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Eilmeldung: Queen Elizabeth II. ist tot

Sonntag, den 11. September 2022
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DO 08.09.2022 | 19.32 Uhr | tagesschau24

Irgendwann musste dieser Tag kommen: Queen Elizabeth II. ist tot. Im Alter von 96 Jahren ist sie am Donnerstagnachmittag auf Schloss Balmoral in Schottland gestorben.
Und noch nie ist man auf so eine extreme Art und Weise mit der Nase darauf gestoßen worden, wie Sender und Zeitungen ihre vermutlich seit langem fertigen Nachrufe ins Programm oder auf die Seiten gehoben haben. Diese Todesmeldung war fast schon erschreckend schnöde Routine in den Nachrichtenredaktionen.

Und besonders schnöde war am Donnerstagabend ausgerechnet die Tagesschau. Den ganzen Nachmittag gab es bei tagesschau24 Berichte über die Situation rund um den Gesundheitszustand der Queen. Um 19.30 Uhr deutscher Zeit gab die Royal Family den Tod der Queen per Twitter bekannt – und kurz danach wehten die Fahnen auf Balmoral und in London auf Halbmast.

Bei der Tagesschau waren sie am Donnerstag auf beeindruckende Weise stümperhaft. Als im kleinen Bildfenster auf tagesschau24 die Fahne auf Halbmast gesetzt wurde, lief gerade der aufgezeichnete Wetterbericht. Man war also ausgerechnet zu dem Zeitpunkt nicht live auf Sendung, man hat auch erst mal nicht reagiert. Moderator Michail Paweletz sagte sogar noch einen anderen Beitrag in der “Schwerpunkt”-Rubrik an – und vermutlich war auch dieser Teil der Sendung nicht live, während die Fahne im kleinen Bild groß auf Halbmast zu sehen war. Der Beitrag lief noch an, auch in den Laufbändern keine neue Meldung zur Queen.
Irgendwann – mitten im Beitrag – gab es dann doch den Eilmeldung-Vorspann.

Und dann wurde es wirklich bizarr, auf gleich zwei Ebenen. Moderator Michail Paweletz überbrachte dann nicht die Todesmeldung, also die Eilmeldung selbst, er las auch nicht das veröffentlichte Statement der royalen Familie vor. Das gab sein Teleprompter, an dem er mit den Augen klebte, leider nicht her. Stattdessen las er eine vorgefertigte Moderation vor: Nach langer Vorrede über die Queen, meinte er dann, jetzt, wo die Queen gestorben sei, sende man einen Nachruf. Es gab also zum lange vorbereiteten Nachruf die lange vorbereitete Moderation, die Paweletz einfach vorlas, ohne überhaupt auf die eigentlich aktuelle Nachrichtenlage einzugehen. Nur drei Minuten nach Bekanntwerden des Todes der Queen, sendete tagesschau24 den Nachruf.

Bizarr auch, was im Ersten geschah: Dort lief “In aller Freundschaft – Die jungen Ärzte”. Nach 19.30 Uhr lief dann die Todes-Eilmeldung immer wieder durchs Bild. Es folge ein Sonderausgabe der Tagesschau. Aber irgendwie muss man den Einstieg verpasst haben, denn erst um 19.33 Uhr – und ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt kämpfte eine Patienten in der Serie gegen den Tod – schaltete man sich in die laufende tageschau24-Sendung, und dort hatte der Nachruf schon begonnen. Heißt: Im Ersten gab es nicht mal eine Moderation, von einer Sekunde zur anderen fanden sich die Zuschauer mitten in einem Nachruf auf die Queen. Den man bis 20 Uhr noch zwei weitere Male gezeigt hat.

Um 19.59 Uhr dann ein weiterer Moderationsunfall. Offenbar sollte Michail Paweletz sich eigentlich verabschieden und an die 20-Uhr-Hauptausgabe abgeben. Hinter ihm war auch der entsprechende Hinweis zu sehen.
Aus nicht bekannten Gründen las Paweletz aber einen anderen Text vor, der scheinbar auf dem Prompter lief. Paweletz las stur vor, was da stand, und im Ersten blendete man ihn irgendwann einfach rüde weg, um zur eigentlichen Tageschau zu schalten. Dort lief übrigens zuerst der Nachruf, der direkt davor bereits zu sehen war, und somit lief er innerhalb von 30 Minuten zum vierten Mal.
Ganz klar: Was Technik und Abläufe angeht, hat sich die Tageschau am Donnerstag nicht mit Ruhm bekleckert.

Das ZDF brach um 19.34 Uhr “Notruf Hafenkante” ab. Ein Eilmeldungslaufband hatte es zuvor allerdings nicht gegeben. Im “ZDF spezial” begannen sie die Meldung wenigstens mit der Nachricht an sich. Aber auch dieser Sendung merkte man an, dass sie im Laufe des Tages vorbereitet worden ist, weil das Ableben der Queen absehbar war. Die Breaking News war für die Medien keine unmittelbare Überraschung, sondern eher der “Startschuss” für alles das, was stundenlang, tagelang, monatelang vorbereitet worden ist.
Das merkte man auch an den weiteren abendlichen Sondersendungen. Auch wenn die Nachricht erst 45 Minuten alt war, im Ersten und bei Sat.1 hatte man Sondersendungen mit Gästen und Beiträgen vorbereitet. Bei RTL Hatte man eh ein “RTL aktuell spezial” zur Sorge um die Queen vorbereitet – so mussten sie nur den Titel ändern.

Auch bei phoenix reagierte man schnell, aber auch nicht sofort. Während der Live-Übertragung aus dem Bundestag ah man auch dort im kleinen Bild die Fahne auf Halbmast. Allerdings wurde die Sendung schnell abgebrochen, um sich der Breaking News zuzuwenden.
Bei Welt, ntv und Bild waren sie dagegen live auf Sendung und konnten den Zuschauern nahtlos die neueste Nachricht überbringen. Die Nachrichtensender hatten in dem Fall tagesschau24 vieles voraus – und die haben auch erst mal die Meldung verlesen und live reagiert und nicht kommentarlos den Nachruf rausgehauen.

Und natürlich war es die BBC in Großbritannien, die die Todesnachricht fast schon protokollarisch zelebrierte. Man unterbrach alle Programme, blendete eine Tafel “BBC News Report” ein, verkündete, dass man für eine wichtige Nachricht unterbreche.
“This is BBC News from London”, sagte der Moderator, und im Grunde weiß man in Großbritannien bei diesem Ablauf schon: Jetzt wird es ernst. Buckingham Pallce habe den Tod der Queen bekanntgegeben, so der Moderator weiter. Kurz und bündig. Gefolgt von einem Schwarzbild, einer Tafel mit dem Wappen und dem Schriftzug “HM Elizabeth II” und der britischen Nationalhymne.
Da weiß man: Es wird Geschichte geschrieben.

-> Die Live-Sendung bei tagesschau24 auf Youtube
-> Das “ZDF spezial” in der ZDF-Mediathek (bis 8. September 2024)
-> “BBC News Report” auf Youtube

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Breaking News: Krieg in der Ukraine

Freitag, den 11. März 2022
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DI 08.03.2022 | 6.00 Uhr | RTL

RTL macht seit dem vergangenen Jahr eine erstaunliche Wandlung durch. Man will seriöser werden, und wenn es um Nachrichten geht, will man ernstgenommen werden.
Das zeigt sich insbesondere jetzt, in Zeiten des Ukraine-Krieges. Denn plötzlich hat RTL stundenlange Nachrichtenstrecken im Programm, ganz ohne Klimbim und Boulevard.

Am Tag, als der Krieg begann, brach RTL sein normales Frühstücksfernsehen ab und sendete von 8 bis 17.30 Uhr ein Special, gemeinsam mit ntv. Auch am Abend gab es Sondersendungen, danach sendete man live die ganze Nacht durch. Am Wochenende lief das Special von 6 Uhr am Morgen bis zum späten Nachmittag.
Und noch zwei Wochen danach, gibt es bei RTL kein reguläres Frühstücksfernsehen – fünf Stunden lang gibt es stattdessen weiterhin ein Informationsprogramm gemeinsam mit ntv. Zudem jeden Abend um 20.15 Uhr eine viertelstündige Sondersendung, um dem ARD-“Brennpunkt” nicht allein die Bühne zu überlassen.

Dass man sich dafür mit ntv zusammentut – der Nachrichtensender gehört zur RTL-Gruppe – ist sehr sinnvoll, können hier erstens Synergien genutzt werden und zweitens dem RTL-Publikum ntv (noch) bekannter gemacht werden.
Man muss nicht mögen, was RTL da macht und wie es RTL macht. Dass es ein wenig anders, vielleicht doch etwas lockerer ist, als die Tagesschau, ist nicht zwingend negativ. Dass sich ein Privatsender in Krisenzeiten aber auf diese Weise engagiert, kann nur gut sein. Dass RTL überhaupt mehr Nachrichten bringt, auch. Konkurrenz belebt das Geschäft.

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tagesschau24: Angriff auf die Ukraine

Dienstag, den 1. März 2022
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DO 24.02.2022 | 23.50 Uhr | tagesschau24

Wer am Morgen des 24. Februar 2022 aufgewacht ist, befand sich in einer anderen Welt als die, in der er am Abend noch eingeschlafen war. Russland, Wladimir Putin hat einen Angriff auf die Ukraine gestartet. Nicht nur auf den Osten des Landes, sondern auf die komplette Ukraine.
Und plötzlich befand sich Europa in einem Krieg. In einem, der droht, sich weiter auszubreiten. In einem, der Auswirkungen auf Deutschland haben wird.

Und das deutsche Fernsehen ging in den Breaking-News-Modus über, am Donnerstag quasi dauerhaft. Aus Sicht der Medien-Beobachtung gab es dabei insbesondere im Ersten eine interessante Neuerung. Denn normalerweise schaltete sich tagesschau24 bei solchen besonderen Nachrichtensituationen auf das Signal des Ersten, wo dann eine Tagesschau begann. Nun wurde aber tagesschau24 zum wirklichen Nachrichtenkanal befördert. Nun ist Das Erste auf das Signal von tagesschau24 geschaltet worden. Der Nachrichtenkanal mit allen entsprechenden Einblendungen ist im Ersten zu sehen gewesen. Allein dort durchgehend von 9 bis 13, von 14 bis 17, von 18 bis 19.45 Uhr und von 23.50 bis 1 Uhr.
Dazwischen lief um 17.15 Uhr eine “Brisant”-Ausgabe, in der zunächst aber auch Ukraine-Berichte liefen, gefolgt von den Promi-News, die Moderatorin Kamilla Senjo mit fast brüchiger Stimme ansagte, weil es ihr fast peinlich zu sein schien.

RTL und ntv schalteten sich stundenlang ebenfalls zusammen. Sat.1 zeigte dagegen weitgehend das übliche Programm, aber immerhin gab es um 20.15 Uhr ein Spezial. Das ZDF zeigte auch stundenlange Sondersendungen, “Bares für Rares” lief zwischendurch dennoch – was angesichts der Dauerbeschallung mit Kriegsberichten aber auch verständlich war. Der Mensch muss gedanklich an so einem Tag auch mal abschalten.

Eine weitere interessante Allianz gab es in der Nacht zu Freitag. Für die öffentlich-rechtliche Nachrichtenversorgung war allein phoenix zuständig. Sowohl Das Erste, als auch tagesschau24 und das ZDF schalteten sich die komplette Nacht bis zum Morgenmagazin zu phoenix.

Krieg. Eine völlig neue Situation. Ein mulmiges Gefühl. Diese Dauerbeschallung ist ganz sicher angemessen. Aber im Laufe des Tages musste ich dann einfach mal abschalten.

-> tagesschau24 (ab 9 Uhr) in der Livestream-Aufzeichnung auf Youtube

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Gysi & Schmidt: Der ntv-Rückblick

Donnerstag, den 9. Juli 2020
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MI 08.07.2020 | 17.10 Uhr | ntv

40 Minuten? Für Gysi und Schmidt?
Bei ntv meinen die das ernst.
Beim Nachrichtensender treffen sich zweimal im Jahr Gregor Gysi und Harald Schmidt, um auf das vergangene halbe Jahr zurückzublicken. Am Mittwochnachmittag lief die aktuelle Ausgabe, und es war sogar auch wieder ein bisschen Publikum im Saal. Erst nach und nach wird in Fernsehshows wieder richtig geklatscht.

Es ist im ntv-Rückblick eine durchaus spannende Kombination. Einerseits Gysi, der kluge Kopf, der die Politik wunderbar analysieren kann und dabei immer sehr pointiert ist. Andererseits Schmidt, der das Ganze mehr satirisch sieht. In den 40 Minuten sind viele Themenkomplexe besprochen worden, die durch kleine Einspieler eingeleitet wurden. Allerdings von allem ein bisschen viel – oder eher: 40 Minuten sind für die beiden viel kurz. Was auch daran zu merken ist, dass sie Sendung extrem gekürzt wurde und an vielen Stellen zu merken ist, dass es hier jund dort harte Schnitte gab.

An vielen Stellen wäre es spannend gewesen, wenn die beiden ein wenig tiefer in die Themen eingestiegen wären. Auch wenn Harald Schmidt die Diskussion um die Thüringer Ministerpräsidentenwahl abgewürgt hat mit dem Argument, dass er leider Thüringen so gar nicht spannend fände.
Aber bei ntv sollten sie mutiger sein und den beiden mehr Zeit für ihre Gedanken zu geben. Ob dann einmal die Nachrichten zur vollen Stunde ausfallen, ist doch dann auch mal wurscht.

-> Die Sendung bei TV Now

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#timeline

Mittwoch, den 5. Februar 2020
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MO 03.02.2020 | 20.15 Uhr | ntv

#coronavirus
#gabrieldeutschebank
#tempolimit
#immunitätbundestag
#heilandhaaland

Wenn Micky Beisenherz eine neue Sendung startet, dann sollte man da schon mal genauer hinschauen. Denn er gehört zu den Autoren des Dschungelcamps, und wer ihn auf Twitter verfolgt, weiß, dass er ein kluger, gewitzter Kopf ist, der mit seinen Meinungen zu den Themen, die uns bewegen, immer wieder spannende Impulse setzt.
Am Montagabend lief bei ntv seine neue Talkshow “#timeline”. Darin orientiert er sich an den fünf Themen der Woche, die auf seiner Twitter-Timeline eine Rolle spielten. Siehe oben. Und das in 40 Minuten.

Ja, das war ganz interessant, aber gleichzeitig auch enttäuschend, weil es dann doch irgendwie eine ziemlich herkömmliche Talkshow war.
Beisenherz hatte sich zur Premiere Kevin Kühnert und Laura Wontorra eingeladen. Keine besonders gute Wahl. Beide sind sie interessant, aber sie waren quasi null gegensätzlich. So kam es, dass sie in dieser Sendung fast immer einer Meinung waren.
So plauderten sich dir drei durch die Themen der Woche, aber ein bisschen mehr Kontroverse und vielleicht Streit hätte schon sein dürfen.

Die Sendung ist nur 40 Minuten lang, für jedes der fünf Themen bleiben genau sieben Minuten. Vielleicht sollte man auch da variieren – oder ein oder zwei Themen weglassen. Oder eine Schnellrunde einführen, wo in ganz kurzen Stichworten weitere Themen abgehandelt werden können.
Ein bisschen mehr Einfallsreichtum darf bei “#timeline” schon sein. So hebt sich die Sendung, abgesehen vom Twitter-Ursprung, kaum von anderen Formaten ab. Es muss mehr Platz sein für Micky Beisenherz’ Bissigkeit.
Vielleicht sollte er sich – wie bei Harald Schmidt und Gregor Gysi – einen festen Partner suchen. Auf jeden Fall mehr Gegensatz wäre gut. Harmlose Plauderei wird auf Dauer lahm.

-> Die Sendung auf Youtube

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ntv Nachrichten: Bombenfund in Köln

Donnerstag, den 23. Januar 2020
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DI 21.01.2020 | 10.00 Uhr | ntv

USA-Iran-Konflikt? Gerade nicht wichtig.
Feuer und Überschwemmungen in Australien? Jetzt nicht.
Klima-Debatte? Kurz mal vergessen.
Weil: ntv wurde evakuiert. In Köln wird eine Bombe entschärft.

Dienstagvormittag auf ntv. Der Moderator Christoph Teuner meldete sich nicht aus dem Studio, sondern direkt vom Rheinufer. Denn da, auf der anderen Rheinseite sahen wir das Thema des Tages: Die Bombe, die zu entschärfen war. Weil das ntv-Studio evakutiert worden ist, wurde live von draußen gesendet.
Und wenn man das Ereignis schon mal vor der Haustür hat, dann berichtet man auch ausführlich darüber.
Christoph Teuner schaltet zu einem Reporter, der ganz nah dran steht, an der Bombe. Na ja, in Wirklichkeit steht auch er auf der anderen Seite des Rheins und sieht die Bombenstelle auch nur aus der Ferne – wenn überhaupt.
Wir sehen im Nebel einen Bagger, der baggert. Und wir erfahren, dass bald die Hohenzollernbrücke gesperrt wird. Alles sehr spannend. Für längere Zeit gibt es kein anderes Thema mehr.

Aber so ist es ja immer: Sind die Journalisten unmittelbar von einem Ereignis betroffen, machen sie das ganz große Ding draus. Da wird eine Bombenentschärfung in Köln zum ganz großen Ding, obwohl nur 15 Anwohner betroffen waren – aber eben auch ntv. Und darauf kommt es doch an.
Vielleicht kann ntv mal live aus Oranienburg berichten, wenn mal wieder 12.000 Menschen raus müssen. Aber ist halt ziemlich weit weg vom Sendezentrum in Köln.

-> Ausschnitte auf Youtube

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Breaking News: Tote bei Schießerei in Halle

Freitag, den 11. Oktober 2019
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MI 09.10.2019 | 13.30 Uhr | ntv

Nein, nein, wir wollen jetzt nicht spekulieren. Aber wir sind ja nun mal auf Sendung, und da haben wir nun mal viel Zeit, weil wir jetzt auch nichts anderes mehr senden. Also sagen Sie doch mal was. Irgendwas. Was Sie so denken. Aber wie gesagt: Wir wollen wirklich nicht spekulieren.

Mittwochmittag. In Halle an der Saale sind Schüsse gefallen, und es hat Tote gegeben. Genaueres weiß man noch nicht.
Überraschenderweise wussten sie zu diesem Zeitpunkt auf dem Nachrichtensender ntv noch nicht mehr. Also mussten sie das Nichts eben mit, nun ja, Nichts füllen. Und mit Spekulationen, die aber auf gar keinen Fall Spekulationen genannt werden durften.
Im Grunde wissen man nicht viel, sagte der Experte im Studio, während auf dem Bildschirm ein Live-Bild aus Halle zu sehen war, auf dem eigentlich nichts zu sehen war. Außer einem roten gekennzeichneten Radweg, auf dem kein Radler fuhr. Ein Straßenbahngleis, auf dem keine Straßenbahn und einem Polizeiauto. Das immerhin war wirklich da.

Rainer Wendt wurde natürlich auch flugs zur “Breaking News”-Show von ntv zugeschaltet. Er ist Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft und darf dazu etwas sagen, weil… also, weil… Keine Ahnung, warum. Weil er zu allem seinen Senf dazu gibt, wenn man ihn nur fragt, weil ja ansonsten auch noch keiner was weiß. Und so plaudert er im Live-Interview auch darüber, was denn sein könnte, um gleich danach zu sagen, dass das ja noch Spekulation sei, aber es schaue eben doch danach aus.

Unterdessen faselt ein Reporter davon, dass man immer noch auf dünnem Eis sei, man habe nur Bruchstücke, die man da versuche, zusammenzufügen. Was natürlich auch nichts mit Spekulationen zu tun habe, die man ja auf gar keinen Fall über den Sender schicken wolle. Immerhin: Man sei vorsichtig, weil man ja in anderen Fällen auch zurückrudern musste.

Zwischendurch zeigt man noch ein Video, das einen Mann zeigt, der von einem Auto aus irgendwohin schießt. Man zeigt es, aber man könne noch nicht ganz genau sagen, ob es den Täter zeige. Aber man zeigt es halt trotzdem, und auch das hat ja mit Spekulation rein gar nichts zu tun.
Der Moderator fragt dann einen Reporter in Halle, ob er irgendwelche “gesichterten Informationen, Gerüchte, was auch immer” habe. Oder anders gesagt: Sagen Sie doch was, um Gottes Willen, damit endlich wieder Sendezeit gefüllt wird. Und vergessen Sie die Gerüchte nicht! Aber bitte: Bitte nicht Spekulieren! Aber jetzt mal wirklich: Gibt es heiße Gerüchte?

Die Reporterin, die einen Augenzeugen fragt, ob der Täter denn ein Deutscher war, gehört natürlich auch zum Repertoire des ntv-Gruselnachmittags. Der Augenzeuge wollen keinesfalls was Falsches sagen, er wusste offenbar genau, dass es heikel sein könnte, was er da der ntv-Frau sagen sollte. Aber sie hakt noch mal nach, schließlich muss ja auch das unbedingt und sofort geklärt werden, damit der Social-Media-Shitstorm in neue Bahnen gelenkt werden kann. Und, ach ja, Spekulationen… ach, ist doch eh längst wurscht.

-> Zusammenschnitt von Übermedien auf Youtube

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