mal vom Verfassungsschutz beobachtet worden ist, hängt ihr noch ewig nach, und die linke Band ist der rechten AfD ein Dorn im Auge. Andererseits wird aber auch jede Kleinigkeit über “Feine Sahne Fischfilet” in den Medien durchgekaut. Als die Band für das ZDF in Dessau ein Konzert aufzeichnen wollte, sagte der Veranstalter, die Bauhaus-Stiftung, den Veranstaltungsort ab. Eine Diskussion, die für die AfD ein voller Erfolg war.
Ebenso die Diskussion um eine KiKA-Doku über ein junges Mädchen, das einen Moslem liebt, wo die AfD der Meinung war, so etwas könne man nicht unkommentiert lassen. Als Deniz Yücel in der Türkei freigelassen worden ist, wollte die AfD wissen, ob der nicht vielleicht selber schuld war, dass er in Haft war. In den sozialen Netzwerken versuchen viele Parteimitglieder weiterhin, die Gesellschaft zu spalten.

In Cottbus hat das schon gut funktioniert. Die Rechten sind dort der Meinung, dass die Stadt überfremdet sei, dass es zu viele Straftaten von Flüchtlingen gebe. Der Hass bei den Demos, an denen Normalos mit den Rechtsextremen gemeinsam marschieren, richtet sich auch gegen die Medien. Der rbb wird ebenso angefeindet wie die Reporter der Lausitzer Rundschau. Da helfen auch Diskussionssendungen, die der rbb live aus Cottbus sendet, nur wenig. Aber wenigstens bleibt man im Gespräch. Irgendwie.

Das scheint auch das Ziel von CSU-Innenminister Horst Seehofer zu sein. Als er seinen Rücktritt, nun ja, androht, berichten die Nachrichtensender in Dauerschleife. Tritt er zurück? Oder doch nicht? Oder doch? Seehofer weiß nicht so recht, und ganz Deutschland wartet auf einen eventuellen Bruch der Großen Koalition. Als die Meldung bekannt wird, dass sich gar CSU und CDU trennen, schickt ntv die Breaking News gleich auf Sendung – um dann die nächste Breaking News hinterher zu schicken, dass man einer Ente aufgesessen sei. Aber es musste eben schnell gehen. Keiner hatte 2018 so viele Comebacks wie Seehofer.

Comeback ist sowieso ein gutes Stichwort. Fernsehmacher glauben, dass die Zuschauer darauf abfahren, wenn alte Serien wiederbelebt werden. In Deutschland floppte allerdings die Neuauflage von “Akte X” oder “Will & Grace”. Selbst Shows wie “Dingsda” im Ersten und “Die Montagsmaler” im SWR-Fernsehen laufen eher mau.
Die “Lindenstraße” dagegen wird nicht fortgesetzt. Im März 2020 wird nach fast 35 Jahren die letzte Folge laufen. Begründung: schlechte Quoten und inhaltliche Unzufriedenheit. Von einer Absetzung aus inhaltlichen Gründen von “In aller Freundschaft”, “Rote Rosen”, “Sturm der Liebe” oder “Rentnercops” ist allerdings noch nichts bekannt.
Auch an der Vormittagssendung “live nach neun” hält man im Ersten fest, obwohl die Zuschauerzahlen ein Desaster sind. Ähnlich sieht es am Vorabend in Sat.1 aus. Mit “Endlich Feierabend” versucht man da zum x-ten Mal das Frühstücksfernsehen zu kopieren – und scheitert zum x-ten Mal. In diesem miesen Sog läuft auch die neue Dailysoap “Alles oder nichts” ziemlich mies. Sie hatte nie eine wirkliche Chance.
Auch ProSieben hat Sorgen. Die neuen Folgen der “Simpsons” laufen richtig schlecht. Bei Sat.1 wird die Unternehmershow “Start up” abgesetzt, obwohl doch Jurymitglied Carsten Maschmeyer so doll dafür geworben hat. Aber vermutlich wollten gerade wegen ihm so wenige einschalten.
Bei Sky dachte man sich, es sei eine gute Idee, die Castingshow “X-Factor” aus der Versenkung zurückzuholen. Die Quoten waren kaum messbar, und wer gewonnen hat… ähm… Wer hat da eigentlich gewonnen? Eine weitere Staffel ist ausgeschlossen.

Es wird für das herkömmliche Fernsehen immer schwieriger, Aufmerksamkeit zu erregen. Die Mehrzahl der jungen Zuschauer schaut schon überwiegend online. Und dann eher Netflix oder Amazon Prime, auch Youtube ist ein echter Konkurrent.
Ein Opfer ist der Musiksender VIVA. Nach 25 Jahren wird Silvester der Stecker gezogen, MTV aus dem gleichen Senderkonzern lebt weiter, aber in der Nische. Immerhin noch wacker hält sich Deluxe Music. Musikclips schaut man an sich aber eher bei Youtube.

Immerhin: Man bemüht sich aber noch. Im Ersten läuft im Herbst “Babylon Berlin”, die teure Co-Produktion mit Sky. Auf dem “Tatort”-Sendeplatz werden etwa acht Millionen Zuschauer erreicht. Das Interesse am Berlin der 20er-Jahre schwindet jedoch, am Ende schauen weniger als vier Millionen zu. Allerdings stehen in den diversen Kritiken zur Serie, in denen es hieß, man müsse als Zuschauer drei Folgen durchhalten, bis man es eventuell verdammt gut fände, auch für sich. Allerdings sorgt die Serie auch für einen der magischsten Momente des Fernsehjahres – nämlich mit einer Szene in einem Tanzclub, die für Gänsehaut sorgt.
Im ZDF wird “Bad Banks” von der Kritik gelobt, ist aber dennoch langweilig. Amazon Prime dagegen trumpft mit einer neuen Staffel “Deutschland 86” auf und mit “Pastewka” auf.

Das Fernsehen steht aber immerhin noch für Events. In diesem Land lief es glücklicherweise für Deutschland auch mal gut beim Eurovision Song Contest in Lissabon. Michael Schulte schaffte den 4. Platz. Die Diskussionen darum, dass niemand Deutschland mag und wählt, finden nicht statt.
Bei der Fußball-WM dagegen, ach, lassen wir das. Immerhin sorgte das WM-Spiel von Deutschland gegen Schweden mit 27,48 Millionen Zuschauer für den 2018er-Quotenrekord.
Und auch als in Großbritannien Harry und Meghan heirateten, waren ein paar Millionen dabei – auch Ross Antony, der für RTL vor Ort und ausrastete, nur weil das Prinzenpaar in der Kutsche an ihm vorbeirauschte.

Aber nicht alle haben Glück mit Großereignissen. In letzter Minute hatte Eurosport für die Olympischen Winterspiele in Korea Sublizenzen an ARD und ZDF vergeben. Die Folge: Die meisten Zuschauer waren bei ARD und ZDF dabei, für Eurosport 1 und den Frauensender TLC blieben kaum Zuschauer übrig. Selbst die Abendshow “Zwanzig18” hatte auf zwei Sendern parallel gerade mal 200.000 Zuschauer. Dass man in Korea eventuell einen koreanischen Dolmetscher braucht, konnte man im Ersten allerdings echt nicht ahnen.
Und dann der Echo. Der Musikpreis gerät 2018 zum Debakel. Farid Bang und Kollegah rappten davon, dass sein Körper definierter sei als von Auschwitz-Insassen. Kam nicht überall gut an, Preise gab es dafür trotzdem, und Proteste auch. Selbst in der Show herrschte Unruhe. Danach geben diverse Promis ihre Echos zurück. Ende vom Lied: Der Echo ist tot.

2018 war wieder ein Jahr der Abschiede. Wir mussten uns von vielen Promis verabschieden. Die große Aretha Franklin lebt nicht mehr. Monserrat Caballé ist verstummt. Ebenso die Musiker Holger Biege, Jürgen Marcus, DJ Avicii, Lys Assia, France Gall, Ingo Insterburg, Abi Ofarim, Dolores Edwards (Cranberries) und Charles Aznavour. Auch nicht mehr da: die Schauspieler Rolf Hoppe, Morten Grunwald, Burt Reynolds, Rolf Zacher, Siegfried Rauch, Wolfgang Völz, Jochen Senf und Ulrich Pleitgen. Die Sportler Markus Beyer und Graciano Rocchigiani. Die Fernsehleute Dieter-Thomas Heck, Egon Hoegen, Wilfried Scharnagl, Gunther Witte, Friedrich Moll, Stefanie Tücking, Martin Haas, Thomas Leif und Dagobert Lindlau. Die Entertainer Jens Büchner und Daniel Küblböck, der am Jahresende nach einem Sturz vom Schiff immer noch als vermisst gilt. Die Politiker George Bush, seine Frau Barbara Bush, Philipp Jenninger und Kofi Annan. Wissenschaftler Stephen Hawking, Sternekoch Paul Bocuse, Kirchenmann Karl Kardinal Lehmann, Unternehmerin Käthe Wohlfahrt. Die Autorin Philip Roth und Christine Nöstlinger. Sie werden fehlen.

Auch Nachrichten fehlen. RTL II findet, dass die News zu wenige Zuschauer haben. Deshalb laufen die nun am Nachmittag und sind fünf Minuten kürzer. Und auch der rbb hat seine Spätnachrichten um die Hälfte auf 15 Minuten gekürzt. Damit um 22 Uhr gut abgehangene und preiswerte ARD-Degeto-Schnulzen laufen können. Bei N24 hat sich dagegen wenig geändert – bis auf den Namen: Welt.

Und sonst so? Sascha Hehn will nicht mehr Kapitän vom Traumschiff sein. Ist ihm vielleicht zu doof geworden. Kein Wunder.
Spiegel TV ist 30 geworden. Geschenk von RTL: Sendeplatzverschiebung auf den späten Montagabend. Glückwunsch.
Auf Sat.1 durfte im “Promi Big Brother”-Haus eine gewisse Katja Krasavice minutenlang in der Wanne mit dem Duschkopf masturbieren.
Die Chefs vom FC Bayern München teilten den Journalisten mit, dass die ein bisschen genervt von der ewigen Kritik seien. Bitte mal aufhören. Danke.
Dunja Hayali moderiert nun auch das “Aktuelle Sportstudio” im ZDF. Ihren Hatern bleibt aber auch gar nichts erspart.
Das SWR-Mega-Live-Event “Jäger der versunkenen Lok” musste ausfallen. Mangels versunkener Lok. Ist aber erst nach 25 Jahren Suche aufgefallen.
Und dann noch die Helene und der Flori. Es ist so traurig.

Kann man da eigentlich noch das Jahresende feiern? Darf man sich da noch auf 2019 freuen? Mit neuen Diskussionen und Hasskommentaren und den aktuellen Wasserstandsmeldungen von “Feine Sahne Fischfilet?” Und den neuen Schluckaufs der AfD? Wir bleiben dran und freuen uns auf 2019. Und Michelle ist auch dabei.

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