RTelenovela

Eingesperrt zwischen den Leitplanken

Donnerstag, den 17. März 2016
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Für Fußgänger und Radfahrer ist die Strecke zwischen Vehlefanz und Wolfslake die Hölle. Es gibt keinen Gehweg an der Landesstraße. Schlimmer noch: Ein großer Teil der Strecke ist eingerahmt von Leitplanken. Es ist schlicht kein Platz für die Leute, die zu Fuß oder auf dem Rad unterwegs sind. Nun könnte man natürlich sagen: Für die zwei Leute, die da pro Woche lang gehen, wäre das ja Geldverschwendung.

Ich bin diesen beiden Leuten gestern begegnet, und es war eine echte Schrecksekunde. Ich kam aus Wolfslake und bereitete mich schon auf eine relativ enge Linkskurve vor, da tauchten plötzlich auf der Fahrbahn zwei Fußgänger auf. Die beiden Frauen liefen – wie es die Straßenverkehrsordnung auch vorschreibt – entgegen der Fahrbahn auf der linken Seite, kamen mir also entgegen. Wegen der Leitplanken konnten sie kaum ausweichen.

Zum Glück hatte ich keinen Gegenverkehr, ansonsten wäre es eng geworden. Ob ich es jemals erleben werde, dass dort ein Weg gebaut wird, steht dennoch in den Sternen. Ich möchte dort jedenfalls kein Fußgänger sein.

aRTikel

Peter Leys bleibt Bürgermeister in Oberkrämer

Montag, den 9. November 2015
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Absolute Mehrheit gleich im ersten Wahlgang – nur 38,3 Prozent beteiligten sich an der Abstimmung

MAZ Oberhavel, 9.11.2015

OBERKRÄMER
Für ein paar Minuten stand Marwitz im Brennpunkt des Interesses bei der Bürgermeisterwahl in Oberkrämer. Der Ortsteil übermittelte als Letztes das Ergebnis zur Verwaltung nach Eichstädt. Um 18.40 Uhr, also nicht mal eine Stunde nach Schließung der Wahllokale, stand aber fest: Peter Leys (BfO) bleibt Bürgermeister von Oberkrämer, und das mit einem überraschend klaren Abstand.

Leys gewann mit 2257 Stimmen (64,7 Prozent) , das ist schon die absolute Mehrheit im ersten Wahlgang. Damit ist keine Stichwahl nötig. Carsten Schneider (SPD) bekam 647 Stimmen (18,6 Prozent) , Jörg Ditt (Grüne) 582 Stimmen (16,7 Prozent). Die Wahlbeteiligung lag bei nur 38,3 Prozent.

Im Eichstädter Verwaltungsgebäude brandete Applaus auf, als das Ergebnis feststand. „Ich hatte die Hoffnung, dass wir es ohne Stichwahl schaffen“, sagte Peter Leys. „Aber ich hätte nicht gedacht, dass es so deutlich ist. Ich möchte mich bei allen bedanken, die mich unterstützt haben.“ Der Wahlsieger sieht seinen Vorteil im Amtsbonus und darin, dass man ihn in der Gemeinde seit vielen Jahren kenne, auch schon als Bauamtsleiter.
Besonders stark war Leys in Eichstädt, wo er 82,1 Prozent der Stimmen erreichte, am schwächsten mit 47,6 Prozent in Neu-Vehlefanz.
„Mehr als zufrieden“ war auch Bernd Ostwald (CDU), seine Partei unterstützte Peter Leys. Das sei die richtige Entscheidung gewesen. „Wir haben dem Wähler wahrscheinlich eine Stichwahl erspart“, sagt er am Sonntagabend in Eichstädt.

Carsten Schneider war über das Ergebnis sehr enttäuscht. Er hat beide Wahlziele nicht erreicht: „Einen souveränen zweiten Platz und die Stichwahl.“ Für eine Analyse sei es noch zu früh. „Aber es gibt wohl keinen so großen Veränderungsbedarf seitens der Bürger“, sagte Schneider. Die Stimmung bei den SPD-Leuten beim Treffen in Bärenklau war gedrückt. Als die Ergebnisse kamen, sei das ein Schock gewesen. „Das ist, als wenn man in der Schule eine unerwartete Fünf bekommt.“ Mit nur 7,5 Prozent schnitt Schneider am schlechtesten in Eichstädt ab, am besten im Gemeindezentrum in Bötzow mit 24,2 Prozent.

„Ich bin enttäuscht“, sagte auch Jörg Ditt. „Das habe ich nicht so gedacht, nicht in der Eindeutigkeit. Aber das ist das Votum des Wählers.“ Ditt hatte sich zumindest eine Stichwahl erhofft. Er habe es wohl nicht geschafft, die unzufriedenen Bewohner von Oberkrämer an die Wahlurne zu holen. Jörg Ditt schnitt in Neu-Vehlefanz am besten ab, dort bekam er 36,9 Prozent der abgegebenen Stimmen. Sein schlechtestes Ergebnis erzielte er in Eichstädt mit 10,4 Prozent.

Von 9289 Wahlberechtigten gingen am Sonntag 3561 Menschen zur Wahl. Wie Wahlleiterin Sabine Großmann sagte, habe es keine Probleme gegeben. „Aber bis um 10 Uhr war es sehr ruhig“, erzählte Anneliese Kolewe, Wahlhelferin in Eichstädt. „Zur Kaffeezeit nach dem Spaziergang kamen die meisten.“ Mit 45,9 Prozent war die Wahlbeteiligung in Eichstädt auch am höchsten.

RTelenovela

Der Arsch von Oberkrämer

Donnerstag, den 5. November 2015
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Der Arsch von Oberkrämer ist weder eine spezielle Person, noch ein Körperteil. Auch wenn’s vielleicht so klingt.
Am Dienstagabend fand in Eichstädt das Forum zur Bürgermeisterwahl in Oberkrämer statt, das ich gemeinsam mit einem Kollegen moderiert habe. Und dabei habe ich sogar noch etwas gelernt.

Oberkrämer hat einen Blinddarm und einen Arsch.
Bötzow ist der Blinddarm. So hat es jedenfalls eine Bötzowerin in der Bürger-Fragerunde gemeint. Weil angeblich zu wenige Busse durch den Ort fahren und keiner was dagegen tut.
Daraufhin kam ein junger Mann und erzählte, dass er in Klein-Ziethen wohnt, und dort fahren noch weniger Busse zu den richtigen Zeiten. Und wenn Bötzow der Blinddarm sei, dann sei Neu-Vehlefanz (wozu das Dorf Klein-Ziethen gehört) der Arsch von Oberkrämer.
Daran werde ich wohl jetzt immer denken, wenn ich in diese Gegend fahre.

aRTikel

“Wir hatten nichts, trotzdem waren wir glücklicher”

Mittwoch, den 24. Dezember 2014
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Gerda Kleeßen aus Klein-Ziethen über den Zusammenheit unter den Menschen früher und heute

MAZ Oranienburg, 24.12.2014

KLEIN-ZIETHEN
Der Satz ist bemerkenswert, aber er ist öfter zu hören: „Damals, nach dem Zweiten Weltkrieg hatten wir nichts, trotzdem waren wir glücklicher.“ Gerda Kleeßen lebt seit 1956 mit kleinen Unterbrechungen und seit 1972 dauerhaft in Klein-Ziethen. Seit 16 Jahren geht sie regelmäßig zur Seniorengruppe, neulich trafen sich alle zur gemeinsamen Weihnachtsfeier.

Ihre Kindheit sei hart gewesen, sagt Gerda Kleeßen. Die Familie kam aus Ostpreußen, zog dann nach Steinförde bei Fürstenberg. „Wir waren fünf Kinder, mein Vater kam erst später aus der Gefangenschaft zurück“, erzählt Gerda Kleeßen. „Wir haben zu viert in einem Bett geschlafen, wir hatten wenig Geld, kaum was zu essen – und waren trotzdem irgendwie glücklicher.“ Sie klingt nachdenklich, als sie das sagt. Man sei über das zufrieden gewesen, was man hatte. Es musste immer wieder improvisiert werden. „Wir leben heute im Überfluss und können es gar nicht mehr schätzen, wie gut es uns geht.“ Heute seien die Leute immer öfter unzufrieden, obwohl es ihnen doch eigentlich gar nicht so schlecht gehe.

16 Jahre lang arbeitete Gerda Kleeßen in Schwante als Verkäuferin. Sie hat in ihrem Leben viele Menschen getroffen. „Zum Frauentag gab es immer große Feiern, auch zum 7.Oktober.“ Gemeint ist der DDR-Republikgeburtstag, der in allen Orten gegangen worden ist. Weihnachtsfeiern erlebte sie allerdings erst nach der Wende, als es in Klein-Ziethen die Seniorengruppe gab.
Die jedoch macht sie sehr glücklich. Bei der Weihnachtsfeier vor zwei Wochen herrschte gute Stimmung. „Unter den Senioren ist der Zusammenhalt eigentlich auch heute noch recht groß“, sagt Gerda Kleeßen. „Wir treffen uns alle vier Wochen und unternehmen auch mal was.“ Immer am Anfang eines Jahres schmieden die Senioren von Klein-Ziethen, Wolfslake und Neu-Vehlefanz Pläne. Da steht dann zum Beispiel ein Kegelausflug auf dem Programm.

Jetzt, zu Weihnachten, steht aber erst mal die Familie ganz oben auf dem Plan. An einem der Feiertage bekommt sie Besuch von ihren Kindern – und freut sich drauf.

aRTikel

Neu-Vehlefanzer wollen nicht länger benachteiligt sein

Dienstag, den 18. März 2014
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Wählergemeinschaft: Enttäuschung über die geschlossene Kita ist immer noch groß

MAZ Oranienburg, 18.3.2014

NEU-VEHLEFANZ
Die Neu-Vehlefanzer machen jetzt ihr eigenes Ding. Ortsvorsteher Peter Gerlach, Karlheinz Döpke und Monique Hartmann haben die Wählergemeinschaft Neu-Vehlefanz gegründet. Mit ihr wollen sie bei der Kommunalwahl im Mai an den Start gehen. Die Enttäuschung über die etablierten Parteien in Oberkrämer hat sie zu diesem Schritt gebracht.

Wie schon berichtet, ist Peter Gerlach kein Mitglied der „Bürger für Oberkrämer“ (BfO) mehr. Karlheinz Döpke war zwar kein SPD-Mitglied, trat aber 2008 für die Sozialdemokraten zur Kommunalwahl an. Auch das ist nun Vergangenheit. „In den Parteien ist nicht mehr viel zu holen“, sagte der 62-jährige Karlheinz Döpke gestern in einem Pressegespräch. Die Enttäuschung, dass im Jahre 2012 in Kita in Klein-Ziethen geschlossen worden ist, sitzt immer noch tief. „Uns ist damit der letzte gesellschaftliche Treffpunkt im Dorf weggenommen worden“, so Döpke. Ortsvorsteher Peter Gerlach stimmt ihm zu. Ihn ärgert aber auch, dass sich die Mehrheit der Mitglieder des Gemeinderates in Oberkrämer gegen den Ortszbeirat und die Leute in Neu-Vehlefanz gestemmt hatten. Das sei nicht demokratisch, findet Gerlach. Die Auslastung der Kita sei gut gewesen. „Es hieß immer: Die Kita bleibt.“ Dann jedoch sei anders entschieden worden. „Und das Gebäude steht immer noch leer.“ Gerlach und seine Mitstreiter könnten sich vorstellen, dass sich in Zukunft wenigstens eine Tagesmutter um Kinder aus Neu-Vehlefanz kümmert. Allein Wolfslake hat momentan acht Kinder.
Das Kita-Aus hat zum Bruch zwischen Peter Gerlach und der BfO geführt. „Das hat viel kaputtgemacht“, sagte er gestern. Das Vertrauen sei nicht mehr da gewesen. „Es gab keine Bereitschaft für einen Kompromiss“, erinnert sich Gerlach.

Bislang hat der kleinste Ortsteil in der Gemeinde Oberkrämer keine Stimme im Gemeinderat. Auch das soll sich ändern. Die Mitglieder der Wählergemeinschaft treten zwar alle für den Ortsbeirat an, jedoch nicht für den Gemeinderat. Das will Frank Christoph (SPD) übernehmen. Der 52-Jährige stellt sich der Wahl und wird von der Wählergemeinschaft unterstützt. „Unsere Ziele für den Ortsteil sind ja dieselben“, sagt Frank Christoph, und die anderen stimmen ihm zu.

Die Neu-Vehlefanzer fühlen sich in Oberkrämer ein wenig im Stich gelassen. „Wir werden kaum wahrgenommen“, sagt Frank Christoph. Es gebe Probleme im Ort, die ungenügend thematisiert würden. So fehle ein Gehweg entlang der Perwenitzer Chaussee von Wolfslake nach Vehlefanz. „Besonders die Brücke über der Autobahn ist gefährlich, gerade für Kinder“, sagt Ortsvorsteher Peter Gerlach. Ebenso die S-Kurve in der Chaussee kurz vor Vehlefanz.
Die Wählergemeinschaft will sich auch für den Wohnungsbau und Ausbau einsetzen. „Mieter kommunaler Wohnungen beschweren sich über Schimmel“, sagt Karlheinz Döpke. Die Neu-Vehlefanzer fordern eine fachgerechte Sanierung. Außerdem wollen sie einen besseren Winterdienst zwischen Neu-Vehlefanz und Eichstädt.

Auch zwischenmenschlich soll sich wieder mehr tun. Möglich seien ein Dorffest und ein kleiner Weihnachtsmarkt. „Es gibt junge Leute, die nachfragen und sich einbringen wollen“, so Peter Gerlach. Monique Hartmann kündigte an, dass es demnächst eine eigene Internetseite geben soll – ein Forum für Neu-Vehlefanz.

aRTikel

Das zweite Berlin im Krämer Wald

Donnerstag, den 6. Februar 2014
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Die Nazis bauten zwischen Pausin, Staffelde und Bötzow Anlagen auf, die die Bomber von der Großstadt ablenken sollten

MAZ Oranienburg, 6.2.2014

OBERKRÄMER/KREMMEN
Alles sollte aus der Luft betrachtet so aussehen wie das Original: Straßenzüge, Kreuzungen, Häuser und viel Licht. So, wie es 1940 rund um die Friedrichstraße in Berlin-Mitte eben aussah. In Wirklichkeit befand sich das Areal auf einem Feld zwischen Eichstädt und Vehlefanz. Die Straßenschluchten waren beleuchtete Waldschneisen. Neu-Berlin sagten die Leute damals zu dieser sogenannten Scheinanlage. Rund um die Reichshauptstadt bauten die Nazis im Zweiten Weltkrieg diese Anlagen auf, um die englischen und amerikanischen Bomber von ihren eigentlichen Zielen abzulenken. An anderen Stellen wollten sie angriffswürdige Ziele vertuschen.

Über dieses Kapitel deutscher Geschichte ist bislang nur wenig bekannt. Der Berliner Hobbyforscher Peter Reinhardt befasst sich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema. Am Dienstagabend hielt er einen Vortrag in Grünefeld (Havelland). „Es gibt kaum Infos und Dokumente“, erzählte er.

Rund um den Krämer Wald, in einem Gebiet zwischen Pausin, Staffelde und Bötzow befand sich die größte Anlage in der Region. Sie trug die Bezeichnung „V-500“, die Engländer gaben ihr den Namen „Decoy-City“ oder auch „Berlin-Nauen 1“. Sie sollte an zwölf Stellen eine Gesamtdarstellung von Berlin simulieren. Dazu gehörte die Friedrichstraße nahe Eichstädt, Bahngleise und Güterbahnhöfe bei Eichstädt, Grünefeld und Perwenitz oder ein Flughafen bei Pausin. „Die Leute in diesen Gebieten fragten sich immer wieder, warum dort ab und zu Bomben gefallen sind“, erzählte Peter Reinhardt. Oftmals sei erst nach dem Krieg die Existenz einer solchen Anlage klar gewesen.
Mehrere dieser Bauten standen nahe Pausin. Nördlich des Dorfes installierten die Nazis Metallwannen mit einem Altöl-Benzingemisch. Die Flammen sollten aus der Ferne einen Großbrand simulieren. Ebenfalls bei Pausin ist ein ganzer Flughafen zum Schein simuliert worden. Dazu gehörten große Modellflugzeuge aus Holz, die immer hin und hergeschoben worden seien, um Verkehrsbewegungen darzustellen. Auf einem Acker bei Perwenitz gab es ganze Schienenanlagen, die den Bahnverkehr aber ebenfalls nur simulierten. Ebenso nahe Eichstädt und Grünefeld. Die heutige Autobahn 10, der Berliner Ring, war damals noch nicht fertig, aber der Brückenkopf bei Paaren im Glien stand bereits, die Fundamente dienten ebenfalls als Scheinanlage. Nahe der alten Grünefelder Mühle standen Scheinwerfer, auf einem Feld am Vehlefanzer Weg bei Börnicke sind ähnliche Entdeckungen gemacht worden. Auf den Feldern zwischen Staffelde, Groß-Ziethen und Klein-Ziethen befanden sich, ähnlich wie bei Eichstädt, beleuchtete Schneisen im Wald – auch sie sollten teilweise die Großstadt darstellen. Wer zwischen Paaren im Glien und Perwenitz unterwegs ist, wird nahe der Tankstelle am Berliner Ring auf alte Fundamente solcher Bauten treffen. „Man muss aber ganz genau hinsehen“, sagte Peter Reinhardt. „Es steht beispielsweise eine Holzhütte darauf.“ In einem Waldstück bei Schönwalde-Glien entdeckte er lauter Erdhügel, auf denen in den 1940er-Jahren Scheinwerfer standen, die ebenfalls einen Teil der Stadt Berlin simulieren sollten.

Kräfte der Luftwaffe stellten den Betrieb der Anlagen sicher. Um sie vor Bombenangriffen zu schützen, sind jeweils unweit davon leichte Bunker gebaut worden. In Grünefeld ist einer heute noch zu sehen.
Dass Berlin etwa 30 Kilometer weiter südöstlich vom Krämer Wald liegt, bekamen die Engländer aber schnell mit. Auf Karten vermerkten sie die Scheinanlagen von „Decoy-City“. 30 englische und amerikanische Flieger sind bis zum Ende des Krieges in der Region abgestürzt.

Peter Reinhardt hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Kapitel der Scheinanlagen bekannter zu machen. Er sucht weiter nach Zeitzeugen, Fotos und Dokumenten

*

Simulierte Heinkel-Werke bei Nassenheide
Eine Auswahl von Scheinanlagen während des Zweiten Weltkrieges:
Bei Mühlenbeck befand sich in den Rieselfeldern eine Anlage, die mit Scheinwerfern und Rauch einen Großbrand simulieren sollte. In der Nähe von Nassenheide sind Teile der Anlage des Germendorfer Heinkel-Werkes nachgestellt worden.
In einem Gebiet zwischen Pausin, Staffelde und Bötzow befand sich die Scheinanlage „V-500“. Innerhalb dieses Kreises sind diverse Maßnahmen ergriffen worden, um die Bomber von Berlin abzulenken. Zwischen Staffelde und Groß-Ziethen befanden sich beleuchtete Waldschneisen, die Berliner Straßenzüge darstellen sollten.
In der Region Eichstädt/Vehlefanz befanden sich Signalraketen, Schein-Bahn- und Verkehrsanlagen sowie ein Scheinfeuer. Auch ist dort ein Teil von Berlin-Mitte durch Schneisen und Lichter simuliert worden. Eine weitere Anlage bestand, laut einer Karte, zwischen Velten und Schönwalde.
Südlich von Pausin ist ein Testfeld angelegt worden, auf dem alle Scheinanlagen erprobt worden sind. Auch gab es dort eine komplette Flugplatzanlage – ebenfalls nur zum Schein. Noch vor dem Bau des Berliner Rings diente der schon fertige Brückenkopf nahe Paaren im Glien ebenfalls als Scheinanlage.

aRTikel

Die Hoppe-Chronik (7): Skandal! Nur 97 Prozent für die SED und die Blockparteien

Freitag, den 26. Juli 2013
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(6) -> 24.7.2013

Irene Hoppe – eine Neu-Vehlefanzer Lebenschronik (7): Vom Alltag in der DDR als Bürgermeisterin / 1987 zwingt sie die Gesundheit zum Rücktritt

MAZ Oranienburg, 26.7.2013

NEU-VEHLEFANZ
Ein bisschen geärgert hat sie das schon, obwohl es aus heutiger Sicht eine Lappalie ist. Bei einer Kommunalwahl in den 70er-Jahren erreichte die „Nationale Front“, bestehend aus der SED und den Blockparteien, in Neu-Vehlefanz „nur“ 97 Prozent der Wählerstimmen. „Das war der schlechteste Wert im ganzen Kreis Oranienburg“, erinnert sich die heute 83-Jährige. „Ich musste nach Oranienburg zum Rat des Kreises fahren und erklären, wie es dazu kommen konnte.“ Sie selbst war nicht in der SED, sagt sie. „Ich wurde auch nie dazu gedrängt oder dazu aufgefordert. Vielleicht wollten sie auch eine Parteilose für den Posten haben.“
Das Wahllokal befand sich immer im Klein-Ziethener Saal, um 8 Uhr am Morgen ging es los. „Der oder die erste an der Wahlurne erhielt von uns immer einen Blumenstrauß.“ Es soll einige ältere Damen gegeben haben, die, um ihn zu bekommen, um die Wette gelaufen sind. Nach 18 Uhr fand die Auszählung der Stimmen statt. „Da konnte ich immer zusehen.“ Über eventuelle Wahlfälschungen, davon war später in der DDR immer wieder die Rede, kann sie nichts sagen.

Es gab nur wenige Telefone in Neu-Vehlefanz, eines befand sich im Amtshaus in Klein-Ziethen, außerdem eines im Konsum und in der Post in Wolfslake. Eine Privatperson besaß ebenfalls einen Fernsprecher. „Im Notfall haben wir den Mann auch mal nachts rausgeklopft.“

Ein wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit als Bürgermeisterin war die Jugendarbeit. „Jeden Monat war Versammlung bei mir im Büro in Klein-Ziethen.“ Es gab Filmabende für die jungen Leute, zum Beispiel mit „Ehe im Schatten“, hinterher ist darüber diskutiert worden. Aber eigentlich wollten die Jugendlichen viel lieber die Komödien von Louis de Funès sehen.
Es war ein 7. Oktober, der „Republikgeburtstag“, da kam es in Neu-Vehlefanz zu einem Zwischenfall. „Jemand hat Fahnen abgerissen“, erinnert sich Irene Hoppe. „Es kam ein junger Bengel zu mir. Er wollte wissen, ob er ein Verräter sei, wenn er mir sagt, wer das war.“ Sie hat sich die Namen der Jungen sagen lassen, sie jedoch nicht verpfiffen. „Bei der nächsten Jugendversammlung habe ich die beiden nur angeguckt. Ich habe sie getadelt, ohne sie zu tadeln. Danach ist so was nie wieder passiert.“
Die Jugendlichen im Dorf haben sich aber nicht alles vorschreiben lassen. Als Irene Hoppe eines Tages für eine Feier Tischdecken und Blumen zur Verzierung bereitstellen wollte, winkten die Leute ab. „Tischdecken? Wozu?“ Dennoch hat die Bürgermeisterin alles so drapiert, wie sie es schön fand. „Ich war stolz auf mein Werk.“ Das Ergebnis: Als die Feier im Saal so richtig losging, haben die jungen Leute alles wieder abgeräumt. „Ich war einerseits enttäuscht, andererseits fand ich das lustig.“

Mit der Zeit war Irene Hoppe mit ihrer Arbeit jedoch überlastet. „Ich bin krank geworden.“ Sie war blass, ihr wurde schwindlig. Mit gerade mal 57 Jahren musste sie ihren Posten aufgeben. Der Arzt hat es ihr verordnet. „Ich wurde zum Rentner gemacht.“ 1987 schied sie aus dem Amt aus.
Sie kümmerte sich nun um ihr großes Grundstück, machte Handarbeiten und begann an der Chronik zu schreiben. Nach dem Mauerfall im November 1989 reiste sie in den 90er-Jahren noch viel herum. „Ich hatte ein bewegtes Leben“, sagt Irene Hoppe. „Ich habe gesehen, was ich wollte, nun bleibe ich hier.“

(Schluss)