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Sie singt ein Liebeslied, er muss würgen

Freitag, den 7. Juni 2013
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Dreimal ausverkauft: Frau Emmi und Herr Willnowsky begeisterten die Zuschauer in Kremmen

MAZ Oranienburg, 7.6.2013

KREMMEN
Ob Valentin Willnowsky mit seiner Frau Emmi glücklich ist, weiß niemand so genau. Zumindest könnte man den Eindruck gewinnen, dass die Ehe eher so lala läuft. Andererseits: Wenn sich die beiden ankeifen und einen Witz nach dem anderen auf Kosten des Partners machen, dann ist das ganz schön lustig.

Frau Emmi und Herr Willnowsky streiten sich auf offener Bühne. Gleich dreimal traten sie in den vergangenen Tagen im Theater „Tiefste Provinz“ im Kremmener Scheunenviertel auf. Dienstag, Mittwoch und gestern Abend kamen jeweils mehr als 100 Leute, um die Comedyshow mitzuerleben. Theaterleiter Andreas Dalibor freute sich über drei ausverkaufte Events. In dem weit mehr als zweistündigen Programm werfen sich Emmi und Valentin verbal die Bälle zu. Sie sagt: „Seine Hobbys sind einatmen und ausatmen.“ Er sagt: „Sie hat so viel Brücken im Mund, wenn man sie küsst, dann muss man Maut zahlen.“ So geht das den ganzen Abend, und das Publikum amüsiert sich köstlich. Die Männer johlen, wenn Herr Willnowsky auf seiner Frau rumhackt. Die Frauen lachen und applaudieren, wenn Frau Emmi zurückpfeffert.

„Es ist niemand aus Flatow hier“, bemerkte Emmi am Mittwochabend. „Die waren wohl gestern alle schon da. 600 Einwohner und zwei Nachnamen.“ Die Zuschauer – unter ihnen wohl tatsächlich niemand aus Flatow – brüllte vor Lachen.
Peter aus Kremmen ist 33 und wird von den beiden in die Mangel genommen. „Jetzt beginnt die schlimme Zeit“, bemerkt Herr Willnowsky. Er habe ein Buch gelesen, in dem es hieß, für Deutsche sei „die Zeit zwischen 33 und 45“ problematisch. Frau Emmi möchte gleich wissen, ob denn Peter was vorhabe. Als sie aber eine gute Stunde später Brian (30) aus Kreuzbruch im Publikum entdeckt, ist Peter aus dem Spiel, und Herr Willnowsky warnt sowieso vor einer Nacht mit seiner Frau: Sie schnarcht.

Die Show mit den beiden Comedians, hinter den Willnowskys stecken die Kabarettisten Christoph Dompke und Christian Willer, ist in weiten Teilen recht derb, aber das ist bei den Zuschauern in Kremmen richtig gut angekommen. Vielleicht auch, weil die beiden auf ihre Weise viele Wahrheiten aussprechen, die sich Männer und Frauen gern mal an den Kopf werfen. Als sie über ihren 16. Hochzeitstag spricht, spielt er am Klavier den Trauermarsch. Als sie am Ende ein Liebeslied singen möchte, muss er würgen.
Die große Klasse der beiden ist ihre Spontanität. Zu jeder Sache, die gerade im Theater passiert, fällt ihnen ein Gag oder eine Geschichte ein, dazu kommt ein gutes Namensgedächtnis. Wer einmal aus dem Publikum Teil des Geschehens ist, wird immer wieder angesprochen. Wenn ein Scheinwerfer kaputt geht oder Theaterchef Dalibor kurz auf die Bühne muss, um etwas zu reparieren, bauen sie das sofort ein.
Frau Emmi und Herr Willnowsky boten in Kremmen drei extrem kurzweilige Abende mit sehr hoher Lachfrequenz.

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1990 – Jahr der Einheit: Golf jagt Trabant

Dienstag, den 28. Dezember 2010
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Dezember 1990 I -> 18.12.2010

Rückblick: Im Dezember 1990 sorgt ein Verkehrsrowdy für Wirbel / Armee im Umbruch

MAZ Oranienburg, 28.12.2010

Was passierte im Jahr der Einheit im Altkreis Oranienburg – und was stand in der MAZ? Diesmal: die zweite Hälfte im Dezember 1990.

OBERHAVEL
Nach der Wende ist auch die Armee im Umbruch. Am 12. Dezember 1990 zieht sie sich wieder ein Stück mehr aus Oranienburg zurück. 40 Panzer vom Typ T55 des Motschützenregiments in der Straße des Friedens (Bernauer Straße) werden per Güterzug nach Löbau abtransportiert und dort verschrottet.
Zur selben Zeit gibt die Bundeswehr bekannt, dass sie das Oranienburger Wehrkreiskommando schließen wird. Die Musterung und Einberufung der Soldaten sollen nun die Dienststellen in Neuruppin und Nauen übernehmen.
Die Raketenbrigade der Bundeswehr will bis März 1991 den Standort in Beetz aufgeben. Was mit der dortigen Kaserne passieren soll, ist noch völlig unklar. Die Beetzer Bürgermeisterin Ingeborg Füllert bekundet ihr Interesse am Standort: Sie denkt darüber nach, dort ein Kurhaus oder einen Gewerbepark zu etablieren.

Der Konsum von Kreuzbruch verzeichnet einen traurigen Rekord. Innerhalb von sechs Wochen wird das Geschäft sechsmal von Einbrechern heimgesucht. „Wegen Einbruch geschlossen“ – dieses Schild hängt nun öfter an der Ladentür. Die Diebe nehmen hauptsächlich Alkohol und Zigaretten mit.

Die Oranienburger müssen sich von der alten „Puckelbrücke“ an der Saarlandstraße verabschieden. Die Holzkonstruktion ist überflüssig, nachdem vor einigen Monaten die neue Dropebrücke eröffnet wurde.

Die Hilfsschule für lernbehinderte Kinder in Sachsenhausen sendet Hilferufe aus. Das Haus ist vollkommen verfallen, die Kinder erhalten ihren Unterricht in alten Baracken. Die sanitären Einrichtungen gelten als unzumutbar, die Turnhalle ist ein zehnmal fünf Meter kleiner Raum. Die Verantwortlichen denken über einen Standortwechsel nach. Vielleicht in Oranienburg, am besten in S-Bahn-Nähe.

Kurz vor Weihnachten kommen Maria und Josef nach Borgsdorf und eröffnen einen Gebrauchtwagenmarkt. Das Ehepaar Olteano benennt ihr Geschäft tatsächlich „Maria und Josef“, ab 1991 soll es auch Neuwagen geben.

Die Awu will 1991 ihre Preise senken. Der Preis für die Abfuhr einer Mülltonne sinkt von 4 auf 2,95 Mark.

Am 22. Dezember 1990 kommt es zwischen Hohen Neuendorf und Hennigsdorf zu einem denkwürdigen Zwischenfall. Mario R. aus Ulm knackte in Berlin einen Golf, im Lehnitzer Friedrich-Wolf-Haus trank er diverse Mengen Alkohol. Auf seiner Fahrt nach Hennigsdorf trifft er dann auf einen Trabant, der ziemlich langsam vor dem Golf herfährt. Der Trabifahrer fühlt sich vom Fernlicht des Golfs geblendet, fährt noch langsamer. Daraufhin überholt der Golf, lauert dem Trabi später aber wieder auf. Mario R. klemmt sich wieder hinter die Rennpappe, fährt mehrmals auf. Der Trabant stoppt. Der Golf nicht, er schiebt das Ostauto vor sich her. Als der Trabifahrer den Golffahrer zur Rede stellen will, verriegelt der die Türen und gibt dem Trabant stattdessen den Rest – mit sechs Rammstößen in die Seite. Der Ulmer flüchtet, die Polizei findet den Golf später in Hennigsdorf-Nord. Es kommt raus, dass der Mann auch in seiner Heimat schon per Haftbefehl gesucht wird.

Am Ende schaut Jette positiv auf 1990 zurück. Es gebe keinen Grund zum Meckern. Oder doch: Behältst du deine Arbeit? Das sei dann schon eine der wichtigsten Fragen der Zeit. Für das Jahr 1991 bestehe dennoch große Hoffnung.

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3,3 Millionen Euro für Investitionen

Mittwoch, den 23. Januar 2008
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Interview: Liebenwaldes Bürgermeister Jörn Lehmann kündigt für 2008 viele Bauvorhaben an

MAZ Oranienburg, 23.1.2008

Was waren die Liebenwalder Höhepunkte 2007? Was steht 2008 an? Zum Neujahrsgespräch traf sich MAZ-Mitarbeiter Robert Tiesler mit Bürgermeister Jörn Lehmann.

Hatten Sie Gelegenheit, sich in der Weihnachtszeit ein bisschen Ruhe zu gönnen?
Jörn Lehmann:Normalerweise sollte man das. Dieses Jahr war es leider nicht so. In der Vorweihnachtszeit ist vieles liegengeblieben, das ich aber nach Weihnachten und Neujahr aufgearbeitet habe. So gehe ich mit gutem Gefühl ins Jahr 2008.

Konnten Sie alle Ihre Vorsätze von 2007 einlösen?
Lehmann:Ich hoffe, dass ich alle Vorhaben realisieren oder zumindest beginnen konnte. Wir haben in den vergangenen Jahren einiges geschafft, das wird in meinen Berichten in den Ortsbeiräten zum Ausdruck kommen.

Was hat nicht so geklappt?
Lehmann:Das kann man nicht nur auf 2007 beziehen. Es gibt immer noch Probleme mit den Gewerbeansiedlungen. Viele Industrieflächen sind in Privatbesitz, und von einem Teil der Eigentümer gibt es keine Initiativen.

Was fehlt in Liebenwalde?
Lehmann:Vom Dienstleistungssektor her sind wir gut aufgestellt. Aber wir brauchen noch Ansiedlungen, die uns mehr Arbeitsplätze bringen.

Nach dem Aus der Bahnstrecke zwischen Zehlendorf und Wensickendorf: Wie stehen jetzt noch die Chancen für einen Liebenwalder Bahnanschluss?
Lehmann:Die jetzigen Voraussetzungen begründen keine Bestellung von Verkehr auf der Strecke. Aber wenn Berlin und Brandenburg endlich die Anbindung nach Berlin-Gesundbrunnen schaffen würden, würde es für Liebenwalde auch deutlich realistischer aussehen.

Was waren die wichtigsten Projekte im Jahr 2007?
Lehmann:Es waren so viele, dass man fast Probleme hat, den Überblick zu behalten. Die Hüllensanierung der Stadtkirche ist abgeschlossen. Die Touristeninformation mit dem Hofladen eröffnete und hatte 2007 schon etwa 5000 Besucher. Im Stadtkern haben wir das Wohnhaus Breite Straße 5 saniert. Unsere Kinderbibliothek wurde neu gestaltet. Der Liebenthaler Weg ist fertig, die Abnahme erfolgt Ende Januar. Der Radweg in Kreuzbruch ist verlängert, in Hammer wurde der dritte Bauabschnitt des Mehrzweckgebäudes realisiert. Die Radweganbindung nach Böhmerheide ist vollendet. In Neuholland wurde in die Kita investiert.

Was steht 2008 an?
Lehmann: 2008 haben wir das größte Investitionsvolumen, das die Stadt je hatte, etwa 3,3 Millionen Euro. In Kreuzbruch wird ein neues Feuerwehrgerätehaus gebaut, der Radweg zwischen Liebenwalde und Neuholland wird fertiggestellt, in Planung ist auch ein Radweg zwischen der Hamburger Kreuzung und Freienhagen. Das sind sieben Kilometer. In Freienhagen bekommt der Ernst-Thälmann-Weg eine neue Beleuchtung. In Liebenwalde beginnt die Sanierung des kommunalen Objekts in der Breiten Straße 2. Am Bischofswerder Weg beginnt der erste Bauabschnitt von der Mausbrücke bis zur ehemaligen Burganlage. Der Landkreis wird die Liebenthaler Ortsdurchfahrt erneuern, und der Parkplatz an der Kreuzung der Bundes- und Landesstraße wird neu gestaltet.

Veranstaltungen in Liebenwalde – gab es Höhepunkte?
Lehmann:Das Drachenbootrennen und der 2. Kreisfeuerwehr-, Polizei- und Katastrophenschutztag mit tausenden Besuchern, die Veranstaltung hat sehr gut funktioniert. 2007 fand auch das erste Traktoren-Treffen statt und war trotz Regens kein Reinfall.

Was steht 2008 auf dem Plan?
Lehmann:Ich finde es bemerkenswert, wie viele Veranstaltungen 2008 realisiert werden. Es gibt wieder Traktorentreffen, Drachenbootrennen, die Museumsnacht, zum Jahresende der Weihnachtsmarkt und noch viele andere kleinere Veranstaltungen.

ProSieben-Moderator Jumbo Schreiner meinte jüngst in der Sendung „Galileo“: „Wofür ist Liebenwalde bekannt? Für gar nichts!“ Was haben Sie dem entgegenzusetzen?
Lehmann: Wenn Jumbo am 12. Januar das „Heimatjournal“ des rbb gesehen hätte, dann hätte er gewusst, was es hier alles zu erleben gibt.

RTelenovela

Der Trinkwasserpflug

Freitag, den 9. November 2007
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Auf einem Feld am südlichen Ortseingang von Liebenwalde war heute Wunderliches zu beobachten. Nämlich, wie eine Trinkwasserleitung eingepflügt wird. Glaubt ihr nicht? Ist aber so.
Derzeit wird eine neue Trinkwasserleitung von Liebenwalde nach Kreuzbruch verlegt. Ich dachte bisher immer, das ist ein ganz schwieriger Akt. Ist es aber nicht. Ich hatte heute die Gelegenheit, mir diesen Vorgang ein wenig näher anzusehen. Dazu bin ich quer über das Feld gestiefelt.
Ein Pflug spaltet den Boden in eine Tiefe von 1,40 Meter auf. Gleich danach versenkt die Maschine das blaue Polyethylenleitung in die Erde. Dann fährt noch ein Bagger rüber, der, nachdem alles verschweißt ist, die Spalte wieder schließt. So einfach geht das. Schwieriger wird es nur, wenn die Leitung unter den Oder-havel-Kanal verlegt wird. Das wird in einer Tiefe von bis zu 4,05 Meter geschehen.
Man lernt doch immer wieder dazu.

RTelenovela

Rehmate

Samstag, den 3. November 2007
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Auf der Landesstraße 21 zwischen Zehlendorf und Kreuzbruch steht an einem Abzweig das Hinweisschild für den Ort Rehmate. Schon immer habe ich mich gefragt, was das für ein Ort sein soll. Ich war jedenfalls noch nie dort. Ein weißer Fleck auf meiner Oberhavel-Landkarte.
Bis heute. Nach einem Termin in Kreuzbruch nahm ich mir einfach mal die Zeit, links abzubiegen. Nach Rehmate.
Rehmate ist ein Ortsteil von Zehlendorf. Zehlendorf widerum gehört zu Oranienburg. Der abgelegene Ort ist also Teil von Oranienburg. Wer hätte das gedacht.
Tatsächlich hat Rehmate etwas zu bieten. Eine unbefestigte Hauptstraße und ein paar Nebenstraßen. Einige Wohnhäuser. Und eine richtige Ranch. Hier kann man auf Pferden reiten. Heute jedoch war es einfach nur neblig-trüb.
Fährt man durch Rehmate durch, immer weiter die holprige Straße entlang, landet man in Stolzenhagen.
Wieder was Neues gesehen von der Heimat.