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Malvina, Diaa und die Liebe

Sonntag, den 14. Januar 2018
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SA 13.01.2018 | 16.55 Uhr | hr fernsehen

Malvina und Diaa brauchen Polizeischutz. Sie beiden sind nicht gefährlich. Die Gefahr kommt von einer anderen Seite.
Malvina ist Christin und Deutsche. Diaa ist aus Syrien, Moslem, lebt nun in Deutschland. Die beiden sind seit mehr als einem Jahr ein Paar.
Der KiKA, der Kinderkanal von ARD und ZDF, zeigte im November die Doku “Malvina, Diaa und die Liebe”. Er handelte davon, dass sich zwei Menschen aus verschiedenen Konfessionen lieben. Was gut läuft, was problematisch ist. Unkommentiert.
Im KiKA lief die Doku innerhalb eines Schwerpunktes über Kinderrechte.

Sie erzählen über ihre Kulturen – und über die Augenblicke, wo diese Kulturen aufeinanderstoßen. Er will, dass sie keine kurzen Kleider trägt. Er mag es nicht, wenn sie mit anderen Männern spricht. Sie widerum sagt, sie sei eine Emanze, und sie lasse sich nicht verbieten, auch mit anderen Freunden zusammen zu sein – platonisch eben. Sie wolle sich das nicht nehmen lassen, die Sache mit dem kurzen Kleid, die kann sie dagegen akzeptieren.

Sechs Wochen nach Ausstrahlung im KiKA gibt es einen riesigen Wirbel um den Film – angefeuert durch die AfD und durch die “Bild”. Der AfD-Bundestagsabgeordnete Dirk Spaniel macht aus der Doku einen Skandal. Für ihn sei sie eine „rührselige Seifenoper“. Der Kinderkanal betreibe „Propaganda“ für Beziehungen mit moslemischen Flüchtlingen. Die “Bild” zieht nach, ist ebenfalls empört – auch weil auf der KiKA-Seite im Internet Diaa erst 17, dann 19 war. Was allerdings ein Fehler der Internetredaktion war – Diaa war immer 19. Das empört noch mehr, weil AfD und “Bild” nun erst recht eine Verschwörung und Propaganda sehen. Was AfD und “Bild” in Zweisamkeit erreichen ist: Hass. Blanker Hass, der im Netz ausgekübelt wird von tausenden wütenden Menschen. Eine unwürdige Diskussion entsteht. Malvina und Diaa brauchen schließlich Polizeischutz.

Im Rahmen einer Diskussionssendung zeigte das hr fernsehen – der hr produzierte den Film für den KiKA – am Sonnabendnachmittag die Doku nochmals.
Wer diesen Film sieht – und das einigermaßen ohne Vorurteile -, wird bemerken, dass er keinesfalls Propaganda betreibt. Denn allein durch das, was Malvina den Aussagen von Diaa entgegnet, merkt man sehr wohl, dass da Welten aufeinanderprallen, die nicht immer schwer vereinbar sind. Es kommen Freunde, andere Menschen zu Wort, die ihre Sorgen äußern.
Kritisiert wird, dass der Film ohne einordnenden Kommentar auskommt. Der ist jedoch nicht nötig. Denn erstens kommen die Kommentare sehr wohl – aber eben von den Freunden und Eltern, die durchaus deutlich äußern, was sie eventuell befürchten und was eventuell gar nicht ginge. Außerdem sollte man doch bitte die zuschauenden Kinder (und Jugendlichen) nicht unterschätzen. Denn die können durchaus mitdenken und einschätzen, wie Aussagen eventuell einzuordnen sind. Ein Off-Kommentar, der hier und da sagen würde, das sei ja total bedenklich, was da gerade gesagt wurde, war schlicht überflüssig.

Die Diskussion um “Malvina, Diaa und die Liebe” ist unwürdig und niveaulos. Wie übrigens auch der Stunk um eine “Lindenstraße”-Folge von 2006, die neulich bei one wiederholt worden ist. Dort erklärte Serienfigur Lisa ihrem Sohn Paul, wie toll doch der Islam sei.
Das tat sie damals tatsächlich, aber auch das war keine ARD-Propaganda, die auch in dem Fall von AfD und Co. herbeigeschrien wird. Der Ausschnitt kursierte im Netz, ist so für sich stehend durchaus irritierend. Aber im Gesamtkontext sieht das schon ganz anders aus. Denn die Serienfigur Lisa war schon immer eine, die sich völlig übertrieben in neue Merkwürdigkeiten stürzte. In diesem Fall wollte sie unbedingt Moslimin werden. Als Kind wurde sie von der Mutter verprügelt und verstoßen, sie lebte im Heim, schien immer allein zu sein. Dann lernte sie Murat kennen und wollte unbedingt seine Religion übernehmen, sie wollte ein Teil seiner Familie werden – inklusive Islam. Paul findet das beängstigend, und selbst Lisas Freund/Mann Murat wollte ihr das ausreden. Es gab also sehr wohl eine Kontroverse um das, was Lisa da tat.
Aber das ist rechten Hetzern egal. Sie sehen einen Ausschnitt und schmeißen die Empörungsmaschine an. Und leider funktioniert die Masche, weil leider die wenigsten sich das ganze Bild machen und sich stattdessen beeinflussen lassen.

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Nellys Abenteuer

Montag, den 20. November 2017
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SA 18.11.2017 | 14.00 Uhr | KiKA

Selten hat ein Film, der auf dem Kinderkanal von ARD und ZDF ausgestrahlt wird, schon im Vorfeld für so viel Wirbel gesorgt. Dabei ist der Titel eher lahm: “Nellys Abenteuer”.
Der Zentralrat der Sinti und Roma sagte, der Film beinhalte antiziganistische Züge. Er zeige Roma nur beim Betteln und Stehlen, er zeige ein Bild von kriminellen, unzivilisierten, disziplinlosen und triebgesteuerten Roma, die keine Moral kennen.
Kürzlich lief der Film bereits im SWR-Fernsehen mit einer anschließenden Diskussion darüber, am Sonnabendnachmittag folgte die eigentliche Ausstrahlung im KiKA.

Nelly (13) ist überhaupt nicht begeistert, dass sie mit ihren Eltern in den Sommerurlaub nach Rumänien muss. Dort kommt es zu merkwürdigen Zwischenfällen, und sie wird von düsteren Romakindern erst beklaut, dann von angsteinflößenden Fremden entführt. Nelly hat Angst, sie weiß nicht, was mit ihr geschieht.
Mal abgesehen davon, dass es ein ziemlich düsterer Film für Kinder (ab 8) ist – die Botschaft ist in der Tat schwierig. Nicht nur, dass Rumänien an sich als blöd dargestellt wird. Dann wird Nelly auch noch dreist von einem Romamädchen geklaut, das sie auch noch frech angrinst. Dann auch noch die Entführung und all diese im Film wunderlichen Menschen.
Zwar stellt sich später raus, dass alles doch irgendwie anders ist, und Nelly und die Romakinder werden irgendwie noch so was wie Freunde – schwierig ist dieser Film dennoch.

“Nellys Abenteuer” ist zudem ein dämlich harmloser und einfallsloser Titel für einen Film mit diesem Inhalt. Vielleicht hatte man aber auch Angst, dass bei der Kinoverwertung kein Kind ins Kino geht, wenn Eltern schon vorher wissen, worum es da geht.
Die Darstellung der Roma ist tatsächlich sehr negativ und für einen Kinderfilm fast schon beängstigend negativ. Auch wenn sich das Bild am Ende wandelt (bis dahin vergehen aber gute 75 Minuten), für Kinde könnte das negative Bild hängen bleiben.
So oder so: “Nellys Abenteuer” ist ein recht schwacher Film.

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Die extra-lange Bernd-Nacht

Montag, den 30. Oktober 2017
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SA 28.10.2017 | 21.00 Uhr | KiKA

Mit Bernd, das Brot ist es ziemlich seltsam. Einerseits ist er zwar die wohl bekannteste Figur im KiKA, und vor allem auch bei Erwachsenen bekannt. Umso erstaunlicher ist es, dass weder der Bernd-Herkunftssender ZDF irgendwas mit der Kastenbrot-Puppe macht, noch der KiKA selbst immer mal wieder was Neues im Programm hat.
Stattdessen läuft nachts die “KiKA Lounge” mit Bernd – eine gut neun Jahre alte Produktion. Kann man schon mitsprechen.

Da war es eine schöne Überraschung, als es hieß, dass in der (wegen der Zeitumstellung eine Stunde längeren) Nacht zum Sonntag “Die extra-lange Bernd-Nacht” veranstaltet wird. Von 21 bis 6 Uhr wurden noch mal die besten Bernd-Filme und -Clips gezeigt. Die Zuschauer konnten sogar live mitentscheiden, welcher Beitrag als nächstes gezeigt werden sollte.

Wer aber am Sonnabend den KiKA eingeschaltet hat, wird sich vielleicht gewundert haben. Dort lief wie eh und je die “KiKA Lounge” in der Dauer-Nachtschleife.
“Die extra-lange Bernd-Nacht” lief nur auf Facebook, auf der Seite des KiKA.
War auch so angekündigt, wenn man denn genauer auf die Facebook-Vorschau gesehen hatte. Aber warum zeigt man das für ein paar Hände voll Zuschauer auf Facebook und nicht im Fernsehen?

Eine Antwort darauf gab es nicht wirklich, beim KiKA gefragt, heißt es nur, dass man sich mit Absicht dafür entschieden hatte und dass die Schleife im KiKA-Fernsehen ja so etwas wie ein Testbild ist.
Dass der KiKA ein zehnstündiges Sonderprogramm aber nur auf Facebook sendet, ist eher zweifelhaft.

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Trailer: Bei KiKA

Dienstag, den 14. Februar 2017
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SO 12.02.2017 | 20.10 Uhr | KiKA

Abkürzungen haben allermeistens eine Bedeutung. Und dementsprechend müssen sie auch vernünftig verwendet werden. Im KiKA scheint das alles wurscht zu sein, und das ausgerechnet bei der jungen Zielgruppe.

In sämtlichen Trailern heißt es beim Hinweis auf Sendungen: “…bei KiKA”. Da läuft dann etwas morgen um 20 Uhr bei KiKA.
Da bekommt man Kopfschmerzen!
Denn “KiKA” heißt Kinderkanal. So würde es also heißen: “Um 20 Uhr bei Kinderkanal.”
Mieses Deutsch, aber warum sollte man den Kindern auch gutes Deutsch beibringen?
Warum kann man nicht sagen: Im KiKA. Oder zur Not: Beim KiKA.
Aber “bei KiKA” geht so gar nicht.

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Elton!

Mittwoch, den 26. Oktober 2016
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SA 22.10.2016 | 16.55 Uhr | KiKA

Als Showpraktikant hat er einst bei Stefan Raab den Durchbruch geschafft. Jetzt kommt man kaum noch hinterher, wenn man den Überblick behalten will, was Elton alles macht.
Er moderiert “Schlag den Star”, neulich die Zu-Hause-Show bei ProSieben, er gehört zum Team der Rateshow “Wer weiß denn so was?” im Ersten. Und ganz sicher habe ich einiges vergessen.
Und er moderiert für das ZDF und den KiKA “1, 2 oder 3?”, die Spielshow, die es inzwischen seit Jahrzehnten gibt, und die ich schon in den 80ern mit Michael Schanze gesehen habe.

Am Sonnabend startete im KiKA nun eine weitere Kindershow mit Elton, die so heißt wie er: “Elton!”. Zwar ist er ja im “großen” Fernsehen alles andere als ernst, aber im Kinderfernsehen darf er noch einen Tick überdrehter sein.
Bei den Kindern kommt dieser Gute-Laune-Bär offenbar sehr gut an. In der Auftaktsendung zeigte er, was eigentlich mit den Koffern im Flughafen passiert – in dem sich Elton einfach selbst aufs Kofferband setzte. Später gab es noch eine Art “versteckte Kamera” mit Kindern und einen Studiogast.

Vermutlich ist das Konzept, dass es keins gibt. Stattdessen: Elton und das, was ihm Spaß macht. Und den Kindern auch. Comedy und Entertainment für die Kleinen, und das kann Elton (neben dem, was er für die Erwachsenen macht) gut. Weiter so!

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Ein Fall für TKKG

Donnerstag, den 10. Dezember 2015
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MI 09.12.2015 | 13.20 Uhr | KiKA

Tim, Karl, Klößchen, Gaby – TKKG. Die ZDF-Jugendserie mit den spannenden Krimifällen habe ich in den 80ern geliebt, und dabei hatte sie nur zwölf Folgen. Es gab immer wieder mysteriöse Fälle, die die Jugendlichen zu lösen hatten.
Natürlich ist es immer auch ein Stück Nostalgie, wenn man sich an solche Fernsehsendungen von damals erinnert. Aber um so mehr tut es weh, wenn man sieht, was sich da auf dem KiKA tut.

“Ein Fall für TKKG” heißt auch eine total crazy Zeichentrickserie, die am Mittwochmittag im Kinderkanal lief.
Ich habe selten so einen lieblos dahingerotzten Mist gesehen.
Die Figuren sind billig gezeichnet, die Hintergründe immer nur verwaschen und unscharf zu sehen. Nicht unscharf, um die Figuren im Vordergrund besser zu sehen, sondern weil es schlicht keinen wirklich ausgearbeiteten Hintergrund gab. Häuser werden nur angedeutet, als Schemen dargestellt. Alles ruckelt, Bewegungen sind nur schlicht ausgeführt.

Beim ZDF schien man auch nicht wirklich zufrieden gewesen zu sein, was da in Indien (!) zusammengeschustert worden ist. Laut Wikipedia ist sie bereits 2005 produziert worden, aber erst 2014 lief sie erstmals im Fernsehen. Wenn man neun Jahre mit der Ausstrahlung wartet, hatte man es wohl nicht gerade eilig. Macht man eigentlich anders, wenn man was Gutes in der Hinterhand hat.
Gut ist diese Zeichentrickserie aber nun wirklich nicht.

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Let’s talk. Weil Meinung zählt!

Dienstag, den 17. März 2015
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SO 15.03.2015 | 19.25 Uhr | KiKA

Wie ist das heute eigentlich unter den Jugendlichen? Wie ist es, anders zu sein? Will man anders sein, muss man anders sein, geht es gar nicht, anders zu sein?
Der KiKA hat eine neue Talkshow für Jugendliche. “Let’s talk. Weil Meinung zählt!” läuft jeden Sonntagabend, und vermutlich werden nicht so viele Jugendliche zusehen, weil der Kinderkanal dafür einfach zu uncool ist.
Und ob die so was überhaupt sehen wollen, ist die andere Frage. Ich vermute eher, dass es für Erwachsene spannender ist, was junge Leute über bestimmte Themen denken, als die eigentliche Zielgruppe.

Am Sonntag lautete die Frage: “Anders sein oder dazugehören?”, und die Redaktion hat ganze Arbeit geleistet. Da war das Mädchen, das meint, man müsse sich anpassen. Ein Junge, der keine Lust hat, sich anzupassen. Ein Schwuler und eine Lesbe, der Verständnisvolle, die Zickige.

Spannend war das trotzdem irgendwie, denn die jungen Leute unterhalten sich mehr oder weniger gesittet über all diese Themen – allerdings schien die ganze Sendung stark geschnitten zu sein. Wer weiß, was alles der Schere zum Opfer fiel. Pädagogisch wertvoll ist in den 25 Minuten auch alles durchgekaut worden, was irgendwie zum Thema gehören könnte: das schwule Outing gegenüber dem besten Freund, Mobbing in der Schule, Markenklamotten und und und. Schließlich will man auf dem KiKA ja keinen Asitalk senden, sondern die jungen Leute sollen auch noch was lernen.

So wirkt “Let’s talk” einerseits recht locker ist ziemlich spannend, andererseits macht das Ganze einen sehr gewollten Eindruck – Jugendfernsehen mit Anspruch. Was ja nicht das Schlechteste ist.