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Ein Kessel Buntes – XXL Spezial

Sonntag, den 10. April 2022
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SA 09.04.2022 | 20.15 Uhr | mdr-Fernsehen

Manchmal hat man den Eindruck, dass sich ARD und ZDF gegenseitig die Augen auskratzen und sich keinen Zuschauer gönnen lassen wollen. Anders ist die Kampfprogrammierung am Sonnabend nicht zu erklären. Wohlgemerkt: Hier traten nicht Das Erste gegen das ZDF an, das wäre zu auffällig gewesen. Hier war es der mdr, der dem ZDF ordentlich Konkurrenz machen wollte.

Im ZDF lief am Sonnabend live die neueste Ausgabe der “Giovanni Zarrella Show”, eine Musiksendung, die vor allem die älteren Zuschauer anspricht. Eine Mischung aus Schlager und ein bisschen Pop – mit den üblichen Verdächtigen von Roland Kaiser über Marianne Rosenberg und Andrea Berg.
Der mdr setzte am Sonnabend eine “XXL Spezial”-Ausgabe von “Ein Kessel Buntes” dagegen. Auch das ist eine Musikshow, die sich schon allein wegen der DDR-Nostalgie an ein älteres Publikum richtet. Und weil die Zarrella-Show im ZDF gute drei Stunden dauert, programmierte man beim mdr den “Kessel” außergewöhnlicherweise gleich mehr als drei Stunden lang.

Und damit aber nicht genug: Der SWR mischte auch mit und sendete um 20.15 Uhr “Das Beste vom Schlager-Spaß”. Das war zwar – ähnlich wie im mdr – nur ein billiger Zusammenschnitt von schon ausgestrahlten Sendungen. Aber auch hier ging es darum, die Zielgruppe gegeneinander auszuspielen.

So sehr ich die Öffentlich-Rechtlichen schätze – aber diese Art von Kampfprogrammierung sollte nun wirklich vermieden werden.

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Legenden: Rosenstolz

Montag, den 27. Dezember 2021
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SO 26.12.2021 | 21.50 Uhr | mdr-Fernsehen

Ich geh auf Glas.
Schlampenfieber.
Die Schlampen sind müde.
Herzensschöner.
Das sind Songs, die zwischen 1992 und 1998 veröffentlich worden sind. Songs voller Poesie, voller Liebe und Tragik. Lieder, die unter die Haut gehen, und Lieder die an die Jugend erinnern.
Rosenstolz war ein wichtiger Bestandteil dieser Jugend. Lange her.

Der mdr erinnerte am 2. Weihnachtsfeiertag an die Band Rosenstolz. An die Band, dessen Konzert im Berliner Tempodrom (damals noch am anderen Standort) mein erstes war, das ich ohne Eltern und mit Freunden besucht habe. Wenn man diese Songs lange nicht gehört hat, dann kommt bei den Erinnerungen Gänsehaut auf. Und man fragt sich, warum das eigentlich alles zerbrochen ist.

In der Reihe “Legenden” zeichnete der mdr die Karriere von Anna R. und Peter Plate nach, die zunächst einige Jahre um die Aufmerksamkeit kämpfen mussten, die sie verdient hatten. Erst nach und nach stellten sich kleinere Erfolge ein, und der Durchbruch kam 1998, als Rosenstolz beim deutschen Vorentscheid für den Eurovision Song Contest teilnahm und sich nur Guildo Horn geschlagen geben musste. Es folgten Auftritte in der ZDF-Hitparade, und die Touren wurden immer größer.

Das alles noch mal vor Augen geführt zu bekommen, ist extrem interessant. Denn erstaunlicherweise ist die Band-Geschichte von Rosenstolz so umfassend noch nie erzählt worden. In der ARD-Mediathek gibt es eine noch etwas längere Fassung der Doku.

Aber warum trennte sich Rosenstolz eigentlich? Lange dachte ich, dass Anna R. die Band gesprengt und verlassen hatte. Aber die Doku erzählt auch davon, wie der Erfolg Peter Plate am Ende auch krank machte. Irgendwann brach er psychisch und körperlich zusammen – nichts ging mehr.
Als Anna und Peter später noch mal für ein Album zusammenkamen, da merkte insbesondere Anna, dass es nicht mehr dasselbe war, und beide beschlossen, das Projekt auf Eis zu legen. Vielleicht gibt es ja im Alter noch ein Comeback.
Zum ersten Mal wurde diese Geschichte in einer Doku so ausführlich dargestellt, und das war gut so, denn sie stellte einiges richtig, beendete so manche falsche Legende.

Heute ist Peter Plate ein überaus erfolgreicher Songschreiber – für andere Musiker, Filme und Musicals. Anna R. hat es schwerer, die singt zwar gerade bei Silly, aber ihre Stimme ist so prägnant, so Rosenstolz, dass alles, was sie macht, daran erinnert. Was einerseits gut ist, andererseits es aber für Fans schwierig macht, sich neuem zu öffnen.

Die “Legenden”-Doku ist auch deshalb so sehenswert, weil man nach mehr als 20 Jahren noch mal einen musikalischen Blick in die eigene Vergangenheit werfen kann. Wo man allerdings auch entsetzt feststellt, wie lange das alles schon her ist…

-> Die Doku (in der Serien-Version) in der ARD-Mediathek (bis 8. Dezember 2022)

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Die Ross Antony Show

Montag, den 1. November 2021
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SA 30.10.2021 | 20.15 Uhr | mdr-Fernsehen

Immer wieder gibt es Kritik daran, dass sich ARD und ZDF mit ähnlichen Programmkonzepten Konkurrenz machen. Jetzt aber macht sich die ARD schon selbst Konkurrenz. Und das auch noch in einem Segment, in dem Konkurrenz vollkommen unnötig ist.
Am Sonnabend liefen zur besten Sendezeit im mdr und im SWR Schlagershows.

Während das mdr-Fernsehen am Sonnabend eine weitere Ausgabe der “Ross Antony Show” auf Sendung schickte, lief im SWR-Fernsehen zeitgleich “SWR Schlager – Die Show”.
Wäre das vor 30 Jahren vielleicht noch nicht so dramatisch gewesen, als die Dritten Programme noch nicht flächendeckend empfangbar waren, kann man heute im Sendegebiet des SWR auch den mdr empfangen. Was die einzelnen Sendeanstalten nicht daran hindert, zeitgleich ähnliche Shows anzubieten.
Freitagabends ist das seit vielen Jahren schon normal, fast jedes Dritte braucht da ganz dringend eine eigene Talkshow, man macht sich mit den Plauderrunden selbst Konkurrenz. Jetzt auch noch mit dem Schlager.
Jede der Show hatte etwa 1 Million Zuschauer. Das hätte sicher anders ausgesehen, wenn die Programmplanung besser gewesen wäre.

Übrigens scheint das Publikum in der Show mit Ross Antony zeitweise nicht wirklich Interesse am Geschehen im Studio gehabt zu haben. Denn während einiger Interviews – zum Beispiel mit Matze Knop – herrschte im Saal ein dermaßen lautes Stimmengewirr, dass man dem Gespräch kaum folgen konnte. Wie laut muss da bloß in Wirklichkeit gewesen sein?

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Hoyerswerda ’91 – Eine Stadt, die Gewalt und ihre Aufarbeitung

Donnerstag, den 23. September 2021
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DI 21.09.2021 | 22.10 Uhr | mdr-Fernsehen

Hoyerswerda im Jahre 1991.
Tagelang belagern Neonazis und, wie sie sagen, normalen Bürger, einen Wohnblock, in dem Flüchtlinge leben. Sie beschmeißen das Haus, werfen Fenster ein, werfen Brandsätze. Pogromstimmung.
Neonazis fahren in der Stadt herum und bezeichnen sich als die zweite Polizei. Der Mann von der ersten, also richtigen Polizei nimmt das schulterzuckend hin.
Neonazis und ihre Anhänger werfen Brandsätze auf ein Flüchtlingsheim, zeigen den Hitlergruß und sein gewalttätig, und der sächsische Innenminister spricht davon, dass die Polizei wenig tun könne, man müsse stattdessen reden.
Ein junger Mann sagt, die Ausländer würden das Geld in den Arsch geschoben bekommen.
Ein anderer will ein ausländerfreies Hoyerswerda und Deutschland.
Ein anderer sagt, dass die Ausländer “Viecher” seien.
Eine Oma sagt zu den Anschlägen auf das Flüchtlingsheim: “Jeder, wie er es verdient.”
Die Ausländer sollen raus, sagt eine junge Frau live im ARD-“Brennpunkt” aus Hoyerswerda.
Die, die festgenommen wurde – es waren nicht viele – bekamen Bewährungsstrafen und mussten gemeinnützige Arbeit leisten.
Hoyerswerda im Jahre 1991.

30 Jahre danach befasst sich eine Doku des mdr mit den damaligen Ereignissen. “Hoyerswerda ’91 – Eine Stadt, die Gewalt und ihre Aufarbeitung”, hieß der Film, der am Dienstagabend zu sehen war.
Anhand der damaligen Fernsehbilder sowie durch Fotos einen lokalen Fotografen, durch Erzählungen von Anwohnern und Betroffenen, konnten diese Tage rekonstruiert werden.
Es sind Tage des Grauens, des Schams, der Schande.
Und durch nichts zu entschuldigen.

Ja, es lief nach der Wende in dieser Region sehr schlecht. Die Wirtschaft war am Boden, die Menschen desillusioniert. Die Wut machte sich breit, und die Wut fand einen Adressaten. Auf perfide, eklige Weise.
Heute, 2021, schauen die allermeisten Menschen in Hoyerswerda reflektiert auf die damaligen Ereignisse. Es gibt Willkommensinitiativen und Veranstaltungen, die sich mit 1991 auseinandersetzen.
Die Erinnerungen an damals müssen erhalten bleiben. Damit es so nie wieder passiert.

-> Die Doku in der ARD-Mediathek (bis 21. September 2022)

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Lebensläufe: Herbert Köfer – Spielen ist mein Leben

Sonntag, den 1. August 2021
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DO 29.07.2021 | 23.25 Uhr | mdr-Fernsehen

Erst am 17. Februar hat Herbert Köfer die 100 vollgemacht. Der Schauspieler ist ein Jahrhundertmensch gewesen. Am Sonnabend ist er für immer eingeschlafen.

Und genau wie der 100. Geburtstag ist auch der Tod von Herbert Köfer fast nur im Osten Deutschlands wirklich ein Thema gewesen. In der Hinsicht ist das Land noch immer nicht zusammengewachsen.
Zwar bekam Köfer am Montag einen Nachruf in der Tagesschau – mehr war aber bundesweit im Ersten dann doch nicht drin. Während andere verdiente Schauspielerinnen und Schauspieler oder anderweitige Promis gern mal eine 15-minütige Nachruf-Doku bekommen – gerade erst im Fall von Alfred Biolek -, scheint das für Oststars nicht zu gelten. Oststars hat gefälligst der Osten zu würdigen. Der Westen würdigt keine Oststars.

Dabei ist die Wiedervereinigung 30 Jahre her, und Herbert Köfer hat auch in Gesamtdeutschland viele Rollen gespielt. Aber natürlich hatte er seine große Zeit noch in der DDR. Er war dabei, als der DFF gegründet worden ist und war auch dabei, als er 1991 abgewickelt wurde.
Aber bis heute will man offenbar die DDR-Geschichte in Gesamtdeutschland nicht als Teil der eigenen Geschichte wahrnehmen. So war es der mdr, der am Montag Köfer einen ganzen Abend widmete, ebenso der rbb. Und auch in den Tagen danach sendete der mdr Filme und Doku über den Schauspieler. Am Donnerstagabend schob der Sender noch den Film “Herbert Köfer – Spielen ist mein Leben” nach.
Der Osten blieb in der Trauer unter sich.

-> Die Doku in der ARD-Mediathek (bis 28. August 2021)

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Die Gartenparty der Stars

Dienstag, den 15. Juni 2021
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SA 12.06.2021 | 20.15 Uhr | ORF2

Das haben die Menschen wirklich vermisst. Endlich mal wieder an einer Fernsehshow teilnehmen, im Publikum rumsitzen. Und das Open-Air. Endlich wieder frieren, weil man sich stundenlang den Hintern dort absitzen muss. Und dazu der schöne Wind. Und ganz herrlich aus der Regen, der wie aus Eimern von oben kommt.

Sagen wir mal so: Es lief schon mal besser für Fernsehpublikum beim ORF. Dabei haben sie sich eigentlich sehr gefreut – also die Fernsehmacher. Denn am Sonnabendabend übertrug ORF2 live “Die Gartenparty der Stars”. In Deutschland war der mdr zugeschaltet.
Es wirkte ein bisschen wie der ZDF-Fernsehgarten, es gab eine Bühne auf einer hübschen Wiese, das Publikum saß leicht erhöht gegenüber, und eine Art Spielfläche gab es auch. Es handelte sich aber um die Kittenberger Erlebnisgärten in Niederösterreich. Das Erlebnis lag allerdings nur darin, dass die Menschen im Regen ausharren mussten, um dieser aufregenden Sendung zu folgen. Sie begann Immerhin verteilten die ORF-Leute etwas zum überziehen, wo dann der Regen richtig schön draufprasseln konnte.
Vermutlich haben sich die Leute im Erlebnisgarten den nächsten Lockdown hergewünscht.

-> Die Sendung in der ORF-TVThek (bis 19. Juni 2021)

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Johann Sebastian Bach: Johannespassion BWV 245

Montag, den 5. April 2021
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FR 02.04.2021 | 0.00 Uhr (Sa.) | mdr-Fernsehen

Die oft am Karfreitag im Fernsehen ausgestrahlte Johannespassion von Johann Sebastian Bach gehört zu den klassischen Werken, das ich in vergangene Zeit mit am meisten gehört (und gesehen) habe. Es ist ein in weiten Teilen beeindruckendes Stück Musikkunst.
Aber erstaunlich ist auch, wie unterschiedlich die vielen Ensembles das Stück rüberbringen und welche unterschiedlichen Wirkungen es haben kann.

Viele Jahre zeigte der mdr am Freitag den Auftritt des Leipziger Thomanerchores. Der riesige Knabenchor sang, das Leipziger Gewandhausorchester spielte. Das Konzert fand auch 2021 statt, wurde aber nur im Internet übertragen. Der mdr zeigte stattdessen – warum auch immer – eine Konzertaufzeichnung mit dem Chor des Bayerischen Rundfunks.
Zwischen den beiden Chören liegen Welten. Das liegt nicht nur an den interessanteren Stimmen der Thomaner, bei ihnen kann man den Texten, die sie singen, auch ein wenig besser folgen als beim BR-Chor. Es kommt auch immer auf das Erscheinungsbild an. Einer der Solosänger am Freitag im mdr stand in einem ziemlich labbrigen Pullover rum, und man fragt sich, ob der vielleicht erst fünf Minuten vor dem Konzert davon erfahren hat, dass er keinen Urlaub hat.
Einheitliche Uniformen sind zwar immer Geschmackssache, aber bei den Thomanern machen die Klamotten natürlich im Ganzen was her.
Vielleicht greift der mdr ja im kommenden Jahr wieder auf die Künstler im eigenen Sendegebiet zurück.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 2. Mai 2021)

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