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Das war 2013!

Dienstag, den 31. Dezember 2013
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Aufschrei! Der Twitter-Hashtag gehört ganz sicher zu den Wörtern des Jahres 2013. Und das nicht nur, weil FDP-Mann (was war noch gleich diese FDP?) Rainer Brüderle einer “stern”-Journalistin verbal etwas zu nahe gekommen ist. Die Medien wittern in diesem Jahr ständig und immer wieder einen Skandal.
Der Stinkefinger des Herrn Steinbrück. Aufschrei!! Der Rundfunkbeitrag für ARD und ZDF. Aufschrei!! Beim NSU-Prozess gibt es nicht für alle Journalisten einen Platz. Aufschrei!! Markus Lanz hat bei “Wetten, dass…?” schon wieder was falsch gemacht. Aufschrei!!
Es folgt eine Hysterie nach der anderen, die eine verpufft schneller, die andere bis heute nicht. Nur beim NSA-Abhörskandal, da dauert es ein bisschen bis zu jenem Aufschrei.
Aber mal ganz von vorn.

Für das ZDF und sein Aushängeschild “Wetten, dass…?” ist es ein schweres Jahr. Die Quoten sinken, die Kritiker mosern, überall gibt es etwas zu meckern. An vielen Stellen zurecht. Hollywoodstars bekommen Eiswürfel in die Hose geschüttet, und plötzlich sitzen Roooobert Geiß und seine Prollfrau auf der Wettcouch. Inzwischen sind alle Innovationen abgeschafft, die Show so pupsig wie früher, nur Gottschalk fehlt noch. Bis heute fehlt der Show eine vernünftige Redaktion im Hintergrund, die sich wirklich mal Gedanken macht, wie diese Sause aus dem Dreck gezogen werden könnte.

Eigentlich können wir ja froh sein, dass es solche Shows noch gibt. Denn ein Großteil des Programms bei den Privaten wird weiterhin mit billigen Dokusoaps bestritten. Der Asifaktor steigt. Bei RTL müssen Paare “7 Tage Sex” haben – und wir dürfen zuschauen. Allerdings wollen die Zuschauer das gar nicht, die Reihe floppt. ProSieben schickt “Reality-Queens auf Safari” und RTL “Wild Girls auf Highheels durch Afrika”. Seltsamerweise sind auch da die Zuschauer bockig und wollen Tussis auf Reisen lieber nicht sehen. Ebenso wenig besoffene Jugendliche in Sölden oder Single-Tierfreunde, die einen Partner suchen.

Billig, aber erfolgreich sind dagegen die pseudoechten Serien “Berlin – Tag & Nacht” sowie das im Januar gestartete “Köln 50667″. Bei der Jugend kommt das doofe Geblöke erstaunlich gut an. Prolls scheinen in zu sein. Als RTL II seinen 20. Geburtstag feiert, ist die Party voll mit Menschen, denen man außerhalb von RTL II lieber nicht begegnen will. Die Prollparty des Jahres.

Jenny Elvers fällt 2013 zwar nicht durch Prollgehabe auf, dafür aber mit ihrer Alkoholbeichte. In einem einstündigen RTL-Special entblättert sich die ehemalige Frau Elvers-Elbertzhagen und erzählt der sehr verständnisvollen Frauke Ludowig von ihren Saufeskapaden – und wie ihr Mann ihr da rausgeholfen hat. Später trennt sich ihr liebender Gatte von ihr.
Bei Markus Lanz hat die Schauspielerin Katrin Sass sehr schlechte Laune. Sie ist wütend, weil man ihren Grimmepreis besudelte. Das RTL-Dschungelcamp ist nämlich nominiert, und darüber ist die Sass so erbost, dass sie im ZDF den Dschungelkönig Peer Kusmagk runtermacht – oder eher zusammenblökt.

Den Grimmepreis bekommt das Dschungelcamp später zwar nicht, gutes Fernsehen ist das aber trotzdem – bei aller Häme. Und für einen der rührendsten TV-Augenblicke 2013 sorgt die Show auch noch: In Folge 1 nimmt das Team Abschied von Dirk Bach. “Ta, Dickie!”, heißt es am Ende.
Auch Sat.1 möchte etwas von dem RTL-Erfolg abhaben. Nur A-Promis wollen sie ins “Big Brother”-Haus schicken. “Wir nehmen nur die Besten.” Die scheinen allerdings keine Zeit zu haben. Da gibt es stattdessen die Blondine, die in irgendeiner gefloppten ProSieben Doku-Titten-Soap mitgemacht hat. Einen Sänger, der mal bei “The Voice of Germany” mitgemacht hat. Einen Doku-Soap-Typ und einen, der irgendwas im Internet macht. Und dazu Oliver Pocher und Cindy aus Marzahn, die so gar nicht harmonieren wollen und einen Gag nach dem anderen versemmeln. Selten ist ein Format dermaßen in den Sand gesetzt worden.
Aber damit kennt man sich bei Sat.1 aus. Auch die “Patchwork Family” floppt. Die Zuschauer strafen schlechtes Fernsehen mit Missachtung.

Umso erstaunlicher, dass Marc Bator vom Nachrichten-Flaggschiff “Tagesschau” zu den “Sat.1-Nachrichten” wechselt. Vielleicht bekommt er dort mehr Geld, dafür aber weniger Image.
Sein Vorgänger Peter Limbourg, inzwischen Chef der Deutschen Welle, muss im März geradezu darum betteln, auf Sendung bleiben zu dürfen. Gerade soll in Rom der neue Papst verkündet werden, doch bei Sat.1 will man die Live-Sendung für so eine Nichtigkeit nicht verlängern.
RTL unterbricht für den neuen Papst immerhin die Sendung “Teenies auf Partyurlaub”. Ein wirklich päpstliches Kontrastprogramm.

2013 dreht sich das Personalkarussell auch auf anderen Sendern. Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf wechseln von zdf_neo zu ProSieben und sorgen dort für gute, unverkrampfte, einfallsreiche, gern auch mal sinnfreie Unterhaltung. Joko entert sogar die ProSieben-Newstime, darf dort live die Nachrichten sprechen und wird dort – ja, live – von Klaas angerufen. Bei ProSieben ist man not amüsed.
Tom Buhrow verlässt die “Tagesthemen” und wird WDR-Intendant. Dort muss er einen harten Sparkurs verkünden. Das Nachwuchstalent Thomas Roth ist sein Nachfolger bei den Abendnachrichten.
Christian Rach geht von RTL zum ZDF und will nun dort kochen – oder so.

Natürlich gab es auch 2013 gutes Programm. “Homeland” auf Sat.1 war extrem spannend, ebenso die “American Horror Story” auf sixx. Leider mit miesen Quoten. Das ZDF zeigte “Unsere Mütter, unsere Väter”, eine Aufarbeitung über den Alltag im Dritten Reich. Für den “Super Bowl” gab sich Sat.1 ausnahmsweise richtig Mühe und konnte so sogar den Stadionstromausfall ordentlich überbrücken. Die ARD zeigte mit “Operation Zucker” einen aufwühlenden Film über Kinderhandel – und musste ihn zensieren, weil die FSK das Ende nicht positiv genug fand. Die ARD traut sich an den Showklassiker “Dalli Dalli” ran. “Das ist spitze!” heißt die Neuauflage, die großen Spaß macht.

Die Medien suchen aber lieber nach Skandalen, als zu loben. Während sich fast ganz Journalistendeutschland aufplustert, weil nicht alle von ihnen beim NSU-Prozess berücksichtigt werden, und es doch ein Skandal sei, weil die ehrwürdige FAZ nicht dabei sei, hält sich das Interesse beim NSA-Abhörskandal erst mal in Grenzen. In der heißen Phase diskutiert selbst Günther Jauch im Ersten lieber über Schlaglöcher. Als aber klar ist, dass auch das merkelsche Kanzlerinnenhandy abgehört wurde – ja, jahaaa, da ist der Aufschrei groß.

Gar keinen Aufschrei gibt es, als das ZDF verkündet, dass zdf.kultur eingestellt wird. Der innovativste und interessanteste Spartenkanal hat miese Quoten. Leider. Eigentlich sollte Silvester Schluss sein. Nun hat der Sender doch noch eine Schonfrist und sendet auch 2014.
Für Das 4. ist dagegen am 31. Dezember Schluss. Mitte Januar 2014 startet auf dem Programmplatz der Disney Channel. Der Micky-Maus-Konzern kauft Das 4. und schafft ihn ab.
Auch ARD und ZDF hätten gern einen Jugendkanal, wofür das Zweite eben auch zdf.kultur opfern will. Die Politik möchte da jedoch mitreden und hat das Konzept abgelehnt. Das Konzept liegt auf Eis, und der SWR macht’s im Alleingang und fragt erst niemanden: einsplus ist inzwischen fast vollständig zum Jugendkanal mutiert.

Mit gedruckten Zeitungen hat die Jugend unterdessen immer weniger am Hut. Die Auflagen sinken, die Verlage sparen. Springer stößt diverse Regionalzeitungen an die Funke-Gruppe ab, darunter die “Berliner Morgenpost”. Dafür weitet Springer die Aktivitäten im Internet aus und kauft N24.
Die “Westfälische Rundschau” erscheint zwar noch, hat aber keine eigenen Inhalte mehr. Der Mantel kommt vom zentralen Desk, der Lokalteil von der Konkurrenz. Ganz dicht machen will man das Blatt nicht – der publizistischen Vielfalt wegen. Aha.
Die Nachrichtenagentur dapd ist nicht mehr zu retten.
Die Mediengruppe Madsack gliedert die Lokalredaktionen der “Märkischen Allgemeinen” aus. Bis 2018 will man außerdem in Hannover einen Großteil der Inhalte für die Regionalzeitungen vorproduzieren. Ressorcen will man sparen, heißt es.

Die wahre Musik spielt im Internet. Und bei Twitter meist nachts, dann sind nämlich Boris Becker und Oliver Pocher noch wach und zoffen sich. Der ehemalige Tennisgott Becker hat ein Buch geschrieben, darin kommt auch seine Ex (und inzwischen auch Pochers Ex) Allessandra vor, und das nicht sehr positiv. Am Ende kommt Becker in Pochers RTL-Show “Alle auf den Kleinen”, um sich endgültig lächerlich zu machen.
Pochers anderer Ex, Harald Schmidt nämlich, sendet unterdessen bei Sky unter Ausschluss der großen Öffentlichkeit. Aber nur noch bis März 2014. Mitte Dezember verkündet Sky das Aus für “Die Harald Schmidt Show”. Der Aufschrei hält sich in Grenzen.

Weichen Politiker mal vom Langweiler- und Weichspülkurs ab, dann aber ist besagter Aufschrei doch wieder groß. Der Bundestagswahlkampf plätschert eher vor sich hin – bis SPD-Mann Steinbrück für ein wortloses Interview mit dem SZ-Magazin den Stinkefinger zeigt. Nur leider scheinen Journalisten keinen Humor zu haben – oder doch lieber den Skandal herschreiben zu wollen.
Gleiches gilt, wenn ZDF-Frau Marietta Slomka im Interview mit SPD-Chef Sigmar Gabriel eher plan- und hilflos wirkt und Gabriel deutlich macht, dass er ihren pikierten Interviewstil, nun ja, seltsam findet. Slomka wird von vielen Zuschauern als Heldin gefeiert. Warum auch immer.

Die Hörer von radioeins hatten tatsächlich was zu feiern: die Rückkehr der Radiolegenden. Zwei Wochen lang waren sie jeweils drei Stunden auf Sendung: Thomas Gottschalk, Frank Elstner oder Jürgen Kuttner. Noch einmal “Sprechfunk”, so wie früher, nur diesmal eben an einem Vormittag. Herrlich.

Legenden kommen, andere gehen. Es hieß Abschied nehmen. Viele Stars haben uns 2013 verlassen.
Marcel Reich-Ranicki wird keine Bücher mehr verreißen, Paul Kuhn spielt nicht mehr Klavier. Reinhard Lakomy besingt nie mehr den Traumzauberbaum. Der afrikanische Held Nelson Mandela ist verstummt. Außerdem die Schauspieler Dieter Pfaff, Eddie Arent, Hildegard Krekel, Rosemarie Fendel, Heinz Meier, Jörg Pleva, Otto Sander, James Gandolfini, Ulrich Matschoss und Peter O’Toole, die Politiker Lothar Bisky, Manfred Rommel und Margaret Thatcher, Radiolegende Chris Howland, die Musiker Lou Reed und Esther Williams, die Humoristen Dieter Hildebrandt, Peter Ensikat und Günter Willumeit, die Moderatoren Vivi Bach und Elmar Gunsch, Sportmanager Peter Graf, die Schriftsteller Doris Lessing, Otfried Preußler, Walter Jens und Wolfgang Herrndorf sowie Prinz Johan Friso von Oranien.

2013. War sonst noch was?
Ach ja. “Inka” im ZDF, das neue, frische Format am Nachmittag. War dann aber leider doch nicht so frisch, sondern ziemlich altbacken und oberflächlich. Nach einem Vierteljahr zieht das ZDF den Stecker. Damit endet auch die Dailytalk-Ära, denn auch “Britt” auf Sat.1 musste sich veranschieden.
Stefan Raab mischt für ProSieben beim TV-Duell mit Merkel und Steinbrück mit. Und macht seine Sache gut.
Das Erste bricht in der Nacht einen Boxkampf für einen Spielfilm mittendrin ab, weil es so im Programmplan stand.
Hinter den Kulissen der kultigen zdf.kultur-Talkshow “Roche & Böhmermann” kracht es so sehr, dass Schluss ist. Und die Zuschauer das erst für einen Gag halten.
Heino bekommt großartige PR, weil er Ärzte-Songs nachsingt und sich darüber angeblich jemand aufregt.
Die Lotto-Ziehungen gibt’s nicht mehr im Fernsehen, weil das die Zuschauer angeblich langweilt.
phoenix unterbricht sein Programm für einen Asteroiden-Vorbeiflug und zeigt helle Striche.
Waldemar Hartmann blamiert sich bei “Wer wird Millionär?” weil er die deutsche Fußball-WM 1974 vergisst.
Und da ist er schon, der nächste Aufschrei. Einer von vielen, in diesem 2013.

Ach, und fast hätte ich das Wichtigste vergessen: Dieter Moor heißt jetzt Max. Ähm, ja, genau.
Guten Rutsch.

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Das war 2012!

Montag, den 31. Dezember 2012
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Tom Hanks ist auch schon genervt vom deutschen Fernsehen. Drei Stunden lang musste er auf der „Wetten, dass“-Couch rumsitzen und sich doofe Masken überziehen. Danach zog er ordentlich vom Leder. Dabei kennt Mister Hanks doch gar nicht das restliche TV-Programm in Deutschland.
“Wetten, dass…?” sorgte 2012 für ordentliche Schlagzeilen. Zum Jahresanfang stand endlich fest, dass Markus Lanz Gottschalks Nachfolger wird.
Kann er das schaffen? Ist er der richtige Mann? Bis heute haben wir noch keine wirkliche Antwort darauf. Aber eigentlich hat er sich in den drei bisherigen Shows alles in allem gut geschlagen.

Gar nicht gut geschlagen hat sich Sat.1. Das wurde 2012 nämlich immer doofer. Grauenvolle Dokusoaps, Magazine mit bekloppten Namen wie „Push“ oder „Pin“, eine Castingshow, ein Quiz – alles Flops. Sat.1 wird das Rumpelimage und die miesen Quoten nicht mehr los. Mit gescripteten Talkshows, in denen nichts echt war, machte sich Sat.1 lächerlich. Mit angeblich nicht gescripteten Formaten wie “Schwer verliebt” zieht Sat.1 seine Protagonisten durch den Kakao. Höchst ärgerlich. Nein, zum kotzen ist das. Erstaunlich, wie schnell ein einst renommierter Sender in die Tonne gehauen werden kann.

Der ZDF-Reinfall des Jahres war eindeutig der Fußball-EM-Strand auf der Insel Usedom. Das ZDF wollte seine Berichterstattung diesmal nicht in den Stadien liefern, sondern aus Heringsdorf. Angeblich, weil das ja von Polen nicht so weit weg ist.
Während die Ostsee im Hintergrund wirkte wie ein öder Tümpel, ließ sich Olli Kahn zeigen, wie man twittert. Sehr spannend. Die Zuschauer vor Ort, oft wirkte das wie ein Rentnernachmittag, schwenkten müde mit ihren Deutschland-Fähnchen. Kam aber angeblich bei den Zuschauern supertoll an, hieß es beim ZDF. Erst zum Jahresende hin, gab man sich einsichtig.
Und dann gab es zur EM auch noch den unverschämt grinsenden Ingo Zamperoni. Er moderierte die „Tagesthemen“ in der Halbzeit des deutschen EM-Spiels gegen Italien. Die launige Moderation des Halbitalieners kam bei einigen Zuschauern irgendwie gar nicht gut an. Und dann schied Deutschland auch noch aus. Die bösen Briefe landeten haufenweise in der Redaktion von ARD-aktuell.
Immerhin sorgte die Fußball-EM für die Einschaltquote des Jahres: 28 Millionen Menschen sahen das EM-Aus der Deutschen.

Bitter war das Jahr für Thomas Gottschalk. Seine neue ARD-Vorabendshow “Gottschalk live” floppt grandios. Die erste Ausgabe war ein Desaster. Zig Werbepausen, von denen Gottschalk nicht wusste, wann sie beginnen. Es fehlte an einem Konzept, es fehlte offenbar an guten Leuten im Hintergrund, ständig erfand sich die Show neu. Die Quoten waren im Keller. Das Aus im Juni.
Im Herbst musste er sich auch noch beim RTL-„Supertalent“ in der Jury quälen. War nicht sein Ding. Und zu besseren Quoten führte sein Engagement auch nicht.

Showstars haben es eben auch nicht immer leicht. Davon kann Jenny Elvers-Elbertzhagen ein – hicks – Lied von singen. Im NDR-Magazin „Das!“ wirkte sie, nun ja, betrunken. Danach verabschiedete sie sich in die Entzugsklinik.
Die Kastelruther Spatzen haben für ihre Alben Studiomusiker engagiert. Böse Sache, deshalb mussten sie auch im “Musikantenstadl” zur Strafe live spielen. Und durften sich danach über die unverschämte Presse auslassen. Selber unverschämt.
Als in der Live-Talkshow von Günther Jauch sich ein Zuschauer im Saal lautstark zu einem Berliner Hochschulthema, nun ja, äußerte, wird er von den Ordnern rüde rausgeschmissen. Günther Jauch lässt ihn zurückholen.

2012 mussten wir von beliebten Stars Abschied nehmen. Dirk Bach starb viel zu früh, ebenso wie Whitney Houston. Auch nicht mehr da: Kurt Felix, Larry Hagman und der Politiker Peter Struck. Außerdem Neil Armstrong, Susanne Lothar, Donna Summer, Robin Gibb, Ravi Shankar, Rodney King, der Politiker Friedrich Zimmermann, Silvia Seidel, Oscar Niemeyer, Ernest Borgnine, Wolfgang Menge, Harry Valérien, Dave Brubeck, Schiedsrichter Manfred Amarell, Vadim Glowna, Günther Kaufmann, Sylvia Kristel, Scott Mckenzie, John Lord, Eishockey-Trainer Xaver Unsinn und Margot Werner.

Ach ja: und die Financial Times Deutschland und der gedruckte “Prinz”. Das Zeitungssterben beginnt. Die Frankfurter Rundschau meldet 2012 Insolvenz an. Ende offen. Noch immer ist nicht das richtige Rezept gegen die Zeitungskrise gefunden. Stattdessen streitet man sich um die Tagesschau-App. Angeblich weil Fernseher keine Texte anbieten darf. Offenbar die Presse aber bewegte Bilder.
Die Mediengruppe Madsack aus Hannover übernimmt die Märkische Allgemeine in Potsdam und möbelt sie auf. Die “Bild” feiert den 60. Geburtstag und feuert das nackte Seite-1-Girl.

Das Leitungsschutzrecht sorgt für Wirbel. Verlage wie Springer wollen nicht mehr, dass die Internetsuchmaschine Google Texte und Links verbreitet. Dabei vergessen sie offenbar, wer ihnen so viele Klicks beschafft.

Und sonst? Im „Tatort“ quatscht ARD-Wahlexperte Jörg Schönenborn in den dramatischen Serientod von Kommissar Cenk Batu. Im „ZDF-Fernsehgarten“ sorgen Chaoten im Hintergrund für einen Polizeieinsatz. Die ARD beerdigt seine Zuschauer mit einer nicht enden wollenden Themenwoche “Tod”. n-tv erreicht Rekordquoten mit dem Stratossprung von Felix Baumgartner aus fast 40 Kilometern Höhe. Harald Schmidt muss Sat.1 verlassen und sendet nun bei Sky unter Ausschluss der breiten Masse. Beim Internetsender family.TV wird in der “Club Night” eine Moderatorin während der laufenden Sendung gefeuert. Beim SuperBowl auf Sat.1 verpassen die Zuschauer bedauerlicherweise einen Touchdown, weil gerade ein Gewinnspiel läuft. Bei “Stuckrad-Barre” auf Tele 5 nippt FDP-Mann Christian Lindner an einem Joint, und die “Bild” spult sich auf.

Ach ja, und dann natürlich die Affäre um Christian Wulff. Im Interview mit ARD und ZDF verteidigt er Anfang Januar noch sein Tun, und sagt, er wolle in keinem Land leben, in dem man keine Geschenke von Freunden annehmen könne. Hilft nichts, er tritt doch noch zurück.

Gab es 2012 eigentlich auch gutes Fernsehen? Die Talkshow „Roche und Böhmermann“ auf zdf.kultur mischt die Promis auf. „Walulis sieht fern“, erst auf Tele 5, dann bei einsplus, zeigt, wie Fernsehen wirklich funktioniert. Das ZDF erfreut uns weiterhin mit der großartigen Nachrichtensatire, der “heute show”. Oliver Kalkofe darf wieder lästern. Die “Mattscheibe” läuft jetzt freitags auf Tele 5. Großartig waren wieder die neuen “Pastewka”-Folgen auf Sat.1.
Hoffentlich gibt’s 2013 mehr solcher Perlen. Auf ein Neues!

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Das war 2011!

Samstag, den 31. Dezember 2011
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Beim ZDF ist eine Stelle frei. Thomas Gottschalk will nicht mehr das große Showflaggschiff “Wetten, dass…?” moderieren und es stattdessen lieber mit einer neuen Vorabendsendung im Ersten versuchen. Aber wer könnte Gottschalk im ZDF beerben? Jörg Pilawa winkt ab, Hape Kerkeling fühlt sich geschmeichelt, sagt aber nichts erstmal nichts. Das Thema mutiert 2011 zur Dauernachricht.

Das Medienjahr 2011 bringt wenige Innovationen, ein paar Perlen, viel Schrott und diverse Skandale.
Der MDR versinkt im Filz. Der ehemalige Unterhaltungschef Udo Foht sorgt mit dubiosen Geldgeschäften für Aufsehen, der (ja, auch ehemalige) Intendant Udo Reiter wusste wohl Bescheid, und auch beim Ki.Ka verschwindet irgendwie Geld. Es geht um viele Millionen Euro.
Zu einem Skandal wird auch der Rauswurf von Ken Jebsen beim rbb-Jugendradiosender Fritz. Nach einer wirren E-Mail an einen Hörer, in der der Moderator missverständlich und in bedenklich miesem Deutsch über den Holocaust schreibt, fällt beim rbb auf, dass Jebsen in seiner Sendung “Ken.FM” Dinge erzählt, die man beim rbb irgendwie so gar nicht lustig findet. Die Show wird abgesetzt.

Abgesetzt ist auch der Spielesender 9Live. Die gute Medien-Nachricht des Jahres. Die Zuschauer scheinen die Glücksspiele durchschaut und immer seltener angerufen zu haben. Am 31. Mai endet der Livebetrieb. Die Abzocke hat ein Ende. Am 9. August kommt das endgültige Aus für 9Live. Moderator Jürgen Milski treibt seine Spielchen nun beim “Sportquiz” bei Sport1.
Auch für Johannes B. Kerner kommt das Aus. Seine Talkshow “Kerner” bei Sat.1 wollte kaum jemand sehen. Und angeblich soll er der neue Moderator von “Wetten, dass…?” werden. Munkelt man.
Das Erste schließt nach mehr als 4000 Folgen den “Marienhof”, und das ZDF beendet vorzeitig seine Telenovela “Lena – Liebe meines Lebens”. Ein schwerer Fehler, denn “Herzflimmern” hat auf dem Sendeplatz am Nachmittag noch schlechtere Quoten.

Katharina Saalfrank will nicht mehr die “Super-Nanny” sein. das Konzept der RTL-Dokureihe sei ausgereizt. Und angeblich hatte sie keine Lust mehr auf die Einflussnahme bei RTL. Aber ein Drehbuch habe es bei der “Super-Nanny” nie gegeben, sagt Saalfrank. Man möchte dieser Frau irgendwie nicht glauben. Nicht nach den Berichten im Medienmagazin “Fernsehkritik-TV” über eine Familie, die beim Dreh machen musste, was das Team wollte. Der Tiefpunkt ist ein Verdacht, dass ein Hund getötet wurde, um das Geschehen noch spannender zu machen.
Auch die Dokureihe “Schwer verliebt” kommt ins Gerede. Auch bei der Sat.1-Kuppelshow soll alles nach Drehbuch gehen. Wer mit den Verträgen an die Öffentlichkeit geht, dem werden hohe Strafen angedroht.
Die Moderatorin Vera Int-Veen ist im Rohmaterial ihrer RTL-Reihe “Mietprellern auf der Spur” dabei zu sehen, wie sie einen Behinderten jagt und sich darüber lustig macht.
Die Liste der Vorwürfe für Dokureihen ist lang. Dass die allermeisten mit Drehbuch arbeiten, dass “Familien im Brennpunkt” und Co. nicht das wahre Leben zeigen, wissen erschreckend wenige Leute.

Und was gibt es Neues in Sachen Gottschalk-Nachfolge? Barbara Schöneberger sagt mal schnell ab, obwohl sie keiner gefragt hat. Anke Engelke will auch nicht. Markus Lanz meint, er könne das nicht. Und Hape Kerkeling? Sagt immer noch nichts.

Thomas Gottschalk ist in diesem Jahr nicht der einzige, der die Seiten wechselt. Harald Schmidt verlässt das Erste und kehrt mit seiner Late-Night-Show zu Sat.1 zurück – mit desaströsen Quoten. Bislang hält Sat.1 aber durch. Matthias Opdenhövel moderiert nicht mehr die ProSieben-Events und sagt stattdessen Sportberichte im Ersten an. Er findet, dass sei ein Aufstieg. Oliver Pocher geht mit seiner Late-Night-Show baden. Jetzt hat er Zeit, sich um seine inzwischen drei Kinder zu sorgen – und seriös zu werden: Auf Sky Sport moderiert er die Fußballshow “Samstag live”. Günther Jauch ist nicht mehr nur an RTL gebunden. Im Ersten moderiert er sonntags eine Polittalkshow mit seinem Namen.

Und das ist nur der Anfang für einen Umbruch bei der ARD. Für Jauch schmeißt das Erste das komplette Programm um. Wir brauchen sie nicht, trotzdem sind nun fünf Talkrunden pro Woche auf Sendung. Frank Plasbergs “Hart aber fair” ist nun immer öfter entsetzlich weichgespült, und “Beckmann” ächtzt am Donnerstag über miese Quoten.
Beim ZDF ist man da schon innovativer. Mit den neuen Digitalkanälen zdf.kultur und zdf info geht das Zweite auf die Jagd nach jungen Zuschauern – und zeigt plötzlich, dass es doch noch geht: junges Programm von und für junge Leute. Kurt Beck ist nicht mehr jung – deshalb findet der Politiker auch blöd und fordert deren Abschaltung.

Fast wären übrigens ProSieben und Sat.1 abgeschaltet worden – allerdings nicht durch Kurt Beck, sondern durch ein Feuer in der Sendezentrale. ProSieben musste “Die Alm” zweimal hintereinander setzen.
Mehrere Stromausfälle sorgen beim ZDF für Blackouts. Aber ein Schwarzbild kann ja auch ganz schön sein.

Auch der Zeitungsmarkt ist im Umbruch, zumindest der regionale. Zum Jahresbeginn wird bekannt, dass die Ippen-Verlagsgruppe den Märkischen Zeitungsverlag abgestoßen hat. Zu ihm gehören u.a. der Oranienburger Generalanzeiger. Neuer Besitzer ist die Märkische Oderzeitung, die somit nun ein Konkurrent der Märkischen Allgemeinen ist. Auch die hat einen neuen Besitzer. Im November gibt die F.A.Z. bekannt, das Blatt nach 20 Jahren zu verkaufen – an den Madsack-Verlag aus Hannover.
Ein Ende mit Schrecken erlebt in Großbritannien die “News of the World”. Nach einem Abhörskandal stampft Rupert murdoch das Blatt ein.

Unterdessen suchen wir immer noch einen “Wetten, dass…?”-Moderator. Stefan Raab hat keine Zeit. Matthias Opdenhövel auch nicht. Und Kerkeling? Ähm, mal gucken.

Man kann jedenfalls nicht sagen, dass die großen Fernsehshows ausgestorben sind. Als der “Eurovision Song Contest 2011″ in Düsseldorf stattfand, haben wir gezeigt, dass wir die große Show drauf haben. Das Dreiergespann Raab-Engelke-Rakers sorgte für grandiose Unterhaltung. Die Bühne war der pure Größenwahn, aber: wow! Und Lena… na ja, ein zehnter Platz ist nach dem Sieg 2010 völlig okay, und ihr “Taken by a Stranger” ein toller Song.
Hat eigentlich Peer Kusmagk eine CD aufgenommen? Er wurde nämlich in diesem Jahr Dschungelkönig. Und womit? Mit Recht. “Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!” ist zu einem Massenphänomen geworden. Auch dank dem irren Jay Khan, der wahnsinnigen Sarah Dingens, äh Knappik und dem wirren Matthieu Carriere.
Bei RTL II dachten sie auch, das Publikum wartet auf ihre Shows. Aber peinliche Hypnose-Outings und Bibel-Hokuspokus sind nicht sehenswert, sondern haarsträubend doof.
Das ist auch ein gutes Stichwort für “Das Hochzeitsschiff” im Ersten. Die Kreuzfahrtschiff-PR-Sause war mehr ein Reisekitschfilm als ein Quiz. Und spannend schon gar nicht.

Spannend ist die Nachfolge-Debatte um Thomas Gottschalk schon lange nicht mehr. Günther Jauch schüttelt den Kopf, und Hape… na ja, lassen wir das.

Viele Promis haben uns 2011 verlassen. Der große Loriot ist gestorben, ebenso der Entertainer Peter Alexander. Johannes Heesters starb Heiligabend – mit 108. Auch die Schauspieler Walter Giller, Heinz Bennent, Friedrich Schoenfelder, Rosel Zech, Bubba Smith (”Hightower”), Heinz Reincke, Witta Pohl, Wolfgang Spier, Elizabeth Taylor, Dieter Mues und Peter Falk spielen nie wieder. Die Sängerin Amy Winehouse soff sich zu Tode, Bernd Clüver verstummte ebenfalls. Der Produzent Bernd Eichinger hinterlässt ein großes Loch. Der Medienunternehmer Leo Kirch ist tot. Gunter Sachs brachte sich um. Christa Wolf schreibt nicht mehr, der Journalist Eberhard Piltz ebenfalls nicht. Den Boulevard haben “Sexy Cora” und Günter Ludolf verlassen. Von Technikgott Steve Jobs bleiben iPods, iPhones und Co.

Zwei Promis sind dagegen in die Öffentlichkeit zurückgekehrt. Die ehemalige ARD-Sportmoderatorin Monica Lierhaus trat überraschend bei der “Goldenen Kamera” auf. Nach ihrem Schlaganfall ist sie noch nicht ganz gesund, aber sie wollte diesen Schritt machen.
Auch mehrjähriger Fernsehpause war Gaby Köster zu Gast in der RTL-Sendung “stern TV”. Auch sie erlitt einen Schlaganfall, will nun nach und nach wieder im Fernsehen aktiv sein.

Und was war sonst los? Der Rapper Bushido bekommt den Bambi – für Integration. Das finden viele, nun ja, seltsam.
Jörg Kachelmann soll eine Frau vergewaltigt haben und wird mangels Beweisen freigesprochen. Es ist der Medienprozess des Jahres.
Der CSU-Politiker Karl-Theodor zu Guttenberg hat seine Doktorarbeit… sagen wir mal… zusammenkopiert. Im Internet kommt alles raus.
Charlotte Roche hat man wieder ein Igitt-und-Bäh-Buch geschrieben und darf sich in diversen talkshows anhören, dass das ja alles Igitt und Bäh ist. Wie sie sich wieder mal alle aufgeplustert haben…

Ach ja, es gab natürlich auch noch mehr gutes Fernsehen. Die Comedyserie “Taras Welten” zum Beispiel. Nur leider hatte das Erste keinen anderen Sendeplatz als in der Nacht zu Freitag um 3 Uhr. Blöde Sache, das.

Und, jetzt, kurz bevor alles vorbei ist, erfahren wir auch, wer “Wetten, dass…?” nun moderieren wird: Hape Kerkeling äußert sich endlich. Und er sagt: nein.
Dann muss das Ende der Nachfolgerdebatte wohl doch auf 2012 verschoben werden. Alles wieder offen.

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ZAPPER VOR ORT: Sarrazin-Lesung in Potsdam

Freitag, den 10. September 2010
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DO 09.09.2010 | Potsdam, Nikolaisaal

Das Publikum aus dem Potsdamer Nikolaisaal wird mit lauten Trillerpfeiffen empfangen. “Pfui!”, schreit ein älterer Mann eine Frau an. Die lacht nur und geht weiter. “Pfui!”, schreit der Mann noch mal. Gerade ist die Veranstaltung mit Thilo Sarrazin zu Ende gegangen.

“Deutschland schafft sich ab” lautet der Titel des Buches von Thilo Sarrazin. Es ist sehr umstritten, deshalb riefen einige linke Gruppen in Potsdam zu einer Demo auf.
Lange ist es ruhig in der Straße vor dem Nikolaisaal. Das heißt, ganz ruhig ist es nicht. Mehrere Polizisten laufen hin und her. Der rbb ist gleich mit fünf Autos vor Ort, die Reporter machen sich bereit.
Gegenüber dem Eingang sammeln sich unterdessen die Protestierenden. Sie rollen Plakate aus: “Kein Podium für Rassisten/innen und Nazis” und “Fremdscham statt Rassenwahn”. Aus einem großen Lautsprecher ertönt Musik von Fanny van Dannen.

Martin Sonneborn ist auch da. Er scheint in Potsdam einen Beitrag für die “heute show” des ZDF zu drehen. Es dauert nicht lange, da findet er ein williges Opfer. Eine ältere Frau sagt ihm genau die rechtslastigen Parolen ins Mikro, die der Satiriker braucht.
Als plötzlich drei rechte Demonstranten auftaucht, dir für Sarrazin einstehen, kommt Unruhe auf. Die Polizei drängt sie schnell ab. Wenig später geht das Gerücht um, dass Sonneborn etwas mit ihnen zu tun, sie bestellt haben soll.

Dann kommt er, der Thilo. Einfach so, angelaufen, mit seinen Bodyguards. Er hat Glück, dass das die Protestler zu spät bemerken. Wie eine wilde Meute rennen sie plötzlich vom eingangstor zum Seiteneingang, in dem der Thilo gerade verschwunden ist. Fast wäre die Situation eskaliert. Die Polizei hält einige Leute fest, die schreien wild herum. Sehr schnell ist die Lage wieder im Griff.

20 Uhr, im Nikolaisaal beginnt die Lesung, draußen gellt das Pfeifkonzert weiter. 700 Leute hören sich im Saal an, was Sarrazin zu sagen hat. Langer Applaus brandet auf, es scheint ein Heimspiel für Thilo zu sein. Es hat was von einem Parteitag.
Sarrazin hält jedoch keine Lesung ab, sondern spult noch mal seine Pressekonferenz ab, die er vor einigen Tagen gab. Er erzählt, worin es in den Buchkapiteln geht. Nach etwas mehr als 15 Minuten ist er durch.
Danach wird er von MAZ-Politikchef Ralf Schuler interviewt. Anfangs macht das Ganze den Eindruck eines Kuschelkurses, als Sarrazins Lebensgeschichte durchgekaut wird. Die härteren Fragen kommen erst später.

Dann leichte Unruhe. Schuler bekommt einen Zettel gereicht. Erst legt er ihn beiseite, dann fragt er doch: Die Agenturen würden Sarrazins Rücktritt als Bundesbankchef vermelden. Sarrazin ziert sich erst, will nichts dazu sagen, dann aber doch. Er habe seinen Rücktritt angeboten. Bei uns in Potsdam spricht er das erste Mal darüber.
Am Rand stehen Security-Männer, alles ist abgesichert, der Nikolaisaal ein Hochsicherheitstrakt.

Es herrschte eine merkwürdige Stimmung, als Sarrazin von den Genen, von den Miganten sprach. Immer wieder Applaus.
Als das Publikum fragen stellen durfte, wurde es dann auch eklig: Ein Mann stand auf und fragte, wann denn Sarrazin endlich eine eigene Partei gründen würde – die Partei der aufrechten Deutschen, er würde sofort eintreten. Applaus.
Hilfe, sind wir wirklich schon so weit?

Als alles zu Ende ist und die Leute aus dem Saal wieder auf die Straße kommen, werden sie als Nazis beschimpft. “Wer Sarrazin applaudiert, hat ‘33 mitmarschiert.” Das ist ein harter Vorwurf. Und einige beginnen zu diskutieren: Man müsse sich doch wenigstens mal anhören, was sarrazin zu haben habe. Die Leute, die andere deshalb als Nazis beschimpfen, seien doch nicht besser.
Eine aufgeheizte Stimmung, sehr viel aufgeheizter als vor der Veranstaltung. Und das, obwohl die Masse der Protestier am späten Abend viel kleiner ist als zwei Stunden zuvor.

Das Ende eines aufregenden Abends. Und eines nachdenklichen. Denn er zeigte, dass die Stimmung unter den Menschen doch schon recht bedrohlich ist. Die Tendenzen zeigen eindeutig nach rechts, selbst wenn Sarrazin das mit seinen Äußerungen gar nicht erreichen will. Aber wenn man die Leute so reden hört und sieht, wie sie sich begeistern lassen, dann wächst die Sorge vor der Zukunft.

Mein MAZvideo: Protest gegen Sarrazin-Lesung in Potsdam
Meine Bildergalerie: Proteste am Rande der Sarrazin-Lesung in Potsdam

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Volleyball-Mixed-Kreisklasse: Die Angst vor dem Sieg

Donnerstag, den 14. Januar 2010
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MI 13.01.2010 | Märkische Allgemeine

Was ist denn da los? Die MAZ berichtet am Mittwoch über die Volleyball-Mixed-Kreisklasse in Oberhavel.
Bonsai Sachsenhausen II verliert gegen die SG Vehlefanz mit 0:3 Sätzen. Und die Begründung, dass die Bonsai-Truppe verliert: “Bonsai II schaffte es nicht, die Angst vor einem Satzgewinn zu überwinden.”

Das macht mich nachdenklich. Ich habe auch immer totaaal Angst davor, etwas zu gewinnen. Ich bekomme unglaubliche Schweißausbrüche, wenn ich beim Badminton mal vorn liege.
Na ja, nicht wirklich.
Aber wozu stehen denn die Volleyballer auf dem Feld, wenn sie angeblich Angst vor einem Sieg haben? Oder finden die Sachsenhausener es viel schöner, zu verlieren? Wenn das so ist, dann werde ich sofort auch eine Volleyballmannschaft zusammenzutrommeln, um gegen Bonsai Sachsenhausen II zu gewinnen. Ich habe da nämlich überhaupt keine Angst.

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Es kommt was auf uns zu

Donnerstag, den 18. Juni 2009
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DI 16.06.2009 | Märkische Allgemeine

Kinofilme in 3-D sind auf dem Vormarsch, schreibt die Märkische Allgemeine am Dienstag unter der Überschrift “Da kommt was auf uns zu”. Filme auf der Leinwand sollen so noch plastischer, erlebbarer werden. Und die Leute, die sich Filme nur noch auf DVD ansehen, könnten angeblich so zurück in die Kinosäle geholt werden.
Und es geht noch weiter: Duftkinos und Rüttelsitze – damit auch jede noch so kleine Leinwandemotion den Zuschauer erreicht. Vom Pferdefurz bis zum Erdbeben.

Was für ein Unsinn. Ich zumindest brauche weder 3-D, noch Duftkinos und Rüttelsitze. Ich möchte vor allem gute Filme. Eine spannende Handlung, Thrill oder pointierten Humor. Das ist Kino. Nicht mehr und nicht weniger.
Harry Potter in 3-D war zwar ganz nett, aber ich hätte die 20 Minuten nicht gebraucht.

Das Problem, warum die Leute nicht mehr hingehen und stattdessen Filme auf DVD ansehen, ist ein ganz anderes: Sie mögen das Kino nicht mehr. Das Rascheln mit Papier, wenn mal wieder eine Chipstüte aufgerissen wird. Leute, die sich im Saal lautstark unterhalten und die es nicht interessiert, dass andere gestört werden könnten. Überteuerte Getränke und Süßkram in den schon erwähnten Rascheltüten. Das sind die Punkte, die viele Menschen am Kino abtörnend finden. Und auch zu Recht. Ob diese Leute durch Rummelplatz-Unterhaltungsideen ins Kino zurückzuholen sind, bleibt abzuwarten.

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OHV-TV-Nachrichten: Neues von der MAZ

Donnerstag, den 30. April 2009
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MI 29.04.2009 | 1.40 Uhr (Do.) | Oberhavel TV

Oberhavel TV berichtet in den Nachrichten derzeit über eine Karikaturenausstellung in den Räumen der Oranienburger MAZ-Geschäftsstelle.
Ganz nebenbei verbreitet der Sender die Neuigkeit, dass Frank Müller Leiter der Oranienburger MAZ-Lokalredaktion ist.
Blöd nur, dass das gar nicht stimmt. Müller leitet die Geschäftsstelle, die Lokalredaktion untersteht hingegen Jan Simon.
Fehler passieren. Jedem passieren Fehler. Aber bei Oberhavel TV ist die Falschmeldung seit fast einer Woche rund 70-mal am Tag auf den Bildschirmen zu sehen.
Hätte doch nur mal jemand richtig mitgeschrieben – oder mal da nachgesehen, wo es richtig steht.
Und, ach ja, falls Oberhavel TV doch richtig liegt, vielleicht könnte mal jemand die MAZ-Redakteure über diese Personalie im Verlag informieren…