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deep & deutlich – Eine NDR Talk Show

Dienstag, den 6. Oktober 2020
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SA 03.10.2020 | 0.00 Uhr (So.) | NDR

Dass die “NDR Talk Show” ein bisschen, nun ja, als trutschig und altbacken gilt, ist ja nichts Neues. Dabei stimmt das ja auch nicht bedingt.
Und einerseits wollte man sich beim NDR dann doch ein bisschen mehr verjüngen. Aber andererseits hat man sich dann doch nur ein bisschen getraut. Denn nun gibt es zwar eine junge “NDR Talk Show”, aber es ist dann eben doch keine echte “NDR Talk Show”, und auf dem Sendeplatz der “NDR Talk Show” läuft diese Sendung erst recht nicht.

Die Premiere von “deep & deutlich – Eine NDR Talk Show” lief am sehr späten Sonnabendabend. Sie begann um Mitternacht und dauerte bis fast 2 Uhr. Sehen beim NDR sowieso schon kaum junge Leute zu, kann man davon ausgehen, dass in der Nacht zum Sonntag vermutlich so gut wie keine jungen Leute zusehen. Und ob die anvisierte Zielgruppe “deep & deutlich” in der ARD-Mediathek findet (wenn sie denn überhaupt danach suchen) ist auch alles andere als sicher.

Und, nun gut, als 42-Jähriger muss ich einen Titel wie “deep & deutlich” ja nicht gut finden. Er wirkt ein bisschen anbiedernd und dadurch auch fast wieder bieder. Aufgezeichnet wird die Sendung im selben Studio wie die eigentliche “NDR Talk Show”, das Setting mit dem Stuhlkreis ist auch derselbe. Dafür sind Moderatoren und Gäste ausschließlich aus der jüngeren Generation, und Clueso ist mit 40 schon der Älteste.
Aminata Belli und MoTrip moderieren, und eigentlich machen sie nicht viel anders als Barbara Schöneberger und Hubertus Meyer-Burckhardt, die ihre Stichworte auf denselben Kärtchen zu stehen haben.

Die Gästeauswahl ist spannend – und überraschend. The Real Life Guys erzählen von ihrem Heimwerker-Youtube-Kanal. Und, Schock: Philipp Mickenbecker, einer der beiden, erzählt, dass er einen Tumor hat und von seinem Arzt kürzlich erfahren hat, dass er noch zwei Wochen bis zwei Monate zu leben habe. Da schluckt man erst mal.
Katja Karavice, die man von freizügigen Clips kennt, berichtete von schweren Zeiten, als ihre Brüder starben und davon, wie sich ihr Vater an einer Freundin verging. Clueso erzählt von der Wendezeit in Erfurt, eine Reporterin von ihrer Recherche auf einem Flüchtlingsboot.
Eine spannende Mischung.

Ob sich junge Leute allerdings eine fast 110 Minuten lange Talkshow ansehen, ist offen. Aber auch die einzelnen Gespräche sind im Netz verfügbar.
Dabei fällt aber dann doch auch auf: Eigentlich hätten diese Gespräche auch in einer normalen “NDR Talk Show” geführt werden können. Beim NDR sollten sie vielleicht drüber nachdenken, die junge Talk-Ausgabe auf dem Sendeplatz am Freitagabend zu integrieren, vielleicht im vierwöchentlichen Wechsel mit den anderen Moderatoren. Und grundsätzlich ist ja auch die Frage, warum es nicht möglich sein kann, einen Talk generationenübergreifender zu führen. Warum sollte bei den jungen Leute nicht auch ein älterer Gast sitzen? In der normalen “NDR Talk Show” gibt es ja auch jugendrelevante Gäste.
“deep & deutlich” ist ein guter Ansatz. Aber mehr Integration in den NDR wäre auch gut.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 2. November 2020)

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Tietjen campt

Samstag, den 26. September 2020
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FR 25.09.2020 | 21.15 Uhr | NDR

Tietjen campt, und das jetzt nicht mehr nur privat. Sie campt jetzt auch im und für den NDR. Aber weil dieser NDR am Hungertuch nagt, nimmt Bettina Tietjen für die Sendung den eigenen Camper, von dem dann auch das Nummernschild die ganze Zeit verpixelt werden muss.
Und sie campt nicht allein. Bei der ersten Ausgabe von “Tietjen campt” am Freitagabend im NDR nahm sie den Schauspieler Matthias Matschke mit auf einen Campingplatz am Schweriner See.

Aber da sich die beiden nicht wirklich was zu erzählen hatten, wurden sie gleich mal schlüpfrig. Ob es denn einen FKK-Strand gebe, und er könne ja die Tietjen nackig fotografieren, am besten gleich für einen ganzen NDR-Kalender – nur Tietjen und nur nackt. Hui, da haben die beiden aber gelacht, und beiden dachten sich vermutlich: Oh Gott, was labern wir. Oder: Oh Gott, die will das wirklich. Oder: Oh Gott, der will das wirklich. Oder: Ich will nach Hause! Oder: Sind wir bald da?

Wer übrigens von Bettina Tietjen zum Campen eingeladen wird, der darf zwar mit ihr mitfahren. Der darf auch beim Einparken helfen. Und auch morgens die Brötchen holen. Was er nicht darf: bei ihr im Camper schlafen. Das mag die Tietjen nicht. Weil ihr Mann, der ja nicht dabei ist, dagegen wäre. Weil sie schnarcht. Weil sie nachts um sich schlägt. Weil sie nachts pupst. Weil sie nachts über diese FKK-Sache nachdenkt. Irgendeinen Grund muss das ja haben. Aber immerhin darf sich Matthias Matschke aussuchen, ob er in einem Zelt pennen will, in einem Camper der ganz zufällig neben dem Tietjen-Mobil steht, oder in einem Hotel. Matschke entscheidet sich für den Nachbarcamper, und nach ein paar romantische Minuten beim Sonnenuntergang am See und beim Gschirrwaschen in der Holzlaube, gehen die beiden ratzen, und wir sind ja so gespannt, ob…
Aber eigentlich auch nicht.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 25. September 2021)

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Zapp: Polizeigewalt gegen Reporter

Sonntag, den 20. September 2020
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MI 16.09.2020 | 23.20 Uhr | NDR

Was ist eigentlich mit der Polizei los? Ein rechter Sumpf wird aufgedeckt, und dabei geht es nicht nur um den in NRW. Immer mal wieder gibt es Meldungen über Polizeigewalt. Und darüber, wie Kollegen diese Gewaltausbrüche decken und dafür lügen.
Das zeigt ein Fall, der bereits vor einem Jahr, im September 2019 in Treuenbrietzen, seinen Anfang hatte. Zwischen dem Foto- und Videojournalisten Julian Stähle und einem Polizisten kam es zu einer Auseinandersetzung. Erst verbal, dann attackierte der Polizist den Journalisten, er würgte ihn, Julian Stähle fiel zu Boden.

Stähle zeigte den Polizisten an, der Polizist wiederum zeigte Stähle an, wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Im ersten Fall verlor Stähle offenbar, im zweiten Fall sagte ein zweiter Polizist als Zeuge aus und untermauerte, was sein Kollege sagte. Demnach sei Stähle selbst hingefallen.
Blöd nur: Stähles Kamera lief. Ein Film, der bis dahin zurückgehalten worden ist.

Huch. Wie unangenehm, für die Polizei. Offenbar beim Lügen ertappt und mit dem Video konfrontiert, klappte der Polizeizeuge vor Gericht gleich mal zusammen – wie sein Lüegengebilde.
Nicht nur, dass hier ein Polizist wie Rambo aufgetreten ist und der meinte war, er könne dem Kameraschnösel jetzt mal zeigen, wo der Hammer hängt. Sondern auch, dass sein Kollege daneben stand, alles gesehen hat und vor Gericht alles so dargelegt hat, dass sein Kollege gut da stand. Eine Hand wäscht die andere.
Einmal mehr steht die Polizei in keinem guten Licht da. Und selbst der Innenminister Brandenburgs, Michael Stübgen (CDU) sowie der Polizeiabteilungsleiter Herbert Trimbach verteidigten das Verhalten der Polizisten, selbst als das Video bekannt war. Der Vorgang sei relativ normal, so Trimbach. Ähm, nein, ist es nicht. Und, ja, eine solche Aussage ist widerlich und sollte eigentlich für zwei Rücktritte reichen.

-> Der “Zapp”-Beitrag auf Youtube

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Die Reportage: Sex und Party mit Abstand? Hoffnung auf der Reeperbahn

Sonntag, den 26. Juli 2020
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MI 22.07.2020 | 21.00 Uhr | NDR

Die Reeperbahn in Hamburg auf St. Pauli ist auch nicht mehr das, was sie mal war. Kann sie auch gar nicht sein. Das Coronavirus sorgt dafür, dass nur noch sehr wenig geht. Dass wochenlang gar nichts ging. Erst nach und nach wird der Kultur-, Party- und Sexbetrieb wieder hochgefahren.

Wenn man selbst bislang ganz gut durch die Coronakrise gekommen ist, dann hat man ja vieles nicht so auf dem Schirm. Dabei sind es ganze Branchen, die derzeit am Abnippeln sind. Und ganze Stadtteile – wie eben das Viertel rund um die Reeperbahn.
Das zeigte am Mittwochabend “Die Reportage: Sex und Party mit Abstand? Hoffnung auf der Reeperbahn” im NDR.

Wer schon mal auf der Reeperbahn war, der weiß: Da brennt die Luft. Dort ist es voll, dort ist es laut, es ist ein bisschen dreckig und anrüchig, aber immer aufregend.
Die Reeperbahn im Coronajahr 2020: leer, leise – traurig. Die Herbertstraße ist dunkel, auf der Partymeile sind kaum oder keine Leute.
Die Kneipen durften kürzlich wieder öffnen – aber die Umstände bleiben schwierig. Die kleine Bar darf nur noch vier Leute gleichzeitig bedienen. In der Kiezkneipe nebenan geht es plötzlich um Abstände und Mundschutz. Wie will man da genug Umsätze machen? Zumal auch weiter nicht Party gemacht werden darf, DJs müssen ihre Musik leise drehen – tanzen is’ nich.
Auch das “Schmidt”-Theater ist wieder da, es war wohl das erste in Deutschland, das wieder den Betrieb aufnahm. Allerdings dürfen auch dort weniger als die Hälfte Menschen rein, und man versuchte das mit vielen Pflanzen im Theaterraum zu kaschieren.
Alle nehmen sie die aktuellen Regeln hin. Weil es nicht anders geht, und weil sie sagen, sie wollen ja ihren Gäste auch nicht schaden.

Weiterhin nicht arbeiten dürfen die Prostituierten. Wegen der Abstände, heißt es. Die Sexbranche liegt am Boden, die Frauen können momentan kein Geld verdienen, und langsam wird es für sie alle bitter. Auch weil sich noch nicht abzeichnet, wie es für sie weitergeht. Ob es für sie weitergeht.

Die Hamburger Reeperbahn. St. Pauli. Diese Doku zeigt, wie gerade ein ganzer Stadtteil auf der Kippe steht. Und keiner kann sagen, wer oder was denn noch zu retten ist.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 21. Juli 2021)

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NDR Comedy Spezial: Florian Schroeder – Ausnahmezustand

Sonntag, den 19. Juli 2020
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FR 17.07.2020 | 0.00 Uhr (Sa.) | NDR

Ein einstündiger Stand-Up ist für Kabarettisten eine durchaus lange Strecke. Aber auch nicht ganz ungewöhnlich. Florian Schroeder hat schon oft bewiesen, dass er das kann. Was daran absolut ungewöhnlich ist: Es gibt null Reaktionen, denn Schroeder stand im “Knust” in Hamburg in einem Raum ohne Publikum.
Der NDR zeigte am sehr späten Freitagabend das Florian-Schroeder-Solo “Ausnahmezustand” in einem “NDR Comedy Spezial”. Ein Mann, eine Bühne und ein paar Kameras. Aber kein Publikum, keine Lacher, kein Applaus – einfach nur Stille.

Florian Schroeder lief die vergangenen Coronakrise-Monate Revue passieren. Es ging um Masken, Schwaben und Regeln, kritisch und lustig, oft sehr bissig nahm er die Geschehnisse auseinander.
Dass der NDR so etwas erst nach Mitternacht ausstrahlt, wenn die zweistündige Talkshow gelaufen ist und das müde Fernsehvolk scharenweise ins Bett geht, ist wirklich schade und verschenkt. Mit dem Namen “NDR Comedy Spezial” hat man die Leute auch nicht wirklich neugierig gemacht. Im NDR-Sendegebiet schauten nur 60.000 Menschen zu. Die anderen haben was verpasst.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 18. Juli 2021)

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Coronavirus-Update

Samstag, den 21. März 2020
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MI 18.03.2020 | 16.30 Uhr | tagesschau24

Auf tagesschau24 ist neuerdings am Nachmittag eine halbe Stunde lang ein Standbild zu sehen. Zu hören ist ein Interview. Eine halbe Stunde lang wird über den Coronavirus gesprochen, und eigentlich kann man auch die Augen zumachen, denn auf dem Bildschirm ist nur ein Foto von einem Mann zu sehen.
Denn genau genommen zeigt tagesschau24 da auch keine Fernsehsendung, sondern ein Radioprogramm: Das “Coronavirus-Update”.

Die Welt steckt in einer großen Krise. Und jede Krise hat ihre Helden. Es sind die, die den Laden momentan am Laufen halten.
Und dann gibt die, die uns die Krise erklären, die uns an die Hand nehmen und uns durch diesen Wahnsinn führen. Die sagen, was ist. Die sagen, warum etwas so ist. Und was wir zu tun und zu lassen haben.
Christian Drosten ist Professor für Virologie und Leiter des Fachbereichs an der Berliner Charité. Jeden Tag unterhält er sich mit einer Redakteurin von NDR Info über den aktuellen Stand der Krise, über Forschungsergebnisse, Verhaltensregeln und alles, was er aus medizinischer Sicht dazu sagen kann.

Er macht das kompetent, aber überhaupt nicht oberlehrerhaft. In einem lockeren Ton plaudert er mit seiner Gesprächspartnerin, und manchmal ist es, als ob er uns ein bisschen die Ängste und Sorgen nimmt. Entschlossen handeln, Dinge sein lassen, aber keine Angst haben, keine Panik bekommen. Er redet über Gefahren und Zukunftsperspektiven. Und er macht es in der Regel so, dass wir es verstehen.

Die Sendung gibt es montags bis freitags als Podcast auf NDR.de, in der ARD-Audiothek und neuerdings auch auf tagesschau24 mit einem Standbild visualisiert. Auch in der ARD-Mediathek ist das abrufbar.
Aber das wird sich ändern, denn der NDR bereitet inzwischen Fernsehfassungen vor. Das Interview wird zwar wohl auch weiterhin erstmal nicht bildtechnisch aufgezeichnet, aber der NDR reichert die Sendung mit Bildern und visuellen Darstellungen an.
Das “Coronavirus-Update” ist einer der wichtigen Lotsen in dieser merkwürdigen, nervös machenden Zeit.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 18. März 2021)

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Willkommen Österreich: Gags, Gags, Gags aus der Quarantäne

Freitag, den 20. März 2020
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DI 17.03.2020 | 22.00 Uhr | ORF1

In einer so schwierigen Zeit wie jetzt ist Unterhaltung wichtig wie nie. Denn die Menschen brauchen neben Nachrichten auch Momente zum Abschalten oder für die etwas humoristischere Einordnung.
Aber manchmal kommen auch Unterhaltungsproduktionen an ihre Grenzen, und manchmal muss man schlicht improvisieren.
Das war am Dienstagabend im ORF1 gut zu beobachten. Normalerweise senden Christoph Grissemann und Dirk Stermann ihre Late-Night-Show “Willkommen Österreich” aus ihrem Studio vor Publikum.
Das hat diesmal nicht funktioniert, in Österreich ist man im Coronavirus-Ausnahmezustand. Offenbar war bis zum Ausstrahlungstag nicht klar, ob man eine neue Sendung produzieren oder ob eine Highlight-Sendung ausgestrahlt wird.

Doch dazu kam es nicht. Stattdessen meldeten sich Grissemann und Stermann getrennt und von zu Hause. Im Splitscreen reden sie über das Internet miteinander. Auch die Gäste sind per Internet zugeschaltet worden. Der Musikgast meldete sich ebenfalls von zu Hause und spielte dort improvisiert. Die Showband spielte jeder für sich zu Hause, und das ganze Intro ist zusammenmontiert worden.

Die Krise wirbelt auch im Fernsehen vieles durcheinander. Aber offenbar sorgt sie auch für viele neue kreative Einfälle und für den Willen zu improvisieren. Gut so.

Ähnlich übrigens “extra 3” am Mittwochabend im NDR. Christian Ehring ist in freiwilliger häuslicher Quarantäne, nachdem er in Österreich war. Die Sendung ist offenbar mit dem Smartphone zu Hause aufgenommen worden. Mal was anderes, außergewöhnlich und besser, als alles abzusagen.
Die nächsten Wochen bleiben auch in der Hinsicht spannend, wie die Unterhaltungsbranche mit der Krisensituation umgeht.

-> “Willkommen Österreich” in der ORF-TV-Thek (bis 23. März 2020)
-> “extra 3” in der ARD-Mediathek

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