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SFB-Sondersendung zum Mauerfall

Sonntag, den 10. November 2019
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SA 09.11.2019 | 1.00 Uhr (So.) | tagesschau24

Ursendung: DO 09.11.1989 | 1.35 Uhr (Fr.) | ARD
Wenn es heute immer heißt, dass das Fernsehen beim Mauerfall die ganze Nacht durchsendete, dann stimmt das nicht so ganz. Dennoch war es 1989 doch schon ziemlich erstaunlich, dass nach der Spätausgabe der “Tagesschau” gegen 1.35 Uhr noch einmal eine Sondersendung begann. Und das so spontan, dass sie nicht mal einen Namen hatte. Im Rahmen des Themenabends “30 Jahre Mauerfall – der 9.11.89 in Echtzeit” zeigte tagesschau24 diese historische Sendung noch einmal.
Aus dem Berliner Studio des SFB gab es neue Informationen. Und die ARD hatte ein echtes Privileg: den einzigen Reporter an der Berliner Mauer, der überhaupt in dieser Nacht live auf Sendung war: Robin Lautenbach.

Nicht nur für Deutschland, auch für das Fernsehen war die Nacht zum 10. November 1989 denkwürdig. Vor dem Sonderbericht in der ARD, war der SFB sehr lange auf dem Kanal vom damaligen N3 live auf Sendung. Ein Moderator und seine Gäste, die stellenweise vor Rührung mit den Tränen zum kämpfen hatten. Irgendwelche Berliner, die plötzlich ganz spontan im Studio erschienen, weil alle dachten, es seien DDR-Bürger, die gerade über die Grenze kamen. Doch es waren Flüchtlinge, die schon länger im Westen waren und sich beschweren wollten, dass sie auch in dieser Nacht nicht nach Ost-Berlin einreisen durften.
Als sie wieder weg waren, wieder ganz spontan hinten am gerade sprechenden Moderator vorbei, kam ein Mann von der Requisite und räumte kopfschüttelnd einen der Studiostühle weg.

Irgendwann, gegen 2 Uhr, hat die ARD dann aber auch Sendeschluss gemacht. Um 7 Uhr erst begann eine “Abendschau extra” im SFB-Regionalprogramm.
Heutzutage wäre das anders: Da wäre die Sondersendung nicht ins Dritte Programm abgeschoben worden. Da gäbe es keinen Sendeschluss, da wäre alles live übertragen worden. Stundenlang, nächtelang, tagelang. So ändern sich die Zeiten.

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Wenn die Deiche brechen

Montag, den 9. September 2019
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DO 05.09.2019 | 22.00 Uhr | NDR

Krisenstimmung in den Niederlanden. Es stürmt und regnet gewaltig. Die Nordsee peitscht gegen die Küste und ihre Deiche. Weite Teile des Landes liegen entweder sind wenig über oder unter dem Meeresspiegel.
Die belgisch-niederländische Serie “Wenn die Deiche brechen” erzählt, was passiert, wenn wirklich die Katastrophe kommt, die alle befürchten. Die sechs Folgen liefen von Dienstag bis Donnerstag im NDR.

Da sitzen dann Regierungsleute zusammen und beraten, ob sie evakuieren. Dass sie dann nicht evakuieren hat am Ende wirtschaftliche und politische Gründe. Es gibt Intrigen und Drohungen. Und alle hoffen, dass es sowieso nicht so schlimm wird.
Aber die Katastrophe kommt. Die Deiche brechen, die Wassermassen überspülen ganze Landstriche.

Wir sehen das im Wasser versinkende Rotterdam. Ab und zu sehen wir Grafiken, welche Teile der Niederlande überschwemmt sind, und es sind viele.
Diese Serie rüttelt auf, denn so eine Katastrophe kann tatsächlich kommen. Der Klimawandel macht es möglich, dass außergewöhnliche Wetterlagen gewöhnlicher werden könnten.

Dass diese sechs Folgen nur im Spätprogramm des NDR laufen, ist einerseits schade. Denn die Story hat das Potenzial für das Hauptprogramm. Andererseits war dann eigentlich doch nur der Auftakt wirklich stark. Dort war zu sehen, wie die Katastrophe über das Land reinbrach. Das Problem: Die weiteren Folgen drifteten ein wenig zu sehr in eine Seifenoper ab. Da ging es um persönliche Schicksale, Streitigkeiten und Ränkespiele in der Politik. Da hätte es der Serie gut getan, hin und wieder doch noch den Blick aufs große Ganze zu zeigen, vielleicht doch noch mehr zu erklären und die Folgen zu zeigen. Aber leider ist das ja oft so bei diesen Katastrophengeschichten – dass sie mit der Zeit abflachen, weil der Fokus zu sehr auf die Soap gelegt wird.

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Tietjen und Bommes

Samstag, den 13. Juli 2019
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FR 12.07.2019 | 22.00 Uhr | NDR

Bettina Tietjen ist verlassen worden. Schon wieder. Erneut hat es ihr Partner nur ein paar Jährchen bei ihr ausgehalten, bevor er den Hut genommen hat.
Am Freitagabend lief im NDR die letzte Ausgabe der Talkshow “Tietjen und Bommes”. Alexander Bommes hab es am Ende bekannt, dass er sich vom Talk aus Hannover für immer verabschiedet.

Seit 22 Jahren gibt es die Sendung, anfangs bildete Tietjen ein Team mit Eva Herman. Als die gefeuert wurde, bekam Bettina Tietjen diverse Männer an ihre Seite. Reinhold Backmann blieb nur eine einzige Sendung. Yared Dibaba blieb immerhin fast zwei Jahre. Eckart von Hirschhausen blieb sogar fünf Jahre, dann kam Alexander Bommes. Er hört nach viereinhalb Jahren auf.

Dass sich die Tietjen fragt, warum ihr ständig die Männer weglaufen, ist dann vermutlich nicht ganz unberechtigt.
Zur Strafe nimmt man ihr auch noch die ganze Sendung weg.

Beim NDR hat man sich vermutlich überlegt, dass man sich jetzt mal richtig was traut. Neuer Moderator an Tietjens Seite ist Jörg Pilawa. Dass der NDR offenbar überhaupt keinen Nachwuchs im Hause hat, der so was vielleicht auch machen könnte, ist bedauerlich. Stattdessen ging man auf Nummer Sicher.
Und damit nicht genug: Ab sofort heißt die Sendung “NDR Talk Show”. Womit die Verwirrung perfekt ist, denn die Sendung gibt es im NDR ja schon – aus Hamburg mit Barbara Schöneberger und Hubertus Meyer-Burckhardt. In Zukunft werden dann auch Tietjen und Pilawa unter dem Titel “NDR Talk Show” quasseln.

Originell ist was anderes. Nicht nur bei der Moderatorenwahl, sondern auch, dass man eine so alte Marke auf seltsame Weise überstrapaziert und verwässert.
Andererseits möchte man die NDR-Zuschauern auch am Freitag um zehn nicht mit Neuigkeiten erschrecken.

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Die Elbe. Ganz in Ruhe. Von Hamburg bis zur Nordsee

Montag, den 10. Juni 2019
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SO 09.06.2019 | 11.30 Uhr | NDR

Etwas mehr als 100 Kilometer. Das Segelschulschiff “Alexander von Humboldt II” braucht etwas mehr als fünf Stunden von Hamburg bis nach Cuxhaven.
So lange dauerte am Pfingstsonntag auch die entsprechende Übertragung im NDR. Stichwort: Slow-TV.

“Die Elbe. Ganz in Ruhe. Von Hamburg bis zur Nordsee” hieß die Sendung, von der allerdings nicht so ganz klar war, ob sie live oder eine Aufzeichnung war. Sie sah jedenfalls live aus.
Moderator Arne-Torben Voigts begrüßte die Zuschauer, als sich das Schiff noch im Hamburger Hafen befand. Wir beobachteten das Ablegen, hörten, was die beiden Schiffsführer sagten. Wir sahen, wie die Landungsbrücken immer weiter abrückten und das Schiff an Fahrt aufnahm.

Es dauert, bis ein Schiff von A nach B gelangt, und diese Langsamkeit sollte auch in dieser Sendung vorherrschen. Lange Einstellungen, wenige Schnitte. 16 Kameras waren auf dem Schiff verteilt, außerdem offenbar eine Drohne.
Es gab Interviews, Berichte darüber, was auf dem Schiff passiert und wer da so arbeitet. Es ging um Entschleunigung, Ruhe und Achtsamkeit – und oft wurde auch minutenlang gar nicht geredet, und wir sahen die Elblandschaft an uns vorüberziehen. Manchmal mit Musik unterlegt oder auch mit Hörfunkbeiträgen, während wir weiter die Schiffsbilder sahen.

In Skandinavien ist Slow-TV wohl eine große Nummer, und dass der NDR so was auch probiert, ist toll. Dass das auch nicht nur im Nachtprogramm zu sehen ist, noch besser. Man konnte sich Zeit nehmen und einfach mal genießen, ganz ohne Hektik.

Fortsetzung sollte folgen! Norddeutschland hat noch viele Flüsse oder andere Dinge, die man in Echtzeit begleiten könnte.

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Für immer jung – 25 Jahre N-JOY

Donnerstag, den 2. Mai 2019
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FR 26.04.2019 | 0.00 Uhr (Sa.) | NDR

1994 ist man auch beim NDR aufgewacht. Mit dem N-Joy-Radio ging im April das fünfte Radioprogramm des NDR auf Sendung, und alles war sehr cool.
Am späten Freitagabend zeigte der NDR zum 25. Geburtstag der Jugendwelle eine Doku über die Anfänge des Senders und darüber, wie sich das Programm bis heute entwickelte. Das war in vielerlei Hinsicht interessant.

1994 war der NDR schon ziemlich angestaubt, und die Privatsender machte dem öffentlich-rechtlichen Sender im Norden zu schaffen. Eine junge Welle musste her, und der NDR kam da relativ spät aus dem Mustopf.
Radio Bremen hatte schon seit 1986 ein Jugendradio. Selbst der DDR-Hörfunk hatte das mit dem Jugendradio DT 64. ORB und SFB machten dann auch Jugendprogramme, und schon 1993 ging mit Fritz der gemeinsame Jugendsender on Air.
Als N-Joy-Radio 1994 startete, ging tatsächlich ein Ruck durch den NDR.
Die Moderatoren waren jung, es herrschte scheinbar ein fröhliches Chaos, und es wehte ein frischer Wind. Die Jugendlichen bekamen ihre Musik, aber auch das Wort kam nicht zu kurz – auch wenn man im Gegensatz zu Fritz vom ORB/SFB mehr auf den Mainstream setzte.
Das zu sehen, macht Spaß.

Umso merkwürdiger ist das, was N-JOY offenbar 2019 ausmacht. Der Senderchef ist 45 und macht seinen Job gut 20 Jahre lang. Die Moderatoren der Morningsendung gehen auch auf die 50 zu und machen das auch schon seit 20 Jahren. Und das Senderlogo ist inzwischen brav in die extrem biedere Logofamilie des NDR eingegliedert worden und wirkt wie eine versteinerte Betonwüste.
Sehr viele andere heutige Moderatoren hat die Doku nicht gezeigt. Und das wirft nicht das beste Licht auf diesen Sender. Jung bleiben ist ja eine schöne Sache, und ganz sicher sind die beiden Morningshow-Herren bei N-JOY irgendwie Kult. Aber müsste man nicht selbst mal erkennen, dass auch da eine Verjüngung mal gut tut? Sollten Moderatoren eine Jugendsenders nicht auch halbwegs zur Zielgruppe gehören?

Beim rbb sind viele Fritz-Moderatoren später zum “älteren” radioeins gewechselt, und im Idealfall sollte das genauso ablaufen. Denn der Jugendsender muss jung bleiben und die heutige Jugend ansprechen.
Den Absprung hat man beim NDR offenbar verpasst, auch wenn die Herren sich nun selbst mit dem Smartphone filmen und sich dadurch für jugendlich frisch halten. Aber eigentlich wirkt das ein bisschen peinlich. Vor allem wenn man diese Momente der Doku mit denen aus den 90ern vergleicht. Da standen junge Leute am Mikro, die frisch waren, jung und für die damalige Zeit unangepasst.

Kein Wunder dass die Doku vor allem nostalgisch wirkte. Als ob die Macher des Filmes sagen wollten: Hey, schaut auf 1994, wie aufregend das damals alles war! 2019 gibt es zwar immer noch Aktionen, die Aufmerksamkeit erregen. Aber N-JOY wirkte in der Doku im Jahr 2019 erstaunlich bieder.
Da ist der rbb mit Fritz merklich weiter, und daran sollte sich der NDR ein Beispiel nehmen. Damit N-JOY wirklich “Für immer jung” bleibt.

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Lebenslieder

Sonntag, den 27. Januar 2019
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FR 25.01.2019 | 1.15 Uhr (Sa.) | NDR

Eines muss man dem NDR echt lassen: 1.15 Uhr ist wirklich eine hervorragende Zeit, um eine neue Show zu starten. Wenn man möchte, dass die niemand sieht, dann sollte man sie in der Nacht verstecken.
Am sehr, sehr, sehr späten Freitagabend lief im NDR also erstmals “Lebenslieder”. Im Festsaal Kreuzberg in Berlin begrüßte Siham El-Maimouni den Schauspieler Christian Berkel. Er berichtete aus seinem Leben, und es ging vor allem um die Lieder, die ihn geprägt haben.
Der Clou: Der Musiker Max Mutzke spielte diese Lieder auf der Bühne mit seiner Band an.

Warum diese nette Sendung im tiefsten Nachtprogramm versteckt werden muss, weiß man vielleicht nicht mal beim NDR selbst. Denn “Lebenslieder” ist eine schöne Mischung aus Talkshow, Porträt und Musik. Dass sie vor Publikum aufgezeichnet wird, macht es einerseits weniger intim, andererseits durch die Live-Musik braucht es ja ein bisschen Stimmung in der Bude. Deshalb darf die Sendung gern auch 60 statt 45 Minuten dauern. Dann müsste sie sicherlich auch nicht so stark geschnitten werden. Leider fallen diese Kürzungen sehr auf.

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Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiss

Freitag, den 11. Januar 2019
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MI 09.01.2019 | 22.00 Uhr | SWR-Fernsehen

Als “Holocaust” 1979 erstmals im deutschen Fernsehen lief, da löste der US-Vierteiler einen Gefühlserdrutsch aus. Vorher waren die Verbrechen im Dritten Reich und die organisierte Tötung der Juden kaum ein Thema in der Bundesrepublik. Dann kam “Holocaust”, und die Skepsis vorher war groß: Kann eine eher soapige Darstellung der Geschichte für Aufklärung sorgen? Müssen das nicht Dokus und Diskussionssendungen leisten?
In der ARD war die Skepsis so groß, dass man sich nicht dazu durchringen konnte, den Vierteiler im Ersten Programm ausstrahlte. Stattdessen liefen die Filme in den zusammengeschlossenen Dritten.
Das Echo war riesig. Die Leute waren berührt, entsetzt und beschämt. Sie litten mit, sie trauerten mit. “Holocaust” sorgte dafür, dass die Auseinandersetzung mit dem Thema nicht nur in Deutschland eine andere wurde.

Ich habe “Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiss” irgendwann Anfang der 90er gesehen, ich war ein Teenager. Aus der Oranienburger Bibliothek lieh ich mir die Videokassetten aus.
Bald war ich gebannt. Es war spannend zu sehen, was mit den Menschen in diesem Vierteiler passiert, und in Teil 4, wenn das Ende naht und die Familie quasi ausgelöscht wird… Ich habe an einigen Stellen sehr geweint. Es hat mich extrem getroffen, was dort geschah. Ich konnte diesen Wahnsinn – der ja in diesem Fall fiktiv ist, aber ja auch in Wirklichkeit stattfand – nicht fassen.

2019. NDR, WDR und SWR wiederholen “Holocaust” zum 40. Austrahlungsjubiläum. Der SWR ist am Mittwochabend eingestiegen. Leider haben die Dritten dafür nur Sendeplätze am späteren Abend.
Denn auch nach 40 Jahren sind diese Filme wichtig. Um zu zeigen, was war. Aber auch um zu zeigen, was nie mehr passieren darf. Und das in Zeiten, in der die Rechtsextremen wieder in die Mitte der Gesellschaft rutschen, in der Andersdenkende schleichend wieder diskriminiert und mundtot gemacht werden sollen. Denn so hat es damals auch angefangen, bevor der eigentliche Wahnsinn begann.

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