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Rügen 2012 (4): Megamücken

Sonntag, den 20. Mai 2012
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(3) -> 19.5.2012

Uns droht im kommenden Sommer eine Mückenplage. Rügen hat sie schon. Und es wirkt stellenweise wie im Horrorfilm.

Aber ganz von vorn. Es ist der zweite Tag unserer Oldtimerrallye über die Insel Rügen. Und wie schon am Tag zuvor legen wir erst mal die Einfahrt zur Selliner Tankstelle lahm. Wirklich schuld daran, dass nichts mehr geht, in diesmal allerdings ein Reisebus. Die Tanke ist so voll, dass der mitten in der Einfahrt stehen bleiben muss. So bildet sich in beiden Richtungen ein Stau. Der Bus will rein, wir wollen raus. Erst ein Mitglied unserer Crew nimmt die Sache in die Hand und beginnt, den Verkehr auf der B196 zu regeln: Wir können raus, die Lage entspannt sich.

Wir machen einen Abstecher nach Gager, sehen uns den dortigen kleinen Hafen an. Weiter geht es über Thiessow, wir fahren bis Klein-Zicker, wenden dort und legen in Alt Reddevitz einen weiteren Zwischenstopp ein.
Dort begehen wir einen schweren Fehler. Von der Straße aus laufen wir über eine recht hohe Wiese zum Ufer der Having. Damit schrecken wir riesige Mückenschwärme auf. Über der Straße bilden sich regelrechte Mückenwolken, und die Tiere sind sehr groß.
Aber es wird noch besser: Wir fahren weiter ins Dorf, von dort auf die Landzunge zum Reddevitzer Höft. In der Ferne sehen wir regelrechte, graue Mückensäulen über dem Gebiet. Es ist, als wenn wir unter einem Teppich durchfahren. Als wir an einer weiteren Wiese stoppen, hören wir sie dann auch: ein großes Gesumse. Es hört sich bedrohlich an, wie in einem Horrorfilm in den Sekunden, bevor die Viecher nach unten kommen und die Menschen fressen. Zum Glück geschieht das nicht, eigentlich interessieren sich die Mücken erstaunlicherweise nur wenig für uns.

Zurück im Ort begegnen wir mal wieder den Teilnehmern der Rügen-Classics, was auf der schmalen Straße ungünstig ist, denn die Classicfahrer sind auf Zeit unterwegs, und wir bremsen sie aus. Also nehmen wir einen Umweg nach Göhren zurück.
Die Organisatoren der Rügen-Classics leiten uns auf eine kleine Stellfläche in der Nähe der Strandpromenade – mit den Worten, dass ja bei uns auch ein paar schöne Autos bei seien. Dabei seien wir mal ehrlich: Unsere Autos sind interessanter als die viele der Wagen bei der eigentichen Rügen-Classics.

An einem der Pavillons lernen wir, was es mit dem Satz: „Wollen Sie ficken?“ auf sich hat. Und dass die Frage „Was kostet einmal Ficken?“ total legitim ist: In Göhren kostet einmal Ficken 2 Euro. Ficken ist ein Likör. Nicht umsonst wird in einer Zehdenicker Disko ab und zu eine Ficken-Party gefeiert.

Das Wetter ist herrlich. Ich nutze die Freizeit für eine Stunde am Göhrener Strand. Die Sonne scheint, die Wellen rauschen. Der Sommer kann kommen.

Direkt am Bahnhof Sellin Ost ist die Gaststätte „Kleinbahnhof“. Die Räume sind eingerichtet wie alte Eisenbahnwaggons. Der „Rasende Roland“ hält direkt vor dem Fenster der Kneipe. Kleiner Tipp: Gegen Abend ist der Zug ziemlich leer, da kann man ohne Platzprobleme mitfahren.
Das einzige, was der Kneipe allerdings fehlt: ein Fernseher. Die zwei Halbzeiten des Champions-League-Finales haben wir nur per Handy-Internet mitbekommen, die erste Halbzeit der Verlängerung im Autoradio auf NDR Info – erst das (traurige) Ende in unserem Appartement…

aRTikel

Rügen, ein Winterparadies

Samstag, den 20. Februar 2010
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Auf der Ostseeinsel ist der Winter unerbittlich. Der Schnee liegt hüfthoch, doch die Einheimischen nehmen es gelassen.

MAZ – Die Märkische, 20.2.2010

Diese Ruhe. Diese fast erdrückende Stille. Dort, wo sonst das Meer rauscht und die Möwen kreischen, ist plötzlich nichts mehr zu hören. Die Ostsee in der Binzer Bucht ist zugefroren. Das erste Mal seit 1996. Der Strand vor dem Kurplatz des Ostseebades auf der Insel Rügen zeigt sich als Wüste aus Schnee und Eis. Kleine Gletscher, tiefe Schluchten und weites Schneeland. Mit der Düne und der Strandpromenade bildet die grelle Fläche eine Einheit.

Nach dem heftigen Sturm am vergangenen Wochenende mussten sich die Binzer erstmal wieder frei-schaufeln. Das Tiefdruckgebiet „Queen“ sorgte für das dritte größere Unwetter dieses Jahres an der Küste auf Rügen. Wieder waren viele Straßen unpassierbar, die Rügenbrücke in Stralsund kurzzeitig gesperrt. Mit dem Sonnenaufgang beginnen die Binzer, akribisch die weißen Berge beiseite zu schippen und das Eis von den Wegen zu klopfen. An den Wegesrändern liegt der Schnee schon hüfthoch. Viel Platz ist nicht mehr. Aber die Rüganer nehmen’s gelassen. „Wir haben auch schon Schnee abgefahren“, erzählt Norbert Diener, stellvertretender Kurdirektor von Binz. „Es wird trotzdem eng.“ Die Hauptstraße, die zur Seebrücke führt, ist nur noch ein schmales Gässchen, die Berge dazwischen so hoch, dass die Geschäfte dahinter kaum noch zu sehen sind. Gestreut ist kaum einer der Wege, allerdings sind die Leute schon froh, dass sie überhaupt irgendwo hinkommen.
Immer wieder bleiben Autos auf ihren Parkplätzen stecken, ohne einen Spaten geht auf Rügen momentan gar nichts. Ohne die Hilfe der Einheimischen auch nicht. „Ich bin in diesem Winter schon geübt darin, Autos freizubekommen“, erzählt ein Binzer, der gerade den BMW eines Touristen befreit hat. Mit seinem Schneeschieber macht er sich wieder auf den Weg. In der Ferne heult bereits ein weiterer Motor auf. Der nächste Hilfseinsatz.
Die Passanten in Binz lassen es unterdessen ruhiger angehen. „Wir hatten bislang gerade mal eine Beschwerde, dass die Strandpromenade noch nicht geräumt ist“, so Norbert Diener. „Aber die Schneewehen sind so hoch, das bekommen wir so schnell nicht hin.“ Strenger Winter? „Ich würde sagen, wir haben endlich mal wieder einen richtigen Winter“, sagt er und erinnert sich an das Jahr 1996: „Da lag auch Ostern noch das Eis am Strand. Vielleicht stellen wir ja dieses Jahr den ersten Strandkorb auf eine Schneewehe.“

Ein paar Urlauber weniger als sonst werden es schon sein, ausgestorben wirkt Binz jedoch ganz und gar nicht. Im Gegensatz zu den Ostseebädern Göhren und Baabe. Der Verkehrsfunk warnte immer wieder vor Autofahrten nach und auf Rügen. Alternativen gab es jedoch nur wenige. Selbst die Schmalspurbahn, der Rasende Roland, musste kapitulieren. Für einen Tag ruhte der Betrieb zwischen Putbus und Göhren. „Zweimal haben wir versucht durchzukommen“, erzählt Kay Kreisel, Geschäftsführer der Rügenschen Bäderbahn. „Dass wir es nicht schaffen, passiert nicht oft. Unser Ehrgeiz ist es eigentlich, kontinuierlich durchzufahren, wenn es irgendwie geht.“ Diesmal ging es nicht. Die Schneeverwehungen zwischen Putbus und Binz waren so hoch, dass die Lok zurück musste. Nur eine Schneefräse war noch in der Lage, die Gleise freizulegen. „Seit dem 9. Januar mussten wir an viereinhalb Tagen den Betrieb einstellen“, sagt Kreisel. Mit einer einzelnen Lok wird die Strecke in der Regel nach einem Schneefall abgefahren und das erste Mal notdürftig geräumt. Vorn befestigen die Bahner einen Schneepflug, der eine Schneise freischlägt.
Dutzende Schaulustige beobachten, wie der erste Zug nach dem Unwetter in den Bahnhof von Göhren rollt. Er hinterlässt eine tiefe Schneise im Gleisbett. „Ich denke, die Fahrt ist unproblematisch“, beruhigt die Fahrkartenverkäuferin einige Touristen am Schalter. Minuten später setzt sich der Rasende Roland schnaufend in Bewegung. Eine Stunde braucht er bis Binz.

Ein paar Kilometer weiter, ganz im Südosten von Rügen, liegt Klein Zicker. Hinter Klein Zicker kommt nur noch der Bodden. Die schmale Straße durch den Ort ist wegen der Schneeberge noch schmaler als sonst, nur wenige Appartements sind belegt. Neben einem sanft qualmenden Schornstein hat es sich eine Möwe bequem gemacht. Die Straße endet an der Steilküste zum Greifswalder Bodden im Biosphärenreservat Südost-Rügen. Wo sonst Wasser ist, ist nur Eis zu sehen. Und da ist sie wieder: die drückende Stille. Bloß ein paar Krähen unterbrechen die scheinbar tonlosen Momente. Winterchaos? Nein, Winterparadies.

RTelenovela

Rügen 2010 (4): Stille

Montag, den 15. Februar 2010
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(3) -> 13.2.2010

Den letzten Tag unserer kleinen Rügen-Schneereise wollten wir dazu nutzen, noch ein wenig rumzufahren.
Ging nur nicht. Das Auto steckte an seinem Parkplatz in Binz fest, kam weder vor noch zurück. Also kam das zweite Mal der Spaten zum Einsatz. Und ein hilfsbereiter Binzer, der das Auto mit viel Gefühl aus dem Schnee rausmanövrierte. Danach meinte er, er sei inzwischen darin geübt, Autos zu befreien.

Die Straßen waren inzwischen frei, zumindest an den meisten Stellen. An den Straßenrändern der B196 stand der zusammengeschobene Schnee bis zu rund 1,50 Meter hoch. Wir fuhren wie durch einen Schneekanal.
Kurz vor Lobbe waren dann doch noch deutliche Spuren der Verwehungen zu sehen. Die Strecke war plötzlich nur noch einspurig. Keine Ahnung, was passiert wäre, wenn Gegenverkehr gekommen wäre.
In Thießow verwandelte sich die Straße dann wieder in eine enge Schneepiste. Bis Klein Zicker tasteten wir uns vor – bis zum Bodden. Der ist natürlich auch zugefroren.
Und das führt zu: Stille. Völliger Stille. Nicht mal Möwen sind in Klein Zicker zu hören. Ab und zu ein Auto. Oder Krähen. Aber sonst: Stille. So still, dass mein Ohrensausen bemerkbar wurde. Fast schon bedrückend.

Nächste Station: Göhren. Göhren scheint irgendwie nicht damit zu rechnen, dass sonntags mal ein paar Touris vorbeischauen. Der Kurplatz – eine Schneewüste. Die Strandpromenade – unpassierbar. Der weg auf die Seebrücke – beschwerlich.
Dafür kündigte sich aus der Ferne Roland an. Der Rasende Roland. Die Kleinbahn schob sich ihr Gleis frei und hinterließ eine tiefe Furche. Hätte ich nicht gedacht, dass das dann doch so einfach funktioniert.

Weiter nach Baabe. Auch Baabe ist tot. Die Strandstraße ist auch nur noch ein schmale Schneegasse. Parkplätze gibt es nicht mehr. Die Imbissläden am Kurplatz ist fast alle dicht, bis auf die Schaluppe, wo es glücklicherweise auch etwas zu essen gibt.
In Baabe scheint der Schnee vom Strand besonders stark reingeweht worden zu sein. Hüfthoch liegt der Schnee auf dem Platz, nur eine Gasse führt zum Strand.
Dort wieder malerische Eislandschaften, Schollen, Schnee. Und wieder diese unheimliche Stille. Der Strand in Baabe ohne Meeresrauschen und Möwengeschrei. Nur diese Stille.

Die Heimfahrt lief super. Nicht mal ganz drei Stunden. Freie Straßen, kaum Verkehr.
Bilder gibts übrigens im meinVZ.