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Was bleibt: Armer Friedrich!

Donnerstag, den 12. August 2010
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MAZ Potsdam, 12.8.2010

Wann bekommt Groß Glienicke eigentlich seine eigene Doku-Soap? Stoff gäbe es genug. Zoff am Seeuferweg. Zoff an der Seepromenade. Dabei hat doch Groß Glienicke ein echt idyllisches Fleckchen. Und ich habe es schon lieben gelernt: den Friedrich-Günther-Park.

Liebe Potsdamer, eure Parks in Sanssouci und Babelsberg sind ja gut und schön, aber wer wirklich mal nach einem exklusiven Ausflugsziel sucht, der wird in Groß Glienicke seine Freude haben. Ich habe mir die Zeit genommen. Ich war dort spazieren. Ich bin flaniert. Durch den Friedrich-Günther-Park.
Ganz ruhig liegt er da. Der Spaziergänger sieht zuerst mehrere malerische Gullydeckel. Sie sind für die Entwässerung des Ortsteils gedacht. Wer weiter läuft, wird entzückt sein von dem sprießenden Grün des gerade gesäten Rasens. Und vom lockeren Sand, der sich durch die Fläche zieht. Wer durch den Park läuft, braucht festes Schuhwerk. Aber das hat ja jeder, sollte also kein Problem sein. Am hinteren Ende des Geländes kann sich der geneigte Wanderer über aufgeschüttete Wege freuen. Wobei – nein, „Wege“ ist das falsche Wort. Es ist eine Fläche. Eine Sandfläche. Sehr schön sind auch die Äste, die hier und da verstreut sind. Das scheint zum Konzept des Friedrich-Günther-Parks zu gehören: die Konzeptlosigkeit. Die faszinierende Mischung aus Natur und Baustelle. Und bitte nie nach oben sehen, denn Sie könnten böse stolpern.

Der Park in Groß Glienicke ist ideal für Individualreisende. Einen vorgeschriebenen Weg gibt es nicht. Wird es wohl auch nicht geben, weil sicherlich sofort fünf Bürgerinitiativen dafür und sechs dagegen wären. Die Natur im Park könnte zerstört werden. Im hinteren Teil erwartet den Besucher nebst Geröllhaufen und Blätterberge freundliches Hundegebell. Aber keine Sorge, ein künstlerisch wertvoller Zaun grenzt den Park so ab, dass ungebetene Kläffer den Spaziergänger nicht zu Boden reißen können. In der Mitte des Parks befindet sich noch eine Kuhle, in der sich bei Regen wohl das Wasser sammelt. Eine spannende Sehenswürdigkeit – auch bei trockenem Wetter. An der Stelle fehlt vielleicht noch ein Sonnenschirm. Nun ja, es fehlt so einiges im Friedrich-Günther-Park. Nein, ich sage mal so: Es fehlt an allem, was einen Park ausmacht. Ein paar Bäume, ein bisschen Gras – das kann’s doch nicht sein. Der Park ist nicht mehr als eine unansehnliche, kaum begehbare Brache. Armer Friedrich! Dieser Friedrich Günther hat diesen Park nun wirklich nicht verdient. Frank Steffens, Potsdams Fachbereichsleiter für Grünflächen, sagte neulich, der Park sei doch ideal zum Gassigehen mit den Hunden. Aha! Damit ist klar: Der Friedrich-Günther-Park wird bald zum Hundehaufen-Hindernislaufpark. Das ist doch mal innovativ!