RTelenovela

Der Liebenberger Weihnachtsmarkt – ein Stresstest

Montag, den 12. Dezember 2011
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Der Weihnachtsmarkt in Liebenberg soll der schönste in ganz Oberhavel sein. Seit heute weiß ich: Er ist zumindest der vollste.
Und ich bin geheilt.

Als sich der Verkehr am Bahnübergang in Grüneberg schon recht weit zurückstaut, schon da war klar: Die Parkplatzsuche wird wohl schwierig. Eine lange Fahrzeugkolonne quälte sich durchs Dorf in Richtung Liebenberg.
Und tatsächlich: Unweit des Ortseinganges stehen schon die ersten Autos am Straßenrand. Samt Knöllchen. Das Ordnungsamt des Löwenberger Landes will es sich nicht nehmen lassen, seine Gäste abzuzocken. Obwohl die Autos dort am Rand nicht stören. Aber einmal im Jahr muss eben die Chance genutzt werden.

Am Schloss und Gut ist der Parkplatz bereits gesperrt, Ordner weisen den Weg zu weiteren Parkplätzen. In einer kleinen Seitenstraße staut sich der Verkehr. Die Straße wird enger, immer wieder halten ein- und ausparkende Autos den Verkehr auf.
Anscheinend ist Liebenberg nicht auf so einen Besucheransturm vorbereitet.
Wir finden einen Parkplatz, auch gar nicht soo weit weg. Über eine plattgelatschte Wiese geht es zum Weihnachtsmarktgelände – wer ungeeignetes Schuhwerk hat, rutscht dort aus.

Am Eingang empfängt uns eine lange Schlange. Nein, eigentlich sind es sogar zwei lange Schlangen. Das ganze kostet 1,50 Euro Eintritt. Na, hoffentlich lohnt es sich.

Es mag sein, dass Liebenberg einen schönen Weihnachtsmarkt hat. Am Sonntag war er einfach nur brechend voll. Und das war alles andere als schön.
Ich hatte Hunger, blöderweise hatte ich noch nichts gegessen. Das erwies sich als schlimmer Fehler.
Den ersten Bratwurststand haben wir erst mal übersehen – um später festzustellen, dass es sich nicht um den ersten, sondern den einzigen Bratwurststand handelt. Dementsprechend lang ist die Schlange. Und dort ist es ein ein Pulk von Menschen.
Natürlich gibt es nicht nur Bratwürste, sondern auch einen (!) Stand mit Suppe, einen (!) mit Flammkuchen und einen (!) mit irgendeinem Fleisch, das komisch aussah.

Dieses Konzept ist fragwürdig. Es sind einfach zu viele Massen unterwegs gewesen, um diese dann mit nur je einem Essensstand abzuspeisen. Kein Wunder, dass dort überall viele Menschen anstanden.
Dass Leute auf dem Weihnachtsmarkt Glühwein trinken wollen und eine Bratwurst dazu möchten, das ist in Liebenberg anscheinend noch nicht bekannt. Oder man ignoriert es, weil man denkt, man wolle lieber was Besonderes, mehr Kram anbieten.
Dementsprechend war meine Laune schnell auf dem Nullpunkt. Und nicht nur meine, wenn man die Wortfetzen, die man so von den Leuten mitbekommen hat, richtig deutet.

Der Weihnachtsmarktbesuch in Liebenberg dauerte kürzer als gedacht. Und es war wohl auch mein Letzter. Ich habe den Stresstest nicht bestanden.
Die 1,50 Euro haben sich nicht gelohnt. Dafür wird dann doch auch zu wenig in Liebenberg geboten, was irgendwie außergewöhnlich sein könnte. Und 1,80 Euro für eine Schmalzstulle sind dann doch auch sehr happig.

Zurück zum Auto ging es wieder über das Rasentrampelpfad, der inzwischen völlig im Dunkeln lag. Hoffentlich ist da keiner hingefallen.

RTelenovela

B96 – Sackgasse ohne Alternativen

Donnerstag, den 28. April 2011
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Mist, hätte ich mal einen Radiosender gehört, der zur halben Stunde die neuesten Verkehrsmeldungen bringt – und nicht den, der angeblich zehn Minuten früher auf den Punkt informiert.
So wurde ich auf der B96 zwischen Löwenberg und Teschendorf von Blinklichtern überrascht. Und einem Polizeiwagen. Ein Unfall. Straße gesperrt, bitte fahren Sie links herum.

Und ich saß in der Falle. Die B96 wurde in Höhe des kleinen Ortes Wackerberge zur Sackgasse. Das Problem: Es gibt nicht wirklich eine Parallelstrecke in Richtung Oranienburg.
So fuhr ich erstmal in Richtung Grüneberg und weiter ins Dorf rein.
Von Grüneberg aus geht’s nach Liebenberg und weiter nach Neuholland – ein extrem weiter Umweg. Was es nicht gibt: einen Weg in Richtung Teschendorf und Nassenheide.
Die Alternative: Zurück nach Löwenberg und weiter auf der B167 nach Herzberg, von dort über Rüthnick und Sommerfeld in Richtung Oranienburg. Auch das ist ein extremer Umweg.

In Grüneberg telefonierte ich erst mal. In der Zwischenzeit überholte mich ein Kleinlaster mit einem Unfallwagen. Der schien von der Unfallstelle bei Teschendorf zu kommen.
Also drehte ich um und fuhr zurück nach Wackerberge und zur B96. Gerade in diesem Augenblick baute die Polizei ihre Sperre ab. Ich konnte weiterfahren und viel Zeit sparen. Glück gehabt.
Wenn irgendwann die neue B96 gebaut wird, könnte sich das Problem der fehlenden Alternative erledigt haben.

aRTikel

Erst Aquaporine, jetzt das Zwiebelchen

Donnerstag, den 20. Januar 2011
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Kultur: Michael Wudick aus Grüneberg hat die Lieder für ein Musical geschrieben, das morgen Premiere hat

MAZ Gransee, 20.1.2011

GRÜNEBERG
Normalerweise lassen Zwiebeln oft die Tränen kullern. Nicht so das „Zwiebelchen“, das morgen im Rheinsberger Schlosstheater Premiere feiert. Kinder und Jugendliche der Heinrich-Rau-Oberschule haben die ganze Woche in einem Projekt für die Aufführung geübt: Texte, Tänze und Lieder.
Es sind genau 20 Lieder. Geschrieben hat sie der Grüneberger Michael Wudick. „Die Liedtexte und die Musik sind von mir“, sagt der 29-Jährige. Die Idee für das Musical entstand im Herbst 2009. „Da fing ich schon an, die ersten Lieder zu schreiben“, erzählt Wudick. Die Sprechtexte schrieb sein Freund Stefan Labenz, mit dem er schon mehrere Jahre in einer Theatergruppe zusammenarbeitet.

„Zwiebelchen“ spielt in einer Gemüsewelt. Der Hauptdarsteller – eben jenes Zwiebelchen – setzt sich für seine Gemüsefreunde ein und steht ihnen in der Welt der Angeber- und Herrschergemüse zur Seite. Mehr als 70 Kinder und Jugendliche sind an dem Stück beteiligt. „Das macht super Spaß“, sagt Michael Wudick. „Auch wenn es stressig ist. Aber die Kinder haben die Eltern mit den Liedern schon angesteckt.“ Kinder seien sehr dankbare Mitarbeiter, findet der Grüneberger. Viermal wird „Zwiebelchen“ in den nächsten Tagen in Rheinsberg aufgeführt. „Mal sehen, was dann ist“, sagt Michael Wudick.

Der weitere Lebensweg wird ihn aus dem Löwenberger Land nach Lissabon, in die Hauptstadt Portugals führen. Er übernimmt dort eine sogenannte Nachdoktorandenstelle. Seit Frühjahr ist er Doktor der Naturwissenschaften und darf sich „Dr. rer. nat.“ nennen. Seine Doktorarbeit schrieb er über Aquaporine – über Wasserkanäle, also Proteine, die den Transport von Wasser über Zellmembranen erleichtern. Dafür lebte er drei Jahre im französischen Montpellier. In Lissabon möchte er nun weiterforschen. Jetzt aber steht zunächst das „Zwiebelchen“ an erster Stelle.

aRTikel

Grüneberger ist jetzt ein Doktor

Mittwoch, den 19. Mai 2010
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MAZ Gransee, 19.5.2010

GRÜNEBERG
Die guten alten Knusperflocken. Die vermisst Michael Wudick in Frankreich sehr. Natürlich auch, dass er nicht dabei sein kann, wenn die Freunde und die Familie daheim feiern. Von Montpellier aus kann er nicht mal fix immer übers Wochenende nach Hause fliegen. Dafür jedoch hat der 29-Jährige aus Grüneberg jetzt den Doktor der Naturwissenschaften in der Tasche: Dr. rer. nat. Michael Wudick.

Seit März 2007 lebt er in Montpellier, während seines ersten Jahres schrieb er für die damalige Granseer Ausgabe der „Willi“-Seite einmal im Monat Berichte über sein neues Leben in Frankreich. Nach seinem Abi am Oranienburger Louise-Henriette-Gymnasium und dem abgeschlossenen Biochemiestudium an der Uni Potsdam begann er seine Doktorarbeit. „Das bedeutet drei Jahre praktische Forschungsarbeit im Labor und danach eine schriftliche Doktorarbeit mit etwa 100 Seiten“, erzählt Michael Wudick. „Mein Thema waren Aquaporine. Das sind Wasserkanäle, also Proteine, die den Transport von Wasser über Zellmembranen erleichtern“, erklärt er. „Diese Proteine gibt es in fast allen Organismen, und ich habe sie in Pollen und Wurzeln der Modellpflanze Arabidopsis thaliana untersucht. Und das alles auf Englisch.“

Momentan ist der frischgekürte Doktor zu Hause, in Grüneberg. „Demnächst muss ich zu einem Kongress nach Süddeutschland, meinen Chef und die Arbeitsgruppe vertreten.“ Und er fügt hinzu: „So ist das als Doktor.“
Vorerst wird Wudick in Montpellier bleiben. „Ich habe ab Juni eine Verlängerung für vier Monate bekommen“, erzählt er. „Danach schaun wir mal.“ Er überlegt, eine weitere Sprache zu lernen. „Französisch habe ich ja auch erst vor Ort gelernt, weil ich damals am Runge-Gymnasium Russisch machen musste.“

aRTikel

Die Chancen nutzen

Donnerstag, den 30. August 2007
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Michael Wudick aus Grüneberg schreibt in Montpellier seine Doktorarbeit

MAZ Gransee, 29.8.2007

GRÜNEBERG
“Ich wollte die Chancen, die sich mir boten, einfach mal nutzen.” Seit einem halben Jahr lebt Michael Wudick in Frankreich. Der 26-Jährige aus Grüneberg ist Doktorand in Montpellier. Die Stadt liegt im Süden des Landes, “auf halber Strecke zwischen Marseille und Perpignan”, erklärt Michael. Noch bis Ende Februar 2010, also gut zweieinhalb Jahre, will er dort an seiner Doktorarbeit schreiben. “So lange geht zumindest mein Vertrag.”
Was er genau dort macht? Es klingt zunächst kompliziert: “Ich bin Doktorand imeuropäischen Marie-Curie-Förderprogramm für junge Wissenschaftler mit dem Titel Vatep und absolviere hier meine Doktorarbeit am Institut für Biochemie und molekulare Pflanzenphysiologie.”
Das Problem dabei: Bisher sprach Michael überhaupt kein Französisch. “Das war auch alles ziemlich ungeplant. Ich wollte zwar auch schon zum Studium ins Ausland, nur gerade nicht nach Frankreich.” In der Schule stand nur Englisch und Russisch auf seinem Stundenplan. Aber langsam wird’s was: “Es geht einigermaßen, und ich habe ja drei Jahre Zeit, mich durchzuwurschteln.”
Im Sommer 2000 absolvierte Michael Wudick sein Abitur am Oranienburger Louise-Henriette-Gymnasium und erhielt dort auch den Förderpreis der Schule. Danach ging er nach Zehdenick, hatte dort eine Zivistelle in einem Wohnheim für geistige Behinderung. Nach einem fünfjährigen Studium an der Universität Potsdam wurde er Diplombiochemiker – mit Auszeichnung.
Aber natürlich bleibt noch Zeit für Hobbys. “Singen zum Beispiel.” Erst vor kurzem gastierte Michael Wudick mit der Berliner Musicalgroup im Kulturhaus in Berlin-Spandau (MAZ berichtete). “Dafür kehrte ich noch mal kurz nach Hause zurück.” Außerdem spielt er gern Gitarre und Badminton.
Der Kontakt nach Hause ist kein Problem: “Ich habe einen Telefonvertrag, mit dem man unbegrenzt nach Deutschland telefonieren kann”, sagt Michael Wudick. “Sonst schreibe ich natürlich E-Mails, manchmal auch Briefe.”
Auf seiner Internetseite “Wudi’s Space” schreibt er einmal in der Woche, was gerade so bei ihm los ist. Das wird er ab sofort auch auf der “Willi”-Seite in der MAZ machen. Ein Jahr lang wird Michael Wudick aus Montpellier in Frankreich berichten. Alle vier bis sechs Wochen schreibt der Grüneberger über seine Eindrücke aus unserem Nachbarland.

aRTikel

Nicht für immer in Grüneberg

Samstag, den 17. Juni 2006
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Cliff Clasen (16) ist Konzertveranstalter


MAZ Gransee, 17.6.2006

GRÜNEBERG

Eine eigene Firma. Und das schon mit 16Jahren. Cliff Clasen aus Grüneberg hat den Schritt gewagt. Gleich nach Abschluss der 10.Klasse gründete er im Oktober 2005 den International Event- und Partyservice mit Sitz im Löwenberger Land, Ortsteil Grüneberg.
„Ich habe mich schon immer für Veranstaltungstechnik und -service interessiert“, sagt er. Schon während der Schule absolvierte er mehrere Praktika in dieser Richtung. „Bei Spielen von Hertha BSC half ich beim Bühnenaufbau im Olympiastadion“, erzählt der junge Mann.
Unterstützung bekommt Cliff Clasen von seinem Vater Horst. Bei Terminen fährt er seinen Sohn mit dem Auto und vertritt ihn auch oft am Telefon. „Ich berate ihn, falls er mal Fragen hat“, sagt er. „Das kommt aber nicht oft vor.“ Er selbst hat momentan keine Arbeit, könnte sich aber vorstellen, in Cliffs Firma einzusteigen, wenn es gut läuft.
Den Tag verbringt Cliff Clasen meist mit Recherchen am Computer. Preise für Bühnen oder Veranstaltungen suche er heraus. Dem ziemlich stillen 16-Jährigen mag man es kaum zutrauen, aber am 5.August steht das erste große von ihm organisierte Konzert bevor: Die Puhdys kommen nach Grüneberg. „Wir haben beim Management der Puhdys angerufen“, sagt Horst Clasen. „Sie haben sofort zugesagt.“
Auf ewig möchte Cliff nicht in Grüneberg bleiben. „Irgendwann will ich mal raus“, kündigt er an. „Vielleicht nach Amerika, da kann ich auch größere Sachen organisieren.“

aRTikel

Ein Kaktus für den Liedermacher

Montag, den 14. Mai 2001
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Gerhard Schöne in Grüneberg

MAZ Gransee, 14.5.2001

GRÜNEBERG
Mit der Frage, ob er jetzt noch einmal „das Gleiche wie heute Morgen” erzählen soll, beschäftigte sich der Liedermacher Gerhard Schöne am Freitagabend in der Kirche von Grüneberg. Denn bereits am Vormittag hatte er ein Konzert im Granseer Gymnasium gegeben.
Die Kirche war fast gefüllt, als Schöne mit seinem Konzert begann. Bei dem Programm handelte es sich allerdings nicht um sein Reguläres. Für „Das Perlhuhn im Schnee”, ein Märchenabend für Erwachsene, sei die Kirche nicht so geeignet gewesen, meinte Gerhard Schöne. So bot er an diesem Abend eine Mischung aus neueren und älteren Programmen dar. Die jüngeren Zuschauer vertröstete er, dass seine Kinderlieder, für die er ebenfalls bekannt ist, später singen würde. „Bis dahin könnt ihr ja abschalten”, sagte er scherzhaft.
Stattdessen trug er zunächst vier Lieder aus seinem Zyklus „Seltsame Heilige” vor. In einem der Lieder erzählte er die Geschichte von einer Fahrt mit der Berliner S-Bahn, an deren Fenster sich Schmierereien befinden. Die Passagiere diskutieren darüber, ob sie diese nun beseitigen sollen oder nicht. Bis eine Lehrerin die Initiative ergreift: „Sie kann nicht kapieren, wie viele das schlucken”, heißt es dazu in dem Text von Gerhard Schöne.
Seit 1979 ist er freiberuflicher Liedermacher. Zu DDR-Zeiten wurden seine Schallplatten millionenfach verkauft. Besonders die jungen Zuhörer werden sein 1982 erschienenes Album „Lieder aus dem Kinderland” kennen. Nach der Wende 1989 brachte Schöne zwölf neue Alben heraus und ging mit diversen Programmen auf Tournee.
Seme letzten Veröffentlichungen „Das Leben der Dinge” und „Alligatoren in der Kanalisation” sind seit 1998 zu kaufen. Des Weiteren engagiert er sich als Botschafter von Unicef für die Armen in der Welt.
Seit Anfang des Jahres probt er an seinem neuen Programm, verriet Gerhard Schöne in der Grüneberger Kirche. Er will Schwarzweiß-Bilder an die Wand projizieren, die er als Anregung für seine Lieder benutzt.
Was ein Spiegel im Badezimmer einer Frau so alles denkt, ließ Schöne seinen Zuhörern in seinem Zyklus „Das Leben der Dinge” wissen. Und schon wenn er dieses Thema nur anspricht, gibt es ein Gelächter in der Kirche.
Der Liedermacher versprach, in zehn Jahren wieder nach Grüneberg zu kommen. Als Geschenk wurde ihm, statt Blumen, ein Kaktus überreicht.