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Coronavirus-Update

Samstag, den 21. März 2020
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MI 18.03.2020 | 16.30 Uhr | tagesschau24

Auf tagesschau24 ist neuerdings am Nachmittag eine halbe Stunde lang ein Standbild zu sehen. Zu hören ist ein Interview. Eine halbe Stunde lang wird über den Coronavirus gesprochen, und eigentlich kann man auch die Augen zumachen, denn auf dem Bildschirm ist nur ein Foto von einem Mann zu sehen.
Denn genau genommen zeigt tagesschau24 da auch keine Fernsehsendung, sondern ein Radioprogramm: Das “Coronavirus-Update”.

Die Welt steckt in einer großen Krise. Und jede Krise hat ihre Helden. Es sind die, die den Laden momentan am Laufen halten.
Und dann gibt die, die uns die Krise erklären, die uns an die Hand nehmen und uns durch diesen Wahnsinn führen. Die sagen, was ist. Die sagen, warum etwas so ist. Und was wir zu tun und zu lassen haben.
Christian Drosten ist Professor für Virologie und Leiter des Fachbereichs an der Berliner Charité. Jeden Tag unterhält er sich mit einer Redakteurin von NDR Info über den aktuellen Stand der Krise, über Forschungsergebnisse, Verhaltensregeln und alles, was er aus medizinischer Sicht dazu sagen kann.

Er macht das kompetent, aber überhaupt nicht oberlehrerhaft. In einem lockeren Ton plaudert er mit seiner Gesprächspartnerin, und manchmal ist es, als ob er uns ein bisschen die Ängste und Sorgen nimmt. Entschlossen handeln, Dinge sein lassen, aber keine Angst haben, keine Panik bekommen. Er redet über Gefahren und Zukunftsperspektiven. Und er macht es in der Regel so, dass wir es verstehen.

Die Sendung gibt es montags bis freitags als Podcast auf NDR.de, in der ARD-Audiothek und neuerdings auch auf tagesschau24 mit einem Standbild visualisiert. Auch in der ARD-Mediathek ist das abrufbar.
Aber das wird sich ändern, denn der NDR bereitet inzwischen Fernsehfassungen vor. Das Interview wird zwar wohl auch weiterhin erstmal nicht bildtechnisch aufgezeichnet, aber der NDR reichert die Sendung mit Bildern und visuellen Darstellungen an.
Das “Coronavirus-Update” ist einer der wichtigen Lotsen in dieser merkwürdigen, nervös machenden Zeit.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 18. März 2021)

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Willkommen Österreich: Gags, Gags, Gags aus der Quarantäne

Freitag, den 20. März 2020
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DI 17.03.2020 | 22.00 Uhr | ORF1

In einer so schwierigen Zeit wie jetzt ist Unterhaltung wichtig wie nie. Denn die Menschen brauchen neben Nachrichten auch Momente zum Abschalten oder für die etwas humoristischere Einordnung.
Aber manchmal kommen auch Unterhaltungsproduktionen an ihre Grenzen, und manchmal muss man schlicht improvisieren.
Das war am Dienstagabend im ORF1 gut zu beobachten. Normalerweise senden Christoph Grissemann und Dirk Stermann ihre Late-Night-Show “Willkommen Österreich” aus ihrem Studio vor Publikum.
Das hat diesmal nicht funktioniert, in Österreich ist man im Coronavirus-Ausnahmezustand. Offenbar war bis zum Ausstrahlungstag nicht klar, ob man eine neue Sendung produzieren oder ob eine Highlight-Sendung ausgestrahlt wird.

Doch dazu kam es nicht. Stattdessen meldeten sich Grissemann und Stermann getrennt und von zu Hause. Im Splitscreen reden sie über das Internet miteinander. Auch die Gäste sind per Internet zugeschaltet worden. Der Musikgast meldete sich ebenfalls von zu Hause und spielte dort improvisiert. Die Showband spielte jeder für sich zu Hause, und das ganze Intro ist zusammenmontiert worden.

Die Krise wirbelt auch im Fernsehen vieles durcheinander. Aber offenbar sorgt sie auch für viele neue kreative Einfälle und für den Willen zu improvisieren. Gut so.

Ähnlich übrigens “extra 3” am Mittwochabend im NDR. Christian Ehring ist in freiwilliger häuslicher Quarantäne, nachdem er in Österreich war. Die Sendung ist offenbar mit dem Smartphone zu Hause aufgenommen worden. Mal was anderes, außergewöhnlich und besser, als alles abzusagen.
Die nächsten Wochen bleiben auch in der Hinsicht spannend, wie die Unterhaltungsbranche mit der Krisensituation umgeht.

-> “Willkommen Österreich” in der ORF-TV-Thek (bis 23. März 2020)
-> “extra 3” in der ARD-Mediathek

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Let’s Dance: Fast ohne Zuschauer wegen Coronavirus

Samstag, den 14. März 2020
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FR 13.03.2020 | 20.15 Uhr | RTL

Nur Freunde und Familie.
Ganz ohne Publikum musste die RTL-Show “Let’s Dance” am Freitagabend dann doch nicht auskommen. Aber der größte Teil des Saales stand dann eben doch leer. Aber die wenigen Zuschauer, die noch dabei sein durften, sorgen auch schon für Stimmung.
Das Coronavirus und die entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen dagegen sorgen auch bei den Fernsehsendern für Veränderung. Für Shows ohne Live-Publikum. Bei “extra 3” am Mittwoch im NDR waren gar keiner. Bei RTL am Freitag immerhin ein paar Leute.
Ein bisschen Atmosphäre braucht so eine Unterhaltungsshow dann eben doch.

Das haben auch die Macher der “heute show” im ZDF festgestellt. Auch das Studio der Satireshow war leer. Fast. Nur eine Handvoll Leute waren da – das Team nämlich. Die sorgten wenigstens stellenweise für (spärlichen) Applaus, was aber auch noch mal lustig war.

Im Studio von “Gute Nacht, Österreich!” am Donnerstagabend im ORF1 war auch Publikum – aber auch dort stark ausgedünnt. Viele Plätze blieben leer, dort durften nicht mehr als 100 Menschen im Studio sein.

Es wird spannend, wie die Fernsehmacher weiterhin Stimmung in ihre Sendungen bekommen. Denn klar ist auch: Wir werden diese Sendungen unbedingt brauchen. Der Mensch braucht Zerstreuung, gerade in der aktuell schwierigen Zeit. Da ist “Let’s Dance” das ziemlich gut gemachte Entertainment, das jetzt nötig ist.

-> Die Sendung bei TV Now

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extra 3: Ohne Zuschauer wegen Coronavirus

Donnerstag, den 12. März 2020
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MI 11.03.2020 | 22.50 Uhr | NDR

Keiner lacht. Keiner klatscht.
Ist nämlich keiner da.
Es war am Mittwochabend ungewöhnlich still im “extra 3”-Studio. Normalerweise ist das Studio der NDR-Satiresendung voller Leute. Aber wegen des Coronavirus und den Sicherheitsmaßnahmen müssen auch die Fernsehsender reagieren. So muss das Publikum erst mal draußen bleiben – und im Idealfall vor dem Fernseher sitzen.

Die Epidemie sorgt auch beim Fernsehen für einen Ausnahmezustand. Beim rbb wurde der Publikumsverkehr eingestellt. Auch beim NDR und beim ZDF. Sendungen wie “Das aktuelle Sportstudio” im ZDF bleiben ebenfalls frei von Zuschauern um Studio. Auch “Maybrit Illner” und “Anne Will” betrifft das.
Galas und Shows werden reihenweise abgesagt. die Verleihung des Grimme-Preises – 3sat wollte übertragen – fällt aus. Ob und wann sie nachgeholt wird: ungewiss. Die (letzte!) “Goldene Kamera” im ZDF – verschoben auf November. Die Liebes-Schlagershow mit Silbereisen im Ersten – verschoben. Der “ZDF-Fernsehgarten on Tour” – abgesagt. Der ORF1 hat sein “Let’s Dance”-Pendant “Dancing Stars” komplett gestoppt – wie es weiter geht: unklar. Nickelodeon wird seine “Kids Choice Awards” nur in kleinem Rahmen vergeben.

Aber es geht auch anders. Weil in Berlin die großen Theater dicht sind, springt der rbb ein und überträgt Opern und andere Ereignisse stattdessen im Livestream und später im normalen Programm – als Ersatz.
Es wird spannend, wie sich das alles noch weiterentwickelt.

“extra 3” lebt natürlich von seinen satirischen Beiträgen, da fällt die andere Atmosphäre nicht auf. Aber die Stille im Studio, wenn Christian Ehring spricht, die war schon sehr gewöhnungsbedürftig.4
Aber besser so, als wenn man die Sendung ganz absagen würde. Das wäre der falsche Weg.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek

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Tschüss Jan

Freitag, den 17. Januar 2020
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DI 14.01.2020 | 13.55 Uhr | NDR

Mal ganz andere Musik im Hamburger Michel: Deep Purples “Child in Time”. Bob Dylans “Knockin’ on Heaven’s Door”. Und die Melodie vom “Großstadtrevier”.
Gespielt oder begleitet auf der großen Orgel. Alles für Jan Fedder.

Am Dienstagnachmittag nahm Hamburg Abschied von seinem Ehrenpolizisten. Jan Fedder ist kurz vor Silvester im Alter von 64 Jahren gestorben.
Es ist der Dienstag, an dem er seinen 65. gefeiert hätte. Sie kamen alle zusammen – aber um zu trauern.
Der NDR übertrug die Trauerfeier live, und es war eine ergreifende Veranstaltung.

Gespielt wurden seine Lieblingslieder, und es sind Songs, die vermutlich selten bis gar nicht in der Kirche gespielt werden. Seine Frau verabschiedete sich am Sarg von ihrer großen Liebe, und am Ende brach ihre Stimme. Eine Gruppe Polizisten erwiesen ihm die letzte Ehre und trugen dann seinen Sarg aus der Kirche – zu den Orgelklängen des “Großstadtreviers” und zu einem von Jan Fedder selbst gesungenen Song.
Als Fedder dann aus der Kirche getragen wurde, läuteten die Glocken des Michel – und aus dem Hafen erklangen lange und durchdringend die Tuten der Elbfähren.

Hamburg nahm sehr würdig, sehr nordisch, sehr rührend Abschied von ihrem Hamburger Jung.

-> Die Übertragung in der ARD-Mediathek (bis 14. Januar 2021)

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Das war 2019!

Dienstag, den 31. Dezember 2019
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Das Medienwort des Jahres ist vermutlich 2019 ein Name: Greta. Greta Thunberg ist 16, Schwedin und die wohl bekannteste Umweltaktivistin unserer Zeit. Kommt Greta ins Spiel, dann werden alle nervös. Die Medien, weil sie mit Greta-Artikel wieder Klicks bekommen. Die Fans, weil sie Greta für alles feiern. Die Hasser, weil sie Greta für alles, nun ja, hassen.
2019 ist das Jahr – wie auch 2018 und 2017 und … – der Shitstorms, deren Wellen in immer kürzen Abständen durch das Web rollen. Immer wieder ist irgendwo die Empörung groß, weil irgendwer irgendwas gesagt hat, was irgendwer aus irgendwelchen Gründen ganz schlimm fand.

Schlimm findet die CDU im Jahr 2019 das Internet aber auch. Ein gewisser Rezo ist es, der auf Youtube vor der Europawahl von der “Zerstörung der CDU” spricht. Bis Jahresende hat das Video 16,49 Millionen Klicks, darin zählt Rezo die Versäumnisse der Politik auf, gerade in Sachen Umweltbelange. Man solle doch nicht die CDU wählen, und die SPD eigentlich auch nicht, die AfD ebenfalls nicht.
Das schlägt Wellen, nicht nur bei dem Wahlergebnis. CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer spricht danach davon, dass es ja nicht sein könne, dass Youtuber auf diese Weise Wahlen beeinflussen wollen.
Die CDU will mit einem Antwortvideo kontern. Philipp Amthor soll es richten, und das Video wird so geil, dass es danach nicht veröffentlicht wird. PR-Desaster. Genau wie das Monate danach gestartete Youtube-Format “CSYou”.
Aber mit PR-Desaster kennt sich Annegret Kramp-Karrenbauer aus. Ende Februar tritt sie beim SWR im “Stockacher Narrengericht” als Klofrau auf – wie jedes Jahr. Mit Witzen über das dritte Geschlecht – “Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder schon sitzen müssen.” – sorgt sie für Zoff. Darf sich eine so hohe Politikerin so über Randgruppen lustig machen? Das ist die Frage.

Und worüber dürfen sich eigentlich Komiker noch lustig machen? Über Frauen mit Doppelnamen jedenfalls nicht. Kramp-Karrenbauer. Bernd Stelter bekommt beim “Karneval in Köln” jedenfalls Besuch auf der Bühne. Eine Zuschauerin teilt ihm Auge in Auge mit, dass sie seine Doppelnamen-Gags irgendwie doof findet. Nur eine Woche später stürmt eine Frau die Bühne des “Moma-Cafés” des ZDF-Morgenmagazins. Sie wollte wissen, ob denn hier eigentlich alle einen anlügen, sie sprach von Lügenpresse, Lügenfresse und wollte fragen, ob bei ihr die Mainzelmännchen zu Hause seien. Alles ganz wichtige Fragen, die dringend geklärt werden müssen.

Oh, Moment: Greta hat wieder was gesagt. Sie fordert mehr Panik. Wichtige Sondermeldung. Es folgen Lob und Empörung.

Apropos Empörung: Rammstein hat sich was Dolles geleistet. In einer Vorschau für den Song und das Video zu “Deutschland” werde der Holocaust relativiert. Heißt es. War dann aber nicht so, der Shirtstorm rollte trotzdem durchs Twitterland.
Sat.1 löst seine Shitstorms lieber im Ausland aus: in Thailand. Ach was, ein Krieg steht im Raum! Im Frühstücksfernsehen reißen sie blöde Witzchen über den thailändischen König. Der und angeblich ganz Thailand finden das empörend, und bei Sat.1 schmeißt man sich in den Staub und entschuldigt sich untertänigst. Fast fließen Tränen. Ohje. Wird Sat.1 etwa zur Strafe zum thailändischen Regierungsfernsehen?
ARD und ZDF in Deutschland sind diesem Vorwurf auch 2019 immer wieder ausgesetzt. Dabei zeigen Formate wie “Die Anstalt”, “heute show” und “Extra 3” dass das nun wirklich nicht sein kann. Und auch Magazine wie “Report”, “Kontraste” oder “Frontal 21” decken Skandale auf, die der deutschen Politelite sicherlich nicht gefallen haben.

Achtung, Greta hat wieder was gemacht. Mit einem Schiff reist sie über den Atlantik in die USA. Jubel von den Fans. Kritik von den anderen, und überhaupt, das ist ja aus Gründen gar nicht so umweltfreundlich, wie alle sagen.

Bloß keine Schwäche zeigen. Nicht immer gelingt das. Ein Bundestagsabgeordneter bricht am Rednerpult zusammen, live übertragen von phoenix und dem Parlamentsfernsehen. Vorher machen sich die AfD-Leute noch lustig über ihn, als er beginnt zu stocken. Bei einem Auftritt stolpert Peter Altmeier nach einer Rede und fällt von einer Treppe. Das sieht böse aus. Gleich mehrere Male bekommt Kanzlerin Angela Merkel Zitteranfälle. Es beginnt das große Rätseln über eine mögliche Krankheit. In allen drei Fällen verbreitet sich über das Netz auch eine Welle der Häme. Politiker haben keine Schwäche zu zeigen, immerhin bekommen die doch so viel Kohle und tun dafür nichts, so wird, nun ja, debattiert.
Vor einem Millionenpublikum kollabiert “Tagesschau”-Sprecher Jan Hofer. Er wirkt fahrig, seine letzte Ansage kann er nicht mehr machen, die Sendung wird abgebrochen. Tage zuvor war er noch von morgens um kurz vor 10 bis nachts nach 23 Uhr in jeder Nachrichtensendung on Air. Bei der ARD will man von Überarbeitung nicht sprechen.

Ein bisschen flottere Arbeit wünscht man sich dagegen von der “Tagesschau” an dem Abend, als in Paris Notre Dame brennt. Eine kurze Sondersendung im Ersten und später eine hektisch zusammengestellte Live-Übertragung bei tagesschau24 lösen die Debatte über die Schnelligkeit der Nachrichtenübermittlung aus. Ob die stundenlangen Mutmaßungen und Kameraschwenks über die brennende Kathedrale bei ntv besser sind, ist unklar.
Legendär sind dagegen die stundenlangen Übertragungen aus dem britischen Parlament. Stichwort 1: Brexit. Stichwort 2: Order!

Greta! Jetzt bekommt sie auch noch die Goldene Kamera! Das Mädchen haut wieder eine Rede für den Klimaschutz raus, und kurz danach bekommt die Schauspielnewcomerin einen SUV geschenkt. Glückwunsch!

Schalten wir besser mal nach Österreich. Dort heißt das Wort des Jahres nicht “Greta”, sondern “Ibiza”. FPÖ-Rechtspopulist Hans-Christian Strache lässt sich von einer versteckten Kamera reinlegen. Auf Ibiza trifft er sich mit einer angeblichen Oligarchin. Es geht um Investitionen in Österreich und um Gefälligkeiten, die die Pressefreiheit aushebeln. Aus für die FPÖ in der Regierung. Pressekonferenzen. Neuwahl. Mega-Quoten für den ORF2.
In Deutschland dagegen sorgen die Rechtspopulisten der AfD immer wieder für Schlagzeilen. Bjö…, äh, Bernd, äh, Björn Hocke bricht ein Interview mit dem ZDF ab, weil er emotional aufgewühlt sei. Und er werde nie wieder ein Interview mit dem Journalisten führen, was er bedauern könnte, wenn Höcke mal eine wichtige politische Persönlichkeit sei.
Der mdr dagegen setzt Uwe Steimle gleich ganz ab. Oder besser: beschäftigt ihn nicht weiter. Darüber ist Uwe Steimle empört. Er würde gern vom mdr, den er für einen Staatsfunk hält und der regierungsnah sei und rückständig, weiterarbeiten. Der mdr sieht das anders. Der Arbeit- und Geldgeber mag es nicht, beschimpft zu werden. Uwe Steimle, das Opfer. Findet Uwe Steimle. Er redet von einem Berufsverbot. Seine Auftritte sind ausverkauft. Dort erzählt er dann von seinem Berufs, … ähm. Merken Sie selbst, oder?
Dieter Nuhr soll übrigens auch neurechts sein. Er äußert sich kritisch zu “Fridays for Future” und zu Greta. Dass er sich auch kritisch zur AfD äußert, scheint egal zu sein. Meinungsfreiheit gegen die Forderung, Dieter Nuhr abzusetzen.

Und, ach ja. Greta. Dieter Nuhr hat wieder was Böses über Greta gesagt. Bringt Schlagzeilen. Bringt Klicks. Lob und Hass, na, Sie wissen schon.

2019 hat auch Comebacks parat. Jörg Kachelmann feiert seine Rückkehr in die ARD. Er darf wieder das “Riverboat” im mdr moderieren, wo auch gleich die Quoten steigen. Der Deutsche Fernsehpreis kommt mit einer Gala zurück, in den vergangenen Jahren wurde eher spartanisch gefeiert. Die Rettungsschwimmer aus Malibu sind wieder da – und das auch noch in HD. “Baywatch” auf Nitro jetzt noch schärfer. Die Youtube-Star-Zwillinge, die Lochis, verkünden das Ende ihrer gemeinsamen Karriere. Jahrelang haben sie klickstarke Videos und am Ende auch Songs produziert. Durch die Jugend geht ein Ruck. Zlatko kehrt ins “Big Brother”-Haus zurück. 2000 war er schon mal drin, 2019 als “Promi”. Sat.1 jazzt das zum Comeback des Jahres hoch. Es erweist sich als laues Lüftchen. Domian meldet sich mit einer Talkshow im WDR zurück – ganz ohne Telefon. Pittiplatsch ist wieder da – fast 30 Jahre nach dem Aus im DFF. Und auch Jürgen Kuttner macht wieder den “Sprechfunk” – allerdings erstmal nur im Internet auf radioeins.de.
Ein Comeback – also zumindest für 30 Minuten – hat auch ein gewisser Ernesto. Ihn kennt man als Ex-Mann von einer Ex-Anwältin in einer RTL-Trashshow. Nun tritt er in einer RTL-II-Trashshow auf. Nackt. Aber: Sensation! Nach einer Penis-Vergrößerungs-OP! Das schauen wir uns doch mal genau an. Und, ähm, ein bisschen, nun ja, haben wir uns da schon mehr…. ähm… also…

Das irritierendste Comeback 2019: tm3. Der Sender Family.TV nennt sich in tm3 um. Die Rechte am Markennamen waren frei, mit dem tm3 von damals hat das aber nichts zu tun. Doch das Glück hält nicht lange, Wochen später wird der Sender abgeschaltet. Immer wieder gibt es Lizenzprobleme, der Betreiber von Family.TV/tm3 zeigt Sendungen im Programm, an denen er gar keine Rechte hat. Zwangs-Aus.
Unfreiwillig und mit großem Knall endet auf radioeins die freitägliche Comedy “radiozwei”. Als sich Tommy Wosch und Martin “Gotti” Gottschild live on Air ernsthaft zoffen, ist es aus. Erst im Herbst kehrt Wosch allein mit einem neuen Format zurück.
Abschied nehmen heißt es auch vom “Neomagazin Royale”. Jan Böhmermann verlässt zdf neo, um im Herbst 2020 mit neuer Show beim ZDF weiterzumachen.
Nächtliche Spitzeneinschaltquoten erzielt Sky mit der letzten Staffel von “Games of Thrones”. Doch viele Fans sind enttäuscht darüber, wie die Serie endet.
Der langsame Abschied von der “Lindenstraße” geht dagegen weiter. Am 20. Dezember ist Drehschluss. Noch drei Monate. Ende März 2020 ist dann auch im Fernsehen Schluss.

Auch viele bekannte Menschen sind nicht mehr da. Abschied für immer. Bruno Ganz, Hannelore Elsner, Doris Day, Billie Zöckler, Lisa Martinek, Ursula Karusseit, Luke Perry, Wolfgang Winkler, Jan Fedder, Rudger Hauer, Gerd Baltus, Helmut Krauss, Peter Fonda, Max Wright und Ken Kercheval werden als Schauspieler fehlen. Die Sportler Rudi Assauer, Matti Kykänen und Niki Lauda. Die Musiker Marie Fredriksson, Peter Schreier, Karel Gott, Costa Cordalis, Wiglaf Droste, Keith Flint, Gus Backus, Alphonso Williams und Mark Hollis. Die Moderatoren und Journalisten Wilhelm Wieben, Wiebke Bruhns, Manina Ferreira-Erlenbach, Franziska Pigulla, Michael Jürgs, Werner Doyé und Walter Freiwald. Die Politiker Manfred Stolpe, Jörg Schönbohm, Robert Mugabe, Klaus Kinkel, Jacques Chirac und Anke Fuchs. Weltraumfahrer Sigmund Jähn, Autorin Rosamunde Pilcher, Kabarettist Werner Schneyder, Produzent Artur Brauner, Comiczeichner Guillermo Mordillo, Unternehmer Ferdinand Piech, Weltenbummlerin Heidi Hetzer, Designer Luigi Colani und Modeschöpfer Karl Lagerfeld.

Vor dem Aus gerettet wird dagegen der Berliner Verlag. Dran hängen unter anderem die Berliner Zeitung und der Berliner Kurier. Das Berliner Unternehmerpaar Silke und Holger Friedrich kauft den Verlag von der DuMont-Mediengruppe. Freude und Misstrauen. Immerhin sind die beiden kaum medienerfahren. Und dann kommt auch noch raus, dass bei Holger irgendwas mit der Stasi ist. Was er zunächst verheimlicht. Die Euphorieblase platzt.

Bei den Sendern platzen 2019 diverse Hoffnungen. RTL landet mit der Daily-Soap “Herz über Kopf” einen Flop. VOX versucht es mal wieder mit der schon öfter gefloppten Actionshow “Survivor” – und scheitert. Das ZDF hat kein Glück mit “Mein Lied für dich” und “Sorry für alles”.
Richtig gut läuft es dagegen weiter für den “Tatort” aus Münster. Der Fall “Spieglein, Spieglein” erreicht 14,01 Millionen Menschen. Quotenrekord 2019.

Und Greta? Müsste die nicht bald mal auf dem Schiff wieder in Lissabon angekommen? Nachrichtensender zeigen live und eine halbe Ewigkeit, wie ein Schiff aus dem Atlantik in Portugal anlegt.

Wird über Greta vor allem im Netz geredet, spielt sich auch das Mediengeschehen selbst zunehmend im Netz ab. Das herkömmliche analoge Fernsehen ist weiter auf dem Rückmarsch. Netflix begeistert mit Serien wie “Wir sind die Welle”, “Die Patchwork-Familie”, “How to sell Drugs online (fast)” oder “Sex Education”. Amazon Prime mit “Pastewka”. Außerdem geht Joyn an den Start, TV Now der RTL-Gruppe bietet unter anderem mit “Prince Charming” exclusiven Content. Und natürlich Youtube mit unendlich vielen Videos sowie diversen Funk-Formaten wie “Druck”.
Das Fernsehen muss sich anstrengen, wenn es weiter Aufmerksamkeit will. Das gelingt zum Beispiel mit “24h Europe” (arte), “Chez Krömer” (rbb), “Die Geschichte eines Abends” (NDR), “Käthe und ich” (Das Erste), “Die Unsichtbaren” (Das Erste) oder “Der Club der singenden Metzger” (Das Erste).

Was gab es sonst so? Thomas Gottschalk moderiert beim BR eine Literatursendung. Ja, wirklich! Bei Lanz zoffen sich Hasselhoff und Lindner. Hasselhoff gewinnt. Ja, echt! Böhmermann sagt was im ORF, und die Moderatorin distanziert sich. Ja, mei! Luke Mockrige prankt den “ZDF-Fernsehgarten” und ist … ähm, irgendwer fand das sicher lustig. Bei Funk gibt es eine 72-stündige Talkshow. Live! Und danach drei Tage Tiefschlaf. Die EU hat ein neues Urheberrecht. Und Youtube stirbt. Oder so ähnlich.
Achso, und: “I’m sorry! Zero Points!”

Schauen wir ein letztes Mal zu Greta: Die war auf dem Klimagipfel. Der war enttäuschend. Aber, bitte: Was war das denn?! Greta im ICE! Auf dem Boden sitzend! Wo sie doch 1.-Klasse-Tickets hatte!!! War dann zwar alles ein bisschen anders, aber da rollte der Shitstorm schon. Ist ja eh alles wurscht. Hauptsache Greta.

Nicht vergessen dürfen wir zu guter Letzt aber noch diese Feststellung. Enissa Amani ist eine Komikerin.
Echt!
Alles Gute für die 20er-Jahre.

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Mary Roos & Wolfgang Trepper: Die Geschichte des deutschen Schlagers

Freitag, den 27. Dezember 2019
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SA 21.12.2019 | 0.20 Uhr (So.) | NDR

Im Januar 2020 ist Schluss mit den Schlagern: Mary Roos tritt ab. Das hat sie schon vor längerer Zeit angekündigt. Sie ist jetzt 70, und sie will offenbar nicht ewig auf den Bühnen dieses Landes singen. Ein Entschluss, den man akzeptieren muss, der für Fans aber hart und schade ist.
Denn mit Mary Roos verlässt eine Frau die Schlagerbranche, die das Herz auf dem rechten Fleck hatte, witzig und selbstironisch ist. Mary Roos verbreitet, da, wo sie ist, immer gute Laune.

Wie das mit der Selbstironie zu verstehen ist, konnte man in der Nacht zum Sonntag im NDR sehen ist. Dort liefen Ausschnitte aus dem Programm “Nutten, Koks und frische Erdbeeren”. Beim NDR entschied man sich für einen etwas, nun ja, spießigen Titel “Die Geschichte des deutschen Schlagers” (gähn!). Dort steht sie mit dem Kabarettisten Wolfgang Trepper auf der Bühne. Trepper spielt den übellaunigen Typen, der Schlager hasst und natürlich auch Mary Roos hasst und über den Schlager seine Witze macht. Dann aber kommt Mary Roos und gibt Trepper ordentlich Kontra, und natürlich singt sie auch viele Hits.
Diese Show, mit der die beiden auch sehr lange auf Tournee waren, zeigt, wie witzig diese Frau ist, wie sehr Mary Roos auch über sich und ihre Branche lachen kann. In Wirklichkeit mögen sich Roos und Trepper sehr. Vermutlich könnten sie so was ansonsten auch nicht jeden Tag über sich ergehen lassen.

Im Januar 2020 also hat Mary Roos in einer Fernsehshow (vermutlich bei Silbereisen) ihren letzten Auftritt, dann soll Schluss sein.
Na ja, nicht so ganz: Ab Herbst ist sie wieder mit Wolfgang Trepper unterwegs. Titel des neuen Programms: “Mehr Nutten, mehr Koks – scheiss auf die Erdbeeren!”
Niemals geht man so ganz. Das scheint auch für Mary Roos zu gelten. Und das ist auch gut so.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 5. Februar 2020)

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