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Urspüngliches aus Hohenbruch

Freitag, den 24. Juli 2020
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Die Vorfahren von Familie Grützmacher haben ihr Gehöft 1710 bekommen – damit wurde der Ort damals gegründet – Original-Urkunde von damals ist noch vorhanden

MAZ Oranienburg, 24.7.2020

Hohenbruch.
Das Grundstück mit dem Haus in Hohenbruch hat die Familie in den vergangenen 310 Jahren nie hergegeben. Inzwischen lebt dort bereits die 13. Generation, und den Ursprung der dortigen Besiedlung, den haben Sabina und Bernd Grützmacher noch immer in ihrem Besitz. Es ist ein wahrer geschichtlicher Schatz. Sie haben ihn gut verwahrt und holen ihn nur selten raus. Es handelt sich dabei um zwei Original-Urkunden aus dem 18. Jahrhundert, auf der die Gründung ihres Ortes vermerkt ist.

„Hohenbruch wurde 1710 gegründet, und unsere Vorfahren waren daran beteiligt“, erzählt Bernd Grützmacher. Der 72-Jährige zeigt auf den Familienstammbaum, in dem alle Namen niedergeschrieben sind. Ganz am Anfang steht Jacob Schneider. Die Familie stammte ursprünglich aus der Schweiz, ließ sich dann bei Potsdam nieder. 1710 wurde Jacob Schneider dann per Los die Hofstelle zugeschrieben. Vermerkt ist das auf einer Urkunde, unterzeichnet von Freiherr von Hertevelt in Cölln an der Spree am 4. Dezember 1710. Danach werde Seine Königliche Majestät in Preußen „in dem hohen Bruch hinter Schleuen, unweit von Oranienburg gelegen“ einige Stellen räumen und gegen einen jährlichen Zins überlassen.

Auf einer zweiten Urkunde, unterzeichnet am 30. Januar 1717 in Cölln an der Spree, wird der Kontrakt nochmals bestätigt – von Seiner Königlichen Majestät in Preußen. Unterschrieben ist die Urkunde mit „Friederich“, gemeint sein könnte der damals herrschende König Friedrich Wilhelm I., der zwischen 1713 und 1740 im Amt war.

Die Urkunden sind in eine Folie eingeschweißt worden, ansonsten würde sie sicherlich langsam zerfallen. Wo sich auf der einen Urkunde einst das Siegel befunden hatte, klafft jetzt ein Loch, das Siegel ist längst zerfallen. „Ein Teil der Familie war in den Westen gegangen“, berichtet Bernd Grützmacher. Noch zu DDR-Zeiten seien die beiden Urkunden mitgenommen worden, um die fachmännisch einzuschweißen. „Sie wurden dann gleich wiedergebracht.“ Die Urkunden seien von Generation zu Generation weitergereicht worden – bis heute.
„Es ist interessant, zu lesen, welche Abgaben sie leisten mussten und was zu beachten war“, sagt Sabina Grützmacher mit Blick auf die Urkunde. „Sie mussten einen Hund halten.“ Für die Jagd.

Sabina Grützmacher geht davon aus, dass alle damaligen Besitzer der Höfe in Hohenbruch eine solche Urkunde bekommen haben. Da aber in ihrem Fall das Grundstück seit inzwischen 310 Jahren immer im Besitz der Familie war, gingen bei ihnen diese Urkunden auch nie verloren. „Wir sind die einzigen, die noch so ein Ding haben.“ Dass bei Verkäufen von Grundstücken solche Dokumente verloren gehen, sei nachvollziehbar. „Zumal dann auch in den Kriegswirren.“ Aber im Fall der eigenen Familie sei das ja nicht so gewesen: „Es wurde testamentarisch festgehalten, dass man nichts verkaufen darf.“

Sie lieben ihr altes Haus. Zunächst hatte das Paar – die eingeheiratete Sabina Grützmacher stammt aus Löwenberg – in Berlin gelebt, später in Iden bei Osterburg in Sachsen-Anhalt, 1980 ging es dann nach Kremmen, im Jahr 2000 zogen sie auf das Familiengrundstück nach Hohenbruch. „Fußböden und Wände sind krumm und schief..“ Aber genau das mache den Charme aus. „Wir hätten noch mehr Altes gelassen, wenn es gegangen wäre.“
In Hohenbruch führen Sabina und Bernd Grützmacher mit ihrer Familie ein gutes Leben, wie sie sagen. „Wir sind in 20 Minuten in Tegel, aber wir haben hier unsere Ruhe. Hier können wir alles schön fern halten.“ Sitzt man im Garten, sieht man viel Grün, viele Blumen. Sie haben Laufenten, Kaninchen, Kühe, Perlhühner, Hund und Katze. Sabrina Grützmacher hätte gern ein Pferd, aber das sei zu pflegeaufwendig. Verkehrslärm gibt es kaum. „Höchstens am Morgen, und wenn es auf der B 96 mal wieder einen Unfall gegeben hat und die Leute die Strecke über Neuendorf und Neuhof umfahren.“

Die Urkunde, die den Beginn der Siedlung ihrer Familie in Hohenbruch zeigt, die wollen sie keineswegs hergeben. „Die bleibt hier, so lange wir hierbleiben“, sagt Sabina Grützmacher und lächelt.

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Wildwechsel – Einmal über die Gräben

Freitag, den 13. März 2020
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Wenn man in der einsetzenden Dunkelheit auf den Straßen unterwegs ist, achtet man in den Waldgebieten ja besonders auf einen möglichen Wildwechsel. Der Blick ist dann nicht nur auf die Straße gerichtet, sondern auch auf die Seitenbereiche.
Und wer die Strecke zwischen Sommerfeld und Sachsenhausen kennt, weiß, dass man dort abends und nachts sehr oft wilde Tiere am Straßenrand sieht. Da wird man am Ende einer Kurve schon mal von einer tierischen Versammlung überrascht.

Bisher dachte ich immer, es ist gut, wenn an beiden Straßenseiten jeweils tiefe Gräben entlanglaufen. So ist es zum Beispiel im Wald bei Teerofen. Aber: falsch gedacht.
Neulich bremste das Auto in diesem Waldgebiet direkt vor mir scharf ab. Erst wusste ich nicht, was los ist. Aber dann sah ich, wie eine ganze Kolonne von Rehen erst über den Graben sprang und dann über die Straße spurtete, um auf der anderen Seite über den nächsten Graben zu springen.
Heißt: Eigentlich sind die Gräben noch gefährlicher dafür den Verkehr, denn die Rehe hatten ein ordentliches Tempo drauf, als sie die Landstraße überquerten.
Also: Augen auf!

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Dreifacher Abschied im Sommer 2020

Samstag, den 5. Oktober 2019
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Die Kitaleiterinnen in Flatow, Hohenbruch und Sommerfeld erzählen über den nahenden Ruhestand

MAZ Oberhavel, 5.10.2019

Kremmen.
2020 wird an den Kitas in Flatow, Hohenbruch und Sommerfeld das Jahr der Abschiede. Im Sommer werden die Leiterinnen Kathrin Busse-Staufenbiel, Anita Hahn und Elke Schilling in den Ruhestand gehen.

Elke Schilling wird pünktlich zum 45. Dienstjubiläum gehen. Am 1. August 1975 trat sie nicht nur ihren Dienst an, sie wurde auch gleich Leiterin der Sommerfelder Kita. „Ein bisschen Wehmut ist immer dabei“, sagt sie. „Aber es überwiegt auch die Freude, dann mehr Zeit zu haben.“
Anita Hahn leitet die Hohenbrucher Kita seit 1979. Freut sie sich auf den Ruhestand? Sie überlegt. „Ich bin mir noch nicht so sicher“, sagt sie dann. „Einerseits freue ich mich, aber ich weiß nicht, ob ich absolut loslassen kann, man fühlt sich ja mit der Einrichtung sehr verbunden.“
„Ich werde auf alle Fälle mehr Zeit für mich haben“, sagt Kathrin Busse-Staufenbiel. Zeit für mehr Bewegung, ihren Mann, den Hund und natürlich die Enkel. „Mehr Zeit für die Familie und mich selber“, antwortet auch Elke Schilling auf die Frage, wie sie ihren Ruhestand nutzen will. Anita Hahn sieht das auch so.

Denn der Zeitfaktor ist für die drei Frauen wichtig. Alle drei arbeiten in ihrem verantwortungsvollen Job mehr als die Regelarbeitszeit es vorgibt. „Man ist in Gedanken immer bei seiner Verantwortung, die man hat“, sagt Kathrin Busse-Staufenbiel. „Das ist nicht nach 40 Stunden vorbei“, ergänzt Elke Schilling. „Man überlegt auch in der Freizeit immer wieder, wie man jedem gerecht werden kann.“ Hinzu kommen die üblichen Konferenzen. Am Dienstag erst trafen sich alle Kitaleiterinnen im Kremmener Rathaus zur Besprechung. „Viel Bürokratie“, sagt Elke Schilling. Sie hätte gern weniger davon, dafür mehr Zeit, sich um die Kinder ganz konkret zu kümmern.

Alle drei Frauen sind jahrzehntelang im Dienst, deshalb haben sie inzwischen auch mehrere Kindergenerationen in ihren Kitas betreut. „Man wird schon mal angesprochen“ , erzählt Elke Schilling. „Na, Tante Elke“, habe ihr mal ein Mann zugerufen. „Ich habe ihn aber nicht erkannt und meinte dann: Wenn du mir jetzt noch sagst, wer du bist …“ Als der Mann dann gelacht habe, habe sie auch gleich gewusst, wer er war. Kathrin Busse-Staufenbiel nickt und sagt: „Es ist immer eine große Freude, wenn wir jemanden wiedererkennen.“ Anita Hahn fügt hinzu: „Wir haben ja auch oft schon von den Kindern die Kinder bei uns.“
In den vielen Jahren haben sich aber auch die Kinder verändert, finden sie. „Sie sind selbstbewusster geworden“, sagt Kathrin Busse-Staufenbiel. „Aber auch aufgeschlossener und mitteilungsfreudiger. Ebenso fordernder, was die Aufgaben angeht.“ Elke Schilling stimmt ihr zu und erklärt: „Man muss konsequent sein, wenn es um Regeln geht. Kinder brauchen ihr Nest, ihre Zuneigung. Sie müssen wissen, wo sie hingehören.“
Aber auch die Arbeit mit den jeweiligen Kollegen ist allen drei sehr wichtig. „Wenn ich meine Kollegen nicht gehabt hätte, wäre gar nichts gelaufen“, sagt Elke Schilling. Zusammenhalt sei ihr sehr wichtig. „Den wollen wir auch an die jüngere Generation weitergeben.“ Anita Hahn lächelt und ergänzt: „Ohne die Kollegen und die Eltern wäre ich überhaupt nichts.“

Alle drei sind inzwischen 60 Jahre und älter. Da fällt einiges schon schwerer. „Der Lärm“, sagt Kathrin Busse-Staufenbiel. „Die täglichen Aufgaben fallen schwerer“, sagt Anita Hahn. „Ich merke, ich bin am Abend ganz schön k.o, das war vor zehn Jahren noch nicht so.“
Wie sie ihren letzten Arbeitstag verbringen werden, ist noch nicht klar. „Da habe ich noch nicht drüber nachgedacht“, so Kathrin Busse-Staufenbiel. „Da möchte ich noch nicht dran denken“, sagt Anita Hahn. „Da wird es sicher Tränen geben“, vermutet Elke Schilling. „Aber da gebe ich einen aus.“

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Stein für Stein zum Berufsziel

Mittwoch, den 2. Oktober 2019
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Florian Hornemann (18) aus Staffelde macht in Hohenbruch eine Maurerlehre –zur Ausbildung gehört auch ein dreiwöchiges Praktikum in Italien

MAZ Oberhavel, 2.10.2019

Staffelde.
Maurer zu werden, das zahlt sich aus. Das findet Florian Hornemann. Der 18-Jährige aus Staffelde ist gerade im dritten Lehrjahr. „Das ist schon harte Arbeit, aber eigentlich zahlt sich das aus, man kann viel aus dem Beruf machen“, erzählt er. Er lernt bei Koebe-Massivhaus in Hohenbruch.

Beim Tag des Handwerks in Götz bei Potsdam ist ihm, gemeinsam mit anderen Lehrlingen, der Europass überreicht worden. Bekommen hat er ihn, weil er an einem dreiwöchigen Auslandspraktikum in Italien teilgenommen hat. Der Lehrbauhof in Oranienburg sowie sein Chef Jörg Koebe machten ihm das möglich. In Mantua in der Lombardei half er gemeinsam mit anderen Lehrlingen bei der Sanierung eines Klosters. „An einem Nebengebäude haben wir einen Giebel zugemauert.“ Hinzu kamen Putzarbeiten an den Fenstern. Gearbeitet wurde montags bis freitags. „Unsere Unterkunft war zehn Minuten entfernt.“ Am Wochenende war Zeit für Touren nach Pisa oder zum Gardasee. Die Handwerkskammer hat dieses Praktikum unterstützt, hinzu kamen Eigenleistungen in Höhe von 150 Euro.
„Am interessantesten war, dass sie in Italien oft anders mauern als hier“, sagt Florian Hornemann. „Alte Steine werden oft weiterverwendet. Die waren oft schon etliche Jahre alt.“ Der Unterschied zu neuen Steinen sei, dass keiner die gleichen Maße habe wie der andere.

Florian Hornemann ging auf die Kremmener Goethe-Oberschule, machte dort seinen Abschluss. „Ich hatte mir dann erst überlegt, Landwirt zu werden oder Gas-Wasser-Installateur“, erinnert er sich. „Aber dann ist es die Maurerlehre geworden. Das ist ein gefragter Beruf, und ich finde es sehr interessant, wie schnell heute ein Haus gebaut wird.“ Zur Berufsschule fährt er zum Eduard-Maurer-Oberstufenzentrum nach Hennigsdorf. Regelmäßig ist er auch auf dem Oranienburger Lehrbauhof. „Da lernen wir die Grundlagen, und man schnuppert auch mal in die anderen Bereiche, bei den Zimmermännern oder den Fliesenlegern.”
Im nächsten Sommer steht die Abschlussprüfung auf dem Plan. „Mein Plan ist dann auch, bei der Firma zu bleiben, um Erfahrungen zu sammeln“, sagt Florian Hornemann. Vielleicht mache er dann noch irgendwann seinen Meister. Dass immer weniger junge Leute ins Handwerk gehen wollen, findet er schade. „Es sind relativ wenig, und viele hören auch auf. Viele wollen sich nicht die Hände schmutzig machen.“ Für Florian Hornemann ist das nicht nachvollziehbar, denn Maurer seien gefragte Leute. Er kann sich gut vorstellen, sich irgendwann auch selbstständig zu machen.

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Gesucht: der Besitzer des alten Konsums

Samstag, den 27. Juli 2019
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Ralf Hewelcke will das verfallene Gebäude in Hohenbruch kaufen – für einen Jugendclub

MAZ Oranienburg, 27.7.2019

Hohenbruch.
Das ist offenbar schwieriger als gedacht. Seit vielen Jahren steht der alte Konsum an der Hohenbrucher Dorfstraße/Ecke Kirchring leer und verrottet langsam. Ralf Hewelcke will das nicht länger mitansehen. Sein Plan: Er will das alte Gebäude kaufen und es dann der Stadt Kremmen zur Verfügung stellen, damit dort ein Jugendclub eingerichtet werden kann. Das Problem: Niemand weiß, wie man an den Besitzer des Hauses rankommt.

Zwar bekam er im Katasteramt in Oranienburg den Namen und die Anschrift in Großbritannien. Aber ein entsprechender Brief, den er nach Eaton Bray – nordwestlich von London – schickte, kam wieder zurück – mit dem Hinweis, dass die Adresse unvollständig sei. „Man kriegt den Besitzer nicht“, so Ralf Hewelcke. Auch googeln sei schwierig, es handele sich um ein Firmengeflecht, das schwer zu durchschauen sei. „Aber alles gute Adressen in Berlin“, so Ralf Hewelcke. „Vielleicht ist das auch nur ein Abschreibungsprojekt.“

Warum aber will Ralf Hewelcke den Hohenbruchern einen Jugendclub schenken? Er lächelt auf diese Frage hin und sagt: „Warum betreibt man einen Tierpark ohne Kasse?“ Neben seiner Hundepension kümmert er sich um ein Gelände, auf dem sich diverse Tiere befinden. Besucher müssen dafür nicht zahlen. „Ich habe Lust, der Allgemeinheit was zu geben. Dafür gibt es andere Eltern, die sich ehrenamtlich in anderen Vereinen engagieren.“ Und mit dem sechsjährigen Sixten habe er selbst auch einen Jungen, „der dort mal spielen möchte.“
Ralf Hewelcke könne sich dort einen Jugendclub gut vorstellen. Angenommen ein Kauf sei möglich, dann hofft er, dass über Fördermittel ein Umbau gelingen kann – und mit Hilfe von Unternehmen und Eltern aus dem Ort. Der Standort sei gut, er liege am Rand des Wohngebietes, der Sportplatz sei nebenan, und eine Bushaltestelle befinde sich direkt vor der Tür.

Hohenbruchs Ortsvorsteher Arthur Förster gefällt die Idee. „Das ist echt gut“, sagte er am Freitag. „Wir helfen uns gegenseitig auf dem Dorf.“ Er hofft ebenfalls, dass der Besitzer des Gebäudes ausfindig gemacht werden kann. Schon weit mehr als zehn Jahre gebe es in Hohenbruch keinen Jugendclub mehr. „Geschlossen wurde er nicht mangels Besucher, sondern weil es Vorfälle gab.“
Der fehlende Jugendclub war auch schon Thema im Ortsbeirat. Falls der Kaufplan von Ralf Hewelcke scheitert, könne man noch mal das alte Feuerwehr-Gebäude ins Auge fassen. Auf jeden Fall müsse zunächst auch der Bedarf ermittelt werden, „ob die Jugendlichen überhaupt interessiert sind“, so Arthur Förster.

Kremmens Jugendclubleiter Danny See sagte am Freitag: „Der Gedanke, die Jugendarbeit auszubauen, ist immer großartig.“ Momentan würden die Hohenbrucher Jugendlichen den Club in Kremmen besuchen. Weil am Abend kein Bus mehr fahre, würde er sie dann immer mit dem Club-Kleinbus zurückfahren.

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In dieser Senioren-WG ist niemand allein

Donnerstag, den 25. Juli 2019
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Die Wohngemeinschaft Hohenbruch ist eine privat betriebene Einrichtungfür alle Pflegestufen – die Bewohner werden rund um die Uhr betreut

MAZ Oranienburg, 25.7.2019

Hohenbruch.
Silvia* lacht viel, sie ist überhaupt ein fröhlicher Mensch. Aber wo ihr Zimmer ist – daran erinnert sie sich nicht. Sie hat Demenz. Brigitte* ist bettlägerig, aber eben auch nie allein, und Berta* mag es, auf der Terrasse zu sitzen und ein Käffchen serviert zu bekommen.

Alles ist entspannt, alle sind sie – auf ihre jeweilige Art – gut drauf. Die drei Frauen leben in einer privat geführten Senioren-Wohngemeinschaft im Kremmener Ortsteil Hohenbruch. „Sie gibt es seit September 2018“, erzählt Sonja Schröder, die die WG führt. Sie befindet sich im ehemaligen Wohnhaus ihres Bruders Thomas Rohrbeck. „Das Haus stand leer, und wir haben überlegt, was wir Sinnvolles tun können“, erzählt Sonja Schröder. Sie arbeitet seit mehr als 30 Jahren als Pflegefachkraft und hat sich inzwischen als Pflegerin und Betreuerin selbstständig gemach
Es gibt bislang nur wenige solcher privater Wohngemeinschaften für Senioren, was auch an den hohen Auflagen liegt. „Das muss man durchkämpfen“, sagt Sonja Schröder. Es habe auch längere Zeit gedauert, bis sie grünes Licht bekommen hat, mit der privat geführten WG in Hohenbruch an den Markt zu gehen.

Drei Bewohnerinnen leben im Erdgeschoss des Hauses, alle drei haben eigene Zimmer. Sie können gemeinsam die Küche, das Bad und den Hof nutzen. „Das ist ein Zuhause wie in einer Familie“, sagt Sonja Schröder. Außerdem gibt es Barbara im Haus, sie ist eine Pflegekraft, die 24 Stunden am Tag vor Ort ist. Nach vier Wochen kommt Anja, und so wechseln sich die beiden immer ab. Immer wieder im Haus ist aber auch Sonja Schröder selbst, die die Pflegekraft auch mal kurzzeitig vertreten kann. Auch Thomas Rohrbeck packt immer an, wenn es Probleme mit dem Haus selbst gibt und ist für die Bewohnerinnen da. Die können sich im Haus frei bewegen, wenn sie das möchten. „Inklusive des normalen Lebensrisikos“, so Sonja Schröder weiter. Alleine sind die Frauen aber definitiv nie. Unterstützende Wohnform nennt sich das.
Ganz klar zum Konzept gehört aber auch, dass sich die Familienangehörigen kümmern. „Die Angehörigen sind die, die hier federführend sind“, erklärt die Hohenbrucherin. Alle drei Monate würden alle zusammenkommen und, wenn nötig, Beschlüsse fassen. „Jetzt zum Beispiel haben wir uns alle gemeinsam überlegt, die Terrasse anzuheben“, erzählt Sonja Schröder. Sie findet es wichtig, dass sie sich die Angehörigen mitkümmern. Alle haben auch einen Schlüssel und können kommen, wann sie wollen.

Diese persönliche Rundum-Versorgung im privaten Rahmen mache es auch möglich, körperlich Behinderte oder auch Demenz-Kranke wie Silvia aufzunehmen. „Im Heim ist sie öfter weggelaufen“, sagt Sonja Schröder. In der Hohenbrucher WG sei das nicht der Fall. Einerseits sei immer jemand da, andererseits darf das Grundstück auch abgeschlossen werden, weil es sich ja um eine private Wohngemeinschaft handele. „Wir decken alle Pflegegrade ab“, sagt Sonja Schröder. Natürlich müssen die Bewohner Miete zahlen, die Pflegekräfte müssen auch finanziert werden. Zusätzliche Pflegedienste, die ebenfalls ins Haus kommen, müssen zusätzlich bezahlt werden. Aber da es sich bei der kleinen Einrichtung nicht um ein gewinnorientiertes Unternehmen handelt, müsse auch kein größerer Gewinn gemacht werden. Demnächst könnte im oberen Geschoss eine zweite, separate WG an den Start gehen.

Mehr Infos gibt es unter 0176/94 91 91 21.
* Aus datenschutzrechtlichen Gründen sind die Namen der Bewohnerinnen geändert.

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Radtour (35): Schotter und Kopfsteinpflaster

Freitag, den 31. Mai 2019
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(34) -> 24.5.2019

Zum Himmelfahrtstag passt eine Radtour, und diesmal ließ ich mich wieder von einem Kollegen inspirieren, der ein Teilstück der heutigen Strecke neulich auch erst befahren hat.
Start ist am Oranienburger Schlosshafen. Dort schippern gerade ein paar junge Männer auf einem Boot auf der Havel herum. Sie hören laute Musik und grölen mit. Auf dem August-Wilheim-Steg bleiben immer wieder Leute stehen und schauen zu. Einige singen sogar mit, als das Lied von “Cordula Grün” angestimmt wird.

Ich radelte los. Und im Parkweg gleich das erste Ärgernis, das in Oranienburg ja schon fast Routine ist. Eine Straße mit Schotter. Wer so was entscheidet, ist weder Fußgänger, noch Radfahrer. Auf Schotter mit losen kleinen, spitzen Steinen kann man weder fahren noch laufen. Mit dem Rad ist das unangenehm, aber auch für Leute mit Kinderwagen.
Die Gegend hinter dem Schlosspark ist eine merkwürdige Mischung aus kleinen und großen Wohnhäusern und Kleingärten. Eine spannende und willkürliche aussehende Mischung. Am Luisenweg ist zudem die DDR wieder auferstanden. Eine riesige DDR-Fahne weht über einer Garage.

Ich fahre über die Kanalbrücke zur Thaerstraße. Dort ist in den vergangenen Jahren ein vollkommen neues Wohngebiet entstanden – wie an vielen Stellen in Oranienburg. Auf der rechten Seite der Straße befindet sich so etwas wie ein Gehweg. Bestehend aus Schotter und Sand. Und wieder frage ich mich ernsthaft, was das soll. Der Weg sieht aus wie noch nicht fertig, wie gewollt, aber nicht gekonnt. Radfahren kann man dort nicht und laufen fällt dort sicher auch schwer. Dieser Weg zieht sich die ganze Thaerstraße entlang und weiter am Kühbrückenweg. Stellenweise besteht der in Bordsteinen eingefasste Weg aus Zuckersand. Der pure Wegeblödsinn.
Ich ziehe es vor, auf der Straße zu fahren. Im Kuhbrückenweg wird Oranienburg ländlich. Links sind Spargelfelder, rechts stehen Holzstapel, an einer Stelle befindet so so etwas wie ein verfallener Stall. Im Bereich der B96-Brücke, die erst etwas mehr als 15 Jahre alt ist, gibt es sogar einen richtigen Radweg.

Ich erreiche Tiergarten, eine recht abgelegener Oranienburger Stadtteil. Der eingefasste Sandschotterweg beginnt plötzlich wieder und sieht noch zerzauster aus. Ich fahre wieder auf der Straße, an der Tiergarten-Gaststätte vorbei, in der ein paar Leute sitzen.
Am Ende von Tiergarten endet auch die Asphaltstrecke. Und – hurra – wieder Schotter. Ein paar Radler mühen sich auf dem Weg ab.
Auf der Kuhbrücke im gleichnamigen Wohnplatz mache ich eine kurze Pause und schaue auf die idyllische Natur mit dem Rhin, auf untern durchführt.
In Kuhbrücke gibt es sogar noch ein paar Häuschen, aber schnell befinde ich mich im Wald. Der Weg ist schlecht, Schlaglöcher und Feldsteine. Vermutlich war der Weg früher mal im besseren Zustand.
Der Weg führt bis zur Landesstraße, die ich nahe Teerofen – schon auf Hohenbrucher Gemarkung – überquere.

Es sind durchaus ein paar Leute auf diesem Weg unterwegs. Er führt von Oranienburg-Tiergarten bis Nassenheide und könnte eine wunderbare Radweg-Alternative sein. Von Nassenheide aus ist diese Strecke sogar als Radwanderstrecke ausgewiesen. Aber der Weg ist in miesem Zustand. Er muss früher mit Asphalt überzogen gewesen sein. Davon ist kaum was übrig. Stattdessen: lauter altes, holpriges Kopfsteinpflaster, von dem aber auch kaum noch was übrig ist.
An solche Wege wird offenbar kaum gedacht. Ein zumindest schmales Asphaltband, das sich dort durch den Wald zöge, wäre großartig. Denn die Natur dort ist erholsam, man fährt durch den puren Wald.

Ich erreiche Nassenheide. Wer mit dem Rad durch Nassenheide fährt, lernt das Dorf ganz neu kennen. Auf der Hohenbrucher Chaussee entsteht derzeit ein ganz neues Wohngebiet mit zig Häusern. Wo die bald stehen, war vorher weites Feld. Es ist ein wahnsinnig ruhiges Fleckchen Erde. Zumindest noch.
Und auch der Nassenheider Dorfkern ist vor allem eins: ruhig. Durch das Dorf führt zwar am Rand die B96 durch. Aber abseits davon herrscht Ruhe. Nassenheide hat den Vorteil, kein Durchfahrtsdorf zu sein. Am Ortsausgang kommt nichts mehr – zumindest für Autofahrer. So kann man minutenlang am Dorfanger stehen, auf die Kirche und die anderen alten Gebäude blicken, ohne dass ein Auto kommt.
Durch einen Tunnel an einem Bach geht es unter der B96 hindurch. Auf der anderen Seite geht es auf die Liebenwalder Chaussee, über den Nassenheider Bahnübergang.
Eigentlich wollte ich bis Freienhagen fahren, dann weiter durch den Wald nach Malz. Aber am Dameswalder Weg bleibe ich stehen und schaue auf Google Maps, wohin der Weg führt – und entschließe mich, dort einzubiegen.

Wieder geht es durch den Wald, mit dem Unterschied, dass der Waldweg dort ganz gut befahrbar ist. Ich lande in Neu-Friedrichsthal. Ich wusste als Oranienburger nicht, dass genau genommen Neu-Friedrichsthal ein eigener Ort ist – immerhin gibt es ein eigenes grünes Ortsschild.
Neu-Friedrichsthal liegt auch janz weit draußen. Nahe am Wald gelegen, ist es dort auch sehr ruhig in der relativ kleinen Siedlung. In der Kreuzallee überquere ich die Havel und bleibe dort auf der Brücke auch noch mal kurz stehen. Der Anblick ist einfach schön.
Ich verlasse Neu-Friedrichsthal, einem Ort, den ich bislang nicht kannte, und erreiche den Friedrichsthaler Ortskern mit der Kirche.
Langsam bin ich an einem Punkt, wo ich eigentlich langsam mal wieder zu Hause sein will. Der Wind kommt von vorn, und ich radele durch den Ort, in dem die Gaststätte an Himmelfahrt erstaunlicherweise geschlossen ist.
Mit Mühe erreiche ich wieder Sachsenhausen, ich bin inzwischen auf der selben Strecke von neulich unterwegs, und ich merke, dass ich langsam mal was trinken muss. Aber McDonald’s ist ja nicht mehr weit…

Und dann war da noch der Fußgänger in der Sachsenhausener Straße in Oranienburg, der auf dem Rad- und Fußweg direkt vor mir links – ohne zu gucken – auf meinen Radweg ausscherte, weil vor ihm eine Frau mit Kinderwagen war. Ich war schon so dicht an ihm dran, dass ich mich entscheiden musste: Klingeln oder vollbremsen. Beides ging nicht mehr. Ich bremste scharf, und wir bekamen alle einen Schreck. Der Mann rief mir irgendwas nach, woraufhin ich meinte, das sei der Radweg. Der soll froh sein, dass ich ihn nicht umgekachelt habe, nachdem er unaufmerksam ausscherte.

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