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Frans: If I where sorry

Dienstag, den 19. Juli 2016
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MO 18.07.2016 | 20.26 Uhr | Energy Berlin

Dass die Ukraine den Eurovision Song Contest 2016 gewonnen hat, ist keine Neuigkeit. Aber das sagt ja immer sehr wenig darüber aus, welcher Song denn eigentlich wirklich beliebt und erfolgreich war.
In Deutschland scheint das wohl der schwedische Beitrag gewesen zu sein, von Frans: “If I where sorry”, sang er in der Show im Mai.
Der Auftritt war deshalb so bemerkenswert, weil er eben nicht so bombastisch war wie viele andere. Einfach nur ein junger Mann in relativ legeren Klamotten, der sein einfaches, aber fröhliches Lied sang.

Das kommt an in Deutschland. Schon bald nach dem ESC war Frans hin und wieder in den Radio-Rotationen. Nach einigen Wochen Pause taucht er nun plötzlich wieder auf. In der “Top 7 um 7″ bei 104.6 RTL in Berlin war er erneut vertreten. Am Montagabend lief der Song auch im regulären Programm bei Energy Berlin.

Also, ich fand das Lied ja schon im Mai großartig. Schön, dass das inzwischen immer mehr Deutsche auch so sehen.

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Unsere größten Hits

Montag, den 11. Juli 2016
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SA 09.07.2016 | 20.15 Uhr | ZDF

Eigentlich hat RTL ja die Chartshows abonniert – deshalb hat man sich beim ZDF mit der Charts-Jubiläumsshow “Unsere größten Hits” auch besonders beeilt. Seit 1977 werden jede Woche die aktuellen deutschen Charts erstellt, die 40 Jahre werden also erst im nächsten Jahr voll. Trotzdem wollte man beim ZDF schon jetzt feiern. Ist doch eh alles wurscht.

Apropos wurscht: Um sich bloß nicht dem Vorwurf auszusetzen, dass man die RTL-Chartshows kopiert und bloß Oliver Geissen durch Johannes B. Kerner ersetzt, hat man beim ZDF doch noch ein bisschen am Konzept gearbeitet.
Oder nein, anders: Man hat beim ZDF einfach das Konzept weggelassen. Man dachte, es reicht, wenn einfach irgendwelche Hits aus 40, äh, 39 Jahren Charts von irgendwem gesungen werden.

So bot das Zweite am Sonnabend zur Primetime leider nur gepflegte Langeweile.
So wäre es ja mal spannend gewesen, aus den 40, äh, 39 Jahren die jeweiligen Hits des Jahres zu erfahren. Schließlich hieß doch die Show so: “Unsere größten Hits”. Und überhaupt wäre es ja schön gewesen, wenn ein paar Stars gekommen wären, um ihre eigenen Hits zu singen.
Nein, dass Schauspielerin Stephanie Stumph Lady Gagas “Pokerface” singt, Vicky Leandros “Dieser Weg” von Xavier Naidoo oder Miroslav Nemec Grönemeyers “Flugzeuge im Bauch”, das ist irgendwie nett – aber ob die das nun tun oder in China ein Sack Reis umfällt, ist genauso spannend.

Kerner versprach am Anfang eine Show, wie man sie noch nie gesehen habe. Es war aber auch eine Show, bei der man zwischendurch gefahrlos mal wegdämmern konnte.

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ZAPPER VOR ORT: Nicole beim Wasserfest

Sonntag, den 10. Juli 2016
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SA 09.07.2016 | Fürstenberg, Stadtpark

Da hat wohl jemand die Texte von Nicole ein bisschen zu ernst genommen. Wenn sie singt, sie sei nur für ihn da und er solle doch kommen, da fühlte dieser jemand sich wohl wirklich angesprochen.
Plötzlich jedenfalls rannte am Sonnabendnachmittag beim Wasserfest im Fürstenberger Stadtpark ein Mann auf die Bühne, um die Schlagersängerin Nicole zu umarmen. Nicole trat mitten im Song die Flucht an, und ein Securitymann schob den aufdringlichen Herren wieder von der Bühne.
Nach diesem Zwischenfall musste sich Nicole kurz mal sammeln, ein wenig schockiert schien sie wohl tatsächlich gewesen zu sein.

Aber Nicole ist Profi. Seit 1981 singt sie, “Flieg nicht so hoch, mein kleiner Freund” war ihr erster Hit, und 1982 hatte sie ihren endgültigen Durchbruch mit “Ein bisschen Frieden” – und dem Sieg beim Eurovision Song Contest.
Und es ist ja immer wieder erstaunlich: Man denkt, man hat mit diesen Schlagern gar nicht sooo viel am Hut, und dann singt Nicole los, und man kennt dann doch vieler dieser Lieder: “Ein leises Lied”, “Dann küss mich doch”, “Mir vielleicht vielleicht” – und so weiter. Das liegt allerdings auch daran, dass ja auf zdf.kultur die ZDF-Hitparade täglich wiederholt wird – und in den 80ern und sehr frühen 90ern Schlager in Deutschland noch sehr viel mehr im Musik-Mittelpunkt standen.
Ganz Profi badet Nicole in der Menge, lässt sich auch von den erstaunlich vielen Fotografen und Filmern nicht stören und zieht freundlich, locker ihr Programm durch.
Auch als der junge Mann erstmals vor der Bühne stand, Fotos von Nicole machte und ihr dabei immer näher kam, ließ sie sich nichts anmerken – aber vermutlich war die Security da schon aufmerksam geworden.

Andererseits wird sich Nicole durch den kleinen Zwischenfall an Fürstenberg wohl länger erinnern. Das Publikum an Nicole aber auch – ein schöner Nachmittag mit einer sympathischen Sängerin.

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ZAPPER VOR ORT: Hinterm Horizont

Donnerstag, den 7. Juli 2016
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MI 06.07.2016 | Berlin, Theater am Potsdamer Platz

Es ist gewissermaßen das Fernduell: Udo gegen Udo. Im September 2015 sah ich in Berlin das Udo-Jürgens-Musical, nun folgte Udo Lindenberg. Und das gerade noch rechtzeitig, denn “Hinterm Horizont” wird demnächst abgesetzt.
Um es vorweg zu nehmen: Udo Jürgens gewinnt meilenweit vor Udo Lindenberg, langweilig ist “Hinterm Horizont” aber auch nicht.

Die Geschichte dreht sich um eine Journalistin, die das Mädchen aus Ost-Berlin finden will. Die Frau, die einst in der DDR 1983 was mit Udo hatte. Sie findet die Frau, und sie erzählt ihr die ganze Geschichte.
Wir sind also noch mal bei Lindenbergs Auftritt im Palast der Republik dabei, später in Moskau, beim Geturtel der beiden. Wir sehen, wie das Mädchen von der Stasi verhört wird, später folgen Protestdemos, Mauerfall und das Wiedersehen in Hamburg.

Während so ziemlich alle Hits von Udo Jürgens bekannt und beliebt sind, ist das im Fall von Udo Lindenberg nicht ganz so, dennoch sind die Songs toll und passend gut. Nur ist das Musical lange nicht so perfekt und auf den Punkt inszeniert. Es sind Längen drin, die Tonmischung ist so lala, Dialoge während Musiken sind kaum zu verstehen. Die Übergänge von Sprechszenen und Musical wirken manchmal arg plump.
Schlimm ist jedoch: Der Funke springt nicht über. Oder eher: Es gibt für das Publikum zu wenige Möglichkeiten, Funken zu spüren. Die Nummern gehen vorüber, Zeit für Applaus ist kaum, und somit gibt es kaum Applaus. Die Stimmung im Saal ist mau, aber die Inszenierung reißt auch nicht mit, und es gibt Momente, das ist das so unglaublich schade. Die Handlung, die Musik, das ganze Stück hätte so viel mehr Potenzial gehabt.
Das ist zu sehen, wenn es um die Wendezeit geht, wenn dann tolle Emotionen aufkommen, wenn auch das Musical richtig aufdreht und mitreißt.

Vielleicht ist nach den vielen Jahren, die das Stück nun schon läuft, auch die Luft raus. Es sind extrem viele Schulklassen im Saal – Jugendliche, denen man die ganze Sache mit der DDR erst mal erklären muss, für die das alles sehr weit weg ist. Die schauen zwar zu, aber begeistern tut man die damit kaum.
Insofern: Schöner Abend, der ganz große Wurf aber nicht.

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ZAPPER VOR ORT: Anohni in Berlin

Mittwoch, den 29. Juni 2016
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DI 28.06.2016 | Berlin, Tempodrom

Eines kann ich mit Bestimmtheit sagen: Das war das denkwürdigste, aber auch das irritierendste Konzert, das ich je erlebt habe: Anohni im Berliner Tempodrom.
Es ist die erste Solotour von Anohni nach dem Ausstieg bei “Antony and the Johnsons”. Das Album „Hopelessness“ ist mitunter großartig. Die Elektrosounds mit dem eindringlichen Gesang sorgen für Gänsehaut. Und politisch geht es zu: Überwachung, Drohnen-Kriege und Umweltzerstörung – darum geht es.

Das Konzert begann mit… Ja, womit eigentlich. Mit einem Video von Naomi Campbell, die zu irgendwas hin- und herwackelt. Rangezoomt. Weggezoomt. Rangegangen. Weggegangen. Dazu ein Wummern und Dröhnen aus den Lautsprechern. 15 Minuten lang starrten die Leute nach vorn, und am Anfang waren sie still, aber irgendwann wurde es dann doch irgendwie, nun ja, etwas langweilig.
Dann aber ging es doch los. Auf der Leinwand waren permanent Frauen zu sehen, die die Texte der Anohni-Songs mitsangen. Durchaus interessant.
Beim zweiten Song kam Anohni dann selbst auf die Bühne. In einem hellen Gewand, Kapuze und einem schwarzen Schleier vor dem Gesicht. Mehr bekam das Publikum den ganzen Abend nicht zu sehen. Entweder stand sie im Schatten oder eben nicht, aber der Schleier gab eh nichts preis.
Das ist Kunst. Vermutlich.

Damit das klar ist: Die Musik ist immer noch großartig, sie ist es auch an diesem Dienstagabend im Berliner Tempodrom.
Aber das Konzert strotzt nur so von Ignoranz. Anohni geht null auf das Publikum ein, sie sagt gar nichts zwischendurch. Das hätte wohl die Performance gestört. Vorn stehen zwei Männer an PCs, ob sie wirklich live die Musik mischen, bleibt unklar. Die Musik klingt perfekt, wie von der CD. Auch der Gesang.
Man kann als Zuschauer weder sicher sein, ob Anohni live singt (man sieht ja nichts) oder – wenn man ganz gehässig sein will – ob Anohni überhaupt da war. Es ist einfach eine dunkle Figur, die seltsame Bewegungen macht. Fast wartet man auf Guido Cantz, der fragt: “Verstehen Sie Spaß?”.
So zieht sich das 65 Minuten lang. Dann ist Schluss. Die Musik ist aus, das Licht geht an, Anohni hat Feierabend. Gute Nacht. und lässt ihr Publikum mitunter verstört zurück.
Das soll es jetzt gewesen sein?

Ich habe an diesem Abend nicht applaudiert. Denn ich habe mich völlig ignoriert gefühlt. Ob nun Publikum da war oder nicht – im Grunde war es wurscht. So fiel der Applaus zwar relativ herzlich aus – mehr aber auch nicht.
Selten – nein, nie! – hat mich ein Konzert so ratlos gemacht. Eine Künstlerin, die sich nicht zeigt, Musik, die aus dem PC kommt – da hätten wir uns auch zu Hause die CD einlegen können.
Und dafür 61 Euro. Da ist man an einem Punkt, wo man als Zuschauer, als zahlender Gast, einfach nur noch wütend ist.

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ZDF-Fernsehgarten: Zoë

Montag, den 27. Juni 2016
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SO 26.06.2016 | 11.45 Uhr | ZDF

Begleitend zur Fußball-EM drehte sich am Sonntagmittag im “ZDF-Fernsehgarten” alles um Frankreich. Da passte Zoë als Gast sehr gut. Zoë ist zwar nicht aus Frankreich, sondern aus Österreich. Aber beim Eurovision Song Contest 2016 trat sie mit einem Song in französischer Sprache auf – und wurde immerhin 13.
Im ZDF trat sie dann auch mit ihrem Lied “Loin d’ici” auf, und Andrea Kiewel kündigte sie als deutsche Fernsehpremiere an. Tatsächlich ist Zoë offenbar vorher nicht ein einziges Mal im deutschen Fernsehen aufgetreten.

Das erstaunlich und sagt einiges über den Eurovision Song Contest und über die deutsch-österreichischen Beziehungen aus. Allerdings nicht viel Gutes.
Immer wieder beschweren sich die Deutschen, dass sie beim ESC keiner lieb hat. Dabei liegt es am fehlenden gemeinsamen Kulturraum, dass die deutschen Künstler über die deutschen Grenzen hinaus unbekannt sind. Anders als im Ostblock: Der Song aus der Ukraine war schon vor dem ESC bekannt und wurde diskutiert.
Und in Deutschland? Da hören wir uns nicht mal an, wer aus dem deutschsprachigen Nachbarland auftritt. In der Hinsicht macht der verantwortliche NDR eine eher miese Arbeit. Es interessiert uns nicht, und vielleicht haben die Österreicher ja auch kein Interesse an einem Zoë-Auftritt in Deutschland gehabt.

Erst unglaubliche sechs Wochen nach dem ESC 2016 hatte also der Beitrag aus Österreich einen Auftritt im deutschen Fernsehen. Ganz schön traurig.

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ZAPPER VOR ORT: Hubert Kah in Oranienburg

Sonntag, den 12. Juni 2016
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SA 11.06.2016 | Oranienburg, Schlossplatz

Mein Gott. Manchmal steht man da, schaut nach vorn auf die Bühne, hört die Klänge, die von dort kommen, und ist irgendwie traurig.
Bei der ansonsten wunderbaren und stimmungsvollen 800-Jahr-Feier in Oranienburg gab es am Sonnabend diesen Augenblick: als Hubert Kah auf die Bühne kam.

Von 1982 bis 1984 hatte Hubert Kah vier nennenswerte Hits, die noch heute in unseren Ohren (gut) klingen: “Rosemarie”, natürlich den “Sternenhimmel”, “Engel 07″ und “Einmal nur mit Erika … (dieser Welt entflieh’n)”. Er gehörte zu den Stars der Neuen Deutschen Welle, tauchte natürlich auf jedem NDW-Sampler auf. Als Produzent hatte er in den 80ern und frühen 90ern einige weitere Hits.
Dann wurde es ruhiger um ihn, bis er 2014 beim “Promi Big Brother” auftauchte und da schon mal ohne Schlüpper rumlief.
Schon da waren die Leute, nun ja, überrascht, was aus Hubert Kah geworden ist.

Sein Auftritt in Oranienburg ist zwar nicht denkwürdig, aber schon bemerkenswert. Der Mann ist 55, das sollte man sich vor Augen führen, er wirkt jedoch sehr viel älter. Von seiner 80er-Jahre-Stimme ist wenig übrig geblieben. Seinen ersten Song “Sternenhimmel” sang er sitzend auf der Schlossplatzbühne. So richtig zu erkennen war das Lied aber eh nicht, weil Hubert Kah die Töne kaum noch hinbekommt. In den höheren Lagen wird es arg schief und krumm, und deshalb lässt er die hohen Töne oft weg und verändert die Melodie.
Mag sein, dass Hubert Kah nach der Promisause bei Sat.1 noch mal einen Sprung nach oben gemacht hat. Mag sein, dass er im Rahmen eines NDW-Abends mit anderen Stars wie Geier Sturzflug und Fräulein Menke noch mitgeschleift wird.
Aber er sollte sich das sich und seinem Publikum ersparen. Die Blicke vieler Leute in Oranienburg sprachen Bände, wenn die Stimme mal wieder wegbrach, und sich das Ganze ziemlich uijuijui anhörte.
Wem bringt so eine Show etwas, wenn mehr Mitleid als Spaß damit erzeugt?
Eine Frau raunte ihrem Partner zu: “Man sollte aufhören, wenn es nicht mehr geht.”
Wie wahr.