RTelenovela

Patientin A20

Montag, den 13. November 2017
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Was da gerade auf der A20 passiert, lässt sich eigentlich nicht schönreden. Was die Landespolitiker aus Mecklenburg-Vorpommern natürlich nicht davon abhält, es trotzdem zu tun.
Die Autobahn ist gerade mal gute 15 Jahre alt, und was haben wir uns damals gefreut, als endlich alles fertig war und wir auf dem Weg nach Rügen nicht mehr stundenlang auf der B96 umhertuckern mussten.

Aber die A20 ist ein Pflegefall, und das nach so kurzer Zeit. Da ist von der Fahrbahn, die bei Tribsees eingestürzt ist, weil irgendwer das Moor unter der Trasse irgendwie falsch eingeschätzt hat.
Rund um Jarmen ist seit Wochen eine komplette Richtungsfahrbahn gesperrt. Kilometerlang verläuft die Autobahn je Richtung nur einspurig.
Auf vielen Abschnitten ist die Fahrbahn ein Flickenteppich, weil an verschiedenen Stellen schon saniert werden musste.

Musste man sparen? Sollte es schnell gehen? Waren da keine Spezialisten am Werk? Denn es ist ja nicht so, dass die A20 die stark befahrenste Autobahn Deutschlands ist. Aber selbst wenn: Ein bisschen länger als zehn Jahre darf doch so eine blöde Autobahn doch halten…

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Rügen 2010 (2): Verweht

Samstag, den 13. Februar 2010
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(1) -> 3.1.2010

Ich gebe es zu: Ich war mir nicht sicher, ob das eine gute Idee war: eine Fahrt auf die Insel Rügen, an einem Tag, der wettertechnisch kritisch war.
Schon in Oranienburg musste ich mein Auto erst wieder vom zentimeterdicken Schnee befreien. Es hatte den ganzen Tag vor sich hingeflockt.

Abfahrt gegen 16.15 Uhr. Die Straßen in Oberhavel waren einigermaßen frei, die A11 ebenfalls. Wir redeten uns ein, dass es ja ganz gut läuft.
Bei Pfingstberg allerdings begann die Odyssee. Ein Auto war in die Leitplanke gedonnert, ein Lieferwagen lag abseits der Straße. Glatteis. Dennoch wurden wir überholt. Beim Bremsen allerdings kam auch dieses Auto ins Schlingern.
Mit 35 bis 50 km/h tuckerten wir nun die Autobahn enlang – bis zum Kreuz Uckermark. Auf der A20 ging es dann schon schneller.
Der Verkehrsfunk war auch nicht gerade aussagekräftig: Schneeverwehungen auf der A20 zwischen Neubrandenburg und Stralsund. Straßensperrung auf der B96 zwischen Samtens und Bergen auf Rügen. Noch aber war die A20 gut befahrbar. Und wir fuhren in Kolonne. Es war beruhigend, dass noch jemand vor uns war.
Rund um Jarmen sahen wir dann, was es bedeutet, wenn Schneeverwehungen auftreten. An der Autobahn türmten sich die Schneeberge, mitunter bis zu drei Meter hoch. Von dort wehte der Schnee auf die Straße. Wir hatten nur noch eine Spur, und auch die war schon nicht mehr dolle. Es wurde kritisch. Ich war schon regelrecht verkrampft. Ich war mir immer noch nicht sicher, ob wir Binz erreichen würden.
Freude bei Greifswald: Kurz vor uns muss der Schneepflug durchgefahren sein, die A20 war wieder frei. Ebenso die B96 ab dem Dreieck Stralsund, da fuhren wir in Kolonne hinter dem Pflug hinterher – in Stralsund verließ er uns jedoch.

Rügen. Alle haben uns davor gewarnt. Auf Rügen gilt eine Unwetterwarnung. Die Straßenlage ist kritisch. Und sie ist tatsächlich kritisch.
Auf freier Strecke war die B96 stellenweise ein Schneegewühl. Gut, dass wir aber immer jemanden vor uns hatten. In Gegenrichtung war die Straße kaum noch befahrbar. So zog sich das bis zum B-196-Abzweig nach Binz.
Ich hatte die Fahrt fast abgehakt, als plötzlich die Straße nur noch einspurig wurde, der linke Fahrstreifen existierte nicht mehr – zugeweht. Und unsere Fahrspur lag auch schon im Tiefschnee. Mit Schwung gings durch. Vielleicht waren wir die letzten, die durchkamen.

Binz. Ein Wintertraum. Unglaublich, wie viel Schnee hier liegt. Die Nebenstraßen sind oft unpassierbar. Bis zum Unterboden fräsen sich die Autos durch. Auf dem Hotelparkplatz fuhren wir uns schließlich doch noch fest – und unser Spaten kam doch noch zum Einsatz. Gut, dass wir ihn mithatten.

Ich habe so viel Schnee noch nie gesehen. Die Schneeberge türmen sich mehr als hüfthoch. Die Strandpromenade ist zugeweht. Die Straßen selbst zu Fuß nur mit Mühe passierbar. Wer meint, in Oranienburg sei es schon dramatisch, sollte sich Binz ansehen.
Die Binzer Bucht, die Ostsee, ist zugefroren. Das Meeresrauschen ist nicht da. den ganzen Tag hat es geschneit und geweht, erzählte uns ein Ehepaar, das mit uns auf der Seebrücke war.
Morgen werden wir uns diesen Wintertraum genauer ansehen. Ob wir Binz überhaupt verlassen, werden wir mal sehen. Ich bin jedenfalls gespannt, wie der Räumdienst hier funktioniert. Und wo sie den unfassbar vielen Schnee hinschieben…
Heute Nacht werde ich mich auf jeden Fall zunächst mal von der Autofahrt meines Lebens erholen…