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Ein permanentes Brummen und Heulen

Donnerstag, den 16. Juni 2016
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Ein Leben mit dem Lärm – Familie Hoffmann wohnt in Neu-Vehlefanz nur wenige Meter direkt neben der Autobahn

MAZ Oberhavel, 16.6.2016

Neu-Vehlefanz.
Eine Idylle! Und eine Ruhe! Also, früher jedenfalls. Als Familie Hoffmann 1949 ihr Haus am Ortsrand von Neu-Vehlefanz baute, da war an eine Autobahn noch gar nicht zu denken. Das änderte sich Anfang der 70er-Jahre. „Da wurde die Autobahn nach Hamburg gebaut“, erinnert sich Fred Hoffmann. „Bis dahin war das ein ruhiges Fleckchen Erde.“ Der Vater kam eines Tages mit der Nachricht nach Hause, dass nur knapp 100 Meter entfernt die Autobahn gebaut wird. „Gefragt hat uns damals keiner.“
Immerhin konnte Fred Hoffmanns Vater verhindern, dass direkt vor ihrer Haustür eine Brücke gebaut worden ist. Sie entstand stattdessen weiter westlich, kurz vor Wolfslake. „Seitdem leben wir in einer Sackgasse“, sagt der Neu-Vehlefanzer, der seit dieser Zeit in einer Enklave seines Dorfes lebt. Ansonsten wäre, zusätzlich zur Autobahn, auch der gesamte Verkehr von Vehlefanz nach Perwenitz an ihnen vorbeigerauscht.

Das Brummen und Heulen der Autos und Lkw gehört für die Familie, die in Wolfslake eine Autowerkstatt betreibt, zum Alltag. „Mittlerweile rauscht das konstant.“ Erst seit einigen Jahren sei es schlimmer geworden. „Wenn mal gar kein Auto kommt oder Stau ist, dann werden wir nachts wach.“ Oder der Karfreitag-Stau: „Wenn ganz Berlin ausrückt, sitzen die Leute mit dem Hintern auf der Leitplanke – und es ist ganz ruhig.“ Stille ist etwas Besonderes, wenn man an der Autobahn wohnt. Immerhin gibt es schalldichte Fenster. Und das nicht mehr genutzte Gewächshaus, das aber immer noch als Schallschutz genutzt wird.

Der Lärm ist jedoch nicht das alleinige Problem. Fred Hoffmann erzählt: „Wenn ich sonntags nach dem Tatort auf den Hof gehe und das Sonntagsfahrverbot für die Laster zu Ende ist, werden wir daran erinnert wo wir wohnen.“ Dann, wenn die Lkw in Kolonnen auf der A 10 unterwegs sind, wabern die Dieseldämpfe in den Garten. „Fast wie in einer Werkstatt. Zu Ostzeiten ist mir das nie aufgefallen, da gab es aber ganz andere Gerüche, aber nicht in dieser Masse.“

Wer an der Autobahn lebt, bekommt hin und wieder auch schlimme Unfälle mit, die sich in das Gedächtnis einbrennen: „Einmal ist ein Taxi unter einen Lkw geraten, direkt gegenüber von uns. Das Auto fing Feuer, und wir haben den Fahrer schreien hören. Er ist lebendig verbrannt. Das vergisst du nicht. Denn das Schlimme ist: Letztlich kann man von hier aus nichts machen.“
Noch zu DDR-Zeiten gab es einen Wildschweinunfall. Der Trabifahrer bat bei Hoffmanns um Hilfe. „Aber das Auto war hin, und dem Wildschwein konnte man nicht mehr helfen.“

Wenn die Autobahn ausgebaut wird, rückt die Trasse weitere 27 Meter näher an das Grundstück heran. „Für den direkten Nachbarn ist das sicher ein Problem, für uns nicht so“, sagt Fred Hoffmann. „Obwohl: Eigentlich kann es ja nur lauter werden.“ Die Hoffnung, dass es irgendwann mal ruhiger wird, haben die Neu-Vehlefanzer längst aufgegeben. Anfangs konnten sie einfach direkt von der Autobahn in ihre kleine Straße abbiegen. Heute undenkbar.
Eine Befürchtung gibt es: Wird die Trasse auf sechs Spuren erweitert, könnten auch Sträucher und Bäume weichen – wieder ein Stück Schallschutz weniger. Immerhin gibt es Hoffnung auf eine Lärmschutzwand. Es sind vor allem Besucher, die immer wieder fragen, wie man denn mit der lauten Autobahn klarkäme. „Welche Autobahn?, fragen wir dann“, sagt Fred Hoffmann.

*

Besuch von der Stasi
Mitte der 70er-Jahre bekam Familie Hoffmann Besuch. Weil sie so dicht an der damals neu gebauten Transitautobahn in Richtung Hamburg wohnte, hatte plötzlich auch das Ministerium für Staatssicherheit Interesse angemeldet.
Aus dem Schlafzimmerfenster hatte die Familie damals noch einen sehr guten Blick auf die Autobahn. Den wollte sich die Stasi mit Feldstechern zunutze machen, um den Verkehr beobachten zu können.
Die Familie lehnte ab, aber die Stasi ließ zunächst nicht locker. Der Ortspolizist (Abschnittsbevollmächtigte, ABV) kam auch noch vorbei, um Hoffmanns zur Mitarbeit zu überreden. „Aber ich hole mir doch keine fremden Menschen ins Haus!“, so Fred Hoffmann.
Es gab wohl sogar eine Beschwerde bei der damaligen Bürgermeisterin Reni Hoppe. „Aber auch sie hat das abgeblockt“, so Fred Hoffmann. Danach hat sich die Stasi nicht mehr gemeldet.

RTZapper

Brandenburg aktuell: Landschleicher – Neu-Vehlefanz

Montag, den 16. November 2015
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SO 15.11.2015 | 19.30 Uhr | rbb

Die Aktion ging ordentlich nach hinten los. Der “Landschleicher” des rbb war diesmal im kleinen Neu-Vehlefanz. Neben den Einfamilienhäusern gibt es in dem Dorf genau ein Thema, das die rbb-Leute interessiert hat. In dem Ort ist einst die Brandenburg-Hymne “Märkische Heide” entstanden, Gustav Büchsenschütz hat das Lied dort geschrieben.

Da wäre es ja ein netter Gag gewesen, wenn sich ein paar Neu-Vehlefanzer gefunden hätten, dieses Lied mal gemeinsam zu schmettern.
Blöderweise kennt aber niemand den Text, und niemand hatte ihn dabei. So blieb also nur das ratlose Schulterzucken von Ortsvorsteher Peter Gerlach und einigen Anwohnern. Und das entsprechende Denkmal, bei dem eine Schraube am Schild fehlt.

Man könnte sagen: Das hätte besser laufen können, denn irgendwie ein bisschen peinlich war es schon für den Ort, dieser Beitrag in “Brandenburg aktuell” am Sonntag. Aber Übung macht ja den Meister!

RTelenovela

Festliche Waldidylle

Sonntag, den 26. April 2015
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Das erlebt Neu-Vehlefanz vermutlich nicht so oft: Ein Auto fährt hunderte Meter rückwärts, und erst im Dorf bietet sich eine Wendemöglichkeit. Kein Wunder: Zwischen Neu-Vehlefanz und Wolfslake war die schmale Straße stellenweise auf beiden Seiten zugeparkt. Gegenverkehr? Unmöglich!

Die Menschen strömten in den Wald, um in der Idylle das Krämerwaldfest zu feiern. Wer vom Auto auf das Festgelände läuft, konnte tatsächlich auch noch mal die Ruhe genießen und die Vögel zwitschern hören.
Das Fest in Wolfslake ist ein Besonderes: Mitten im Wald gelegen, können die Leute entspannt spazieren gehen, es gibt keine Autos, keine Abgase.
Die Kinder können klettern oder an den Waldfestspielen teilnehmen, während sich Papi ein Bier gönnt und Mami nach Schmuck Ausschau hält. Auf der Bühne singt ein Chor, ein Falkner erklärt seinen Umgang mit Tieren.

Dazu eine Erbsensuppe aus der Gulaschkanone und zum Nachtisch Erdbeeren mit Vanilleeis. Bei 23 Grad und Sonne. Was will man mehr?

aRTikel

Auf der Suche nach dem schönsten Baum

Montag, den 22. Dezember 2014
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Auf dem Krämerwaldhof in Neu-Vehlefanz haben sich hunderte Besucher ihre Tanne fürs Weihnachtsfest selbst geschlagen

MAZ Oranienburg, 22.12.2014

NEU-VEHLEFANZ
Stürmisch, regnerisch und ein bisschen Schneematsch. So richtig weihnachtlich stimmt einen das Wetter noch nicht ein. Dennoch kommt das Fest mit großen Schritten. Am Wochenende herrscht deshalb auch noch mal Ansturm auf dem Krämerwaldhof in Neu-Vehlefanz. Etwa 6000 Bäume standen zu Beginn der Saison auf dem Hof. Besucher konnten sie in den vergangenen Wochen selbst schlagen. Am Sonnabend nutzen viele Familien die Gelegenheit.

„Wir schlagen unseren Baum schon jahrelang selbst“, sagt Gerd Lüdtke aus Hennigsdorf, der mit seinem Sohn Arne nach Neu-Vehlefanz gekommen ist. „Hier sind wir schon das zweite Mal.“ Eine gute halbe Stunde haben sie gebraucht, auf dem Feld den richtigen Weihnachtsbaum zu finden. „Einigermaßen füllig muss der Baum sein“, so Gerd Lüdtke.

Sibylle Rudolph hat da schon ein etwas anderes Konzept: „Ich finde es einfach schön, einen Mitleidsbaum zu haben“, sagt die Berlinerin, die mit ihrem Mann Frank und ihrer Tochter auf den Krämerwaldhof gekommen ist. So ein Baum müsse nicht immer toll aussehen. Wichtig sei, dass er rundum grün sei und keine Lücken habe. Bei Rudolphs steht der Baum auf einem Tisch, deshalb muss er auch nicht groß sein. „Wir haben diesmal nur fünf Minuten gebraucht, bis wir gefunden haben, was uns gefällt“, erzählt sie und zeigt stolz auf ihren Baum, den ihr Mann gerade den Sandweg entlangzieht. Gerade haben sie das Teil abgesägt. „Die Säge haben wir von zu Hause mitgebracht.“ Bis zum 6. Januar steht der Baum in der Wohnung, erst dann kommt er weg. „Bis dahin bekommt er auch ein bisschen Wasser, dass er nicht nadelt.“

Diesen Rat gibt auch Günter Köhler. Der Gartenbauer ist der Chef auf dem Neu-Vehlefanzer Krämerwaldhof. Seit 1997 betreibt er die Plantage. Wie er sagt, bestehe das Problem, dass die Weihnachtsbäume in den warmen Wohnungen vertrocknen, eher bei denen, die sie nicht frisch schlagen. Ansonsten krümeln Fichten zuerst. „Wir haben bei uns Kiefern, Rotfichten, serbische Fichten, Blautannen, Douglasien, Coloradotannen und Nordmanntannen“, zählt er auf. Letztere ist bei den Deutschen am beliebtesten.

Gerade setzt der kleine Lilian die Säge an einem der vielen Bäume an. Eigentlich ist er dafür noch zu klein, aber Papa Benjamin hilft ihm dabei und übernimmt schließlich ganz. „Wir haben eine halbe Stunde gesucht“, erzählt Marika Hahn. Sie ist mit ihrer Familie aus Berlin-Reinickendorf nach Neu-Vehlefanz gekommen. Sie hat vorher im Internet recherchiert, wo Bäume selbst geschlagen werden können. „Wir haben uns jetzt fast jeden angesehen“, sagt sie. Bis kurz nach Silvester bleibt der Baum in der Wohnung, dann kommt er raus. Auch bei Familie Hahn bekommt er ein bisschen Wasser, damit er nicht nadelt. Alle zusammen schleppen sie den abgesägten Baum über den Hof, um ihn sich in ein Netz einpacken zu lassen. Zwischen 15 und 35 Euro haben die Bäume in Neu-Vehlefanz in der Regel in diesem Jahr gekostet. Verschiedenfarbige Schilder machten die unterschiedlichen Kategorien deutlich. Einige, besonders groß gewachsene, sind allerdings extra gekennzeichnet und noch ein bisschen teurer. Nur durch diese Schildchen gekennzeichnete Bäume dürfen abgesägt werden.

Was aber passiert mit den vielen Baumstümpfen, die die Besucher in den vergangenen Wochen hinterlassen haben? Günter Köhler kennt die Antwort: „Mit einem Forstarbeiter gehe ich rum, dann werden die Stümpfe mit der Motorsäge weggeschnitten.“ Fünf Jahre dauert es, bis der Stumpf verfault ist. Und irgendwann steht dort an dieser Stelle vielleicht ein neuer Baum.

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Neu-Vehlefanzer wollen nicht länger benachteiligt sein

Dienstag, den 18. März 2014
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Wählergemeinschaft: Enttäuschung über die geschlossene Kita ist immer noch groß

MAZ Oranienburg, 18.3.2014

NEU-VEHLEFANZ
Die Neu-Vehlefanzer machen jetzt ihr eigenes Ding. Ortsvorsteher Peter Gerlach, Karlheinz Döpke und Monique Hartmann haben die Wählergemeinschaft Neu-Vehlefanz gegründet. Mit ihr wollen sie bei der Kommunalwahl im Mai an den Start gehen. Die Enttäuschung über die etablierten Parteien in Oberkrämer hat sie zu diesem Schritt gebracht.

Wie schon berichtet, ist Peter Gerlach kein Mitglied der „Bürger für Oberkrämer“ (BfO) mehr. Karlheinz Döpke war zwar kein SPD-Mitglied, trat aber 2008 für die Sozialdemokraten zur Kommunalwahl an. Auch das ist nun Vergangenheit. „In den Parteien ist nicht mehr viel zu holen“, sagte der 62-jährige Karlheinz Döpke gestern in einem Pressegespräch. Die Enttäuschung, dass im Jahre 2012 in Kita in Klein-Ziethen geschlossen worden ist, sitzt immer noch tief. „Uns ist damit der letzte gesellschaftliche Treffpunkt im Dorf weggenommen worden“, so Döpke. Ortsvorsteher Peter Gerlach stimmt ihm zu. Ihn ärgert aber auch, dass sich die Mehrheit der Mitglieder des Gemeinderates in Oberkrämer gegen den Ortszbeirat und die Leute in Neu-Vehlefanz gestemmt hatten. Das sei nicht demokratisch, findet Gerlach. Die Auslastung der Kita sei gut gewesen. „Es hieß immer: Die Kita bleibt.“ Dann jedoch sei anders entschieden worden. „Und das Gebäude steht immer noch leer.“ Gerlach und seine Mitstreiter könnten sich vorstellen, dass sich in Zukunft wenigstens eine Tagesmutter um Kinder aus Neu-Vehlefanz kümmert. Allein Wolfslake hat momentan acht Kinder.
Das Kita-Aus hat zum Bruch zwischen Peter Gerlach und der BfO geführt. „Das hat viel kaputtgemacht“, sagte er gestern. Das Vertrauen sei nicht mehr da gewesen. „Es gab keine Bereitschaft für einen Kompromiss“, erinnert sich Gerlach.

Bislang hat der kleinste Ortsteil in der Gemeinde Oberkrämer keine Stimme im Gemeinderat. Auch das soll sich ändern. Die Mitglieder der Wählergemeinschaft treten zwar alle für den Ortsbeirat an, jedoch nicht für den Gemeinderat. Das will Frank Christoph (SPD) übernehmen. Der 52-Jährige stellt sich der Wahl und wird von der Wählergemeinschaft unterstützt. „Unsere Ziele für den Ortsteil sind ja dieselben“, sagt Frank Christoph, und die anderen stimmen ihm zu.

Die Neu-Vehlefanzer fühlen sich in Oberkrämer ein wenig im Stich gelassen. „Wir werden kaum wahrgenommen“, sagt Frank Christoph. Es gebe Probleme im Ort, die ungenügend thematisiert würden. So fehle ein Gehweg entlang der Perwenitzer Chaussee von Wolfslake nach Vehlefanz. „Besonders die Brücke über der Autobahn ist gefährlich, gerade für Kinder“, sagt Ortsvorsteher Peter Gerlach. Ebenso die S-Kurve in der Chaussee kurz vor Vehlefanz.
Die Wählergemeinschaft will sich auch für den Wohnungsbau und Ausbau einsetzen. „Mieter kommunaler Wohnungen beschweren sich über Schimmel“, sagt Karlheinz Döpke. Die Neu-Vehlefanzer fordern eine fachgerechte Sanierung. Außerdem wollen sie einen besseren Winterdienst zwischen Neu-Vehlefanz und Eichstädt.

Auch zwischenmenschlich soll sich wieder mehr tun. Möglich seien ein Dorffest und ein kleiner Weihnachtsmarkt. „Es gibt junge Leute, die nachfragen und sich einbringen wollen“, so Peter Gerlach. Monique Hartmann kündigte an, dass es demnächst eine eigene Internetseite geben soll – ein Forum für Neu-Vehlefanz.

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Die Hoppe-Chronik (6): Nach dem Schneesturm von der Außenwelt abgeschnitten

Mittwoch, den 24. Juli 2013
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(5) -> 23.7.2013

Irene Hoppe – eine Neu-Vehlefanzer Lebenschronik (6): Mehrere heftige Unwetter in den 70ern / Neue Straßen für die Gemeinde

NEU-VEHLEFANZ
In und um die Gemeinde Neu-Vehlefanz tat sich in den 60er-Jahren einiges. Am 17. April 1961 fand die erste Standortbesichtigung für den geplanten Autobahnbau auf der Strecke Berlin – Hamburg sowie für die Schließung des Berliner Rings statt. Der Bau der Strecke, die genau durch die Gemeinde führt und Klein-Ziethen und Wolfslake voneinander trennt, brachten aber ab 1969 für die Dörfer selbst Verbesserungen. Die 1906 erbaute Pflasterstraße von Vehlefanz nach Wolfslake wurde asphaltiert. 1970 erhielt die Straße in den Ortsteil Neu-Vehlefanz einen Belag – auch die Strecke in der Ortslage selbst.
Am 7. Oktober 1971 ist der Teilabschnitt der Autobahn bis Linum eingeweiht worden. Im selben Jahr bekamen auch die Klein-Ziethener eine befestigte Straße. Der staatliche Forstwirtschaftsbetrieb nutzte ebenfalls die Baukapazität des Autobahnbaus und ließ 1973 die Wege zu den Förstereien Krämerpfuhl und Oberkrämer befestigen.

Der Lebensweg von Irene Hoppe aus Wolfslake verlief unterdessen ganz anders als geplant. In die Landwirtschaft konnte sie aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr. Sie wollte Lehrerin in Vehlefanz werden. Doch dann bekam sie Stimmbandknötchen, somit konnte sie auch dieses Vorhaben nicht umsetzen. 1967 begann sie als Sachbearbeiterin im Büro der Gemeinde Neu-Vehlefanz. „Das war eine sehr vielseitige Arbeit“, erinnert sie sich. „Bei uns ist die Rente ausgezahlt worden, ich habe die Bibliothek mit betreut.“
Ende der 60er-Jahre ist Irene Hoppe dann von einem Vertreter des Rates des Kreises gefragt worden, ob sie den Bürgermeisterposten übernehmen wolle. Ihr Vorgänger Richard Schulz hatte gekündigt. „Ich wollte aber erst mal Bedenkzeit.“Aber angesichts des Autobahnbaus sagte sie zu. „Ich habe mich breitschlagen lassen. Und ich wusste: Wenn wir jetzt nichts tun, bekommen wir nichts ab.“ Gemeint ist der schon erwähnte Straßenbau auch in den Dörfern der Gemeinde. Von 1970 bis 1987 war Irene Hoppe Bürgermeister von Neu-Vehlefanz.
In ihre Zeit fallen auch die neuen Hauswasserversorgungen. „Vorher haben wir das Wasser hochgepumpt, erst später kamen wir ans Netz.“

Zwei schwere Unwetter bleiben den Menschen unterdessen in Erinnerung. Am 13. November 1973 fegte ein schwerer Sturm über das Land. Dächer wurden abgedeckt, eine Scheune fiel zusammen, Bäume sind entwurzelt worden und verursachten wiederum Schäden. Ein Baum fiel auf eine Lichtleitung und zerstörte dadurch den Giebel eines Hauses.
Noch schlimmer war der Winter 1978/79. Zu Silvester 1978 setzte ein starker Schneesturm ein. Der Strom fiel aus. Es dauerte Tage, bis die Straßen wieder frei waren, der Schnee türmte sich an den Seiten. Am 13. Februar 1979 fegte der nächste dreitägige Schneesturm über die Gemeinde hinweg. Die Straßen in Neu-Vehlefanz waren nun komplett zugeweht. „Der Schnee türmte sich bis in die Baumkronen“, erinnert sich Irene Hoppe. „Die Versorgungsgüter mussten an einem Wochenende per Traktor über das Feld zur Verkaufsstelle nach Klein-Ziethen gebracht werden.“ Erst am 18. Februar 1979 konnte ein Räumpanzer der NVA kommen und die Gemeinde Neu-Vehlefanz regelrecht aus dem Schnee freibuddeln.

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Die Hoppe-Chronik (4): Der Ziegelstein aus dem Ofen wärmte das Bett

Samstag, den 20. Juli 2013
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(3) -> 19.7.2013

Irene Hoppe – eine Neu-Vehlefanzer Lebenschronik (4): Der Winter 1945/46 war bitterkalt, doch das Landleben hatte auch einen Vorteil

MAZ Oranienburg, 20.7.2013

NEU-VEHLEFANZ
Kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 fielen auf dem Gebiet der Gemeinde Neu-Vehlefanz noch einmal Bomben. Häuser und Stallungen wurden abgedeckt. Die schon zerstörte Kirche in Klein-Ziethen bekam den Rest.
Das Kriegsende erlebte die Familie in der Ziegelei in Klein-Ziethen, Russen besetzten das Haus in Wolflake. Erst im Herbst 1945 war eine Rückkehr möglich: Zuerst Vater Wilhelm, dann die Mutter Luise mit der Familie.
Durch den Krieg war die Landwirtschaft zum Erliegen gekommen. „Die Frühjahrsbestellung konnte nicht vollständig durchgeführt werden“, erinnert sich die heute 82-jährige Irene Hoppe aus Wolfslake. „Erst ein Teil der Kartoffeln lag in der Erde, nur etwa 40 Prozent der Zuckerrüben-Anbaufläche war bestellt, Futterrüben noch gar nicht. Von der 400 Hektar großen Gesamtfläche des Gutes Klein-Ziethen – davon 100 Hektar Wiesen und Weiden und zehn Hektar Wald – blieben etwa 50 Hektar zunächst unbestellt.
Im Sommer 1945 begann sich das Leben wieder einigermaßen zu normalisieren. „Gemeinsam mit den Umsiedlern und den sowjetischen Soldaten haben wir angefangen, die Kulturen zu pflegen und zu ernten.“

Schon im Herbst 1945, so steht es in den Niederschriften von Irene Hoppe, begann in Neu-Vehlefanz die Bodenreform. Der Acker und Wiesen wurden planmäßig aufgeteilt und in Parzellen mit einer durchschnittlichen Größe von fünf Hekrat Acker und 2,5 Hektar Grünland vermessen. Bis zum Herbst 1946 hatten fast alle dieser Parzellen einen Käufer. Ehemalige Gutsbesitzer und Umsiedler waren die ersten Neubauern, einige bislang landarme Bauern bekamen Flächen hinzu. Industriearbeiter erhielten bis zu einem Hektar Land.

Zwischendurch aber kam der Winter 1945/46, und er war bitterkalt. „Wir hatten aber einen Vorteil“, sagt Irene Hoppe. „Wir hatten den Wald und somit Holz vor der Tür. Wir konnten den Kaminofen im Wohnzimmer anheizen.“ Eine Methode sich zu wärmen, war, einen Ziegelstein in den Ofen zu legen. „Den legten wir dann in unser Bett, so hatten wir es einigermaßen warm.“

Die Leute hatten in dieser Zeit sehr wenig im Magen. „Die Kartoffeln mussten erst mal wachsen. Aber es gab noch ein paar Vorräte. Landwirtschaft war Vorratswirtschaft“, erinnert sich Irene Hoppe. Oft kamen Hamsterer ins Dorf. „Außerdem Leute aus den Städten. Einmal standen zwei Frauen vor unserer Tür, sie sahen erbärmlich aus.“ Renis Mutter Luise bat die beiden ins Haus.
Irene, damals war sie 15 Jahre alt, musste öfter raus auf die Felder und Wiesen: Brennnesseln pflücken. „Wir haben damals alles Grüne, was da war, gegessen. Auch wenn es nicht geschmeckt hat, aber darum ging es eben zu dieser Zeit nicht. Wir hatten kaum eine andere Möglichkeit. Aber ich muss es ganz klar sagen: Anderen Menschen ging es viel schlechter als uns.“

Nach dem Winter verbesserte sich die Situation. Im ehemaligen Gutshaus wurde eine Verkaufsstelle eingerichtet, vorher gab es keine einzige in der Gemeinde. Die Belieferung der Haushalte erfolgte einmal wöchtlich von Kolonialwarenhändlern und Bäckern aus den Nachbarorten.
Der Aufbau ging nach und nach voran. In Deutschland gründeten sich 1949 die DDR und die Bundesrepublik. Daheim in ihrer Familie in Wolfslake musste Irene Hoppe jedoch zwei schwere Schicksschläge hinnehmen.