RTelenovela

Rügen 2019 (11): Ostsee-Bruschetta

Mittwoch, den 21. August 2019
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(10) -> 20.8.2019

Er gilt als einer der schönsten Aussichtspunkte über den Jasmunder Bodden und zur Halbinsel Wittow. Wenn man auf der Strecke zwischen Sagard und Glowe unterwegs ist, dann gibt es bei Bobbin einen kleinen Parkplatz. Von dort aus geht man eine Treppe auf einen Berg hoch. Dann ist man auf dem Tempelberg.
Und in der Tat: Der Ausblick auf den Jasmunder Bodden ist großartig. Auf der anderen Seite blickt man über das freie Feld. Und nicht nur der Ausblick ist toll – wenn auf der Landesstraße gerade kein Auto fährt, dann ist es auch schön ruhig.

Ein paar Kilometer weiter, in Glowe, gibt es die Ostseeperle. Wenn man dort auf der Terrasse sitzt, hat man einen schönen Blick auf den Strand und die Ostsee. Aber auch im Restaurant selbst gibt es große Panoramafenster – auch da kann man gut ausgucken.
Kleiner Tipp: Wenn man die Ostsee-Bruschetta bestellt, dann sollte man sich vielleicht auch durchlesen, was das ist. Bei Kräutermatjes erlebt man sonst eine unschöne Überraschung, wenn man den nicht mag. Stattdessen: Scholle! Die ist toll!

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RT liest

Katharina Peters: Strandmord

Mittwoch, den 19. Juni 2019
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(6) -> 28.2.2018

Um dem Titel des Buches gerecht zu werden: Am Strand zwischen Glowe und Juliusruh auf Rügen wird eine Leiche gefunden. Die weibliche Person ist nackt und übel zugerichtet.
Für die Kommissarin Romy Beccare ist das eine schwierige Sache, denn sie fühlt sich an einen Fall erinnert, in den sie vor 15 Jahren selbst involviert war – als Lockvogel. Die Sache damals war eng, und nun wird diese Sache wieder in ihr Gedächtnis geholt. Denn: Der Täter ist nicht mehr in Haft, und er lebt nun in Neustrelitz.
Doch im Laufe der Ermittlungen kommt heraus, dass die Tote andere Leute erpresst und merkwürdige sexuelle Neigungen hatte. Da eine echte Spur zu finden, erweist sich als schwierig.

Bedauerlicherweise scheint sich die Autorin Katharina Peters inzwischen mit ihrem Rügen-Schauplatz ein bisschen zu langweilen. Denn wirklicher Lokalkolorit kommt in ihrem 7. Rügen-Krimi kaum noch auf. Der Fundort, der Wohnort der Kommissarin, ein paar Ermittlungen. Aber das meiste scheint sich inzwischen auch an anderen Orten abzuspielen. Das, was so ein Heimatkrimi ausmacht, kommt bei der Autorin leider immer seltener zur Geltung. Es scheint, als ob sie Kriminalfälle zusammenbaut und sie dann einer ihrer diversen Buchreihen irgendwie zuordnet. Das wirkt immer beliebiger.
Der Fall selbst ist relativ spannend, der Leser wird auf die üblichen falschen Fährten gelockt, aber einen richtigen Pfiff und Thrill hat das selten. Erst gegen Ende nimmt das alles noch mal ein wenig Fahrt auf.

Katharina Peters: Strandmord
aufbau taschenbuch, 333 Seiten
6/10

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aRTikel

Im Klubhaus wurde er vom Staat geprüft

Freitag, den 17. März 2017
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Frank Liedke alias DJ Smily brachte ab den späten 80ern in Kremmen die Tanzbeine zum Schwingen

MAZ Oranienburg, 17.3.2017

Kremmen.
Schon in der 5. Klasse hat Frank Liedke gemeinsam mit Freunden den Discotheker gemacht. Das war 1978, mit Musik von der Kassette. Heute ist er in Kremmen als DJ Smily bekannt. Hin und wieder macht er auf Feiern noch Musik, bei Partys sorgt er auch mal im Hintergrund für die Technik.

Frank Liedke ist allerdings kein Ur-Kremmener, wie manche vielleicht meinen. Er stammt aus Berlin-Kaulsdorf, ging in Friedrichsfelde zur Schule und lernte später im Hennigsdorfer Stahlwerk und beim Reichsbahnamt in Elstal für den Facharbeiter in der Eisenbahntransporttechnik und speziell für den Stellwerkdienst. Während dieser Lehrzeit kam auch die Initialzündung für sein DJ-Dasein.
„In Glowe auf Rügen hatte die Reichsbahn damals ein Zeltlager“, erinnert sich Frank Liedke. „Und wir haben da Musik gemacht.“ Sie koppelten zwei Kassettenrecorder zusammen und legten los. „Das war das, was wir hatten, und alles von Kassetten.“ Um 1984 an die aktuelle Musik zu kommen, saß er vor dem Radio und nahm auf. „Oft habe ich das Band auf Verdacht gestartet“, erzählt er. „Entweder hatte ich das Lied schon oder nicht, und ich habe immer gebangt, dass der Moderator nicht draufspricht.“
„School’s out“ auf SFB 2 oder die Jugendsendungen auf Rias 2 waren damals angesagt. Aber auch DT 64 und die dortige Sendung „Duett – Musik für den Rekorder“ waren beliebt, denn dort sind ganze Alben gespielt worden. Ideal zum Mitschneiden.

Mit Peter Ott, der heute auch noch aktiv ist, zog Liedke damals zeitweise durch die Lande. Durch einen Freund, den er in der Lehre kennengelernt hatte, entdeckte er Mitte der 80er-Jahre Kremmen. „Damals gab es hier noch viele Veranstaltungen.“ Mittwochs war im Klubhaus Disco. Außerdem regelmäßig in zwei Beetzer Gaststätten, im großen Saal in Staffelde, in Wall und Groß-Ziethen. Um aber wirklich als DJ in der DDR arbeiten und Geld verdienen zu dürfen, musste eine professionelle Einstufung absolviert werden – inklusive Prüfung. „In Oranienburg haben wir Lehrgänge besucht. Politische Bildung und wie man am besten moderiert. Da musste man durch. Aber man bekam auch beigebracht, wie man bestimmte Dinge organisiert.“ Die Prüfung selbst fand im Kremmener Klubhaus statt. „Ich habe den Kumpels Bescheid gesagt: Feiert mit, wir müssen die Prüfung bestehen!“ Am Ende erhielten er und sein DJ-Freund die staatliche Spielerlaubnis.
„Dann waren wir unterwegs“, erinnert sich Frank Liedke. Ursprünglich waren sie zu zweit, er war er immer nur für die Technik zuständig. „Mit dem Trabbi und einem Anhänger ging es dann los.“

1990 gründete er seine eigene Discothek, und der Name „DJ Smily“ war geboren. Der CD-Player hielt Einzug. „Das alte Teil zieht heute noch alles durch, die ersten CDs von damals habe ich auch noch“, sagt er und lacht. AC/DC mag er sehr. „Ansonsten nehme ich, wie es kommt. Ich höre auch mal gerne alte Schlagerschinken, nur rechte Musik ist doof.“ Ab und zu fährt er zu Konzerten, reist auch zu Punkfestivals.

Er war viel unterwegs in seiner großen Zeit als DJ. Inzwischen musste er aus gesundheitlichen Gründen kürzer treten. „Ein paar Geschichten mache ich aber noch“, sagt er. Der Fußballfan von Union Berlin fährt einmal im Jahr mit dem Partyzug – und sorgt dort auf der Reise für die Musik. Letztes Jahr ging es nach Freiburg, als Nächstes nach Stuttgart. „Das macht riesen Spaß.“

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Rügen 2012 (3): Lauter Oldies auf der Insel

Samstag, den 19. Mai 2012
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(2) -> 12.2.2012

Meine Überfahrt auf die Insel Rügen klappt reibungslos. Nach nur wenigen Minuten Warten in Stahlbrode öffnen sich die Schranken für die Rügenfähre nach Glewitz. Der Wellengang auf dem Strelasund ist ordentlich, aber die Fähre kämpft sich fast ohne zu schwanken übers Wasser.

Nichts für schwache Gemüter ist jedoch eine Szene, die sich auf der B196 kurz vor Lancken-Granitz abspielt: Am Straßenrand steht ein kleiner Lieferwagen, die hintere Tür steht offen. Davor sind zwei Männer, die etwas aus den Büschen hervorziehen und wohl ins Auto legen wollen. Erst denke ich: Oh, ein toter Hund. Aber das Etwas ist größer. Es ist ein Wildtier, und es hört im Bereich der Rippen auf. Die Männer müssen es ausgenommen haben, denn ich als Autofahrer sehe in ein großes Loch.
Glücklicherweise bin ich schon daran vorbeigefahren, bevor ich noch genauer hinsehen kann.

Das lange Wochenende verbringen wir diesmal in Göhren. Anlass: Der Oldtimerclub Oberhavel veranstaltet eine Rallye auf der Insel.

Zehn alte Autos machen sich am Freitagmorgen von Göhren aus auf den Weg. Wer einen Oldtimer fährt, der ist es gewöhnt, angestarrt und fotografiert zu werden. Immer wieder stehen Leute auf den Gehwegen, verharren, gucken blöd, lachen oder winken. Oder alles in der Reihenfolge.
Schon in Göhren verlieren wir einen der Teilnehmer.
An der Tankstelle in Sellin sorgen wir für das erste Verkehrschaos, als wir den Parkplatz des Discounters blockieren. Wir müssen die Einfahrt frei machen – und verlieren bei der Abfahrt den Anschluss an die anderen. Diesmal sind wir es, die verloren gehen.
Erst kurz vor Bergen erblicken wir das Ende der OHV-Oldieschlange. Was nicht heißt, dass wir den Anschluss halten, ab Bergen sind wir völlig auf uns allein gestellt. Glücklicherweise wissen wir, wo es hingehen soll. Als wir an der Wittower Fähre ankommen, sind wir tatsächlich die ersten. Wir haben die anderen eiskalt überholt, ohne sie überholt zu haben.

Mitten auf der Landstraße in Fährhof legen wir den nächsten unplanmäßigen Halt ein. Nicht alle von uns sind auf unserer Fähre mitgekommen. Wir überbrücken die Wartezeit mit Kuchen und Getränken. Die anderen, noch Fehlenden, haben davon nichts mitbekommen.

Auf dem Rügenhof in Putgarten zücken die Leute wieder ihre Fotoapparate, wir setzen und inzwischen in die Bäderbahn nach Vitt.
Vitt ist eine echte Entdeckung, dort war ich bislang noch nie. Das kleine Fischerdorf liegt unweit vom Kap Arkona, und es wirkt, als ob die Zeit lange nicht vorangeschritten ist. Eine wirkliche Straße gibt es nicht, nur einen schmalen Schotterweg, der einen Berg hinab zum Dorf führt. Die kleinen Häuschen mit ihren Reetdächern stehen eng beieinander. Bei Sturm muss es hier ziemlich ungemütlich sein.

Gern hätten wir in Putgarten noch ein Käffchen getrunken, aber der Aufbruch ist dann doch unerwarteter als gedacht.
Dafür haben wir einen prominenten Zuschauer – jedenfalls glaube ich, dass er es ist: Am Straßenrand von Putgarten steht der Schauspieler Jaecki Schwarz (“Schmücke” im “Polizeiruf 110”) und bestaunt unsere Autos.
Nur wenige Minuten stoppen wir in Glowe, weil der Fahrer des ersten Autos der Rallye der Meinung war, jetzt könnten wir ja vielleicht bei „Lila“ ein Käffchen trinken. Nun ja.
Und immerhin gibt es noch eine Fahrerin unserer Tour, die Jaecki Schwarz am Straßenrand erblickt hat.
Nach Sassnitz geht es eine malerische Straße über Berge und durch Wald entlang: der Nationalpark Jasmund. Ein wunderschönes Fleckchen Erde.
Auf Hafen in Sassnitz treffen wir auf die Teilnehmer der „Rügen-Classics“, einer weit größeren und schon traditionsreichen Oldtimerrallye auf Rügen. Fast 50 alte Autos rollen die Straße am Hafen entlang. Allerdings sind ziemlich viele Porsches dabei, was dann doch ein wenig langweilig ist.

Weit mehr als neun Stunden sind wir an diesem Tag unterwegs – einmal quer über die Insel. In Göhren ist unterdessen Straßenfest, und eine Gruppe Musiker spielt „We will rock you“, unterstützt von einem Playback, auf Akkordeons. Das klingt erstaunlich gut!

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