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Generation ‘89 – Erwachsenwerden im Wendejahr

Donnerstag, den 25. Januar 2018
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SO 21.01.2018 | 23.50 Uhr | mdr-Fernsehen

Wer die Menschen im Osten verstehen möchte und rausfinden will, warum sie eventuell frustriert und enttäuscht sind von der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Lage, der muss sich nur mal mit der Wendezeit beschäftigen.
Der mdr zeigte am späten Sonntagabend die sehr spannende Doku über die “Generation ‘89 – Erwachsenwerden im Wendejahr”. Sie porträtierte Menschen, die im Herbst 1989 um die 13, 14 oder 15 Jahre alt waren. Wer diesen Leuten zuhört, wird feststellen, dass jeder anders die Wendezeit erlebt und jeder für sich andere Schlüsse draus gezogen hat.

Da ist die junge Frau, die an die DDR glaube, die in der FDJ mitmischte – und die erschüttert war, dass mit dem Mauerfall von einem Tag auf den anderen nichts mehr so war wie vorher. Die da stand und nicht wusste, woran sie nun eigentlich glauben wollte.
Da ist der Schüler, der beobachtet hat, dass die Lehrer nach der Wende plötzlich nichts mehr zu melden hatten, weil die plötzlich keine Autorität mehr waren – und dementsprechend alles durchgehen ließen.
Da ist die Frau, die im November mit den Eltern in den Westen geflohen war und am 9. November 1989 in einem Aufnahmelager die Bilder aus dem fernen Berlin vom Mauerfall sah.
Und natürlich der junge Mann, der gleich am Tag des Mauerfalls rüber nach West-Berlin reiste – und ein anderer, der am Wochenende danach gleich mal mit dem Zug nach Hamburg fuhr.

Es bringt auch die eigenen Erinnerungen wieder zurück. An eine Zeit des Umbruchs. Im Leben, in der Familie, in der Schule. In den eigenen Erinnerungen sah das alles gut aus.
Alles haben die Menschen im Osten Deutschlands etwas gemeinsam: Innerhalb eines Jahres kamen sie in einer neuen Gesellschaft an. Wiedervereinigung. Das war ein großartiges Ereignis – es hatte aber auch Schattenseiten. Die DDR wurde geschluckt – mit allem, was an ihr übel war, aber auch mit dem, was gut war. Gewohnheiten, Produkte, das Fernsehen, Konventionen – vieles war einfach nicht mehr da. Vom System, in dem es ja auch Menschen gab, die sich inklusive Ideologie wohl fühlten, ganz zu schweigen.

Fast 30 Jahre nach dem Untergang der DDR könnte man denken, die wunden seien verheult, dass Ost und West verschmolzen sind. In vielerlei Hinsicht sind sie das auch. Aber dennoch: Im Osten ist der Frust auch aktuell wieder groß. Das Gefühl, wieder kümmere sich keiner um sie. Das Gefühl, sie seien wieder auf dem absteigenden Ast. Das Gefühl, wieder werde überall gelogen.
An diesen Gefühlen ist nüchtern betrachtet vielleicht nicht immer was dran, aber man muss sie ernst nehmen.
Für solche Auseinandersetzungen ist diese Doku des mdr ein guter Einstieg.

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Frank Schöbel – Die Jubiläumsgala

Dienstag, den 19. Dezember 2017
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SA 16.12.2017 | 20.15 Uhr | mdr-Fernsehen

Lustige Sache. Eigentlich dachte ich ja, dass der mdr am Sonnabend Frank Schöbels 75. Geburtstag gefeiert hat. Und für seine 75 sieht er auch noch extrem gut aus. In Wirklichkeit aber spielte dieser Geburtstag in der Jubiläumsgala aus Berlin gar keine Rolle. Stattdessen ist ausgiebigst sein 55. Bühnenjubiläum gegangen worden, obwohl ja die 55 eher mit Ach und Krach ein Galagrund ist.
Dass sich aber Schöbel durch eine derart lahme und erschreckend unlustige Show quälen musste, das war dann schon nicht mehr lustig, sondern eher traurig.

Aber immerhin lebte das DDR-Fernsehen für 145 Minuten noch mal auf. Denn die mdr-Show war nicht nur eine Schöbel-Gala, sondern auch eine Rückschau auf die DDR-Fernsehunterhaltung. Und so durften heute kaum noch bekannte Oststars zu 40 bis 50 Jahre alten Playbacks auf die Bühne, um noch einmal ihre Lippen dazu bewegen zu dürfen.
So schön es für die Leute ist, noch mal ins Rampenlicht zu können. So schön es für die damaligen Zuschauer ist, diese Stars noch mal sehen zu können – es wirkt immer fad, wenn die Musik auf dem Band so explizit nicht mehr zum Bild passen will.

Aber mit Live-Musik hatte Frank Schöbel am Sonnabend sowieso eher wenig am Hut, alle seine Gesangskünste kamen vom Band. Und selbst die sind mitunter schlimm verhunzt worden. Ausgerechnet zum schönen Schlager “Gold in deinen Augen” musste Komiker Paul Pauls mit auf die Bühne, der als dümmlicher Polizist in das Lied reinquatschte. Unlustig, unpassend, einfach doof.
Aber in Sachen Timing und gute Humorsetzung scheint man beim mdr manchmal sowieso irgendwo in den 80ern stehengeblieben zu sein.

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Goldene Henne 2017

Dienstag, den 17. Oktober 2017
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FR 13.10.2017 | 20.15 Uhr | mdr-Fernsehen

Kinder sind ja so unberechenbar. Sie machen einfach nicht das, was sie machen sollen. Oder sie machen das, was sie machen sollen, zu spät. Am Freitagabend war der mdr-Kinderchor zu Gast bei der “Goldenen Henne 2017″ in Leipzig. Sie sangen gemeinsam mit Karel Gott ein herziges Lied.
Aber in der Regie muss man wahnsinnig geworden sein. Aber vielleicht ist es auch nicht die allerbeste Idee, noch relativ junge Kinder zum Playback die Lippen bewegen zu lassen.

So kam es, dass die Kinder die Lippen bewegten, als sie gar keinen Text hatten – und das in Großaufnahme. Schnitt auf Karel Gott, der ja immer was zu playbacken hatte. Wieder Schnitt auf die Kinder. Diesmal blieben die Lippen aufeinander, obwohl sie einen Einsatz hatten.
Da war der Moment, wo die Regie entschied, die Kinder gar nicht mehr in Großaufnahme zu zeigen. Stattdessen zeigte man vermehrt das Publikum, in dem viele verzückte Damen saßen.

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Gefragt – Gejagt

Donnerstag, den 13. Juli 2017
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MO 10.07.2017 | 16.15 Uhr | rbb

Es ist immer wieder ein Jammer. Hat eine Sendung viele Zuschauer, dann neigen die Senderverantwortlichen in ihrer verzweifelten Einfallslosigkeit dazu, das Format bis zum Letzten auszuquetschen und immer und immer wieder auf diversen Sendeplätzen zu verheizen.

Am Montagnachmittag begrüßte Alexander Bommes im rbb wieder mal seine Kandidaten im Quiz “Gefragt – Gejagt”. Er machte das auch schon vier Stunden zuvor im rbb. Aber nicht nur dort: Gleichzeitig (!) zur Ausstrahlung im rbb zeigte auch Das Erste eine Folge der Show. Und auch im Ersten war es bereits die zweite Sendung, denn um 11.15 Uhr lief schon mal eine.
Und dann immer noch nicht genug: Der NDR zeigte am Montag ab 22 Uhr gleich zwei Folgen. Im BR-Fernsehen war eine um 14.40 Uhr zu sehen. Das SWR-Fernsehen hatte um 23.30 Uhr eine Folge parat. Im hr-Fernsehen musste man immerhin bis 1.40 Uhr warten. Dafür zeigte das mdr-Fernsehen schon um 8.30 Uhr zwei Folgen am Stück.

Wenn man möchte, dass sich die Zuschauer an einem Format sattsehen soll, dann muss man es so machen wie die ARD: “Gefragt – Gejagt” rauf- und runtersenden.

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exakt – Die Story: Nur für Erwachsene – Erfolgsmodell kinderfreie Zone

Freitag, den 10. Februar 2017
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MI 08.02.2017 | 20.45 Uhr | mdr-Fernsehen

Neues aus der Welt der großen Empörung. Ein Hotel, in dem Kinder unter 14 nicht erwünscht sind.
Buuuuh, rufen da viele Eltern! Unverschämtheit, schreien sie.
Aber die andere Seite: Genau dieses Hotel in Oberwiesenthal boomt. Und der Knaller: Da kommen auch Eltern hin, aber eben ohne ihre Kinder. Weil sie auch mal Ruhe haben wollen.

Über diesen neuen Trend berichtete das mdr-Fernsehen am Mittwochabend in der Doku “Nur für Erwachsene – Erfolgsmodell kinderfreie
Zone”. Denn die Empörung ist zwar groß, der Erfolg solcher Einrichtungen aber auch.
Dabei sind solche Special-Interest-Orte ja nichts Besonderes: Es gibt Familienhotels, eben auch die ohne Kinder, es gibt Seniorenfahrten, es gibt schwule Bootstouren, es gibt so viele verschiedene Dinge für verschiedene Zielgruppen. Jede hat eine Berechtigung, und jeder hat Ausweichmöglichkeiten.

Aber die Doku zeigte beide Seiten der Medaillen. So gibt es nun auch Wohngegenden, in denen nur Senioren wohnen dürfen. Wer dort wohnt, ist alt, und merkt das auch sehr schnell. Eine Durchmischung der Generationen wäre dort vermutlich besser. Weil es dort eben nicht nur um zeitlich eingeschränkte Events geht, sondern um den Alltag, der Abwechslung braucht, der das Zusammenspiel der Generationen benötigt.

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Lebensretter / Hauptsache gesund

Freitag, den 3. Juni 2016
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DO 02.06.2016 | 20.15 Uhr | mdr-Fernsehen

Die Leute beim mdr haben eine absolute Horrorvorstellung: Nämlich, dass die Zuschauer abschalten können. Dass eine Sendung zu Ende geht und die Leute den Sender wechseln, um zu schauen, was sonst noch so los ist.
Aber beim mdr hat man eine Methode gefunden, das zu verhindern: Man verknüpft zwei Sendungen so miteinander, dass der Zuschauer gar nicht merkt, dass eine zu Ende geht und eine andere beginnt.

Am Donnerstag zum Beispiel: In der Sendung “Lebensretter” ging es um Bombenentschärfungen, um entsprechende Evakuierungen und mehr. Gegen 21 Uhr sagte Moderator Sven Voss dann einen Beitrag an, wie denn eine Evakuierung im Krankenhaus vonstatten geht. Während seiner Moderation erschien der mdr-Copyright-Schriftzug. Als der Klinik-Beitrag dann begann, verschwand das “Lebensretter”-Logo, plötzlich war irgendein anderes Zeichen zu sehen.
Unbemerkt vom Zuschauer begann an der Stelle – mit diesem Beitrag – nämlich eine neue Sendung. Und damit dem doofen Zuschauer das auch später nicht besonders auffällt, tauchte nach dem Bericht zwar ein neuer Moderator auf. Aber er begrüßte weder die Leute, noch erklärte er, dass man sich nun nicht mehr bei “Lebensretter” befindet, sondern bei “Hauptsache gesund”. Er war einfach und moderierte weiter.

Wer also eher unaufmerksam hinschaute, wird dieser Wechsel kaum aufgefallen sein. Das ist der perfekte Audience-Flow. Respekt an den mdr!

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Sport im Osten extra: Die Party zum Aufstieg von RB Leipzig

Dienstag, den 17. Mai 2016
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MO 16.05.2016 | 16.00 Uhr | mdr-Fernsehen

“Wir sind eins!”, lautet der Spruch von RB Leipzig und seinen Fans. Red Bull Rasenballsport Leipzig hat den Sprung in die 1. Fußball-Bundesliga geschafft. Der mdr übertrug am Pfingstmontagnachmittag live die Aufstiegsfeier.
Beim Spruch “Wir sind eins!” scheint aber ein wichtiges Wort vergessen worden zu sein: “nur”. “Nur wir sind eins!” heißt wohl der wahre Spruch der RB-Leipzig-Fans.

Die Band Silly hatte einen Auftritt während der Show, und der sorgte für einen Eklat. Die Band hatte nämlich Trikots anderer ostdeutschen Fußballvereine übergezogen, von Berlin, Dresden, Rostock und Magdeburg. Dafür gab es laute Buh-Rufe von den 20.000 Leuten vor der Bühne.
In vielen Berichten hieß es, das Konzert sei abgebrochen worden. Das ist nicht so, Silly spielte einen Song (alle Bands spielten nur einen Song) und ging – unter dem Gebrüll der Leipziger.
Okay, das war keine Aktion, die großes Gespür bei den Musikern bewies. Frontfrau Anna Loos sagte später, der mdr habe ihnen gesagt, es handele sich um eine ostdeutsche Fußballparty und nicht speziell eine, die sich um den RB Leipzig drehe. Das ist natürlich eine ganz miese Ausrede und wenig glaubhaft. Denn vor Ort hätte man ganz fix feststellen können, auf welchem Event man sich denn befinde. War die Aktion nicht vielleicht eher ein Protest gegen den RB Leipzig, der deutschlandweit als recht unbeliebt gilt? Wenn das so ist, dann hätten die Sillys wenigstens den Arsch in der Hose haben können, das auch so zu sagen.

Andererseits: Warum können sich Fans von RB Leipzig nicht auch mit den anderen ostdeutschen Vereinen freuen, die auch Erfolge feiern? Immerhin sind das in der 1. Liga nicht mal Konkurrenten. Können Leipziger nicht gönnen? Sind eben auch nur engstirnige Egoisten. Höchst unsympathisch und alles andere als “Wir sind eins!”.

Red Bull hat von den vergangenen sieben Jahren viel Kohle in den Verein gesteckt, und das Ding ist geglückt und nun schon in Liga 1. Das sorgt für Unmut bei vielen Fans. Dabei regiert in der Liga doch eh nur das Geld. Was wären die Bayern ohne die Milliarden? Stadien heißen wie ihre Sponsoren, Spieler kommen kaum noch aus der Region des Vereins. das scheint kaum jemanden zu stören, bei RB Leipzig ist das anders. Dabei kann man noch so viel Kohle in eine Mannschaft stecken – die Spieler müssen dennoch erst mal gewinnen, um Erfolg zu haben. Das ist in Leipzig gelungen. Und man kann von RB Leipzig halten, was man will: Für den Osten ist der Bundesliga-Aufstieg eine gute Sache. Auch wenn mir die Hertha natürlich trotzdem näher steht. Auch rein geografisch…