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Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiss

Freitag, den 11. Januar 2019
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MI 09.01.2019 | 22.00 Uhr | SWR-Fernsehen

Als “Holocaust” 1979 erstmals im deutschen Fernsehen lief, da löste der US-Vierteiler einen Gefühlserdrutsch aus. Vorher waren die Verbrechen im Dritten Reich und die organisierte Tötung der Juden kaum ein Thema in der Bundesrepublik. Dann kam “Holocaust”, und die Skepsis vorher war groß: Kann eine eher soapige Darstellung der Geschichte für Aufklärung sorgen? Müssen das nicht Dokus und Diskussionssendungen leisten?
In der ARD war die Skepsis so groß, dass man sich nicht dazu durchringen konnte, den Vierteiler im Ersten Programm ausstrahlte. Stattdessen liefen die Filme in den zusammengeschlossenen Dritten.
Das Echo war riesig. Die Leute waren berührt, entsetzt und beschämt. Sie litten mit, sie trauerten mit. “Holocaust” sorgte dafür, dass die Auseinandersetzung mit dem Thema nicht nur in Deutschland eine andere wurde.

Ich habe “Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiss” irgendwann Anfang der 90er gesehen, ich war ein Teenager. Aus der Oranienburger Bibliothek lieh ich mir die Videokassetten aus.
Bald war ich gebannt. Es war spannend zu sehen, was mit den Menschen in diesem Vierteiler passiert, und in Teil 4, wenn das Ende naht und die Familie quasi ausgelöscht wird… Ich habe an einigen Stellen sehr geweint. Es hat mich extrem getroffen, was dort geschah. Ich konnte diesen Wahnsinn – der ja in diesem Fall fiktiv ist, aber ja auch in Wirklichkeit stattfand – nicht fassen.

2019. NDR, WDR und SWR wiederholen “Holocaust” zum 40. Austrahlungsjubiläum. Der SWR ist am Mittwochabend eingestiegen. Leider haben die Dritten dafür nur Sendeplätze am späteren Abend.
Denn auch nach 40 Jahren sind diese Filme wichtig. Um zu zeigen, was war. Aber auch um zu zeigen, was nie mehr passieren darf. Und das in Zeiten, in der die Rechtsextremen wieder in die Mitte der Gesellschaft rutschen, in der Andersdenkende schleichend wieder diskriminiert und mundtot gemacht werden sollen. Denn so hat es damals auch angefangen, bevor der eigentliche Wahnsinn begann.

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Der Tatortreiniger: Einunddreißig

Samstag, den 22. Dezember 2018
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MI 19.12.2018 | 22.30 Uhr | NDR

Der Tatort ist gereinigt, alle Tatorte sind gereinigt, und Schotty ist mit dem Fahrstuhl nach unten abgerauscht. Ins Nirgendwo, so genau weiß man das nicht.

Am Mittwochabend lief im NDR die letzte Folge vom “Tatortreiniger”, und dieser Abgang ist in mehrerlei Hinsicht ungewöhnlich. Denn in diesem Fall war es nicht der Sender, der die Serie abgesetzt hat. Der NDR hätte gern weitere Folgen produzieren lassen. Auch Bjarne Mädel hätte durchaus weiter gemacht. Es war die Autorin der Serie, die gesagt hat: Jetzt ist Schluss. Mizzi Meyer hält Schotty für auserzählt, man solle aufhören, wenn es am schönsten ist.

Mit zwei grandiosen Folgen machte man den Fans den Abschied schwer: Erst hatte es Schotty mit einem Mann im Wachkoma zu tun, mit dem er erst nicht klar kommt. Aber nach einer Sturz befindet er sich plötzlich im Kopf des Mannes wieder. In der zweiten Folge hat im Büro-Hochhaus keiner eine Aufgabe für ihn, dafür trifft er auf diverse Bekannte und plötzlich auf eine Frau, die ihm sagt, es sei Aus. Er kann es nicht fassen, aber sie verstößt ihn, und Schotty rast mit dem Fahrstuhl nach unten. Weg.
Ein echt surreales Ende für eine ungewöhnliche Serie, die zwar zum Kult geworden ist, aber dennoch immer ein wenig im NDR-Drittes-Programm-Schatten stand. Der Titel “Einunddreißig” war nicht nur eine gesuchte Zimmernummer, sondern auch eben Folge 31.

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Unsere Geschichte: Der Flugzeugabsturz von 1986 und die Stasi

Freitag, den 21. Dezember 2018
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MO 17.12.2018 | 22.00 Uhr | NDR

Es sind noch längst nicht alle Geschichten über die DDR erzählt. Über diesen Staat, seine Überwachungsmethoden und die Art, mit Katastrophen umzugehen.
Davon erzählte am Montagabend “Unsere Geschichte” im NDR. Aufgerollt wurde ein Flugzeugabsturz im Dezember 1986 in Bohnsdorf bei Schönefeld.
Die Katastrophe fand zwar den Weg in die “Aktuelle Kamera”, aber dennoch passte so ein Unglück ganz und gar nicht zum Selbstverständnis des sozialistischen Staates.

In der NDR-Doku ist das sehr anschaulich und berührend dargestellt worden. Plötzlich standen die Menschen im Fokus der Stasi, die in Schwerin mit ihnen zu tun hatten. In Schwerin wurde fast eine komplette Schulklasse ausgelöscht.
Anteilnahme? Kannte die Stasi nicht. Trauer in der Schule? Nicht gestattet. Stattdessen: weitermachen.
Trauerfeier? Ja, aber ohne die trauernden Schüler. Weil das Westfernsehen da war und Emotionen nicht gewollt waren, wurden einfach Jugendlicher anderer Schulen dazugeholt. Fast wären die Trauernden nicht mal auf den Friedhof gekommen. Angehörige wurden bespitzelt, weil man drängende Nachfragen befürchtete.

Auch an solchen Filmen zeigt sich, was für ein Staat die DDR war. Einer in dem eher Misstrauen gegenüber den eigenen Leuten herrschte. Wo nur die perfekte Außenwirkung zählte und nicht das, was in den Menschen vorging.
Gut, dass es die Doku gibt.

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Die Nordreportage: Schöne Bescherung – Paketprofis im Weihnachtsstress

Donnerstag, den 20. Dezember 2018
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MO 17.12.2018 | 18.15 Uhr | NDR

Gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit ist in den Facebook-Foren das Gemotze groß: Wo bleibt der Paketzusteller? Warum ist das Paket immer noch nicht da? Wieso konnte nicht zugestellt, obwohl der Empfänger zu Hause war? Und überhaupt: Was sind diese Zusteller eigentlich für Flachpfeifen?
Ja, so wird sehr oft geredet über die Zustelldienste. Aber so ist das mit der persönlichen Gemütlichkeit. Man will nicht mehr in die Läden, und dann regt man sich auf, wenn die Gemütlich durch Nichtzustellung oder eine verspätete Zustellung durchbrochen wird.
Da könnte ja mal eine Reportage zeigen, was denn die Zustelldienste so alles zu tun zu haben und wie es denn kommt. dass es Fehler und Unmut gibt.

Der NDR hat sich stattdessen entschieden, eine Ziemlich-heile-Welt-Doku zu zeigen. “Die Nordreportage: Schöne Bescherung – Paketprofis im Weihnachtsstress” zeigte einen DHL-Fahrer, der seinen Job liebt. Immer gut gelaunt fährt er durch Hildesheim, alles ist schick, wenn auch stressig. Alle finden ihn gut, wirkliche Probleme hat er nicht. Ach ja, und natürlich wird er nach Tarif bezahlt. Alles dufte.
Oder im Postladen in Hannover. Ja, da müssen die Leute ein wenig länger anstehen, und die Pakete treffen verspätet ein, aber eigentlich ist alles gut und erträglich. Total dufte.
Oder bei Amazon in Winsen/Luhr. Die im Film gezeigte Mitarbeiterin liebt ihren Beruf, Stress hat sie eigentlich auch nicht, sie liebt das, was sie macht, und die anderen Mitarbeiter sind auch total gut drauf. Alles so richtig dufte, und warum bei Amazon gestreikt wird – tja, keine Ahnung.

Der NDR hätte die Chance gehabt, mal zu zeigen, wie mies der Job auch sein kann. Wie mies bezahlt Angestellt von Subunternehmern bezahlt werden, was sie für einen Stress haben, wie sie am Rande ihrer Möglichkeiten sind. Aber nein, das wollte man keinem zumuten, ein bisschen kritische Berichterstattung war einfach nicht drin.
Eine echt schöne Bescherung. Ja, wirklich sehr schön. Die ziemlich heile Postwelt des NDR.

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7 Tage … unter Männern

Sonntag, den 9. Dezember 2018
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MI 05.12.2018 | 23.50 Uhr | NDR

Was macht ein Mann zum Mann? Was macht ihn männlich?
Ein Reporter des NDR wollte das wissen. Am Mittwochabend lief seine Doku “7 Tage … unter Männern” im Spätprogramm des NDR.

In Zeiten der #metoo-Debatte muss man sich offenbar auch wieder fragen, was denn eigentlich noch männlich ist. Für einige Männer ist das eine so wichtige und nicht lösbare Frage, dass sie zu einem Männertraining gehen müssen. Dort ging es dann um Brüderlichkeit. Man sei ein Mann, wenn man… also… So ganz verstanden habe ich jedenfalls nicht, warum es besonders männlich ist, wenn man mit einem anderen Mann unter die Dusche geht und sich gegenseitig einseift. Ist ja eigentlich eher eine schwul-erotische Fantasie. Beim Männertraining natürlich nicht, da ist das… nun ja, normal vielleicht nicht, aber da wird das so gemacht. Auch eine feste Umarmung gehöre dazu, und am Ende gab es bei Minusgraden einen Männerkampf nur in Unterhosen. Sanft sein und hart sein.
Na, wenn da mal keine verstecke Kamera im Hintergrund lief, und es sich in Wirklichkeit was ganz anderes handelte.

Im Kern ging es in dieser Doku aber darum, dass auch Kerle einen weichen Kern haben. Der Reporter traf sich auch mit einem Schulfreund, der gerade Vater geworden ist und ganz sanft zu seinem Baby war. Und mit seinem Vater, mit dem er über Männer und Frauen sprach.

So anstrengend es ist, wenn Männer einfach nur blöde Machos sind, so anstrengend ist es auch, wenn Männer unbedingt ganz anders sein wollen.

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extra 3

Freitag, den 30. November 2018
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DO 29.11.2018 | 22.45 Uhr | Das Erste

Manchmal ist sie schon seltsam, diese alte Tante ARD. Da hat sie mit “extra 3” ein sehr gutes Satiremagazin, das eine schöne Ergänzung zur “heute show” vom ZDF darstellt, und dann gibt es dafür nicht mal einen Sendeplatz. Sondern zwei. Und keiner sieht so genau durch, auf welchem der beiden Sendeplätze denn zufälligerweise in dieser Woche die Sendung läuft.

Also: Eigentlich läuft “extra” mittwochs um 22.50 Uhr im NDR. Aber schon vor einigen Jahren ist die Sendung befördert worden und hat einen Sendeplatz im Ersten bekommen. Allerdings donnerstags um 22.45 Uhr. Anderer Tag, andere Sendung. Dort läuft sie aber nicht jeden Donnerstag. Manchmal alle vier Wochen, manchmal alle zwei Wochen, manchmal aber auch zwei- oder dreimal hintereinander donnerstags. Und wenn nicht am Donnerstag, dann eben schon Mittwoch, und dann eben im NDR.
Na, alles klar?

Ach ja, und wenn “extra 3” donnerstags im Ersten läuft, dann gibt es am Mittwoch im NDR ein “extra 3”-Special mit Beiträgen aus der Reihe “Der normale Irrsinn”. Oder ein Best of. Oder die Sendung fällt da ganz aus. Ein System dahinter konnte ich nicht erkennen.

Liebe ARD, wer soll da eigentlich durchsehen? Ist es wirklich nicht möglich, einem wöchentlichen Magazin einen wöchentlichen Sendeplatz zu geben, der sich idealerweise immer an derselben Stelle befindet?

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Last Night of the Proms 2018

Montag, den 10. September 2018
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SA 08.09.2018 | 22.00 Uhr | NDR

Manchmal ist der Weg zwischen London und Hamburg scheinbar unüberbrückbar.
Gerade sang der Chor “God save the Queen”, die britische Nationalhymne, da froren plötzlich Bild und Ton ein, und eine Störungstafel wurde eingeblendet. Vermutlich hat der NDR am Sonnabendabend schon mal hautnah demonstriert, wie sich der Brexit anfühlt, in dem einfach mal jemand den Stecker gezogen hat.

Bei der Live-Übertragung der “Last Night of the Proms 2018” hatte der NDR wenig Glück. Schon die Umschaltung von Hannover nach London hatte am Anfang nicht funktioniert, zwischendurch gab es immer wieder Ausfälle. Und dann, ausgerechnet bei der Hymne, der Totalausfall.
Natürlich – ein Schelm, der Böses dabei denkt.

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