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MDR Zeitreise: Wir sahen Ost – DDR-Fernsehen zwischen Kult und Kommunismus

Dienstag, den 1. Oktober 2019
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SO 29.09.2019 | 22.25 Uhr | mdr-Fernsehen

In diesem Jahr feiern wir den 30. Jahrestag des Mauerfalls, und deshalb laufen im Fernsehen momentan auch immer wieder Dokumentationen über die Wende und die DDR.
“Wir sahen Ost – DDR-Fernsehen zwischen Kult und Kommunismus” hieß am Sonntagabend eine Doku in der Reihe der “MDR Zeitreise”.

Da möchte man ja meinen, dass man beim mdr vernünftig recherchieren kann. Hat in einigen Fällen leider nicht so gut funktioniert.
So wurde behauptet, dass es 1969, dem Jahr in dem das 2. Programm des DDR-Fernsehens startete, in der Bundesrepublik auch nur zwei Programme gegeben habe. Dabei waren zu dieser Zeit dort auch schon die Dritten Programme auf Sendung.

Im Rückblick wurde auch die Doku erwähnt, bei der ein Team des Jugendmagazins “Elf 99” in der Wandlitzer Waldsiedlung war. Behauptet worden ist, dass sie im September 1989 gesendet worden ist. Dabei lief sie erst im November. Im September war das Fernsehen der DDR noch ziemlich auf dem SED-Kurs, die Medienwende begann erst im Oktober mit dem Sturz Honeckers, und die Wandlitz-Doku war erst nach dem Mauerfall im November möglich.

Auch scheint man beim mdr nicht die richtige Lust zu haben, sich in die Archive zu begeben. So war immer mal wieder im Hintergrund das alte Testbild des DDR-Fernsehens zu sehen.
Nur leider handelte es sich dabei um ein “nachgebautes” Testbild, das man auf Youtube sehen kann. Dort hat jemand so ein Testbild in der schärferen Fernsehnorm online gestellt – es sieht allerdings im Detail ein wenig anders aus. Überhaupt hat man immer öfter das Gefühl, dass sich die Fernsehmacher eher auf Youtube bedienen, als in die eigenen Archive zu gehen. So schien es, dass auch viele DDR-Fernsehausschnitte in der mdr-Doku eigentlich von Youtube stammten.
Andererseits ist das natürlich legitim: Wenn Fremdnutzer schon Fremdmaterial ins Internet stellen, dann kann sich ja auch der eigentliche Materialbesitzer daran bedienen. Im Fall des Youtube-Testbildes fiel es dann aber doch auf.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 28. September 2020)

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Grüne Hochzeit

Freitag, den 20. September 2019
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MO 16.09.2019 | 23.05 Uhr | mdr-Fernsehen

Susanne und Robert verlieben sich, sie werden ein Paar. Als sie schwanger ist, beschließen sie, zu heiraten. Das ist nicht ganz einfach, denn Robert ist 18, Susanne ist 17. Aber sie können sich durchsetzen, und sie heiraten tatsächlich. Sie richten sich eine Wohnung ein, es ist die große Liebe. Es sind Zwillinge. Erst ist Robert geschockt, dann beginnt das Paar, sich um die Kleinen zu kümmern. Das ist nicht immer einfach, oft zermürbend. Und irgendwann geht es los: Susanne und Robert zoffen sich, sie haben sich nur noch wenig zu sagen, und Robert lernt eines Tages eine andere kennen. Ist die junge Ehe noch zu retten?

Der mdr zeigte am Montagabend “Grüne Hochzeit”, gedreht 1988 in der DDR, im Mai 1989 hatte er seine Premiere im Kino. “Grüne Hochzeit” gehört auch 30 Jahre danach noch immer zu den sehr sehenswerten DDR-Spielfilmen.
Ziemlich ideologiefrei und erstaunlich offen erzählt der Film die Geschichte eines Paares. Davon, wie sie kämpfen müssen. Wie sie mit ihren beiden Kindern erstaunlich alleine gelassen werden. Es geht um Schwarzarbeit, wie sie in der DDR immer wieder üblich war, aber eher selten in Filmen thematisiert worden ist. Und ums Fremdgehen und um Freiheit, wobei man sich als Zuschauer nie sicher ist, auf wessen Seite man eigentlich stehen soll.

Anja Kling spielte Susanne, und heute weiß man, dass sie bis heute eine vielbeschäftigte Schauspielerin ist. Marc Lubosch spielte Robert, er ist heute nicht mehr als Schauspieler tätig. Das fällt übrigens oft auf in DDR-Filmen – dass junge Leute auf tolle Weise eine Hauptrolle verkörpert haben, später aber nie mehr im Film auftauchten. Lubosch spielte wohl ab und zu noch kleinere Sachen, arbeitet jetzt aber hinter den Kulissen.

“Grüne Hochzeit” ist 31 Jahre alt, aber eigentlich ist er immer noch aktuell. Sehenswert ist er, weil er auch 2019 noch erstaunlich modern wirkt.

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Die Schlager des Sommers

Sonntag, den 11. August 2019
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SA 10.08.2019 | 20.15 Uhr | mdr-Fernsehen

Als Ute Freudenberg ihre “Jugendliebe” schmetterte, da schüttete es ordentlich. Man sah es in den Lichtstreifen der Scheinwerfer. “Die Schlager des Sommers” im mdr standen unter keinem so guten Stern. Das Wasserschloss Klaffenbach bei Chemnitz machten seinem Namen alle Ehre – das Wasser kam auch von oben.
Es schüttete so doll, und später kam noch ein ordentliches Gewitter hinzu, dass die Show unterbrochen werden musste. Mehr als eine Stunde muss musste Florian Silbereisen pausieren, das Publikum musste den Schlosshof verlassen.

Im mdr hat man am Sonnabendabend von alldem nichts gesehen. Auffallend war nur, dass es von einer Minute auf die andere plötzlich dunkel war – das lag nicht am Auftritt der Amigos, sondern daran, dass davor die lange Pause war.

Die Show jedoch war eine Aufzeichnung, und der mdr entschied offenbar, den Zuschauer die Wetterkatastrophe nicht zumuten zu wollen.
Als neulich im ZDF der “Fernsehgarten” wegen Gewitters geräumt werden musste, da ging das live über den Sender, beim ZDF musste man improvisieren. In der Aufzeichnung der mdr-Show musste sich keiner die Mühe machen, da irgendwas zu improvisieren. Dabei hätte dieser außergewöhnliche Moment diese Show interessanter gemacht und sicherlich aufgewertet. Zuschauer finden so was aufregend. Dass der mdr diese Pause so komplett unterschlagen hat, ist durchaus merkwürdig.

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Kaisermania 2019

Sonntag, den 4. August 2019
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SA 03.08.2019 | 20.15 Uhr | mdr-Fernsehen

Wann hört eigentlich die dämliche Unsitte auf, dass am Ende von Konzerten um Zugaben gebettelt werden muss, die sowieso im Ablaufplan stehen?
Zu sehen war das auch wieder am Sonnabendabend bei der “Kaisermania 2019” im mdr. Die Live-Übertragung aus Dresden war bis 22.50 Uhr geplant, und um 22.27 Uhr verschwanden Roland Kaiser und seine Band von der Bühne. Dann: “Zugabe, Zugabe”, und um 22.29 Uhr konnte das Konzert weitergehen.

Davon abgesehen: Die Kaisermania war auch 2019 sehens- und meistens auch hörenswert. Roland Kaiser hat bei weitem an diesem Abend nicht jeden Ton getroffen. Aber andererseits: Mehr als zweieinhalb Stunden sang der live. Und wirklich live. Das ist heutzutage bei Fernsehübertragungen eine echte Seltenheit, und deshalb sind kleine gesangliche Fehler sehr verzeihlich.

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ZDF-Fernsehgarten: Mallorca-Party

Dienstag, den 30. Juli 2019
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SO 28.07.2019 | 11.40 Uhr | ZDF

Das Schöne am echten Live-Fernsehen ist, dass man Dinge nicht immer so ganz beeinflussen kann. Und tritt eine Sondersituation ein, dann macht man das Beste draus – auch wenn es chaotisch wirkt.
Nach 2011 erlebte der “ZDF-Fernsehgarten” sein zweites schweres Gewitter. Aber während man damals die Sendung trotz heftigem Regens und Blitzen weiter durchzog – es herrschtes geordnetes Chaos, weil Andrea Kiewel die Zuschauer von draußen auf die Bühne holte -, kam diesmal alles anders.

Die jährliche Mallorca-Party begann bei gutem Wetter. Aber an diesem Sonntagmittag zog sich über dem Mainzer Lerchenberg der Himmel zu, und bald ging heftiger Regen nieder. Andrea Kiewel wollte gerade den nächsten auftritt ansagen, da meldete sich die Regie. Man müsse die Live-Show wegen einer Gewitterwarnung abbrechen.

Und das live, und das gut 40 Minuten vor Sendungsende. Also blieb man live drauf und zog mit den Gästen in ein Havarie-Studio. Wir waren dabei, wie sie sich dort einrichteten, Kiwi nach einem Espresso fragte und Jürgen Milski wissen wollte, ob das jetzt wirklich alles live zu sehen war.
Plötzlich gab es ein durch spannendes Gespräch wie denn das so ist als Mallorca-Sänger und darüber, dass ja das Image des “ZDF-Fernsehgartens” total falsch sei, dass auch viele Jüngere zusehen würden.
Zwischendurch schmiss man ein Playback an, und die Stars taten, als würden sie singen.

Das war irgendwie peinlich, aber andererseits auch eine Sternstunde des Live-Fernsehens. Niemand wusste genau, was jetzt kommt, hauptsache irgendwas passiert. Und wenn das Playback zu früh beginnt und Jürgens Band noch gar nicht im Raum ist – scheißegal. Ein Hoch auf die Improvisation!

Neulich zeichnete der mdr in Chemnitz “Die Schlager des Sommers” auf. Auch dort gab es ein Unwetter, und die Show musste abgebrochen werden. Allerdings während der Aufzeichnung. Der Zwischenfall wird dann sicher rausgeschnitten, wenn die Show am 10. August zu sehen ist – Impro gibt es nur live!

-> Die Sendung in der ZDF-Mediathek.

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Alfons Zitterbacke

Samstag, den 4. Mai 2019
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MI 01.05.2019 | 9.40 Uhr | mdr-Fernsehen

Es gibt Mythen und Kults, bei denen man sich fragt, wieso die das eigentlich sind. Gerade läuft in den Kinos die Neuverfilmung von “Alfons Zitterbacke” nach den bekannten DDR-Jugendbüchern. Diese 2019er-Version wird gerne mit dem Film von 1966 verglichen. Damals hat die DEFA das Buch schon mal verfilmt.
Am Maifeiertag zeigte das mdr-Fernsehen am Vormittag die frühe “Alfons Zitterbacke”-Version. Und wer sich die angesehen hat, der wird merken: Nicht alles war früher besser.

Während sich die Macher 2019 noch eine Geschichte um die einzelnen Storys um Alfons ausgedacht haben, war der Film von 1966 eine relativ stupide Abfolge von Kurzgeschichten. Er hat nicht mal eine richtige Einführung. Er beginnt damit, dass Alfons und seine Freundin auf einem Rummel spielen und in der Geisterbahn für Stress sorgen. Es gibt aber wie im neuen Film auch schon die Sprungturm-Geschichte, bei der Alfons bei “Köpper” gezeigt bekommt und natürlich diverse Schulgeschichten.
Aber alles viel biederer, fast schon dröge erzählt. Der Film kommt fast ohne zusätzliche Musiken aus, die Inszenierung erscheint simpel.
1966 war das vermutlich dennoch ein großes Ding. 2019 ist das leider nur noch ein laues Lüftchen, und umso mehr kann man sich über die tolle Neuverfilmung freuen.

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Brisant: Wie verlässlich sind Pränataltests?

Samstag, den 4. Mai 2019
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DI 30.04.2019 | 18.10 Uhr | mdr-Fernsehen

Die Debatte um Pränataltests ist wichtig. Dabei geht es um die Kostenübernahme von Bluttests zur Früherkennung von Trisomie. Und um die Frage, wie zuverlässig solche Tests sind und ob dadurch die Hemmschwelle sinke, ein möglicherweise erkranktes Kind abzutreiben?
Der mdr – und vorher Das Erste – zeigte am Dienstagabend im Boulevardmagazin “Brisant” einen Beitrag über diese Debatte. Allerdings war das Stück von Marion Mück-Raab und Secilia Rappert eher etwas für die Tränendrüse – auf recht unangenehme und alles andere als ausgewogene Art.

Im Mittelpunkt des rührseligen Beitrages stand Carina Kühne. Sie hat das Downsyndrom, Trisomie 21, und gerade zieht sie in ihre eigene Wohnung. Sie liebt es, Klavier spielen und schauspielert ab und zu. Das ist gut. Die Frau führt ein lebenswertes Leben.
Unterlegt sind die Szenen mit leichter Klaviermusik, offenbar von Carina Kühne selbst gespielt. Als es dann aber um die Pränataltests geht und diese mit entsprechenden Bildern gezeigt werden, ist plötzlich bedrohliche Musik zu hören. Eine ganz klare Beeinflussung und Kommentierung der beiden Autorinnen des Beitrages.
Ein Experte kommt zu Wort, und es wird darauf hingewiesen, dass die Tests unsicher sein können. Dass diese Tests also darauf hinweisen könnten, dass beim Ungeborenen ein Downsyndrom vorliegen könnte, dass das aber auch fehlerhaft sein könne. Dass aber werdende Eltern daraufhin schon eine Abtreibung vornehmen könnten. Alle dies mit bedrohlicher Musik im Hintergrund.

Der Beitrag endet wieder mit Carina Kühne. Sie sei geschockt, dass der Test nun von den Kassen bezahlt werden könne. Sie sagt, nicht gewollt zu sein, da habe ihr nicht so gut getan. Dass man merke, man sei nicht gewollt und werde abgetrieben.
Die Sprecherin des Films sagt dann noch, dass Carina Kühne nicht unter dem Downsyndrom leide, sondern nur unter den Blicken und Reaktionen der Menschen.
Das ist harter Tobak. Und es ist schwierig. Und es ist ein Vergleich, der nicht wirklich zulässig ist. Denn eines ist klar: Carina Kühne wurde nicht abgetrieben. Sie ist am Leben, und ihr geht es gut.

Untersuchungen, ob das Kind im Mutterleib gesund ist, gibt es immer öfter. Ist es krank, stehen die Eltern vor einer schwierigen Entscheidung. Abtreiben oder gebären?
Einseitige Berichte wie der am Dienstag in “Brisant” sind da alles andere als hilfreich. Denn es ist auch ganz klar, dass nun mal auch die Mutter entscheiden muss, was mit und in ihrem Körper passiert. Sie müssen beraten werden, und natürlich gehört dazu auch, zu zeigen, wie Menschen mit dem Downsyndrom leben.
Aber auf die Tränendrüse zu drücken und zu sagen, was wäre, wenn ich abgetrieben worden wäre, das ist schwierig. Zumal wir uns dann wohl alle geschockt vor eine Kamera setzen und ganz allgemein drüber sprechen könnten, wie schockiert wir seien, dass es Leute gibt, die – aus welchen Grünen auch immer – Abtreibungen vornehmen. Und dass wir vielleicht nicht erwünscht sein könnten.

Die Vor- und Nachteile der Pränataltests müssen gezeigt werden. Dass es im mdr-Boulevardmagazin “Brisant” auf diese einsetig-emotionalisierende Weise passiert, fühlt sich eher wie eine Kampagne an.

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