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„Ich war fast weg gewesen“

Donnerstag, den 25. Februar 2021
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Ein 15-Jähriger aus Velten erzählt, wie er in die Drogensucht geriet – und von den Problemen danach

MAZ Oberhavel, 25.2.2021

Velten.
Es begann alles mit Frust. Viel Frust. Aber vor allem mit einem Verlust an Vertrauen. Gegenüber der Mutter, gegenüber allen. Jonas* war zwölf, als es losging. Als er mit Drogen in Kontakt kam.

Damals hatte er eine Freundin. Sie war vier Jahre älter als er. „Sie wollte, dass er mit zu ihr zieht“, sagt Michaela*, seine Mutter. „Ich habe gesagt: Das geht nicht, das funktioniert nicht.“ Er setzte sich durch. „Ich wollte, dass er nach Hause kommt.“ Jonas war dann eine Weile mit ihr zusammen, aber es kam dann zur Trennung. Der Schock: Das Mädchen war schwanger. Von Jonas, sagte das Mädchen. „Ich war mir sehr sicher, dass das nicht sein konnte“, sagt Jonas. Und er wusste auch von einem anderen Jungen. Geglaubt hat ihm das keiner. Auch nicht seine Mutter. Die war sich sicher, dass das Mädchen die Wahrheit sagte. „Wenn er der Vater ist, dann muss er zu seiner Verantwortung stehen“, sagte sie stattdessen. Erst als das Kind auf der Welt war und nachdem Michaela es schon als Enkelkind akzeptiert hatte, kam das Testergebnis. „An dem Punkt war dann leider klar, dass er nicht der Vater ist“, sagt Michaela. Sie überlegt kurz. „Jonas hat sich gefreut. Ich war hin- und hergerissen. Aber innerlich auch froh. Aber dann fing der Stress richtig an.“ Denn die Vertrauensbasis zwischen Mutter und Sohn war zerstört.

Jonas ist abgehauen. Immer wieder. Er begann, sich von Velten aus in der Gegend rumzutreiben. „Ich wollte einfach weg. Irgendwo hin“, sagt er. „Wo nicht Menschen oder Behörden auf mich einquatschen.“ Durch ältere Freunde kam er mit Drogen in Kontakt. „Ich habe alles probiert. Hauptsächlich Speed und Ecstasy.“ Speed hält lange wach, der Hunger vergeht einem. Am Hennigsdorfer Hafen habe er dann Leute kennengelernt, die ihm Crystal verkauft haben. „Ein paar Mal“ habe er das genommen. Durch das Zeug dauert der Rausch länger. Und er kam nicht mehr von den Drogen weg. Er hat dann begonnen, Speed günstig anzukaufen. Zehn Gramm für 30 bis 50 Euro. Er verkaufte es für 100 Euro weiter, „um mir meine Drogen kaufen zu können.“

Tatsächlich werde im Gesundheitsamt im Landkreis Oberhavel eine Zunahme des Konsums von Amphetaminen und Crystal Meth festgestellt. „In diesem Zusammenhang stellen wir insbesondere auch eine steigende Nachfrage von Eltern an unsere Kinder- und Jugendpsychiaterin im Gesundheitsamt fest“, sagt Kreis-Pressesprecherin Ivonne Pelz. „Die Entwicklung verfolgen wir sehr aufmerksam und sensibilisiert.“
„Die Jüngste, die ich kenne, war zwölf, als sie angefangen hat“, erzählt Jonas. „Viele chillen mit 16-Jährigen ab.“ Es gebe da bei vielen Probleme mit den Eltern, ähnlich wie bei ihm. Viele würden LSD nehmen, „um das Selbstbewusstsein zu erweitern. Dadurch wurde mir auch alles egal.“ Gras gebe es an jeder Ecke zu kaufen. Einmal hatte er gestrecktes Speed. „Ich war fast weg gewesen.“
Cathrin Pelz, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie, erklärt: „Der Konsumbeginn für die genannten Drogen liegt inzwischen nicht selten schon bei zwölf Jahren. Der Konsum hat insbesondere bei früh beginnender psychischer und körperlicher Abhängigkeit gravierende Folgen auf die seelische und körperliche Entwicklung der Kinder und Jugendlichen: Je früher der Beginn des Konsums, desto gravierender sind die Auswirkungen auf die Entwicklung des Gehirns, das in dieser Lebensphase besonders empfindlich ist.“

Für Jonas’ Mutter war klar: „Er war abhängig. Er brauchte Hilfe.“ Von einer Depressionsstation haute er nach einem Tag wieder ab. Es war schwer, an Jonas ranzukommen. Und auch schwer, Hilfe zu bekommen. Das Ziel war: „Er muss in eine Klinik, die ihm hilft.“ In Hamburg gab es eine. Acht Monate müsse er allerdings dort bleiben, hieß es. „Am Anfang wollte ich das nicht“, sagt Jonas. „Ich habe mich verarscht gefühlt.“ Er sah dort keine Perspektive. „Für mich war das aber Grundvoraussetzung, dass er dahin geht“, sagt Michaela. Ansonsten hätte sie nicht weiter gewusst. Sie hätte ihn ans Jugendamt übergeben müssen, sagt sie. „Damit er wieder zurecht kommt.“ Er bekam den Platz in Hamburg. Von September 2019 bis April 2020 war er in dieser Klinik. Weg von den Drogen.

„Ich kam zu einem blöden Zeitpunkt zurück“, sagt Jonas. Corona hatte die Welt im Griff. Michaela erzählt: „Wir haben Kontakt zur Schule aufgenommen. Da hieß es, wir unterstützen ihn.“ Er kam in die 8. Klasse. Doch da gibt es ein Problem, denn Jonas darf kein Internet benutzen. „Damit er keinen Kontakt zu seinen alten Freunden aufnehmen kann.“
Es gab Gespräche mit einem Einzelfallhelfer. „Da sollte es um seinen Förderstatus gehen. Den braucht er.“ Mit seinem Einzelfallhelfer ist Jonas immer wieder im Kontakt. Als Schule auch in Coronazeiten möglich war, gab es dennoch Sorgen. „Ich wollte nicht, dass jemand was von meiner Vergangenheit erfährt“, sagt Jonas. „Aber der Lehrer fragte dann vor der Klasse, warum ich kein Internet habe. Ich hatte einfach den Wunsch, dass wir das unter vier Augen klären.“ Mit dieser Bloßstellung kam er nicht klar. Vertrauensverlust.
Als dann wegen des Lockdowns die Schule wieder nur zu Hause weiter ging, war das ohne Internet schwierig. Nur Jonas’ Mutter hat Zugriff, wenn E-Mails kommen. Aber dann ging auch noch der Drucker kaputt, sagt Michaela. „Sie schicken immer Aufgaben und gehen davon aus, dass ich online einen neuen Drucker bestelle.“

Beatrix Scheeren, die Leiterin der Kremmener Goethe-Oberschule beurteilt die Lage anders. „Er wird unterstützt“, sagt sie. „Wenn er den Willen hätte. Aber er will sich nicht unterstützen lassen.“ Die Schulleiterin sagt, das Problem liege bei Jonas’ Mutter, sie spiele ein falsches Spiel, es werde nicht auf Angebote reagiert. Näher könne sie sich nicht äußern, erklärt sie.
Jeder habe seine eigene Wahrheit, sagt sein Einzelfallhelfer, der aber betont, allgemein zu sprechen, nicht über den speziellen Fall. Über spezielle Fälle könne er grundsätzlich nichts sagen. Allgemein könne er sagen, es sei immer wieder eine Herausforderung, die globale Wahrheit zu erfassen, es sei fast unmöglich. Es sei immer wichtig zu sehen, wie jeder Beteiligte etwas wahrnehme. Warum tut jemand was oder auch nicht? Das sei immer eine neue Herausforderung.

Jonas, inzwischen ist er 15, will tatsächlich nicht mehr. Er hat das Vertrauen verloren. Wieder mal. Aber wie soll es weiter gehen? Für ihn ist klar, dass er nach der 8. Klasse abgehen will. „Ich möchte mich um einen Ausbildungsplatz bewerben.“ Seine Mutter ergänzt: „Aber ich fände es besser, wenn er ein Berufsorientierungsjahr macht.“ Er kümmere sich, sagt er. Vielleicht was bei der Bundeswehr. Vielleicht Küchenhilfe. „Mein Traum wäre es, Notfallsanitäter zu werden“, sagt er. „Oder was mit Elektronik.“ Wie er das ohne Schulabschluss schaffen kann, ist unklar.

Ist Jonas clean? Endgültig? Er überlegt. Ein Rückfall sei möglich, sagt er. Der Frust ist groß, und auch weil das Vertrauensverhältnis zur Mutter gestört ist. Hört man den beiden zu, dann stehen oft gegenseitige Vorwürfe im Raum. Bekommt Jonas Geld zum Einkaufen, muss er den Kassenzettel mitbringen.
„Ich als Mutter kann sagen, dass ich alleine gekämpft habe“, sagt Michaela. „Selbst den Einzelfallhelfer zu finden, war schwierig. Aber er bemüht sich.“ Das sieht Jonas ähnlich. Es gebe kaum Einrichtungen für Minderjährige, sagt er. Oder Ansprechpartner. Er überlegt, später eine Selbsthilfegruppe zu gründen.

Beim Landkreis will man an den Maßnahmen zur Drogenprävention schrauben. Angestrebt werde „noch 2021 die Einrichtung einer Fachstelle für Konsumkompetenz “, teilt Kreis-Pressesprecherin Ivonne Pelz mit. Die Fachstelle solle in erster Linie der Sensibilisierung sowie der Fort- und Weiterbildung von Fachkräften in der Kinder- und Jugendhilfe, in Schule und Elternschaft dienen.
Hilfe für Betroffene und Angehörige gebe es für Jugendliche insbesondere bei der Drogenberatungsstelle des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Möglich sei das in Gransee, Hennigsdorf und Oranienburg.

*Die Namen von Mutter und Sohn wurden geändert.

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Abgeschlagen, Kopfschmerz – am nächsten Tag ist alles gut

Mittwoch, den 20. Januar 2021
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Merlin Struck (21) aus Bötzow ist Notfallsanitäter und konnte sich bereits einmal gegen Corona impfen lassen – er berichtet über den Piks und den Tag danach

MAZ Oberhavel, 20.1.2021

Bötzow.
Momentan gehört er noch zu einem relativ kleinen Kreis von Menschen. Merlin Struck aus Bötzow konnte sich bereits einmal gegen das Coronavirus impfen lassen. Der 21-Jährige arbeitet in Oberhavel als Notfallsanitäter. Mit diesem Beruf gehört er zur ersten Gruppe derer, die geimpft werden, wenn sie das wollen.

Seine Impfung fand im Hennigsdorfer Krankenhaus statt, wie er erzählt. Zuvor habe es für ihn und seine Kollegen eine Art Gruppenveranstaltung gegeben, wo die Impfung erklärt worden ist. Am Ende konnten auch Fragen gestellt werden. „Im Anschluss der Veranstaltung gab es für mich zwei Tage später die Impfung, das wurde alles zentral gesteuert. Das fand alles ganz geordnet statt, finde ich.“
Der Impfvorgang selbst sei nach zehn Minuten erledigt gewesen, plus weitere 15 Minuten Aufenthalt zum Abwarten. „Erstaunlicherweise war das die erste Impfung, die ich gar nicht gespürt habe“, so Merlin Struck weiter. Weder den Einstich, noch die Injizierung habe er gespürt. Danach sei es ihm relativ gut gegangen. Der Arm sei nach der morgendlichen Impfung den Tag über unauffällig geblieben, bis auf einen kleinen blauen Fleck.
Ganz ohne kleine Nebenwirkungen ging die Impfung dann aber doch nicht ab. „Was ich ein bisschen unangenehm fand war die Tatsache, dass ich über den Tag hinweg ziemlich schlapp war, Kopfschmerzen hatte und mich so fühlte, als brütet man gerade was aus. Das war unangenehm. Er ging dann ins Bett. „Nach einer relativ langen und erholsamen Nacht ging es mir am Morgen wieder normal.“

Es sei nicht ungewöhnlich, dass junge Menschen eine etwas stärkere Reaktion haben. „Die hatte ich, und dann ist das so.“ Wenn er es sich aussuchen könnte, hätte er am Tag selbst nicht arbeiten wollen, das halte er durchaus für sinnvoll. „Andere Kollegen haben allerdings fast gar nichts gespürt.“ Er habe dagegen einen Tag durchgehangen. „Ich denke, dass die meisten Leute das relativ entspannt wegstecken.“ Es sei aber auf die Nebenwirkungen deutlich hingewiesen worden. Allerdings ei ihm nicht bewusst gewesen, dass die Abgeschlagenheit und Kopfschmerzen bei vielen Leuten deutlich stärker ausgeprägt seien. Aber man sei darüber informiert, deshalb sei das letztlich kein Problem gewesen. Seine zweite Impfung soll demnächst stattfinden, er bekomme dann eine Information darüber. Sie soll auf jeden Fall innerhalb des dreiwöchigem Rahmens stattfinden.

Ein Streitthema ist, ob Geimpfte wieder mehr Rechte bekommen. „Wichtig ist, dass sich Leute impfen lassen, die mit vulnerablen Gruppen zu tun haben und selbst dazu gehören.“ Er befürchtet, dass es die Gesellschaft spalten könnte, wenn nur Geimpfte mehr Rechte bekämen. „Das ist schwierig, so lange nicht jeder die Möglichkeit hat, sich impfen zu lassen“.

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KeineWochenShow

#210 – Live aus dem Krisenzentrum

Sonntag, den 10. Januar 2021
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Das fünfte KeineWochenShow-Jahr ist angebrochen. Und man kann nicht gerade behaupten, dass es seit Silvester sehr ruhig gewesen ist.
Deshalb ist viel zu besprechen: Silvester und das ZDF-Programm vom Brandenburger Tor. Natürlich Trump und die Ausschreitungen am und im Capitol in Washington. Michael Wendler und das KZ, das natürlich nicht Konzentrationslagerlager, sondern Krisenzentrum heißt. Und alles zum Coronavirus und zum Impfen. Und wir sprechen über Fußballer aus Bergfelde, die sich um Jerome Boateng bemühen.

Im Interview ist diesmal DJ Cryme., der etwas darüber erzählt, wie es momentan um die Clubszene in Berlin während der Coronakrise bestellt ist. Der Hennigsdorfer, der in Berlin lebt, berichtet aber auch über sein DJ-Hobby.

Auch im neuen Jahr gibt es ein Bier, Promi-Geburtstage und einiges mehr! In KeineWochenShow #210 auf Youtube!

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Überflieger: Ein Entertainer an den Reglern

Samstag, den 19. Dezember 2020
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Lucas Kreimeier (23) aus Hennigsdorf spielt als “DJ Cryme.” vor allem Techno

MAZ Oberhavel, 19.12.2020

Hennigsdorf.
Seinen größten Auftritt hatte er bislang bei einem Outdoor-Event des Berliner Magdalena-Clubs. Bis zu 2000 Leute haben ihm gelauscht. „Davor ist man immer aufgeregt“, sagt Lucas Kreimeier.“Es kann ja alles mögliche passieren.“ Der 23-Jährige aus Hennigsdorf ist DJ. Unter dem Namen CryMe hatte er auch in diesem Sommer einige Auftritte.

Musik hat in seinem Leben immer eine Rolle gespielt. „Ich höre nicht nur Techno und Electro, sondern auch Jazz, HipHop, Indie, 80er oder 90er-Hits“, sagt er. Mit 16 Jahren entdeckte er den Minimal-Techno für sich. Auch Abende in der Marwitzer Beat-Fabrik haben ihn geprägt. Techno, Goa-Musik. Aber schnell kam er dann auch in die Berliner Szene. „Im Tresor war ich mit 19 das erste Mal. Ich wollte dann auch andere Clubs sehen.“

Aber die Liebe zur elektronischen Musik macht einen nicht automatisch zum DJ. „Ich war dann mal bei einem Kumpel im Wedding, er hatte einen Player und Mixer.“ Das hat Lucas, der von den meisten Leuten Kreimi genannt wird, gleich interessiert. „Ich habe mich da rangestellt, und ich wusste auch gleich, was ich da tue.“ Er holte sich dann später selbst einen Mixer, gab dafür 400 Euro aus. „Ich war Azubi, habe ganz gut verdient.“ Er nahm erste Mixe auf, mit einem erreichte er schnell 7000 Aufrufe. Seine technische Ausstattung wuchs nach und nach.
Der im Internet hochgeladene Mix sorgte für Aufmerksamkeit: „Ein Freund, den ich aus Hennigsdorf kenne, meinte, ob ich in ihr Label als Newcomer will.“ Er nahm dann für das Concrete-Label Mixe auf. In einem Park machten sie spontan Musik, nicht ganz legal. „No Risk, no Fun“, sagt Lucas und lächelt. Auch auf einer größeren Party trat er auf. Das machte ihn noch bekannter. „Ich hatte Blut geleckt.“ Und er konnte weitere Kontakte knüpfen. Er war DJ beim H 13-Festival in Berlin-Haselhorst, außerdem der Auftritt beim „Magdalena“. Dann kamen der Herbst und die zweite Corona-Welle. Große Auftritte sind derzeit nicht möglich.

Untätig ist er dennoch nicht. So ziemlich jeden Tag geht er, wenn er spontan Lust hat, auf Instagram live. Auf seinem Kanal „crymedj“ kann ihn jeder, der ihn da abonniert hat, zusehen und zuhören. Wichtig ist ihm: „Ich stelle mich da nicht nur hin, versuche auch, zu entertainen. Es soll einen Wiedererkennungswert haben.“ Er bewegt sich gern vor der Kamera, in den Insta-Storys geht es tatsächlich oft auch lustig zu. Als die Frage im Raum stand, wie er sich als DJ nennen soll, war da zunächst „DJ Motorradhelm“ – weil er bei einem ersten Auftritt einen Helm aufhatte. „Aber so konnte ich mich ja nicht nennen.“ So kam er auf seinen Spitznamen – und aus dem Namen Kreimeier und Kreimi wurde „Cryme.“. Auch Justin Timberlakes Song „Cry me a River“ habe wohl eine Rolle gespielt.

Geboren ist Lucas Kreimeier in Berlin, als er zwei Jahre alt war, ging es nach Nieder Neuendorf, später nach Hennigsdorf. „Da habe ich meine ganze Jugend verbracht.“ Lange hat er beim FC 98 in Hennigsdorf Fußball gespielt. „Dem Verein war ich immer treu.“ Und auch wenn er den Sport immer noch im Herzen habe, das zeitliche Korsett sei für ihn schwierig gewesen. Er machte am Eduard-Maurer-OSZ ein Fachabitur in Mediengestaltung und Design und später eine Ausbildung als Zerspan-Mechaniker. Die hat er auch abgeschlossen, aber die Arbeit war nicht so richtig seins gewesen. Er könnte sich für sein Leben nun einiges vorstellen: DJ, Model, Designer. „Ich interessiere mich sehr für Mode und Design“, sagt er. Am OSZ war er in einem Filmprojekt. Momentan steht er in seinem Leben offenbar an einem Wendepunkt – Ausgang noch offen. Auch weil Corona das DJ-Dasein sehr unsicher macht. Keiner weiß, wie es mit den Clubs nach der Coronakrise weitergeht.

Er lasse jetzt alles auf sich zukommen. „Ich erhoffe mir nichts, aber es wäre natürlich super.“ Andererseits sagt er auch: „Ich mache das noch ein bis zwei Jahre. Mit 30 oder 35 will ich nicht noch im Club abhängen.“ Momentan produziert er keine Songs, sondern mixt vorhandene, für die er sich die Rechte kauft. Wer es hören will, wird auf Instagram, Facebook oder Soundcloud fündig. Was ihn freut: Bei seinem Auftritt am „Magdalena“ standen auch seine Mutter und seine Schwester auf der Gästeliste: „Die haben mich ja immer nur zu Hause spielen sehen. Die unterstützen mich total, und die feiern das. Das freut mich total.“

Video-Interview in KeineWochenShow auf Youtube
Sounds von Cryme.: soundcloud.com/crymedj; facebook.com/cryme.concrete; Instagram: crymedj.

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KeineWochenShow

#194 – O’zapft is nicht!

Sonntag, den 20. September 2020
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Das Oktoberfest fällt aus – zumindest das in München. Das gibt es aber eine gleichnamige Serie, und wir erörtern, wie wir sie finden.
Ansonsten müssen wir uns in dieser Woche aber mit der Polizei beschäftigen. Mit dem braunen Sumpf in NRW, aber auch in Oranienburg gibt es damit offenbar Probleme. Und Polizeigewalt spielt auch eine Rolle, in Treuenbrietzen würgte ein Polizist einen Journalisten – und log dann dreist.

Außerdem geht es um Reichsbürger, um den Zoff um “Schroeder & Somuncu”, um das grandiose US-Open-Finale und um einen Hennigsdorfer, dessen Name auf einer Terrorliste steht.
Das und mehr in KeineWochenShow #194 auf Youtube.

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Überflieger: Randberliner Musiker und ihre neue Sachlichkeit

Samstag, den 20. Juni 2020
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Florian Nikolai (31) aus Hennigsdorf bringt mit seiner Band Songs „Über das Coolsein“ heraus – Videoclip entsteht bei Nieder Neuendorf

MAZ Oberhavel, 20.6.2020

Hennigsdorf.
Auf einem Feld irgendwo bei Nieder Neuendorf stehen sie und machen Musik. Schlagzeug, Gitarre, Bass und ein Sänger. „Dann steh ich wieder da, wo ich schon einmal stand, mit Hose offen im Havelland“, singt Florian Nikolai. Der Song „Havelland“ ist seit dem 28. Mai auf Youtube zu sehen und auf diversen Plattformen wie Spotify vertreten.

Seit 2017 gibt es seine Band „Die neue Sachlichkeit“. „Wir haben lange über den Bandnamen philosophiert“, sagt der 31-Jährige, der aus Hennigsdorf stammt. Es sollte nicht irgendein Spaßname sein. „Wir haben uns irgendwie mit Architektur beschäftigt, und da sind wir über die neue Sachlichkeit gestolpert.“ Sie seien nicht die großen Soundkreateure, sagt er. „Der Name passt zur Musik.“ Die Musiker kennen sich aber schon länger. „Das ist ein großer Freundeskreis, der sich kannte und Bock hatte, Musik zu machen. Wir haben dann entschieden, mal einen Proberaum zu mieten und haben dann Mucke gemacht und uns später gefragt, warum wir erst jetzt auf die Idee kommen, eine Band zu gründen.“

Wobei Florian Nikolai schon immer viel mit Musik zu tun hatte. Die Band „Die anderen Kinder“ war in der Region bekannt, später machte er solo Musik unter den Namen Dimitri Kalaschnikow. 2008 hat er am Hennigsdorfer Puschkin-Gymnasium sein Abi gemacht. Inzwischen arbeitet er in einer Werkstatt mit Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen als Mediengestalter. Er lebt in Berlin-Wedding.

In seiner aktuellen Band sind sie zu viert. „Wir machen deutschsprachigen Indierock.“ Bassist Sebastian „Schere“ Schade ergänzt: „Wir machen deutschsprachige Musik nicht, weil wir uns bewusst dazu entschieden haben, sondern weil es für uns am natürlichsten ist.“ Es sei die Sprache, „mit der wir am besten handwerklich arbeiten können“, so Florian Nikolai weiter. „Ich fühle mich da wohler.“
„Über das Coolsein“, heißt die EP, dessen Songs nun nach und nach veröffentlicht werden. Dabei gehe es nicht darum, wie cool die Musiker selbst seien. „Es gibt kein Dogma, wie man cool ist“, so der Hennigsdorfer. Es gehe eher um eine innere Haltung, um Bewertungen von außen. „Was wir cool finden, finden andere vielleicht gar nicht cool.“ Nicht nur im Song „Havelland“, sondern in den meisten Songs, die sie jetzt veröffentlichen: „Sie beschreiben die Wurzeln, wo wir herkommen. Wir sind alle Randberliner.“ Im Freundes- und Bekanntenkreis machen sie in Berlin oft die Erfahrung, dass viele gar nicht wissen würden, was im „C-Bereich“, also vor den Grenzen Berlins, noch alles komme, sagt Sebastian Schade.
Im Lied „Flaschen und Papier“, am Donnerstag auf Youtube und den anderen Musikplattformen veröffentlicht, geht es um Stillstand und Aufbruch. „Aber wir wollen auch den Interpretationsspielraum den Hörern überlassen“, stellt Florian Nikolai klar.

Es sei in der heutigen Zeit schwierig, mit Musik Geld zu verdienen. „Es ist eher eine Sache der Überzeugung.“ Aber sie sind überzeugt, „dass wir auch einen Kulturbeitrag leisten. Aber wir sind realistisch, dass wir damit nicht unseren Lebensunterhalt verdienen werden.“ Gerade jetzt in der Corona-Krise seien die Probleme in der Musik- und Clubszene sehr groß.
Eigentlich sollte es auch ein Release-Konzert zum Erscheinen der neuen Songs geben. Wegen Corona findet es nicht statt, könnte aber irgendwann noch nachgeholt werden. Den bisher größten Auftritt hatten sie beim „Jenseits von Millionen“-Festival in der Lausitz vor etwa 600 Leuten. Ihre Proben absolvieren sie in einem Kellerraum der Anna-Lindh-Grundschule in Berlin-Wedding. Und zum Coolsein gehört für sie auch, dass sie ihre Songs nicht nur digital veröffentlichen, sondern auch auf Schallplatten pressen lassen wollen.

-> www.facebook.com/dieneuesachlichkeit

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KeineWochenShow

#169 – Irgendwie, irgendwo, irgendwann

Sonntag, den 29. März 2020
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Woche 2 in der Coronakrise liegt schon schon hinter uns, und noch dürfen wir zu zweit unsere Sendung fabrizieren. Und natürlich ist es das beherrschende Thema.

Wir haben diesmal einen Gast – oder besser: Ich habe mit Susi ein Videointerview geführt. Sie erzählt, wie ein Coronatest in Berlin gemacht wird – und wie lange man da so warten muss.
Wir sprechen über die Lage in den Krankenhäusern und bei den Tafeln. Es geht um Coronasongs und Coronashows. Um einen Friseur in Hennigsdorf, der einfach weitermachte. Um den Landkreis Ostprignitz-Ruppin, der dicht machte. Wir erinnern uns an damals und zeigen, wie es in Oranienburg aussieht.

Und über das Ende der Lindenstraße sprechen wir am Ende auch noch.
Leider hat der Schnittmeister ganz am Ende den letzten Einspieler vergessen, falls das jemandem auffällt. Holen wir nächste Woche nach!

KeineWochenShow #169 gibt es auf Youtube.

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