aRTikel

Landwirtschaft mitten im Luch

Donnerstag, den 25. Oktober 2018
Tags: , , , ,

Familie Petri wohnt und arbeitet in Moorhof bei Kremmen – die Heuernte bringt Geld ein

MAZ Oberhavel, 25.10.2018

Moorhof.
Janz weit draußen. Wer auf dem Hof der Petris steht, der weiß, was damit gemeint ist. Sie wohnen in Moorhof. Das liegt mitten im Luch, nordwestlich von Kremmen, knappe zwei Kilometer von Linumhorst entfernt. Sebastian Petri ist jetzt 34, seit zwei Jahren lebt er dort mit seiner Frau Juliane (33). Er ist dort aufgewachsen, es ist sein Elternhaus. Inzwischen haben die beiden ein Kind. Jakob ist zehn Monate alt. Die Eltern haben eigene Räume.
War klar, dass Sebastian wieder zurück auf den Hof kommt? „Jein“, sagt er. „Es stand fest, dass meine Eltern irgendwann hier aufhören werden zu arbeiten. Und dass sie es schön finden würden, wenn es hier irgendwie weitergeht.“ Dass er die Landwirtschaft im Nebenerwerb betreiben werde, das sei ihm immer klar gewesen. Aber 2016 hatte das junge Paar entschieden, aus der Berliner Hektik komplett raus nach Moorhof zu ziehen. „Ich finde es angenehm“, sagt Juliane Petri. Sie arbeitet in Berlin-Neukölln als Ausbilderin im Rehabereich. Gerade ist sie aber in Elternzeit. „Das genieße ich.“ Für sie ist Moorhof ihr Zuhause – für ihren Mann und ihre Schwiegereltern auch der Arbeitsort.

Am Morgen geht es für Sebastian Petri aufs Feld raus. Sich um die Tiere kümmern – die Familie hat 140 Kühe und 22 Wasserbüffel, außerdem Pferde, Hühner und Gänse. „Ich schaue, ob es den Tieren gut geht“, erzählt der Landwirt. Im Winter müssen die Kühe zugefüttert werden, im Sommer kommen sie in der Regel selbst klar. Dazu kommen: mähen und pressen. Denn in der Hauptsache leben die jungen Petris vom Handel mit Heu, die Eltern von der Tierhaltung. 86 Hektar Land gehören Sebastian Petri, der Großteil befindet sich bei Hakenberg und nahe Wall.

Den trockenen Sommer erlebte er als durchwachsen. „Wir haben Flächen, wo wir normalerweise 250 bis 280 Rundballen Stroh haben, dieses Jahr sind es 27.“ Aber auf den naturnahen Flächen, in der Nähe der Moore, da habe er keine Ertragseinbrüche gehabt. „Deswegen haben wir letztlich keine Heuknappheit, aber die Qualität des Heus ist durchaus schlechter.“ 2017 stand dagegen auf den Flächen überall das Wasser. Da war es dann auch schon mal etwas schwieriger, überhaupt aus dem Luch wegzukommen.

Was sich Sebastian Petri auf die Fahnen geschrieben hat, ist der Naturschutz. Gemeinsam mit Kremmener Landwirten wollte er sich darum kümmern, die Moore wieder feuchter zu bekommen. „Das wäre gut für die CO2-Reduzierung“, sagt Sebastian Petri. „Leider wurde die Info über das Förderprogramm von Landesebene nicht auf die Kreisebene weitergegeben.“ Dort hänge das Projekt in der Schwebe, bedauert er. Bekämen sie die Förderung, könnten sie Staumarken setzen, um den Moorkörper im Luch feucht zu halten. „Er muss feucht sein, um Wasser aufnehmen zu können. Damit kann auch ein Torfbrand unterbunden werden.“ Er verweist auf die Brände, die im Spätsommer nördlich von Kremmen immer wieder aufgeflammt waren. Allein in diesem Jahr betrage der Moorverlust etwa zwei Zentimeter. „Das ist wahnsinnig viel. Da verändern sich schon die Strukturen der Gräser.“ Auch die Errichtung eines Biomasseheizkraftwerkes ist ihm ein Anliegen. „Man könnte dort Wärme aus Heu erzeugen.“ Das Problem sei allerdings die daraus entstehende Asche. Die werde immer als schädlich angesehen, sei aber in diesem Fall ein „einwandfreier Dünger. Die könnte man wieder auf die Flächen auftragen“, sagt der Landwirt.
Gescheitert ist letzteres Projekt bislang an den Investitionskosten. Die Idee, dass sich die Stadt Kremmen beteiligt, ein Wärmenetz zwischen den Wohnblöcken an der Ruppiner Chaussee und dem Schulgelände aufzubauen, kam nicht zustande. „Alleine können wir das nicht stemmen“, so der 34-Jährige.

Die Petris betreiben einen kleinen Familienbetrieb – da muss am Ende jeder mit anpacken. Wenn seine Mutter irgendwann aufhört zu arbeiten, dann muss seine Frau Juliane Petri in den Landwirtschaftsbetrieb einsteigen. Der Plan steht schon fest. Sie gibt dann ihren Job in Berlin auf. „Nächstes Jahr mache ich erst mal den Traktorführerschein“, sagt sie. „Da habe ich ein bisschen Manschetten.“ Bis dahin kümmert sie sich aber erst mal um den kleinen Jakob.

RTelenovela

Staubtrocken

Dienstag, den 16. Oktober 2018
Tags: , , , ,

Ich höre in den letzten Tagen immer wieder: Was das doch für ein phantastischer Oktober ist. Sonne! Wärme!
Ja, das mag sein.
Aber erstens habe ich den Sommer dann doch irgendwie satt. Ich möchte jetzt ein bisschen Herbst erleben, und eigentlich freue ich mich inzwischen auf den Winter. Mit Schnee.
Aber diese nicht enden wollende Hitze hat auch Nachteile, und die konnten wir am Sonntag bei einem Spaziergang sehr gut beobachten.

Wer sich nämlich mal auf den Feldern umsieht, der wird sehen: Die sind staubtrocken. Zwischen Altlußheim und Neulußheim in Baden befinden sich lauter eigentlich bewirtschaftete Felder. Teilweise sind da noch die Spargelhügel zu sehen und die Pflanzen, die darauswachsen. Aber eben auch die leeren Felder. Vielleicht ist die Wintersaat schon in der Erde. Aber oben ist nur noch reiner Zuckersand zu sehen. Wie in einer Wüste, die nach und nach entsteht. Es staubt bei jedem Schritt, den man macht. Der Sand liegt locker obenauf. Es hat seit langem nicht mehr richtig und lange geregnet.
Der für die Landwirtschaft so katastrophale Sommer setzt sich im Herbst, der keiner ist, fort.

Im April fiel Schnee. Mitte April begann der Sommer. Er dauert bis jetzt, mit kleinen Unterbrechungen. Kommt bald ohne Übergang der Winter?

RTelenovela

Fledermaus-Alarm!

Sonntag, den 26. August 2018
Tags: ,

Plötzlich raschelte es.
Das ist an sich erst mal nicht so dramatisch, denn zum Geburtstage habe ich einen riesigen, mit Helium gefüllten Luftballon geschenkt bekommen. Der macht sich gern mal selbstständig, wenn es einen Luftzug gibt. Und dann raschelt es. Ich habe schon öfter einen Schreck wegen dieses Luftballons bekommen.
Diesmal war es aber ein anderes Rascheln. Denn plötzlich hatte ich Besuch.

Irgendwas war in meine Wohnung geflogen, offenbar durchs angekippte Fenster. Ich verließ fluchtartig meinen Schreibtisch und sondierte vom Flur aus die Lage.
Eine Fledermaus! Sie flog nun im Zimmer ihre Kreise. Immer wieder, ohne Pause.

Was nun? Das war die große Frage. Licht im Flur und Wohnungstür öffnen – das war nicht die Lösung. Die Fledermaus zog weiter ihre Kreise. Eigentlich konnte nur eines helfen: Fenster ganz auf und hoffen.
Dazu musste ich aber einmal durchs Zimmer laufen – wo aber die Fledermaus ihre hektischen Bahnen drehte.
Also schnappte ich mir ein Handtuch und wedelte damit herum, so dass mir das Vieh nie zu nah kommen konnte. So tastete ich mich zum Fenster vor, öffnete es und setzte zum Rückzug an.

Aber es ging dann alles ganz schnell: Die Fledermaus fand das offene Fenster und flog wieder in die Dunkelheit.
Und ich hatte Puls.

RTelenovela

Waldbrandwarnstufe 5? Mir doch egal!

Freitag, den 10. August 2018
Tags: ,

Das hast du bestimmt auch schon erlebt: Du beobachtest eine Szene und denkst dann: Er wird doch wohl nicht …? Und dann: Er wird.

Am Donnerstagmittag erlebt in Schwante. Ein junger Mann radelt auf dem Schlossweg entlang. Kopfhörer in den Ohren, Kippe in der Hand. Und die Asche immer schön auf den Boden, auf dem sich das trockene Laub sammelt.
Schon da möchte man am liebsten rufen: Fluppe aus!
Als er seine Zigarette aufgeraucht hat, schmeißt er die Kippe zur Seite – ins trockene Gras. Bei Waldbrandwarnstufe 5. In einer Zeit, in der die Feuerwehren ständig raus müssen, weil irgendwas brennt. Aber das scheint den jungen Mann nicht weiter zu interessieren, warum muss man sich auch Gedanken machen.

Ich spreche ihn kurz danach an, aber er ist sich natürlich keiner Schuld bewusst. Zum Glück gab es keinen Brand am Schlossweg. Aber durch solche blöden Unachtsamkeiten könnte es jederzeit passieren.

aRTikel

Fünf auf einem Horst

Mittwoch, den 25. Juli 2018
Tags: , ,

Helmut Voigt (79) aus Beetz hilft bei der Fütterung von Jungstörchen auf seinem Gehöft

MAZ Oberhavel, 25.7.2018

Beetz.
Wenn Helmut Voigt mit seinem Fischeimer in seinen Garten geht und nach Storchi ruft, dann kann er sich sicher sein, dass Storchi auch horcht. Der 79-Jährige öffnet den Eimer und verkleinert mit der Hacke auf einem Baumstamm den Fisch. Das Geräusch lockt den Storch an.

Acht Jahre lang betreut Helmut Voigt auf seinem Grundstück in Beetz nun schon ein Storchennest. In diesem Jahr ist es aber besonders aufregend. Denn gleich fünf Jungtiere sind dort ausgebrütet worden und geschlüpft, und alle wollen sie nun Futter. „Fünf Störche groß zu kriegen bei diesem momentan minimierten Futterangebot ist nur mit Unterstützung möglich“, sagt Roland Heigel, der Storchenbetreuer für das südliche Oberhavel. Ansonsten würden die Eltern die Jungstörche unter Umständen aus dem Nest werfen, damit die anderen eine Chance haben.

Die Beetzer Störche haben aber glücklicherweise Helmut Voigt. Er kauft sich extra eine Seekarte, damit er angeln darf. Er holt Fische zum Füttern – und nicht nur er. Der 79-Jährige hat einen Zettel vorbereitet mit den Namen seiner Helfer. Gerald Hilscher und René Prahl bringen Fisch vorbei, ebenso die Familien Kemnitz, Neye und Klatt. „Die müssen wir unbedingt nennen“, sagt Helmut Voigt.

Am 25. März kam der erste Storch auf seinem Grundstück an, die Partnerin folgte am 4. April. Später schlüpften die Jungen. „Der Fünfte kam erst nicht hoch“, erinnert sich Helmut Voigt. Da wusste er, dass er helfen muss. „Man darf Störche natürlich nicht verwöhnen“, sagt Experte Roland Heigel. „Aber bei fünf Jungtieren kann man unterstützen.“ Dass fünf Junge ausgebrütet werden, kommt in der Region nur sehr selten vor – zuletzt 2002 in Sommerfeld, 2007 in Groß-Ziethen und 2010 in Liebenwalde.

Hat der Beetzer den filetierten Fisch auf dem Rasen verteilt, kommt Storchi angelaufen und nimmt die Brocken auf. Mit vollem Hals geht er erst mal spazieren, dann fliegt er hoch zum Horst, wo er die Jungen füttert. „Eigentlich könnten sie selbst schon runterfliegen, aber sie sind ein bisschen faul“, kommentiert der Storchenvater „seine“ Brut.
Helmut Voigt kümmert sich aber nicht nur um die Störche – im Grunde genommen kümmern sich die Störche auch um den Beetzer. „Wenn sie kommen, ist die Freude groß“, sagt er. Er kümmere sich, er beobachtet, er fährt noch schnell los zum Fische holen. „Er ist vormittags gefahren und kommt am Mittag wieder, dann am Nachmittag noch mal“, erzählt seine Schwester Elli Voigt (76). Wenn die Störche im Laufe des Augusts abfliegen, dann sei das immer sehr traurig. Im Herbst und Winter, in der dunklen Jahreszeit und ohne Störche, gehe es dem Rentner auch schlechter als im Sommer.

Geht im nächsten Jahr eventuell noch mehr? Storchenexperte Roland Heigel schüttelt den Kopf. „Sechs Junge gab es hier noch nie“, sagt er. „Es gab mal ein Sechser-Gelege, aber das wurde nicht ausgebrütet. Fünf sind schon die totale Ausnahme.“

RTelenovela

Schweden (9): Kosta

Freitag, den 6. Juli 2018
Tags: , , ,

(8) -> 5.7.2018

Irgendwo im Nirgendwo, in der Gemeinde Uppvidinge, legen wir einen Zwischenstopp ein. Auf dem Navi haben wir gesehen, dass es abseits der Straße einen See gibt, und tatsächlich steht da auch ein kleines Schildchen, das auf einen Strand hinweist.
Die Strandwiese liegt einsam da, aber dennoch scheint es in Schweden Standards zu geben. Es gibt am Rande immerhin ein Plumpsklo, und sogar ein kleines Häuschen, in dem man sich umziehen kann. Außerdem führt ein Steg auf den verlassenen und idyllischen See. Umgeben von Bäumen ist dieser Ort ein kleines, ruhiges Paradies.
Aber das Wasser. Eigentlich ist es sauber, aber der Sand an der Wasserkante sieht seltsam rot-bräunlich aus. Sehr unschön irgendwie, und das führt auch dazu, dass nur nur einer von uns dort tatsächlich auch baden geht. Und er hat es überlebt.

Kosta. Das ist in diesem Fall nicht der Vorname des Herrn Cordalis, sondern so heißt das nächste Etappenziel unserer Schweden-Tour.
Uns zieht insbesondere das etwas andere Hotel in diesem Ort an – das Kosta Boda Art Hotel. Wie der Name es schon andeutet, spielt dort Kunst eine große Rolle.
Kosta Boda ist ein Unternehmen, das Glas in allen möglichen Arten herstellt. Deshalb gibt es in Kosta auch einen großen Werksverkauf plus die Fabrik, wo das alles hergestellt wird. Wer sich schon immer mal mit Gläsern, Bechern aus Glas, Tellern aus Glas, Vasen aus Glas und Wasauchimmer aus Glas eindecken wollte, kann es dort tun.

Dementsprechend war auch unser Hotel ausgestattet. In den Fluren stand und hing Glaskunst, ebenso in unseren Zimmern, auch im Badezimmer. Das Waschbecken war aus Glas. Ebenso die Theke in der Bar, in der wir essen waren.
An vielen der Kunstwerke standen auch die Preise, denn wer möchte, kann das alles auch kaufen – da waren dann Dinge bei, die gerne mal 25.000 Euro kosten. Teuer, aber interessant.

RTelenovela

Raus aus der Stadt!

Dienstag, den 12. Juni 2018
Tags: , ,

Schiffstouren durch Berlin sind immer eine schöne Sache. Am Wochenende war ich zu einem runden Geburtstag eingeladen, und der fand auf einem Schiff statt.
Es war heiß, die Sonne knallte, im Hafen an der Spree in Plänterwald, stiegen wir auf das Schiff namens “Alexander”, und ich hatte schon die Route durch das Zentrum im Kopf.
Aber als das Schiff auslief, nahm es eine ganz andere Route – Richtung Südosten.
Es ging von Plänterwald aus über Oberschöneweide, Köpenick und Friedrichshagen bis zum Müggelsee. Eine wunderschöne Tour, die uns zeigte, wie grün es in Berlin ist. Und wie viele Menschen sich in Berlin so auf dem Wasser bewegen.

Unzählige Boote kamen uns entgegen, oder wir überholten sie. Tretboote, Partyschiffe, Paddler. Alles mögliche – das Motto lautet: Hauptsache auf dem Wasser. Immer wieder kam Musik von den Schiffen, von Heavy Metal bis Schlager, und immer tanzten Leute auf den Booten.
Eine schöne Atmosphäre auf dem Weg raus aus der Stadt.

Auf dem Rückweg zum Hafen Plänterwald ging so langsam die Sonne unter, und als wir im Hafen ankamen, da bewegte sich die riesige, untergehende, rote Sonne genau am Fernsehturm vorbei. Idyllisch.