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Von Potter bis Pilcher

Mittwoch, den 21. Oktober 2009
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Porträt: Britta Strohschein hat ihren Traumberuf – als Bibliothekarin an der Grundschule in Flecken Zechlin

MAZ Neuruppin, 21.10.2009

Bevor Britta Strohschein aus Flecken Zechlin sich um die Bücher in der Schule kümmerte, war sie Köchin – was ihr wenig Spaß machte.

FLECKEN ZECHLIN
Jedes Buch hat eine Seele. Es gehört nicht in den Müll. Niemals. Britta Strohschein lächelt. Seit zwei Jahren arbeitet die 42-Jährige als Bibliothekarin an der Grundschule in Flecken Zechlin. Dreimal pro Woche ist die Bücherei für je eine Stunde am Mittag geöffnet. „Meist bleibt es aber nicht bei dieser einen Stunde“, sagt Britta Strohschein. Sie räumt die neuen Bücher ein, katalogisiert sie, plant Aktionen. „Ich habe Märchenrätsel ausgearbeitet, die die Kinder lösen können.“ Bis Mai kommenden Jahres haben sie Zeit. Die Schlauesten bekommen Preise, die Britta Strohschein bis dahin besorgen will.
„Es ist heutzutage schwer, die jungen Leute vom Computer wegzubekommen“, sagt sie. Deshalb hat es sich die Flecken Zechlinerin zur Aufgabe gemacht, die Kinder zum Lesen zu bewegen. „Es muss ja kein Roman sein. Aber Bücher können uns viel von den Dingen beibringen, über die wir noch nichts wissen. Durch Worte kann man viele Menschen erreichen.“

Bibliothekarin war schon immer der Traumberuf von Britta Strohschein gewesen. „Ich habe bereits als Kind viel gelesen“, erinnert sie sich. Die „Buddenbrooks“ zum Beispiel. Es hat allerdings viele Jahre gedauert, bis sie tatsächlich einen Job in einer Bücherei übernehmen konnte. „Ursprünglich war ich Köchin und später Restaurantfachfrau“, erzählt sie.
Gelernt hat sie im ehemaligen „Märkischen Hof“ in Neuruppin. Später arbeitete sie als Köchin im Rheinsberger Kernkraftwerk, im FDGB-Schulungsheim in Linowsee, in einer Rheinsberger Backstube und in der Marina Wolfsbruch in Kleinzerlang. Britta Strohschein erinnert sich: „Aber Köchin zu sein hat mir nie so richtig Spaß gemacht, wenn ich so zurückblicke.“ Trotz einer langwierigen Krankheit schaffte sie 2004 einen weiteren Abschluss, der es ihr erlaubt, Lehrlinge auszubilden.

Sie selbst kehrte aus gesundheitlichen Gründen jedoch nicht mehr in den Beruf zurück. Der Zufall wollte es, dass sie dann im Juni 2007 die Bibliothek an der Grundschule in Flecken Zechlin übernahm. „Ich wurde gefragt, ob ich mich dafür bewerben will“, erzählt Britta Strohschein. „Am Anfang war alles ein wenig chaotisch. Niemand wusste, wo welches Buch steht.“ Doch das hat sich inzwischen geändert. „Wir bekommen auch hin und wieder welche geschenkt. Manchmal sogar noch Ungelesene.“ Auch sie gibt manchmal ein paar Euro privat für Bücher dazu. Als sie auf der Suche nach Romanen der „Harry Potter“-Reihe war, fragte sie beim Verlag nach, der ihr sogleich Band fünf und sechs kostenlos zuschickte.

Sie liest am liebsten Familiengeschichten. „Schicksale, die sich über mehrere Generationen erstrecken, mag ich besonders“, sagt sie. Und wenn sie nicht liest, dann kümmert sie sich um ihre Katze oder sieht Rosamunde-Pilcher-Filme im Pay-TV. „Ich liebe die irischen Landschaften“, erzählt sie und lächelt.
Nebenher singt sie in zwei Chören. „Frohsinn“ heißt der eine in Flecken Zechlin. „Da singen wir Volkslieder und Schlager.“ Der andere ist der Singkreis in Dorf-Zechlin: „Meine Bücher, der Chor – das alles gibt mir sehr viel Kraft“, sagt sie.