RTelenovela

Die private Blinklicht-Disco

Freitag, den 22. April 2016
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Die Musik war mir schon aufgefallen, als ich vor der Berliner Kulturbrauerei stand. Wo sie her kam, konnte ich aber nicht entdecken. Es schien, dass im Haus gegenüber jemand besonders laute Musik hörte.
Nach dem Film stand ich dann wieder vor dem Kino – und die Disco war immer noch aktiv.
Nun war es draußen aber längst dunkel, und der DJ machte selbst auf sich aufmerksam.

In der Sredzkistraße, direkt vor der Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg, stand auf der anderen Straßenseite ein Auto am Bordstein. Darin ein Mann am Steuer. Er hörte laute Musik. Sein Special-Effect: Er bediente im Rhythmus der Musik seinen Scheinwerfer. Licht ein, Licht aus, ein, aus, ein, aus – alles im Takt der Musik.
Das offenbar minutenlang, stundenlang.
Der Mann am Steuer machte auch nicht den Eindruck, dass er sich dabei amüsierte. Er saß völlig unbeteiligt am Steuer, nur seine Finger bewegten sich am Hebel für die Lichthupe.

Damit aber zog er zumindest die Aufmerksamkeit der Passanten auf sich. Viele blieben stehen und beobachteten das Treiben amüsiert. Ob der junge Mann einfach ein Musikfan war? Ob er auf Freunde wartete, die im Kino waren? Oder war er einfach nur depressiv, gelangweilt?
Immerhin war die Musik gut – 90er-Jahre-Techno. Zum Mitwippen.

RTelenovela

Bla, bla, bla!

Sonntag, den 17. April 2016
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Gerade wollten die Kinder der Kremmener Kita ein Lied anstimmen, da bekamen sie prominente Konkurrenz. Eine kleine Gruppe hatte sich neulich in der Berliner Straße in Kremmen versammelt. Nach einem dreiviertel Jahr Bauzeit ist die ehemalige Holperstrecke für den Verkehr freigegeben worden.

Ortsvorsteher Eckhard Koop überließ das Feld gerade den Kindern, als im Hintergrund Musik der 90er-Jahre-Mädchenband Tic Tac Toe einsetzte: „Ich find’ dich scheiße“, sangen sie ihren bekannten Hit. Er kam aus einem der Häuser an der Straße, aus dem offenen Fenster.
Ob das ein aktueller Kommentar zur Feier da draußen war oder schlicht Zufall, ist nicht festzustellen gewesen. Lustig war es aber schon, als Tic Tac Toe weiter sangen und damit die Altstadt und die Feier beschallten: „Bla, bla, bla, bla, bla, bla, bla!“ Und später: „Ich kann den Schwachsinn nicht mehr hören, du willst doch nur dazu gehören.“

Da mussten die Kinder gegen ansingen – schafften das aber auch. Die kleine Feiergesellschaft hat die Songbeschallung dann schlicht ignoriert.

RTZapper

Sing meinen Song – Das Tauschkonzert

Mittwoch, den 13. April 2016
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DI 12.04.2016 | 20.15 Uhr | VOX

Da machten die beiden Männer von The BossHoss aber große Augen: 40.000 verkaufte Singles – an einem Tag. Nena hat das mal so locker-flockig erzählt, und bei den BossHoss-Musikern müssen kurz die Ohren geklingelt haben. Werden heute überhaupt noch 40.000 Singles verkauft? Erlebt so was die heutige Musikergeneration überhaupt noch?
Es war der interessanteste Augenblick beim Auftakt der dritten Staffel von “Sing meinen Song” am Dienstagabend bei VOX.

Xavier Naidoo hat wieder verschiedene Musiker zusammengetrommelt, damit sie die Songs der anderen singen – so gibt es nun jeden Dienstag ein Tauschkonzert.
An sich ist das eine spannende Idee. Wenn doch einige der teilnehmenden Künstler nur ein bisschen ideenreicher wären und nicht einfach das machen würden, was man von ihnen erwartet.

Zum Auftakt ging es um Nena und ihre Hits. The BossHoss machten aus dem “Leuchtturm” einen Westernsong – langweilig. Ebenso Wolfgang Niedecken von Bap, der “Liebe ist” auf Kölsch sang. Hätte man ja echt nicht für möglich gehalten. Oder so.
Nun gut, auch Xavier Naidoo bediente sein Klischee und sang “Wunder gescheh’n” so, wie er es immer macht – zugute halten muss man ihm, dass er das jedoch toll gemacht hat und er damit Gänsehaut ausgelöst hat.

Die größte Enttäuschung war Samy Deluxe. Dachte ich am Anfang noch, dass es ja spannend sei, dass ein Rapper bei so einem Projekt mitmacht, ließ die Spannung schnell nach. Er sang Nenas noch jungen Song “Berufsjugendlich” – und kannte ihn gut, schließlich hat er ihn produziert. Er machte es sich leicht.
Am ehesten stach noch Annett Louisan hervor, ihr “Nur geträumt” kam nicht so schmusig daher, wie man es von ihr gewöhnt ist, und auch Seven sang “99 Luftballons” auf spannende Art – wobei ich den Mann vorher gar nicht kannte und nicht beurteilen kann, was er sonst so macht.

Schade ist, dass die Sendung nicht thematisiert, wie lange eigentlich die Vorbereitungen dafür sind. So einen Song spielt man ja nicht in wenigen Tagen ein – so was muss geprobt werden, und das dauert sicherlich seine Zeit.
Schade ist auch, dass die Produktion nicht auf das Urteil der Zuschauer vertraut – und ihnen die Emotionen vorsetzen muss. Ich brauche es jedenfalls nicht, dass Wolfgang Niedecken mitten in den Song plärrt, wie geil er den findet. Ich möchte lieber den Song hören, ohne Kommentare.

Dass zum Staffelauftakt Nena mit ihren Songs dran war, ist übrigens geschickt. Das hat neugierig gemacht – und ihre Songs kennt man fast alle. Allerdings nimmt mein Interesse schon nächste Woche rapide ab – dann kommt der mir unbekannte Seven zum Zuge. Und ob ich hören will, wie Nena einen Samy-Deluxe-Song trällert oder Annett Louisan irgendwas von Bap… ähm, nein, möchte ich eher nicht.

RTZapper

Werbung: a-ha – Die neue Best-of

Mittwoch, den 6. April 2016
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DI 05.04.2016 | 21.57 Uhr | Sat.1

Ich habe ein wenig den Überblick verloren. Ist die Band a-ha noch zusammen oder nicht? Wie ist da gerade der Stand der Dinge?
Laut Wikipedia haben sich die Musiker 2010 getrennt, kamen aber 2011 noch mal kurz zusammen, und 2015 noch einmal.

So ganz will man aber nicht von den Geldbeuteln der Fans ablassen, denn am Dienstagabend lief bei Sat.1 ein Werbespot, der eine “Best-of”-CD von a-ha ankündigte. “Die neue Best-of”. Wie armselig ist das denn, dass es nun schon eine Sensation ist, wenn man die alten Songs einfach noch mal in neuer Reifenfolge als x-tes Best-of veröffentlicht?
Okay, es sollen ein paar Lieder drauf sein, die total selten seien und angeblich nie veröffentlicht. Allerdings muss es ja einen Grund geben, warum die Dinger bis heute nie veröffentlicht worden sind.

Eine neue Best-of also. Echte Fans werden sich die Sammlung wohl trotzdem zulegen. Ist ja irgendwie doch Neuware. Also, irgendwie.

RTelenovela

Sad, sad, sad

Freitag, den 25. März 2016
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Einer unserer Vorsätze für 2016 war: mehr Kultur!
Und das muss ja nicht immer nur Kino sein oder das Konzert einer bestimmten Band. Oder gar fröhlich. Es kann auch mal traurig sein. Oder zumindest den Anspruch haben, traurig zu sein.

Im Roten Salon der Volksbühne in Berlin gab es zum fünften Mal “The saddest Music in the World”. Ein Abend voll trauriger Musik.
Das klingt abgedreht – und interessant!
Die Stimmung im Salon war zwar alles andere als sad, sondern eher gut gelaunt. Die Bar war gut besucht, und alle Leute unterhielten sich angeregt – inklusive uns.

Irgendwann ging es dann endlich los, seltsam unbeachtet von den Gästen. Was, seien wir ehrlich, auch stark an der Umsetzung der Veranstaltung lag.
Aber bevor ich meckere: Die Idee ist toll, es gab insbesondere in der zweiten Hälfte ganz großartige Künstler, so dass es sich dann doch gelohnt hat. Eine Nummer mit Streichern und Elektro-Sphären-Mucke stach besonders raus – auch wenn sie nicht sad war.

Aber man kann’s besser machen. Viel besser. Die Moderation war konzeptlos und unvorbereitet, wenn man so ein Thema hat, sollte auch in der Hinsicht eine Idee dahinter stecken. Der Raum ist denkbar ungeeignet – oder falsch eingerichtet. Vorn saßen die Leute auf dem Boden, drumherum ein paar Sessel, im zweiten Teil des Raums standen viele. Die aber hatten nicht das Gefühl, wirklich dabei zu sein. Oft blieb es deshalb laut, es gab Stimmengewirr. Das lag aber andererseits auch an den Beiträgen, die teilweise echt mau waren. Wer auffiel, wer richtig gut war, hatte die Aufmerksamkeit aller.

Seltsamerweise waren die wenigsten Songs wirklich traurig. Viele waren melancholisch und ruhig. Das aber ist nicht immer gleich traurig. Leider ist das aber auch gar nicht thematisiert worden, was spannend gewesen wäre.

Heißt also: Sehr gute Idee, einige gute Künstler – aber alles in allem sehr ausbaufähig. Wenn man es denn mal richtig anpacken will. Aber vielleicht soll das Konzeptlose ja der Charme sein. Man sieht aber am Publikum, dass man es damit oft genug nicht gepackt hat.

Wir haben einen Beschluss gefasst, und schon im April wollen wir beginnen. Kultur – jeden Monat. Das Besondere: Ich/sie weiß nicht, was der/die andere ausgesucht hat. Erst wenn es am Abend losgeht, soll die Überraschung rauskommen.
Ich bin gespannt!

RTelenovela

Underworld! (3)

Freitag, den 18. März 2016
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(2) -> 6.2.2008

Bis es zu unserem dritten Underworld-Konzert kam, war es ein langer Weg.
2011 waren wir extra nach Freiburg gereist, um die Band beim “Sea of Love”-Festival zu erleben. Wegen der katastrophalen Organisation haben wir den Auftritt verpasst. Im vergangenen Jahr wollten wir nach Köln – diesmal musste ich passen, ich war krank.
Nun aber. Nach 1999 und 2008 nun also Underworld zum Dritten.

Im Mai 1999 war Underworld mein erstes Techno-Konzert. Es begann eine Stunde zu spät, wir standen in einer Kräuterwolke, und wir tanzten und feierten.
2016 begann das Konzert pünktlich mit einer Stunde Verspätung, und die Kräuterwolke hatten wir vereinzelt auch wieder um uns. Und wir tanzten und feierten.
Nun gut, wir sind 17 (!) Jahre älter geworden. Damals haben wir einfach nur gefeiert, heute dachte ich drüber nach, ob das alles gut geht, weil ich erst am Tag davor gesundheitlich aus der Bahn geworfen war.
Die 17 Jahre sieht man auch den Underworld-Veteranen auf der Bühne an. Die Musik ist immer noch toll, “Born Slippy” rockt auch weiterhin, ebenso der “Jumbo”, über den ich 1999 die Band auf radioeins kennenlernte. 2016 ist das Publikum dann auch sehr viel gemischter. Jung und Alt stehen nebeneinander, rocken ab, tanzen, grölen – eine große Party.

Mit “Born Slippy” endete das Konzert nach etwas mehr als zwei Stunden – ganz ohne Zugabe. Das ist konsequent, denn im Grunde waren die großen Hits und einige neue Songs gespielt. Sie hatten gesagt, es sei der letzte Song, und es war der Letzte.
Finde ich eigentlich fast besser, als das ewige “Zugabe”-Rumgeeiere.
Und im Auto lief dann schon die neue Underworld-CD.

aRTikel

Abba und Mozart sind echtes Bärenfutter

Mittwoch, den 9. März 2016
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Der Bärenklauer Chor feiert am Wochenende sein 20-jähriges Bestehen und singt Lieder von Klassik bis Pop

MAZ Oberhavel, 9.3.2016

Bärenklau.
Gesungen wird in Bärenklau nicht erst seit 20 Jahren. Schon 1920 gab es im Dorf den ersten Chor, und zu DDR-Zeiten war der Volkschor Bärenklau sehr erfolgreich und erhielt mehrere Preise. Mit der Wende wurde es ruhig um ihn – erst 1996 ging es wieder so richtig los.

Am Sonnabend feiern „Die Bären“ im Dorfkrug ihren 20. Geburtstag. So heißt der damals gegründete Chor, passend zum Dorfnamen. „Wir haben im Bärenstübl Skat gespielt“, erinnert sich Dagmar Martin, die Vereinsvorsitzende. „Da waren auch Neu-Bärenklauer dabei, die fragten, ob man sich kulturell betätigen kann.“ Man erinnerte sich an den Volkschor, dessen Aktivitäten ruhten, und startete einen Aufruf. Das Echo war riesig. „Rund 100 Leute haben sich gemeldet.“ Die Auftaktveranstaltung fand im Dorfkrug statt. Am Ende blieben 45 Mitstreiter übrig, inzwischen hat der Chor 30 aktive Mitglieder – 20 Frauen und zehn Männer zwischen 55 und 87 Jahren.

Geprobt wird immer am Montagabend in der Alten Remonteschule. „Wir haben bis zu 160 Lieder im Repertoire“, sagt Chorleiter Rolf Stranz aus Schmachtenhagen. Dazu gehören Volkslieder, geistliche Lieder, Kanons, Schlager, Operetten, aber auch Popsongs wie eingedeutschte Hits von Abba. Es sind sogar selbst geschriebene Lieder dabei. „Es gibt eins über Bärenklau und die Oberkrämer-Hymne“, sagt Dagmar Martin.
Vier- bis fünfmal im Jahr tritt der Chor auf – meistens in der Region. Die Bären waren aber auch schon auf der Grünen Woche in Berlin zu Gast.

„Die Gemeinschaft ist schön“, sagt Claus Trechsler. Er ist erst seit zwei Jahren dabei und mit 55 Jahren das jüngste Mitglied. „Ich habe im Internet nach einem Chor gesucht“, erzählt er. Als er das erste Mal bei den Bären war, „habe ich mich gleich wohlgefühlt.“
„Es ist schon so, dass die Gemeinschaft im Mittelpunkt steht“, sagt Leonie Fieting-Burghardt, die zweite Vorsitzende. „Wir machen auch viel außerhalb.“ Einmal im Jahr geht es auf eine Bustour, es wird gefeiert und gegrillt. „Das schweißt zusammen.“

Das Singen im Chor ist natürlich auch Arbeit. „Aber es ist toll, weil man mal auf andere Gedanken kommt, man muss sich auf das Singen konzentrieren“, sagt Leonie Fieting-Burghardt. Es gibt Lieder, da reicht eine Chorprobe, und es sitzt. Mozarts „Ave Verum“ aber – das hat es in sich. Das ist mehrstimmig, da gibt es viel dran zu feilen. „Man braucht Geduld“, sagt Chorleiter Rolf Stranz. „Und er hat viel Geduld“, ergänzt Dagmar Martin.

Die Bärenklauer wünschen sich, dass der Chor noch lange besteht. Dafür braucht er Nachwuchs. „Wir haben immer mal wieder neue Mitglieder“, sagt Dagmar Martin. „Dadurch, dass wir auftreten, machen wir auf uns aufmerksam.“
Das nächste Mal am Sonnabend. Danach beginnen schon die Proben für das Herbstkonzert. In einem Lied, das am Montagabend bei der Probe gesungen worden ist, heißt es: „Lieder sind Begleiter, Lieder machen heiter.“ Und wer in die Gesichter der Chormitglieder schaut, wird erkennen: das stimmt.