RTelenovela

In der AGA (11): Nachuntersuchung

Montag, den 14. September 1998
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Montag. Die neue Woche beginnt besonders früh. Da man letztens bei mir bei der zweiten Musterung diverse Gebrechen festgestellt hat, muss ich nun richtig untersucht werden. Irgendwie hat man ja immer die leise Hoffnung, dass der Onkel Bundeswehr-Doktor eine schlimme Sache findet und man spontan als T7er eingestuft oder gleich ganz ausgemustert wird. Ein Wunschtraum. Ich weiß.

Um also festzustellen, dass wir kerngesund sind, wurden wir morgens um 5.30 Uhr in einen alten, stinkigen Bus gesetzt, der noch nie eine Sitzpolsterung, geschweige denn eine andere Farbe als grün gesehen hat. Ziel unserer morgendlichen Reise ist Neustadt/Glewe, irgendwo in Mecklenburg-Vorpommern. Wir wissen das nicht so genau.

Und nun sitzen wir da, in einem wunderschönen Wartezimmer. Leider habe ich mir nichts zum Lesen mitgenommen. Mit den hier rumliegenden Zeitschriften kann ich nicht wirklich was anfangen. „Bundeswehr heute“ oder „Weltbild“ sind bei uns eher nicht begehrt.

Weinige Minuten später werde ich zum Oberstabsarzt gerufen. Der ordnet erst mal an, dass meine Ohren vom Ohrenschmalz befreit werden. Dazu muss eine Spülung durchgeführt werden. Eine echt schöne Prozedur. Mit einer Pumpe wird nicht besonders warmes Wasser durch meine Gehörgänge gejagt.
Was aber nicht das Ohrensausen beseitigt. Somit müssen weitere, wirklich umfangreiche Untersuchungen durchgeführt werden. Dann lerne ich wenigstens das ganze Gelände des StOSanZ, Standortsanitäts-zentrums Neustadt/Glewe, kennen. Denn nun werde ich von Schwester zu Schwester, von Doktor zu Doktor geschickt.
Blutdruck messen, EKG, Rad fahren, wieder Blutdruck messen. Was für ein Stress! Wenn wenigstens etwas dabei rauskommen würde. Am Ende gibt es noch einen Hörtest, bei dem herausgefunden werden soll, wie laut die Ohrgeräusche wirklich sind. Dazu bekomme ich Kopfhörer. Hier werden verschieden laute Töne eingespielt und ich muss sagen, ob sich mein Ohrensausen genauso anhört. Natürlich nicht. Klingt völlig anders. Irgendwie. Oder so. Ach, was weiß ich.
„Tja, Herr Tiesler…“ Hat der Oberstabsarzt gerade „Herr Tiesler“ gesagt? Kennt der denn keine Dienstgrade? Ich hätte einen Tinitus, der allerdings nicht sehr schwerwiegend ist und noch nicht behandelt werden muss. Irgendwie war ich über diese Diagnose alles andere als überrascht. Und dafür bin ich morgens um 4.30 Uhr aufgestanden und in ein mecklenburgisches Kaff gegondelt, um zu erfahren, was ich schon lange weiß?