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1992: Der Kremmener Bahnhof ist für einen Tag voller Flüchtlinge

Samstag, den 4. Februar 2012
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Januar 1992 II -> 31.1.2012

Vor 20 Jahren: Dreharbeiten für den Kriegsfilm „Die Krücke“ / Explosion im Oranienburger Heizwerk / Veltener streiten um Hafenflächen

MAZ Oranienburg, 4.2.2012

Was passierte vor 20 Jahren im Altkreis Oranienburg? Diesmal: die erste Hälfte im Februar 1992.

OBERHAVEL
Der Kremmener Bahnhof verwandelt sich am 1. Februar 1992 in den Bahnhof der schlesischen Stadt Namslau. Und nicht nur das: Tiefflieger nähern sich der Stadt. Das ZDF und die Defa drehen den Film „Die Krücke“. Der Bahnsteig ist voller „Flüchtlinge“, einen Tag wird die Zeit um mehr als 45 Jahre zurückgedreht. Die Filmcrew entschied sich für Kremmen, weil dort seit 1945 der Bahnhof kaum modernisiert wurde.

In Oranienburg explodiert am selben Tag im Heizwerk an der Klagenfurter Straße ein Kessel. Offenbar sind bestimmte Messwerte nicht beachtet worden. Zum Glück nehmen weder Menschen noch Umwelt Schaden.

Auch die Sumpfbieber an der Havel lassen sich davon nicht stören. Sie werden 1992 am Blauen Wunder in der Kreisstadt heimisch. Sie kommen offenbar von einer Nutriafarm, aus der Tierschützer kurz zuvor 500 der Nager befreiten. Von den Oranienburgern werden die Sumpfbieber nun liebevoll gefüttert.

Zoff gibt es dagegen in Liebenthal. Die Mehrheit der Bewohner spricht sich für eine Fusion mit Groß Schönebeck und gegen Liebenwalde aus. Im Landratsamt in Oranienburg ist man wenig begeistert.

Auch die Veltener haben Ärger. Am Hafen sind städtische Flächen durch die Treuhand an private Investoren verkauft worden – ohne Wissen der Verwaltung. Bürgermeister Frank-Michael Reinhardt kündigt an, die Treuhand zu verklagen. Denn nun wäre der aufwändig sanierte Umschlagplatz der Stadt nur noch von zwei Stellen aus erreichbar.

Unterdessen nimmt im Kreis Oranienburg die Zahl de Arbeitslosen rasant zu. Die Quote liegt nun bei 20,3 Prozent. Es heißt, zum 31. Dezember 1991 seien viele Arbeitsverträge ausgelaufen.

Rund um das Gut Pinnow soll ein Freizeit- und Naherholungszentrum entstehen. Dazu gehören ein Reiterhof, eine Pension und Wohnräume. 60 Millionen Mark sollen dafür investiert und 65 Arbeitsplätze geschaffen werden. Allerdings will Bürgermeister Lothar Wolf das Handtuch werfen, denn das Projekt gerät ins Stocken. Der Verwalter, die Stadtgüter Berlin GmbH, sieht sich im Februar 1992 nicht in der Lage, irgendetwas zu entscheiden.

In der Oranienburger Schulstraße legt die Telekom den Grundstein für ein neues Gebäude. In den Mehrgeschosser ziehen die digitale Fernsprechvermittlung, Geschäfte und Büros. Das Erdgeschoss ist bei der Zeremonie am 7. Februar schon zu sehen.

Auch Kremmen würde gern feiern. Ein Unternehmer aus Mainz hat das frühere städtische Klubhaus am Markt übernommen und will daraus eine gastronomische Perle machen, wie er sich in der MAZ ausdrückt. Der Umbau soll nach dem Fasching beginnen.

Die Bürgermeisterwahl in Stolpe-Süd am 7. Februar 1992 fällt aus. Das teilte Gemeindevertreterchef Heinrich Nabrowsky den Kollegen kurzfristig per Brief mit. Am Tag der Wahl ist er nicht zu erreichen, es heißt, er sei krank. Damit spitzt sich der Streit in der Gemeinde – Ende Januar 1991 hat Landrat Schröter den Bürgermeister wegen angeblicher Verfahrensfehler entlassen – weiter zu.

Kremmen und Liebenwalde haben währenddessen Probleme bei der Bildung eines Amtes. Kremmen fehlen 400 zu den geforderten 5000 Einwohnern. Hohenbruch will sich Oranienburg anschließen. Die Lösung wäre, dass Staffelde dazustößt. Staffelde will jedoch nach Eichstädt. Auch Liebenwalde verhandelt noch – Mitte Februar 1992 mit Falkenthal. Doch die Chancen stehen schlecht, Falkenthal hat eine Verwaltungsgemeinschaft mit Zehdenick. Freienhagen will lieber nach Oranienburg. Müssen sich nun die Liebenthaler trotz gegenteiligem Votums doch nach Liebenwalde orientieren?

aRTikel

1991: Lokführer hat seinen Einsatz verschlafen

Dienstag, den 16. August 2011
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Juli 1991 II -> 30.7.2011

Rückblick: Pendler müssen länger warten

MAZ Oranienburg, 16.7.2011

Was passierte vor 20 Jahren im Altkreis Oranienburg – und was stand in der MAZ? Diesmal: die erste Hälfte im August 1991.

OBERHAVEL
Der Kiessee in Schildow wandelt sich zum Unglücksgewässer. Innerhalb von zwei Tagen sterben zwei Kinder aus Berlin. Am Nachmittag des 1. August 1991 läuft der kleine Marcus unbeaufsichtigt in den See. Die Feuerwehr sucht eine Stunde, bis sie das tote Kind findet – genau an der Stelle, an der zwei Tage zuvor ein Mädchen gestorben war. Eine Woche später ertrinken ein Junge im Veltener Autobahnsee (Bernsteinsee) und ein Mann im Beetzsee.

Der Verkauf eines weiteren Oranienburger Betriebes ist perfekt: Die Kraftanlagen AG Heidelberg erwirbt von der Treuhand das Infrarotwerk in der Sachsenhausener Straße. Die Zukunft sehe gut aus, sagt Vorstandvorsitzender Horst Linden. Oranienburg sei ein Zukunftsstandort zur Produktion von Lackieranlagen. Zehn Millionen Mark will der Konzern investieren.

Zwischen Berlin-Frohnau und Hohen Neuendorf entsteht die Trasse für die S-Bahn. Ein Dutzend Baubetriebe – alle aus Berlin – arbeiten daran, dass die Strecke am 1. Mai 1992 freigegeben werden kann. 73 Millionen Mark soll das Projekt kosten.

In Bergfelde ist die Brücke über die Bahnstrecke gesperrt. Das Bauwerk ist undicht. Im Winter bilden sich Eiszapfen. Über die Baustelle war jedoch vorher niemand informiert. Die Bergfelder sind sauer.

Im Kreis Oranienburg schnellt unterdessen die Arbeitslosenzahl in die Höhe. Im Vergleich zum Vormonat steigt sie um 1466 auf 8014 Betroffene. Ein Grund ist der Ablauf des Kündigungsschutzes in der Metallindustrie.

Über dem Landkreis kracht es. Am Morgen des 8. August 1991 blitzt und donnert es kräftig. Am selben Tag fällt in großen Teilen Oranienburgs für fast drei Stunden der Strom aus.

In der Hennigsdorfer Parkstraße startet das Modellprojekt „Konradsberge“. Es entsteht ein Jugendförderungs- und Freizeitzentrum, die Arbeiten sollen bis 1992 abgeschlossen sein. Von ehemals vier Jugendklubs ist in Hennigsdorf nur noch einer aktiv.

Kleiner Zwischenfall auf dem Oranienburger Bahnhof. Am 13. August 1991 um 6.04 Uhr sagt eine gelangweilte Stimme aus dem Lautsprecher, dass der Schichtzug nach Hennigsdorf mit „unbestimmter Verspätung“ abfahren würde. Die 300 Wartenden sind unruhig. Wenig später kommt ein Mann angerannt – der Lokführer. Er hat verpennt.

Die Liebenthaler wollen sich mit Groß Schönebeck wiedervereinen. Wann und wie die Fusion passieren soll, ist jedoch noch unklar.

Im Kreis Oranienburg sind Mitte August 1991 nur noch wenige hundert Meter Mauerreste zu sehen. Ursprünglich waren es 30 Kilometer. Größere Abschnitte stehen noch am Glienicker Entenschnabel sowie bei Hennigsdorf in Richtung Nieder Neuendorf. Das Abrisskommando mit Ex-Grenzsoldaten soll die Reste abtragen. In Hohen Neuendorf und Hennigsdorf ist geplant, dass je ein Wachturm stehen bleibt.