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Neu-Vehlefanzer wollen nicht länger benachteiligt sein

Dienstag, den 18. März 2014
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Wählergemeinschaft: Enttäuschung über die geschlossene Kita ist immer noch groß

MAZ Oranienburg, 18.3.2014

NEU-VEHLEFANZ
Die Neu-Vehlefanzer machen jetzt ihr eigenes Ding. Ortsvorsteher Peter Gerlach, Karlheinz Döpke und Monique Hartmann haben die Wählergemeinschaft Neu-Vehlefanz gegründet. Mit ihr wollen sie bei der Kommunalwahl im Mai an den Start gehen. Die Enttäuschung über die etablierten Parteien in Oberkrämer hat sie zu diesem Schritt gebracht.

Wie schon berichtet, ist Peter Gerlach kein Mitglied der „Bürger für Oberkrämer“ (BfO) mehr. Karlheinz Döpke war zwar kein SPD-Mitglied, trat aber 2008 für die Sozialdemokraten zur Kommunalwahl an. Auch das ist nun Vergangenheit. „In den Parteien ist nicht mehr viel zu holen“, sagte der 62-jährige Karlheinz Döpke gestern in einem Pressegespräch. Die Enttäuschung, dass im Jahre 2012 in Kita in Klein-Ziethen geschlossen worden ist, sitzt immer noch tief. „Uns ist damit der letzte gesellschaftliche Treffpunkt im Dorf weggenommen worden“, so Döpke. Ortsvorsteher Peter Gerlach stimmt ihm zu. Ihn ärgert aber auch, dass sich die Mehrheit der Mitglieder des Gemeinderates in Oberkrämer gegen den Ortszbeirat und die Leute in Neu-Vehlefanz gestemmt hatten. Das sei nicht demokratisch, findet Gerlach. Die Auslastung der Kita sei gut gewesen. „Es hieß immer: Die Kita bleibt.“ Dann jedoch sei anders entschieden worden. „Und das Gebäude steht immer noch leer.“ Gerlach und seine Mitstreiter könnten sich vorstellen, dass sich in Zukunft wenigstens eine Tagesmutter um Kinder aus Neu-Vehlefanz kümmert. Allein Wolfslake hat momentan acht Kinder.
Das Kita-Aus hat zum Bruch zwischen Peter Gerlach und der BfO geführt. „Das hat viel kaputtgemacht“, sagte er gestern. Das Vertrauen sei nicht mehr da gewesen. „Es gab keine Bereitschaft für einen Kompromiss“, erinnert sich Gerlach.

Bislang hat der kleinste Ortsteil in der Gemeinde Oberkrämer keine Stimme im Gemeinderat. Auch das soll sich ändern. Die Mitglieder der Wählergemeinschaft treten zwar alle für den Ortsbeirat an, jedoch nicht für den Gemeinderat. Das will Frank Christoph (SPD) übernehmen. Der 52-Jährige stellt sich der Wahl und wird von der Wählergemeinschaft unterstützt. „Unsere Ziele für den Ortsteil sind ja dieselben“, sagt Frank Christoph, und die anderen stimmen ihm zu.

Die Neu-Vehlefanzer fühlen sich in Oberkrämer ein wenig im Stich gelassen. „Wir werden kaum wahrgenommen“, sagt Frank Christoph. Es gebe Probleme im Ort, die ungenügend thematisiert würden. So fehle ein Gehweg entlang der Perwenitzer Chaussee von Wolfslake nach Vehlefanz. „Besonders die Brücke über der Autobahn ist gefährlich, gerade für Kinder“, sagt Ortsvorsteher Peter Gerlach. Ebenso die S-Kurve in der Chaussee kurz vor Vehlefanz.
Die Wählergemeinschaft will sich auch für den Wohnungsbau und Ausbau einsetzen. „Mieter kommunaler Wohnungen beschweren sich über Schimmel“, sagt Karlheinz Döpke. Die Neu-Vehlefanzer fordern eine fachgerechte Sanierung. Außerdem wollen sie einen besseren Winterdienst zwischen Neu-Vehlefanz und Eichstädt.

Auch zwischenmenschlich soll sich wieder mehr tun. Möglich seien ein Dorffest und ein kleiner Weihnachtsmarkt. „Es gibt junge Leute, die nachfragen und sich einbringen wollen“, so Peter Gerlach. Monique Hartmann kündigte an, dass es demnächst eine eigene Internetseite geben soll – ein Forum für Neu-Vehlefanz.

aRTikel

Die Hoppe-Chronik (6): Nach dem Schneesturm von der Außenwelt abgeschnitten

Mittwoch, den 24. Juli 2013
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(5) -> 23.7.2013

Irene Hoppe – eine Neu-Vehlefanzer Lebenschronik (6): Mehrere heftige Unwetter in den 70ern / Neue Straßen für die Gemeinde

NEU-VEHLEFANZ
In und um die Gemeinde Neu-Vehlefanz tat sich in den 60er-Jahren einiges. Am 17. April 1961 fand die erste Standortbesichtigung für den geplanten Autobahnbau auf der Strecke Berlin – Hamburg sowie für die Schließung des Berliner Rings statt. Der Bau der Strecke, die genau durch die Gemeinde führt und Klein-Ziethen und Wolfslake voneinander trennt, brachten aber ab 1969 für die Dörfer selbst Verbesserungen. Die 1906 erbaute Pflasterstraße von Vehlefanz nach Wolfslake wurde asphaltiert. 1970 erhielt die Straße in den Ortsteil Neu-Vehlefanz einen Belag – auch die Strecke in der Ortslage selbst.
Am 7. Oktober 1971 ist der Teilabschnitt der Autobahn bis Linum eingeweiht worden. Im selben Jahr bekamen auch die Klein-Ziethener eine befestigte Straße. Der staatliche Forstwirtschaftsbetrieb nutzte ebenfalls die Baukapazität des Autobahnbaus und ließ 1973 die Wege zu den Förstereien Krämerpfuhl und Oberkrämer befestigen.

Der Lebensweg von Irene Hoppe aus Wolfslake verlief unterdessen ganz anders als geplant. In die Landwirtschaft konnte sie aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr. Sie wollte Lehrerin in Vehlefanz werden. Doch dann bekam sie Stimmbandknötchen, somit konnte sie auch dieses Vorhaben nicht umsetzen. 1967 begann sie als Sachbearbeiterin im Büro der Gemeinde Neu-Vehlefanz. „Das war eine sehr vielseitige Arbeit“, erinnert sie sich. „Bei uns ist die Rente ausgezahlt worden, ich habe die Bibliothek mit betreut.“
Ende der 60er-Jahre ist Irene Hoppe dann von einem Vertreter des Rates des Kreises gefragt worden, ob sie den Bürgermeisterposten übernehmen wolle. Ihr Vorgänger Richard Schulz hatte gekündigt. „Ich wollte aber erst mal Bedenkzeit.“Aber angesichts des Autobahnbaus sagte sie zu. „Ich habe mich breitschlagen lassen. Und ich wusste: Wenn wir jetzt nichts tun, bekommen wir nichts ab.“ Gemeint ist der schon erwähnte Straßenbau auch in den Dörfern der Gemeinde. Von 1970 bis 1987 war Irene Hoppe Bürgermeister von Neu-Vehlefanz.
In ihre Zeit fallen auch die neuen Hauswasserversorgungen. „Vorher haben wir das Wasser hochgepumpt, erst später kamen wir ans Netz.“

Zwei schwere Unwetter bleiben den Menschen unterdessen in Erinnerung. Am 13. November 1973 fegte ein schwerer Sturm über das Land. Dächer wurden abgedeckt, eine Scheune fiel zusammen, Bäume sind entwurzelt worden und verursachten wiederum Schäden. Ein Baum fiel auf eine Lichtleitung und zerstörte dadurch den Giebel eines Hauses.
Noch schlimmer war der Winter 1978/79. Zu Silvester 1978 setzte ein starker Schneesturm ein. Der Strom fiel aus. Es dauerte Tage, bis die Straßen wieder frei waren, der Schnee türmte sich an den Seiten. Am 13. Februar 1979 fegte der nächste dreitägige Schneesturm über die Gemeinde hinweg. Die Straßen in Neu-Vehlefanz waren nun komplett zugeweht. „Der Schnee türmte sich bis in die Baumkronen“, erinnert sich Irene Hoppe. „Die Versorgungsgüter mussten an einem Wochenende per Traktor über das Feld zur Verkaufsstelle nach Klein-Ziethen gebracht werden.“ Erst am 18. Februar 1979 konnte ein Räumpanzer der NVA kommen und die Gemeinde Neu-Vehlefanz regelrecht aus dem Schnee freibuddeln.

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Die Hoppe-Chronik (4): Der Ziegelstein aus dem Ofen wärmte das Bett

Samstag, den 20. Juli 2013
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(3) -> 19.7.2013

Irene Hoppe – eine Neu-Vehlefanzer Lebenschronik (4): Der Winter 1945/46 war bitterkalt, doch das Landleben hatte auch einen Vorteil

MAZ Oranienburg, 20.7.2013

NEU-VEHLEFANZ
Kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 fielen auf dem Gebiet der Gemeinde Neu-Vehlefanz noch einmal Bomben. Häuser und Stallungen wurden abgedeckt. Die schon zerstörte Kirche in Klein-Ziethen bekam den Rest.
Das Kriegsende erlebte die Familie in der Ziegelei in Klein-Ziethen, Russen besetzten das Haus in Wolflake. Erst im Herbst 1945 war eine Rückkehr möglich: Zuerst Vater Wilhelm, dann die Mutter Luise mit der Familie.
Durch den Krieg war die Landwirtschaft zum Erliegen gekommen. „Die Frühjahrsbestellung konnte nicht vollständig durchgeführt werden“, erinnert sich die heute 82-jährige Irene Hoppe aus Wolfslake. „Erst ein Teil der Kartoffeln lag in der Erde, nur etwa 40 Prozent der Zuckerrüben-Anbaufläche war bestellt, Futterrüben noch gar nicht. Von der 400 Hektar großen Gesamtfläche des Gutes Klein-Ziethen – davon 100 Hektar Wiesen und Weiden und zehn Hektar Wald – blieben etwa 50 Hektar zunächst unbestellt.
Im Sommer 1945 begann sich das Leben wieder einigermaßen zu normalisieren. „Gemeinsam mit den Umsiedlern und den sowjetischen Soldaten haben wir angefangen, die Kulturen zu pflegen und zu ernten.“

Schon im Herbst 1945, so steht es in den Niederschriften von Irene Hoppe, begann in Neu-Vehlefanz die Bodenreform. Der Acker und Wiesen wurden planmäßig aufgeteilt und in Parzellen mit einer durchschnittlichen Größe von fünf Hekrat Acker und 2,5 Hektar Grünland vermessen. Bis zum Herbst 1946 hatten fast alle dieser Parzellen einen Käufer. Ehemalige Gutsbesitzer und Umsiedler waren die ersten Neubauern, einige bislang landarme Bauern bekamen Flächen hinzu. Industriearbeiter erhielten bis zu einem Hektar Land.

Zwischendurch aber kam der Winter 1945/46, und er war bitterkalt. „Wir hatten aber einen Vorteil“, sagt Irene Hoppe. „Wir hatten den Wald und somit Holz vor der Tür. Wir konnten den Kaminofen im Wohnzimmer anheizen.“ Eine Methode sich zu wärmen, war, einen Ziegelstein in den Ofen zu legen. „Den legten wir dann in unser Bett, so hatten wir es einigermaßen warm.“

Die Leute hatten in dieser Zeit sehr wenig im Magen. „Die Kartoffeln mussten erst mal wachsen. Aber es gab noch ein paar Vorräte. Landwirtschaft war Vorratswirtschaft“, erinnert sich Irene Hoppe. Oft kamen Hamsterer ins Dorf. „Außerdem Leute aus den Städten. Einmal standen zwei Frauen vor unserer Tür, sie sahen erbärmlich aus.“ Renis Mutter Luise bat die beiden ins Haus.
Irene, damals war sie 15 Jahre alt, musste öfter raus auf die Felder und Wiesen: Brennnesseln pflücken. „Wir haben damals alles Grüne, was da war, gegessen. Auch wenn es nicht geschmeckt hat, aber darum ging es eben zu dieser Zeit nicht. Wir hatten kaum eine andere Möglichkeit. Aber ich muss es ganz klar sagen: Anderen Menschen ging es viel schlechter als uns.“

Nach dem Winter verbesserte sich die Situation. Im ehemaligen Gutshaus wurde eine Verkaufsstelle eingerichtet, vorher gab es keine einzige in der Gemeinde. Die Belieferung der Haushalte erfolgte einmal wöchtlich von Kolonialwarenhändlern und Bäckern aus den Nachbarorten.
Der Aufbau ging nach und nach voran. In Deutschland gründeten sich 1949 die DDR und die Bundesrepublik. Daheim in ihrer Familie in Wolfslake musste Irene Hoppe jedoch zwei schwere Schicksschläge hinnehmen.

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Die Hoppe-Chronik (2): Angst und Schrecken in der Endphase des Zweiten Weltkrieges

Dienstag, den 16. Juli 2013
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(1) -> 12.7.2013

Irene Hoppe – eine Neu-Vehlefanzer Lebenschronik (2): Im April 1945 tauchten 300 KZ-Häftlinge auf dem Weg nach Sachsenhausen in Wolfslake auf

MAZ Oranienburg, 16.7.2013

NEU-VEHLEFANZ
Die letzten Monate des Zweiten Weltkrieges brachten die Angst und den Schrecken auch nach Wolfslake und Umgebung. Bis Ende April 1945 sind 32 Bomben auf das Gebiet der Gemeinde Neu-Vehlefanz gefallen. Das ist zumindest die Zahl, die Irene Hoppe bekannt ist. Auf einer Karte hat sie alle Punkte vermerkt, besonders viele sind zwischen Groß-Ziethen und Klein-Ziethen zu finden sowie in Neu-Vehlefanz selbst.

Etwa von dort, wo sich heute die Autobahnbrücke nahe Wolfslake befindet, bis Karlsruh erstreckte sich eine Scheinwerferanlage, die die Nazis aufgebaut hatten. Gewissermaßen eine Mini-Imitation von Berlin. Hinter Klein-Ziethen sowie im Krämerwald standen ebenfalls Scheinwerfer. Sie sollten die Bomber, die zur Reichshauptstadt unterwegs waren, ablenken.
„Wenn Fliegeralarm war, mussten wir verdunkeln“, sagt Irene Hoppe. „Wir lagen in der Einflugschneise von Berlin.“ Dennoch haben sich die Menschen auf dem Land insgesamt ein wenig sicherer gefühlt. „In der Stadt war es auf jeden Fall gefährlicher.“ Trotzdem: „Bei Fliegeralarm haben wir unten im Keller gesessen und gezittert. Das hat manchmal ganz schön gekracht. Wir haben schon am Klang gehört, wo sie runtergehen. Über uns hat es regelrecht gebrummt.“ Am Tag waren diese Situationen besser auszuhalten, da waren die Flieger zu sehen. Aber nachts. Nachts herrschten Ungewissheit und Angst.
Einer der vielen Bomber, die über das Gebiet flogen, ist eines Tages bei Neu-Vehlefanz abgestürzt. „Es gab einen gewaltigen Knall.“ Viele Leute seien in Richtung der Absturzstelle gelaufen.

Der 15. März 1945 war ein sonniger Tag mit einem wolkenlosen Himmel. Für die Stadt Oranienburg wurde er jedoch bald zum Albtraum. „Wir haben ja schon im Radio gehört, dass die Flieger kommen.“ Wenig später war es so weit. „Es sah aus, als ob silberne Vögel über unser Haus fliegen“, erinnert sich Irene Hoppe. „Wir wussten aber auch: Wo die abladen, da wächst kein Gras mehr.“ Sie spürten die zitternde Erde von den Bombenabwürfen in Oranienburg bis nach Wolfslake. „Die Erde brannte.“

Es muss Anfang April 1945 gewesen sein, da passierte etwas Ungeheuerliches. „Etwa 300 Häftlinge kamen aus dem Wald auf die Wiese ins Dorf gelaufen“, erinnert sich Irene Hoppe. Schnell sei klar gewesen: Das sind Häftlinge aus dem Konzentrationslager. Sie kamen aus Perwenitz und sollten wohl weiter bis Sachsenhausen laufen. Begleitet wurden sie von 30 bis 40 Aufpassern. „Wir haben auf die SS-Leute, die sie begleiteten und immer wieder verprügelten, geschimpft.“ Irenes Mutter Luise traute sich, die SS-Schergen anzusprechen. „Die Leute haben doch Hunger!“, rief sie ihnen entgegen, so erinnert sich ihre Tochter heute daran. Sie forderte, dass sie eine Pause machen können, um etwas zu essen. „Die SS-Leute mussten sich Mutti fügen.“ Offenbar war sie eine sehr resolute Frau. Tatsächlich gab es dann ein paar Kartoffeln und was sonst noch in Wolfslake aufzutreiben war. Bald war der Spuk wieder vorbei. „Die SS war ein grausames Volk!“, sagt Irene Hoppe.
Am 20. April 1945 ging es dann nicht mehr anders. Die Familie musste flüchten.

RTelenovela

Wolfslake

Dienstag, den 16. April 2013
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Diesmal war es nicht wirklich eine Oberhavel-Expedition. Und dennoch habe ich mal wieder eine Ortschaft in meinem Heimat-Landkreis kennengelernt, in der ich bisher noch nie war: Wolfslake.
Der Ort gehört zu Neu-Vehlefanz, das wiederum zu Oberkrämer gehört. Bekannt ist Wolfslake durch die Speedwaybahn, auf der hin und wieder Motorradrennen stattfinden.
1603 erstmals erwähnt, war Wolfslake eine Schäferei. Ob Wölfe dort auf die Schafe aufpassten, ist nicht bekannt.

In Wolfslake besuchten wir eine 82-jährige Dame, von der wir in den nächsten Monaten hoffentlich noch viel erzählt bekommen – ein Stück Heimatgeschichte. Sie hat viel erlebt im Ort und drumherum, hat viel notiert und weiß deshalb auch noch viele Details.
So berichtete sie, dass im Frühjahr 1945 plötzlich KZ-Häftlinge im Dorf auftauchten. Sie waren wohl von Perwenitz in Richtung Oranienburg und KZ Sachsenhausen unterwegs. Auf dem Gelände der heutigen Speedwaybahn legten sie, begleitet von SS-Offizieren, eine Rast ein. Das Thema soll demnächst durch Vertreter des Sachsenhausen-Kuratoriums näher beleuchtet werden.

Auf der Rücktour nach Hause gab’s dann immerhin noch eine Mini-Oberhavel-Exkursion. Ich fuhr die schmale Asphaltstraße an der Waldbegegnungsstätte vorbei, durch Neu-Vehlefanz, einem kleinen Dorf mit wenigen Häusern. Aus der Straße wird ein Plattenweg. Später erreicht man dort Eichstädt-Ausbau, einem kleinen Wohnplatz, der mir bislang nicht mal namentlich bekannt war. Erstaunlicherweise darf man in dem Örtchen auf der Plattenstraße sogar 70 fahren.
Man landet schließlich an der Gemeindeverwaltung in Eichstädt, wo die Mini-Expedition auch schon endete.

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1993: Christliches Jugendzentrum ohne Mietvertrag

Sonntag, den 17. Februar 2013
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Januar 1993 -> 26.1.2013

Vor 20 Jahren: Oranienburger Jugendliche nur noch mit Bleiberecht / Zoff in den Gemeinden Neu-Vehlefanz, Stolpe-Süd und Freienhagen

MAZ Oranienburg, 16.2.2013

Was passierte vor 20 Jahren im damaligen Kreis Oranienburg? Diesmal die erste Hälfte im Februar 1993.

OBERHAVEL
Das Christliche Jugendzentrum in Oranienburg steht in seinen Räumen in der Bernauer Straße ohne Mietvertrag da. Doch vorerst haben die Jugendlichen ein Bleiberecht. Wie es weitergehen soll, ist allerdings noch offen.

Die Gemeinde Neu-Vehlefanz muss einen Kredit in Höhe von 1,3 Millionen Mark aufnehmen, um wenigstens das Dringendste zahlen können. Amtsdirektor Helmut Jilg kritisiert die schwierige Zusammenarbeit.

Am unbeschrankten Bahnübergang zwischen Wensickendorf und Zehlendorf sterben am 2. Februar 1993 zwei Menschen. Die Fahrerin hat das Signal der Diesellok nicht gehört.

Die Mühlenbecker Abgeordneten geben grünes Licht für einen geplanten Hotelpark. 30 Millionen Mark sollen auf dem Gelände nördlich der Autobahn bis 1994 investiert werden. Bis zu 200 Gäste könnten in Bungalows unterkommen.

Das in Eichstädt geplante große Erlebnis- und Einkaufszentrum ist vom Land Brandenburg abgelehnt worden. Der Unmut im Amt Oberkrämer ist groß. „Vielleicht können wir ja in 20 Jahren als Wildhüter arbeiten“, sagt Bärenklaus Bürgermeister Karsten-Peter Schröder.

Am Kremmener See entsteht ein auf Pfählen errichtetes Gasthaus. Am 1. Mai 1993 will Bauherr Günter Funk es einweihen. Auch die danebenliegende Badestelle wird umgestaltet.

Die Entscheidung ist gefallen: Oranienburg wird Kreisstadt des neuen Kreises Oberhavel. Politiker in Gransee, Zehdenick, Fürstenberg und Löwenberg fordern die Potsdamer Landesregierung auf, den Beschluss zurückzunehmen.

Zoff in Stolpe-Süd: Die Gemeinde ist handlungsunfähig. Am 9. Februar 1993 treten vier Gemeindevertreter zurück, nachdem ihnen die Kommunalaufsicht Formfehler bei der Auswahl zweier Ratsmitglieder vorgeworfen hatte. Ärger gibt es auch um die geplante Ansiedlung eines Asylbewerberheimes.

Noch mehr Zoff in Freienhagen: Viele Bürger stürmen am 11. Februar 1993 den Gemeinderat, wollen über aktuelle Probleme sprechen, doch sie kommen nicht zu Wort, weil die Gemeindevertreter Wortmeldungen nicht zulassen. Es kommt zum Eklat, die Bürger verlassen wütend die Sitzung. Im nichtöffentlichen Teil tritt daraufhin Bürgermeister Uwe Mewes zurück.

In Kremmen und Schwante setzen unbekannte Personen Gewerbetreibende unter Druck und verlangen Schutzgelder. Die Rede ist von 300 Mark im Monat. Auch in Velten soll es ähnliche Fälle geben.

Das Kopfsteinpflaster in der Dorfstraße in Germendorf entwickelt sich zu einem Unfallschwerpunkt. Innerhalb von nur drei Tagen kommt es zu mehreren Unfällen mit drei Toten und sieben Schwerverletzten.

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1992: Liebenwalde verliert Amtsdirektor

Samstag, den 29. Dezember 2012
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Dezember 1992 I -> 14.12.2012

Vor 20 Jahren: Oberhavelkreis beschlossen

MAZ Oranienburg, 29.12.2012

Was passierte vor 20 Jahren in der Region? Diesmal die zweite Hälfte im Dezember 1992.

OBERHAVEL
Reinhard Kubik ist gerade mal 48 Tage Amtsdirektor von Liebenwalde, da nimmt er schon wieder seinen Hut. Er will Bürgermeister in Ruhla (Thüringen) werden. „Ruhla hat eben ein bisschen mehr westliches Flair“, sagt er in einem MAZ-Interview. Martina Schnur übernimmt seine Geschäfte eine Zeit lang kommissarisch, die Stelle muss neu ausgeschrieben werden.

Die Kündigung von 63 Mitarbeiterinnen im Oranienburger Kita- und Hortbereich ruft im Dezember 1992 tiefe Bestürzung hervor. Die Reduzierung der Arbeitsplätze sei eine bittere Notwendigkeit, sagt Joachim Knop von der CDU-Fraktion.

Neu-Vehlefanz ist überschuldet. Oberkrämers Hauptamtsleiter Dieter Blumberg wirft Bürgermeister Jürgen Raschke vor, „unkorrekte Angaben“ gemacht zu haben. Die Schulden belasten nun das ganze Amt Oberkrämer. Schuld seien teure Planungen gewesen, von denen aber kaum etwas umgesetzt worden sei.

In Hohen Neuendorf öffnet am 13. Dezember 1992 das neue Hotel „Am Lunik Park“. Der Hausherr Klaus-Dieter Lück beschäftigt 26 Angestellte und vier Lehrlinge.

Am 16. Dezember 1992 beschließt der Landtag die Zusammenlegung der Kreise Oranienburg und Gransee zum Landkreis Oberhavel.

Die Gewalt an Schulen nimmt drastisch zu. An der Torhorst-Gesamtschule in Oranienburg wird ein 17-Jähriger im Schulgebäude überfallen. Die mutmaßlichen Täter sind jedoch keine Schüler des Hauses.

Die Bötzower kämpfen für eine Ampel an der Veltener Straße, in Höhe der Kita und der Gemeindeverwaltung. Zum vereinbarten Ortstermin erscheint jedoch niemand von der Straßenbaubehörde. Zählungen ergeben, dass 999 Fahrzeuge pro Stunde die Straße passieren.

In der Oranienburger Emil-Polesky-Straße wird am 19. Dezember 1992 der 51-jährige Hans-Jochen Lommatsch von zwei Männern erschlagen. Es gibt kein Motiv. Später wird klar, dass die Männer zur Neonazi-Szene gehören, die Polizei jedoch bestreitet das zunächst.

Im Kremmener Ortsteil Orion wird der Grundstein für das neue Lidl-Logistikzentrum gelegt. Es entsteht auf einer Fläche von 25 000 Quadratmetern.

Die Treuhand hat den Elektronikhändler RFT an den Haushaltsgeräteservice (HGS) verkauft – rückdatiert auf den 1. Januar 1992. Nun kommt es im Laden in Oranienburg zum Ausverkauf. Allerdings nicht für Kunden, sondern nur für RFT- und HGS-Mitarbeiter, die teilweise von weither anreisen. Die Stimmung ist vergiftet.