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Ukraine-Krieg: Friedensandacht in der Nicolaikirche

Sonntag, den 27. Februar 2022
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Zu einer Friedensandacht kamen am Sonnabendabend in der Oranienburger Nicolaikirche etwa 100 Menschen zusammen. Aus Anlass des Ukraine-Krieges hatte Pfarrer Friedemann Humburg dazu eingeladen.
„Das, was für unsere Generation unvorstellbar gewesen ist, ist eingetroffen“, sagte er. Die Menschen hätten sich in den vergangenen Jahrzehnten an den Frieden gewöhnt. „Jetzt, knapp zwei Flugstunden von uns entfernt, herrscht Krieg, sterben Soldaten, Zivilisten, Frauen und Kinder.“ Das sei erschreckend, mache Angst, „weil es auch uns betreffen kann. Nichts ist mehr selbstverständlich, der Friede ist nicht mehr selbstverständlich.“

Humburg lud die Menschen ein, eine Kerze anzuzünden und zu beten.
Die nächste Friedensandacht in der Nicolaikirche findet am Mittwoch, 2. März, um 17.30 Uhr statt. Außerdem ist die Kirche ab Montag täglich von 12 bis 13 Uhr für stille Gebete geöffnet.

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RT liest

Karl-Dietmar Plentz / Andrea Specht: Mit Laib & Seele – Neue Geschichten vom Brotmacher

Mittwoch, den 26. Januar 2022
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(1) -> 14.3.2019

Er hat noch so viel zu erzählen. Karl-Dietmar Plentz aus Schwante, der bekannteste Bäcker in der Region Oranienburg, hat ein zweites Buch herausgebracht. Denn Plentz ist nicht nur Bäcker, er ist bekennender Christ in einer freikirchlichen Gemeinde, und er ist ein sehr guter Erzähler.
Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass es nun “Neue Geschichten vom Brotmacher” gibt: “Mit Laib & Seele” heißt sein zweites Buch, das er erneut gemeinsam mit Andrea Specht verfasst hat. Der Titel passt, denn viele Geschichten drehen sich genau darum, um den Laib Brot, den er jeden Tag bäckt, und um die Seele, um seine Seele, um die Seelen seines Umfeldes.

Er berichtet von seinen Glaubenszweifeln – zum Beispiel als seine Schwester in jungen Jahren gestorben war. Nachdem er im letzten Buch erzählt hat, wie er mit seinen Kumpels zu “Bombenbauern” wurden, geht es diesmal um die Suche nach einem Geheimgang unter der Vehlefanzer Kirche – und warum man eines Tages eine merkwürdige Entdeckung machen wird, wenn man die Ruhestätte der von Bredows öffnen würde.
Immer wieder geht es um Gottesfügungen. Von Menschen, die etwas in Plentz gesehen und ihn daraufhin gefördert haben. Um Momente, wo scheinbar Gott anwesend war, wenn es darum ging, Streitigkeiten zu schlichten. Fast schon spooky ist die Geschichte über einen Mann, dessen Frau gestorben war. Gott habe ihm den Namen “Hildegard” genannt und ihn aus dem Westen Deutschlands nach Schwante führte, weil dort eine Hildegard bei Plentzens im Bäckerladen gearbeitet hatte – und die beiden haben tatsächlich geheiratet! Auch eine Heilung eines eigentlich totkranken Menschen wird beschrieben.

Die spannendsten und rührendste Geschichte ist, als der Bäckermeister an einer Demo in Berlin teilnimmt – am “Marsch für das Leben”. Er ist, auch das erzählt er im Buch, ein Kind, das eigentlich abgetrieben werden sollte. Bei der Demo war er auch mit lauten und unangenehmen Gegendemonstranten konfrontiert. Plentz schreckte davor nicht zurück – und mischte sich unter die Gegendemo, um zu hören, was sie zu sagen hatten. In den Gesprächen setzte er sich mit Abtreibungsbefürwortern auseinander, um zu verstehen, was sie beschäftigt.

Ob ist es ja so, dass ein zweites Buch, mit “weiteren Geschichten” nur ein müder Abklatsch ist. Das ist hier nicht so. Plentz hat mitunter wirklich interessante Geschichten zu erzählen. Er gibt Einblicke in sein Familienleben, die diesmal weniger intim sind. Oft sind sie zum Schmunzeln, hier und da staunt man aber auch, welche Zufälle – die für ihn natürlich keine Zufälle sind – es im Leben doch gibt.
Auch in diesem zweiten Buch muss man sich als Leser, der normalerweise mit der Kirche nichts am Hut hat, dass dieses Thema dominierend ist. Aber wenn man dafür offen ist – und ein ungläubiges Stirnrunzeln hier und da ist ja nicht verboten -, dann diese diese Lektüre einen interessanten Einblick in so ein gottesgläubiges Leben, in ein Unternehmen, in eine Kirchengemeinde, in eine Familie.
Potenzial für ein drittes Buch ist sicherlich auch da – wenn einige Dinge werden auch diesmal nur angedeutet, lohnen aber ganz sicher, auch irgendwann mal erzählt zu werden.

Karl-Dietmar Plentz / Andrea Specht: Mit Laib & Seele – Neue Geschichten vom Brotmacher
Brunnen, 216 Seiten
8/10

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RTZapper

Wie Gott uns schuf

Mittwoch, den 26. Januar 2022
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MO 24.01.2022 | 20.30 Uhr | Das Erste

Mehr als 100 Menschen haben sich am Montagabend im Fernsehen als nicht heterosexuell geoutet. Als wäre das nicht schon bemerkenswert genug: All diese Menschen haben mit der katholischen Kirche zu tun. Sie arbeiten für sie in diversen Einrichtungen. Sie sind Pfarrer. Sie sind kirchliche Mitarbeitende. Und fast alle hatten immer Angst, sich zu outen – aus Angst vor Konsequenzen, aus Angst, gefeuert, geächtet zu werden.

Das Massen-Outing passierte in der Doku “Wie Gott uns schuf” am Montagabend im Ersten. Und die dortigen Verantwortlichen müssen gespürt haben, dass es sich um eine wichtige Sache handelte. Denn eigentlich sollte die Doku erst um 22.50 Uhr laufen, und erst am Montagmorgen hat man sich bei der ARD wohl entschieden, den Film in der Primetime, nach dem “ARD extra”, zu zeigen.
Eine gute Entscheidung, und ein guter Tag für das öffentlich-rechtliche Fernsehen.

Inhaltlich war es mitunter erschreckend, was die Menschen in diesem Film erzählt haben. Eine Frau berichtete, dass sie hochschwanger gekündigt worden ist, weil man rausfand, dass sie mit einer Frau zusammen lebt. Viele andere hatten Angst, offenzulegen, dass sie schwul, lesbisch, bisexuell oder asexuell sind.
Und man fragt sich aber auch gleichzeitig, warum wollen alle diese Menschen für eine Kirche arbeiten, die sie als Menschen nicht respektieren. Für eine Kirche, die ihre Lebensweise für eine Sünde, für falsch halten. Für eine Kirche, die sagt, das sei abartig.
Auch könnte man fragen, ob es nicht das Recht der Kirche sein könnte, Leute zu kündigen, die nicht nach ihren bekannten Regeln leben. Aber das kann man am schnellsten verwerfen, denn diese Regeln sind es, die zu ändern sind. Die katholische Kirche beruft sich dabei auf Gott – dabei ist es doch Gott, der all diese Menschen erschaffen hat.
Warum fast alle dieser Menschen, sich trotzdem mit der katholischen Kirche verbunden fühlen, klingt dann auch logisch: Wie will man sie ändern, wenn man nicht mehr Teil davon ist? Man muss sich zeigen, man muss aufklären, man muss dafür kämpfen.
Diese Doku zeigte lauter mutige Menschen, und es wird interessant, was sich nun in der nächsten Zeit in der katholischen Kirche verändert.
Und wann kommt die Doku über das Massen-Outing im Profi-Fußball?

-> Die Doku in der ARD-Mediathek (bis 24. Januar 2023)

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RTelenovela

Die aktuelle Christvesperkritik 2021 – In Zeiten des Coronavirus

Samstag, den 25. Dezember 2021
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2020 -> 24.12.2020

Und wieder ist ein Jahr vorbei. Leider ist die Coronakrise aber immer noch da. Zwar viele geimpft, dennoch mit höheren Inzidenzen. Deshalb gab es für die 2021er-Christvesper in Schmachtenhagen mal wieder Sonderregeln – nur wer ein Ticket hatte, konnte rein. Und die Tickets hatte ich vorher besorgt.
Die Ausgabe der Tickets diente sicherlich auch dem Umstand, dass man die Kirche nicht ganz voll haben wollte – weshalb es auch recht luftig in den Reihen war. Allerdings waren wir 2020 noch viel weniger.

In Zeiten des Coronavirus ist es in der Kirche verboten zu singen – zumindest für die Leute in den Bänken und für Chöre. So gibt es ja normalerweise in Schmachtenhagen den Männerchor. Den erlebten wir zuletzt 2019. im letzten Jahr war die Christvesper sehr kurz, ohne Chor, fast ohne Rahmenprogramm.
Diesmal war ein Streicherquartett dabei, das einige Lieder spielte, die auch wirklich sehr schön klangen. Allerdings hätten wir uns auch mal ein wirklich weihnachtliches Lied von den Streichern gewünscht.

Es ist ganz sicher nicht einfach, bei einem Gottesdienst eine festliche Stimmung aufzubauen, wenn die Menschen in der Kirche nicht mitsingen dürfen. Wie schon 2020 musste der Pfarrer allein singen. Dazu spielte die Orgel, wenn manchmal auch etwas hektisch und abgehackt.

In der Predigt ging es einerseits um die Weihnachtsgeschichte – andererseits aber auch um unsere aktuelle Lebenssituation. Das Leben mit dem Coronavirus. Die Vorsichtsmaßnahmen, und überhaupt wie uns das alles zunehmend in vielerlei Hinsicht belastet. Der Pfarrer erzählte davon, wie er den Draht zu einem engen Freund verloren hat. Der Freund hat sich in Sachen Corona mehr und mehr radikalisiert. Es gebe Schwarz und Weiß und kein Dazwischen mehr. Es sei nicht mehr möglich, normal zu reden. Und das würden viele Leute erleben – schwierig sei das, weil es auch immer gleich sehr persönlich werde.
Wahre Worte.

Ein Lied haben wir dann aber doch gesungen. Zum Ende der Christvesper bat uns der Pfarrer nach draußen, in den Kirchhof. Dort sangen wir dann die “Stille Nacht”.
Wird 2022 wieder alles, nun ja, normal?

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RTelenovela

Tickets für die Christvesper in Zeiten des Coronavirus

Mittwoch, den 22. Dezember 2021
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Alles anders – auch beim Weihnachtsgottesdienst. Für die diesjährige Christvesper muss man ein Ticket haben. Ohne Ticket kein Zutritt in die Kirche.
In vielen Gemeinden fällt der Gottesdienst ganz aus, oder es gibt eine Onlineversion. In anderen Orten wird draußen gefeiert. Wieder andere Orte hoffen einfach, dass nicht so viele Leute kommen.
Sehr kompliziert und uneinheitlich.

Mir wurde gesagt, dass es die Tickets für die Christvesper in Schmachtenhagen im Welt-Laden gebe. Vor Ort erfuhr ich, dass das nicht so ist, ich müsse mich direkt an die Gemeinde wenden. Tatsächlich ist in einer Pressemitteilung auch ein Herr genannt worden, der diese Tickets hat – aber nicht, wie man ihn erreicht und wo er ist. Ich musste also googlen und fand in einem alten Gemeindebrief den Herrn und eine Telefonnummer. Wir verabreden uns, wann ich denn mal vorbeikomme und die Tickets abhole.

Und so stand ich eines Abends vor einem Grundstück in Schmachtenhagen und klingelte bei einem fremden Menschen. Aber am Ende hatte ich die Tickets.
Heiligabend kann kommen.

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RTelenovela

Predigt: Die Wiederholung der Wiederholung

Montag, den 8. November 2021
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Seit ich denken kann, gehen wir am Sonntag zu oder nach Allerheiligen auf den katholischen Friedhof zur Gräberweihe – oder eigentlich: Gräbersegnung.
Bevor der Pfarrer rumgeht und die Gräber mit Weihrauch segnet, gibt es immer eine Predigt, ein Gebet und Gesänge. Wegen der Pandemie aber scheinbar – wie letztes Jahr auch – mit einem abgespeckten Programm.

Der Pfarrer hält eine Predigt über den Tod. Denn an Allerheiligen denkt man die Toten – Familie, Freunde, Bekannte – auf dem Friedhof daheim oder irgendwo auf der Welt.
Und vielleicht ist es mir ja bisher nicht aufgefallen: Aber ich habe das Gefühl, dass der Pfarrer jedes Jahr exakt dasselbe erzählt. Ein paar Floskeln gibt es, die mir jedenfalls immer wieder auffallen. Er redet ganz allgemein darüber, was denn in der Bibel zum Tod und zu Allerheiligen steht und wie man das auslegen könnte.
Aber irgendeinen Bezug zu unserem Alltag 2021? Irgendwie mal daran erinnern, dass auch 2021 in der eigenen Stadt viele Menschen am Coronavirus gestorben sind? Nein, die Predigt wird allgemein gehalten, nüchtern und dröge.
Ich finde das nicht mehr zeitgemäß. Genau genommen finde ich, dass das noch nie zeitgemäß gewesen sein sollte. Eine Predigt sollte die Menschen im Alltag abholen, im Jetzt.
Jedes Jahr in einer doch eigentlich individuellen Predigt so ziemlich das Gleiche runterzulesen – da erwarte ich, ehrlich gesagt, ein bisschen mehr.

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Philipp Mickenbecker ✝ 09.06.2021

Freitag, den 11. Juni 2021
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DO 10.06.2021 | Youtube

Es ist das wohl traurigste Youtube-Video des Jahres. Und dennoch eines, das wahnsinnig viel Kraft ausstrahlt, voller Zuversicht und Freude ist. Und das, obwohl ein paar Stunden zuvor ein Freund, ein Bruder, der Lieblingsmensch gestorben ist.
Philipp Mickenbecker ist gestorben. Mit gerade mal 23 Jahren.

Er hat viel zu kurz gelebt. Aber er hat auch sehr viel länger gelebt, als es ihm seine Ärzte vorhergesagt haben. Er hat noch eine Chance bekommen, die er auch genutzt hat. Um zu leben. Um Freude zu haben. Um Mut zu machen.

Philipps Geschichte ist erstaunlich. Gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Johannes und Freunden betreibt er den Youtube-Kanal “The Real Life Guys”, auf dem sie verrückte Experimente gebaut und ausprobiert haben. Mit Erfolg. Bis heute hat der Kanal mehr als 1,5 Millionen Abonnenten.
Philipp war 16, als er zum ersten Mal die Krebsdiagnose bekam. Bestrahlung, Therapie. Er konnte den Krebs besiegen. Es hat jedoch ein Jahr gedauert. Ein Jahr voller Strapazen.
Drei Jahre später: Der Krebs ist zurück. Eine zweite Chemo lehnt er ab. Zu schlimm war es damals.
Nicht genug: Seine Schwester stirbt in dieser Zeit beim Absturz eines Kleinflugzeuges. Ein Schock. Der Tod kam plötzlich, er kündigte sich nicht an, wie bei Philipp.
Wieso weiß niemand: Aber Philipp wird wieder gesund, zum zweiten Mal.
Im Sommer 2020 aber, da kehrte der Krebs wieder zurück, und diesmal mit voller Wucht. Endstadium. Die Ärzte geben ihm Wochen, vielleicht zwei Monate. Es wird fast ein ganzes Jahr.

Philipp macht weiter. Seine Kraft schöpft er aus dem Glauben, zu dem er gefunden hatte. Er wusste, Gott werde ihm helfen, einen Ausweg zeigen, ihn heilen. Er war sich sicher: Er wird wieder gesund. Er wusste aber auch: Wenn er nicht gesund wird, geht das Leben im Himmel weiter, er würde nach seinem Tod alle wiedertreffen, die er schon verloren hatte. Er ging ohne Angst, er ging voller Freude. Er wusste, was er geschaffen hatte, was er an seinem Leben hatte.

Und nur Stunden später setzen sich sein Bruder und seine Freunde zusammen und drehen ein Video. Erzählen von seinen letzten Stunden, vom Abschied, vom Schmerz und der Trauer – und eben auch von der Freude, der Erlösung. Und vor allem vom Zusammensein.
Selbst wenn man nicht an Gott glaubt, ist es einfach nur rührend und schön zu sehen, wie diese Menschen mit dem Tod und dem Abschied umgehen.
Und Philipp Mickenbecker kann man nur danken. Für seinen Mit und seine Kraft, für seine Freude, den anderen Menschen zu zeigen, wie der Umgang mit dem eigenen Tod funktionieren kann. Er hat es geschafft, vielen Menschen, Ängste zu nehmen, Zuversicht auszustrahlen.
23. Natürlich viel früh. Aber wenn man ihn in Videos reden hört, weiß man: Philipp hatte ein erfülltes Leben.

-> Das Video auf Youtube
-> Doku über Philipp Mickenbecker in der ARD-Mediathek (bis 14. Januar 2022)

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