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Besoffen in Kiel

Donnerstag, den 9. Mai 2019
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Wie besoffen kann man eigentlich sein, dass man es nicht mehr mitbekommen würde, wenn man vom Auto überfahren wird? Wie besoffen kann man eigentlich sein, dass die Leute von einem Abstand halten?

Wir laufen gerade vom Kieler Hafen zum Hauptbahnhof. Dazu muss über eine Ampelkreuzung. Ein paar Meter vor uns laufen zwei Männer – sturzbetrunken. Einer von ihnen konnte nicht mal mehr im Ansatz geradeaus laufen. Er lief Schlangenlinien, und immer wieder sprach er Leute an. Schnorren. Vielleicht Zigaretten, vielleicht Geld. Die Hose hing halb überm Hintern. Dazu ein ranziger Rucksack.

Wir hielten Abstand, und es tut mir Leid zu sagen: Auch wenn vielleicht jemand arm ist, vielleicht auf der Straße lebt. Fürs Besoffensein habe ich kein Verständnis, damit kann und will ich nicht umgehen. Solche Leute sollen mich bitte in Ruhe lassen.

Die rote Ampel ignorierend – und vermutlich hat er sie gar nicht registriert – lief er über die Kreuzung. Autos mussten bremsen. Und auch sein nur etwas weniger besoffener Begleiter torkelte über die Straße.
Wir verloren sie aus den Augen, während wir auf Grün warteten.

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Von Oslo nach Kiel

Mittwoch, den 8. Mai 2019
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Das Schiff auf unserer Rückfahrt von Oslo nach Kiel ist fast identisch mit dem auf der Hinfahrt. Es hat wohl noch ein paar mehr Kabinen. Anstelle eines Ladens gibt es einen Sushi-Imbissstand. Auch die Farben sind ein bisschen anders. Die Promenade wird von einem Grün flankiert – da hätte man vielleicht auch was anderes Schönes finden können. Aber ansonsten fühlen wir uns gleich heimisch.

Auf einem der vielen Hinweisschilder finde ich ein “Cinema”. Ich fahre ins bestreffende Stockwerk, suche ein wenig, werde aber nicht fündig. Wer weiß, was das für ein geheimnisvolles Kino ist. Und was dort für schmutzige Filmchen laufen.

Auch auf der Rückfahrt gibt es eine Unterhaltungsshow. Diesmal dreht sich alles um New York. Wir sehen Ausschnitte aus der “Westside Story” und auch aktuellere New-York-Hits.
So richtig genießen kann ich das nicht, denn es ist arschkalt. Irgendwie ist es auf dem kompletten Schiff ziemlich kalt – inklusive unserer Kabine.
Dort gibt es eine nichtabschaltbare Klimaanlage. Und selbst wenn wir sie auf “sehr warm” stellen, kommt kühle Luft raus. Damit die Klimaanlage, wenn ich im Bett liege, nicht direkt auf mich pustet, klappen wir das nichtbenutzte Bett über mir aus.
Und auch in der Unterhaltungsarena kommt kalte Luft aus der Klimaanlage. Irgendwas muss da nicht stimmen.

Wir gleiten erneut über das Wasser, das keine Wellen schlägt. Es schaukelt nichts. Alles bleibt ruhig. Auch das Handy, denn wir haben inzwischen den norwegischen Bereich verlassen. Wenn wir draußen an Deck stehen, bekommen wir das schwedische Netz rein, bis zum dänischen dauert es noch.
Wir lassen den Abend wieder in der Bar-Lounge ausklingen. Eine Frau singt, ein Mann spielt Klavier, und es ist schön, ihnen zuzuhören.
Die Nacht. Wir schlafen prima, und wir schlafen diesmal auch etwas länger, weil wir ja wissen, dass die Einfahrt in die Kieler Förde nett, aber nicht zwingend sehenswert ist.

Wir finden uns in Etage 15 ein, dort kann man zum Frühstück eine Kleinigkeit essen und trinken, und man kann wunderbar raus schauen und die Einfahrt nach Kiel beobachten. Kurz vor dem Norwegenkai dreht sich das Schiff, damit es rückwärts einfahren und anlegen kann.

Wie das immer so ist: Seit Ende Juni war klar, dass wir diese Reise machen werden. Anfang Januar haben wir den Termin festgelegt, und jetzt ist schon wieder alles vorbei.
Danke allen, die mir das ermöglicht haben und den Freunden, die mich auf diese schöne Reise begleitet haben!
PS: Die Sache mit dem Motorschaden konnte ich zwischenzeitlich sogar erfolgreich verdrängen…

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Von Kiel nach Oslo

Sonntag, den 5. Mai 2019
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Das ist praktisch. Der Hauptbahnhof von Kiel liegt direkt am Hafen. Es sind nur wenige Schritte bis zum Norwegenkai. Von dort aus fährt das Schiff nach Oslo.
20 Stunden braucht man mit dem Schiff von Kiel nach Oslo. Und weil das so ist, bewirbt die Reederei die Fahrt als Schnupperkreuzfahrt. Das ist durchaus sinnvoll, denn wenn das Schiff um 14 Uhr in Kiel ablegt, ist es erst am nächsten Tag um 10 Uhr in Oslo. In dieser Zeit muss man die Leute ja irgendwie beschäftigen – und natürlich ihnen auch das Geld aus den Taschen ziehen. Mit gutem Essen, Entertainment, Freizeitaktivitäten. Es ist schon ziemlich toll, was da alles geboten wird. Und am Ende weiß man idealerweise, ob man für eine Kreuzfahrt geeignet ist.

Ich hatte die ganze Zeit die alte Titelmelodie vom “Traumschiff” im Ohr, als wir das Schiff betraten. Ein paar Crewmitglieder standen in der Lobby und beobachteten den Zustrom der Menschen. Es war schon ziemlich feierlich, irgendwie.
Wir liefen durch die Promenade. Die wirkt wie ein kleines Einkaufszentrum in der Stadt. Rechts und links befinden sich lauter Geschäfte und Gaststätten. In der Bar steht ein Countrymusiker, spielt auf seiner Gitarre und singt. Das wirkt ein wenig merkwürdig, weil ja noch keiner da ist, der ihm wirklich zuhört. Aber es macht natürlich Eindruck.
Ein gibt Klamottenläden, einen Laden mit Düften, mit Spielzeug, eine Spielecke, ein italienisches Restaurant und so einiges mehr. Da staunt man, weil man gar nicht mehr denkt, man sei auf einem Schiff. Was natürlich so gewollt ist.

Auf unseren Tickets steht nicht nur die Zimmernummer, sondern auch, mit welchen Fahrstühlen wir dorthin gelangen. Das ist sinnvoll, weil natürlich mit einem Schlag sehr viele Leute aufs Schiff kommen, die konkrete Ziele haben.
Unsere Kabine befindet sich im Innenbereich. Wir haben zwar keinen Blick nach draußen, dafür aber auf die Promenade im Inneren des Schiffes. Auch da gibt es einiges zu sehen.
Die Kabine ist klein, aber völlig in Ordnung. Dadrin könnte ich auch länger reisen. Wir haben ein Doppelstockbett, sogar einen Fernseher und ein kleines, aber geräumiges Bad. Mehr brauchen wir eh nicht.

Ich hatte übrigens das Glück, tolle Freunde zu haben. Für mich war die Reise nämlich ein Geschenk zum Geburtstag. Ein großartiges Geschenk, über das ich sehr gerührt war, als ich es bekam.

Als wir Kiel verlassen, stehen wir natürlich draußen. Das Wetter ist so lala. Das macht es aber in dem Moment nicht weniger aufregend – wenn man denn, wie ich, so was das erste Mal macht. Wir gleiten durch die Kieler Förde, bis wir nahe Laboe die Bucht in Richtung Dänemark verlassen.
Als Smartphone- und Internetjunkie ist dann natürlich die Frage, ob es an Bord ein Netz gibt. Gibt es – aber das ist teuer. Aber bald stellen wir fest, dass wir relativ schnell im dänischen Netz surfen können. In Dänemark schippern wir lange an dortigen Küsten entlang.

Wir erkunden das Schiff. Es hat 15 Etagen, wobei die unteren natürlich für Autos und Lkw reserviert sind. In Etage 5 scheint die Crew zu leben.
In Etage 6 folgt der Duty-Free-Shop, in der man die üblichen Großpackungen Süßigkeiten, Alkohol oder sonstigen Kram kaufen kann. Ob der da besonders preiswert ist, kann ich selten einschätzen. Die Schokolade und die Getränke waren allerdings mitunter sehr viel teurer als daheim. Lustig ist das Geräusch der klappernden Flaschen – verursacht von den Schiffsmotoren, die man ansonsten aber selten bemerkt.
Auch ein Casino gibt es an Bord. Man kann Roulette spielen, und meine Freunde wagen es. Allerdings ist das eher frustrierend, wenn man sieht, wie schnell sich der 20-Euro-Schein in Luft auflöst. Es waren gerade mal drei Spiele, und schon war die Kohle weg. Wenn man auf eine Farbe setzen will, muss man mindestens 10 Euro setzen. Wahnsinn. Meine Freunde nehmen es erstaunlich gelassen. Und irgendwie kribbelt es ein bisschen in den Fingen, auch mal Roulette zu spielen – zumindest bis zu diesem Moment, wo die 20 Euro eins-fix-drei futsch sind.
Dann gibt es noch Blackjack und diverse Automatenspiele. Letztere finde ich aber weniger spannend.

Wer möchte, kann auch ins Fitnessstudio, es gibt einen Saunabereich und ein Schwimmbad. Es scheint auf diesem Schiff nur wenig zu geben, das es nicht gibt. Kostet aber alles extra.
Wir gönnen uns stattdessen ein gutes Essen. Das Restaurant befindet sich im Schiff ganz hinten an einem riesigen Panoramafenster. Wir sehen auf die See, und im Großen Belt fahren wir unter der dortigen Brücke, über die die Europastraße 20 führt.
Die Speisen sind edel. Ich nehme die Ente mit grünem Spargel und einer Art Kartoffelbrei. Durchaus lecker! Kostet um die 30 Euro. Kann man mal machen, wenn auch nicht oft. Wobei natürlich unsere Sitzposition der Knaller ist. Dafür dass es etwas nobler zugeht, wundere ich mich allerdings, dass mir der bestellte Eistee in der Plastikflasche serviert wird. Ansonsten ist dieses Abendbrot aber durchaus besonders.

Inzwischen wird es draußen dunkel. Wir stellen uns noch mal draußen an die Reeling und lassen uns die Luft um die Nase wehen. Könnte ich stundenlang! In der Ferne fährt das eine oder andere Schiff vorbei.

Wir haben noch ein Highlight vor uns. Denn zu einer Kreuzfahrt gehört auch ein Abendprogramm. In der Show “Believer” geht, so habe ich das im Nachhinein gelesen, um die Träume der verschiedenen Leute. Es wird gesungen und getanzt. Musicalhits, Popsongs und einiges mehr. Die Meinungen unter uns vier ist nicht ganz einhellig. Ich fand es absolut in Ordnung. Die Songs waren gut, und ein ganz großes Musical erwarte ich an dieser Stelle auch gar nicht.

Auf dem Schiff wird es danach langsam ruhiger, nur im Pub ist noch viel los. Es ist inzwischen 22 Uhr. So langsam haben wir tatsächlich keinen Handy-Empfang mehr.
Wir lassen den Tag in der Bar ausklingen, wo noch jemand am Klavier spielt. Schöne Atmosphäre! Mein Cocktail-Tipp: der alkoholfreie Pinky.
Es ist etwa Mitternacht, als ich in meinem Bett liege. Das Meer ist ruhig, es herrscht keinerlei Wellengang. Würde es schaukeln, würde ich nicht sehen, warum. Denn wir sehen ja nicht aufs Wasser, sondern auf die Promenade. Aber so gleiten wir eh sehr glatt. Wir schlafen sehr zügig ein…

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NDR aktuell extra: Das Duell – Peter Harry Carstensen vs. Ralf Stegner

Donnerstag, den 24. September 2009
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MI 23.09.2009 | 21.00 Uhr | NDR fernsehen

Kuscheliges TV-Duell? Nicht in Schleswig-Holstein!
Auch in Kiel regierte bisher wie im Bundestag eine Große Koalition aus CDU und SPD. Und auch beim TV-Duell trafen Kandidaten dieser beiden Parteien aufeinander. Und doch war beim NDR-Duell alles anders, als beim großen Duell zwischen Merkel und Steinmeier.
Denn Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) und Herausforderer Ralf Stegner (SPD) können sich nicht leiden. Um es mal milde auszurücken.
Die große Koalition in Kiel ist zerbrochen, Schleswig-Holstein erlebt am Sonntag eine vorzeitige Neuwahl. Auch und gerade weil sich die beiden Herren in vielen Fragen nicht einigen konnten.
Es versprach also, ein spannendes TV-Duell zu werden. Und das war auch. Von einem Kuschelkurs konnte keine Rede sein.

Das Duell im NDR dauerte keine drei Minuten, schon stritten sich Carstensen und Stegner um die Frage, ob die Entlassung der SPD-Minister durch die Hintertür geschah. Es folgten Zoff um die Bildung. Zoff um die Schulden. Zoff um den Arbeitsmarkt. Zoff in jedem Themengebiet.
Was nicht zwingend heißt, dass der Erkenntnisgewinn größer war als beim großen Duell. Und glücklicherweise muss ich dort nicht wählen. Interessanter und vor allem kontroverser war diese Sendung dennoch als die vor zehn Tagen.

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Klassenfahrt nach Kiel (2): Im U-Boot

Freitag, den 6. September 1996
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Dritter Tag der Kiel-Klassenfahrt: Eine romantische U-Boot-Besichtigung steht auf dem Plan.
Dieses U-Boot, das in Laboe bei Kiel ausgestellt ist, ist besonders eng, weshalb auch äußerste Vorsicht geboten ist.
Da muß man ganz schön durchkraxeln. Bei den schmalen Luken ist das Durchkommen gar nicht so einfach: Zunächst muss man mit beiden Händen an einen Griff fassen, der sich über der Luke
befindet. Dann muss man erst mit dem einen, dann mit dem anderen Bein durch das Loch. Gleich anschließend muss man sich regelrecht durchhangeln. Rücklings. Also ziemlich anstrengend.
Natürlich gibt es noch die zweite Möglichkeit, diesen Gang seitlich zu vollziehen. So kann man es sich aussuchen.
Danach klettern wir auf den benachbarten Aussichtsturm und genißen den Blick auf die Ostsee.

Kiel, CinemaxX am Abend. Ein großer Gebäudekomplex, in dem sich ein großes Kino (mit mehreren Sälen) und viele Bistros und Kneipen befinden. Wir gingen in eines der Kinos. – “Lügen haben lange Beine”, eine Liebeskomödie, in der der Herzschmerz natürlich nicht fehlen darf.
Nun ja, wir hatten schon bessere Klassenfahrten…

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Klassenfahrt nach Kiel (1): In der Jugendhaftanstalt

Dienstag, den 3. September 1996
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Beim genaueren Hinsehen kann man ohne weiteres den Eindruck bekommen, daß es sich bei der Kieler Jugendherberge um eine Jugendhaftanstalt handelt. Viele kleine Zimmerchen, in denen mehrere Leute schlafen. Eine “Kommandozentrale”, in der alles, aber wirklich alles gesteuert wird (“Der Müll kommt getrennt in die Eimer da!”). Außerdem findet man einen von hohen Hausmauern umgebenen Hof mit zwei Tischtennisplatten. Diese sind dann auch permanent von irgendwelchen Deppen besetzt. Wie im Gefängnis eben…
Und genau hier führte uns unsere Klassenfahrt hin. Der 12er-Jahrgang reiste nach Kiel.
Und auch das Essen ist reif für’s Gefängnis. Ihr werdet jetzt sicherlich sagen, ja, ja, die Jugend – immer müssen sie rummäkeln… – Aber es ist ja nicht die Qualität, die so schlecht ist (na ja, manchmal doch..), es ist einfach viel, viel zu wenig.
Ihr müßt sich das Ganze so vorstellen: Acht Leute sitzen da an einem Tisch und freuen (?) sich auf das Abendbrot. Und was da dann aufgetischt wird, löst die reinste Trauer aus: Ein winziges Schüsselchen mit 13 Kartöffelchen oder ein bißchen Reis. Dazu eine Kompottschüssel mit fünf Kellchen Frikassee oder sonst was. Außerdem ein Kännchen Teechen. Also nicht viel…

Und Kiel selbst ist auch nicht sehr prickelnd. Das haben wir schon sehr früh festgestellt. Für mich eine absolute Premiere: An einem Tag besuchten wir zweimal McDonalds.

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