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1993: Hennigsdorfer boykottieren Unterricht

Freitag, den 30. August 2013
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Juli 1993 -> 27.7.2013

Vor 20 Jahren: Beliebte Lehrerin soll Diesterwegschule verlassen / Weiße Stadt an Kesting verkauft / Polizeieinsatz in Stolpe

MAZ Oranienburg, 30.8.2013

Was passierte vor 20 Jahren im damaligen Kreis Oranienburg? Diesmal der Juli und August 1993.

OBERHAVEL
In der Gemeinde Schwante herrscht Klarheit: Das Schloss soll nicht verkauft, sondern nur verpachtet werden. Konsul Ronald Bauermeister ist enttäuscht, er wollte das Grundstück kaufen, das Schloss sanieren und es zur „kulinarischen Residenz“ ausbauen. Ob der Honorarkonsul seine Pläne trotzdem umsetzt, lässt er noch offen.

In Hennigsdorf entsteht am 22. Juli 1993 ein Menschenauflauf. Eine nackte Frau ist auf der Straße unterwegs. Die Polizei kommt vorsorglich mit einer Decke vorbei. Die Frau kann sich aus naheliegenden Gründen nicht ausweisen. Es handelt sich um eine 35-Jährige in psychischer Behandlung.

Ein Unfall auf der Rollbahn des russischen Militärflugplatzes in Oranienburg fordert acht Schwerverletzte. Militärangehörige nutzten die Betonpiste für Testfahrten mit neuerworbenen Autos. Dabei stießen zwei vollbesetzte Wagen frontal zusammen und wurden dabei total zerstört.

Die Oranienburger Stadtverordneten protestieren gegen den Verkauf der Weißen Stadt. Die Firma Kesting habe das gesamte Gelände gekauft, so heißt es. Die Vertreter von CDU und FDP kritisieren, dass die Weiße Stadt mit 31.450 Quadratmetern für nur eine Mark verschleudert worden sei. Firmenchef Klaus Kesting merkt jedoch an, dass dazu Sozialbindung, Abrisskosten und Altlastensanierung gehören, die er bezahlen müsse.
Unterdessen verhandeln die Liebenwalder mit Klaus Kesting über einen Verkauf des ehemaligen Krankenhausgeländes. Die Stadt verspricht sich davon Geld für einen Schulerweiterungsbau.

Landrat Karl-Heinz Schröter will offenbar auf eine Kandidatur als Landrat für den künftigen Kreis Oberhavel verzichten. Die Doppelfunktion als Landrat und Bundestagabgeordneter sei kräftemäßig nur für eine Wahlperiode zu schaffen. Auch gibt er zu, gern mal in den Regierungsbänken sitzen zu wollen. Allerdings lässt sich Schröter am 3. August 1993 noch ein Landratshintertürchen offen. „Bislang“ wolle er verzichten.

Einen Tag später hat Christa Balke, die Bürgermeisterin von Hammer, Tränen in den Augen. Helfer räumen die Grundschule aus. Aus Mangel an Kindern ist sie geschlossen worden, die Verbliebenen müssen nach Liebenwalde oder Neuholland.

An der neuen Bötzower Turnhalle ist am 6. August 1993 Richtfest. Zurzeit haben die Kinder keine Möglichkeit, Sport zu treiben.

Ist das geplante Atrium-Einkaufszentrum gegenüber des Oranienburger Schlosses nur ein Windei? Die Mitglieder des städtischen Bauausschusses sind „arg befremdet“, dass immer noch kein Bauantrag dafür vorliegt.

Aus dem Wutzsee in Hammer wird ein Netz mit toten, vor sich hinfaulenden Fischen geholt. Zuvor hatte sich im Wasser bereits ein Fettfilm gebildet. Die Beseitigung durch einen Prendener Fischer zog sich eine gute Woche hin.

Mit einem Warnstreik boykottieren 256 Schüler der Hennigsdorfer Diesterwegschule am 11. August 1993 den Unterricht. Grund: Das Schulamt will eine beliebte Lehrerin an die Kremmener Gesamtschule versetzen. Erst wenige Tage zuvor hatte die Lehrerin erfahren, dass sie nach Kremmen wechseln muss.

Auf dem Dorffest in Stolpe kommt es zu einem massiven Polizeieinsatz. Aus einem Zoff am Bierzelt wird eine ganz große Sache. Etwa 20 Beamte in Vollausrüstung umstellen den Platz, die Gäste werden aufgefordert, das Areal zu räumen. Die Stolper sehen das als unverhältnismäßig an und weigern sich, worauf die Polizei das Gelände gewaltsam räumen lässt. Im Nachhinein gibt es heftige Kritik an den Einsatzkräften, die nicht das Gespräch mit den Menschen gesucht, stattdessen provoziert haben sollen.

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1993: Hennigsdorfer Metaller streiken, Oranienburger hoffnungslos

Samstag, den 11. Mai 2013
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März/April 1993 -> 9.4.2013

Vor 20 Jahren: Riva-Belegschaft will mehr Lohn / Krupp verkündet Aus für Werk in der Kreisstadt / Bomben in Lehnitz und Eichstädt

MAZ Oranienburg, 11.5.2013

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Was passierte vor 20 Jahren im damaligen Kreis Oranienburg? Diesmal der April und Mai 1993.

Der Unternehmer Horst Eichholz erwarb am Germendorfer Ortsausgang ein 60 Hektar großes Areal. In den kommenden 30 Jahren, also bis 2023, will er Bausande gewinnen. Das Gelände rund um den Kiessee will er zum Naherholungsgebiet ausbauen.

Harald Juhnke dreht mal wieder im Hennigsdorfer Media-Park-Studio. Im April 1993 entstehen Szenen für den Film „Ein Kerl wie Samt und Seide“.

Fast 4000 Fans erleben das Osterspektakel auf der Speedwaybahn in Wolfslake. Bei den Solomaschinen gewinnt Christian Görs aus dem heimischen Team.

Otto Arndt ist neuer Bürgermeister von Freienhagen. Bislang war er nur Stellvertreter.

Das Rathaus von Kremmen ist viel maroder als angenommen. Amtsdirektor Klaus-Jürgen Sasse schätzt im April 1993, dass die Sanierung etwa zwei Millionen Mark kosten würde, das kann sich das Amt momentan nicht leisten. Deshalb könne erst mal nur der Seitenflügel bearbeitet werden.

Die Beschäftigten von Krupp-Stahl Oranienburg beginnen am 16. April 1993 eine Mahnwache vor dem Werkstor. Das Werk soll geschlossen werden, doch eine Entscheidung darüber wird immer wieder aufgeschoben. Erst im Mai ist klar: Am 30. Juni 1993 ist Schluss. Die Kaltwalzwerker wollen bis dahin nicht mehr streiken, sondern sehen, was für sie und ihre Familien noch möglich ist.

Ein neu erschienener Gästeführer für Oranienburg sorgt für Aufsehen. Erstellt worden ist die Broschüre von einer Agentur in Worms – und sie ist voller schlimmer Fehler. Im geschichtlichen Teil ist von „Luise-Henriette von Nassau-Oranienburg“ die Rede. Dazu gibt es eine Straßenkarte aus der Nazizeit. Darauf befindet sich das Heimatmuseum in der Horst-Wessel-Straße, der Adolf-Hitler-Damm ist mit Tipp-Ex nur leicht unleserlich gemacht worden. Die Stadtverwaltung lehnt es ab, dafür die Verantwortung zu übernehmen, das Heft wird nicht mehr ausgeliefert.

Am Veltener Autobahnsee (Bernsteinsee) soll eigentlich bald die Badesaison beginnen, doch am 22. April 1993 ist alles verbarrikadiert. Am Strand liegen riesige Rohre. Die Stadt Velten will die Anlage verkaufen, doch die Verträge sind noch nicht fertig.

In Hammer schrillen die Alarmglocken. Die Schule soll geschlossen werden und die neuen ABC-Schützen auf Liebenwalde und Neuholland aufgeteilt werden – der Hort jedoch würde in Hammer bleiben. Der Gemeinderat beschließt am 29. April 1993, die Schule offen zu lassen und stellt sich damit gegen das Amt Liebenwalde.

Unter der Regie der Orion-Agrar-GmbH entsteht im Kremmener Ortsteil Orion eine Erschließungsstraße für das neue Gewerbegebiet. Komplizierte Grundstücksangelegenheiten haben das Projekt verzögert, wie Geschäftsführer Christoph Brunner erklärt.

Es gibt Gedankenspiele der Flughafenplaner, den neuen Großflughafen für Berlin-Brandenburg zwischen Tietzow (Kreis Nauen) und Flatow zu bauen. Dagegen spricht nicht nur der Kranichrastplatz, auch die Landesregierung lehnt einen nördlichen Standort für den Flughafen ab.

Die Belegschaft des Hennigsdorfer Riva-Stahlwerkes beginnt am 3. Mai 1993 einen Streik. Die Belegschaft kämpft um höhere Tarife.

Im Oranienburger Lehnitzsee muss am 5. Mai eine amerikanische Fünf-Zentner-Bombe gesprengt werden. Die Wasserfontäne bei der Explosion ist gewaltig. Im Eichstädter Dorfteich kommt bei Baggerarbeiten am 13. Mai 1993 eine Bombe ans Licht, die jedoch nur noch eine leere Hülse ist. In Lehnitz aber steht der nächste Kracher bevor: Im Bachstelzenweg liegt eine 500-Kilo-Bombe. Die Entschärfung könnte schwierig werden.

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1992: In Bärenklau gehen 150 Asylbewerber auf die Barrikaden

Mittwoch, den 4. Juli 2012
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Juni 1992 II -> 26.6.2012

Vor 20 Jahren: Demonstration gegen Vollverpflegung / Feuerwehr wendet Waldbrandkatastrophe bei Summt ab / Einbrüche in Liebenthal

MAZ Oranienburg, 4.7.2012

Was passierte vor 20 Jahren im Altkreis Oranienburg? Diesmal: die erste Hälfte im Juli 1992.

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Die Feuerwehr kann die große Katastrophe abwenden. Im Dreieck Birkenwerder – Summt – Zühlsdorf brennt Anfang Juli 1992 tagelang auf einer Fläche von 250 Hektar der Wald. Zeitweise war die Ortschaft Summt bedroht. Es gab bereits erste Evakuierungspläne. Zeitweise sind in der Region mehr als 350 Feuerwehrleute und 300 Bundeswehrsoldaten im Einsatz. Eine gute Woche lang dauert die Brandbekämpfung.

Bei der Feuerwehr in Hammer herrscht unterdessen Krisenstimmung. Es gibt zu wenig Leute, die Einsatzbereitschaft kann nicht mehr gewährleistet werden, sagt Bürgermeisterin Christa Balke. Die Wehr meldet sich vorerst ab.

In der im Bau befindlichen Gülleaufbereitungsanlage bei Kremmen will die Fastfoodkette McDonald’s Speiseabfälle kompostieren. Im September 1992 soll es losgehen.

Brummifahrer können die Parkfläche gegenüber der Raststätte „Havelbrücke“ in Havelhausen nicht mehr nutzen. Am 6. Juli 1992 sorgt ein Trupp dafür, dass das große Gelände eingezäunt wird. Auftraggeber ist die Esso-AG in Berlin. Doch ein geplanter Tankstellenbau kommt nicht zustande, weil der Oder-Havel-Kanal zu dicht ist.

In Bärenklau gehen am 8. Juli 1992 die 150 Asylbewerber in der ehemaligen Tourismusschule auf die Barrikaden. Der Eklat dreht sich um die Essen-Vollverpflegung, die keiner von ihnen in Anspruch nehmen will. Die Bewohner möchten selbst kochen – und demonstrieren dafür. Ein großes Polizeiaufgebot kommt nach Bärenklau. Eine Sozialamtsmitarbeiterin wird mit einer Fahrradkette angegriffen. Am 10. Juli müssen 39 Schwarzafrikaner das Heim verlassen.

Am 9. Juli 1992 geht folgender Anruf im Kremmener Rathaus ein: „Passen Sie gut auf. In einer Stunde fliegt das Rathaus in die Luft.“ Die Polizei kommt, aber eine Stunde nach dem Anruf steht das Rathaus immer noch.

Unbekannte verwüsten am 14. Juli 1992 das Liebenthaler Gemeindezentrum. Ein Aktenschrank ist aufgebrochen, Akten liegen durcheinander auf dem Boden, auch auf dem Schreibtisch von Bürgermeisterin Ingeborg Kirchmann herrscht Chaos. Einige Tage davor ist schon in den Konsum eingebrochen worden.

Unklar ist übrigens auch noch, ob sich Liebenthal der Stadt Liebenwalde anschließen will. In den Planungen von Groß Schönebeck kommt Liebenthal jedoch nicht mehr vor, die Einwohner selbst sprechen sich dafür aus, im künftigen Kreis Oberhavel bleiben zu wollen.

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1992: Käfer und Kampfhubschrauber

Dienstag, den 19. Juni 2012
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Mai 1992 II -> 30.5.2012

Vor 20 Jahren: Autoschau auf Soldatenflugplatz / Monika Mittelstädt wird Hohen Neuendorfs Stadtchefin

MAZ Oranienburg, 19.6.2012

Was passierte vor 20 Jahren im Altkreis Oranienburg? Diesmal: die erste Hälfte im Juni 1992.

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Die Bewohner der Oranienburger Neustadt sind genervt. Eigentlich sollte das neue Nahversorgungszentrum in der Straße des Friedens (Bernauer Straße) im April 1992 fertig sein, doch die Bauarbeiten laufen immer noch. In der Prenzlauer, Pasewalker und der Freienwalder Straße regieren Dreck und Staub.

Auf dem künftigen Atrium-Gelände zwischen Breite Straße und Leninallee (Berliner Straße) in Oranienburg tut sich dagegen gar nichts mehr. Der geplante Bau des Einkaufszentrums ruht. Baudezernent Horst Ganschow sagt, dass es auf eines der dort noch stehenden Häuser Ansprüche gibt. So lange die nicht geklärt seien, könne nicht abgerissen werden.

Kremmener Bürger verhindern am 2. Juni einen Raubüberfall auf die Sparkasse. Tagelang fiel den Leuten ein Golf aus Berlin auf. Zivilfahnder der Kripo bebeobachten die Sache und greifen schließlich zu. Im Auto liegen Stoffmasken und Gaspistolen.

Monika Mittelstädt wird am 4. Juni 1992 offiziell zur neuen Rathauschefin in Hohen Neuendorf gewählt. Erstes großes Projekt: der Zusammenschluss mit den Verwaltungen von Borgsdorf und Bergfelde.

In Hammer hält sich hartnäckig das Gerücht, dass die Schule geschlossen werden soll. Die Eltern wehren sich dagegen, dass sie ihre Kleinen zukünftig nach Liebenwalde schicken müssen.

Der Oranienburger Käferclub veranstaltet auf dem Flugplatz des ehemaligen GUS-Regiments eine Schau. Das nutzte die Gelegenheit gleich noch für einen „Tag der offenen Tür“. So vereinten sich VW Käfer und Kampfhubschrauber.

Die Region bekommt ihr erstes chinesisches Lokal. To-Wan Lam will im Juli sein Restaurant „Bo-sen“ in Sachsenhausen eröffnen. Ein Jahr lang haben die Handwerker an dem Gebäude gebaut und renoviert.

Das kann ja mal passieren: Eigentlich soll am 15. Juni 1992 die Kremmener Straße in Oranienburg gesperrt werden. In dem Gebiet wird eine Bombe vermutet. Der Kindergarten ist evakuiert, die Anwohner auch. Nur irgend jemand hat vergessen, die Sperrung der B 273 zu veranlassen. Die Bombenfreilegung muss verschoben werden.

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1991: Streit um Ortsumfahrung

Freitag, den 25. Februar 2011
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Januar 1991 II -> 1.2.2011

Rückblick: Im Februar 1991 erstmals Variante außerhalb Oranienburgs

MAZ Oranienburg, 25.2.2011

Was passierte vor 20 Jahren im Altkreis Oranienburg – und was stand in der MAZ? Diesmal: die erste Hälfte im Februar 1991.

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Der Februar 1991 beginnt in Nassenheide mit schlechten Nachrichten. Das Trinkwasser hat eine zu hohe Nitratbelastung. Schuld ist die intensive Düngung mit Gülle und Jauche. Probleme gibt es aber auch in Neu-Vehlefanz, Liebenthal, Freienhagen, Wensickendorf, Schmachtenhagen, Bötzow und Hammer.

Viele Kaufhallen im Kreis Oranienburg bekommen ein neues Etikett. Die Häuser der ehemaligen DDR-Handelsorganisation (HO) gehören nun zu Spar. Hinzu kommen weitere 26 Verkaufsstellen im Landkreis. Der Vorwurf, dass ein großes Monopol entsteht, wird laut.

Die Polizei feiert am 1. Februar 1991 einen Erfolg. Beamte nehmen fünf Jugendliche aus Hennigsdorf und Velten fest. Sie sollen 24 Straftaten in zehn Tagen verübt haben. Dazu gehören vier Raubüberfälle, 17 Bungaloweinbrüche, eine Autobeschädigung und zwei weitere Einbrüche. Schockierend ist die besondere Brutalität, mit der die kurzgeschorenen Männer vorgegangen sind. So schlugen sie auch einen 15-Jährigen im Zug zusammen.

Doch es geht auch anders: In Oranienburg renovieren Jugendliche den ehemaligen Jugendklub 3 am „Gesellschaftshaus“ in der Straße des Friedens (Bernauer Straße). Das Christliche Jugendzentrum Oranienburg (CJO) plant, dort einzuziehen. Der Leiter des Vereins in Gründung, Herbert Weimer, will das Haus dreimal pro Woche öffnen.

Schließen muss dagegen der Jugendklub „Freundschaft“ in der Augustin-Sandtner-Straße. Der Kreis und die Stadt Oranienburg konnten ihn nicht mehr finanzieren.

In der Kreisstadt ist mal wieder die Diskussion um eine Ortsumgehung für die B 96 entbrannt. Bislang gilt eine Streckenführung von der Leninallee (Berliner Straße) über die Saarlandstraße und André-Pican-Straße als sicher. Nun wird eine außerörtliche Umgehung ins Auge gefasst. Sie beginnt an der Autobahn bei Hohenschöpping, führt zwischen Leegebruch und Oranienburg entlang, östlich von Germendorf zum Ortseingang von Sachsenhausen. Doch Oranienburgs Abgeordnete sind skeptisch.

Die Situation am Arbeitsmarkt verschärft sich im Winter 1991. Im Arbeitsamtsbezirk Neuruppin hat der Kreis Oranienburg die meisten Erwerbslosen. Jeder Zehnte hat keinen Job.

In der Region gibt es unterdessen Streit um eine Kreisgebietsreform. Oranienburgs Landrat Karl-Heinz Schröter plädiert für eine wohlüberlegte Form zum Ende der Legislaturperiode 1994. Er wünscht sich einen „organischen Kreis“ mit Nauen und Gransee. Ein Großkreis mit Neuruppin stehe dagegen nicht zur Debatte.

Borgsdorf nimmt am 11. Februar 1991 Abschied vom „Weißen Hirsch“. Nur zwei Tage vor dem Aus flatterte der Bescheid der Märkha-GmbH (dem HO-Nachfolger) ins Haus. Das Haus schreibt rote Zahlen, im Januar fuhr es einen Verlust in Höhe von 10.000 Mark ein. Gaststättenleiter Klaus Schwarze ist dennoch enttäuscht.

Der Winter hat die Region fest im Griff. Die Lage auf den Straßen ist angespannt. Allein am Wochenende 9./10. Februar 1991 passierten 43 Unfälle. Im Vergleich zum Vorjahr passierten bis zum 11. Februar 600 Prozent mehr Unfälle. In den ersten 42 Tagen des Jahres 1991 starben sechs Menschen auf den Straßen.

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3,3 Millionen Euro für Investitionen

Mittwoch, den 23. Januar 2008
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Interview: Liebenwaldes Bürgermeister Jörn Lehmann kündigt für 2008 viele Bauvorhaben an

MAZ Oranienburg, 23.1.2008

Was waren die Liebenwalder Höhepunkte 2007? Was steht 2008 an? Zum Neujahrsgespräch traf sich MAZ-Mitarbeiter Robert Tiesler mit Bürgermeister Jörn Lehmann.

Hatten Sie Gelegenheit, sich in der Weihnachtszeit ein bisschen Ruhe zu gönnen?
Jörn Lehmann:Normalerweise sollte man das. Dieses Jahr war es leider nicht so. In der Vorweihnachtszeit ist vieles liegengeblieben, das ich aber nach Weihnachten und Neujahr aufgearbeitet habe. So gehe ich mit gutem Gefühl ins Jahr 2008.

Konnten Sie alle Ihre Vorsätze von 2007 einlösen?
Lehmann:Ich hoffe, dass ich alle Vorhaben realisieren oder zumindest beginnen konnte. Wir haben in den vergangenen Jahren einiges geschafft, das wird in meinen Berichten in den Ortsbeiräten zum Ausdruck kommen.

Was hat nicht so geklappt?
Lehmann:Das kann man nicht nur auf 2007 beziehen. Es gibt immer noch Probleme mit den Gewerbeansiedlungen. Viele Industrieflächen sind in Privatbesitz, und von einem Teil der Eigentümer gibt es keine Initiativen.

Was fehlt in Liebenwalde?
Lehmann:Vom Dienstleistungssektor her sind wir gut aufgestellt. Aber wir brauchen noch Ansiedlungen, die uns mehr Arbeitsplätze bringen.

Nach dem Aus der Bahnstrecke zwischen Zehlendorf und Wensickendorf: Wie stehen jetzt noch die Chancen für einen Liebenwalder Bahnanschluss?
Lehmann:Die jetzigen Voraussetzungen begründen keine Bestellung von Verkehr auf der Strecke. Aber wenn Berlin und Brandenburg endlich die Anbindung nach Berlin-Gesundbrunnen schaffen würden, würde es für Liebenwalde auch deutlich realistischer aussehen.

Was waren die wichtigsten Projekte im Jahr 2007?
Lehmann:Es waren so viele, dass man fast Probleme hat, den Überblick zu behalten. Die Hüllensanierung der Stadtkirche ist abgeschlossen. Die Touristeninformation mit dem Hofladen eröffnete und hatte 2007 schon etwa 5000 Besucher. Im Stadtkern haben wir das Wohnhaus Breite Straße 5 saniert. Unsere Kinderbibliothek wurde neu gestaltet. Der Liebenthaler Weg ist fertig, die Abnahme erfolgt Ende Januar. Der Radweg in Kreuzbruch ist verlängert, in Hammer wurde der dritte Bauabschnitt des Mehrzweckgebäudes realisiert. Die Radweganbindung nach Böhmerheide ist vollendet. In Neuholland wurde in die Kita investiert.

Was steht 2008 an?
Lehmann: 2008 haben wir das größte Investitionsvolumen, das die Stadt je hatte, etwa 3,3 Millionen Euro. In Kreuzbruch wird ein neues Feuerwehrgerätehaus gebaut, der Radweg zwischen Liebenwalde und Neuholland wird fertiggestellt, in Planung ist auch ein Radweg zwischen der Hamburger Kreuzung und Freienhagen. Das sind sieben Kilometer. In Freienhagen bekommt der Ernst-Thälmann-Weg eine neue Beleuchtung. In Liebenwalde beginnt die Sanierung des kommunalen Objekts in der Breiten Straße 2. Am Bischofswerder Weg beginnt der erste Bauabschnitt von der Mausbrücke bis zur ehemaligen Burganlage. Der Landkreis wird die Liebenthaler Ortsdurchfahrt erneuern, und der Parkplatz an der Kreuzung der Bundes- und Landesstraße wird neu gestaltet.

Veranstaltungen in Liebenwalde – gab es Höhepunkte?
Lehmann:Das Drachenbootrennen und der 2. Kreisfeuerwehr-, Polizei- und Katastrophenschutztag mit tausenden Besuchern, die Veranstaltung hat sehr gut funktioniert. 2007 fand auch das erste Traktoren-Treffen statt und war trotz Regens kein Reinfall.

Was steht 2008 auf dem Plan?
Lehmann:Ich finde es bemerkenswert, wie viele Veranstaltungen 2008 realisiert werden. Es gibt wieder Traktorentreffen, Drachenbootrennen, die Museumsnacht, zum Jahresende der Weihnachtsmarkt und noch viele andere kleinere Veranstaltungen.

ProSieben-Moderator Jumbo Schreiner meinte jüngst in der Sendung „Galileo“: „Wofür ist Liebenwalde bekannt? Für gar nichts!“ Was haben Sie dem entgegenzusetzen?
Lehmann: Wenn Jumbo am 12. Januar das „Heimatjournal“ des rbb gesehen hätte, dann hätte er gewusst, was es hier alles zu erleben gibt.

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Der Macher von Neuholland

Samstag, den 19. Januar 2008
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Jubiläum: Ortsbürgermeister Gerhard Steger feiert heute seinen 70. Geburtstag

MAZ Oranienburg, 19.1.2008

Was wäre Neuholland ohne Gerhard Steger? Kaum auszudenken! Der Ortschef hat die Zügel fest in der Hand. Bis zum Herbst – da möchte er aufhören. Was immer das bei ihm genau auch heißen wird.

NEUHOLLAND
Gerhard Steger hat alles im Kopf. Wer hat damals was mit wem auf die Beine gestellt? Was hat das gekostet, und wie lange hat der Bau dieses oder jenen Hauses gedauert? Und was er mal doch nicht im Gedächtnis gespeichert hat, steht in einem von seinen vielen Ordnern. Dann steht er auf („Warten Sie, ich habe es in meinen Unterlagen zu stehen.“), blättert nach und findet schnell, was er sucht. Was wäre Neuholland ohne seinen Ortsbürgermeister Gerhard Steger?
Heute feiert er seinen 70. Geburtstag, und die Menge der Gäste, die sich zu seinem Jubiläumsemfang am heutigen Vormittag angesagt hat, spricht dafür, dass er ein wichtiger Mann in Neuholland ist. Nicht bei jedem beliebt, aber doch sicher bei den meisten.
Viele Geschichten und Begebenheiten haben sich in den vergangenen Jahrzehnten angesammelt, Steger hat viel zu erzählen. („Wenn es zu viel wird, sagen Sie es mir.“) Unzählige Anekdoten und Momentaufnahmen, da kommt schon mal einiges durcheinander, was seine Gesprächspartner oft ins Schwitzen bringt.

In der Nähe von Kaliningrad geboren
Fangen wir am besten ganz von vorn an, bei der Geburt: Steger erblickte am 19. Januar 1938 in Gumbinnen, in der Nähe von Kaliningrad, das Licht der Welt. Der Vater war im Krieg, die Mutter mit den vier (später fünf) Geschwistern auf der Flucht aus Ostpreußen. 1946 landete die Familie in Waren an der Müritz, wo der kleine Gerhard auch zur Schule ging. 1956 hatte er seinen Facharbeiter für Acker- und Pflanzenbau in der Tasche und ging ab 1960 zur Landwirtschaftsschule in Oranienburg. Bald verschlug es ihn nach Hammer.
Seit April 1962 wohnt Gerhard Steger in Neuholland, wo er bis 1990 Komplexbrigadier in der LPG war, nur unterbrochen vom Wehrdienst. Nebenbei noch 25 Jahre lang Parteigenosse und Vorsitzender der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft (DSF). „Ich war ein aktives Kind der DDR“, resümiert er heute.
18 Jahre lang ist Steger bereits Bürgermeister von Neuholland, seit den Kommunalwahlen im Mai 1990. „Ich hatte das damals so dahingesagt“, erinnert er sich. „Wenn ich genug Unterschriften bekomme, könnt ihr mich auf die Liste setzen.“ Er bekam genug Unterschriften und stand auf der Wahlliste des Bauernverbandes. Und am Ende wurde er Ortschef. Zunächst haupt-, später ehrenamtlich.

„Nebenbei“ gibt es für Steger nicht
Aber was heißt das schon – ehrenamtlich? Eigentlich, dass der Job des Ortsbürgermeisters eher nebenbei erledigt wird. Doch „nebenbei“ gibt es für Gerhard Steger nicht. Die Neuholländer können es ganz sicher bestätigen: Steger kümmert sich. Quasi rund um die Uhr. Weiß Bescheid, was los ist, wo es klemmt, wo etwas getan werden muss. Und wenn es nur das Unkraut im Vorgarten ist. Oder die jungen Leute, die mal wieder an der Bushaltestelle herumstehen. „Weil sie oft keinen Job haben“, schätzt Steger.
Ganz klar: Er ist der Macher von Neuholland und kann stolz auf das sein, was er mit seinen Neuholländern in den vergangenen Jahren geschafft hat: das Flurordnungsverfahren Anfang der 90er-Jahre, das für den Ort Gebietszuwächse bedeutete. Der Verkauf von kommunalen Häusern an die damaligen Mieter. Die Modernisierung des Ortes. Neue Bürgersteige. Und so weiter. Die Liste ist lang.
Nebenher sammelt er Spenden für Kinder in Russland. Für die Familie, für seine Frau, vier Kinder und acht Enkel, bleibt da wenig Zeit. Oder für Hobbys: die Vögel beispielsweise. Gerhard Steger sieht aus dem Fenster und könnte so ziemlich jede Vogelart bestimmen, die dort auftaucht. Vielleicht hat er hierfür ja ab Herbst ein bisschen mehr Zeit. Steger will das Amt des Ortsbürgermeisters nach der Kommunalwahl Ende September 2008 abgeben. Die 680 Einwohner des Ortes werden dann wohl einen neuen Chef bekommen. „Ich wollte 1998 schon mal aufhören, wurde dann aber überredet, weiterzumachen“, erzählt Gerhard Steger. Auch 2003 bekam er viele Stimmen, war zwischenzeitlich Mitglied der Liebenwalder Stadtverordnetenversammlung – bis er aus gesundheitlichen Gründen zurücktreten musste. Inwiefern er als Rentner noch in Neuhollands Belange eingreifen wird – Steger weiß es nicht. „Ich mach’s ja gerne. Das Aufhören wird schwer, ich glaube, mir wird was fehlen.“ Wenn man sieht, wie umtriebig Steger heute ist, kann man dem nur zustimmen.
Doch heute wird erst mal gefeiert – der Macher wird 70.

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