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Alfons Zitterbacke

Samstag, den 4. Mai 2019
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MI 01.05.2019 | 9.40 Uhr | mdr-Fernsehen

Es gibt Mythen und Kults, bei denen man sich fragt, wieso die das eigentlich sind. Gerade läuft in den Kinos die Neuverfilmung von “Alfons Zitterbacke” nach den bekannten DDR-Jugendbüchern. Diese 2019er-Version wird gerne mit dem Film von 1966 verglichen. Damals hat die DEFA das Buch schon mal verfilmt.
Am Maifeiertag zeigte das mdr-Fernsehen am Vormittag die frühe “Alfons Zitterbacke”-Version. Und wer sich die angesehen hat, der wird merken: Nicht alles war früher besser.

Während sich die Macher 2019 noch eine Geschichte um die einzelnen Storys um Alfons ausgedacht haben, war der Film von 1966 eine relativ stupide Abfolge von Kurzgeschichten. Er hat nicht mal eine richtige Einführung. Er beginnt damit, dass Alfons und seine Freundin auf einem Rummel spielen und in der Geisterbahn für Stress sorgen. Es gibt aber wie im neuen Film auch schon die Sprungturm-Geschichte, bei der Alfons bei “Köpper” gezeigt bekommt und natürlich diverse Schulgeschichten.
Aber alles viel biederer, fast schon dröge erzählt. Der Film kommt fast ohne zusätzliche Musiken aus, die Inszenierung erscheint simpel.
1966 war das vermutlich dennoch ein großes Ding. 2019 ist das leider nur noch ein laues Lüftchen, und umso mehr kann man sich über die tolle Neuverfilmung freuen.

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Brisant: Wie verlässlich sind Pränataltests?

Samstag, den 4. Mai 2019
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DI 30.04.2019 | 18.10 Uhr | mdr-Fernsehen

Die Debatte um Pränataltests ist wichtig. Dabei geht es um die Kostenübernahme von Bluttests zur Früherkennung von Trisomie. Und um die Frage, wie zuverlässig solche Tests sind und ob dadurch die Hemmschwelle sinke, ein möglicherweise erkranktes Kind abzutreiben?
Der mdr – und vorher Das Erste – zeigte am Dienstagabend im Boulevardmagazin “Brisant” einen Beitrag über diese Debatte. Allerdings war das Stück von Marion Mück-Raab und Secilia Rappert eher etwas für die Tränendrüse – auf recht unangenehme und alles andere als ausgewogene Art.

Im Mittelpunkt des rührseligen Beitrages stand Carina Kühne. Sie hat das Downsyndrom, Trisomie 21, und gerade zieht sie in ihre eigene Wohnung. Sie liebt es, Klavier spielen und schauspielert ab und zu. Das ist gut. Die Frau führt ein lebenswertes Leben.
Unterlegt sind die Szenen mit leichter Klaviermusik, offenbar von Carina Kühne selbst gespielt. Als es dann aber um die Pränataltests geht und diese mit entsprechenden Bildern gezeigt werden, ist plötzlich bedrohliche Musik zu hören. Eine ganz klare Beeinflussung und Kommentierung der beiden Autorinnen des Beitrages.
Ein Experte kommt zu Wort, und es wird darauf hingewiesen, dass die Tests unsicher sein können. Dass diese Tests also darauf hinweisen könnten, dass beim Ungeborenen ein Downsyndrom vorliegen könnte, dass das aber auch fehlerhaft sein könne. Dass aber werdende Eltern daraufhin schon eine Abtreibung vornehmen könnten. Alle dies mit bedrohlicher Musik im Hintergrund.

Der Beitrag endet wieder mit Carina Kühne. Sie sei geschockt, dass der Test nun von den Kassen bezahlt werden könne. Sie sagt, nicht gewollt zu sein, da habe ihr nicht so gut getan. Dass man merke, man sei nicht gewollt und werde abgetrieben.
Die Sprecherin des Films sagt dann noch, dass Carina Kühne nicht unter dem Downsyndrom leide, sondern nur unter den Blicken und Reaktionen der Menschen.
Das ist harter Tobak. Und es ist schwierig. Und es ist ein Vergleich, der nicht wirklich zulässig ist. Denn eines ist klar: Carina Kühne wurde nicht abgetrieben. Sie ist am Leben, und ihr geht es gut.

Untersuchungen, ob das Kind im Mutterleib gesund ist, gibt es immer öfter. Ist es krank, stehen die Eltern vor einer schwierigen Entscheidung. Abtreiben oder gebären?
Einseitige Berichte wie der am Dienstag in “Brisant” sind da alles andere als hilfreich. Denn es ist auch ganz klar, dass nun mal auch die Mutter entscheiden muss, was mit und in ihrem Körper passiert. Sie müssen beraten werden, und natürlich gehört dazu auch, zu zeigen, wie Menschen mit dem Downsyndrom leben.
Aber auf die Tränendrüse zu drücken und zu sagen, was wäre, wenn ich abgetrieben worden wäre, das ist schwierig. Zumal wir uns dann wohl alle geschockt vor eine Kamera setzen und ganz allgemein drüber sprechen könnten, wie schockiert wir seien, dass es Leute gibt, die – aus welchen Grünen auch immer – Abtreibungen vornehmen. Und dass wir vielleicht nicht erwünscht sein könnten.

Die Vor- und Nachteile der Pränataltests müssen gezeigt werden. Dass es im mdr-Boulevardmagazin “Brisant” auf diese einsetig-emotionalisierende Weise passiert, fühlt sich eher wie eine Kampagne an.

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Das große mdr-Osterfeuer 2019

Dienstag, den 23. April 2019
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SA 20.04.2019 | 20.15 Uhr | mdr-Fernsehen

Da war aber was los in Zeulenroda-Triebes, einer kleinen Stadt in Thüringen. Der mdr veranstaltete dort seine große Osterfeuer-Show.
Und scheinbar hat sich der Sender in der ganzen Stadt breitgemacht. Auf dem Marktplatz fand die Show hauptsächlich statt. Unweit davon loderte das eigentliche Osterfeuer. In einer Kirche traten weitere Musikacts auf. Es gab ein Wohnzimmerkonzert, und in einem Club wurde auch was geboten.
Ben Zucker war da, Bonnie Tyler, Álvaro Soler, Kathy Kelly und David Garrett. Außerdem Veronika Fischer und Karat – und viele mehr.

“Das große mdr-Osterfeuer 2019” zeigt, was ein Heimatsender schaffen kann. Denn sehr viele Orte aus dem Sendegebiet hatten sich um die Ausrichtung dieses Events beworben, am Ende schafften es sechs Orte in die große Abstimmung. Damit sind schon mal viele Menschen mobilisiert worden.
Als die Show dann am Sonnabend live über die Bühnen ging, da kamen nach mdr-Angaben 20.000 Menschen. Das sind mehr, als in Zeulenroda-Triebes leben. Schon lange vor Showbeginn musste der Zugang gesperrt werden.
Der mdr machte den Ort bekannt. Die Marktplatz war nicht nur Kulisse, im Laufe der mehr als drei Stunden haben die Zuschauer auch einiges über den Ort erfahren.

Man muss nicht alle Musikacts dieses Abends gemocht haben. Dass der mdr dort aber dennoch ein gute Arbeit geleistet hat, muss man anerkennen. Ein guter Dienst an der Heimat.

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Riverboat: Jörg Kachelmann

Sonntag, den 6. Januar 2019
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FR 04.01.2019 | 22.00 Uhr | mdr-Fernsehen

Das zweite Comeback des Jahres liefert in diesem Jahr der mdr. Am Freitagabend moderierte Jörg Kachelmann gemeinsam mit Kim Fisher das “Roverboat”.
Das ist aus zwei Gründen bemerkenswert: Erstens hat er die Talkshow vor vielen Jahren schon mal für längere Zeit moderiert. Zweitens war Jörg Kachelmann seit 2010 nicht mehr in einer eigenen Sendung im Fernsehen zu sehen. Er wird das “Riverboat” nun wöchentlich moderieren.

Nach seiner Moderation bei Olympia 2010 verschwand Kachelmann vom Bildschirm – zumindest als Fernsehschaffender. Er geriet stattdessen in die Schlagzeilen, weil ihm Vergewaltigung vorgeworfen worden sind. Er wurde freigesprochen. Die Vorwürfe sind aus der Welt.
Aber die exzessive Berichterstattung um diesen Fall sorgte dafür, dass Jörg Kachelmann für die Fernsehbranche ein rotes Tuch wurde. Die ARD wollte nicht mehr mit ihm arbeiten.

Jetzt ist er also nach fast neun Jahren Fernsehpause wieder im Dienst. Im mdr wirkte er am Freitagabend zwar noch ein bisschen bemüht. Aber dass man nach so langer Zeit und nach dieser Geschichte noch ein bisschen zurückhaltend ist, sollte durchaus verständlich sein. Das wird sich sicherlich in den kommenden Wochen noch lockern, und dass Kachelmann wieder zurück ist, ist ganz allgemein ein wichtiges Signal.

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Sechs Tage Eiszeit – Der Katastrophenwinter 1978/79

Samstag, den 5. Januar 2019
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MI 02.01.2019 | 20.15 Uhr | mdr-Fernsehen

Am 28. Dezember 1978 begann in Deutschland die Eiszeit. Zunächst im Norden der Bundesrepublik und der DDR, in den Tagen danach zogen die Schneestürme immer weiter nach Süden.
Zum 25. Jahrestag der Ereignisse 2003 zeigte der mdr erstmals die Doku “Als der Osten im Schnee versank – Der Katastrophenwinter 1978/79”. Darin ging es darum, wie die DDR mit diesem heftigen, tagelangen Unwetter umgegangen ist. Wie Rügen abgeschnitten war von der Außenwelt, wie im DDR-Süden es Probleme gab, die Braunkohle zu fördern und das Stromnetz in Gang zu halten.
Seit 2003 ist diese Doku dann immer wieder gezeigt worden, am Ende jedes Jahr auf’s Neue.

Zum 40. Jahrestag wurde es dann wohl mal Zeit für eine Überarbeitung und Neufassung. Am Mittwoch zeigte das mdr-Fernsehen zur Primetime die neue, 90-minütige Doku “Sechs Tage Eiszeit – Der Katastrophenwinter 1978/79”. Der prominente Sendeplatz ist durchaus gerechtfertigt, denn wer 1978 den Winter erlebte, der erinnert sich lebhaft an die Kälte und die Stromausfälle, kann Geschichten dazu erzählen.

Interessanterweise scheint die neue Recherche aus den eigenen Film von 2003 um Neuigkeiten zu ergänzen. So hieß es in der damaligen Doku, dass die DDR an Neujahr 1979 komplett stromfrei war. In der 2018er-Version ist das präzisiert worden: Denn in Wirklichkeit gab es regionale Stromabschaltungen. Tatsächlich lag beispielsweise ganz Thüringen im Dunkeln, weil große Stromknappheit herrschte. Verschiedene Regionen sind immer wieder vom Netz gegangen.
Im Gegensatz zur früheren Doku konzentrierte sich der mdr diesmal auch nicht nur auf die DDR. Sondern man zeigte auch, was rund um Kiel geschah. Wie das Unwetter zuerst auf Polen traf, und überhaupt ist mit interessanten Grafiken und Animationen gezeigt worden, was genau da eigentlich über uns passiert ist.
Diese neue Recherche zum 40. Jubiläum war deshalb gut ausgelegtes Gebührengeld.

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Katrin Weber

Montag, den 24. Dezember 2018
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SA 22.12.2018 | 22.50 Uhr | mdr-Fernsehen

So ratlos hat man Gregor Gysi vermutlich noch nie gesehen. Mit großen Augen verfolgte er das Geschehen, und ich hätte sehr viel Geld dafür gezahlt, um lesen zu können, was in ihm vorgeht. Er saß in einer mdr-Show, und die Moderatorin sang und tanzte vor ihm, lud ihr Bein auf dem Tresen ab, wo sie Gysis Bier erst mal auf dessen Hose schüttete. Und auch sonst hörte Katrin Weber lieber Katrin Weber reden und weniger Gregor Gysi.

Das Konzept ist simpel. Eine temperamentvolle Moderatorin lädt in eine kleine Bar, sie befragt Gäste, und Musik gibt’s auch.
Funktioniert sei Jahren und heißt “Inas Nacht”. Das Konzept der kleinen NDR-Show aus Hamburg ist erprobt, erfolgreich und längst Kult. Da ist es klar, wenn andere versuchen, dieses Konzept zu kopieren. Dass sie es nicht schaffen, es zu übertreffen, sollte allerdings immer klar sein.

Ein solcher Versuch ist “Katrin Weber”. Was ein bisschen klingt wie der Titel einer Ärztin-Ratgebersendung, ist eine Unterhaltungsshow im Leipziger Academixer-Keller. Am Sonnabendabend lief die erste Folge im mdr-Fernsehen.
Sie redet gern, sie plappert mit ihren Gästen und weil sie weiß, dass sie viel redet, betont sie immer wieder mal, dass sie ja total gespannt sei, ob denn ihre Gäste auch zu Wort kämen.
Das kann man nur hoffen, denn ansonsten bräuchte Katrin Weber zu “Katrin Weber” ja keine Gäste einladen. Sie ist übrigens die Stimme des Ostens, wie der mdr betont. Was erstaunlich ist, wenn ich als Ossi von Katrin Weber und ihrer Stimme noch nie was gehört habe.

Im Fall von Gregor Gysi, der der allererste Gast war, musste man als Zuschauer aber in der Tat Angst haben, dass er wieder raus geht, ohne irgendwas erzählt zu haben. Katrin Weber erzählte dagegen DDR-Witze, die sie aber eigentlich von ihren Zetteln ablas, was irgendwie unspontan wirkte. Plötzlich musste sie auch noch irgendwas zu sagen, wo man fragen musste: wozu?
Wo Ina Müller zwar auch Temperament hat und vorlaut ist, so drängt sie sich an sich doch nicht so in den Vordergrund wie Katrin Weber. Wo Ina eher was über die Gäste wissen will, liest Katrin Weber lieber Witze ab oder erzählt von sich.
Dann doch lieber das Kneipen-Original aus Hamburg.

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Zärtlichkeiten im Bus

Donnerstag, den 22. November 2018
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MI 21.11.2018 | 23.35 Uhr | mdr-Fernsehen

“Zärtlichkeiten im Bus” ist kein Softporno, der nachts bei Sport 1 zu sehen ist. Es handelt sich dabei um ein so ziemlich unentdecktes, im Nachtprogramm des jugendfreien mdr verstecktes Format, in dem eine Stunde lang mit Musikern gesprochen und gespielt und gesungen wird.
Allerdings scheinen die Macher nicht mehr ihrem eigenen Produkt zu vertrauen.

In der Sendung sind Stefan Schramm und Christoph Walther in ihren Rollen als Ines Fleiwa und Cordula Zwischenfisch in einem alten Bus unterwegs. Ein bisschen merkwürdig wirken sie schon, die beiden Männer mit den Perücken. Zu Gast haben sie Musiker. Sie quatschen, sie singen, und zwischendurch steigen sie auch mal aus.
Diesmal war Erdmöbel zu Gast. Die Band gibt es schon rund 20 Jahre. Aber entweder fanden die Macher die Folge zu dröge, die Musiker zu uncool oder einfach auch ihr eigenes Format lahm.

Denn in der neuen Folge saßen die beiden Moderatoren, äh, -innen im Schnittraum und ließen sich von einer mdr-Redakteurin, gespielt von Christine Prayon, erklären, warum ihre Sendung doof ist und was sie besser machen müssen.
Das war erstens nicht besonders lustig und machte irgendwie auch keinen guten Eindruck, weil unklar war, ob Erdmöbel so uninteressant war, dass man die Sendung irgendwie aufpimpen musste. Teilweise wurde die Band mitten im Interview oder im Lied unterbrochen – weil die Redakteurin gelangweilt war.

Wenn man zu solchen Mitteln greift, um die Sendung irgendwie, nun ja, besser machen zu wollen, dann ist das eigentliche Konzept wohl hinfällig.

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