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Das war 2020!

Donnerstag, den 31. Dezember 2020
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Weißt du noch, damals? Als Shows in großen Hallen mit tausenden Menschen aufgezeichnet worden sind? Als in der “heute show” noch Menschen im Studio saßen und gelacht und geklatscht haben? Das war alles davor. Vor Corona.
Kein anderes Thema hat die Menschheit und somit auch das Mediengeschehen 2020 so beeinflusst wie das Coronavirus.

Okay, davor gab es noch die Umweltsau. Corona war noch weit weg. 2020 begann mit einem Skandal, der noch von 2019 ins neue Jahr rüberschwappte. Der WDR-Kinderchor und die Oma, die alte Umweltsau. Satire und so. Die führte jedoch zu einem heftigen Streit. Einerseits der Shitstorm, angeführt von rechten Kreisen. Andererseits beim WDR selbst. Dass sich Intendant Tom Buhrow für eine Satire entschuldigte, anstatt sich näher damit zu befassen oder sich vor seine Leute zu stellen, kam nicht gut an.
Apropos Shitstorm: Der rollt auch 2020 wieder zigfach durchs Land. Weil das RTL-Dschungelcamp in Australien live auf Sendung ging, obwohl es im Land riesige Waldbrände gab, sorgte bei denen, die sich schnell empören, für Empörung. Dass die Brände so weit weg waren, dass es für die Show nicht relevant war – egal. RTL rief stattdessen in den Sendungen zu Spenden auf. Ach, und wer hat eigentlich gewonnen? Kann das mal jemand googlen?
Empörung herrschte auch über den vom mdr übertragenen Semperopernball. Zuvor vergaben die Ausrichter des Balls den St.-Georg-Orden an Abd el Fatah al-Sisi, dem Präsidenten von Ägypten. Menschenrechtsverletzungen stehen bei ihm auf der Tagesordnung, und wie es zur Preisvergabe kam, ist unklar. Es heißt, man wollte einen Ball-Ableger in Ägypten etablieren. Die Wellen schlugen hoch, als Moderatorin Judith Rakers beschloss, die Moderation abzugeben. Mareile Höppner wollte einspringen, wurde aber vom Shitstorm weggefegt – am Ende moderierte Roland Kaiser allein, nicht ohne heftige Kritik zu üben.

Corona trat spätestens am 28. Januar in das Leben der Deutschen. Der erste Fall im Land. In einem “Tagesthemen extra” auf Youtube ist diese Meldung verbreitet worden. Und dann ging alles ganz schnell.
Die Fallzahlen stiegen, Mitte März gab es Einschränkungen und schließlich den ersten Lockdown. Fernsehshows mussten auf Publikum verzichten. Weil Kinos und Theater schließen mussten, zeigte der rbb diverse Aufführungen wie “Carmen”. Musiker gaben Online-Konzerte, viele Theater zeigten Stücke oder Ausschnitte davon live bei Facebook oder Youtube. Die Fußball-Bundesliga pausierte zwei Monate lang, stattdessen liefen am Sonnabend alte Länderspiele. Der Charité-Virologe Christian Drosten stieg zum Star auf, NDR Info bat ihn regelmäßig zum Coronavirus-Update, und Hunderttausende lauschten den Ausführungen. Mangels bewegter Bilder zeigte tagesschau24 den Podcast mit einem Standbild. Die Tagesschau selbst hatte plötzlich jeden Tag fast 20 Millionen Zuschauer. Alle wollten wissen, was los ist in diesem Land. Angela Merkel spricht zu den Deutschen: “Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst.” Die Ansprache sehen auf verschiedenen Sendern gut 25 Millionen Menschen.

Medien im Ausnahmezustand. Und Fernsehsender, die plötzlich spontan umplanen müssen oder in Windeseile neue Formate schaffen. Bei RTL gehen Pocher, Jauch und Gottschalk zur Primetime live per Schaltkonferenz mit der “Quarantäne-WG” auf Sendung. Leider irgendwie ohne Konzept, und nach drei Sendungen ist Schluss. Auf Sat.1 bekommt Luke Mockridge eine einstündige Show, bei VOX sendet Mark Forster aus seinem Studio und holt sich übers Netz Gäste zu sich. Matze Knop witzelt jeden Tag bei Sky Sport News. Alles sehr kurzlebig. Nur Sebastian Puffpaff ist mit seiner täglichen Coronasendung bei 3sat langlebig. Es gibt Comedy-Konferenzen mit langweiligen oder gelangweilten Komikern, die zu Hause in die Kamera starren. “NDR Talk Show” und Co. wandeln sich ebenfalls zu Konferenzschaltungen – und alle zeigen, wie mies das Internet in Deutschland ist.
Kreativ wird Sido. Er meldet sich freitags zwölf Stunden lang live aus einem Berliner Loft – “Zuhause mit Sido” läuft elfmal auf Youtube. Später meldet er sich mit Knossi und weiteren Freunden live auf Twitch aus dem mehrtägigen Angelcamp. Jan Böhmermann und Olli Schulz senden mit ihrem Spotify-Podcast “Fest & flauschig” im Frühjahr fünfmal pro Woche und sorgen für Zerstreuung im Homeoffice. Klaas Heufer-Umlauf sorgt in “Late Night Berlin” für rührende Augenblicke, als er Supermarkt-Angestellten was Gutes tut und im Innenhof eines Altersheims ein Konzert veranstaltet.
Unterdessen gibt es in den Nachrichten jeden Tag die neuen Coronazahlen – und es gibt die, die alles anzweifeln. Lügenpresse. Mainstreammedien. Und andere Kampfbegriffe.
Ein Verlierer sind die Kinos. Diverse Filme verlieren ihren Leinwandauftritt – “Berlin Berlin” läuft nur auf Netflix, “Mulan” für viel Geld nur auf Disney+, auch auf Amazon Prime Video gibt es Filme zu sehen, die 2020 eigentlich hätten im Kino laufen sollen.

Und sonst? Fußball-EM: ausgefallen. Olympia? Ausgefallen. Viele, viele Events sind: ausgefallen. Es ist ein tristes, trauriges, ruhiges Jahr. Als die Bundesliga wieder läuft, ist es immer noch ruhig – in die Stadien darf weiter kein Publikum. Geisterspiele werden zur Normalität.
Auch der Eurovision Song Contest in Rotterdam: ausgefallen. Aus Versicherungsgründen konnte es offenbar auch keinen Ersatz geben. Stattdessen machte jedes Land einirgendein eigenes Finale. Unser deutscher Teilnehmer Ben Dolic – im deutschen Finale in der Hamburger Elbphilharmonie im Ersten war zu erahnen: Wir wären nicht weit gekommen. Bitte nicht wiederwählen.
Der Junior Eurovision Song Contest 2020 in Warschau: zum Glück nicht ausgefallen. Und erstmals nahm Deutschland teil und wurde: Letzter. Glück auf!

Am besten haben es im ersten Lockdown wohl die Bewohner des “Big Brother”-Hauses auf Sat.1 gehabt. Im Februar ziehen sie ein. Als sie später erfahren, was draußen los ist, ist das eine Live-Sondersendung. Experten erklären den Bewohnern, die Pandemie, die draußen herrscht. Die Show geht es – im Gegensatz zu Kanada, wo “Big Brother” abgebrochen werden muss. Am Ende gewinnt übrigens… kann das bitte auch mal jemand googeln? War übrigens ein Flop – leider. Das Publikum will mehr Zoff, mehr Trash – da war “Big Brother” fast erfreulich normal.

Trash, Zoff – da ragen zwei Formate 2020 heraus. In “Promis unter Palmen” auf Sat.1 und im “Sommerhaus der Stars” bei RTL kommt es zu heftigsten Mobbing-Attacken, die beim Zuschauen weh tun und wütend machen – aber eben auch für Quoten sorgen. Der Streamingdienst TV Now und RTL fluten das Land mit Promi-Trash-Formaten – sinnlos, die hier alle aufzuzählen, so schnell, wie sie vergessen werden. In “Kampf der Realitystars” auf RTL zwei regt sich Jürgen Milski über ein Spiel auf, das unter seinem Niveau sei. Lustig. Vor ein paar Jahren hat er bei 9Live noch ganz niveauvoll Zuschauer verarscht. Aber echt.
Und wenn ein Trash-Format plötzlich nicht mehr so richtig trashig ist, ist’s auch falsch: “Schwiegertochter gesucht” kommt 2020 mit ziemlichen Normalos daher – und schon weht auch deshalb wieder ein Shitstörmchen.

Pech hat RTL auch mit “Deutschland sucht den Superstar”. Wobei: Was heißt Pech? RTL rannte mit offenen Augen ins PR-Desaster. Jurymitglied Xavier Naidoo macht mit Corona-Leugner-Videos und wirren Aussagen von sich Reden. Vor den Live-Shows im Frühjahr wird er gefeuert. Dieter Bohlen macht sich lächerlich, weil er stundenlang rumeiert, anstatt um zu erklären, was Sache ist. Für Naidoo kommt Florian Silbereisen in die Jury, und am Ende gewinnt der Schlager: Ramon Roselly kann sich in der Schlagerbranche schnell etablieren. Im Herbst kommt Michael Wendler ins Spiel. Als Jurymitglied soll er für Quote sorgen, aber auch er gleitet in die irre Welt der sogenannten Querdenker ab. Die Medien seien gelenkt, sagt er, auch RTL – und weiteren Stuss. RTL reagiert. Wendler ist raus. Blöd nur: Die Castings sind im Kasten. Im Januar 2021 ist Wendlerzeit bei RTL – bis zum Recall.
Aber warum eigentlich der Wendler? Es war nämlich auch das Jahr von Oliver Pocher. Auch er hatte Corona, und zu Hause begann er, Instagram und Co. zu durchforsten, um den dortigen Irrsinn freizulegen. Seine Videos finden riesigen Anklang, und dabei stößt er auch auf Wendler-Aktionen. Das schaukelt sich hoch bis zu einer gemeinsamen Battle-Show bei RTL. Wendler bekommt Dokusoaps und weitere Angebote. Bis zum Aus.
Und Pocher ist bei RTL omnipräsent. Moderationen, Auftritte und eine eigene Late Night mit Ehefrau Amira.

Wer immer noch fehlt in der Medienlandschaft: Stefan Raab. Vor fünf Jahren stand er das letzte Mal vor der Kamera. Jetzt produziert er nur noch Shows, sitzt in der Regie und frisst Chips. So wird das dem Zuschauer vor jeder seiner Sendungen mitgeteilt, als ob es ein Qualitätsmerkmal sei, dass Raab irgendwie anwesend ist. Doch es herrscht Götterdämmerung. Sein “Free European Song Contest” ist nett, wirkt aber altbacken, wie seine Shows vor zehn Jahren. “Fame Maker”, wo man die Sänger nicht hören kann, ist eine nette Idee, trägt aber nicht ewig. Und die Möchtegern-Late-Night “Täglich frisch geröstet” bei TV Now ist wohl die Enttäuschung des Jahres: nicht täglich, nicht frisch, nicht geröstet, eigentlich nicht mal eine Late Night.

Der Sender Tele 5 steht vor einer ungewissen Zukunft. 2020 erfolgte die Übernahme durch Discovery, die eigentlich durch Dokuformate bekannt sind. Senderchef Kai Blasberg nimmt den Hut.
2020 mussten wir aber noch weitere Abschiede nehmen. Jan Hofer verlässt nach mehr als 35 Jahren die Tagesschau. Die Moderatorin Sabine Sauer geht nach ebenso vielen Jahren in den Ruhestand, ebenso wie ZDF-Wettermann Gunther Tiersch. Hans-Ulrich Jörges verabschiedet sich vom “stern”. Mit Zee.One hat sich ein ganzer Sender verabschiedet – wobei ihn wohl kaum jemand vermissen wird. Und nach fast 35 Jahren endete die “Lindenstraße”. Mit Helga Beimers 80. Geburtstag mussten die Fans sich von der Dauerserie trennen. Das Fernsehballett wird aufgelöst. Die Formel 1 läuft letztmals bei RTL, wandert zu Sky. Eine Ära endete Ende Dezember bei radioeins: Nach 33 Jahren und 1627 Sendungen lief letztmals die Musiksendung “Roots”. Moderator Wolfgang Doebeling geht mit 70 Jahren in Rente.

Sie werden uns fehlen. Die Schauspieler Sean Connery, Michael Gwisdek, Claude Brasseur, Irm Hermann, Kirk Douglas, Renate Krößner, Otto Mellies, Burkhart Driest, Sonja Ziemann, Thilo Prückner, Michel Piccoli und Birol Ünel. Die Komiker Karl Dall, Herbert Feuerstein und Fips Asmussen. Die Comiczeichner Albert Uderzo und Uli Stein. Künstler Christo. Promifriseur Udo Walz. Die Musikschaffenden Gotthilf Fischer, Little Richard, Ennio Morricone, Werner Böhm (Gottlieb Wendehals), Kenny Rogers, Harry Jeske und Trini Lopez. Die Journalisten Gert Müller-Gerbes, Horst Schättle, Mathias Puddig, Hermann Schreiber, Ulrich Kienzle, Geri Nasarski, Sabine Zimmermann, Volker Panzer und Julitta Münch. “Bummi”-Gründerin Ursula Böhnke-Kuckhoff. Fußballer Diego Maradona. Die Politiker Norbert Blüm, Hans-Jochen Vogel, Thomas Oppermann, Wolfgang Clement, Ingrid Stahmer und Barbara Rütting. Die Unterhalter Roy Horn und Mike Shiva. Der Filmemacher Joseph Vilsmeier. Dramatiker Rolf Hochhuth. Der Autor Carlos Ruiz Zafón.

Immer noch da ist die AfD. Da wird von Ermächtigungsgesetzen gefaselt, es werden rechte Youtuber in den Reichstag eingeschleust, und die Querdenker-Bewegung findet man dort auch irgendwie sehr gut. Nicht gut findet die AfD den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Lieber setzt man auf sogenannte alternative Medien oder sorgt gleich selbst für den Content.
Dass die CDU in Sachsen-Anhalt vorsichtshalber nicht über die Erhöhung des Rundfunkbeitrages abstimmen lässt – im Fall dessen, dass die CDU selbst ablehnt, sitzt man in einem Boot mit der AfD und riskiert einen Koalitionsbruch -, und so die geplante Erhöhung vorerst kippt, gefällt der AfD.
Immerhin gibt es bei ARD und ZDF nicht Sendungen bei wie BILD, wo die Moderatoren aus Sponsoringgründen Milchflaschen ins Bild halten und schütteln müssen. “Reif ist Live” war mehr Milchreklame als Fußball-Analyse.

Überhaupt, die BILD. Nach dem Anschlag von Hanau geht “Bild live” auf Sendung, und es werden krude Theorien on Air geschickt. Fakten prüfen? Ach was. Wozu denn?
Nach einem Familiendrama in Solingen veröffentlicht die BILD einen Chat zwischen einem Jungen, dessen Mutter und Brüder tot sind, und dessen Freund. RTL zerrt den Freund vor die Kamera. Die Sensationsgeilheit kennt keine Grenzen. Die Öffentlich-Rechtlichen machen es nicht immer besser: Nach einem Anschlag im hessischen Volkmarsen wird auch in einer hr-Sondersendung rumorakelt.

Und sonst so? Die Ärzte rocken die Tagesthemen. Joko und Klaas müssen sich für Fake-Beiträge entschuldigen – sorgen aber auch für Begeisterung, als sie ihre 15-Minuten-Live-Sendung auf ProSieben für Hinweise auf Frauenrechte und Flüchtlinge nutzen. Die CSU kann ihren Parteitag nur virtuell abhalten. Mal was anderes live auf phoenix: Angelika Niebler hat echt wenige Bücher in ihrem Regal – hätte man sonst gar nicht erfahren. Rezo hat mal wieder zerstört: diesmal die Presse, vor allem die Lügen der Klatschpresse. Der rbb kuschelte im Sommerinterview mit dem Neonazi Andreas Kalbitz (Ex-AfD) an einem lauschigen See. Blöd: Die Recherchen aus dem eigenen Haus haben die Redaktion irgendwie nicht erreicht. Und dann war da noch der Bachelor bei RTL, der am Ende einfach gar keiner Frau eine Rose schenkte. Single zu sein ist doch auch was Schönes.

2021. Bleiben Sie gesund. Werden Sie gesund. Alles wird gut. Hoffentlich.

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Debatte um “Schroeder & Somuncu”-Podcast

Mittwoch, den 16. September 2020
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DI 15.09.2020 | 16.10 Uhr | radioeins

Es hat immerhin acht Tage gedauert, bis die Bombe geplatzt ist, und es ist mal wieder das passiert, was inzwischen zum guten Ton zu gehören scheint: Jemand wirft den Leuten einen Brocken hin, und die Menschen stürzen sich drauf.
Schon am Sonntag, 6. September, zelebrierten Florian Schroeder und Serdar Somuncu die 7. Ausgabe ihres gemeinsamen Podcasts – live auf Instagram. Sie sprachen weit mehr als drei Stunden über die Themen unserer Zeit.
Am Montag, 7. September, ging auf Youtube der Videomitschnitt online, ebenso der Audiomitschnitt in der ARD-Mediathek, bei Spotify und auf anderen Plattformen. Denn neu war, dass nach der Sommerpause erstmals radioeins vom rbb als Medienpartner und präsentierender Sender dabei war – auch wenn “Schroeder & Somuncu” nicht im Radio läuft, sondern nur im Netz gestreamt wird.

Am Montag, 14. September, erschien auf Twitter ein etwa zweiminütiger Ausschnitt. Er beinhaltete eine in der Tat problematische Passage. Darin schlüpft Serdar Somuncu scheinbar in eine seiner Pöbelrollen und lässt durchaus unangenehme Dinge vom Stapel. Frauenfeindlich, rassistisch, widerlich. Und Florian Schroeder beömmelt sich.
Acht Tage nach der Live-Sendung und sieben Tage nach der Veröffentlichung der Aufzeichnung sorgen diese zwei Minuten für eine Empörungswelle, für den gefühlt 2898. Shitstorm in diesem Jahr.
Dass sich in den restlichen 193 Minuten Schroeder und Somuncu auf recht spannende Weise über Rassismus, Politik und Gesellschaft. Und sie sprechen auch über die heutige Diskussionskultur, die viel zu oft darauf fußt, dass jemand ein Bröckchen hinwirft, einen kleinen Ausschnitt einer großen Sache – und die Diskussion hochkocht. Es ist, als ob die beiden hellsehen konnten.

Am Dienstagnachmittag warf sich radioeins-Programmchef Robert Skuppin in den Staub. Er entschuldigte sich, er sagte, man habe das Ding bearbeiten müssen, das habe man nicht getan. Dabei war die Sendung bearbeitet worden und durch kurze Sendungsjingles ergänzt worden. Aber sonst hat bei radioeins keiner mal reingehört?
Nun gut. 195 Minuten. Die muss man auch erst mal schaffen, und ob es wirklich nötig ist, so einen Podcast auf 195 Minuten auszuwalzen, steht auf einem anderen Blatt.
Aber dass vorübergehend sogar die komplette Sendung aus dem Netz verschwunden war, ist peinlich und der Sache überhaupt nicht dienlich. Denn es ist wichtig, sich das ganze Bild zu machen. Auf Youtube gibt es jetzt eine leicht gekürzte Version, immer noch gut 189 Minuten lang.
Skuppin sagte, man habe nicht erkennen können, dass es sich bei der Passage um eine Rolle gehandelt habe, der Gag habe nicht funktioniert. Aber sind funktionierende Gags ein Kriterium?
Einmal mehr ist das Krisenmanagement bei der ARD ziemlich haarsträubend.
Skuppin entschuldigte sich übrigens auch im Namen von Schroeder und Somuncu. Letzterer aber hatte sich für nichts zu entschuldigen, so sagte er später.

Und zu Somuncu selbst: Ich mag seine Parodien nicht. Aber das liegt ja genau daran, weil er in diesen Parodien so ein Arsch ist. In diesen Parodien soll das aber so sein. Und natürlich zweifelt man auch manchmal, wie dieses und jenes nun gemeint ist. Ob er jetzt wirklich sexistischen Scheiß von sich gegeben hat, weil er das so denkt. Serdar Somuncu bietet keine leichte Unterhaltung. Man muss sich damit auseinandersetzen, und manchmal tut es weh, manchmal werden Grenzen überschritten.
Florian Schroeder hat diese Momente übrigens als das erkannt, was sie waren. Ganz böse Satire. Er sagte am Dienstagnachmittag bei radioeins, er habe nicht über den Inhalt der Parodien gelacht, sondern über die Performance an sich. So wirkte das auch im Podcast. Dass sich Schroeder inhaltlich damit nicht wohlfühlte, darum ging es im anschließenden Gespräch, und überhaupt drehten sich fast die ganzen drei Stunden ja genau über diese Gesellschaft, die immer wütender wird, immer widerlicher, immer böser. Das kann man nicht ausklammern, wenn man über die Sendung spricht.
Florian Schroder sagte bei radioeins auch, es sei nicht möglich, vor jeder Gesprächspassage mitzuteilen, ob es sich denn gerade um Satire, eine Parodie oder sonstwas handelt. Damit hat er recht.
Vielmehr müssen sich die Leute, die solche Ausschnitte in den Ring schmeißen, fragen lassen, was sie damit bezwecken wollen. Wobei die Antwort klar ist: Sie wollen für Aufwallungen sorgen, für Empörung. Dass man da auch mal absichtlich oder vorsätzlich oder wissentlich etwas missversteht, das wird hingenommen.
Diese Diskussionskultur kann nicht gut sein.

Florian Schroeder und Serdar Somuncu sollten allerdings auch drüber nachdenken, die Medienpartnerschaft mit radioeins sein zu lassen. Sechsmal ging es davor auch ohne Ausstrahlungspartner – warum nicht in Zukunft auch? Dann muss sich kein Programmchef mehr für irgendwas entschuldigen, dann müssen nur die beiden den Shitstorm aushalten. Zumal das Vertrauensverhältnis eh gestört sein dürfte. Und drei Stunden und 15 Minuten – ein bisschen kürzer darf es schon sein.

-> Die Stellungnahmen auf radioeins.de
-> Die (gekürzte) Sendung auf Youtube

Hits: 218

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Die Quarantäne Show

Mittwoch, den 10. Juni 2020
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SO 07.06.2020 | Instagram

Florian Schroeder hat sich in der Coronakrise für Größeres beworben. Zwar hat er eine Late-Night-Show, die rbb und hr oder Das Erste (leider auch nur sporadisch) ausstrahlen, er hat eine Kolumne bei radioeins und weitere Gastauftritte – aber er kann mehr.
Seit Beginn der Coronakrise im März macht er live auf Instagram – und immer einen Tag danach als Aufzeichnung auf Youtube – “Die Quarantäne Show”. Dabei handelt es sich nicht um ein Comedy- oder Kabarettformat, sondern in jeder seiner Sendungen hat er einen Gast, mit dem er sich zusammenschaltet. Das waren SchauspielerInnen, ModeratorInnen, PolitikerInnen, SportlerInnen und Comedians.
Dabei kommen oftmals erstaunlich und erfreulich tiefgründige Gespräche raus. Denn Schroeder hat ja kein Zeitlimit. Geredet wird, so lange beide Lust haben.

Schon mehrfach dabei war Serdar Somuncu, am Sonntagabend das fünfte Mal. Wenn Serdar zu Gast ist, kann es schon mal länger dauern. Diesmal gute dreieinhalb (!) Stunden. Ermüdend? Eigentlich nicht!
Denn Schroeder und Somuncu besprachen, was sie in der Vorwoche alles beschäftigt hat, sie beschäftigten sich aber auch mit Themen, die ihnen allgemein auf den Nägeln brannten.

Serdar nahm Stellung dazu, dass man ihm teilweise vorwirft, “die Seiten gewechselt” zu haben. Was eine eine unverschämte Behauptung sei, wenn man wisse, dass er jahrelang nur mit schusssicheren Westen und unter Polizeischutz auftreten konnte. Das Problem sei – und da haben beide sehr Recht gehabt -, dass oftmals Sätze völlig aus dem Zusammenhang gerissen werden und dann in den Umlauf kommen und für Empörungswellen sorgen. Es gibt dafür unzählige Beispiele. Später erzählte Somuncu, wie falsche Berichterstattungen dafür gesorgt haben, dass es Ärger um ein Theaterstück gegeben hatte.

Es sind dreieinhalb Stunden mit spannenden Betrachtungen zu unserer heutigen Zeit. Nicht immer finde ich, dass Schroeder und Somuncu mit ihren Betrachtungen ganz richtig liegen, aber auch das gehört dazu, und auch das funktioniert heute immer weniger: Andere Meinungen zu akzeptieren, ohne gleich per Internetkommentar drauf einzuschlagen.
Die beiden wollen nach der Coronakrise einen regelmäßigen Podcast machen – das könnte interessant werden!

-> Die Sendung auf Youtube

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Lasst uns reden, Mädels!: Oliver Pocher und die Frauen

Dienstag, den 12. Mai 2020
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MO 11.05.2020 | Youtube

Sie treffen sich fünfmal in der Woche auf Youtube und quatschen: Motsi Mabuse, Saskia Valencia, Marlene Lufen und Marijke Amado. Sie reden über dies und das, was sie bewegt, was sie aufregt und beschäftigt. Tag für Tag.
Eigentlich würden sie das auch gern im Fernsehen. Kennengelernt haben sie sich, als ein Pilotformat gedreht haben – offenbar eine Frauen-Talkshow. Die ist aber nie gesendet worden. Deshalb machen sie diesen Frauentalk nun wochentäglich auf Youtube.
“Lasst uns reden, Mädels!” heißt das Format, das oft durchaus Spaß macht und viele interessante Momente hat. Und vielleicht ist es auch gar nicht so schlecht, dass sie damit auf Youtube sind. Dort können sie sich zusammenschalten, müssen ohne Aufwand nicht mal die Wohnung verlassen. Die Bildqualität ist meistens ganz annehmbar. Und: Sie können reden, worüber sie wollen. Sie können das so lange tun, wie sie wollen. Keiner quatscht ihnen rein. Aber, ja, das stimmt: Geld verdienen sie damit vermutlich nichts. Oder nur sehr, sehr wenig.

Und zugegebenermaßen sind die Sendungen am interessantesten, wenn sie auch einen Gast haben. Jürgen von der Lippe war schon da, “Prince Charming” Nicolas Puschmann, Ruth Moschner, Sarah Lombardi, Barbara Becker – und am Montag sprachen sie mit Oliver Pocher.
Der ist momentan sehr gut beschäftigt. Bei RTL moderiert er mehrere Shows. Immer mal wieder ist er in Sendungen zu Gast. Seine Fehde mit Michael Wendler war ein viraler Hit. Und auf Instagram spricht er seit einiger Zeit sehr gern über Influencer und ihre oftmals zweifelhaften Werbevideos.
Natürlich wollten die Damen wissen, warum er das eigentlich macht. Zumal Pocher von einigen Leuten und von einigen Influcenern vorgeworfen wird, er mobbe diese Leute im Internet. Aber er hatte eine schlüssige Erklärung parat: Es gehe ihm darum, zu zeigen, wie Internetpromis, die mitunter eine riesige Reichweite im Netz haben, mit Reklame Kasse machen – und das mit Produkten von hin und wieder zweifelhaftem Wert.
Das mag einigen auf den Geist gehen, aber eigentlich ist eine wichtige Arbeit, eine wichtige Aufklärungsarbeit, die Pocher da leistet. Man muss ihn nicht mögen, und man muss ihn vor allem nicht dafür mögen, dass er sich mit solchen Videos profiliert. Aber er macht durchaus glaubhaft klar, dass es ihm um die Sache geht. Und in der Tat scheint der Instagram-Raum oftmals einer zu sein, der viel zu wenig kritisch beäugt wird.

Im Talk bekam er am Montag dafür von den vier Frauen durchaus Applaus. Und natürlich sehr viel mehr Klicks als sonst.

-> Die Sendung auf Youtube

Hits: 222

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Pocher vs. Wendler – Schluss mit lustig

Mittwoch, den 4. März 2020
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SO 01.03.2020 | 20.15 Uhr | RTL

Kann man denn den Leuten vom Fernsehen überhaupt noch glauben? Ist es wirklich glaubhaft, wenn Oliver Pocher und RTL betonen, dass die Show am Sonntagabend innerhalb von einer Woche aus dem Boden gestampft worden ist?
“Pocher vs. Wendler – Schluss mit lustig” ist der Höhe- und hoffentlich auch Schlusspunkt eines bemerkenswerten Social-Media-Battles.
Es fing mit einer Instastory an, in der Laura Müller ihrem Schatz, dem Wendler, einen Pickup schenkte. Pocher stellte die Schlüsselübergabe mit seiner Frau nach – und das war der Anfang einer Welle, bei der Tausende ähnlicher Videos auf Instagram oder Facebook auftauchten. Pocher legte nach, immer wieder, Wendler drohte mit einer Klage, und die Wendler-Challenge bewegte halb Social-Media-Deutschland.
Und plötzlich hieß es: Nun kommt die Show bei RTL. Live am Sonntagabend, in keiner TV-Zeitschrift angekündigt.

Ich bin mal so naiv und nehme an, dass die Show tatsächlich so spontan entstanden ist. Das ist durchaus eine Leistung, und dass sie stellenweise sehr billig daher kam – geschenkt. In der Schnelle fand man auch nur ein kleines Studio in Hürth, in dem bis vor einer Woche Chris Tall seine Show produzierte.
Festhalten muss man aber auch, dass Michael Wendler das mitmacht. Die Eier muss man auch erst mal haben, denn verbal kann der Wendler dem Pocher vermutlich wenig entgegensetzen.
Klar ist aber auch, dass man bei RTL angeblich erst mal nicht so von der Idee angetan gewesen sein soll. Schließlich sagte RTL doch zu, denn schließlich hat man ja gerade eine Wendler-Doku bei TV Now zu promoten, und die ersten beiden Folgen sollten dann auch direkt nach der Battleshow laufen – alle andere Folgen gibt es nur gegen Bezahlung im hauseigenen Streamingdienst.

Hochkultur war von “Pocher vs. Wendler” nicht zu erwarten. Die Spiele waren nicht neu, drei Stunden ein bisschen lang. Aber die Show hatte ihre unterhaltsamen Momente. Eher unangenehm waren allerdings die verbalen Schüsse Pochers gegen den neben ihm stehenden Wendler. Das war immer mal wieder eine Spur zu heftig, wirkte arrogant, und dass die Stimmung da nie wirklich umgeschlagen ist, ist erstaunlich. Aber vermutlich ist der Wendler in der Hinsicht einfach zu nett für die Entertainmentwelt.
Schade ist auch, dass Pocher inzwischen im Podcast “Messi & Ronaldo” angekündigt hat, hin und wieder weiteres Wendler-Material zu liefern. Jetzt muss auch mal gut sein.

-> Die Show bei TV Now

Hits: 290

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Sat.1-Frühstücksfernsehen: Sorry, Thailand!

Samstag, den 11. Mai 2019
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DO 09.05.2019 | 5.30 Uhr | Sat.1

Sat.1 hat eine internationale Krise ausgelöst. Das ist insofern erstaunlich, dass man sich eigentlich wundert, dass Sat.1 überhaupt noch irgendwas auslöst. In diesem Fall hat es fast einen Krieg zwischen Deutschland und Thailand gegeben. Aber wirklich nur fast.

Was, um Gottes Willen, war bloß passiert? Nach der Krönung des neuen thailändischen Königs Maha Vajiralongkorn war das auch im “Sat.1-Frühstücksfernsehen” ein Thema. Die Moderatoren Marlene Lufen und Jochen Schropp stellten auf humorige Weise die Szene nach, in der die Frau des Königs bei der Hochzeit vor ihrem Mann auf dem Boden lag.
Im Laufe des Morgens lag mal Lufen vor Schropp und mal Schropp vor Lufen. Sie lachten sich kaputt, und natürlich war das alles nicht ernsthaft gemeint.
Und machen wir uns nichts vor: Es ist auch gar nichts dabei, solche Dinge durch den Kakao zu ziehen. Man kann es lustig finden oder nicht. Ein Skandal war das jedenfalls nicht.

Nun gut, für einige Thailänder wohl doch. Eine Zeitung machte einen Skandal draus, es gab böse Kommentare, und bei Sat.1 hatten sie die Hosen voll.
Nun folgte im “Sat.1-Frühstücksfernsehen” eine Entschuldigung. Marlene Lufen saß da und zeigte Reue. Auf Instagram zeigte auch Jochen Schropp Reue und bat auf Deutsch und Englisch um Entschuldigung.

Und man fragt sich: Ist das jetzt auch Satire? Da machen also Moderatoren eines Unterhaltungsmagazins Witze über ein anderes Land. Kommt vermutlich jeden Tag irgendwo vor, und aus der “heute show” und anderen Satireshows kennen wir das sowieso. Wie dann aber die Moderatoren nun dasitzen und kleinlaut “Sorry” sagen, wirkt fast noch lustiger als die Aktion selbst.
Interessant dabei: Es gab nicht mal eine offizielle Beschwerde irgendeiner Stelle. Bei Sat.1 hatte man trotzdem die Buxe voll. Das ist deshalb bemerkenswert, weil Redaktionsleiter Claus Strunz ja sonst so gar nicht hzimperlich ist, wenn es um die Schelte von Politikern oder anderen “Würdenträgern” ist. Dass sich die Redaktion vor den Thailändern nun dermaßen in den Staub wirft, ist mindestens erstaunlich. Und leider ziemlich albern.

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Wontorra – der O₂ Fußball-Talk: Lisa Müller und ihre Instastory

Dienstag, den 6. November 2018
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SO 04.11.2018 | 10.45 Uhr | Sky Sport News

„Mehr als 70 Minuten, bis der mal ’nen Geistesblitz hat.“
Dieser Spruch erschien am Sonnabend auf Instagram. Zu sehen war beim Bundesliga-Spiel zwischen dem FC Bayern München und SC Freiburg der Bayern-Trainer Niko Kovac, der den Spieler Thomas Müller einwechselte.
Nun läuft es ja momentan und grundsätzlich nicht ganz so glänzend für die Bayern, und diese Instastory sorgte für zusätzlichen Wirbel.
Sie kam nämlich von Lisa Müller, der Frau von Thomas, dem Bayern-Spieler.

Bei “Wontorra – der O₂ Fußball-Talk” auf Sky Sport News ist am Sonntagmittag genau darüber diskutiert worden. Spiegel-Journalist Rafael Buschmann war der Meinung, dass Lisa Müller ja sagen und schreiben könne, was sie will. Die anderen dachten anders, sie waren der Meinung, dass Lisa Müller als Spielerfrau eben nicht überall äußern kann, was sie möchte. Und die anderen hatten durchaus recht.
Natürlich kann Lisa Müller sagen, was sie will. Aber als Spielerfrau sollte sie dennoch aufpassen, was sie wo öffentlich mitteilt. Denn aus ihrer Meinungsäußerung lässt sich auch durchaus widerspiegeln, was denn im Hause Müller so erzählt wird. Und grundsätzlich ist es natürlich schwierig, wenn sich ein Angehöriger öffentlich schlecht über den Arbeitgeber des Partners äußert. Das kann kann dann schon mal auf den Angestellten zurückfallen.

Das muss sie offenbar auch selbst festgestellt haben oder gesagt bekommen haben – denn die Instastory war schon bald wieder gelöscht…

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