RTelenovela

Bitte bloß nichts schön machen!

Mittwoch, den 16. September 2020
Tags: , ,

Der nördliche Berliner Ring wird gerade ausgebaut, und inzwischen sind die Arbeiten schon so weit fortgeschritten, dass der erste größere Abschnitt schon fertig ist.

In Neu-Vehlefanz gibt es rechts und links der A10 nun auch kleine Raststätten. Auf der nördlichen Seite heißt der Rastplatz Ziethener Luch, auf der südlichen Seite Krämerforst. Das passt durchaus, weil man die Namen in der Tat den jeweiligen örtlichen Gegebenheiten angepasst hat.
Das Besondere: Die beiden Toilettenhäuser sind künstlerisch bemalt worden. Das sieht nun recht bunt und ganz schön aus.

Aber dennoch: Es wird gemäkelt. Gerade Facebook ist ja längst die große Plattform der Mäkler und Bedenkenträger. In der örtlichen Facebookgruppe wurden Bilder der Anlage gezeigt, und es wurde gemosert, dass man doch bitte bei weiteren solchen Projekten die Häuser wieder grau belassen solle, weil die ja eh besprüht würden.
Das kann sein, dass das passiert. Aber die Erfahrungen sind andere. Überall da, wo etwas mit Kunst besprüht ist, wird seltener etwas anderes drüber gesprüht. In Oranienburg zum Beispiel hat man an vielen Stellen damit gute Erfahrungen gemacht.
Dann will ich mal hoffen, dass die Mäkler auch in Neu-Vehlefanz nicht recht haben werden.

Hits: 110

RTelenovela

Sackgasse zur Elbe

Mittwoch, den 2. September 2020
Tags: , , , ,

Auf dem Weg von Stendal nach Hause wollte ich einen Zwischenstopp einlegen: in Havelberg, der Stadt, in der ich 1998 bei der Bundeswehr war.
Google schlug mir dorthin mehrere Routen vor. Eine führte per Fähre über die Elbe, und so etwas ist ja eigentlich immer ganz spannend. Auf Routenplaner kann man sich verlassen, so dachte ich bislang immer.

Es ging aus Stendal raus nach Arneburg, durch ein ziemlich imposantes Gewerbegebiet – zumindest für sachsen-anhaltinische Verhältnisse im Niemandsland. Ansonsten ging es durch kleine Dörfer, und ich hatte das Gefühl, dass mir fast die komplette Fahrt nicht ein einziges Auto entgegengekommen ist. Und wenn ich rückblickend drüber nachdenke, waren es innerhalb eine guten Stunde tatsächlich nicht mehr als zwei oder drei.
Nach dem Gewerbegebiet wurde es dann so richtig einsam, und Google lenkte mich dann auf einen schmalen, aber immerhin asphaltierten Weg durchs Nichts. Dass sich dort ein Sackgassenschild befand, machte ich allerdings stutzig. Aber wenn Google sagt, dass es da durch geht, hat Google recht.
Ich passierte ein Minidorf, und weiter durchs Feld. Laut Google führte die Straße wieder zu einer größeren Straße, und tatsächlich war das Sackgassenschild am Anfang des Weges eine Lüge. Vermutlich aufgestellt, weil immer wieder Leute wie ich auf Google hören.

Ich fahre durch Büttershof, einem kleinen Gehöft mit einem schönen Lastgasthof. Ich halte kurz an und genieße die Ruhe auf dem Hof, aber immerhin kommen dann tatsächlich noch drei Radler.
Von hier aus ist es nicht mehr weit zur Fähre Sandau. Ich erahne schon die Elbe, ich fahre über den Deich, es geht weiter runter zum Wasser – aber es gibt keine Fähre. Auf einem kleinen Schild steht, dass sie wegen Bauarbeiten außer Betrieb sei. Ich stehe zwar keine Bauarbeiten, aber dass sie außer Betrieb ist, sieht man durchaus. Keine Fähre da.
Google hat mich in die Irre geführt. Zwar ist dort vermerkt, dass die Fähre gesperrt ist, der Routenplaner scheint diese Sperrung jedoch nicht zu erkennen.
Google war jedoch uneinsichtig. Nach dem Umdrehen wollte mich der Routenplaner immer wieder zur Fähre Sandau führen. Umdrehen! Ich schaute stattdessen, welchen Weg ich nun nehmen könnte. Etwas nördlich davon gab es noch die Fähre Werben, und irgendwann erkannte auch Google, dass man ja auch dortlang fahren kann.
Und so erreichte ich die Hansestadt Werben an der Elbe.

Hits: 119

RTelenovela

Häme statt Hilfe

Samstag, den 8. August 2020
Tags: ,

Die Hitze wird uns jetzt wohl ein paar Tage begleiten. Für die Bäume könnte es nun eine harte Zeit werden. Ihnen fehlt das Wasser, und deshalb machen sich einige Leute darüber Gedanken.

In der Facebook-Gruppe im Mühlenbecker Land bat eine Frau am Donnerstag um Wasser für die Bäume, gerade für die Jungbäume. Eigentlich ein gutes Anliegen. Einer der Kommentatoren nutzte es aber gleich wieder für einen Rundumschlag und eine Generalkritik – der Umweltverein könnte doch mal, und auch der Bürgermeister wurde ins Spiel gebracht. Dabei war es doch nur eine ganz höfliche Bitte. Aber selbst bei solchen Dingen sind offenbar einige Leute auf Streit aus. Das ist wirklich schade, unverständlich und unnötig.

Hits: 133

RTelenovela

Kein Platz für eine Rettungsgasse

Mittwoch, den 29. Juli 2020
Tags: , ,

Staus im Baustellenbereich der A24 sind normal. Seit Monaten wird zwischen Berlin-Pankow und Neuruppin in mehreren Abschnitten gebaut. Am Sonnabend war ich Richtung Norden unterwegs. Aber diesmal beobachtete ich alles aufmerksamer als sonst.

Neulich gab es auf Facebook eine Diskussion über fehlende Rettungsgassen. Im Bereich Oberkrämer auf der A10 hatte es einen Unfall gegeben, die Feuerwehr kam nicht durch. Es gab keine Rettungsgasse, und Feuerwehrleute hatten sich darüber aufgeregt. Ich hatte dagegen argumentiert: In der schmalen Baustelle sind Rettungsgassen nicht möglich.
Das sahen einige Diskutierende anders: Es müsse auch in den schmalen Bereichen Abstand gehalten und versetzt gefahren werden.
Das stimmt! Da kann man nicht widersprechen.
Ich habe das beobachtet, am Sonnabendmittag zwischen Kremmen und Fehrbellin. Da wurde der Verkehr immer dichter. Ich war auf der linken Spur, habe Abstand gehalten, war aber der einzige. Hin und wieder stockte der Verkehr, dann war plötzlich Stillstand.
Abstand? Versetzt stehen? Das funktioniert im Alltag nicht, weil es einfach zu voll ist und weil ausnahmslos alle entsprechend handeln müssten. Es wäre fast eine logistische Meisterleistung, wenn bei einem plötzlichen Stillstand im Stau alle so stehenbleiben, dass ein Abstand eingehalten und auch noch versetzt gestanden wird. Nahezu unmöglich.

Auch in diesem Fall bei Fehrbellin: Eine Rettungsgasse hätten wir nicht bilden können. Ich mache da keinem einen Vorwurf.
Zumal: Vor dem Baustart auf der Autobahn war das allen Beteiligten klar, die Feuerwehr hatte schon vorher angemahnt, dass Rettungsgassen nicht möglich sein werden. Es wurden entsprechende Rettungskonzepte erarbeitet. Dazu gehörte, Feuerwehren von der Gegenrichtung zu alarmieren, die dann von der anderen Seite kommen. Oder dass die Autobahn im Fall der Fälle an bestimmten Stellen gesperrt werden muss, wenn die Feuerwehr durch muss. Einsatzkräfte aber in den Stau in der engen Baustelle zu schicken, sehe ich als fahrlässig an.

Hits: 143

RTelenovela

Kauft nicht bei Thalia!?

Montag, den 20. Juli 2020
Tags: , , ,

Die Buchhandelskette Thalia hat es am Sonntag in die Twitter-Trends geschafft. Grund: Thalia verkauft Bücher von Attila Hildmann. Der fiel in den vergangenen Tagen, Wochen und Monaten durch zunehmend wirre, verschwörungstheoretische und (rechts-)extremistische Botschaften auf. Vielleicht hat der Typ auch ein psychisches Problem – ganz in Ordnung scheint er jedenfalls nicht zu sein, um es mal ganz vorsichtig auszudrücken.

Hildmann hat Kochbücher zum Thema Veganismus herausgebracht, die waren vor der Coronakrise vermutlich recht erfolgreich, auch wenn er davor auch schon mit Merkwürdigkeiten aller Art aufgefallen war.
Diese Bücher werden bei Thalia verkauft, aber eben nicht nur dort.

Warum jetzt ausgerechnet Thalia am Twitter-Pranger steht, ist unklar. Die einen sagen, man wolle jetzt Thalia boykottieren, weil die auf eine Anfrage, ob sie die Bücher nicht besser aus dem Sortiment nehmen wollen, geantwortet haben: “Wir sehen aktuell keinen Grund zum Anlass, die Bücher von Herrn Hildmann aus unserem Sortiment zu entfernen. Selbstverständlich steht es unseren Kunden frei zu entscheiden, welche Bücher sie bei uns bestellen und welche nicht.” Sollte es eine strafrechtlich relevante Tätigkeit bei Hildmann geben, solle man sich an die Polizei wenden.

Wenn ich danach entscheiden müsste, wen ich alles boykottiere, weil bestimmten Leuten eine Plattform geboten würde, dann wäre nicht mehr viel los. Gerade im Bereich der Buchläden. Mindestens online lassen sich bei allen Buchhändlern, die ja inzwischen fast alle auch im Internet Bücher verkaufen, Hildmann-Werke kaufen.
Angenommen, in den nächsten fünf Jahren kauft niemand ein Hildmann-Buch, dann wird Thalia – oder wer auch immer – die Dinger eh wieder zurückschicken.
Und wie geht es weiter? Boykottiere ich alle Zeitungskioske, die rechtsextreme Zeitungen verkaufen oder Weltkrieg-verherrlichende Literatur? Viele verstecken stattdessen hin und wieder die Nationalzeitung irgendwo in Zeitungsstapel. Boykottieren wir Youtube und Twitter, die Extremisten eine Plattform bieten oder auch Facebook? Boykottieren wir Verlage? Konzertveranstalter/-hallen, wo mal irgendwer aufgetreten ist (die gehen eher pleite, wenn keiner das angesetzte Konzert besucht)? Es wäre ein langer Rattenschwanz.

Ich halte es dann eher so, im Einzelfall hinzuschauen: Macht ein Restaurant prozentual viel Umsatz mit Versammlungen von Extremisten in ihren Räumen? Werden Extremisten besonders hervorgehoben? In solchen Fällen würde auch ich das anders beurteilen.
Im Fall von Thalia oder den Zeitungen im Laden, halte ich es eher mit dem Ignorieren – oder als Kunde dem Verkaufspersonal mit Nachfragen auf die Ketten zu gehen, warum man denn dieses oder jenes verkaufe.
Aber vielleicht freut’s Thalia ja auch – sie bekommen plötzlich viel Aufmerksamkeit. Denn natürlich trendet das Unternehmen auch, weil sich viele für die Firma aussprechen, weil sie gegen einen Boykott sind.

Hits: 214

RTelenovela

Ein Hoch auf die Technik (60): Cookies!

Samstag, den 18. Juli 2020
Tags: ,

(59) -> 5.2.2020

Na, heute schon Cookies akzeptiert? Die Cookie-Einstellungen schon studiert? Schon geschaut, welche Cookies du haben möchtest und welche nicht?

Es ist vermutlich im Sinne der Internetnutzer. Aber es ist auch eine Pest. Immer und ständig wird man auf zig Internetseiten gefragt, was denn nun mit den Cookies ist. Es geht um die Einstellungen des Internetnutzers, die bestimmen, welche Spuren man auf den Seiten hinterlässt. Was die Betreiber der Seiten über mich und meinen Internetkonsum wissen dürfen, was ich bei ihnen angeklickt habe und wie lange und wohin ich dann weitergezogen bin.

Und es ist ja schön, dass man das Recht hat, das alles einzustellen. Aber es nervt dann, wenn man es immer und immer wieder einstellen muss. Auch wenn man am nächsten Tag oder eine Woche danach wieder auf die Seite kommt – wieder kommt die Cookie-Frage. Und auf vielen Seiten geht auch nichts, bevor man diese Cookie-Frage nicht geklärt hat. Was gut gemeint ist, aber nicht gut gemacht ist.

Hits: 204

RTZapper

phoenix vor Ort: Virtueller CSU-Parteitag

Montag, den 25. Mai 2020
Tags: , ,

FR 22.05.2020 | 17.00 Uhr | phoenix

Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel mal ein zehnminütige Fernsehansprache hält, dann ist es ja einigen Leuten auch schon zu viel, als dass sie ihr folgen könnten. Am Freitagabend aber, da saß Marcus Söder, der bayerische Ministerpräsident, eine gute dreiviertel Stunde an seinem Tisch und redete und redete und redete. Es nahm einfach kein Ende.
Dabei war seine Redezeit gar nicht mal so ungewöhnlich. Ungewöhnlich war viel mehr die Art und Weise seiner Rede. Normalerweise würde sie er vor anderen Menschen halten und nicht alleine und immer an der Kamera vorbeischauend.
Es war CSU-Parteitag, und weil wir wegen des Coronavirus keine Großveranstaltungen durchführen können, musste eben auch der CSU-Parteitag virtuell abgehalten werden.
Der Sender phoenix übertrug am Freitag trotzdem live. Und nun eben nicht aus einer großen Halle, sondern man übernahm einfach das Signal der CSU-Übertragung. Was ein bisschen wirkte wie der offene Kanal.

Immerhin hat sich Gastredner Sebastian Kurz, der Bundeskanzler in Österreich, in einen Raum gesetzt, in dem hinter ihm Fahnen standen und neben ein… tja, man weiß es nicht genau. Ein Ofen vielleicht? Es hallte, weil er kein Mikro hatte.
Einen Blick in sein Wohnzimmer ließ er aber nicht zu – ganz im Gegensatz zu Ilse Aigner, der Präsidentin des Landtages in Bayern. Auf ihrem Schrank stehen so viele Bilder rum, dass sie fast bis ans Wandbild ranreichen. Aber vielleicht kann man der Frau Aigner ja mal den Tipp geben, die Wandbilder etwas höher zu hängen. Sehr geschmackvoll ist aber die Blume mit den weißen Blüten neben der Tür. Was sie erzählt hat, weiß ich nicht mehr, ich war ganz auf ihre schlicht eingerichtete Wohnung konzentriert.
Angelika Niebler meldete dich aus einem Dachzimmer, in dem kläglich wenige Bücher rumstanden und eine kleine Europaflagge. Und daneben irgendein Porzellan-Dingsbums mit den weiß-blauen Farben im Bauchbereich. Sehr geschmackvoll. Sie hat auch über irgendwas geredet (“schwere Stunde”, “Nachbarn nicht hängen lassen”), aber dieses Zimmer ganz in Grautönen war einfach zu…. na ja, spannend wäre nun das falsche Wort.

Es ging im einen Leitantrag, um die Rolle der Frauen in der Krise und so weiter. Aber das Ambiente dieses CSU-Parteitags at Home war dann doch viel faszinierender. Als dann die nächste Rednerin nur noch per Telefon zugeschaltet war, war dann aber auch mein Interesse erloschen.

-> Der CSU-Parteitag auf Youtube (Welt-Livestream)

Hits: 208