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Im Stall: Augen auf bei der Schuhwahl!

Freitag, den 11. März 2011
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Bei Temperaturen über 10 Grad kann man das schon mal machen: die leichten Schuhe wieder rausholen. Für Winterschuhe ist es einfach zu warm. Was ich leider nicht bedachte, als ich mit den Tretern aus dem Haus ging: Ich hatte einen Termin, wo ich besser doch die festeren Schuhe angezogen hätte: in einem Ziegen- und einem Schweinestall.

Kleine Kinder und Tierbabys. Das ist eine Kombination, der sich wahrscheinlich niemand entziehen kann. Ich begleitete heute 18 Kinder aus einer Königshorster Kita dabei, wie sie eine Tour übers Land machten.
Auf dem Karolinenhof zwischen Flatow und Kuhhorst besuchten sie die kleinen Zicklein im Stall. Kinder haben da erstaunlicherweise keine Berührungsängste. Sie fummeln überall rum, kneten auf dem Kopf der Tiere rum und suchen nach den Hörnern, die noch nicht da sind.
Und ich watete durch den Schlamm.

Gut zwei Kilometer weiter ist Kuhhorst. Auf dem dortigen Ökohof erwarteten uns Schweine. Eins hieß Rambo. Und ein kleines Mädchen kommentiere das arme Tier lapidar: “Rambo stinkt!” Ein anderes Schwein hieß Schnitzel – damit man gleich weiß, was mal draus wird, wie auch eine der Begleiterinnen der Kinder anmerkte.
Und ich watete durch den Schlamm. Der war noch schlammiger als bei den Ziegen. Glücklicherweise war ich nicht der einzige, der bei der Schuhwahl gepatzt hat. Ich wechselte einen Blick mit einer der Frauen – dann sahen wir auf unsere Schuhe und wussten, dass da was schiefgelaufen war.
Als wir aber die acht kleinen Ferkel sahen, von denen eins genüsslich bei der Mama saugte, war das schnell wieder vergessen.

aRTikel

Sportstunde mit Annemarie

Samstag, den 5. März 2011
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Freizeit: Jeden Dienstag treffen sich in Königshorst 20 Frauen, um sich fit zu halten – gefeiert wird danach

MAZ Neuruppin, 5.3.2011

Die Frauensportgruppe gibt es bereits seit 19 Jahren. Lisa Kessler, das älteste Mitglied, feiert bald ihren 80. Geburtstag.

KÖNIGSHORST
Einmal recken und strecken. Lisa Kessler macht sich ganz lang, sie drückt ihre Arme nach oben. Sie gehorcht, was die männliche Stimme aus dem CD-Spieler ihr sagt. Immer noch: recken und strecken. Und dann auf der Stelle gehen, im Rhythmus der Musik. Dann wippen und in die Knie beugen. „Das ist schön und so richtig angenehm, nicht wahr?“, sagt die CD-Stimme. Einige der 20 Frauen im Saal stöhnen, haben angestrengte Gesichter. Lisa Kessler nicht. Obwohl sie die Älteste in der Runde ist. Im Mai wird sie 80.
Jeden Dienstag kommt sie in den Saal neben der Königshorster Grundschule, um sich gemeinsam mit den anderen Damen in der Frauensportgruppe fit zu halten – und das schon seit 1992. „Das macht mir nichts aus“, sagt sie. „Ich bin doch noch gelenkig und schlank.“
Damals, kurz nachdem ihr Mann starb, wurde sie von den anderen Frauen in Königshorst angeprochen, ob sie denn nicht mitmachen wolle in der Gruppe. „Eigentlich wollte ich nicht“, sagt Lisa Kessler und lächelt. „Aber dann haben sie mich einfach geholt. Ich weiß noch, es hat fürchterlich geregnet damals , aber es hat mir gefallen.“ Die Stunde Sport sei mal was anderes, findet sie. „Und ich finde schön, mit den anderen zusammen zu sein.“

Aus dem CD-Lautsprecher ertönt das Lied von „Annemarie“. Einige Damen summen mit während die auf der Stelle treten. Manche haben sogar die Puste, mitzusingen: „Liebchen ade, Scheiden tut weh, Annemarie!“ Das Lied zieht sich, der Rhythmus wird schneller. Jetzt geht es aufs Ganze. „Oh, noch eine Strophe?“, ruft eine der Frauen atemlos. Annemarie hat inzwischen die doppelte Geschwindigkeit erreicht, nur die wenigsten Frauen bleiben im Takt.
Sieben Minuten dauert das Lied. „Wir müssen schon eine ganz gute Kondition haben, um das durchzuhalten“, sagt Brigitte Seeger. Die 59-Jährige ist die Jüngste im Bunde, sie leitet die Gruppe das zweite Jahr. „Wir machen, was uns Spaß macht“, ergänzt sie. „Das ist eine tolle Truppe.“ Nachdem ihre Vorgängerin aus gesundheitlichen Gründen aufhören musste, wurde sie von den Frauen gebeten, die Leitung zu übernehmen. Sportlehrerin ist sie nicht, sie hat sich trotzdem in ihre Aufgabe hineingearbeitet. „Und bis jetzt haben sie es mit mir aushalten“, sagt Brigitte Seeger und lacht.
Die Übungen, die sie im Laufe der Sportstunde absolvieren sind altersgerecht. Ein bisschen laufen, Maskeln an- und entspannen. Hauptsache bewegen. „Wir sind ja keine Teenies mehr“, so die Gruppenleiterin. „Das Wichtigste ist eigentlich, dass wir uns regelmäßig sehen.“

Das scheint – neben der Bewegung – eines der wichtigsten Motive zu sein. Denn das sagt auch Jutta Lachner. Die 72-Jährige ist seit neun Jahren dabei. „Ich bin damals hierher gezogen und habe etwas gesucht, wo ich mich einbringen kann.“ In der Sportgruppe fühlt sie sich nicht allein.
Viele der Frauen treffen sich schließlich nicht nur zum Sport, sondern auch zum monatlichen Kaffeetreff. Oft stellen sie nach dem Sportkurs die Bänke und Stühle in der Halle zusammen und feiern noch ein bisschen. Frauentag, Weihnachten, Geburtstage. „Das schweißt zusammen“, sagt Jutta Lachner. Im Hintergrund nickt Lisa Kessler. „Aber eben erst nach dem Sport.“ Diese Regel halten sie immer ein.

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Hahn im Korb

Mittwoch, den 2. März 2011
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Schon das zweite Mal innerhalb ein paar Wochen war ich auf einem Termin, bei dem ich auf ausschließlich oder fast nur ältere Damen traf, gewissermaßen der Hahn im Korb war. Im Kollegenkreis werde ich dafür schon ein wenig belächelt. Aber dafür gibt es keinen Grund. Ich finde solche Zusammentreffen sehr spannend.

Königshorst ist ein kleines Dorf, das zur Gemeinde Fehrbellin gehört. Die Seniorinnen dort sind ziemlich aktiv, treffen sich regelmäßig. Sie veranstalten in gewissen Abständen einen Kaffeetreff. Dort spielen sie, basteln sie und reden über Gott und die Welt.
Heute war ich bei der Frauensportgruppe. Damen im Alter zwischen 59 und 79 machen einmal pro Woche für eine Stunde Sport. Hätte ich entsprechende Klamotten mitgehabt, ich hätte glatt mitgemacht. Denn es ist schon bitter: Alles, was sie dort heute gemacht haben – Gymnastik und Spannungsübungen für die Rücken- und Halsmuskulatur – könnte ich auch sehr gut gebrauchen. Mein Rücken und mein Hals hätten es auch dringend nötig, sportlich bearbeitet zu werden.

Aber es ist nicht nur das: Ich finde es unglaublich spannend, mit diesen Leuten ins Gespräch zu kommen. Wenn man wissen möchte, wie so ein Dorf tickt, was da so abgeht oder nicht, dann muss man solche Gruppen besuchen.
So erzählten die Damen davon, was es für ein Akt ist, einkaufen zu fahren. In Königshorst gibt es keinen Laden. Die nächsten Supermärkte sind in Nauen, etwa 15 Kilometer entfernt, oder in Fehrbellin, auch etwa 15 Kilometer entfernt. Spontan sein können die Damen, die meist nicht mehr alleine Auto fahren, da nicht.

Die meisten von ihnen leben seit Jahrzehnten in dem Ort, sie hatten ein anstrengendes Leben, arbeiteten bei der LPG, auf dem Feld, sie erlenten den Krieg, waren auf der Flucht.
Es scheint eine andere Art des Lebens zu sein. Auf dem Dorf ist alles etwas langsamer, nicht so schnelllebig.
Am Abend stand ich mit meinem Kollegen, der mich begleitete, in Königshorst. Es war ganz still. Drückend still. Niemand auf der Straße. Aber idyllisch auch irgendwie nicht…

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Schlaglochkrater und Geisterfahrer

Montag, den 14. Februar 2011
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Kein Tag vergeht, an dem ich in der Fehrbelliner Region über kaputte Straßen und den Ruf nach Sanierung berichte.
Wer beispielsweise durch Königshorst nach Lobeofsund fährt, wird mit einem besonders kreativen Fahrbahnbelag überrascht: Auf einer Seite leicht holpriger Asphalt, auf der anderen Kopfsteinpflaster. Und nun ist es sicherlich kein schwieriges Quiz, wenn ich die Frage stelle: Auf welcher Seite fahren die Autos? Natürlich auf dem Asphalt – in beiden Richtungen. Da kommt einem dann schon mal ein Auto auf der falschen Seite entgegen. Geisterfahrer also zwischen Lobeofsund und Königshorst. Ein Streitpunkt.

Streitpunkt 2: Die Straße zwischen Langen und Buskow. Langen gehört zu Fehrbellin, Buskow zu Neuruppin. Und weil wegen einer umleitung eine zeitlang viele Autos über die schmale Strecke rollten, ist sie nun leicht lädiert. Aber wirklich nur leicht. Aber auch dort machen die Leute Druck.

In Deutschhof ist die Straße so marode, dass das Kopfsteinpflaster schon durch den Asphalt schimmert – oder schon zu sehen ist. Die Deutschhofer haben jedoch Glück: Die Straße ist im Sommer dran.

Das Glück haben die Autofahrer, die zwischen Königshorst und Dechtow unterwegs sind, nicht. Zumindest ist wohl erst mal nicht damit zu rechnen, dass die Schlaglochkrater in nächster Zeit ausgebessert werden. Von der an sich schon miesen Straße ganz zu schweigen. Ach ja, und die Dechtower Ortsdurchfahrt ist an sich natürlich auch eine Katastrophe.

Habe ich irgendeine Straße in der Fehrbelliner Region vergessen?
Wenn es um schlechte Straßen geht, werde ich sowieso in Zukunft antworten: Fahre doch einfach mal von Dreibrück (noch ein Ortsteil von Fehrbellin) nach Ebereschenhof (gehört zu Börnicke, gehört zu Nauen im Havelland) – da kann man von einer Straße schon gar nicht mehr sprechen. Da ist man doch schon froh, überhaupt auf befestigtem Grund fahren zu dürfen.

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Verlucht noch mal! Meine Reise durchs Nirwana

Donnerstag, den 3. Februar 2011
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Weite Felder, rumpelige Straßen, verlassene Häuser und ein Postauto. Ich habe eine wahre Odyssee hinter mir. Eine, die mir den Schweiß auf die Stirn treten ließ.
Ich sag’s mal so: Meine Fahrt von der Autobahnabfahrt Kremmen nach Deutschhof, einem Ortsteil von Fehrbellin, verlief nicht ganz so wie geplant. Und dabei hatte ich mir die Route von Börnicke und Tietzow aus sogar bei Google-Maps angesehen und auf einen Zettel notiert. Ich habe mich aber trotzdem verfahren. Es wurde eine Reise durchs Nirwana.

Das Unglück begann im Dörfchen Tietzow. Ich meinte mich zu erinnern, dort in Richtung Kuhhorst und Königshorst abbiegen zu müssen. Der Dorfkern war jedoch gleichzeitig eine Sackgasse. Also nahm ich die nächste Querstraße. Ein kleines Schild zeigte den Weg nach Königshorst.
Aber ich hätte stutzig werden müssen, als ich an einem verwitterten Schild vorbeigefahren bin. Vielleicht war es ein Sperrschild, genaueres konnte ich nicht erkennen. Ich fuhr eine Straße entlang, die vor schätzungsweise 50 Jahren eine dünne Asphaltdecke bekommen hat, die nun aber nur noch zu erahnen ist.
Links von mir ein Wassergraben, rechts ein Feld. Weites Feld. Sonst nichts. Kilometerlang.

Die Holperstraße wich einige Kilometer später einem Plattenweg. Einen, auf dem in der Mitte das Gras so hoch stand, dass mein Auto auf dem Boden langschabte. Ich musste also mit einem Rad in der Mitte fahren. Inklusive Maulwurfshügel. Aua. Maulwurfshügel sind fester, als man so denkt. Meine Stoßdämpfer können ein Lied davon singen.

Ich hoffte, endlich wieder bewohntes Gebiet zu erreichen und schwor mir, nie, nie wieder solche Experimente zu wagen.
Dann: ein Haus. Ein Hof! Und ein Traktor! Und: ein menschliches Wesen! Ich erreichte ein kleines Dorf. Welches, das erfuhr ich an der Bushaltestelle: Ebereschenhof.
Ich war noch nie in Ebereschenhof. Ich wusste bislang noch nicht mal, dass es Ebereschenhof gibt. Es ist ein Ortsteil von Börnicke. Schock: Ich fuhr gewissermaßen im Kreis, durch Börnicke war ich schon gut 20 Minuten vorher gefahren.
Und wie ich aus Ebereschenhof wieder rauskomme, wusste ich auch nicht. Ich stieg aus dem Auto, und sah auf den Fahrplan an der Bushaltestelle. Erstaunlich, dass überhaupt ein Bus nach Ebereschenhof fährt. Eine Holperstraße, ein paar Häuser und ein paar Vögel. Ich war immer noch im Havelland, laut Busplan.
Ich holte den Atlas – den guten, alten Altas – aus dem Kofferraum. Und bekam einen Schock: Genau genommen führt keine Straße nach Ebereschenhof. Und keine wieder weg. Na toll.

Und nun? Das Ortsschild hinter mir nannte Kienberg als nächsten Ort. Kam für mich nicht in Frage. Also fuhr ich in die Gegenrichtung. Und atmete auf: Dreibrück – 3 Kilometer. Dreibrück war also mein nächstes Ziel. Von dort kommt man locker nach Deutschhof.
Direkt hinter dem Ortsausgangsschild von Ebereschenhof endete die befestigte Straße. Loch an Loch. Tiefe Gräben. Eine Katastrophe.
Gerade regen sich die Leute über die Straße zwischen Lobeofsund und Königshorst auf. Die sollten mal die – nein, man kann es nicht mal Straße nennen – Strecke zwischen Dreibrück und Ebereschenhof entlangtuckern.

Die Odyssee, Teil 2. Ich kam an eine Gabelung. Hinweisschilder gab’s nicht. Nur den Tipp, dass, wenn man sich die Spuren im Sand ansieht, offenbar mehr Autos nach rechts als geradeaus fahren. Ich bog also ab.
Loch folgte an Loch. Schrittgeschwindigkeit. Und um mich herum das blanke Nichts. Eine kleine Brücke. Rechts und links Felder.
Minutenlang holperte ich mich durch das Nirwana.

Aber dann: Von hinten näherte sich im Eiltempo ein gelbes Auto. Die Post! Im Affenzahn näherte sich das Auto – alle Schlaglöcher ignorierend. Ich machte Platz, und der gelbe Flitzer – Frau am Steuer – donnerte an mir vorbei. Flog über die Buckelpiste.
Wo die Post hinkommt, kann ich ja auch nicht so falsch sein. Ich fasste wieder Mut.
Ich erreichte eine Gegend, einen Ort, der sich Lindenhorst nennt. Wie ich später rausfand, gehört auch Lindenhorst zu Börnicke. Mehr als drei Häuser sind’s nicht. Eins scheint nicht bewohnt zu sein. Ich bin wieder – oder immer noch – schockiert: Wie kann man dermaßen abseits von Gut und Böse wohnen? Abseits eines Dorfes, einer Kleinstadt – im Nichts?
Vor mir stoppte das Postauto und wendete.
Wendete! Hat sich die Dame verfahren? Wollte sie gar keine Post nach Lindenhorst bringen und hat es zu spät bemerkt?
Im Rückspiegel sah ich, dass der Wagen stoppte. Also doch Post für einen Lindenhorster. Und weg war das Auto.

Vor mir wurde der Holperweg immer enger. Als das ganze auch noch schlammig wurde, stoppte ich. Und gab auf. Hinter Lindenhorst kommt nichts mehr. Irgendwann kommt im Nichts nichts mehr. Gar nichts mehr. Ich manövrierte mich rückwärtsfahrend aus dem Schlamm. Ich drehte um und nahm Abschied von Lindenhorst. Auf einem Grundstück stand ein Auto – mit HVL-Kennzeichen. Ich war immer noch im Havelland.

Den langen Weg zurück nach Ebereschenhof wollte ich aber auch nicht mehr fahren. Meine Stoßdämpfer signalisierten mir auch, dass das nicht sein muss. Also bog ich ab, auf einen Plattenweg. und endlich konnte ich wieder mehr Gas geben.

Selten habe ich mich so gefreut, wieder Häuser zu entdecken. In der Ferne eine Straße mit lebhaftem Autoverkehr! Freiheit! Befestigte Wege! Zivilisation! Ich konnte mich aus den verschlungenen Wegen des havelländischen Luchs befreien!
Dreibrück. Ich war so glücklich, endlich in Dreibrück zu sein. Ich werde Dreibrück auf ewig dankbar sein.
Ich bog auf die Landesstraße. Sie ist in einem miesen Zustand. Sie ist holprig. In Deutschhof geradezu brüchig. In Königshorst kommt auch das Kopfsteinpflaster durch. Aber gegen die Rumpelwege rund um Ebereschenhof sind sie das Autofahrerparadies.

Nachtrag: Ich habe noch mal bei Google-Maps nachgesehen. Ich bin zu früh abgebogen. Nächstes Mal mache ich es richtig. Ganz bestimmt. Ich habe kein Geld für neue Stoßdämpfer.