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Eurovision Song Contest 2021

Montag, den 24. Mai 2021
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SA 22.05.2021 | 21.00 Uhr | Das Erste

Bitte nennt mich jetzt ganz offiziell ESC-Experte! Im Tippspiel zum ESC 2021 tippte ich fünf Länder in die Top 5 – und alle diese Länder schafften es auch wirklich an die Spitze – wenn auch in anderer Reihenfolge. Aber immerhin. Deutschland hatte ich übrigens auf die 17 gesetzt.

Ja, Deutschland ist nur Vorletzter. Das ist nicht schön. Aber ist es wirklich das, was uns nach diesem Abend vorrangig gleich am Anfang beschäftigen sollte?
Denn: Der Eurovision Song Contest 2021 am Sonnabend, live aus Rotterdam, gehört sicherlich jetzt schon zu den Events des Jahres. Wieder einmal zeigte die Show, wie 39 Nationen zusammenkommen können und Musik leben und feiern.

2020 mussten wir darauf verzichten, das Coronavirus sorgte für eine Absage. Doch die Niederländer erstellten für 2021 ein Konzept (oder ja eigentlich mehrere), damit das Event auch wirklich über die Bühne gehen kann. Strenge Hygieneregeln wurden durchgesetzt, aber immerhin durften 3500 Zuschauer in die Halle. Was auch dafür sorgte, dass wir nach langer Zeit eine Show erlebten, in der der Applaus nicht (ausschließlich) aus der Konserve kam.

Aber auch inhaltlich konnte dieser Abend voll und ganz überzeugen. Es gab die härtere Rocknummer, es gab die Ballade, den Chanson, Elektrobeats, Ethnosounds, Rap, Pop. Für jeden sollte etwas dabei gewesen sein, natürlich gehört auch eine Prise Trash dazu.
Die Punktevergabe war an Spannung nicht zu überbieten. Seit es das neue System mit der getrennten Jury- und Zuschauerwertung gibt, dauert es bis zum allerletzten Ergebnis, bis feststeht, wer gewinnt.

Am Ende standen sich Italien mit der härteren Rocknummer und die Schweiz mit einer wahnsinnig tollen Ballade gegenüber. Den Sieg trägt die Band Måneskin aus Italien mit “Zitti e buoni” nach Hause. Beim Televoting lag die Band erstaunlicherweise ganz vorn. Aber der Auftritt war hochprofessionell und gut gemacht – und in der Landessprache. Ebenso wie die Schweiz, die dann auf Platz 3 landete. Gjon’s Tears sang “Tout l’univers” (mein Favorit!) auf Französisch. Dazwischen sortierte sich Frankreich mit “Voila” von Barbara Pravi ein – natürlich auch in Landessprache.
Große Freude auch für Island. Wie schon berichtet sind Teile von Daði & Gagnamagnið in Corona-Quarantäne, die Band nahm nur mit einem Probenvideo teil – und trotzdem war Platz 4 drin. Allerdings auch verdient, “10 Years” ist ein schöner, poppiger, cooler Song mit einer außergewöhnlichen, aber eben nicht bombastischen Show.
Und auf Platz 5 schließlich die Ukraine. Wenn Go_A “Shum” performen geht die Post ab. Der hohe Gesang (in Landessprache!) und dazu geradezu hypnotische Technobeats, die immer schneller werden, kamen beim Publikum sehr gut an – Platz 2 im Televoting!

Die Enttäuschung des Abends war übrigens Spanien. Blas Cantó sang “Voy a quedarme”, darin geht es um seine an Corona verstorbene Oma. Ursprünglich war das eine herzzerreißende Ballade. Doch für die Bühnenshow dachte sich jemand, man müsse doch noch ein paar Beats runterlegen und daraus eine öde Popnummer machen. Die Quittung gab es prompt: Platz 24 und 0 Punkte im Televoting.

Und Deutschland: Jendriks “I don’t feel Hate” hat aus verschiedenen Gründen nicht funktioniert. Zunächst muss man ganz klar sagen: Die Konkurrenz war übermächtig, es waren sehr, sehr viele sehr gute Songs im Wettbewerb. Das deutsche Lied war am Ende nicht mehr als mittelmäßig. Es war nett, es war irgendwie freundlich, ein bisschen lustig. Die Performance von Jendrik und seiner Crew war niedlich. Allerdings hat die Videoprojektion im Hintergrund so gar nicht funktioniert. Es wirkte, als ploppte da Popcorn auf, ab und zu waberten (Hass-)Wörter durchs Bild. Und die Farbexplosionen aus dem Videoclips waren zwar hinten auch zu sehen – sie wurden aber nicht in die Inszenierung integriert. Sie konnten nicht wirken.
Die Jurys gaben uns drei Punkte, die Zuschauer null. Bäm.
Und wieder werden wir darüber reden müssen, wie das Auswahlverfahren besser laufen kann. Zumal Jendrik in der Nacht leider mit merkwürdigen Aussagen irritierte und verärgerte, in dem er meinte, er wollte ja eh nur dabei sein, und er habe ja bessere Lieder, aber sei ja drum gegangen, die deutsche Jury zu überzeugen.

Für die ESC-Saison 2022 wird es Aufgabe des NDR sein, endlich mal wieder mehr Euphorie für das Event zu erzeugen. Das ist wieder mal gar nicht gelungen. Brauchen wir doch einen Vorentscheid? Und überhaupt mehr Transparenz bei der Auswahl?
Allerdings: Die Antworten waren schon immer Ja, und dass wir mehr Euphorie brauchen, ist auch nicht neu. Aber beim NDR scheint man es ja besser zu wissen zu wollen.
Und wenn wir schon dabei sind: Brauchen wir wirklich noch Kommentare von Peter Urban, der uns nach einem Auftritt mitteilt, wie blöd er das Ganze fand? Und der rumheult, weil wir so schlecht abschnitten, obwohl doch alles, alles, alles so toll, toll toll (nein!) war? Die Kommentare sollten locker sein, auch mal flapsig. Aber Meinungen sollten sich die Zuschauer schon selber bilden.

Der Eurovision Song Contest 2022 zieht also nach Italien. Vielleicht nach Turin? Mailand? Rom? Es wird wieder ein Mega-Event. Es wird wieder das Mai-Highlight. Und vielleicht bekommt Deutschland ja auch mal wieder was auf die Reihe. Wir dürfen aber auch dabei nie vergessen: Am Ende geht es darum, einen tollen Abend zu haben und mit den Favoriten des Abends mitzufiebern. Das muss nicht zwingend der deutsche Act sein. Der ESC ist mehr als die Frage, wie wir da ankommen oder nicht. Es ist ein europäisches Kultur- und Musikfest!

-> Die Show in der ARD-Mediathek (bis 21. Juni 2021)
-> Die Show (ohne Kommentar) auf Youtube

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Eurovision Song Contest 2021 – 2. Halbfinale

Freitag, den 21. Mai 2021
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DO 20.05.2021 | 21.00 Uhr | one

Österreich: raus.
Dänemark: raus.
Ja, seid ihr denn wahnsinnig?
Das Ende des 2. Halbfinales beim Eurovision Song Contest 2021 war leider sehr deprimierend. Zwar haben es meine Favoriten Schweiz und Island ins Finale geschafft, die anderen Länder jedoch nicht. Dabei ging Österreich mit dem wunderbaren “Amen” von Vincent Bueno an den Start. Tolle Melodie, tolle Atmosphäre. Dänemark holte den 80er-Sound zurück auf die ESC-Bühne, doch das kam in Europa offenbar nicht gut genug an.
Dass aber ein mieser Arschwackel-Song wie “Sugar” aus Moldawien weiter ist und der Österreicher nicht – das ist wirklich frustrierend.

Am Donnerstag übertrug one die Show aus Rotterdam, die nun doch auch von Coronafällen überschattet ist. Und ausgerechnet die Isländer hat es getroffen. Wäre der Eurovision Song Contest 2020 ausgetragen worden, dann hätten Daði og Gagnamagnið den Wettbewerb nach Island geholt und wir wären in diesem Jahr in Reykjavik gewesen. Nun gab es die zweite Chance – und auch diesmal kann die Gruppe nicht live auf der Bühne stehen. Ein Bandmitglied hat Corona, und ohne ihn wollten sie nicht auftreten. Stattdessen wurde am Donnerstagabend der Probenauftritt gezeigt. Immerhin hat es trotzdem für das Finale gereicht – extrem traurig ist das trotzdem.
Und auch der 2019er-Sieger Duncan Laurence, der den ESC in die Niederlande geholt hatte, kann beim Finale nicht auftreten – auch er hat Corona. Da hilft wohl nur noch Daumendrücken, dass nicht noch mehr Fälle auftreten, denn die Künstler waren ja in den vergangenen Tagen in der Halle unterwegs.

Eines fiel außerdem sehr negativ auf: In diesem Jahr kann der Hintergrundgesang vom Band kommen. Das führt dazu, dass man bei recht vielen Auftretenden, vor allem bei den Frauen aus dem Ostblock, merkt, dass ihre Stimme im Hintergrund mehrfach zu hören ist. Im Grunde müssten sie nur die Lippen bewegen, und es singt trotzdem jemand. Diese Regel sollte dringend wieder abgeschafft werden.

-> Die Show auf Youtube
-> Sehenswert: Die Show mit Gebärdensprache in der ARD-Mediathek (bis 20. Mai 2022)

Hits: 193

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Eurovision Song Contest 2021 – 1. Halbfinale

Mittwoch, den 19. Mai 2021
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DI 18.05.2021 | 21.00 Uhr | one

Der Eurovision Song Contest 2021 ist in so vielerlei Hinsicht besonders.
Er findet statt.
Er findet mit Publikum statt.

Am Dienstagabend lief bei one das 1. Halbfinale des 2021er-ESC aus Rotterdam in den Niederlanden. Eigentlich hätte er dort schon 2020 stattfinden, aber irgend so ein Virus ist uns da dazwischen gekommen.
Deshalb war es schon mal ein sehr erhebendes Gefühl, diese Show sehen zu können. Zwei Jahre nach dem Event von Tel Aviv. Dafür ist extra ein Hygiene-Konzept erstellt worden, auch mehrere Varianten der Show lagen als Konzept in der Schublade – dass die Show auf jeden Fall stattfinden wird, war klar. Nicht, dass wirklich live vor Ort gesungen wird – und schon gar nicht, dass Publikum vor Ort ist.
Der Eurovision Song Contest 2021 ist ein wissenschaftliches Experiment. 3500 Menschen dürfen pro Show in die Halle, alle müssen sie sich davor und danach testen, alles genau begleitet, hochoffiziell von der niederländischen Regierung. Um diese Show zu retten, was natürlich auch finanzielle Gründe hat. Aber auch, um den Menschen wieder Hoffnung zu geben, dass wir auf einem guten Weg sind.

Nur Australien konnte nicht live dabei sein. Australien war am Dienstagabend mit einem Video vertreten. Alle Teilnehmenden mussten solche Live-Videos einreichen, falls die komplette Show in Rotterdam nicht möglich gewesen wäre. Und Australien musste davon Gebrauch machen. Und ist dann auch noch ausgeschieden.

Erstmals musste der Hintergrund-Gesang nicht mehr live gesungen werden. Das ist schade, und das führt offenbar dazu, dass es immer mehr Acts gibt mit Sänger/Sängerinnen und fünf Tänzern. Das wikte in der Vielzhal dann auch manchmal etwas langweilig.

Favoriten im 1. Halbfinale: Go_A für die Ukrine mit “Shum”. Dabei handelt es sich um ein sehr hoch gesungenes abgewandeltes Volkslied, das aber immer schneller wird und bald ein hypnotischer Technokracher wird. Gehört zu den ESC-Hits 2021 – und hat es auch ins Finale geschafft. Ebenfalls dabei ist Schweden. Tusse singt “Voices” und hat damit ein typische, gute Eurovisionshymne geschaffen. Klingt wie ein Siegersong, wobei Schweden dann innerhalb von zehn Jahren das dritte Mal gewinnen würde.

-> Die Show in der ARD-Mediathek (bis 18. Mai 2022)

Hits: 165

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Free European Song Contest 2021

Dienstag, den 18. Mai 2021
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SA 15.05.2021 | 20.15 Uhr | ProSieben

Als Produzent von Fernsehshows hat Stefan Raab schon länger kein gutes Händchen mehr. Seine Late-Night-Show bei RTL ist gescheitert und wird am Dienstag das letzte Mal ausgestrahlt. Auch die Showideen für ProSieben haben nicht besonders gut funktioniert. Und auch der “Free European Song Contest”, der 2020 am Tag des abgesagten originalen Eurovision Song Contest ausgestrahlt wurde, wirkte ziemlich aus der Zeit gefallen. Wurde für die 2021er-Auflage daraus gelernt? Nein.

Der “Free European Song Contest”, am Sonnabend bei ProSieben, soll so etwas wie eine Alternativ-Show zum ESC sein. Die Frage ist nur, wie ernst sich die Show nehmen will – und was sie überhaupt will.
Diesmal sind 16 Acts aus 16 Ländern angetreten. Oder so ähnlich. Vielmehr waren es Leute, die entweder tatsächlich in ihrem Land bekannt sind – zum Beispiel Amy MacDonald in Schottland -, oder es traten Leute wie Jasmin Wagner/Blümchen für Kroatien auf, weil ihre Mutter Kroatin ist – sie selbst hat da aber nie gelebt. Ihr Song “Gold” ist ein deutscher Pop-Schlager, und für die Show musste sie ein paar Brocken Kroatisch einwerfen. So weit, so unoriginell.

Es wirkt schlicht albern, wenn deutsche Stars mit ihren deutschen Hits plötzlich für andere Länder antreten. Auch wenn für viele andere Länder tatsächlich Künstler von dort auftraten – es machte alles irgendwie keinen Sinn.

Viel schlimmer waren aber die Länder-Einspielfilme, die nur vor peinlich-albernen Klischees strotzten und manchmal haarscharf am Rassismus vorbeischrammten. Die lustige “TV total”-Stimme las die dämlich Texte vor, zu sehen waren mitunter wahllose TV-Ausschnitte aus den 90ern und 00ern. Das war vor 20 Jahren mal modern und lustig. Aber wir haben ja inzwischen 2021.
Vielleicht sollten die Einspieler den Zuschauern sagen, dass sich die Show ja nicht ernst nehme. Dabei nahm sich die Show durchaus ernst – man zog ja alles durch. Die 16 Acts, die Punktevergabe. Aber eben sehr light.

Wer für Deutschland antritt wurde mal wieder geheim gehalten, und die Enttäuschung und Scham war groß. Angesagt wurde Udo Lindenberg, aber es kam Helge Schneider, der als Udo Lindenberg einen Song sang. Es gibt bestimmt Leute, die sich beömmelt haben. Aber warum schickt man 15 ernsthafte Acts auf die Bühne, und für Deutschland macht man Affentheater? Schneider war auch 2020 dabei, und am Anfang der Show am Sonnabend war von seinem letzten Auftritt im deutschen Fernsehen die Rede – bis er dann als Udo wiederkam.

Die Punktevergabe – exakt nach ESC-Regeln – war spannend, aber eigentlich auch blödsinnig. Denn nur Deutschland, Österreich und die Schweiz veranstalteten ein Televoting. Für alle 13 anderen Ländern stimmten Einzelpersonen ab.
Und, ja, eigentlich ist es völlig wurscht – wie ja die ganze Show wurscht ist (Sorry, Conchita! Die Moderation von Conchita Wurst und Steven Gätjen war wirklich gut!) – dass Rea Garvey für Irland gewonnen hat. Sein Song war eh schon ein Hit.

Warum veranstaltet Raab diese Show? Warum wird nicht stattdessen versucht, wieder einen Bundesvision Song Contest ins Leben zu rufen? Warum könnte daraus nicht wieder ein großes Spektakel werden, das vielleicht sogar zum Vorentscheid für den Eurovision Song Contest wird? Der NDR muss eh sparen, dafür könnte ProSieben einspringen. Beim Bundesvision könnten Stars teilnehmen, man könnte aber auch Neulingen eine Chance geben.
Was in Schweden beim Melodifestivalen funktioniert, müssten wir doch auch hinbekommen?!

-> Die Show bei Joyn

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Bill Kaulitz: Career Suicide – Meine ersten dreißig Jahre

Mittwoch, den 7. April 2021
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Das Buch fällt auf, ist aber optisch alles andere als ein Hingucker. ZU sehen sind in Schwarz-weiß nur Augen, Nase und Mund von Bill Kaulitz, dazu seine Piercings. Zwischen den Augen ist Blut, vielleicht ein Einschussloch. Etwas Blut läuft auf die Nase runter. Über der Stirn prangt der krakelige, an einen Horrorfilm erinnernde Schriftzug mit dem Titel des Buches.
Und aus der Ferne sieht das Buch aus wie damals eine DVD aus der Videothek. An den Seiten sind die Buchseiten schwarz eingefärbt, dazu das billig und trashig wirkende Cover.
Der Inhalt des Buches ist das allerdings nicht.

Bill Kaulitz steht seit bald 20 Jahren in der Öffentlichkeit. 2003 nahm er an der Sat.1-Castingshow “Star Search”, und zu dieser Zeit war er im Magdeburger Raum schon mit seiner Band unterwegs.
2005 kam “Durch den Monsun”. Und die Band Tokio Hotel wurde der große Überflieger.
In seinem Buch “Career Suicide” erzählt Bill Kaulitz über seine ersten 30 Jahre. Über seine Kindheit, die Schulzeit, darüber wie er gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Tom seine Bandkollegen Georg und Gustav kennenlernte und wie es zum ersten großen Hit kam.

Obwohl Bill Kaulitz erst 32 Jahre alt ist, hat er viel zu erzählen. Dabei wird schnell klar, dass sein Leben nie ein Zuckerschlecken war – auch und gerade nicht in der besten Zeit von Tokio Hotel.
Bill war schon immer jemand, der sich auffällig gestylt hat, für den das völlig normal war. Damit fiel er auf, schon in der Schule. Er schreibt von bösen Hänseleien und Attacken – aber auch, wie er das alles überstanden hat, wie sehr da auch sein Bruder eine große Hilfe war. Bill und Tom haben sich immer perfekt ergänzt.
Die Musik aber war die großen Leidenschaft – und ist es noch immer. Aber wer denkt, dass es nur toll ist, ein Star zu sein, der täuscht sich. Denn der Hype, der über Tokio Hotel hereinbrach, lässt einem schon beim Lesen den Atem stocken.

Recht schonungslos lässt Bill Kaulitz in “Career Suicide” sein bisheriges Leben Revue passieren. Er geht dabei auch mit sich selbst nicht zimperlich um. Das Buch wirkt, als ob er dem Leser alles persönlich erzählt. Manchmal spricht er den Leser auch persönlich an. Wer das Buch liest und Kaulitz kennt, kann sich sicher ganz gut vorstellen, wie er das einem gerade alles erzählen würde. Einige der Episoden sich bestürzend, andere lassen einen den Kopf schütteln. Aber am Ende steht auch der große Respekt vor einem jungen Mann, der extrem für seinen Traum gekämpft hat und fast an ihm zerbrochen wäre.

Bill Kaulitz: Career Suicide – Meine ersten dreißig Jahre
Ullstein, 381 Seiten
8/10

Hits: 251

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Osterkonzert der Berliner Philharmoniker

Dienstag, den 6. April 2021
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SO 04.04.2021 | 17.00 Uhr | arte

Menschen im Konzertsaal. Applaus. Eine Wiederholung?
Nein, keine Wiederholung. Dafür aber ein extrem rührender Augenblick. Denn etwas eigentlich völlig Normales war bei diesem Konzert etwas ganz Besonderes.

Wegen der Pandemie konnte das Osterkonzert der Berliner Philharmoniker nicht bei den Osterfestspielen in Baden-Baden stattfinden. Stattdessen traten die Musiker im eigenen Konzertraum auf, in der Philharmonie in Berlin – mit Publikum.
Denn das Konzert, das arte am späten Ostersonntagnachmittag ausstrahlte, war Teil eines Pilotprojektes, in dem es darum ging, wie solche Konzerte mit Publikum trotz Pandemie stattfinden können. Weniger Menschen als sonst, alle mussten Maske tragen, es gab wohl keine Pause.

Deshalb kochten die Emotionen hoch. Das war allen Beteiligten anzumerken – und wenn die Kommentatorin nicht in den ersten Applaus reingelabert hätte, hätte man das auch als Zuschauer genießen können.
Unter der Leitung von Kirill Petrenko spielten die Philharmoniker Werke von Tschaikowski und Rachmaninow. Aber den Leuten im Saal schien es völlig egal, was sie spielen – Hauptsache, sie spielen, und Hauptsache, sie sind dabei. Ein Gänsehautmoment.

-> Die Sendung bei arte.tv (bis 3. Mai 2021)

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Johann Sebastian Bach: Johannespassion BWV 245

Montag, den 5. April 2021
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FR 02.04.2021 | 0.00 Uhr (Sa.) | mdr-Fernsehen

Die oft am Karfreitag im Fernsehen ausgestrahlte Johannespassion von Johann Sebastian Bach gehört zu den klassischen Werken, das ich in vergangene Zeit mit am meisten gehört (und gesehen) habe. Es ist ein in weiten Teilen beeindruckendes Stück Musikkunst.
Aber erstaunlich ist auch, wie unterschiedlich die vielen Ensembles das Stück rüberbringen und welche unterschiedlichen Wirkungen es haben kann.

Viele Jahre zeigte der mdr am Freitag den Auftritt des Leipziger Thomanerchores. Der riesige Knabenchor sang, das Leipziger Gewandhausorchester spielte. Das Konzert fand auch 2021 statt, wurde aber nur im Internet übertragen. Der mdr zeigte stattdessen – warum auch immer – eine Konzertaufzeichnung mit dem Chor des Bayerischen Rundfunks.
Zwischen den beiden Chören liegen Welten. Das liegt nicht nur an den interessanteren Stimmen der Thomaner, bei ihnen kann man den Texten, die sie singen, auch ein wenig besser folgen als beim BR-Chor. Es kommt auch immer auf das Erscheinungsbild an. Einer der Solosänger am Freitag im mdr stand in einem ziemlich labbrigen Pullover rum, und man fragt sich, ob der vielleicht erst fünf Minuten vor dem Konzert davon erfahren hat, dass er keinen Urlaub hat.
Einheitliche Uniformen sind zwar immer Geschmackssache, aber bei den Thomanern machen die Klamotten natürlich im Ganzen was her.
Vielleicht greift der mdr ja im kommenden Jahr wieder auf die Künstler im eigenen Sendegebiet zurück.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 2. Mai 2021)

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