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phoenix vor Ort: Sonnenfinsternis

Samstag, den 21. März 2015
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FR 20.03.2015 | 10.40 Uhr | phoenix

Meine Güte, da waren wir alle aber wieder ganz dolle aufgeregt! Sonnenfinsternis! Wahnsinn! Da wird es so richtig doll und verdammt dunkel! Da wird der Strom ausfallen, und überhaupt könnte alles wieder ganz schlimm werden!
Schon am Donnerstagabend berichtete das “Nachtmagazin” im Ersten, dass die Experten Angst haben, dass der Strom ausfällt, wenn die Sonne verdeckt wird. Schließlich bekommen die Solaranlagen dann keinen Saft mehr.

Am Freitagvormittag haben die Nachrichtensender dann ausführlich über die Sonnenfinsternis, die ja in Deutschland nur eine partielle Sonnenfinsternis war, berichtet. Auf phoenix unterbrach man dafür sogar die Live-Übertragung aus dem Bundestag.
Auf n-tv sahen die Zuschauer minutenlang zwei Live-Bilder der Sonne, die halb oder viertel oder ein achtel vom Mond bedeckt war. Aus Potsdam. Aus Norwegen. Aus Wasweißich. Wahnsinnig spannend. Auf N24 schalteten sie aufs Senderdach, wo die Wetterfrau beobachtete, dass es doch nicht dunkel wird (verflixt aber auch, das wusste man ja echt nicht vorher), aber wenigstens so ein bisschen fahles Licht herrschte. Angeblich wurden die Vögel ruhiger und angeblich war auf den Autobahnen kaum Verkehr weil angeblich alle auf die 80-Prozent-SoFi starrten.

Und überall die Experten. Auf phoenix wie denn das nun ist auf Spitzbergen. Auf N24 wie denn das nun ist mit dem Strom, und auf n-tv wie denn das nun ist, so überhaupt.
Und dann – ja, dann war es soweit: der Höhepunkt der SoFi in Potsdam und Berlin, dunkel wurde es nicht, spektakulär auch nicht, der Stromausfall ist ausgefallen, aber das war ja dann irgendwie egal, immerhin hatte man was zu erzählen.
Das Bild der schwarzen Sonne aus dem ganz hohen Norden gab’s dann auch noch, und alle waren total glücklich.

Was wird bloß werden, wenn 2081 die nächste richtige Sonnenfinsternis in Deutschland stattfindet? Voraussichtlich werde ich diesen Showdown mit vermutlich drei Tage langen Sondersendungen nicht mehr erleben.

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Das war 2013!

Dienstag, den 31. Dezember 2013
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Aufschrei! Der Twitter-Hashtag gehört ganz sicher zu den Wörtern des Jahres 2013. Und das nicht nur, weil FDP-Mann (was war noch gleich diese FDP?) Rainer Brüderle einer “stern”-Journalistin verbal etwas zu nahe gekommen ist. Die Medien wittern in diesem Jahr ständig und immer wieder einen Skandal.
Der Stinkefinger des Herrn Steinbrück. Aufschrei!! Der Rundfunkbeitrag für ARD und ZDF. Aufschrei!! Beim NSU-Prozess gibt es nicht für alle Journalisten einen Platz. Aufschrei!! Markus Lanz hat bei “Wetten, dass…?” schon wieder was falsch gemacht. Aufschrei!!
Es folgt eine Hysterie nach der anderen, die eine verpufft schneller, die andere bis heute nicht. Nur beim NSA-Abhörskandal, da dauert es ein bisschen bis zu jenem Aufschrei.
Aber mal ganz von vorn.

Für das ZDF und sein Aushängeschild “Wetten, dass…?” ist es ein schweres Jahr. Die Quoten sinken, die Kritiker mosern, überall gibt es etwas zu meckern. An vielen Stellen zurecht. Hollywoodstars bekommen Eiswürfel in die Hose geschüttet, und plötzlich sitzen Roooobert Geiß und seine Prollfrau auf der Wettcouch. Inzwischen sind alle Innovationen abgeschafft, die Show so pupsig wie früher, nur Gottschalk fehlt noch. Bis heute fehlt der Show eine vernünftige Redaktion im Hintergrund, die sich wirklich mal Gedanken macht, wie diese Sause aus dem Dreck gezogen werden könnte.

Eigentlich können wir ja froh sein, dass es solche Shows noch gibt. Denn ein Großteil des Programms bei den Privaten wird weiterhin mit billigen Dokusoaps bestritten. Der Asifaktor steigt. Bei RTL müssen Paare “7 Tage Sex” haben – und wir dürfen zuschauen. Allerdings wollen die Zuschauer das gar nicht, die Reihe floppt. ProSieben schickt “Reality-Queens auf Safari” und RTL “Wild Girls auf Highheels durch Afrika”. Seltsamerweise sind auch da die Zuschauer bockig und wollen Tussis auf Reisen lieber nicht sehen. Ebenso wenig besoffene Jugendliche in Sölden oder Single-Tierfreunde, die einen Partner suchen.

Billig, aber erfolgreich sind dagegen die pseudoechten Serien “Berlin – Tag & Nacht” sowie das im Januar gestartete “Köln 50667″. Bei der Jugend kommt das doofe Geblöke erstaunlich gut an. Prolls scheinen in zu sein. Als RTL II seinen 20. Geburtstag feiert, ist die Party voll mit Menschen, denen man außerhalb von RTL II lieber nicht begegnen will. Die Prollparty des Jahres.

Jenny Elvers fällt 2013 zwar nicht durch Prollgehabe auf, dafür aber mit ihrer Alkoholbeichte. In einem einstündigen RTL-Special entblättert sich die ehemalige Frau Elvers-Elbertzhagen und erzählt der sehr verständnisvollen Frauke Ludowig von ihren Saufeskapaden – und wie ihr Mann ihr da rausgeholfen hat. Später trennt sich ihr liebender Gatte von ihr.
Bei Markus Lanz hat die Schauspielerin Katrin Sass sehr schlechte Laune. Sie ist wütend, weil man ihren Grimmepreis besudelte. Das RTL-Dschungelcamp ist nämlich nominiert, und darüber ist die Sass so erbost, dass sie im ZDF den Dschungelkönig Peer Kusmagk runtermacht – oder eher zusammenblökt.

Den Grimmepreis bekommt das Dschungelcamp später zwar nicht, gutes Fernsehen ist das aber trotzdem – bei aller Häme. Und für einen der rührendsten TV-Augenblicke 2013 sorgt die Show auch noch: In Folge 1 nimmt das Team Abschied von Dirk Bach. “Ta, Dickie!”, heißt es am Ende.
Auch Sat.1 möchte etwas von dem RTL-Erfolg abhaben. Nur A-Promis wollen sie ins “Big Brother”-Haus schicken. “Wir nehmen nur die Besten.” Die scheinen allerdings keine Zeit zu haben. Da gibt es stattdessen die Blondine, die in irgendeiner gefloppten ProSieben Doku-Titten-Soap mitgemacht hat. Einen Sänger, der mal bei “The Voice of Germany” mitgemacht hat. Einen Doku-Soap-Typ und einen, der irgendwas im Internet macht. Und dazu Oliver Pocher und Cindy aus Marzahn, die so gar nicht harmonieren wollen und einen Gag nach dem anderen versemmeln. Selten ist ein Format dermaßen in den Sand gesetzt worden.
Aber damit kennt man sich bei Sat.1 aus. Auch die “Patchwork Family” floppt. Die Zuschauer strafen schlechtes Fernsehen mit Missachtung.

Umso erstaunlicher, dass Marc Bator vom Nachrichten-Flaggschiff “Tagesschau” zu den “Sat.1-Nachrichten” wechselt. Vielleicht bekommt er dort mehr Geld, dafür aber weniger Image.
Sein Vorgänger Peter Limbourg, inzwischen Chef der Deutschen Welle, muss im März geradezu darum betteln, auf Sendung bleiben zu dürfen. Gerade soll in Rom der neue Papst verkündet werden, doch bei Sat.1 will man die Live-Sendung für so eine Nichtigkeit nicht verlängern.
RTL unterbricht für den neuen Papst immerhin die Sendung “Teenies auf Partyurlaub”. Ein wirklich päpstliches Kontrastprogramm.

2013 dreht sich das Personalkarussell auch auf anderen Sendern. Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf wechseln von zdf_neo zu ProSieben und sorgen dort für gute, unverkrampfte, einfallsreiche, gern auch mal sinnfreie Unterhaltung. Joko entert sogar die ProSieben-Newstime, darf dort live die Nachrichten sprechen und wird dort – ja, live – von Klaas angerufen. Bei ProSieben ist man not amüsed.
Tom Buhrow verlässt die “Tagesthemen” und wird WDR-Intendant. Dort muss er einen harten Sparkurs verkünden. Das Nachwuchstalent Thomas Roth ist sein Nachfolger bei den Abendnachrichten.
Christian Rach geht von RTL zum ZDF und will nun dort kochen – oder so.

Natürlich gab es auch 2013 gutes Programm. “Homeland” auf Sat.1 war extrem spannend, ebenso die “American Horror Story” auf sixx. Leider mit miesen Quoten. Das ZDF zeigte “Unsere Mütter, unsere Väter”, eine Aufarbeitung über den Alltag im Dritten Reich. Für den “Super Bowl” gab sich Sat.1 ausnahmsweise richtig Mühe und konnte so sogar den Stadionstromausfall ordentlich überbrücken. Die ARD zeigte mit “Operation Zucker” einen aufwühlenden Film über Kinderhandel – und musste ihn zensieren, weil die FSK das Ende nicht positiv genug fand. Die ARD traut sich an den Showklassiker “Dalli Dalli” ran. “Das ist spitze!” heißt die Neuauflage, die großen Spaß macht.

Die Medien suchen aber lieber nach Skandalen, als zu loben. Während sich fast ganz Journalistendeutschland aufplustert, weil nicht alle von ihnen beim NSU-Prozess berücksichtigt werden, und es doch ein Skandal sei, weil die ehrwürdige FAZ nicht dabei sei, hält sich das Interesse beim NSA-Abhörskandal erst mal in Grenzen. In der heißen Phase diskutiert selbst Günther Jauch im Ersten lieber über Schlaglöcher. Als aber klar ist, dass auch das merkelsche Kanzlerinnenhandy abgehört wurde – ja, jahaaa, da ist der Aufschrei groß.

Gar keinen Aufschrei gibt es, als das ZDF verkündet, dass zdf.kultur eingestellt wird. Der innovativste und interessanteste Spartenkanal hat miese Quoten. Leider. Eigentlich sollte Silvester Schluss sein. Nun hat der Sender doch noch eine Schonfrist und sendet auch 2014.
Für Das 4. ist dagegen am 31. Dezember Schluss. Mitte Januar 2014 startet auf dem Programmplatz der Disney Channel. Der Micky-Maus-Konzern kauft Das 4. und schafft ihn ab.
Auch ARD und ZDF hätten gern einen Jugendkanal, wofür das Zweite eben auch zdf.kultur opfern will. Die Politik möchte da jedoch mitreden und hat das Konzept abgelehnt. Das Konzept liegt auf Eis, und der SWR macht’s im Alleingang und fragt erst niemanden: einsplus ist inzwischen fast vollständig zum Jugendkanal mutiert.

Mit gedruckten Zeitungen hat die Jugend unterdessen immer weniger am Hut. Die Auflagen sinken, die Verlage sparen. Springer stößt diverse Regionalzeitungen an die Funke-Gruppe ab, darunter die “Berliner Morgenpost”. Dafür weitet Springer die Aktivitäten im Internet aus und kauft N24.
Die “Westfälische Rundschau” erscheint zwar noch, hat aber keine eigenen Inhalte mehr. Der Mantel kommt vom zentralen Desk, der Lokalteil von der Konkurrenz. Ganz dicht machen will man das Blatt nicht – der publizistischen Vielfalt wegen. Aha.
Die Nachrichtenagentur dapd ist nicht mehr zu retten.
Die Mediengruppe Madsack gliedert die Lokalredaktionen der “Märkischen Allgemeinen” aus. Bis 2018 will man außerdem in Hannover einen Großteil der Inhalte für die Regionalzeitungen vorproduzieren. Ressorcen will man sparen, heißt es.

Die wahre Musik spielt im Internet. Und bei Twitter meist nachts, dann sind nämlich Boris Becker und Oliver Pocher noch wach und zoffen sich. Der ehemalige Tennisgott Becker hat ein Buch geschrieben, darin kommt auch seine Ex (und inzwischen auch Pochers Ex) Allessandra vor, und das nicht sehr positiv. Am Ende kommt Becker in Pochers RTL-Show “Alle auf den Kleinen”, um sich endgültig lächerlich zu machen.
Pochers anderer Ex, Harald Schmidt nämlich, sendet unterdessen bei Sky unter Ausschluss der großen Öffentlichkeit. Aber nur noch bis März 2014. Mitte Dezember verkündet Sky das Aus für “Die Harald Schmidt Show”. Der Aufschrei hält sich in Grenzen.

Weichen Politiker mal vom Langweiler- und Weichspülkurs ab, dann aber ist besagter Aufschrei doch wieder groß. Der Bundestagswahlkampf plätschert eher vor sich hin – bis SPD-Mann Steinbrück für ein wortloses Interview mit dem SZ-Magazin den Stinkefinger zeigt. Nur leider scheinen Journalisten keinen Humor zu haben – oder doch lieber den Skandal herschreiben zu wollen.
Gleiches gilt, wenn ZDF-Frau Marietta Slomka im Interview mit SPD-Chef Sigmar Gabriel eher plan- und hilflos wirkt und Gabriel deutlich macht, dass er ihren pikierten Interviewstil, nun ja, seltsam findet. Slomka wird von vielen Zuschauern als Heldin gefeiert. Warum auch immer.

Die Hörer von radioeins hatten tatsächlich was zu feiern: die Rückkehr der Radiolegenden. Zwei Wochen lang waren sie jeweils drei Stunden auf Sendung: Thomas Gottschalk, Frank Elstner oder Jürgen Kuttner. Noch einmal “Sprechfunk”, so wie früher, nur diesmal eben an einem Vormittag. Herrlich.

Legenden kommen, andere gehen. Es hieß Abschied nehmen. Viele Stars haben uns 2013 verlassen.
Marcel Reich-Ranicki wird keine Bücher mehr verreißen, Paul Kuhn spielt nicht mehr Klavier. Reinhard Lakomy besingt nie mehr den Traumzauberbaum. Der afrikanische Held Nelson Mandela ist verstummt. Außerdem die Schauspieler Dieter Pfaff, Eddie Arent, Hildegard Krekel, Rosemarie Fendel, Heinz Meier, Jörg Pleva, Otto Sander, James Gandolfini, Ulrich Matschoss und Peter O’Toole, die Politiker Lothar Bisky, Manfred Rommel und Margaret Thatcher, Radiolegende Chris Howland, die Musiker Lou Reed und Esther Williams, die Humoristen Dieter Hildebrandt, Peter Ensikat und Günter Willumeit, die Moderatoren Vivi Bach und Elmar Gunsch, Sportmanager Peter Graf, die Schriftsteller Doris Lessing, Otfried Preußler, Walter Jens und Wolfgang Herrndorf sowie Prinz Johan Friso von Oranien.

2013. War sonst noch was?
Ach ja. “Inka” im ZDF, das neue, frische Format am Nachmittag. War dann aber leider doch nicht so frisch, sondern ziemlich altbacken und oberflächlich. Nach einem Vierteljahr zieht das ZDF den Stecker. Damit endet auch die Dailytalk-Ära, denn auch “Britt” auf Sat.1 musste sich veranschieden.
Stefan Raab mischt für ProSieben beim TV-Duell mit Merkel und Steinbrück mit. Und macht seine Sache gut.
Das Erste bricht in der Nacht einen Boxkampf für einen Spielfilm mittendrin ab, weil es so im Programmplan stand.
Hinter den Kulissen der kultigen zdf.kultur-Talkshow “Roche & Böhmermann” kracht es so sehr, dass Schluss ist. Und die Zuschauer das erst für einen Gag halten.
Heino bekommt großartige PR, weil er Ärzte-Songs nachsingt und sich darüber angeblich jemand aufregt.
Die Lotto-Ziehungen gibt’s nicht mehr im Fernsehen, weil das die Zuschauer angeblich langweilt.
phoenix unterbricht sein Programm für einen Asteroiden-Vorbeiflug und zeigt helle Striche.
Waldemar Hartmann blamiert sich bei “Wer wird Millionär?” weil er die deutsche Fußball-WM 1974 vergisst.
Und da ist er schon, der nächste Aufschrei. Einer von vielen, in diesem 2013.

Ach, und fast hätte ich das Wichtigste vergessen: Dieter Moor heißt jetzt Max. Ähm, ja, genau.
Guten Rutsch.

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Studio Friedman: Piraten – Die neuen Helden?

Montag, den 23. April 2012
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DO 19.04.2012 | 22.30 Uhr | N24

Nimmt der Friedman eigentlich wieder Drogen?
So wie Michel Friedman am Donnerstagabend in seinem Hetzformat auf N24 die Piratenpartei-Politikerin Marina Weisband zusammengeschrien hat, könnte man diesen Eindruck gewinnen.

Im “Studio Friedman” ging es am Donnerstag um die Piratenpartei.
Nein, eigentlich ging es darum, dass Michel Friedman endlich mal die Frau Weisband zusammenscheißen konnte. In einer hochgradig aggressiven und extrem unangenehmen Art drosch er eine halbe Stunde lang auf die junge Frau ein. Dabei spielte es gar keine Rolle, was sie sagte – er konterte, in dem er sie einfach noch lauter anschrie.
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hatte es neben Weisband nicht sehr viel leichter.

Die Piraten seien dafür, alles im Netz kostenlos zur Verfügung zu stellen. Weisband wies das zurück, die Piraten wollen ein neues Bezahlmodell. Friedman muss das überhört haben, denn er blieb bei seiner Meinung und schreie die Weisband einfach noch mal an, warum denn die Piraten alles kostenlos haben wollen.
Warum denn im Internet alle anonym seien, wollte Friedman wissen. Weisband wies das zurück, wenn sie im Netz beschimpft werde, passiere das zu mehr als 90 Prozent nicht anonym. Friedman muss das entweder:
1. überhört haben,
2. nicht verstanden haben oder
3. nicht ins Konzept gepasst haben,
denn er schrie die Weisband erneut an (eigentlich schrie er permanent), dass er ja ständig anonym beschimpft werde. Was aber auch an ihm liegt.
Die Piraten, die Weisband sei völlig hilflos, was diese Anonymität im Netz angehe.

Es scheint, dass Michel Friedman im kleinen Nischensender N24 mit aller Macht um Aufmerksamkeit kämpft. Er macht das, in dem er seine Gäste bepöbelt, sie anblökt, einfach frech grinst und ihnen ständig ins Wort fällt.
“Studio Friedman” ist die ekelhafteste Art der Talkshow.

Marina Weisband twittere am Tag danach, dass Friedman auch nach der Sendung weitergeschrien habe – verschiedet habe er sich schon gar nicht.

Nach der Aufzeichnung von “Studio Friedman” wollte Weisband dann noch im ZDF-Talk von Maybrit Illner auftreten. Sie kam nicht mehr dazu. Eine gute halbe Stune vor Beginn der Show brach sie zusammen. Sie bekam einen Schwächeanfall.

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Legenden der Vergangenheit

Donnerstag, den 4. August 2011
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DI 02.08.2011 | 0.10 Uhr (Mi.) | N24

Panik in Berlin. Ein riesiger Meteorit soll auf die Stadt stürzen. 1,5 Millionen Menschen können in Sicherheit gebracht werden. Aber dennoch: Als das Ding brennend auf die Erde kracht und Berlin trifft. Geht alles in Schutt und Asche nieder. Es gibt hunderttausende Tote.

Szenen, die so nicht geschehen sind. Aber bei N24 wollten sie am späten Dienstagabend mal zeigen, was eigentlich passieren würde, wenn ein Meteorit die Großstadt bedroht. Das Ganze läuft irritierenderweise unter dem Titel “Legenden der Vergangenheit”. Was genau das alles mit irgendeiner Vergangenheit zu tun hat, wenn etwas gezeigt wird, was nie geschehen ist, bleibt unklar.

Und natürlich will N24 seinen Zuschauern auch gar keine Angst mit solchen Bildern machen. Völlig optimistisch heißt es da nur, dass das Chaos ausbrechen würde. Und dass es nicht morgen passiert, nicht nächstes Jahr, vielleicht in 10.000 Jahren. Aber es wird passieren. Uuuuuuh. “Ich hoffe, wir haben Ihnen keine Angst gemacht”, sagt der Moderator danach. So ein Heuchler.

Und nächstes Mal: Wenn der Dritte Weltkrieg in Rostock ausbricht. Also, rein hypothetisch. Und ohne irgendjemandem Angst zu haben. Schon klar.

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News spezial: Guttenberg zurückgetreten

Mittwoch, den 2. März 2011
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DI 01.03.2011 | 11.00 Uhr | n-tv

Ach, Theo! Nun bist du also zurückgetreten. Die bösen Medien haben es geschafft, sie haben dich fertig gemacht. Du bist an deine Grenzen gestoßen, und du wolltest es deinen Soldaten nicht zumuten, dass du ständig im Brennpunkt stehst – wegen dieser Vorwürfe. Da blieb dir ja gar nichts anderes übrig.
Man möchte weinen. Guttenberg, das Medienopfer. Nun ist er also zurückgetreten. Und irgendwie scheint er gar nicht kapiert zu haben, was da geschah. Denn von direkten Konsequenzen aus seiner zusammengeklauten Doktorarbeit war kaum die Rede. Eher von der Hetzjagd.

Davon mal abgesehen: Es ist eher selten, dass der Nachrichtensender n-tv die erste Adresse ist, wenn es um aktuelle Ereignisse geht. Als jedoch am Dienstagvormittag Karl-Theodor zu Guttenberg von seinem Amt als Verteidigungsminister zurücktrat, war n-tv als einziger Sender live dabei.
Um 11.15 Uhr hielt KT seine Rede, die Einladung kam nur 40 Minuten zuvor. Angeblich waren Liveübertragungen verboten. Und selbst wenn, es wäre zeitlich nicht möglich gewesen, so schnell zu reagieren, hieß es zum Beispiel im ZDF. Aber wäre es doch so simpel gewesen, und nur ein Mitarbeiter von n-tv ist auf die Idee gekommen: Er hielt einfach sein Handy hin, und n-tv übertrug das Ganze einfach als Audioübertragung. Das ist nicht sehr modern, aber wenn’s keine andere Möglichkeit gibt, dann ist man auch darüber froh.

Alle anderen Sender konnten die Rede nur zeitversetzt zeigen. N24 war am schnellsten. Während der Sondersendung wurden die Zuschauer immer wieder vertröstet: Man werde die Rede “so live wie möglich” zeigen. Was immer das heißt.

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Die Schlacht um Stalingrad

Montag, den 28. Februar 2011
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SA 26.02.2011 | 20.05 Uhr | N24

Dass N24 ständig Nachrichten senden soll, ist nicht mehr als ein ganz blödes Gerücht. Wenn man sich klischeemäßig über N24 lustig machen will, behauptet man einfach, dass die ihr Programm viel zu oft mit Nachrichten zumüllen.
Hätte man eben jene Nachrichten im Programm, dann könnte man ja gar nicht mehr die informativen Weltkriegsdokus senden.

Am Sonnabend knallte N24 sein komplettes Abendprogramm mit dem Zweiten Weltkrieg voll. Wer auf Bomben steht, auf Waffen, auf Flugzeuge, dem ging das Herz auf. “Die Schlacht um Stalingrad” eröffnete um 20.05 Uhr die Erinnerungsschau, gefolgt von “Hitlers letztem Kampf”, dem “Duell am Himmel” und dem “Feuerball am Himmel”.
Und weil man sich das alles überhaupt nicht merken kann, zeigte der Servicesender N24 ab 0.05 Uhr die Dokus eben einfach noch mal.
Schon ein bisschen gruselig, oder?

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N24 live: Bundespressekonferenz – Doktor zu Guttenberg

Samstag, den 19. Februar 2011
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FR 18.02.2011 | 11.30 Uhr | N24

Schon mal zwei begossene Pudel gesehen? Nein? Regierungssprecher Steffen Seibert und Steffen Moritz, Sprecher des Verteidigungsministeriums, schlüpften am Freitagvormittag in genau diese Rolle – und machten dabei eine miese Figur.

Sie hatten es auch alles andere als einfach: Die beiden mussten sich in die Bundespressekonferenz setzen, um zu sagen, dass sie nichts wissen, nichts sagen können, nichts kommentieren können und überhaupt. Und das alles live bei N24. In Großaufnahme.
Moritz’ Chef, Karl-Theodor zu Guttenberg, ist in eine Plagiastsaffäre verstrickt. In seiner Doktorarbeit soll er zig Passagen abgeschrieben und dabei nicht als Zitate kenntlich gemacht haben.
In die Bundespressekonferenz traue er sich offenbar nicht. Die anwesenden Journalisten erfuhren stattdessen, dass er zur selben Zeit ausgewählte Journalisten empfing, um eine Erklärung zu verlesen. Was, blieb unklar.
Aufruhr in der Bundespressekonferenz. Die Anwesenden warfen das Wort “Feigling” in den Raum. Dass Guttenberg erst mal auf seinen Doktortitel verzichten würde, erfuhr nur die Elite – oder wer immer die Ausgewählten waren.

Moritz sei es nicht möglich gewesen, zumindest den Inhalt der Erklärung in der Pressekonferenz zu verlesen. Was für ein Armutszeugnis. Im Guttenberg-Ministerium scheinen alle so aufgeschreckt und verunsichert zu sein, dass da gar nix mehr geht. Und Steffen Moritz muss peinlich berührt das Gesicht hinhalten, um sich von den Journalisten fertig zu machen. Ein extrem mieser Stil.
Die PK war damit vorzeitig beendet.

Mal abgesehen davon, dass es lächerlich ist, zu sagen, man benutze seinen Doktortitel vorübergehend nicht. Das kann nur eine Kommission entscheiden.
Clever war die Aktion rund um die Pressekonferenz nicht.

Die PK bei N24: hier.