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Das war 2012!

Montag, den 31. Dezember 2012
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Tom Hanks ist auch schon genervt vom deutschen Fernsehen. Drei Stunden lang musste er auf der „Wetten, dass“-Couch rumsitzen und sich doofe Masken überziehen. Danach zog er ordentlich vom Leder. Dabei kennt Mister Hanks doch gar nicht das restliche TV-Programm in Deutschland.
“Wetten, dass…?” sorgte 2012 für ordentliche Schlagzeilen. Zum Jahresanfang stand endlich fest, dass Markus Lanz Gottschalks Nachfolger wird.
Kann er das schaffen? Ist er der richtige Mann? Bis heute haben wir noch keine wirkliche Antwort darauf. Aber eigentlich hat er sich in den drei bisherigen Shows alles in allem gut geschlagen.

Gar nicht gut geschlagen hat sich Sat.1. Das wurde 2012 nämlich immer doofer. Grauenvolle Dokusoaps, Magazine mit bekloppten Namen wie „Push“ oder „Pin“, eine Castingshow, ein Quiz – alles Flops. Sat.1 wird das Rumpelimage und die miesen Quoten nicht mehr los. Mit gescripteten Talkshows, in denen nichts echt war, machte sich Sat.1 lächerlich. Mit angeblich nicht gescripteten Formaten wie “Schwer verliebt” zieht Sat.1 seine Protagonisten durch den Kakao. Höchst ärgerlich. Nein, zum kotzen ist das. Erstaunlich, wie schnell ein einst renommierter Sender in die Tonne gehauen werden kann.

Der ZDF-Reinfall des Jahres war eindeutig der Fußball-EM-Strand auf der Insel Usedom. Das ZDF wollte seine Berichterstattung diesmal nicht in den Stadien liefern, sondern aus Heringsdorf. Angeblich, weil das ja von Polen nicht so weit weg ist.
Während die Ostsee im Hintergrund wirkte wie ein öder Tümpel, ließ sich Olli Kahn zeigen, wie man twittert. Sehr spannend. Die Zuschauer vor Ort, oft wirkte das wie ein Rentnernachmittag, schwenkten müde mit ihren Deutschland-Fähnchen. Kam aber angeblich bei den Zuschauern supertoll an, hieß es beim ZDF. Erst zum Jahresende hin, gab man sich einsichtig.
Und dann gab es zur EM auch noch den unverschämt grinsenden Ingo Zamperoni. Er moderierte die „Tagesthemen“ in der Halbzeit des deutschen EM-Spiels gegen Italien. Die launige Moderation des Halbitalieners kam bei einigen Zuschauern irgendwie gar nicht gut an. Und dann schied Deutschland auch noch aus. Die bösen Briefe landeten haufenweise in der Redaktion von ARD-aktuell.
Immerhin sorgte die Fußball-EM für die Einschaltquote des Jahres: 28 Millionen Menschen sahen das EM-Aus der Deutschen.

Bitter war das Jahr für Thomas Gottschalk. Seine neue ARD-Vorabendshow “Gottschalk live” floppt grandios. Die erste Ausgabe war ein Desaster. Zig Werbepausen, von denen Gottschalk nicht wusste, wann sie beginnen. Es fehlte an einem Konzept, es fehlte offenbar an guten Leuten im Hintergrund, ständig erfand sich die Show neu. Die Quoten waren im Keller. Das Aus im Juni.
Im Herbst musste er sich auch noch beim RTL-„Supertalent“ in der Jury quälen. War nicht sein Ding. Und zu besseren Quoten führte sein Engagement auch nicht.

Showstars haben es eben auch nicht immer leicht. Davon kann Jenny Elvers-Elbertzhagen ein – hicks – Lied von singen. Im NDR-Magazin „Das!“ wirkte sie, nun ja, betrunken. Danach verabschiedete sie sich in die Entzugsklinik.
Die Kastelruther Spatzen haben für ihre Alben Studiomusiker engagiert. Böse Sache, deshalb mussten sie auch im “Musikantenstadl” zur Strafe live spielen. Und durften sich danach über die unverschämte Presse auslassen. Selber unverschämt.
Als in der Live-Talkshow von Günther Jauch sich ein Zuschauer im Saal lautstark zu einem Berliner Hochschulthema, nun ja, äußerte, wird er von den Ordnern rüde rausgeschmissen. Günther Jauch lässt ihn zurückholen.

2012 mussten wir von beliebten Stars Abschied nehmen. Dirk Bach starb viel zu früh, ebenso wie Whitney Houston. Auch nicht mehr da: Kurt Felix, Larry Hagman und der Politiker Peter Struck. Außerdem Neil Armstrong, Susanne Lothar, Donna Summer, Robin Gibb, Ravi Shankar, Rodney King, der Politiker Friedrich Zimmermann, Silvia Seidel, Oscar Niemeyer, Ernest Borgnine, Wolfgang Menge, Harry Valérien, Dave Brubeck, Schiedsrichter Manfred Amarell, Vadim Glowna, Günther Kaufmann, Sylvia Kristel, Scott Mckenzie, John Lord, Eishockey-Trainer Xaver Unsinn und Margot Werner.

Ach ja: und die Financial Times Deutschland und der gedruckte “Prinz”. Das Zeitungssterben beginnt. Die Frankfurter Rundschau meldet 2012 Insolvenz an. Ende offen. Noch immer ist nicht das richtige Rezept gegen die Zeitungskrise gefunden. Stattdessen streitet man sich um die Tagesschau-App. Angeblich weil Fernseher keine Texte anbieten darf. Offenbar die Presse aber bewegte Bilder.
Die Mediengruppe Madsack aus Hannover übernimmt die Märkische Allgemeine in Potsdam und möbelt sie auf. Die “Bild” feiert den 60. Geburtstag und feuert das nackte Seite-1-Girl.

Das Leitungsschutzrecht sorgt für Wirbel. Verlage wie Springer wollen nicht mehr, dass die Internetsuchmaschine Google Texte und Links verbreitet. Dabei vergessen sie offenbar, wer ihnen so viele Klicks beschafft.

Und sonst? Im „Tatort“ quatscht ARD-Wahlexperte Jörg Schönenborn in den dramatischen Serientod von Kommissar Cenk Batu. Im „ZDF-Fernsehgarten“ sorgen Chaoten im Hintergrund für einen Polizeieinsatz. Die ARD beerdigt seine Zuschauer mit einer nicht enden wollenden Themenwoche “Tod”. n-tv erreicht Rekordquoten mit dem Stratossprung von Felix Baumgartner aus fast 40 Kilometern Höhe. Harald Schmidt muss Sat.1 verlassen und sendet nun bei Sky unter Ausschluss der breiten Masse. Beim Internetsender family.TV wird in der “Club Night” eine Moderatorin während der laufenden Sendung gefeuert. Beim SuperBowl auf Sat.1 verpassen die Zuschauer bedauerlicherweise einen Touchdown, weil gerade ein Gewinnspiel läuft. Bei “Stuckrad-Barre” auf Tele 5 nippt FDP-Mann Christian Lindner an einem Joint, und die “Bild” spult sich auf.

Ach ja, und dann natürlich die Affäre um Christian Wulff. Im Interview mit ARD und ZDF verteidigt er Anfang Januar noch sein Tun, und sagt, er wolle in keinem Land leben, in dem man keine Geschenke von Freunden annehmen könne. Hilft nichts, er tritt doch noch zurück.

Gab es 2012 eigentlich auch gutes Fernsehen? Die Talkshow „Roche und Böhmermann“ auf zdf.kultur mischt die Promis auf. „Walulis sieht fern“, erst auf Tele 5, dann bei einsplus, zeigt, wie Fernsehen wirklich funktioniert. Das ZDF erfreut uns weiterhin mit der großartigen Nachrichtensatire, der “heute show”. Oliver Kalkofe darf wieder lästern. Die “Mattscheibe” läuft jetzt freitags auf Tele 5. Großartig waren wieder die neuen “Pastewka”-Folgen auf Sat.1.
Hoffentlich gibt’s 2013 mehr solcher Perlen. Auf ein Neues!

RTZapper

ZDF-EM-Studio: Heringsdorf

Dienstag, den 12. Juni 2012
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MO 11.06.2012 | 22.40 Uhr | ZDF

Die Ostsee rauscht. Eine paar kleine Wellen plätschern gegen die Bühne. Darauf stehen Katrin Müller-Hohenstein und Oliver Kahn und schwadronieren über Fußball. Man könnte meinen, als handele sich um eine philosophisch wertvolle Sendung vor erhabener Kulisse. Aber es ist die Nachlese zum Fußball-EM-Spiel zwischen der Ukraine und Schweden. Und doch: Es wirkt ganz schön lahm.

Zur diesjährigen Fußball-EM in Polen und der Ukraine nistete sich das ZDF am Strand von Heringsdorf auf Usedom. Sämtliche Fußball-Übertragungen werden durch das EM-Studio von Usedom umrahmt.
Einiges jedoch schien man beim ZDF nicht bedacht zu haben: Erstens, dass die Ostsee zwar eine wunderbare Kulisse ist, für eine Fußballshow aber dann doch reichlich öde wirkt. Zweitens, dass am Strand von Heringsdorf meist ein älteres Semester anzutreffen ist – die bringen dann nicht wirklich eine rasende EM-Atmoshäre in die Wohnzimmer.

Aber auch technisch läuft es alles andere als gut. Am Sonntag waren Bild und Ton stundenlang asynchron. Am Montag war dieser Fehler zwar behoben, dennoch häuften sich die Pannen. Mikros waren entweder zu früh offen, nicht offen oder zu früh offen. Beiträge fielen aus, stoppten mittendrin, Überleitungen klappten nicht.
Liebes ZDF, Dilettantenfernsehen möchten wir im Jahr 2012 aber von euch nicht mehr sehen. Die ARD macht das um Längen besser.

RTelenovela

Usedom: Die Neuentdeckung

Samstag, den 21. Mai 2011
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Fast wären wir auf dem Peenestrom irgendwo zwischen Usedom und dem Festland liegengeblieben. Aber nur fast.

Ich bin Rügen-Fan, und ganz sicher ist das nichts Neues. Das letzte Mal, dass ich auf der Insel Usedom war, ist sage und schreibe zehn Jahre her. Damals war ich gerade mal eine Nacht auf Insel. Davor war ich nur ein weiteres Mal auf Usedom – einige Stunden nur.

Insofern habe ich Usedom heute eigentlich erst wirklich entdeckt. Und, ja, Usedom ist nicht hässlich. Ich werde der Insel nach meinem Kurztrip wohl noch eine Chance geben.
In Ahlbeck lernten wir Brigitte Will kennen. Sie ist ein Usedomer Original. Ihre Pferdekutsche ist in den Kaiserbädern bekannt. Von ihr – sowie von Vox und Vagabund ließen wir uns durch Ahlbeck und die Umgebung fahren. Dass die beiden hin und wieder furzen mussten – nun ja, es sei ihnen verziehen.

Entlang der Strandpromenade mit den herrlichen Bauten und der Ostsee auf der anderen Seite. Weiter durch die engen Straßen von Ahlbeck und Heringsdorf – Hotels, Villen, wenige verfallene Häuser und noch mehr Villen. Weiter durch den Wald, vorbei an der Strandkorbmanufaktur, die einst den riesigen Strandkorb für den G-8-Gipfel baute.
Muss sie die B111 queren, fädelt sie sich mit der Kutsche schon mal in den laufenden Verkehr ein. “Mache ich das nicht, warten wir, bis wir schwarz sind”, sagt die Kutscherin. Nicht jeder Autofahrer findet das lustig, aber Frau Will winkt nur ab und lacht.

Wer jetzt sagt: Ach, haben sich die Fuzzis schon umhergondeln lassen – der liegt falsch. Danach begann unsere Radtour.
Ich bin schon ein paar Jahre nicht mehr Rad gefahren – aber so kann man die Kaiserbäder und das Hinterland von Usedom wahrscheinlich am besten kennenlernen. Entlang des Strandes von Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin führt eine lange Radfahrstrecke. Das ist die Gelegenheit, die Gegend noch mal richtig zu erkunden. Dazu noch ein leckeres Fischbrötchen und ein Zwischenstopp am Ostseestand – herrlich!
Die Usedom-Räder kann man sich leihen und muss sie nicht mal dorthin zurückbringen, wo man sie geholt hat. Ein System ähnlich der Bahnräder in Berlin.
Allerdings sollte man auf die Reifen aufpassen. Gerade haben wir eine groooße Steigung bei Alt Sellenthin hinter uns gelassen, machen völlig fertig ein kleines Päuschen als plötzlich “Peng!” macht. Ein Reifenplatzer bei einer Kollegin. Ein richtig lauter Knall. Schlauch und Decke waren im Eimer, Ersatz musste her.

In Benz entdeckten wir eine kleine Kirche mit interessanten Deckenvertäfelungen. Auf jedem Teil war ein sternähnliches Motiv zu sehen, aber nur zwei gleichen sich. Welche das sind, das weiß wohl nur der Pfarrer.
Nicht weit von der Kirche entfernt steht eine Mühle. Das highlight ist aber der leckere Kuchen, der im Backhof daneben angeboten wird. Die Frau, die ihn dort verkauft, backt ihn jeden Morgen selbst. Sie steht dafür schon um halb 5 auf, sagt sie.

Ein echter Geheimtipp ist aber eine Fahrt auf dem Peenestrom. Am Hafen in Rankwitz startet die kulinarische Floßfahrt auf der “Becky”. Die “Becky” ist eigentlich mehr ein Hausboot. Erstaunlich schnell düst sie aus em Hafen raus auf den Peenestrom. Ein lauen Lüftchen weht, dazu leichter Wellengang.
Drinnen läuft leise Musik, und dann kommt das Essen. Der Knaller, etwas, das man sonst nie isst (also ich zumindest). Ein Gurkensüppchen mit Hummerschwänzchen. Gebratene Jakobsmuschel mit grünen Spargeln, einer Himbeere und irgendwas Zitronigem. Lamm mit Kartoffeln, gekochten Tomaten und Zucchini. Zum Schluss Vanilleeis mit Erdbeer-Rhabarber-Soße. Dazu die Sicht, die Atmosphäre, diverse Weinsorten und Erdbeer-Secco.
Man könnte sagen: Wir ließen es uns gut gehen.
Okay, im Normalfall kosten diese Tour und das Essen nicht sehr wenig Geld, aber das Erlebnis ist es wert. Man kann das alles buchen, kann auch sagen, was man essen und trinken möchte, wann es losgehen soll und wie lange.
Eine Sache für ganz besondere Gelegenheiten.
Und manchmal gibt’s dann auch die Spezialeinlage: wenn plötzlich der Motor abstirbt – mitten auf dem Wasser. Irgendein Ventil war nicht geöffnet – oder so.

Morgen geht’s weiter nach Rügen und die Insel Vilm. Aber nach Usedom – joa, könnte sein, dass ich da mal wieder hinfahre.