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Handball: OHC im DHB-Pokal eine Runde weiter

Sonntag, den 28. August 2011
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Dem Oranienburger Handballclub (OHC) ist am Sonnabendabend eine kleine Pokalsensation gegen einen Zweitligisten gelungen. In der ersten Runde des DHB-Pokals siegte die erste Männermannschaft in der Sporthalle am Turm gegen den ASV Hamm-Westfalen mit 28:25.

aRTikel

1990 – Jahr der Einheit: Fauliger Geruch über Oranienburg

Samstag, den 30. Oktober 2010
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Oktober 1990 I -> 22.10.2010

Rückblick: Im Oktober 1990 gerät das Pharmawerk in die Schlagzeilen / SPD gewinnt

MAZ Oranienburg, 30.10.2010

Was passierte im Jahr der Einheit im Altkreis Oranienburg – und was stand in der MAZ? Diesmal: die zweite Oktober-Hälfte 1990.

OBERHAVEL
In der 1990 neu gewonnenen Demokratie setzt bereits Wahlmüdigkeit ein. Nicht einmal mehr 70 Prozent der Berechtigten gehen am 14. Oktober zur Landtagswahl. In allen drei Wahlkreisen macht die SPD das Rennen. Kreisweit gewinnt die SPD mit 41,8 Prozent, gefolgt von der CDU (28,3), der PDS (12,4), der FDP (6,4), dem Bündnis 90 (5,5) den Grünen (2,3) und den Republikanern (1,3). Die NPD bleibt völlig bedeutungslos, in Stolpe-Süd erreicht sie mit 3,5 Prozent ihren Höchstwert. Die PDS ist in Glienicke am beliebtesten, dort bekommt sie 19,1 Prozent der Stimmen.

Oranienburg und Hamm in Westfalen besiegeln ihre Städtepartnerschaft. Am 18. Oktober 1990 wird sie in Hamm in erster Lesung beschlossen. In einer Fernsehumfrage von Hammer Journalisten antworten die Oranienburger auf die Frage, was sie sich davon erhoffen: Geld. Und kulturellen Austausch. „Wir wollen nicht die reichen Onkels sein, sondern wirkliche Partner“, sagt dagegen Hamms Bürgermeister Jürgen Wieland auf dem Festakt.

In Oranienburg gerät unterdessen das Pharmawerk in die Schlagzeilen. Der Betrieb ist nicht in der Lage, vor der Einleitung in die Havel das Benzol im Abwasser abzubauen. Das bestätigt die Analyse eines Düsseldorfer Institutes. Die Produktion von Phenazon, ein für Schmerzmittel nötiger Wirkstoff, muss gestoppt werden. Die Menschen beschweren sich zudem über den Faulgasgeruch, der über der Stadt wabert.

In Sachsenhausen wird ein Stück Geschichte aufgearbeitet. Jan George, Bruder von Schauspieler Götz, ist auf der Suche nach dem Grab seines Vaters Heinrich. Im sowjetischen Speziallager Nummer 7 war Heinrich George 1945 der wohl prominenteste Gefangene. Das Grab befindet sich auf einem kleinen sowjetischen Zivilistenfriedhof in der Nähe der Walter-Rathenau-Straße.

Die Wende hat in Oranienburg viele Gewinner hervorgebracht: Zu ihnen gehören vier junge Leute, die den Weidengarten in der Adolf-Mertens-Straße übernommen haben. Sie gründeten eine offene Handelsgesellschaft. Zu ihnen gehört Steffen Riehn, der Elektrotechnik studierte und als Koch in der kleinen Gaststätte arbeitet. „An Geld verdienen ist noch nicht zu denken“, sagt er.

Die Post arbeitet weiterhin am Telefonnetz. In den Kreisen Oranienburg und Nauen gebe es 15.000 Anschlüsse, schreibt die MAZ am 26. Oktober 1990. Der Bedarf liege jedoch bei 90 000 und mehr.

Die Oranienburger Molkerei gehört zu den Wendeverlierern. Die Produktion von frischer Rahmbutter und Frischmilch muss eingestellt werden. Der Verkauf läuft mies. Die Vehlefanzer haben dafür einen Grund zum Feiern: Die Windmühle im Ort hat ihre Flügel wieder bekommen.

aRTikel

1990 – Jahr der Einheit: Der „Deli“ ist dicht

Dienstag, den 23. Februar 2010
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Januar 1990 -> 22.1.2010

Rückblick: Im Februar 1990 landet die Ware aus den Spezialgeschäften in den Kaufhallen / Grenzöffnung in Hohen Neuendorf

MAZ Oranienburg, 23.2.2010

Was passierte im Jahr der Einheit im Altkreis Oranienburg – und was stand in der Märkischen Volksstimme (MV)? Wir blättern zurück. Diesmal der Februar 1990.

OBERHAVEL
Nach und nach kommen die Missstände der DDR-Politik zum Vorschein. In Birkenwerder wird das Gebäude des Filmtheaters überprüft. Bitteres Ergebnis: Es muss sofort geschlossen werden. Bis heute hat Birkenwerder kein Kino. Einen schockierenden Eindruck haben auch Gäste der medizischen Fürsorge in der Oranienburger Leninallee, der heutigen Berliner Straße. Am schlimmsten ist die völlig durchnässte und verschimmelte Wand in den Toilettenräumen.

Im Oranienburger Schloss beginnt am 4. Februar der Truppenabzug. Am späten Abend verlassen 65 Schützenpanzer aus dem Grenzausbildungsregiment das Gelände. Ziel ist Neubrandenburg, dort werden die Fahrzeuge verschrottet.

Am selben Tag findet im Gesellschaftshaus Oranienburg der erste Parteitag der Kreis-SPD statt. Der Verband hat bereits 300 Mitglieder. Als ersten Vorsitzenden wählen die Delegierten den Hohen Neuendorfer Karl-Heinz Schröter. Der Demokratische Aufbruch (DA) und die Deutsche Soziale Union (DSU) gründen ebenfalls Kreisverbände. Chef der Oranienburger DSU wird der Schlosser Frank Bommert aus Sommerfeld.

Die Kreisstadt hat erfolgreiche Handballer: Die Jungs der Altersklasse 15/16 von Elmo Oranienburg I sind bereits Anfang Februar Kreismeister – und das mit überragenden 30:0 Punkten und einem sensationellen Torverhältnis von 218:78. Vizemeister wird Traktor Luisenhof.

In Oranienburg ist der „Deli“ dicht. Gemeint ist der Delikat-Laden in der Kaufhalle an der Albert-Buchmann-Straße, in dem es die etwas bessere Ware zu kaufen gab. Nach einem Ministerratsbeschluss müssen alle Güter aus dem Delikat-Sortiment in den normalen Kaufhallenbereich. Der Deli-Tee ist nun also neben dem normalen Tee zu finden.

In Hennigsdorf tut sich was: Der denkmalgeschützte Rathenau-Brunnen soll endlich saniert werden. Damit wird ein lang gehegter Wunsch der Einwohner erfüllt. In der Sachsenhausener Straße in Oranienburg beginnt der Abriss mehrerer alter, unbewohnter Gemäuer. Die Lücke unweit der großen Kreuzung klafft mehrere Jahre lang.

120000 Menschen kommen am 17. Februar nach Hohen Neuendorf. An der alten B 96 in Richtung Frohnau fällt die Mauer. Das wird mit einem großen Volksfest gefeiert. Der Weg nach West-Berlin führt nun auf der alten Trasse entlang – vorbei am Sendemast, der seit mehr als zehn Jahren an vielen Stellen des Kreises Oranienburg gut sichtbar ist. 2009 erst hat der Funkturm ausgedient.

Oranienburgs Bürgermeisterin Hildegard Busse (PDS) reist Mitte Februar 1990 mit einer Delegation ins westfälische Hamm und trägt sich dort ins Goldene Buch der Stadt ein. Hamms Bürgermeisterin bezeichnet den Besuch als großen Tag in der Geschichte ihrer Stadt.

Der Monat endet ungemütlich. Am 26. Februar weht ein kräftiger Sturm über dem Kreis. In Sachsenhausen deckt der Wind ein komplettes Dach ab. Auch das Nachbarhaus bekommt etwas ab. Schäden melden auch Kremmen und Beetz. Die Feuerwehr ist an diesem Tag 97-mal im Einsatz.