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Holger Kreymeier: Schalten Sie mal wieder ab! Ein Fernsehkritiker zwischen Webvideo und Wahnsinn

Dienstag, den 16. Januar 2018
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2007 ging es los. Es sah zwar dilettantisch aus, der Moderator saß an einem merkwürdigen Tisch, die Ausleuchtung war grauenvoll – aber inhaltlich war das spannend: Im Internet startete Fernsehkritik-TV. Holger Kreymeier beschäftigte sich mit dem Irrsinn des Fernsehens.
Aus der kleinen Magazin-Rumpelkammer wurde dann was ganz Großes – immer mehr Zuschauer, moderneres Sendungsoutfit, irgendwann dann ein richtiges Studio. Später kam Massengeschmack-TV, unter diesem Dach bündelt Kreymeier seitdem alle seine Magazin-Aktivitäten mit dem fernsehkritischen Magazin an der Spitze.

Zum zehnten Geburtstag des Magazins, 2017, erschien ein Buch, in dem der Fernsehkritiker über das Magazin, dessen Werdegang, über Höhen und Tiefen berichtet.
Allerdings gehen die ersten 15 Seiten für Unterstützernamen und Alternativtitel für das Buch drauf – so was gehört eher ans Ende, da es irgendwie blöd ist, erst mal weiter und weiter zu blättern, ohne dass etwas Spannendes passiert.
Dann aber ist es fast durchweg interessant, zu erfahren, was Kreymeier eigentlich vor Fernsehkritik-TV getrieben hat. Wie er für eine Produktionsgesellschaft bei Axel Springer arbeitete und dort begann, am Journalismus und am Fernsehen zu zweifeln. Wie er beim NDR als freier Mitarbeiter gefeuert wurde, weil er kritisch über die Gebühren und die damalige GEZ berichtet hatte.
Sehr offen erzählt er später, was gut lief und welche Fehler er gemacht hat – ganz nebenbei gibt es ein Stück Mediengeschichte, inklusive des Call-in-Wahnsinns und des ausschweifenden RTL-Mülls.
Erstaunlich freimütig gibt er auch zu, dass sein Magazin längst seinen Zenit überschritten hat, es aber immer noch das Zugpferd seines “Senders” Massengeschmack-TV ist.
Vermutlich ist das alles nur für Leser spannend, die Fernsehkritik-TV auch kennen – aber dafür ist es ja auch gemacht, auch wenn 19,95 Euro für ein Taschenbuch arg teuer sind.
Handwerklich fällt auf, dass die Seitennummerierung gleich bei “1″ beginnt, was eher weniger üblich ist, was vermutlich beim Layouten des Buches nicht beachtet worden ist. Auch fallen gerade am Ende viele Rechtschreibfehler auf, vermutlich ging da bei der Korrektur allen (oder nur Kreymeier selbst) ein bisschen die Luft aus. Ärgerlich: Der letzte Satz lautet deshalb “Wir sehen und im Internet.” Hat aber das Zeug zum “Letzter Satz im Buch” des Jahres.

Holger Kreymeier: Schalten Sie mal wieder ab! Ein Fernsehkritiker zwischen Webvideo und Wahnsinn
Alsterfilm GmbH, 247 Seiten
8/10

RTZapper

Malvina, Diaa und die Liebe

Sonntag, den 14. Januar 2018
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SA 13.01.2018 | 16.55 Uhr | hr fernsehen

Malvina und Diaa brauchen Polizeischutz. Sie beiden sind nicht gefährlich. Die Gefahr kommt von einer anderen Seite.
Malvina ist Christin und Deutsche. Diaa ist aus Syrien, Moslem, lebt nun in Deutschland. Die beiden sind seit mehr als einem Jahr ein Paar.
Der KiKA, der Kinderkanal von ARD und ZDF, zeigte im November die Doku “Malvina, Diaa und die Liebe”. Er handelte davon, dass sich zwei Menschen aus verschiedenen Konfessionen lieben. Was gut läuft, was problematisch ist. Unkommentiert.
Im KiKA lief die Doku innerhalb eines Schwerpunktes über Kinderrechte.

Sie erzählen über ihre Kulturen – und über die Augenblicke, wo diese Kulturen aufeinanderstoßen. Er will, dass sie keine kurzen Kleider trägt. Er mag es nicht, wenn sie mit anderen Männern spricht. Sie widerum sagt, sie sei eine Emanze, und sie lasse sich nicht verbieten, auch mit anderen Freunden zusammen zu sein – platonisch eben. Sie wolle sich das nicht nehmen lassen, die Sache mit dem kurzen Kleid, die kann sie dagegen akzeptieren.

Sechs Wochen nach Ausstrahlung im KiKA gibt es einen riesigen Wirbel um den Film – angefeuert durch die AfD und durch die “Bild”. Der AfD-Bundestagsabgeordnete Dirk Spaniel macht aus der Doku einen Skandal. Für ihn sei sie eine „rührselige Seifenoper“. Der Kinderkanal betreibe „Propaganda“ für Beziehungen mit moslemischen Flüchtlingen. Die “Bild” zieht nach, ist ebenfalls empört – auch weil auf der KiKA-Seite im Internet Diaa erst 17, dann 19 war. Was allerdings ein Fehler der Internetredaktion war – Diaa war immer 19. Das empört noch mehr, weil AfD und “Bild” nun erst recht eine Verschwörung und Propaganda sehen. Was AfD und “Bild” in Zweisamkeit erreichen ist: Hass. Blanker Hass, der im Netz ausgekübelt wird von tausenden wütenden Menschen. Eine unwürdige Diskussion entsteht. Malvina und Diaa brauchen schließlich Polizeischutz.

Im Rahmen einer Diskussionssendung zeigte das hr fernsehen – der hr produzierte den Film für den KiKA – am Sonnabendnachmittag die Doku nochmals.
Wer diesen Film sieht – und das einigermaßen ohne Vorurteile -, wird bemerken, dass er keinesfalls Propaganda betreibt. Denn allein durch das, was Malvina den Aussagen von Diaa entgegnet, merkt man sehr wohl, dass da Welten aufeinanderprallen, die nicht immer schwer vereinbar sind. Es kommen Freunde, andere Menschen zu Wort, die ihre Sorgen äußern.
Kritisiert wird, dass der Film ohne einordnenden Kommentar auskommt. Der ist jedoch nicht nötig. Denn erstens kommen die Kommentare sehr wohl – aber eben von den Freunden und Eltern, die durchaus deutlich äußern, was sie eventuell befürchten und was eventuell gar nicht ginge. Außerdem sollte man doch bitte die zuschauenden Kinder (und Jugendlichen) nicht unterschätzen. Denn die können durchaus mitdenken und einschätzen, wie Aussagen eventuell einzuordnen sind. Ein Off-Kommentar, der hier und da sagen würde, das sei ja total bedenklich, was da gerade gesagt wurde, war schlicht überflüssig.

Die Diskussion um “Malvina, Diaa und die Liebe” ist unwürdig und niveaulos. Wie übrigens auch der Stunk um eine “Lindenstraße”-Folge von 2006, die neulich bei one wiederholt worden ist. Dort erklärte Serienfigur Lisa ihrem Sohn Paul, wie toll doch der Islam sei.
Das tat sie damals tatsächlich, aber auch das war keine ARD-Propaganda, die auch in dem Fall von AfD und Co. herbeigeschrien wird. Der Ausschnitt kursierte im Netz, ist so für sich stehend durchaus irritierend. Aber im Gesamtkontext sieht das schon ganz anders aus. Denn die Serienfigur Lisa war schon immer eine, die sich völlig übertrieben in neue Merkwürdigkeiten stürzte. In diesem Fall wollte sie unbedingt Moslimin werden. Als Kind wurde sie von der Mutter verprügelt und verstoßen, sie lebte im Heim, schien immer allein zu sein. Dann lernte sie Murat kennen und wollte unbedingt seine Religion übernehmen, sie wollte ein Teil seiner Familie werden – inklusive Islam. Paul findet das beängstigend, und selbst Lisas Freund/Mann Murat wollte ihr das ausreden. Es gab also sehr wohl eine Kontroverse um das, was Lisa da tat.
Aber das ist rechten Hetzern egal. Sie sehen einen Ausschnitt und schmeißen die Empörungsmaschine an. Und leider funktioniert die Masche, weil leider die wenigsten sich das ganze Bild machen und sich stattdessen beeinflussen lassen.

KeineWochenShow

#53 – In der JVA sind wieder Plätze frei

Sonntag, den 7. Januar 2018
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Happy new Year! Und happy Birthday!
Am 7. Januar 2017 ging KeineWochenShow erstmals online. Am 7. Januar 2018 ist es bereits Ausgabe 53 – und das erste Jubiläum. Dass wir es komplett ohne Pause geschafft haben, das wundert und freut uns. Wir haben immer noch Lust und machen deshalb natürlich weiter.

In Oranienburg findet in diesen Tagen nach fast einem Vierteljahrhundert ein Bürgermeisterwechsel statt. Hans-Joachim Laesicke verlässt den Rathausstuhl im Schloss. Sein gewählter Nachfolger ist Alexander Laesicke, sein Sohn.
Wie ist es, nach so langer Zeit außer Dienst zu sein? Das wollen wir Hans-Joachim Laesicke in der nächsten Woche fragen. Was wollt ihr von ihm wissen? Falls ihr Fragen habt, schreibt sie am besten hier in die Kommentare. Sir geben sie weiter.

In dieser Woche geht es um den Jahreswechsel – der in Binz nicht nur von einem großen Feuerwerk, sondern auch von privater Böllerei begleitet wurde. Gerade wird darüber diskutiert, ob die private Knallen verboten werden soll. Wegen der Unwelt.
Und wenn wir thematisch schon auf Rügen sind, gibt es auch Bier von dort. Die Inselbrauerei in Rambin bekommt eine zweite Chance – und ein paar (bewegte) Bilder von dort haben wir auch zu bieten.

Außerdem geht es um die Tage der offenen Tür in der JVA in Berlin-Plötzensee. Wir sprechen über den Youtube-Star Logan Paul, der Tote in einem Wald lieber filmt, als Hilfe zu rufen. Neues von Youtuber Tanzverbot haben wir auch im Angebot.
Und noch viel mehr – in KeineWochenShow #53 auf unserem Youtube-Kanal.

RTelenovela

Die Beschleunigungsspur, die keine ist

Freitag, den 29. Dezember 2017
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Bei Facebook gibt es auch Gruppen, die vor Blitzern warnen. Kann man gut finden, kann man auch ignorieren. Auf der A111 zwischen dem Kreuz Oranienburg und Berlin ist öfter mal ein Blitzer anzutreffen. Gern mal in der 80er-Zone direkt vor der Stadtgrenze, wo die Autofahrer noch dabei sind, abzubremsen.

Seit einiger Zeit gibt es aber eine neue Stelle. So ist es dann auch immer wieder in der Facebook-Gruppe zu lesen: Am Ende des Beschleunigungsstreifens im Kreuz Oranienburg, wenn man von der B96 auf die A111 fährt.
Dabei ist das gar kein Beschleunigungsstreifen. Denn sowohl von der B96 kommend als auch schon auf der A111 gilt Tempo 120. Beschleunigen darf man erst viel später, wenn das Tempo-120-Limit aufgehoben wird.
Vielleicht ärgern sich die Leute aber darüber, dass sie dachten, sie dürften beschleunigen und sind dann geblitzt worden.
Ich übrigens auch.
Mist. Hätte mal nicht so beschleunigen dürfen.

RTelenovela

Internet vs. örtlicher Handel

Mittwoch, den 20. Dezember 2017
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Eigentlich stimme ich ja gern ein Loblied auf den Handel vor Ort an, der dem Internet vorzuziehen sei. Das sehe ich auch noch immer so. Aber mit Abstrichen.
Tut mir leid, aber manchmal nervt’s.

Neulich brauchte ich einen Akku, ein Ladegerät und ein bestimmtes Adapterkabel. Also nichts wie hin in den Oranienburger Elektronikhandel. Der Laden war voll. Aber vor allem: laut.
Es dauerte eine Weile, bis ich die Akkus fand – das, was ich brauchte, war nicht dabei. Also, weiter gesucht, ich brauchte ja noch ein Kabel. Aber wo sind die bloß, diese Kabel? Irgendwann fand ich die Abteilung, in der ich von links mit Popmusik und von hinten in gleicher Lautstärke mit „Feliz Navidad“ beschallt wurde. Aus der Ferne gab’s einen dritten Song. Lärmterror! Nicht auszuhalten! An eine Beratung war nicht zu denken, alle waren beschäftigt.
Ich fand nicht, was ich brauchte, ich war genervt von allem. Ab nach Hause!

Im Internet hat die Bestellung zehn Minuten gedauert. Das schlechte Gewissen hielt sich in Grenzen. Leider.

RTelenovela

Ein Hoch auf die Technik (40): Ohne Navi nach Karlshorst

Sonntag, den 19. November 2017
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(39) -> 8.5.2017

Man sollte sich nie blind auf die Technik verlassen. Denn wenn uns die Technik verlässt, dann sehen wir ziemlich alt aus.
Neulich musste ich mit dem Auto von Potsdam nach Berlin-Karlshorst fahren. Das ist eine ganz schöne Strecke, weil Karlshorst quasi von Potsdam aus am anderen Ende von Berlin liegt. Ich hatte eine sehr grobe Vorstellung davon, wie ich von A nach B komme, verließ mich aber ansonsten auf das Navi in meinem Handy.

Ich ich dann aber in Potsdam auf dem Parkplatz in meinem Auto saß und das Navi anschmeißen wollte – passierte nichts. Das Gerät spuckte keine Strecke aus, das Navi war nicht funktionstüchtig.
Eigentlich dachte ich, dass es ein Empfangsproblem ist und es in Potsdam gerade kein mobiles Netz gibt. Was unwahrscheinlich war, weil nur das Navi nicht funktionierte. Aber ich hatte Hoffnung, dass das Ding wieder funktionierte, bevor ich am Potsdamer Ortsausgang die A115 passierte.
Die Hoffnung erfüllte sich nicht.
Ich musste also spontan entscheiden: Durch Berlin oder über den Berliner Ring?
Ich entschied mich für Letzteres. A115, Berliner Ring, A113, A117, und dann über Altglienicke und die B96a nach Berlin rein.

Als ich noch kein Navi hatte, nahm ich mir vor jeder Fahrt mit unbekannter Reiseroute einen Atlas und merkte mir die Strecke ab da, wo ich von bekannten Straßen abwich. Oder machte mir Notizen.
Nun blieben mir nur die Hinweisschilder an der Straße. Das funktioniert natürlich auch nur, wenn man ein wenig Berlin-Kenntnis hat. Ich orientierte mich also zunächst in Richtung Köpenick, dann in Richtung Lichtenberg, und irgendwann war Karlshorst ausgeschildert und ich in der Treskowallee, die ich dann endlich auch kannte.
Ganz ohne Navi und ganz ohne Verfahren – nur mit Hilfe der Verkehrsschilder – erreichte ich mein Ziel. Ein bisschen stolz auf mich war ich da schon.

RTelenovela

54+54=200

Donnerstag, den 9. November 2017
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Super-Sonderangebot in einer Facebook-Gruppe aus Birkenwerder. Zwei Tickets für das Konzert von Queen of the Stone Age in Berlin! Der Verkäufer hat sicherheitshalber gleich mehrere Bestellungen zu laufen gehabt, sagt er. Deshalb habe er jetzt zwei Tickets übrig.
Er wolle dafür nur 200 Euro haben. Und er wolle damit auch kein Profit machen.

Na ja.
Auf dem Foto mit den Tickets irritiert der dort aufgedruckte Preis aber dann doch: Da standen 54 Euro pro Ticket. Das wären 108 Euro.
Kein Profit?
Der Verkäufer sagt, er habe ja 204 Euro für die Tickets bezahlt, und wer sich nicht sicher sei, dem könne er die Rechnung zeigen.
Ich finde: Das ist Abzocke.
Und teilte das auch in diesem Forum mit. Fand der Verkäufer natürlich nicht nett. Immerhin mache er ja einen Verlust von 4 Euro.

Es ist trotzdem Abzocke. Und an einer anderen Stelle des Threads gab er sogar zu, abgezockt worden zu sein. Und deshalb will er nun auch die anderen Forummitglieder abzocken? Und das soll man dann nicht Abzocke nennen?
Er schickte mir ein Foto von seiner Rechnung. Tatsächlich zahlte er bei Tickettube 198 Euro – plus 6,90 Euro Transaktionskosten. Rundum-Abzocke. Der Ticketpreis und der Aufschlag.
Andererseits will der Verkäufer nun 200 Euro, also mehr als den eigentlich gezahlten Preis – verschweigt aber, dassum wenigstens einen Teil seiner Transaktionskosten weiterzugeben. Keine Abzocke?
Das Angebot wurde später wieder gelöscht. Ob jemand die überteuerten Tickets gekauft hat, weiß ich natürlich nicht.

Das Konzert in Berlin ist ausverkauft. Das ist die große Stunde für die privaten Ticketverkäufer. Aber auch im Internet gibt es Ticketverkaufsseiten, die nun richtig abzocken – mit Preisen von weit mehr als 120 Euro pro Ticket. Echten Fans ist das natürlich wurscht – die zahlen gern mal mehr für ihre Band. Abzocke ist und bleibt das aber trotzdem.