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Rügen 2010 (2): Verweht

Samstag, den 13. Februar 2010
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(1) -> 3.1.2010

Ich gebe es zu: Ich war mir nicht sicher, ob das eine gute Idee war: eine Fahrt auf die Insel Rügen, an einem Tag, der wettertechnisch kritisch war.
Schon in Oranienburg musste ich mein Auto erst wieder vom zentimeterdicken Schnee befreien. Es hatte den ganzen Tag vor sich hingeflockt.

Abfahrt gegen 16.15 Uhr. Die Straßen in Oberhavel waren einigermaßen frei, die A11 ebenfalls. Wir redeten uns ein, dass es ja ganz gut läuft.
Bei Pfingstberg allerdings begann die Odyssee. Ein Auto war in die Leitplanke gedonnert, ein Lieferwagen lag abseits der Straße. Glatteis. Dennoch wurden wir überholt. Beim Bremsen allerdings kam auch dieses Auto ins Schlingern.
Mit 35 bis 50 km/h tuckerten wir nun die Autobahn enlang – bis zum Kreuz Uckermark. Auf der A20 ging es dann schon schneller.
Der Verkehrsfunk war auch nicht gerade aussagekräftig: Schneeverwehungen auf der A20 zwischen Neubrandenburg und Stralsund. Straßensperrung auf der B96 zwischen Samtens und Bergen auf Rügen. Noch aber war die A20 gut befahrbar. Und wir fuhren in Kolonne. Es war beruhigend, dass noch jemand vor uns war.
Rund um Jarmen sahen wir dann, was es bedeutet, wenn Schneeverwehungen auftreten. An der Autobahn türmten sich die Schneeberge, mitunter bis zu drei Meter hoch. Von dort wehte der Schnee auf die Straße. Wir hatten nur noch eine Spur, und auch die war schon nicht mehr dolle. Es wurde kritisch. Ich war schon regelrecht verkrampft. Ich war mir immer noch nicht sicher, ob wir Binz erreichen würden.
Freude bei Greifswald: Kurz vor uns muss der Schneepflug durchgefahren sein, die A20 war wieder frei. Ebenso die B96 ab dem Dreieck Stralsund, da fuhren wir in Kolonne hinter dem Pflug hinterher – in Stralsund verließ er uns jedoch.

Rügen. Alle haben uns davor gewarnt. Auf Rügen gilt eine Unwetterwarnung. Die Straßenlage ist kritisch. Und sie ist tatsächlich kritisch.
Auf freier Strecke war die B96 stellenweise ein Schneegewühl. Gut, dass wir aber immer jemanden vor uns hatten. In Gegenrichtung war die Straße kaum noch befahrbar. So zog sich das bis zum B-196-Abzweig nach Binz.
Ich hatte die Fahrt fast abgehakt, als plötzlich die Straße nur noch einspurig wurde, der linke Fahrstreifen existierte nicht mehr – zugeweht. Und unsere Fahrspur lag auch schon im Tiefschnee. Mit Schwung gings durch. Vielleicht waren wir die letzten, die durchkamen.

Binz. Ein Wintertraum. Unglaublich, wie viel Schnee hier liegt. Die Nebenstraßen sind oft unpassierbar. Bis zum Unterboden fräsen sich die Autos durch. Auf dem Hotelparkplatz fuhren wir uns schließlich doch noch fest – und unser Spaten kam doch noch zum Einsatz. Gut, dass wir ihn mithatten.

Ich habe so viel Schnee noch nie gesehen. Die Schneeberge türmen sich mehr als hüfthoch. Die Strandpromenade ist zugeweht. Die Straßen selbst zu Fuß nur mit Mühe passierbar. Wer meint, in Oranienburg sei es schon dramatisch, sollte sich Binz ansehen.
Die Binzer Bucht, die Ostsee, ist zugefroren. Das Meeresrauschen ist nicht da. den ganzen Tag hat es geschneit und geweht, erzählte uns ein Ehepaar, das mit uns auf der Seebrücke war.
Morgen werden wir uns diesen Wintertraum genauer ansehen. Ob wir Binz überhaupt verlassen, werden wir mal sehen. Ich bin jedenfalls gespannt, wie der Räumdienst hier funktioniert. Und wo sie den unfassbar vielen Schnee hinschieben…
Heute Nacht werde ich mich auf jeden Fall zunächst mal von der Autofahrt meines Lebens erholen…