RTelenovela

Radtour (27): Sackgasse ins Nichts

Sonntag, den 7. Juli 2013
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(26) -> 18.6.2013

Dass ich mich mal wieder auf eine Expedition begebe, war wirklich nicht geplant! Ich bin einfach so reingeraten.
Eigentlich wollte ich nach einem Besuch des Eiscafes am Oranienburger Lehnitzsee nur noch die übliche Runde fahren – entlang des Oder-Havel-Kanals bis Friedrichsthal und durchs Dorf zurück.
Aber es sollte anders kommen.

Erste neue Entscheidung: An der neuen Friedrichsthaler Brücke fahre ich noch weiter bis Malz – da ist Dorffest, vielleicht ist’s da nett. Also radele ich an der Werft und der Schleuse vorbei nach Malz.
Doch das, ähm, Dorffest ist eine Enttäuschung. Auf der Wiese stehen ein paar Bänke, ein paar Leute sitzen da rum, dazu ein bisschen Musik und Bierwagen. Das ist nicht mal ein Fotomotiv und kein Grund, eine Pause zu machen. Zumal ich sowieso nur noch 2 Euro dabei hatte.

Ich fahre eine Kopfsteinpflasterstraße entlang und erreiche den Ortsausgang von Malz. Welcher Ort danach kommt, und ob da überhaupt noch ein Ort kommt, steht da nicht. Die Fläche auf dem Schild ist jungfräulich gelb. Aber: Es gibt einen richtigen Radweg.
Und da ist sie – die Expedition. Ich radele weiter und weiß nicht, wohin.

Ein Radweg, der mir völlig unbekannt war. Von Malz aus führt er durch den Wald. Nebend er unbefestigten Sandpiste gibt es einen asphaltierten Weg. Und die Stille, die pure Natur. Ein herrlicher Weg!
Irgendwann aber biegt der Radweg links ab, das freundschaftliche Nebeneinander von Sand- udn Radweg endet. Jetzt geht es an einer Stromoberleitung entlang, durchs Feld. Ich habe keinen blassen Schimmer, wo ich ankommen könnte. Ich tippe auf Nassenheide.

Ich komme an eine Straße – und ahne: Ich bin genau an der Grenze zwischen Neuholland und Freienhagen. Die Landesstraße.
Aber ist es wirklich die Landesstraße? Ich bin mir unsicher. Die Hinweisschilder für Radfahrer sind nicht ganz eindeutig. Freienhagen ist nicht ausgeschildert. Und: Gegenüber geht eine Straße ab, wohin sie führt, weiß ich nicht. Vielleicht bin ich auch nur zu blöd, die richtigen Schilder zu finden.
Ich entscheide mich – warum auch immer – diese schmale Straße entlang zu fahren. Ich komme an einer Pferdepension vorbei, dessen Namen ich noch nie gehört habe. Weiter an einem riesigen Rinderstall vorbei.

Erstaunlicherweise gibt es sogar im Nirgendwo eine Bushaltstelle. Vielleicht bekomme ich durch den Fahrplan heraus, wo ich bin.
Das Vorhaben scheitert allerdings daran, dass beide Fahrpläne beider Fahrtrichtungen dranhängen. Aber in welcher Richtung bin ich denn nun unterwegs? Die Haltestelle heißt: “Neuholland, Sperberhof”.
Immerhin ist nun klar: Ich bin tatsächlich in Neuholland, und ich war kurz davor tatsächlich an der Landesstraße. Wäre ich nur mal links abgebogen! Aber umdrehen kommt bei der Radtour nicht infrage.

Ich radele also weiter – bis zum Bergemannhof, einem Wohnplatz – gewissermaßen ein Ortsteil von Neuholland. Kannte ich vorher nicht. Wieder mal einer der Kleinstorte in Oberhavel, die ich neu entdeckt habe.
Ich biege in die kleine Straße ab, die so heißt die der Ort. Ein paar Höfe, wenige Häuser, ein paar Hunde, die müde rumliegen. Ansonsten weites Feld.
Erstaunlich. Ein gibt Orte im Nirgendwo, die vom Nirgendwo noch mal abgezweigt sind. Im verlauf der Straße gibt’s weitere einzelne Grundstücke. Und ein Sackgassenschild, das ich aber erst mal ignoriere. Ich fahre weiter und gelange an ein Grundstück – und ans Ende der Straße.
Hier geht es nicht weiter – und es ist das erste Mal auf meiner meiner Radtouren, dass ich umdrehen muss, dass ich wirklich nicht weiter komme, denn die Straße endet am Feld.

Also zurück. Aber nur bis zur Bushaltestelle. Denn dort biegt ein Plattenweg zum Sperberhof ab. Über holprige Betonplatten fahre ich entlang eines Wassergrabens ohne Wasser. Wo nun der Sperberhof ist, weiß ich nicht. Habe ich nicht gefunden – oder übersehen. Aus Beton wird Sand, aber selbst im Nichts gibt’s plötzlich ein Ortsschild: Freienhagen. Ich erreiche die Groß-Siedlung.
Große Pferdehöfe, hübsche Villen und ein besonders kurzer Ernst-Thälmann-Weg.
Am Ende der Siedlung bin ich wieder an der Landesstraße. Ich fahre Richtung Nassenheide. Inzwischen zut mir der Hintern weh, und ich will nun eigentlich auf dem direkten Wege nach Hause.

Der Bahnhof Nassenheide ist komplett neu gestaltet. Der alte Bahnsteig ist weggerissen, das Wartehäuschen ist weg – übrig nur nur eine neue Plattform auf der nach Freienhagen gerichteten Seite. Sehr schmucklos. Im Schaukasten hängt ein Zettel mit einem Foto des mehrköpfigen Bahnhofsteams – allerdings sitzt es nicht in Nassenheide, sondern irgendwo in Berlin. Aber schönes Foto…

Das mit dem direkten Weg gelingt mir in Nassenheide dann doch nicht – ich biege am Friedrichsthaler Weg falsch ab und verirre mich in einem lauschigen Wohngebiet. Sackgassenpleite Nummer 2.
Dann aber geht’s zurück – entlang der B96 und weiter nach Sachsenhausen. Nach einem Zwischenstopp im Imbiss von Ronald M.D. erreiche ich endlich wieder meine Straße – fast drei Stunden war ich unterwegs. Reicht erst mal wieder.

aRTikel

1993: Regine Hildebrandt lobt neue Sommerfelder Rehaklinik

Dienstag, den 25. Juni 2013
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April/Mai 1993 -> 11.5.2013

Vor 20 Jahren: Ausbau des Hellmuth-Ulrici-Geländes kommt voran / Zoff um Schildower Amtsdirektor / Racheakt in Friedrichsthal

MAZ Oranienburg, 25.6.2013

Was passierte vor 20 Jahren im damaligen Kreis Oranienburg? Diesmal der Mai und Juni 1993.

OBERHAVEL
An der B 96 bei Nassenheide soll ein Motel gebaut werden. Entsprechende Pläne werden am 21. Mai 1993 bekannt. Entstehen soll es in rustikaler Blockbauweise mit mehr als 30 Betten, einer Gaststätte, Sauna und einem Fitnessbereich.

Der Löwenberger SV gewinnt das Fußball-Kreispokalfinale. Gegen den 1. FC Kremmen gewinnt die Mannschaft mit 3:2.

Die SPD ist die große Siegerin bei der Wahl zum Gemeindeparlament in Stolpe-Süd. Am 23. Mai 1993 bekommt sie mehr als 50 Prozent der Stimmen. Werner Ebert wird neuer Bürgermeister. Nach heftigen Streitigkeiten und dem Rücktritt fast aller Gemeindevertreter ist die Wahl notwendig geworden.

Sprengmeister Horst Reinhardt steht am 25. Mai 1993 vor seinem bis dahin schwierigsten Fall. Am Bachstelzenweg in Lehnitz muss eine 500-Kilo-Bombe entschärft werden. Sie liegt in sechs Metern Tiefe, lange muss erst das Grundwasser abgepumpt werden. Am Ende ist eine Sprengung aber doch nicht notwendig, Reinhardt gelingt es, sie zu entschärfen.
Nur 24 Stunden später ist wieder Bombenalarm, diesmal auf dem Gutsplatz in Lehnitz.

Peter Ihloff soll nicht mehr Amtsdirektor in Schildow sein. Sieben von acht Mitgliedern des Amtsausschusses sind am 26. Mai 1993 für seine Abberufung. Die Unzufriedenheit über die Arbeitsweise Ihloffs im Amt Schildow ist groß. Mühlenbecks Bürgermeister Helmut Woggon bemängelt vor allem das Finanzchaos, aber das bringt ihm Ärger ein. Auch Waggon sieht sich Rücktrittsforderungen ausgesetzt, denn die Mühlenbecker Gemeindevertretung hatte eigentlich gegen die Abwahl Ihloffs gestimmt. Die Mühlenbecker wollen Einspruch gegen die Entscheidung einlegen. Woggon bleibt zunächst Ortschef.

Am Birkengrund in Wensickendorf sollen auf einer Fläche von 2500 Quadratmetern drei Tennisplätze entstehen. Zum Komplex gehört ein Klubhaus. Die Gemeindevertreter erhoffen sich auch Impulse für die Jugendlichen im Dorf.

Nach dem Brandanschlag von Solingen, bei dem Ende Mai 1993 fünf türkische Bewohner sterben, demonstrieren Schüler des Oranienburger Runge-Gymnasiums am 3. Juni gegen Ausländerfeindlichkeit und Fremdenhass.

Die Liebenwalder Marktschule platzt aus allen Nähten. Die Konsequenz: Die 3. Klasse wird im kommenden Schuljahr 1993/94 in Räumen der Schule in Neuholland unterrichtet.

Erstmals wird der Kulturpreis des Kreises Oranienburg vergeben. Er geht 1993 an die Marwitzer Keramikerin Hedwig Bollhagen, die für ihre jahrzehntelange Arbeit geehrt wird.

Brandenburgs Sozialministerin Regine Hildebrandt (SPD) kommt am 9. Juni zur Eröffnung der Sommerfelder Rehaklinik. Es handelt sich um die erste Stufe des Ausbaus der Hellmuth-Ulrici-Kliniken. Hildebrandt versprach, sich um den Landtausch zu kümmern, denn das Gelände in Sommerfeld gehört immer noch dem Land Berlin.

Racheakt in Friedrichsthal. Vier Männer verwüsten ein Haus am Ortsrand, die Polizei kann sie am 9. Juni 1993 bei einer Verfolgungsjagd schnell festnehmen. Der Tat ging ein Vorfall voraus, bei dem der Hund der betreffenden Familie von einem anderen Hund gebissen worden ist. Daraufhin kam es zu einer brutalen Schlägerei unter den Besitzern.

aRTikel

1993: Hennigsdorfer Metaller streiken, Oranienburger hoffnungslos

Samstag, den 11. Mai 2013
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März/April 1993 -> 9.4.2013

Vor 20 Jahren: Riva-Belegschaft will mehr Lohn / Krupp verkündet Aus für Werk in der Kreisstadt / Bomben in Lehnitz und Eichstädt

MAZ Oranienburg, 11.5.2013

OBERHAVEL
Was passierte vor 20 Jahren im damaligen Kreis Oranienburg? Diesmal der April und Mai 1993.

Der Unternehmer Horst Eichholz erwarb am Germendorfer Ortsausgang ein 60 Hektar großes Areal. In den kommenden 30 Jahren, also bis 2023, will er Bausande gewinnen. Das Gelände rund um den Kiessee will er zum Naherholungsgebiet ausbauen.

Harald Juhnke dreht mal wieder im Hennigsdorfer Media-Park-Studio. Im April 1993 entstehen Szenen für den Film „Ein Kerl wie Samt und Seide“.

Fast 4000 Fans erleben das Osterspektakel auf der Speedwaybahn in Wolfslake. Bei den Solomaschinen gewinnt Christian Görs aus dem heimischen Team.

Otto Arndt ist neuer Bürgermeister von Freienhagen. Bislang war er nur Stellvertreter.

Das Rathaus von Kremmen ist viel maroder als angenommen. Amtsdirektor Klaus-Jürgen Sasse schätzt im April 1993, dass die Sanierung etwa zwei Millionen Mark kosten würde, das kann sich das Amt momentan nicht leisten. Deshalb könne erst mal nur der Seitenflügel bearbeitet werden.

Die Beschäftigten von Krupp-Stahl Oranienburg beginnen am 16. April 1993 eine Mahnwache vor dem Werkstor. Das Werk soll geschlossen werden, doch eine Entscheidung darüber wird immer wieder aufgeschoben. Erst im Mai ist klar: Am 30. Juni 1993 ist Schluss. Die Kaltwalzwerker wollen bis dahin nicht mehr streiken, sondern sehen, was für sie und ihre Familien noch möglich ist.

Ein neu erschienener Gästeführer für Oranienburg sorgt für Aufsehen. Erstellt worden ist die Broschüre von einer Agentur in Worms – und sie ist voller schlimmer Fehler. Im geschichtlichen Teil ist von „Luise-Henriette von Nassau-Oranienburg“ die Rede. Dazu gibt es eine Straßenkarte aus der Nazizeit. Darauf befindet sich das Heimatmuseum in der Horst-Wessel-Straße, der Adolf-Hitler-Damm ist mit Tipp-Ex nur leicht unleserlich gemacht worden. Die Stadtverwaltung lehnt es ab, dafür die Verantwortung zu übernehmen, das Heft wird nicht mehr ausgeliefert.

Am Veltener Autobahnsee (Bernsteinsee) soll eigentlich bald die Badesaison beginnen, doch am 22. April 1993 ist alles verbarrikadiert. Am Strand liegen riesige Rohre. Die Stadt Velten will die Anlage verkaufen, doch die Verträge sind noch nicht fertig.

In Hammer schrillen die Alarmglocken. Die Schule soll geschlossen werden und die neuen ABC-Schützen auf Liebenwalde und Neuholland aufgeteilt werden – der Hort jedoch würde in Hammer bleiben. Der Gemeinderat beschließt am 29. April 1993, die Schule offen zu lassen und stellt sich damit gegen das Amt Liebenwalde.

Unter der Regie der Orion-Agrar-GmbH entsteht im Kremmener Ortsteil Orion eine Erschließungsstraße für das neue Gewerbegebiet. Komplizierte Grundstücksangelegenheiten haben das Projekt verzögert, wie Geschäftsführer Christoph Brunner erklärt.

Es gibt Gedankenspiele der Flughafenplaner, den neuen Großflughafen für Berlin-Brandenburg zwischen Tietzow (Kreis Nauen) und Flatow zu bauen. Dagegen spricht nicht nur der Kranichrastplatz, auch die Landesregierung lehnt einen nördlichen Standort für den Flughafen ab.

Die Belegschaft des Hennigsdorfer Riva-Stahlwerkes beginnt am 3. Mai 1993 einen Streik. Die Belegschaft kämpft um höhere Tarife.

Im Oranienburger Lehnitzsee muss am 5. Mai eine amerikanische Fünf-Zentner-Bombe gesprengt werden. Die Wasserfontäne bei der Explosion ist gewaltig. Im Eichstädter Dorfteich kommt bei Baggerarbeiten am 13. Mai 1993 eine Bombe ans Licht, die jedoch nur noch eine leere Hülse ist. In Lehnitz aber steht der nächste Kracher bevor: Im Bachstelzenweg liegt eine 500-Kilo-Bombe. Die Entschärfung könnte schwierig werden.

aRTikel

1992: Die nächste Zehn-Zentner-Bombe

Freitag, den 14. Dezember 2012
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November 1992 -> 23.11.2012

Vor 20 Jahren: Sprengung bei „Eisbein-Otto“ in Oranienburg / Markthändler sägt Baumäste ab

MAZ Oranienburg, 14.12.2012

Was passierte vor 20 Jahren in der Region? Diesmal die erste Hälfte im Dezember 1992.

OBERHAVEL
Wieder mal eine Bombe! Diesmal in der Nähe der Gaststätte „Eisbein-Otto“ in Oranienburg-Süd. Die Zehn-Zentner-Bombe muss am 3. Dezember 1992 gesprengt werden. Ein daneben stehendes Haus wird durch die Druckwelle beschädigt. Bürgermeister Wolfgang Arps verspricht schnelle Hilfe.

Umweltfrevel auf dem Oranienburger Marktplatz. Ein Spielzeughändler lässt sich einen Container anliefern. Leider passt er nicht an den vorgesehenen Platz, also macht der Händler kurzen Prozess und stutzt einige Äste des Baumes, der im Weg steht. Mitarbeiter des Ordnungsamtes zeigen den Mann an.

Es gibt Diskussionen um die Nachnutzung des alten GUS-Hubschrauberlandeplatzes in Oranienburg. Geschäftsleute aus Germendorf und Friedrichsthal wollen dort kleine Privatjets landen lassen.

Polizeipräsident Peter Kirmße ist schockiert: Die Notrufnummer 110 ist oft nicht zu erreichen. Tests ergeben: Von öffentlichen Telefonzellen in Oranienburg und Lehnitz aus gibt’s nur ein Besetztzeichen. Per Funktelefon kommt die Verbdinung zustande – aber nur kurzzeitig, bevor sie zusammenbricht. Kirmße sagt, es handele sich um ein Problem der Telekom, polizeiintern sei das System in Ordnung. Die Bürger müssen im Dezember 1992 statt der 110 die 112 nutzen.

Telefonische Probleme gibt es auch im Kinderheim am Wensickendorfer Weg in Birkenwerder. Am 18. November 1992 fällt das Telefon aus, fast vier Wochen danach funktioniert es immer noch nicht. Die Telekom vertröstet ihre Kunden.

In der Dimitroffstraße in Neuholland werden Anfang Dezember 1992 Mauerreste aus Berlin verbaut. Eine Zehdenicker Firma ließ sie vorher schreddern. 30 Neuholländer sind auf den Beinen und helfen beim Straßenbau mit. 35 Paletten alte Gehwegplatten und Bordsteine nehmen sie auf und hacken auf einer Länge von 43 Metern dutzende Feldsteine aus dem abgenutzten Straßenbett.

aRTikel

1992: Wirbel um Gasalarm in Birkenwerder

Montag, den 17. September 2012
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August 1992 II -> 1.9.2012

Vor 20 Jahren: Rundfunk vermeldet versehentlich Explosion / Weiter Streit um Asylanten im Landkreis

MAZ Oranienburg, 17.9.2012

Was passierte vor 20 Jahren im Altkreis Oranienburg? Und was berichtete die MAZ? Diesmal: die erste Hälfte im September 1992.

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Die alten Fachschließanlagen der Post haben ausgedient. Am 1. September 1992 kommen die Briefe und Karten direkt ans Haus. Das Problem: Viele Leute haben noch gar keinen eigenen Briefkasten am Haus.

Der ehemalige Bürgermeister von Lehnitz, Richard Wienecke, hat einen neuen Job: Er wird Amtsdirektor des neu gebildeten Amtes Oranienburg-Land.

Am Asylbewerberheim in Neuholland kommt es am 2. September 1992 zu einem massiven Polizeieinsatz. Mitarbeiter des Sozialamtes versuchten zuvor vergeblich, das Taschengeld und die Verpflegung auszugeben. Die Asylanten wehren sich gegen die Ausgabe der Mittel in dieser Form. Sie werfen Einrichtungsgegenstände und Kleider durch die Fenster. Das Gebäude wird teilweise stark beschädigt. Eine große Zahl der Asylbewerber distanziert sich allerdings von der Aktion.
Unterdessen legt die Bundeswehr ein Veto ein. Auf einem Areal im Wald bei Beetz sollte ein weiteres Asylbewerberheim entstehen. Die Bundeswehr will bis 1994 dort weiter ein Tanklager betreiben. Das bringt die Kreisverwaltung in Schwierigkeiten. Es gibt keine Plätze mehr in den Heimen.

An der Schule in Staffelde gibt es Zoff. Auf einer Versammlung regen sich die Eltern über miese hygienische Zustände auf. Kinder und Lehrer müssen aufs Plumpsklo gehen, auch die Waschgelegenheiten lassen zu Wünschen übrig. Ein entsprechender Anbau lässt auf sich warten.

Die Oranienburger Kreis- und Stadtbibliothek soll geschlossen werden. Das Landratsamt will die Bücherei bis zum 31. Dezember 1992 abwickeln. Immerhin bekennt sich Oranienburgs Bürgermeister Wolfgang Arps dazu, eine Stadtbibliothek weiterführen zu wollen. Die entlassenen Mitarbeiter könnten sich dafür bewerben. Der Bücherbestand werde aufgeteilt, so heißt es.

Polizei und Ordnungsamt räumen am 11. September 1992 eine Wohnung in Hennigsdorf. Seit Wochen stank es daraus bestialisch. Gefunden werden von den Mitarbeitern vergammelte Speisereste, Wasser in der Spüle und Schaben in der Wohnung. Die Wohnung muss desinfiziert werden.

Der Rundfunk vermeldet am 12. September 1992 eine Gasexplosion in Birkenwerder. So schlimm ist es nicht, aber der Gasalarm wegen einer defekten Leitung an einem Hausanschluss stoppt den S-Bahn-Verkehr, viele Autos und das Radrennen „Rund um Berlin“.

aRTikel

Eine haarige Sache

Mittwoch, den 20. Juni 2012
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Eichenschädling: In Neuholland nur noch im Schutzanzug auf dem Radweg

MAZ Oranienburg, 20.6.2012

Bei Groß-Ziethen, in Wolfslake, Neuholland und Nassenheide: Der Eichenprozessions- spinner frisst die Bäume kahl.

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Fred Hoffmann aus Neu-Vehlefanz wollte sich das Drama nicht mehr ansehen. Auf dem Gelände seiner Autowerkstatt in Wolfslake nistete sich der Eichenprozessionsspinner ein. Mit einem Autostaubsauger rückte Hoffmann den Tieren auf den Pelz. „Am Abend hatte ich schlimme Pusteln am Körper“, erzählt er. Kein Wunder: Schon der kleinste Kontakt mit den umherfliegenden Härchen kann allergische Reaktionen auslösen.

Überall in Oberhavel sind Eichen von den Spinnern befallen. Die grauen Nester an den Stämmen sind deutlich zu erkennen, oft bilden sie lange Linien hoch bis in die Astgabeln. Die Bäume sehen aus wie im Dezember: kahl, vertrocknet, tot. Ein Brennpunkt ist die Straße zwischen dem Ortsausgang Groß-Ziethen und dem Abzweig Klein-Ziethen. Nutzer unserer Facebook-Seite „MAZ Oranienburg“ meldeten den Schädlingsbefall außerdem im Nassenheider Forst sowie auf der Strecke zwischen der Borgsdorfer Kreuzung und Lehnitz.

Besonders schlimm sieht auch die Eichenallee in Neuholland aus. Zwischen dem Abzweig ins Dorf und der Hamburger Kreuzung entlang der L213 sind die Bäume braun und fast kahl. Der Radweg ist an dieser Stelle kaum noch benutzbar. Regelrechte Schutzanzüge wären nötig. „Wir haben Angst, dort langzufahren“, sagt die Neuholländerin Heike Steger. Ihre Sportkollegin Doreen Lässig hat erlebt, was passiert, wenn sich Radler nicht schützen: „Nach ein paar Stunden fängt es tierisch an zu jucken“, erzählt sie. „Später hatte ich richtige harte Stellen und große Pusteln.“ Fast 14 Tage dauerte es, bis alles verheilt war. Schon oft fragten sie in der Stadtverwaltung nach, warum nichts gegen den Eichenspinner getan wird. „Oft halten dort Touristen an und bestaunen die Spinner“, erzählt Heike Steger. „Sie wissen nicht, dass das gefährlich ist.“ Die Liebenwalder Stadtverwaltung ließ an der Stelle ein Schild aufstellen: „Achtung, Eichenprozessionsspinner!“ Heike Steger ist das zu wenig. „Das sagt kaum was aus“, findet sie.

Andrea Goldhammer vom Liebenwalder Ordnungsamt muss sich oft Beschwerden über den Schädling anhören. „In den Orten haben wir den Spinner vielerorts schon entfernt“, sagt sie. An der Zehdenicker Straße in Liebenwalde, in Neuholland und Freienhagen waren die Bekämpfer schon vor Ort. „Aber an der Landesstraße sind uns die Hände gebunden.“

[Landesbetrieb winkt ab.]

Heike Steger aus Neuholland kann das nicht verstehen: „Es werden Millionen Euro für Radwege ausgegeben, die wir nicht nutzen können.“ Sie findet, dass der Weg gesperrt werden müsse.

Bei Fred Hoffmann ist das Ordnungsamt Oberkrämer bereits aktiv gewesen. „Die gröbsten Nester sind weg, aber das ist nur ein Bruchteil aller befallenen Bäume“, sagt er. Dirk Eger, der Leiter des Ordnungsamtes in Oberkrämer, setzt bei der Bekämpfung des Spinners Schwerpunkte. „Dort, wo Leute unterwegs sind, vor allem Kinder, werden wir aktiv“, sagt er. So kündigte er an, dass die Nester an den Bäumen im Eichstädter Heidegarten entfernen werden. „Alle Schädlinge zu bekämpfen, dazu sind wir nicht in der Lage.“

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Diese Spinner (2): Vermummt in Neuholland

Dienstag, den 19. Juni 2012
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(1) -> 12.6.2012

Ich habe so ein Jucken an der Hand. Zwischen Mittel- und Ringfinger. Hat mich der Spinner erwischt? Oder bin ich schon paranoid?
Die vom Eichenprozessionsspinner befallenen Bäume entlang der Landesstraße in Neuholland sind mir ja schon neulich aufgefallen. Diesmal habe ich sie mir ein wenig genauer gesehen. Eine Gruppe Frauen kämpft in Neuholland dafür, dass endlich mal was gegen die Plage unternommen wird. Sie haben handfeste Gründe dafür, sauer zu sein. Denn die befallenen Bäume stehen direkt am Radweg, der in die nächstgelegene Stadt, nach Liebenwalde, führt. Den Radweg können sie kaum noch benutzen, denn ein Härchen vom Spinner genügt für einen allergischen Schock, für Pusteln, für Juckreiz und mehr…
Auch im Dorf selbst herrscht Spinneralarm. Die Kitakinder können kaum noch raus, der Spaziergang zum nahegelegenen Kanal fällt aus.

Deshalb wollen die Neuholländer Frauen nun noch einmal auf die Situation aufmerksam machen. Sie schmissen sich regelrechte Schutzanzüge über, vermummten sich regelrecht, Mundschutz und Schutzhüllen – so radelten sie den Weg Richtung Liebenwalde entlang. Und ich machte davon ein Foto.
Natürlich auch nicht ganz ungeschützt. Bei 24 Grad zog ich mir meine warme Jacke über und zog mir die Kapuze drüber. Schließlich weiß man ja nie. Ich fotografierte also die Radlerinnen-Truppe und die Spinner an den Bäumen.

Und irgendwie juckt’s jetzt hier und da.
Ach, alles nur Einbildung.