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Saarland-Tournee (3): Total genial

Mittwoch, den 6. Mai 2009
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(2) -> 4.5.2009

Die Saarländer haben einen Komplex. Ganz eindeutig! Anders ist das, was wir auf dem Empower-Kongress in Saarbrücken erlebt haben, nicht zu erklären. Auf diesem Kongress wurde in Vorträgen und Podiumsdiskussionen geklärt, warum das Saarland so toll ist. Motto: “Geniales Saarland”.

Anja Kohl moderierte die Veranstaltung, und damit auch jeder wusste, wer sie eigentlich ist, sagte sie am Anfang: “Ich bin die Pörse im Ersten.” – in Anspielung auf die “Switch”-Parodie ihrer Moderationen in “Börse im Ersten”. Und ich hoffe, dass die gute Frau ordentlich Kohle für diesen Job in Saarbrücken bekommen hat. Sie fand alles toll. Die Betriebe, die Innovationen, die Politiker und das Saarland sowieso. Genial. Es hätte dieser Veranstaltung sehr gut getan, wenn auch Anja Kohl ein wenig mehr journalistisch gewesen wäre mit mehr Abstand. Von kontroversen Themen und Gästen mal ganz abgesehen. Öder Gespräche, in den sich alle einig sind, dass im Saarland alles supi ist, sind das pure Einschlafprogramm.

In einem Film zeigte sich das Saarland dann von seiner glänzenden Seite. Das Saarland sei überall. Im Stahl, in Innovationen und überhaupt. Saarland hier, Saarland da. Am Ende wuchs aus den Umrissen der Landesgrenze (was das Saarland wie ein Elefant aussehen lässt) eine schwarz-rot-goldene Rose. Was für ein Schmalz! Dass danach im Publikum niemand standing ovations geklatscht hat, wunderte uns ehrlich.
Die Saarlandschleimerei zog sich durch den ganzen Vormittag, die Selbstbeweihräucherung nahm einfach kein Ende, von Krise war kaum die Rede.

Zur Mittagspause schlichen wir uns raus und verließen das Jubelevent. So konnten wir uns vor der Rückfahrt auch noch ein wenig von Saarbrücken selbst ansehen. Und zumindest die Fußgängerzone in der Innenstadt ist ganz hübsch. Aber selbst auf den Postkarten sind die Komplexe der Saarländer abzulesen: Auf allen Karten steht nicht einfach nur “Saarbrücken”, sondern “Schönes Saarbrücken”. Und das, obwohl die Postkarten selbst nicht wirklich schön aussehen.

Die Rückfahrt: Da lag ein großer Brocken vor mir: Fast 800 Kilometer bis nach Hause. Die Fahrt stand unter dem Motto “Opel und Flieger”.
Meine Fahrt führte an drei deutschen Opel-Standorten vorbei: Erst Kaiserslautern, dann an Rüsselsheim vorbei und schließlich noch Eisenach. Immer steht auch groß “Opel” auf den Schildern an den Autobahnausfahrten.
Diesmal war die fahrt leider auch nicht staufrei, wobei es sich ja zumindest bis Frankfurt nicht um meine Stammstrecke handelte. Bei Landstuhl ging eine halbe Stunde gar nichts mehr, jedoch wurde uns ein interessantes Ablenkungsprogramm geboten: eine kleine Flugschau. Offenbar übten einige Piloten von der Air Base in Ramstein. Drei große Propellermaschinen flogen in dichten Abständen neben der A6 entlang. Hintereinander geradeaus, rechts in die Kurve, mehrere Schleifen. Nicht uninteressant.
An der A3 in Frankfurt/Main konnte ich dann noch einen Fliger bis fast zur direkten Landung auf dem Rollfeld verfolgen. Was ein wenig gefährlich ist, weil man als Fahrer natürlich ganz schön abgelenkt ist.
Nach acht Stunden, inklusive zwei längerer Pausen, kam ich weit nach Mitternacht zu Hause an. Ich werde das Saarland, das geniale, vermissen.