RTelenovela

Neuhof

Samstag, den 18. August 2012
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Es wird mal wieder Zeit für eine Oberhavel-Expedition. Und wieder mal eine Ortschaft in meinem Heimat-Landkreis kennengelernt, in der ich bisher noch nie war: Neuhof. Der Ort liegt zwischen Neuendorf und Hohenbruch. Neuhof gehört zum Löwenberger Land.

Auf der Internetseite der Gemeinde Löwenberger Land erfährt man nur wenig über Neuhof. Nur, dass die Siedlung im Jahre 1927 gegründet wurde und zu Neuendorf gehört.
Wer von Neuendorf nach Neuhof fährt, ist auf einer schmalen Asphaltpiste unterwegs – durch einen tiefen, dichten Wald. Wahrscheinlich sieht man in Oberhavel nur wenige solche dichten Wälder. Dunkel und durchaus beeindruckend.

Neuhof selbst besteht nur aus wenigen Häusern und zwei Straßen, die allerdings beide den selben Namen tragen. Sogar eine Bushaltestelle hat der Minort – allerdings fährt in den Ferien dort kein Bus lang. Die Post leer den Briefkasten jeden Tag. Wie viel Post da wohl abgeht?
An einem Grundstück hängt ein Korb außen am Gartenzaun. Es liegt allerdings nur ein Stein drin. Vielleicht war das früher mal anders, und die Leute konnten sich kartoffeln mitnehmen oder Erdbeeren oder Tomaten.
Ein Hund hinter dem Zaun wird auf mich aufmerksam. Aber er bellt nicht. Vielleicht ist er es in Neuhof nicht gewöhnt, dass da plötzlich jemand vor dem Grundstück rumsteht.

Nach nicht mal fünf Minuten verlasse ich Neuhof wieder – in Richtung Hohenbruch.
Falls es auf der B96 mal wieder einen Unfall gibt, kann man sich die Strecke von Teschendorf über Neuendorf und Neuhof jedenfalls als Ausweich merken.

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Bürgerablage

Samstag, den 7. Juli 2012
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Die Bürgerablage ist keine Behörde oder Müllkippe, wo irgendwelche Menschen verklappt werden. Viel mehr handelt es sich um eine Badestelle an der Havel in Berlin-Konradshöhe.
Ich habe neulich erst das erste Mal davon gehört, mir war die Bürgerablage davor kein Begriff. Die Badestelle befindet sich direkt an der Landesstraße kurz hinter der Grenze zwischen Nieder Neuendorf und Berlin. Es gibt dort einerseits einen richtigen Strand, sogar von Rettungsschwimmern überwacht. Nebenan, im ehemaligen Todesstreifen, ist ein weiterer, kleiner Zugang ins Wasser.
Das Wasser war sehr erfrischend, und zumindest am Abend ist dort kaum was los.

Eine weitere nette Badestelle ist in Neuendorf. Dort war ich heute ebenfalls das erste Mal. Wer in Teschendorf die B96 verlässt, kommt direkt nach Neuendorf. Etwas abseits der Hauptstraße liegt die Große Plötze. An dem See ist ebenfalls ein netter Sandstrand. Drumherum und recht weitläufig eine Wiese.

Momentan sind wir für das schnelle Baden aber in Wandlitz. Am Abend ist das ideal, denn auf den Uferwiesen ist wenig los, einen Mini-Parkplatz gibt’s auch. Und wenn nicht – wie heute – riesige Blitze über dem See gezuckt hätten, wären wir sogar ein wenig länger im Wasser geblieben.

RTelenovela

Im Atlas: Der Blick in die Zukunft

Montag, den 25. Juli 2011
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Manchmal brauchen Straßenprojekte etwas länger, bis sie Wirklichkeit werden. Einige liegen ewig auf Eis, fallen dem Sparzwang zum Opfer, andere Projekte sind erst nach langem Hin und Her fertig.
Einige Straßenatlanten schaffen jedoch schon überraschende Fakten. Im Travelmag-Reiseatlas 2011/12 sind bereits der Verlauf der B96 in Richtung Norden gekennzeichnet. Immerhin mit dem zusätzlichen Kürzel “i.Pl.” – in Planung.

In Nassenheide zeigt der Atlas eine Strecke, die westlich um den Ort herumführt. Nördlich davon kreuzt die Planungsstrecke die alte B96, bevor sie zwischen Neuendorf und Teschendorf wieder nach links abknickt. Weiter nach Norden, in Höhe Wackerberge, an der Kreuzung nach Grüneberg, kreuzt die im Altas gestrichelte Strecke wieder die alte Bundesstraße. Dann geht es westlich von Löwenberg weiter.
Und auch die Umgehung der B167 ist eingetragen. Diese Umgehung führt von südlich von Löwenberg am Ort vorbei, kreuzt dort die B96. erst östlich von Neulöwenberg schwenkt die B167 wieder auf die alte Trasse.
Und auch um Gransee herum ist eine Umgehung eingetragen, die so ziemlich in den Sternen liegt. Östlich der Stadt führt bis nördlich von Altlüdersdorf wieder auf die alte B96. Eine weitere Umgehung führt im Atlas westlich an Fürstenberg vorbei. Auch östlich von Neubrandenburg soll es eine neue außerörtliche Strecke geben.

Was davon wirklich umgesetzt, ist noch völlig unklar. Am ehesten wird noch die Strecke von Nassenheide nach Löwenberg gebaut, alle weiteren Projekte liegen momentan auf Eis.

aRTikel

1991: Plan für Großflughafen Berlin – in Sommerfeld

Dienstag, den 25. Januar 2011
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Dezember 1990 II -> 28.12.2010

Rückblick: Überraschung für das Dorf im Januar 1991 / Viele Proteste gegen den drohenden Golfkrieg

MAZ Oranienburg, 25.1.2011

Was passierte vor 20 Jahren im Altkreis Oranienburg – und was stand in der MAZ? Diesmal: die erste Hälfte im Januar 1991.

OBERHAVEL
Elf Oranienburger Ärzte starten Anfang 1991 einen neuen Lebensabschnitt. Die Poliklinik II in der Straße des Friedens (Bernauer Straße) wird zum „Ärztehaus Zentrum“. Die Patienten finden im Haus einen Allgemeinmediziner, einen Internisten, Frauen-, Kinder-, Augen- und Hautärzte.

Der Landkreis startet eine Spendenaktion für die Menschen im weißrussischen Witebsk. Die Lager sind so voll, dass die Hilfslieferung früher startet als geplant. In der Oranienburger Staatsreserve stehen zwei Lkw bereit. Ein B1000 transportiert Waren aus sieben Orten im Kreis heran. Die LPG-Tierproduktion Schmachtenhagen spendet 10.000 Mark, die Oranienburger Kita Süd 80 Mark.

Ein Engpass droht auch hierzulande. Der Streit um Arzneimittelpreise in den neuen Bundesländern führt zu einem Boykott der westdeutschen Pharmahersteller. Unter den Kunden im Landkreis herrscht große Unsicherheit. Vor allem westliche Präparate sind kaum noch zu bekommen. Die Leute machen ihrem Ärger Luft, sagt ein Apotheker aus Hohen Neuendorf.

Die Oranienburger können unterdessen aufatmen: Das Pharmawerk wird leiser. Das lärmende Kesselhaus erhält einen Schalldämpfer. Der Lärmpegel sinkt von 110 auf 78 Dezibel.

Erleichtert sind auch die Kremmener: Dea eröffnet an der B273 eine der ersten Tankstellen in Ostdeutschland. Sie ist eine der modernsten im Land – und eine Konkurrenz zum Minol-Monopol.

Verunsichert sind dagegen die Bungalowbesitzer: Acht Einbrüche geschehen an einem Wochenende. In Bergfelde hebeln Diebe eine Tür auf und stehlen Werkzeuge. In Hohen Neuendorf geht eine Scheibe zu Bruch, auch Oranienburg und Birkenwerder sind betroffen.

Der Landkreis schafft sich zwei neue Multispeed-09-Geräte an: Blitzer. Die Autofahrer sind nicht amüsiert. „Wir sind es den Bürgern schuldig, dem Chaos auf unseren Straßen entgegenzutreten“, sagt dagegen Wolfgang Toppel, Leiter des Polizeikreisamtes.

Schock im Oranienburger Kaltwalzwerk: Der Bereich Konsumgüterproduktion steht vor dem Aus – 118 Mitarbeiter sind betroffen.

Und auch die Friedrichsthaler Gemeindevertreter sind schockiert: Ein Unbekannter ruft in der Verwaltung an und droht, das Haus mit Brandsätzen in die Luft zu jagen.

Die Menschen in Sommerfeld sind ebenfalls alarmiert. Es kursieren neue Spekulationen um einen Großflughafen für Berlin. Sommerfeld ist dabei ins Visier der Planer gerückt. Der Ort liege günstig in Autobahnnähe, die Bahnanbindung sei gut, und es gäbe kein Naturschutzgebiet. Der Flughafen „Berlin International“ – in Sommerfeld?

Schlechte Laune haben auch die Bewohner von Neuendorf. Das 3500 Hektar große Rüthnicker Übungsgelände der Armee ist freigegeben, aber die Sperrschilder auf dem Neuendorfer Gebiet stehen immer noch. Laut Bürgermeister Manfred Bathe seien sie nur einige hundert Meter weitergerückt worden.

Die Monatsmitte ist geprägt vom Protest gegen den drohenden Golfkrieg. Die Oranienburger bilden eine Menschenkette. Schüler setzen sich für eine Lösung der Konflikte ein. In den Kirchen finden Gebete für den Frieden statt. Zum Ablauf des US-Ultimatums schreibt die MAZ: „Erstmals gibt es in der Weltgeschichte einen Tag, der unsere Existenz in ein Davor und ein Danach trennen kann. Ein solches Datum gab es bisher nicht.“
Die Angst, dass der Krieg auch auf Europa und die Region übergreift, treibt die Menschen auch im Kreis Oranienburg auf die Straße.