RTelenovela

Radtour (27): Sackgasse ins Nichts

Sonntag, den 7. Juli 2013
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(26) -> 18.6.2013

Dass ich mich mal wieder auf eine Expedition begebe, war wirklich nicht geplant! Ich bin einfach so reingeraten.
Eigentlich wollte ich nach einem Besuch des Eiscafes am Oranienburger Lehnitzsee nur noch die übliche Runde fahren – entlang des Oder-Havel-Kanals bis Friedrichsthal und durchs Dorf zurück.
Aber es sollte anders kommen.

Erste neue Entscheidung: An der neuen Friedrichsthaler Brücke fahre ich noch weiter bis Malz – da ist Dorffest, vielleicht ist’s da nett. Also radele ich an der Werft und der Schleuse vorbei nach Malz.
Doch das, ähm, Dorffest ist eine Enttäuschung. Auf der Wiese stehen ein paar Bänke, ein paar Leute sitzen da rum, dazu ein bisschen Musik und Bierwagen. Das ist nicht mal ein Fotomotiv und kein Grund, eine Pause zu machen. Zumal ich sowieso nur noch 2 Euro dabei hatte.

Ich fahre eine Kopfsteinpflasterstraße entlang und erreiche den Ortsausgang von Malz. Welcher Ort danach kommt, und ob da überhaupt noch ein Ort kommt, steht da nicht. Die Fläche auf dem Schild ist jungfräulich gelb. Aber: Es gibt einen richtigen Radweg.
Und da ist sie – die Expedition. Ich radele weiter und weiß nicht, wohin.

Ein Radweg, der mir völlig unbekannt war. Von Malz aus führt er durch den Wald. Nebend er unbefestigten Sandpiste gibt es einen asphaltierten Weg. Und die Stille, die pure Natur. Ein herrlicher Weg!
Irgendwann aber biegt der Radweg links ab, das freundschaftliche Nebeneinander von Sand- udn Radweg endet. Jetzt geht es an einer Stromoberleitung entlang, durchs Feld. Ich habe keinen blassen Schimmer, wo ich ankommen könnte. Ich tippe auf Nassenheide.

Ich komme an eine Straße – und ahne: Ich bin genau an der Grenze zwischen Neuholland und Freienhagen. Die Landesstraße.
Aber ist es wirklich die Landesstraße? Ich bin mir unsicher. Die Hinweisschilder für Radfahrer sind nicht ganz eindeutig. Freienhagen ist nicht ausgeschildert. Und: Gegenüber geht eine Straße ab, wohin sie führt, weiß ich nicht. Vielleicht bin ich auch nur zu blöd, die richtigen Schilder zu finden.
Ich entscheide mich – warum auch immer – diese schmale Straße entlang zu fahren. Ich komme an einer Pferdepension vorbei, dessen Namen ich noch nie gehört habe. Weiter an einem riesigen Rinderstall vorbei.

Erstaunlicherweise gibt es sogar im Nirgendwo eine Bushaltstelle. Vielleicht bekomme ich durch den Fahrplan heraus, wo ich bin.
Das Vorhaben scheitert allerdings daran, dass beide Fahrpläne beider Fahrtrichtungen dranhängen. Aber in welcher Richtung bin ich denn nun unterwegs? Die Haltestelle heißt: “Neuholland, Sperberhof”.
Immerhin ist nun klar: Ich bin tatsächlich in Neuholland, und ich war kurz davor tatsächlich an der Landesstraße. Wäre ich nur mal links abgebogen! Aber umdrehen kommt bei der Radtour nicht infrage.

Ich radele also weiter – bis zum Bergemannhof, einem Wohnplatz – gewissermaßen ein Ortsteil von Neuholland. Kannte ich vorher nicht. Wieder mal einer der Kleinstorte in Oberhavel, die ich neu entdeckt habe.
Ich biege in die kleine Straße ab, die so heißt die der Ort. Ein paar Höfe, wenige Häuser, ein paar Hunde, die müde rumliegen. Ansonsten weites Feld.
Erstaunlich. Ein gibt Orte im Nirgendwo, die vom Nirgendwo noch mal abgezweigt sind. Im verlauf der Straße gibt’s weitere einzelne Grundstücke. Und ein Sackgassenschild, das ich aber erst mal ignoriere. Ich fahre weiter und gelange an ein Grundstück – und ans Ende der Straße.
Hier geht es nicht weiter – und es ist das erste Mal auf meiner meiner Radtouren, dass ich umdrehen muss, dass ich wirklich nicht weiter komme, denn die Straße endet am Feld.

Also zurück. Aber nur bis zur Bushaltestelle. Denn dort biegt ein Plattenweg zum Sperberhof ab. Über holprige Betonplatten fahre ich entlang eines Wassergrabens ohne Wasser. Wo nun der Sperberhof ist, weiß ich nicht. Habe ich nicht gefunden – oder übersehen. Aus Beton wird Sand, aber selbst im Nichts gibt’s plötzlich ein Ortsschild: Freienhagen. Ich erreiche die Groß-Siedlung.
Große Pferdehöfe, hübsche Villen und ein besonders kurzer Ernst-Thälmann-Weg.
Am Ende der Siedlung bin ich wieder an der Landesstraße. Ich fahre Richtung Nassenheide. Inzwischen zut mir der Hintern weh, und ich will nun eigentlich auf dem direkten Wege nach Hause.

Der Bahnhof Nassenheide ist komplett neu gestaltet. Der alte Bahnsteig ist weggerissen, das Wartehäuschen ist weg – übrig nur nur eine neue Plattform auf der nach Freienhagen gerichteten Seite. Sehr schmucklos. Im Schaukasten hängt ein Zettel mit einem Foto des mehrköpfigen Bahnhofsteams – allerdings sitzt es nicht in Nassenheide, sondern irgendwo in Berlin. Aber schönes Foto…

Das mit dem direkten Weg gelingt mir in Nassenheide dann doch nicht – ich biege am Friedrichsthaler Weg falsch ab und verirre mich in einem lauschigen Wohngebiet. Sackgassenpleite Nummer 2.
Dann aber geht’s zurück – entlang der B96 und weiter nach Sachsenhausen. Nach einem Zwischenstopp im Imbiss von Ronald M.D. erreiche ich endlich wieder meine Straße – fast drei Stunden war ich unterwegs. Reicht erst mal wieder.

RTelenovela

Radtour (10): Schäferstündchen am Lehnitzsee

Mittwoch, den 28. September 2011
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(9) -> 19.9.2011

Dieses Wetter! Unfassbar! Ewig haben wir auf den Sommer gewartet. Und jetzt ist Herbst, und der Sommer gibt ein verspätetes Gastspiel.

Diesmal ging es mit Rad wieder nach Sachsenhausen. Entlang der Granseer Straße, der ehemaligen B96, ist der Radweg in einem erbärmlichen Zustand. Der Ortskern scheint sowieso ziemlich vernachlässigt zu werden. Das sieht alles relativ runtergekommen aus. Sachsenhausen ist als Ortsteil von Oranienburg wohl in Vergessenheit geraten.

Am Ortsausgang von Sachsenhausen wird der Weg schlagartig besser. Glatter Asphalt. Wenn man mal von den Blättern und Ästen absieht. Mit denen muss man als Radler leben. Die großen Straßen werden immer mal wieder gesäubert. Radwege nicht. Muss man eben aufpassen.
Am B-96-Knotenpunkt namens “Oranienburg-Nord” (blödsinniger Name – warum nicht “Sachsenhausen”?) lässt sich die alte Streckenführung nur noch erahnen. Sie ist noch an der Baumschneise zu sehen, allerdings ist sie begrünt worden. Irgendwann sind diese Spuren verwischt.

Ich erreiche Nassenheide. An der Liebenwalder Chaussee bietet sich ein Bild des Jammerns. Auf einem Feld stehen Sonnenblumen. Allerdings sind sie nicht gelb, sondern schwarz. Schwarz und vertrocknet. Sieht aus wie nach einem verheerenden Brand.
Am Bahnübergang ist der Radweg unterbrochen. Wahrscheinlich hat die Bahn einfach keine Lust, da mal die Lücke im vorhandenen Weg auf beiden Seiten des Übergangs zu schließen.

Kurz vor Freienhagen zeigt sich die Natur von der wunderlichen Seite. Aus einem Baumstamm wächst ein ganzer Strauß heller Pilze.
Freienhagen hat leider keinen Platz für einen Radweg. Das heißt: Es gibt Wege neben der Straße. Die sind aber so eng und so dicht an den Häusern, dass das nicht ganz ungefährlich ist. Da hat man wohl vor Jahrzehnten sind mit dem Verkehr im 21. Jahrhundert gerechnet.
An der Feuerwehr biege ich in den Malzer Weg. Er führt in den Wald und fällt erst durch sein mieses Kopfsteinpflaster, dann durch seinen löchrigen Asphalt auf. Stellenweise ist die Strecke mehr Loch als Straße. Selbst als Radler muss man höllisch aufpassen. Weder die Stadt Liebenwalde noch Oranienburg scheinen an der straße größeres Interesse zu haben. Andererseits: Die Idylle im Wald zwischen Freienhagen und Malz ist herrlich!

Am Ende des Waldes liegt also Malz. Rechts der Straße sind Grundstücke, auf denen wohl Ausflügler aus Berlin wohnen – zumindest laut der Autokennzeichen. Ist ja auch ein lauschiges Plätzchen.
Im Dorfkern steht eine ganze Gruppe Kinder mit ihren Fahrrädern. Hängen die Kleinen also doch nicht nur vorm Fernseher und dem Computer.
In der Nähe der Malzer Werft wird der Kanal zu einem reißenden Gewässer. An der Schleuse ist ein richtiger, kleiner Wasserfall zu sehen. und es sieht aus, als ob das Wasser auf der anderen Seite fast über die Ufer tritt.

In Friedrichsthal erreiche ich den Radweg Berlin-Kopenhagen. Auf halber Strecke zwischen Friedrichsthal und der Lehnitzschleuse gibt’s für Radler eine Überraschung. Im Bereich der Rastanlage ist ein Spielfeld auf den Asphalt gemalt. Es sind zahlen von 1 bis 52 mit diversen Pfeilen. Da braucht man nur noch einen Würfel. Vielleicht sollte ich mir nächstes Mal Begleiter mit auf die Tour nehmen.

Als ich an der Lehnitzschleuse in Oranienburg vorbeifahre, ist die gerade in Betrieb. Am Ufer des Kanals sitzen ein Vater und ein kleiner Junge. Beide staunen. Ich radele weiter über die B273 hinweg ans Lehnitzsee-Ufer. Auf der andere Seeseite scheint eine Disco zu sein, laute Musik schallt übers Wasser hinweg.
Ich stoppe an einem Schild mit der Aufschrift “Rastplatz”. Der schmale Weg führt vom eigentlich Rundweg weg, auf eine Landzunge. Dort gibt es eine echte Überraschung: ein Schäferstündchen. Auf dem dortigen Tisch liegt ein Mann, auf ihr sitzt eine Frau. Beide sind angezogen, aber wie weit sie trotzdem schon sind, kann ich nicht abschätzen. Sie haben mich auch bemerkt, denn sie verharren in der Stellung. So einfach wollte ich es ihnen aber nicht machen: Ich bleib an dem Platz stehen, sah mich noch ein wenig in der Gegend um, sah zur anderen Seeseite mit der Disco. Ich wartete eine gute Minute, bis ich umdrehte. Ich konnte mir gerade noch verkneifen, zu sagen: “Weitermachen.”

aRTikel

1991: Hopfen und Malz, Gott erhalt’s!

Samstag, den 18. Juni 2011
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Juni 1991 I -> 15.6.2011

Rückblick: Partnerschaft, Liebesdrama und Harald Juhnke betrinkt sich auf Stadtfest

MAZ Oranienburg, 18.6.2011

Was passierte vor 20 Jahren im Altkreis Oranienburg – und was stand in der MAZ? Diesmal: die zweite Hälfte im Juni 1991.

OBERHAVEL
Oranienburg erlebt ein Liebesdrama. Ein 34-Jähriger wurde von seiner Freundin verlassen. Am 15. Juni 1991 droht er damit, das Haus Straße des Friedens 101 (Bernauer Straße) in die Luft zu sprengen. Polizei und Feuerwehr rücken an, der Mann geht mit einem Baseballschläger auf sie los. Dann riecht es auch noch nach Gas. Die Feuerwehr stellt die Leitung ab und kann den Mann schließlich überrumpeln.

In Birkenwerder schreit eine Frau den Revierpolizisten an: „Ich schieße dich über den Haufen!“ Dabei hält sie einen Revolver in der Hand. Nachbarn hatten die Polizei gerufen, weil in dem Haus an der Friedensallee Schüsse fielen.

Auf der Bahnstrecke zwischen Liebenwalde und Berlin-Karow werden im Juni 1991 die Fahrgäste gezählt. Seit der Wende geht ihre Zahl zurück, nur der Güterverkehr bleibt stabil. Die Zählungen seien kein Indiz für eine Streckenstilllegung, so ein Bahnsprecher.

Das zentrale Dorf Neuholland steht auf privatem Grund und Boden. Der Eigentümer der 43 Hektar großen Fläche hatte sich 1953 in den Westen abgesetzt, die Erben haben nun die Rückübertragung beantragt. Das Verfahren verläuft jedoch sehr schleppend und lähmt Bauvorhaben im Ort.

Franz Schönhuber, der Chef der Republikaner, spricht am 17. Juni 1991 im Hennigsdorfer Stadtklubhaus. In der Stadt führt das zu einem Polizei-Großaufgebot, Gaststätten bleiben geschlossen. Zu Zwischenfällen kommt es jedoch nicht. Rechtsaußen Schönhuber glaubt, dass seine Partei bald die bestimmende Kraft im Land sei.

In Borgsdorf bestimmen einen Tage später die Kinder das Geschehen auf der B 96. Die Schüler blockieren bei einer Demo die komplette Fahrspur in Richtung Oranienburg. Ihr Anliegen: Sie fordern eine Ampel am Triftweg, nachdem dort einer ihrer Mitschüler verunglückte.

Der Kreis Oranienburg wird Hauptstadtregion. Der Bundestag entscheidet für Berlin und gegen Bonn. Landrat Karl-Heinz Schröter hofft auf einen Wachstumsschub. Harry Doede vom Neuen Forum befürchtet, dass sich nun die Grundstücksspekulanten auf die Region stürzen.

„Hopfen und Malz – Gott erhalt’s!“ Malz und der Füssener Ortsteil Hopfen gehen eine Partnerschaft ein – verkuppelt durch eine Sendung des WDR.

Alle Bemühungen waren umsonst: Am 28. Juni kommt die Nachricht, dass die Bötzower Schleifscheiben GmbH zum 1. August schließt. 130 Mitarbeiter sind von dem Aus betroffen.

Der Juni endet in Oranienburg mit einem großen Fest. Die Stadt feiert ihren 775. Geburtstag. Tausende kommen zum Festumzug am 30. Juni, sahen sich Artistikshows an, diverse Ausstellungen und warten auf den Auftritt von Entertainer Harald Juhnke. Und er kommt tatsächlich. Und er trinkt. Und muss wieder gehen. Plötzlich erkrankt. Oder so ähnlich.

aRTikel

1990 – Jahr der Einheit: Kohl-Sieg macht Schröter betroffen

Samstag, den 18. Dezember 2010
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November 1990 -> 18.11.2010

Rückblick: Im Dezember 1990 zieht der Landrat in den Bundestag ein / Hooligan-Überfall in Hennigsdorf

MAZ Oranienburg, 18.12.2010

Was passierte im Jahr der Einheit im Altkreis Oranienburg – und was stand in der MAZ? Diesmal: die erste Hälfte im Dezember 1990.

OBERHAVEL
Zum vierten Mal im Jahr 1990 treten die Bewohner des Kreises Oranienburg an die Wahlurnen. Bei der Bundestagswahl gewinnt in der Region Oranienburg/Nauen die CDU mit 36,9 Prozent vor der SPD (34,6), FDP (10,0), PDS (9,2) und Bündnis 90/Grüne (6,0). Die CDU-Hochburg liegt in Staffelde. Dort erhält die Kohl-Partei 62,5 Prozent der Stimmen. Die SPD schneidet mit 47,2 Prozent besonders gut in Malz ab. In Hohen Neuendorf erhalten die „Mündigen Bürger“ gerade mal eine einzige Stimme. Landrat Karl-Heinz Schröter (SPD) kann die meisten Erststimmen erringen und zieht in den Bundestag. Dass Helmut Kohl erfolgreich ist, mache ihn „nachdenklich, sogar betroffen“.

Inzwischen weihnachtet es sehr. Außer in Oranienburg. Die Mitarbeiter des dortigen Marktcafés sind sauer. Der Weihnachtsmarkt habe kein Flair. Nur DJ Ossi mit seiner Disko verbreite festliche Stimmung, ansonsten sei eigentlich alles wie immer auf dem Markt.

Den Stadtverordneten in Velten steht der Sinn noch nicht nach Weihnachtsfeiern. Die Stadt muss einen Kredit in Höhe von 5,8 Millionen Euro aufnehmen. Bürgermeister Frank-Michael Reinhardt sagt, dass das Geld für neue Ampeln, Straßen und die Sanierung von Schulen gebraucht werde.

Auf den Imbiss an der Veltener Straße der Freundschaft wird unterdessen am 3. Dezember 1990 ein brutaler Überfall verübt. „Geld her!“, schreit der Unbekannte und besprüht die Verkäuferin mit Reizgas. Die Beute: 1000 Mark.

Schockierende Szenen spielen sich fünf Tage danach im Hennigsdorfer LEW-Haus ab. Etwa 30 Hooligans im Skinhead-Look tauchen bei einer Feier auf. Als sie die Bar stürmen, stellen sich ihnen jedoch mutige Männer entgegen. Mit Feuerlöschern schlagen sie die Glatzen in die Flucht. Die Polizei lässt 30 Minuten auf sich warten. Sie findet kaputte Scheiben, demolierte Lampen und eingedrückte Türen vor.

Nach der Währungsunion kaufen sich immer mehr Leute neue Autos. Und die alten? Die lassen sie einfach irgendwo stehen. Die Stadt Oranienburg kündigt nun an, die Wracks zu entfernen. „Der Kundendienst wird ein teurer Spaß“, so ein Sprecher aus dem Landratsamt. Am Ende der Aktion stehen 19 Schrottautos weniger in der Stadt herum.

Auch gefragt nach der Wende: neue Immobilien. Doch einen entsprechenden Markt gibt es bislang noch nicht. Am 6. Dezember 1990 öffnet die Firma Bendzko-Immobilien die erste Filiale vor den Toren Berlins.

Der Arbeitsmarkt erholt sich leicht. Die Quote der Erwerbslosen im Kreis sinkt von 8,7 auf 8,1 Prozent.

Teschendorf bekommt zum Jahresende eine neue Kita mit 60 Plätzen. Der Rohbau war bereits im Frühjahr 1990 fertig, doch nach der Währungsunion im Sommer ging das Geld aus. Die Kreisverwaltung gab 240.000 Euro dazu.

Der Gewerbepark in Hohenschöpping soll sehr viel kleiner werden als bislang geplant. Aus ursprünglich 270 Hektar sind nun 60 geworden. Der Ökologie-Kreistagsausschuss stimmt dem neuen Plan zu.

Der Kreis Oranienburg bekommt Mitte Dezember ein neues Wappen: Zu sehen sind ein roter Adler, darunter zwei silberne Schwäne auf grünem Grund – eine Zusammenfassung der alten Kreiswappen von Niederbarnim und Osthavelland.

Unterdessen versinkt der Kreis im Schnee. Der Winterdienst ist im Dauereinsatz. Es will einfach nicht aufhören zu schneien. Auf der B96 zwischen Birkenwerder und Borgsdorf stürzt ein Baum auf die Straße. Unfälle passieren jedoch nicht. Alle fahren vorsichtig.

RTZapper

Bauer sucht Kultur

Sonntag, den 11. Oktober 2009
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SA 10.10.2009 | 17.10 Uhr | rbb

Es gibt Kulturmagazine, die bestehen aus Moderationen und verschiedenen Beiträgen. Es gibt auch die, in denen eine halbe Stunde lang nur ein Mensch interviewt wird und das ganze weitgehend ohne Schnitte auskommt.
Und es gibt “Bauer sucht Kultur” im rbb. Eine spannende, witzige und erhellende Reihe.
Dieter Moor (1993 bekannt geworden durch das VOX-Medienmagazin “Canale grande”) lebt auf einem Bauernhof in der Nähe von Berlin. In jeder Sendung “Bauer sucht Kultur” fährt er durch Brandenburg, trifft Leute, sieht sich Museen an, besondere Orte und Einrichtungen.

So besuchte er in der aktuellsten Ausgabe die Schauspielerin Ursula Werner (“Wolke 9″) in der Prignitz, besuchte in Malz ein Ehepaar, das in den 80ern aus Hessen (West) in den Oranienburger Ortsteil (Ost) zog, um ein erbe anzutreten und eine Kneipe zu führen. Weiter nach Flecken Zechlin zum Ex-Manager der Band Ideal, der sich bei Rheinsberg ein Haus gebaut hat.

Bauer Moor sucht Kultur, findet sie und lässt uns daran teilhaben. Wunderbar!

aRTikel

Wendejahr 1989: Porree im Überfluss

Samstag, den 30. Mai 2009
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Rückblick: Gemüseknappheit im Kreis / Der Mai 1989 in der Märkischen Volksstimme

MAZ Oranienburg, 30.5.2009

Was stand im Wendejahr 1989 in der Märkischen Volksstimme (MV)? Wir blättern zurück.

OBERHAVEL
Gemüse ist im Frühjahr 1989 im Kreis Oranienburg ein Reizwort. „Kohl und Möhren sind knapp geworden“, schreibt die MV am 3. Mai. „Porree allein ist fast immer im Angebot.“ Die Genossenschaftsbauern in Neuholland seien gefordert, heißt es weiter. In Freienhagen entsteht zu diesem Zeitpunkt bereits ein weiterer Gebäudekomplex für Gemüseanbau.

Die Malzer Jugendlichen freuen sich über einen neuen Jugendklub. Zweieinhalb Jahre war die Baustelle neben dem Rat der Gemeinde ein Dauerthema. Im Klub sollen 50 Kinder einen Platz haben. Einmal pro Woche ist eine Disko geplant.

Kommunalwahl im Kreis Oranienburg: „Unsere Stimme dieser guten Politik“, schrieb die MV im Vorfeld und bilanzierte: 4153 Neubauwohnungen entstanden zwischen 1984 und 1988 im Kreis, darunter 782 Eigenheime. Außerdem 1098 Kindergartenplätze in den zehn Städten und Gemeinden sowie 41 Verkaufseinrichtungen und Gaststätten. „Unter lebhafter Anteilnahme breitester Kreise der Bevölkerung erfolgte die Auszählung der Stimmen“, heißt es dann am 9. Mai in der MV. Das erste Fazit: 99,53 Prozent aller Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab. Diese Zahl ist heute anzuzweifeln, dass die Wahl gefälscht war, konnte bald nachgewiesen werden.

Die Obst- und Gemüseverkaufsstelle in der Bergfelder Straße in Birkenwerder hatte einen guten Ruf, aber es herrschten miese Zustände. Nach einer grundlegenen Rekonstruktion kann der Laden wieder öffnen – vorher halfen Heizungsbauer, Maler und andere Handwerker.

Zweimal Lottoglück: Ein Sachsenhausener gewinnt beim „Tele-Lotto“ einen Wartburg. 79 451 Mark gehen auf das Konto eines Oranienburgers – er hatte einen „Sonntagsfünfer“ richtig getippt.

Den Oranienburgern stinkt es gewaltig. Ein Bürger äußerte in der MV den Verdacht, dass die Pharmawerke „mit Vorliebe“ nachts oder an Wochenenden üble Gerüche abließen. Die Antwort kommt prompt: Der Geruch entstehe bei der Weiterverarbeitung von Trimethylamin zu Futtermittelzusätzen. Pharma kämpfe dagegen an, heißt es weiter.

Im Hennigsdorfer Kulturhaus wird die 32. „Kreis-MMM“ eröffnet – die „Messe der Meister von morgen“. 130 Exponate können besichtigt werden, unter anderem Kelleraußenwandelemente für die Baustelle am Bötzower Platz in Oranienburg.

Die HO-Augenoptik zieht Ende Mai 1989 in die Räume des Hauses in der Straße des Friedens 2, die heutige Bernauer Straße. In der MV loben die Optiker die besseren Arbeitsbedingungen. Noch heute befindet sich an dieser Stelle ein entsprechendes Geschäft.

Und nur noch ein gutes halbes Jahr bis zum Mauerfall: Im Filmtheater Hohen Neuendorf scheint der richtige Film zur richtigen Zeit zu laufen: „Schrei nach Freiheit“.

ORA aktuell

Landesgartenschau: Staatsyacht auf Premierenfahrt

Donnerstag, den 16. April 2009
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Zwölf Tage vor der Eröffnung der Landesgartenschau in Oranienburg hat am Dienstag der Nachbau der niederländischen Staatsyacht aus dem 17. Jahrhundert im Schlosshafen festgemacht. Nach 15-monatiger Bauzeit auf der Malzer Werft trat es seine Reise nach Oranienburg an.