RTZapper

Linie 7 – Die Fernsehstraßenbahn

Donnerstag, den 12. Juni 2014
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MI 11.06.2014 | 1.30 Uhr (Do.) | RNF

Straßenbahnstau in Mannheim! Wir müssen kurz langsamer fahren, weil die Haltestelle “Abendakademie” noch von der davor fahrenden Bahn blockiert ist. Und überhaupt müssen wir langsam fahren, denn wir sind in einer Einkaufspassage unterwegs, die Schienen führen durch die Fußgängerzone, und am Marktplatz ist richtig viel los.

Schon wieder verreist? Nicht wirklich. Wer nachts das Rhein-Neckar-Fernsehen, RNF, einschaltet, kann mit der Fernsehstraßenbahn fahren. In der Nacht zu Donnerstag ging’s mit der Linie 7 durch Mannheim.
Irgendwie passiert nicht viel, aber es ist trotzdem spannend. Es ist ja auch der Traum vieler Leute, mal vorne im Triebwagen mitzufahren, um zu sehen, wie das vorn aussieht und welche Sicht man hat. Beim RNF sieht man’s jede Nacht, und es ist ein Stückweit auch Meditation.

In den 90ern war diese Art des Nachtprogramms beim damaligen B1 vom SFB total angesagt. Im Dritten Programm liefen nachts S-Bahn-Fahrten durch Berlin und Brandenburg. Im Ersten sind “Die schönsten Bahnstrecken” noch gar nicht vor so langer Zeit abgesetzt worden.

Ab 3 Uhr gibt’s im RNF übrigens “Videotext für alle”. Noch so eine Sendung, von der niemand geglaubt hat, dass es so was im Fernsehen noch gibt.

RTZapper

SF Dok: Kachelmanns Fall – Die Anzeige, der Medienrummel und die aufwändige Wahrheitssuche

Donnerstag, den 7. April 2011
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MI 06.04.2011 | 20.15 Uhr | 3sat

Jeder kennt vermutlich diese Szene: Wettermoderator Jörg Kachelmann kommt in Mannheim vom Haftrichter und muss durch eine Tür zum Gefangenentransporter laufen. Die Fotografen schießen jede Millisekunde ab, Kachelmann sagt: “Ich bin unschuldig!” Dann verschwindet er.

Eine Dokumentation des Schweizer Fernsehens, die 3sat am Mittwochabend zeigte, wirft diese Sekunden in ganz anderes Licht.
Was wurde Kachelmann alles vorgeworfen: Man habe die Szene inszeniert. Was wurde Kachelmann alles reininterpretiert: das Lächeln, das T-Shirt, sein Gang. Irgendwelche RTL-Schnepfen sezierten jede Regung, um zu sagen, wie falsch der Mann sei.
Dabei war alles ganz anders. Der Film “Kachelmanns Fall – Die Anzeige, der Medienrummel und die aufwändige Wahrheitssuche” zeigt, wie es war: Der Gefangenentransport stand ursprünglich direkt vor der Tür, und die Fotografen beschwerten sich. So hätten sie gar keine Fotos machen können. Man einigt sich, dass das Auto ein paar Meter weiter vorfährt.
Kachelmann musste an der Meute vorbei. Und die Meute machte ihre Bilder und kassierte. Um dann zu lästern. Diese Heuchler.

RTelenovela

Gesund und fit auf dem Maimarkt

Montag, den 3. Mai 2010
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Die Hinweisschilder stehen schon an der Autobahn. Der Maimarkt auf dem Messegelände in Mannheim ist ein Anziehungspunkt, schon auf der Autobahn bilden sich erste Staus.
Wir müssen auf den Parkplatz am Technikmuseum ausweichen und folgen den Menschen, die offensichtlich auch zum Maimarkt wollen. Wir laufen los. Und wir laufen. Und wir laufen und laufen weiter. Wir kommen an einem Flugplatz vorbei, an einer Autobahnbrücke, und da, endlich, ist auch wieder ein Hinweis auf den Maimarkt. Eine halbe Stunde Fußmarsch. Na ja, wir wollten uns sowieso ein bisschen bewegen.

Der Maimarkt ist so etwas Ähnliches wie die Grüne Woche in Berlin, eine Verbrauchermesse. In zig Zelten werden die neuesten Produkte aus allen Bereichen des Lebens präsentiert. Eigentlich seltsam, dass man für etwas 7 Euro Eintritt zahlt, bei dem es nur darum geht, Produkte zu kaufen. Eintritt für Dauerwerbung also.

Für den Gesund-und-fit-Markt gab es ein ganzes Zelt. Die Gesundheits- und Wellnessbranche boomt, es ist der Wahnsinn. Infrarotkabinen, die Saunen ersetzen sollen, weil Infrarot gesundheitsschonend sein soll. Diverse Bauchgürtel, die die Pfunde purzeln lassen sollen. Wasserbetten, Wellness-Schuhsohlen und und und. Man könnte Unsummen dafür ausgeben, das alles zu kaufen. Aber ob es wirklich etwas für unseren Körper bringt – nun ja, wir werden es so schnell nicht rausfinden.

Im anderen Zelt gab es Spiele. Wir waren begeistert – zumindest bis wir im Zelt standen. Denn es ging überraschenderweise tatsächlich nur um Spiele für Kleinkinder. Lego, Spieleteppiche, kleine Figuren – die Kinde und ihre Papas waren schon im Rausch.
Auf der Bühne im großen SWR4-Radiostudio hoppelten gerade ein paar Frauen mit ihren Steppschuhen. Sah irgendwie sah aus wie eine Gruppe Hausfrauen, die unsicher ihren ersten Auftritt hatten. Der SWR hat sicherlich eine üppige Gage gezahlt.

Interessant ist der Maimarkt allemal, noch interessanter jedoch, wenn man konkrete Vorstellungen davon hat, was man sich dort ansehen will. Und so verließen wir nach zweieinhalb Stunden das Gelände – und fuhren mit der Straßenbahn zum Parkplatz zurück. Die hatten wir auf dem Hinweg irgendwie übersehen…

RTZapper

Karnevalsumzug Mannheim-Ludwigshafen 2009

Montag, den 23. Februar 2009
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SO 22.02.2009 | 14.30 Uhr | SWR-Fernsehen

Danilo ist schrecklich unglücklich. Erst verkleidet ihn der Papa als Osterhasen. In seinem brauen Kostüm mit den langen Löffeln scheint er sich der etwa Achtjährige nicht gerade wohl zu fühlen. Und dann kommt auch noch eine SWR-Reporterin, um ihn anzuquatschen.
Das ist der Karneval in Mannheim, die der SWR am Sonntagnachmittag stundenlang übertragen hat. Festlich geschmückte Wagen, Narren aus den Vereinen von Stuttgart und Waghäusel bis Altlußheim und Ludwigshafen und eben der arme Danilo. Am Ende eines langen Tages hockt er wie ein Schluck Wasser auf den Schultern seines Vaters. Den Tränen nah. Da hilft auch kein “Mannheim ahoi”. Auf die Frage, ob es ihm denn Spaß machen würde, schüttelt der Kopf nur unglücklich den Kopf. was natürlich nicht das ist, was die närrische und natürlich auch verkleidete SWR-Tante hören möchte. Stattdessen findet sie ein verstörtes, den Tränen nahes Kind vor.
Armer Danilo: Erst muss er sich das dumme Hasenkostüm überziehen und dann muss er seine unglücklichen Löffel auch noch ins Fernsehen halten. Als Kind hat man es in einer Karnevalshochburg eben auch nicht einfach.
Na ja, bis zum Aschermittwoch ist’s ja nicht mehr lange hin.

aRTikel

Ein Buch, das die Welt bewegte

Mittwoch, den 24. Oktober 2007
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-> 9.11.2005

Iris, Luise, Marduk und Moritz über den am Sonnabend erscheinenden letzten Potter-Roman

Achtung! In diesem Artikel wird zumindest andeutungsweise etwas aus der Handlung des letzten Harry-Potter-Bandes verraten. Wer sich die Spannung erhalten will, sollte den nachfolgenden Text NICHT lesen!

MAZ Oranienburg, 24.10.2007

ORANIENBURG
„Ich habe es aufgegeben, das Buch auf Englisch zu lesen“, sagt Iris (17). „Wenn der letzte Harry-Potter-Band auf Deutsch erscheint, wird er gleich gekauft.“
Zum dritten Mal nach 2003 und 2005 treffen sich Iris, ihr Bruder Marduk (20) sowie Luise (20) und Moritz (20) mit der MAZ, um über Harry Potter zu sprechen. Aber diesmal wird es kompliziert. Denn erstens: Moritz wohnt inzwischen in Mannheim, wurde gesondert interviewt, er studiert an der dortigen Uni. Und in Oranienburg kennt Iris noch nicht den Inhalt des siebten Potter-Bandes. Sie verlässt den Raum, als es ans Eingemachte geht. Überhaupt: „Harry Potter interessiert mich eigentlich gar nicht mehr so sehr“, sagt Iris. „Ich bin älter geworden, genau wie Harry. Als Kind habe ich mich gern in die Zauberwelten reingedacht, das ist jetzt nicht mehr so.“ Wie die Geschichte zu Ende geht, hat sie trotzdem schon mitbekommen. „Aber ich hoffe, dass ich noch nicht alle Fakten kenne.“ Am Sonnabend erscheint der finale Band sieben auch in deutscher Sprache.
Marduk, Luise und Moritz sind dagegen schon durch. Sie haben sich das Buch in der englischen Version durchgelesen. „Das erste Mal“, merkt Moritz an. „Am Schluss habe ich gar nicht mehr gemerkt, dass es nicht auf Deutsch geschrieben war.“ Luise sagt: „Ich war am Ende ziemlich traurig, dass es zu Ende war.“ Die 20-Jährige hat inzwischen ein Studium an der BA Berlin begonnen. „Schade, dass es vorbei ist“, meint auch Moritz. „Andererseits: Es ist auch gut so. Und ich hoffe, sie macht auch nicht weiter.“ Dem scheint Joanne K. Rowling mit dem abschließenden Kapitel auch ein Riegel vorgeschoben zu haben. Es heißt: „19 Jahre später“. Es kommt eher nicht so gut an: „Das Ende ist leider flach, langweilig und überflüssig“, urteilt Moritz.
Doch davor geht es heftig zu. Luise, Marduk und Moritz sind sich da einig. „Sehr dramatisch“, sagt Moritz. „Das alles ist ziemlich cool gestrickt.“ Marduk, seit diesem Semester Student an der Berliner TU, erinnert sich: „Ich dachte, es wird echt knapp, was Harry angeht.“ Luise nickt und sagt: „Es ist auch wahnsinnig viel kaputtgegangen, es gibt gigantische Lichtblitze, gesprengte Höhlen – das wird im Film dann sicherlich ganz schön krachen.“ Das war’s jetzt also mit Harry Potter. Was wird bleiben?
„Die Reihe hat mich lange begleitet“, sagt Moritz. „Es entwickelte sich mit der Leserschaft vom Kinder- zum Erwachsenenbuch.“ Es sei eines der wenigen Bücher, das er nächtelang durchgelesen habe. Für Luise ist es „ein Buch, das die Welt bewegte. Das Buch unserer Generation, das ich mal mit meinen Kindern zusammen lese.“ Marduk grinst: „Ja, sie werden dann in eine schöne, heile Zauberwelt eingeführt, die dann von Band zu Band kaputtgemacht wird.“ Und gibt es eine Botschaft? „Toleranz, Freundschaft und Liebe sind die wichtigsten Werte“, sagt Marduk.
Harry Potter – am Sonnabend wird also auch auf Deutsch das letzte große Kapitel aufgeschlagen, und dann geht wohl eine echte Ära endgültig zu Ende.

RTelenovela

Mannheim, L2

Dienstag, den 16. Oktober 2007
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Irgendwie ist es doch ganz schön langweilig, den Straßen irgendwelche Namen zu geben. Von irgendwelchen tollen Leuten oder Orten. Erstmal drauf kommen und das Ganze auch noch beschließen. Bei jeder der vielen Straßen. Dauert ja so lange.
In Mannheim ist das ein wenig anders. In der Innenstadt haben die Straßen auf den ersten Blick seltsame Namen: L2 zum Beispiel. Oder L3. Oder M4.
Wenn man dann eine bestimmte Hausnummer in der L2 sucht, wird das dann noch verzwickter. Nach der Hausnummer L2 11 kommt beim Weiterlaufen nämlich keineswegs die L2 10. Plötzlich steht da L3 auf dem Straßenschild. Plus völlig anderer Hausnummer. Obwohl die Straße dieselbe ist (oder die Gleiche?).
Des Rätsels Lösung: Nicht die Straße heißt L2. Genau genommen hat die Straße gar keinen Namen. L2 heißt das Planquadrat zwischen den Straßen. Bedeutet: Das Haus im betreffenden Quadrat trägt die Bezeichnung L2 plus entsprechende Hausnummern für die Eingänge. Da muss man erst mal drauf kommen. Und bis man drauf kommt, vergehen auch schon mal par Minuten. Oder ein paar mehr. Aber so sind die Mannheimer drum herumgekommen, sich irgendwelche Namen für die vielen Straßen auszudenken. Ob das clever ist, weiß ich nicht. Außergewöhnlich aber allemal.

RTelenovela

Traumtagebuch (20): Die Plüschtierdemo

Montag, den 4. Juni 2007
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-> 27.5.2007

Wir stehen auf einem Parkplatz in Mannheim. Dieser Parkplatz befindet sich auf einem Mittelstreifen einer breiten Straße. Ich will Marcel und Franzi irgendwo hinfahren, wahrscheinlich zum Bahnhof, das geht aus der Situation nicht hervor.
Wir müssen uns beeilen. Denn aus der Richtung, in die wir eigentlich fahren wollten, kommen Demonstranten. Die Demo nähert sich uns sehr schnell. Wir haben Sorge, leichte Angst, dass das Auto das alles nicht heil übersteht.
Noch bevor wir alles im Auto verstaut haben und wir alle eingestiegen sind, haben die Demonstranten uns erreicht.
Auf uns kommt eine Gruppe Schornsteinfeger zu. Einer legt eine Schornsteinfeger-Plüschfugur auf mein Auto. Je mehr Leute vorbei laufen, um so mehr Plüschkram – allerlei Zeug – wird auf meinen Mazda geschmissen.
Die Schornsteinfeger sind durch, die anderen Demonstranten sind “normale” Leute. Einige klettern auf mein Auto, hocken hinten auf dem Kofferraum und lassen sich fotografieren.
Marcel hat sich ans Steuer gesetzt, versucht den Motor zu starten und erklärt nebenher den umstehenden Leuten irgend etwas. Ich schreie ihm zu, dass er gefälligst den Schlüssel abziehen und mir geben solle.
Dann ging alles schnell. Die ganze Demo zu Ende. Großes Aufatmen.
Ich beschließe, auch noch ein Foto von uns dreien zu machen, und Plüschfiguren sind auch noch genug da.

Hintergrund: Natürlich die Demo, die Ausschreitungen in Rostock. Von denen hatte ich am Abend davor in den “Tagesthemen” gesehen. Mannheim – da waren wir am Abend zuvor im Kino. Außerdem hatte ich mir gestern und Sonnabend Gedanken gemacht, dass ich während meines Besuches bei Marcel und Franzi kein einziges Foto gemacht habe. Das scheint sich alles vermengt zu haben.