RTelenovela

Zeitungen gibt’s, die gibt’s gar nicht

Dienstag, den 4. Mai 2010
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Wenn ich in Deutschland unterwegs bin, will ich natürlich immer auch wissen, was denn die Zeitungskollegen so alles fabrizieren. Deshalb kaufe ich mir immer die Tageszeitung, die an dem jeweiligen Ort zu haben ist. Bin ich auf Rügen kaufe ich mir die Ostsee-Zeitung. Bin ich in München habe ich meist die Abendzeitung oder den Münchner Merkur.

In Neulußheim in der Nähe von Mannheim gibt es die Hockenheimer Tageszeitung. Das Besondere: Eigentlich gibt es das Blatt nicht mehr. Bloß noch den Titelschriftzug auf Seite 1. Denn die Hockenheimer Tageszeitung ist in Wirklichkeit die Schwetzinger Zeitung. Beide liegen auch in den Geschäften nebeneinander. Und beide sind komplett identisch. Erst kommt der Mantelteil, dann der Lokalteil aus Schwetzingen, dann der aus Hockenheim.
Wer weiß, vielleicht waren das früher mal unterschiedliche Zeitungen. Und ich kann mich auch noch an Zeiten erinnern, da lag in der Hockenheimer Tageszeitung auch zuerst der Hockenheimer Lokalteil, dann der Schwetzinger. Und in der Schwetzinger Zeitung war es andersrum. Selbst diese Mühe macht sich heute niemand mehr, was den einzigen Vorteil hat, dass die Zeitung durchgängige Seitenzahlen hat.
E-Mails schicken die Leser ausschließlich an die Schwetzinger Zeitung, digital existiert das Hockenheim-Pendent schon gar nicht mehr. Ich kann mir gut vorstellen, dass der Verlag abwartet, bis sich die Leute dran gewöhnt haben, um dann den Titel “Hockenheimer Tageszeitung” komplett sterben lässt.

Auf meiner Reise gen Norden stoppte ich an der A7 in Hessen. Dort kaufte ich mir die Fritzlar-Homberger Allgemeine. Nun gut, ein nicht sehr eingängiger Titel. Dabei handelt es sich um eines der Lokalblätter der Hessische/Niedersächsischen Allgemeinen Zeitung (HNA) aus Kassel. Das Konzept ist einfach: Lokales steht vorn, der Rest kommt danach. Macht der Oranienburger Generalanzeiger, der auch aus der Ippen-Gruppe Verlag kommt, auch so.
Die HNA startete gerade ein neues, spannendes Projekt: HNAwatch. Auf dem Blog wird Kritik an der Zeitung geübt. Leser können sagen, was ihnen gefallen hat und was nicht. Aber vor allem: Die Blattkritik der Redaktion bleibt nicht mehr intern, sondern wird veröffentlicht und kann wiederum kommentiert werden. Eine tolle, wenn auch mutige Sache. Redakteure sind ja durchaus empfindlich, was Kritik angeht – und da kann ich mich nicht immer ausschließen. Vorbild ist der BILDblog, mit dem Unterschied, dass dort andere über BILD und Co. schreiben.
Und es geht zur Sache bei HNAwatch. So wird ein Pizzatest scharf kritisiert, der Chefredakteur muss Stellung beziehen.
Da könnte man sich ein Beispiel dran nehmen. Auch wenn es manchmal wehtut.