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Heiligabend sind die Kirchen immer voll

Mittwoch, den 3. Dezember 2014
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Pfarrer Thomas Triebler aus Beetz hat nur am ersten Feiertag Zeit, um bei der Familie zu sein

MAZ Falkensee, 3.12.2014

Drei Wochen noch. Dann ist Heiligabend. Das Fest, auf das wir momentan alle hinarbeiten. Für viele Branchen gilt das im wahrsten Sinne des Wortes. Gaststätten haben vermehrt Weihnachtsfeiern und mehr Menschen zu Gast als sonst. Beim Friseur sind vor dem Fest kaum noch Termine zu bekommen. Beim Bäcker müssen die Plätzchen gebacken werden, Supermärkte oder Geschäfte in Einkaufspassagen bieten Sonderöffnungszeiten. Journalisten haben Sonderbeilagen zu füllen, und die Buchhändler haben einen höheren Umsatz als sonst. Zu Weihnachten fällt dann der Stress ab. Zumindest in einigen der Branchen. Bei manchen kehren erst Anfang Januar wieder mehr Ruhe und der Alltag ein.

Zum Beispiel bei Pfarrer Thomas Triebler aus dem Kremmener Ortsteil Beetz. Er hat nur am ersten Weihnachtsfeiertag richtig frei und Zeit für die Familie und private Besinnlichkeit. „Wir sind gerade dabei, verschiedene Gottesdienste vorzubereiten“, erzählt er. Das sind einige, denn im Kremmener Pfarrsprengel gibt es fünf Kirchen, allein Heiligabend finden sieben Gottesdienste statt. „Davon leite ich drei“, so der Pfarrer.
In diesen Tagen beginnt er, an seiner Weihnachtspredigt zu arbeiten. „Damit habe ich den Wunsch, die Leute auch wirklich zu erreichen.“ Dogmatische Redewendungen versucht er zu vermeiden, anhand von Beispielen sollen seine Zuhörer nachvollziehen können, wovon er spricht.
Für den Heiligen Abend sind darüber hinaus viele Absprachen zu treffen, „deutlich mehr als bei anderen Gottesdiensten“, so Triebler.

Schon am kommenden Wochenende findet in Sommerfeld vor der Kirche der Adventsmarkt statt, der von der Gemeinde organisiert wird. Auch dafür ist vieles vorzubereiten. Bis Weihnachten stehen darüber hinaus diverse Feiern in den Ortsteilen auf dem Plan. „Es gibt schon einen großen Bedarf, dass ich als Pfarrer da auch dabei bin“, erzählt Thomas Triebler. „Und es ist auch mein Ziel, dass ich das schaffe.“ Gerade hatte er noch eine Anfrage aus Groß-Ziethen, den Termin konnte er gerade noch dazwischenschieben – aber er macht das gern. „Es ist heute leider eine der wenigen Möglichkeiten, mit der Gemeinde und den Menschen Kontakt zu halten. Denn Einzelbesuche bei den Leuten zu Hause sind zeitlich kaum noch möglich.“ Deshalb sei es ihm auch sehr wichtig, gerade bei diesen Gruppentreffen vor Weihnachten dabei zu sein.

Die täglichen Pflichten bleiben jedoch auch im Dezember nicht aus. Gemeindekirchenrat, der Jahresabschluss, die Friedhofsverwaltung, das Büro. „Das läuft ja alles auch noch weiter“, sagt der Pfarrer und schmunzelt.
Heiligabend ist er bis etwa 23.30 Uhr unterwegs, da predigt er in der Beetzer Kirche. Am ersten Feiertag ist Zeit zum Luftholen. Der zweite Feiertag wird mit einem musikalischen Gottesdienst in Sommerfeld eröffnet. Erst nach Weihnachten wird es ruhiger, im Januar herrscht wieder der Alltag. „Aber bis dahin ist noch viel zu erledigen“, sagt Thomas Triebler.

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Buchhandel: Eifriges Stöbern nach Geschenken

Auf die Frage hin, wie es denn im Nauener Buchhandel mit dem Stress vor dem Weihnachtsfest aussieht, muss Michaela Marszalkowski erst mal lachen. „Da sind Sie genau richtig!“ In den Mittagzeiten, zum Feierabend – das sind die großen Stoßzeiten in der Theodor-Körner-Buchhandlung in der Mittelstraße in Nauen. Die Leute kaufen für sich, vor Heiligabend aber besonders Geschenke für andere ein. „Da ist eigentlich durchweg alles dabei“, sagt die Mitarbeiterin des Buchladens. Hochpreisige Bücher gehen momentan ebenso weg wie Hochliteratur und Taschenbücher.

Hin und wieder kommt es dabei zu lustigen Begebenheiten. So wissen Kunden manchmal nicht den genauen Titel eines Buches, das sie suchen: „Ich hab’s irgendwo gesehen, es ist blau!“, heißt es da schon mal. „Einmal fragte ein Kunde nach dem Roman ,Flucht aus dem Altenheim’“, erinnert sich die Buchverkäuferin. Gemeint war allerdings „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“.
Auch Heiligabend hat das Geschäft bis zum Mittag noch geöffnet. „Das ist der Tag, an dem die Last-Minute-Kunden zu uns kommen“, sagt Michaela Marszalkowski. Nach Weihnachten ist allerdings noch nicht Ruhe. „Dann kommen die Kunden mit Gutscheinen, die sie als Geschenk bekommen haben.“

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Viele Stollen fürs Fest
In der Bäckerei Forduhn in Groß-Ziethen werden Extraschichten geschoben

Bäcker Carsten Forduhn aus dem Kremmener Ortsteil Groß-Ziethen arbeitet vor Weihnachten in Sonderschichten. „Das Weihnachtsgebäck ist recht zeitaufwändig“, sagt er. Kekse und Mohnstollen werden vor dem Fest vermehrt verkauft.
Jede Nacht um 2 Uhr backt er zunächst Brote und Brötchen. „Dann folgen die Schnecken und der Kuchen.“ Um 6 Uhr stehen die Mohnstollen auf dem Plan, bevor noch weiteres Brot gebacken wird. Zu guter Letzt folgt noch der Butterstollen.

Das meiste geht bei Forduhns über verschiedene Vorbestellungen auf den Weg zu den Kunden. Dennoch hat Birgit Forduhn, die Ehefrau des Bäckermeistes, auch in ihrem Laden an der Alten Dorfstraße, noch viele Kunden und entsprechend gut zu tun.
Forduhns beliefern darüber hinaus auch das Schloss Ziethen, unweit der Bäckerei. Auch ist das kleine Unternehmen mit einem mobilen Verkaufsstand unterwegs. Damit beliefert Carsten Forduhn seine Kunden in den umliegenden Dörfern. Dazu gehören Klein-Ziethen, Vehlefanz oder auch Kremmen. „Da wird kurz gehupt, dann wissen die Leute schon Bescheid.“ Weitere Sonderbestellungen seien in der Bäckerei zeitlich schon gar nicht mehr zu schaffen.

Heiligabend wird bei ihm noch bis zum Mittag gearbeitet, dann kommen die letzten Kunden, um bei Forduhns einzukaufen. Schließlich stehe ja nicht nur Weihnachten vor der Tür, sondern auch ein extralanges Wochenende. Nach dem zweiten Feiertag folgen gleich der Sonnabend und der Sonntag. Heißt: Weihnachten ist erst mal Pause. Allerdings geht es schon am zweiten Feiertag gleich wieder los, denn dann steht schon der Wochenendeinkauf auf dem Programm. Am 27. Dezember, dem Sonnabend, soll dann schon wieder frisches Brot verkauft werden.
Rund um Neujahr wird es ähnlich verlaufen, so schätzt Carsten Forduhn die Situation ein. Erst Anfang Januar, nach sämtlichen Feierlichkeiten, könnte tatsächlich wieder ein bisschen Ruhe einkehren.

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Last-Minute-Haarschnitt
Auch Heiligabend gehen die Leute in Oranienburg noch zum Friseur

Es sind besonders die jungen Leute, die Heiligabend um 11.45 Uhr noch beim Friseur auftauchen – eine Viertelstunde, bevor das Geschäft schließt. Friseurin Monika Teichler lächelt, als sie das erzählt. Sie arbeitet im Laden von Jutta Quarg in der Oranienburger Havelstraße. „Das ist dann aber wirklich auf den letzten Drücker“, erzählt Monika Teichler.
Ob die Kunden dann noch dran kommen, hängt davon ab, wie voll das Geschäft ist. „Wenn wir schon zwei oder drei wartende Kunden haben, und es sind nur noch ein paar Minuten bis zum Geschäftsschluss, dann können wir irgendwann keinen mehr annehmen.“
Heiligabend ist ordentlich was los beim Friseur, aber auch schon in den Tagen davor. „Wir haben viele Stammkunden, die wissen das immer schon“, erzählt Monika Teichler.

Für die Mitarbeiter bedeutet das in der Zeit vor Weihnachten mehr Arbeit und durchaus auch Stress. Für die Friseurin ist das aber kein Nachteil. „Spaß macht die Arbeit trotzdem“, sagt sie. Zudem seien die meisten Leute ja auch immer nett. Nur manchmal käme es vor, dass die Kunden etwas gestresst seien. „Die schauen dann zu uns rein und sehen, dass da schon zwei Kunden vor ihnen warten, dann gehen sie gleich wieder raus, weil sie Angst haben, dass es zu lange dauert“, erzählt Monika Teichler. „Dabei geht das eigentlich recht schnell.“
Nach Weihnachten wird es in dem Geschäft deutlich ruhiger – zumindest scheinbar, so die Friseurin: „Allerdings beobachten wir, dass unsere älteren Kunden gerade dann erst kommen, weil sie dem Trubel vor dem Fest aus dem Weg gehen wollen.“

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Gastwirte: Bis Neujahr herrscht Hochbetrieb

Schon jetzt ist die Gaststätte „Sonnenburg“ in Oranienburg festlich geschmückt. An der Decke hängen lauter Schneekugeln, Weihnachtssterne und Adventskränze. „Wir haben jetzt viele Weihnachtsfeiern bei uns im Haus“, sagt Astrid Welz-Krinke, die Inhaberin des Lokals an der Robert-Koch-Straße.
Besonders an Donnerstagen und Freitagen finden die Feiern in der Regel statt. „Die normalen Familienfeiern haben wir aber auch noch, auch im Dezember werden ja schließlich Geburtstage gefeiert“, sagt die Gastronomin und lächelt.

Das Team in der Gaststätte, die es in der Stadt schon viele Jahrzehnte gibt, ist es gewöhnt, dass kurz vor Weihnachten das Haus gut gefüllt ist. Allerdings wird es in der „Sonnenburg“ zum Fest selbst noch nicht wirklich ruhiger. Nur Heiligabend – da ist das Haus geschlossen. „Wir haben mal versucht, an diesem Tag bis zum Nachmittag zu öffnen, aber da kam kaum jemand.“ Den Test haben die Gastronomen dann wieder aufgegeben. Dafür aber ist an den beiden Feiertagen ordentlich was los. Da wird das Haus wieder voll sein. „Das sind unsere Hauptkampftage“, sagt Astrid Welz-Krinke. Sie sieht das an den Tischbestellungen, die schon jetzt vorliegen.
Ob die Leute vor dem Fest in Sachen Trinkgelder spendabler sind als sonst, kann sie nicht sagen. „Das ist sehr unterschiedlich. Ich hoffe aber für meine Mitarbeiter, dass es so ist.“
Der vor- und nachweihnachtliche Stress zieht sich im Lokal noch weiter hin. Es folgen eine Woche nach dem Fest die Silvesterparty und der Neujahrsbrunch. „Eigentlich wird es bei uns erst ab 5. Januar ruhiger. Wobei wir uns eigentlich immer freuen, wenn es gerade nicht ruhig ist“, so die Leiterin des Lokals.

RTelenovela

Bautzen und seine knalldolle Kirche

Samstag, den 8. November 2014
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Dass ich in Bautzen eine ganz besondere Kirche (nicht ganz) betreten habe, das habe ich gerade eben erst gelesen. Der Petri-Dom wird nämlich von mehreren Konfessionen genutzt. Es gibt innen eine katholische und eine evangelische Ecke.
Leider konnte ich mir das nicht näher ansehen, die Kirche ist eine Großbaustelle. Nur der Vorraum lässt sich besichtigen. Der aber scheint ein kleines Mädchen auch schon sehr begeistert zu haben. “Es hat uns knalldoll gefallen”, schrieb es ins Gästebuch.

Ein Aufstieg in den Kirchenturm war jedoch möglich. Mehr als 200 Stufen sind zu erklimmen. Zunächst auf Betonstufen, dann auf Holz. Und mal abgesehen davon, dass ich mehr und mehr atemlos (an dieser Stelle ist kurz Platz für einen kleinen Helene-Fischer-Ohrwurm) war, der Aufstieg ist auch nicht so einfach.
Auf immer schmaler werdenden Treppenstufen ging es nach oben, an einigen Stellen musste ich mich mit beiden Händen an den Geländern festhalten, steil wie auf einer Leiter stieg ich Meter um Meter auf.

Aber ich wurde belohnt – mit einem schönen Ausblick auf Bautzen. Die Altstadt kann sich sehen lassen. Viele historische Häuserzeilen, mehrere Kirchen, ein rathaus und andere große öffentliche Gebäude und eine Burg. Bautzen hat mehr zu bieten als die DDR-Knast-Vergangenheit.

aRTikel

Frische Farbe für die Bilder in der Kirche

Freitag, den 10. Oktober 2014
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Ute Gimajew restauriert in Kremmen die 320 Jahre alten Werke

MAZ Oranienburg, 10.10.2014

KREMMEN
Sie sind 320 Jahre alt und schon ziemlich verblasst gewesen. Die Rede ist von den Bildern an der Empore und der Kanzel in der Kremmener Nikolaikirche. Die Diplom-Restauratorin Ute Gimajew aus Rheinsberg ist schon seit dem Sommer dabei, die Bilder wieder aufzuhübschen.

„Am Anfang haben wir erst einmal eine Bestandaufnahme gemacht“, erzählte sie gestern. „Der Zustand der Bilder ist recht unterschiedlich.“ Einige der 1680 entstandenen Bilder hatten Streifen darin, dort fehlte die Farbe. An anderen Stellen waren die Ränder beschädigt. „Der Holzwurmbefall hielt sich aber in Grenzen“, so Ute Gimajew weiter.
Zwölf der Bilder sind bereits restauriert, dabei handelt es sich um die Werke an der Empore. Darauf zu sehen ist der Apostelchor. Momentan arbeitet die Restauratorin an den Kanzelbildern. Die abblätternde Farbe muss wieder befestigt werden, dazu kommt neues Bindemittel. Die fehlende Farbe grundiert sie nach, an den Fehlstellen muss sie retuschiert werden. „Man sollte Farbe nehmen, die man bei Bedarf auch wieder entfernen kann“, sagt die Rheinsbergerin.

Drei Tage in der Woche kommt sie nach Kremmen und arbeitet an den Bildern. Dafür wird sie noch eine Weile brauchen. Falls es zu kalt wird, muss sie die Arbeiten einstellen – „wenn die Farbe im Pinsel stockt“, wie sie sagt.
Am bemerkenswerten an den Bildern findet sie „die Porträtähnlichkeit der Herrschaften.“ Die Männer auf den Bildern an der Empore würden weniger wie Apostel, sondern eher wie Ratsherren aussehen. „Die Gesichter sind sehr unterschiedlich, und die Kleidung ist auch nicht typisch wie bei Aposteln“, ergänzt Matthias Dill von der Kremmener Kirchengemeinde.

Ute Gimajews Arbeitsplatz ist ruhig – aber nicht immer. „Die Kirche ist ja offen“, sagt Matthias Dill. Die Kremmener Kirche gehört zu den wenigen in der Region, die tatsächlich jeden Tag zugänglich ist. „Mich stört es nicht, wenn Leute reinkommen“, ergänzt Ute Gimajew. „Ab und zu kommen Touristen und fragen, was ich mache, oder jemand spielt zwischendurch auf der Orgel. Letztlich ist es gar nicht so ruhig.“

Für die Restaurierung der Bilder zahlt die Kirchengemeinde einen höheren vierstelligen Betrag. Das Geld kommt unter anderen von Gemeindemitgliedern. Das Filmorchester Babelsberg hat zudem seine kompletten Einnahmen des Konzertes in Kremmen zur Verfügung gestellt.

ORA aktuell

Oranienburger Baptisten bitten jüdische Gemeinde um Vergebung

Mittwoch, den 9. Juli 2014
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Die evangelisch-freikirchliche Gemeinde in Oranienburg feierte am Wochenende ihren 75. Geburtstag. Für die Baptisten begann ihre Zeit damals allerdings unrühmlich, und dafür bitten sie um Vergebung.
1939 ist die Freikirche als selbstständige Gemeinde gegründet worden, sie mietete vom NS-Staat einen Raum in der ehemaligen Oranienburger Synagoge, die ein Jahr zuvor in der Reichskristallnacht geschändet worden ist.
Der heutige Pastor Günter Born nennt das heute eine wenig glückliche Entscheidung. Er bittet die jüdische Gemeinde dafür um Vergebung.

1944 ist die ehemalige Synagoge in der Havelstraße bei einem Bombenangriff zerstört worden. Heute sitzt die Freikirche in der Oranienburger Mittelstraße.
Das 75. Jubiläum ist mit einem Fest in der Schulstraße gefeiert worden.

aRTikel

Jede halbe Stunde schlägt die Glocke – das beruhigt

Freitag, den 4. Juli 2014
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Immanuel Albroscheit ist der neue Pfarrer in Bötzow. Am Sonntag ist sein Einführungsgottesdienst.

MAZ Oranienburg, 4.7.2014

BÖTZOW
Die Turmuhr der Bötzower Kirche zeigt kurz nach acht Uhr. Sie steht. In Wirklichkeit ist schon Mittag. „Ich muss die Uhr jeden Tag aufziehen“, erzählt Immanuel Albroscheit und lächelt. Normalerweise läuft sie dann bis zu 27 Stunden, diesmal aber muss irgendwas schiefgelaufen sein. Immerhin läuten um 12 Uhr trotzdem die Glocken – allerdings ohne die vorherigen Glockenschläge. „Das Läuten geschieht elektronisch und hat mit der Uhr nichts zu tun.“

Pfarrer Immanuel Albroscheit ist der neue Pfarrer von Bötzow. Der 57-Jährige ist auch für die Gemeinden in Wansdorf und Pausin im Havelland zuständig. Es ist das erste Mal, dass er auf diese Art und Weise Landleben schnuppert. Eine Lebensumstellung, die er aber sichtlich genießt. „Als ich im Advent 2013 das erste Mal hier war, habe ich mich sofort verliebt“, erzählt er. Damals ist die Kirche gerade weihnachtlich geschmückt worden. „Zauberhaft!“ Die Bötzower Kirche sei ein echtes Schmuckstück. „Sie erstrahlt innen und außen“, so Albroscheit. Es gibt diesen Moment, da steht er auf der Brücke von Schönwalde kommend, blickt zum Dorf rüber und sieht die Kirche schon von weitem. „Ich mag das sehr.“ Auch den Glockenschlag – rund um die Uhr alle 30Minuten. „Für mich ist das auch nachts keine Belästigung, sondern irgendwie beruhigend.“
Was er sich allerdings wünscht ist, dass die Bötzower ihren Kirchenschatz mehr würdigen und nach außen hin darstellen. „Da gibt es zum Beispiel eine Holzplastik, sie ist vermutlich vom Künstler Wilhelm Groß. Warum findet man nirgends einen Hinweis darauf?“, fragt sich der Pfarrer.

Er selbst hat auch schon eine bewegte Geschichte hinter sich. Albroscheit war Ende der 1980er-Jahre wissenschaftlicher Assistent an der kirchlichen Hochschule in West-Berlin, danach drei Jahre persönlicher Referent von Bischof Martin Kruse. Von 1993 bis 2011 lebte er als Pfarrer in Berlin-Frohnau, danach leistete er Vertretungsdienste in Prenzlauer Berg und Köpenick. „Ich wollte dann wieder eine dauerhafte Stelle haben“, erzählt er. Nachdem Pfarrer Andreas Fincke Bötzow verließ, ist die Stelle ausgeschrieben worden. Daraufhin bewarb sich Immanuel Albroscheit.

Schon seit März lebt er in Bötzow, am Sonntag aber wird es offiziell: Dann beginnt um 14 Uhr sein Einführungsgottesdienst. Eingelebt hat er sich jedoch bereits. „Das Tor ist in der Regel nie zu“, sagt er. „Die Bötzower können jederzeit zu mir kommen.“ Und das machen sie auch. Sie geben ihr Wassergeld für den Friedhof ab oder kommen, weil zu Hause der Ehemann verstorben ist. „Relativ häufig habe ich auch Pilger zu Gast, sie sind auf dem Weg von Berlin nach Bad Wilsnack, und Bötzow ist eine Zwischenstation.“

Eine von Albroscheits Aufgaben ist es, die Gemeinden Bötzow, Wansdorf und Pausin unter einen Hut zu bekommen. „Ich gebe zu, dass die Bötzower im Vorteil sind“, sagt er. „Ich wohne hier, die Leute haben es nicht weit.“ Bei den Pausinern und Wansdorfern sei die Hürde etwas größer.
Allerdings gebe es auch in Pausin eine sehr schöne Kirche. „Ein wirklich einladender Ort“, sagt der Pfarrer. In Wansdorf schreitet der Anbau für die dortige Kirche voran. „Den könnten wir dann vielleicht für kleinere Veranstaltungen nutzen.“

Auch in Bötzow könnte sich Immanuel Albroscheit vorstellen, neue Veranstaltungen zu etablieren. „Aber erst einmal möchte ich gucken und hören“, sagt er. „Wichtig ist mir, die Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen.“

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Die Historie des Gebäudes bleibt weiter sichtbar

Dienstag, den 14. Januar 2014
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Seit fünf Jahren wird die Kirche in Vehlefanz saniert / Fassade bis Ende des Jahres fertig

MAZ Oranienburg, 14.1.2014

VEHLEFANZ
Die Kirchenuhr zeigt 7.50 Uhr. Immer, den ganzen Tag. Die Uhr steht, und das schon seit Wochen. Auch die Kirchenglocke schweigt, selbst zu Weihnachten blieb es in Vehlefanz still. Seit dem Spätherbst des vergangenen Jahres ist kein Strom da. Solange die Fassade des alten Kirchengebäudes saniert wird, bleibt das auch so. „Wir mussten die Hauptleitung abklemmen“, sagt Pfarrer Thomas Hellriegel. Für die Feiern zum Weihnachtsfest ist extra eine Baustellen-Notstromleitung gelegt worden.

Seit 2009 schon dauern die Bauarbeiten. „Das Ziel ist die grundhafte Sanierung und Restaurierung des Gebäudes“, so der Pfarrer. Von 2010 bis 2012 ist das Dach hergerichtet und komplett neu eingedeckt worden. Momentan stehen draußen Gerüste. „Es ist deutlich geworden, dass wir am Südanbau erheblich mehr Schäden haben als gedacht“, sagt Thomas Hellriegel. Der Giebel war durchgefault und hatte kaum noch Tragkraft. „Auch wegen des Denkmalschutzes müssen wir behutsam rangehen.“ Statisch sei der Umbau an der Stelle ein Problem gewesen, weil das neue Dach ja schon drauf war. „Wir haben das hinbekommen, aber es wäre natürlich einfacher gewesen, wenn wir das Dach danach erst saniert hätten“, so Hellriegel.

Ende 2014 soll die Außensanierung fertig sein. Dazu gehört auch der Putz der Kirche. „Dabei handelt es sich an vielen Stellen um poröses Gestein aus dem 18. Jahrhundert. Das ist nicht so solide wie Ziegel.“ Hellriegel kratzt ein wenig an den alten Steinen, und tatsächlich krümelt es auf die Erde. Bei den Bauarbeiten soll ein Kompromiss zwischen der Erneuerung und die Sicht auf die Baugeschichte geschaffen werden. „Wir wollen, dass es sichtbar bleibt, wo früher mal Fenster waren. Es wird am Gemäuer auch weiterhin Stellen geben, an denen die Historie einsehbar ist.“ Eventuell sollen später zusätzliche Schrifttafeln angebracht werden. Momentan ist die Baustelle in Vehlefanz allerdings verwaist. „Wir haben Winterpause“, sagt der Pfarrer. „Wenn wir gewusst hätten, dass es so mild ist, hätten wir weitergemacht.“

Bis Ende 2014 sollen etwa 650 000 Euro in Vehlefanz verbaut worden sein. Gefördert wird das Projekt von der Landesregierung, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, der kirchlichen Stiftung zum Erhalt von Baudenkmalen, der Landeskirche, dem Kirchenkreis, der Gemeinde Oberkrämer sowie diversen privaten Stiftungen.

Im Jahr 2015 geht es im Inneren der Kirche weiter. Pfarrer Thomas Hellriegel zeigt auf die Risse oben in der Wand. „Die kommen von der Dachsanierung“, sagt er. Allerdings sind die entsprechenden Folgeschäden geringer als angenommen. Was außerdem genau im Innenraum passieren soll, darüber herrscht noch Unklarheit. „Wir wollen im Laufe der nächsten Monate ein Konzept erarbeiten.“ Demnächst soll deshalb ein Spendenaufruf gestartet werden, denn für den Innenausbau gibt es weniger Fördergelder als für die bisherigen Arbeiten.
Beispielsweise wird es bald um die Fragen gehen, was aus der Bemalung werden soll, die nach dem Zweiten Weltkrieg entstand. „Darunter könnten sich eventuell historische Zeugnisse befinden“, so Hellriegel. Stichprobenartig könnte dies untersucht werden. „Historisch gesehen soll möglichst viel sichtbar bleiben.“ Die Kirchenbänke bekommen aber auf jeden Fall eine Frischzellenkur. Auch eine Heizung soll es dann geben. „Gottesdienste finden bisher immer nur im Sommerhalbjahr statt, das wird sich danach ändern.“

Thomas Hellriegel, der seit 2011 Pfarrer in den Kirchengemeinden in Vehlefanz und Schwante ist, freut sich über das Interesse der Dorfbewohner. „Sie fragen nach und sagen auch mal ihre Meinung.“ Etwa 15 Leuten kommen regelmäßig zu den Gottesdiensten, zu Taufen und zu den großen Festen sind es erheblich mehr.
Nicht nur in Vehlefanz wird gebaut, auch der Kirchturm in Schwante soll bald saniert werden, kündigt Pfarrer Hellriegel an.

RTelenovela

Sein letzter Weg

Sonntag, den 5. Januar 2014
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Zur katholischen Kirche habe ich eine eher lockere Verbindung. Meine Oma war katholisch und ging – so lange sie es konnte – jeden Sonntag zum Gottesdienst. Als Kind bin ich ab und zu mit, weil mich das interessiert hat. Allerdings fand ich es damals schon anstrengend, das Aufstehen und Hinsetzen, das Hinknien und wieder Aufstehen. Es war nicht meine Welt – und das ist es bis heute nicht so wirklich. In der Hinsicht liegt mir die evangelische Kirche näher.
Einmal im Jahr erlebe ich einen katholischen Gottesdienst, immer am ersten Sonntag im November, die Gräberweihe in Oranienburg. Seit den 80ern bin ich fast jedes Jahr dabei, und deshalb kannte ich natürlich auch den Pfarrer Alfons Bunk.
Er war es auch, der einst auf der Beerdigung meiner Oma gesprochen hat. Pfarrer Bunk galt allseits als beliebt, er brachte die Menschen zusammen, er nahm sich ihnen an, er wollte vermitteln.

Weihnachten ist er gestorben, am Sonnabend waren die Trauerfeier und die Beerdigung. Die Kirche war übervoll, bis weit nach draußen standen die Menschen, um Abschied von ihm zu nehmen. Die draußen standen, bekamen leider nicht viel vom Gottesdienst mit, mit einem solchen Ansturm hat wohl keiner gerechnet.
Danach führte ein langer Trauerzug durch das Neubaugebiet zum Friedhof. Das war auch für mich ein sehr berührender Augenblick, zu sehen, wie da Hunderte Menschen hinter dem Auto mit dem Sarg herliefen. So eine Prozession erlebt Oranienburg wohl auch nur noch selten.