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Rügen 2013 (8): Hans im Glück mit Orange und Senf

Sonntag, den 11. August 2013
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(7) -> 10.8.2013

Drei Tage Rügen im Sommer 2013 sind nun zu Ende. Es folgt ein kleiner kulinarischer Rückblick.

Der Höhepunkt.
An der Binzer Strandpromenade ist Hans im Glück. So heißt nicht nur ein Grimmsches Märchen, sondern auch ein Lokal mit Edel-Fastfood. Es gibt Burger in diversen Variationen mit leckeren Salaten und Soßen. Zum Beispiel die Orangen-Senf-Soße, in die ich mich am liebsten reingelegt hätte. Oder zumindest gern den Teller mit der Zunge abgeleckt hätte. Wäre aber sicher nicht gut angekommen…

Der Wartemarathon.
In der Schillerstraße in Binz gibt es einen Balkan-Grill. Das Ćevapčići hätte gern noch etwas mehr durchgebraten werden können, dafür habe ich darauf aber auch besonders lange gewartet. Also, nicht direkt aufs Ćevapčići, sondern überhaupt erst mal darauf, überhaupt bdient zu werden. Irgendwie haben mich sämtliche Bediengungen an diesem Abend ignoriert. Selbst intensives Angucken hat nichts gebracht. Fast wäre ich schon wieder gegangen, aber nach einer Viertelstunde bemerkte mich jemand…

Der Waffelhit.
Muss sein. Ein Besuch der Waffelstube an der Binzer Hauptstraße ist gewissermaßen Pflicht. Schmeckt. Und wie immer gut! Auch das Schoko-Vanille-Softeis ist lecker, leider suppt die Waffel ein bisschen zu schnell durch.

Das Fischbrötchen.
Fischbrötchen muss auch sein, wenn man an der Küste ist. Das erste Fischbrötchen auf Rügen gibt es in Glewitz, gleich hinter der Rügen-Fähre. Das Brötchen ist warm, der Bismarckhering sowieso lecker, der Salat frisch. Alles wird erst zubereitet, wenn es gebaucht wird.
Nebenbei: Das beste Bismarck-Brötchen gibt es in Baabe, kurz vor dem Strand. Aber bis dahin habe ich es diesmal nicht geschafft.

Das Badbistro.
Wer baden geht, will auch was essen. Und weil das Wetter nicht immer mitspielte, ging es in die Therme nach Neddesitz. Aber liebe treiber, ein bisschen mehr Mühe kann man sich auch in einer Therme schon geben, oder? Ein karger Raum abseits des Bades, ein bisschen Currywurst hier, Pommes da und dazu Eis – aber kein Schoko und Vanille, danke für Ihr Verständnis. Aber der Salat, der war okay. Immerhin.

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Rügen 2012 (5): Leitwolf

Montag, den 21. Mai 2012
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(4) -> 20.5.2012

Ich, der Leitwolf. Weil unser eigentlicher Rallyeboss sein Auto schon auf seinen Trailer geladen hat, bin ich heute derjenige, der den Oldtimertross anführt. Und das, obwohl ich selbst gar nicht mit einem Oldtimer unterwegs bin. Aber glücklicherweise ist die Anzahl der Autos an unserem dritten und letzten Rallyetag nicht mehr so groß, dass die Fahrt kompliziert werden könnte.

Wir starten wieder in Göhren und fahren am Bahnhof vom Rasenden Roland vorbei. Wie wir am Abend zuvor schockiert festgestellt haben, war einigen unserer Mitreisenden (oder eher -innen) nicht klar, dass Göhren einen Bahnhof hat – und wo der sein soll. Dass wir dort schon oft vorbei gefahren sind, ist ihnen irgendwie entfallen. Aber irgendwohin muss Roland ja fahren…

Als Leitwolf muss man einige Rücksichten nehmen. Am Ortsausgang gebe ich erst später Gas, damit die Truppe beisammen bleibt. Am Abzweig zwischen Lancken-Granitz und Serams müssen wir nach links in Richtung Putbus abbiegen. Da ist es wichtig, eine besonders große Lücke im Gegen verkehr zu finden, damit so viele wie möglich hinter mir noch abbiegen können. Und glücklicherweise gibt es auch immer wieder Autofahrer, die erkennen, dass Gruppen unterwegs sind und dann auch mal anhalten, um alle durchzuwinken.

Ein echtes Erlebnis ist die Straße in Vilmnitz. Obwohl es sich um eine Landesstraße handelt, macht sie eher einen musealen Eindruck. Ein extrem holpriges, uraltes Pflaster, enge Kurven, ausgefahrene Ränder. Mit raffinierten Kameraeinstellungen lassen sich in dem Dorf sicherlich Filme drehen, die im frühen 20. Jahrhundert spielen. Oder noch früher.

In Lauterbach legen wir am Hafen einen Zwischenstopp ein. Pflichtbewusst kaufe ich mir ein Parkticket, schließlich haben fast alle anderen Autos auf dem Parkplatz schon ein Knöllchen. Merke: In Lauterbach geht das Ordnungsamt auch am Sonntag um. Allerdings hätten die Oldtimerfreunde sicherlich eine gute Verhandlungsbasis gehabt, warum sie kein Parkticket kaufen müssen.
In einem Miniauto fährt ein Mann umher, hört italienische Musik und macht Faxen. Immerhin bekommt er unsere Aufmerksamkeit. Er wirbt für ein italienisches Lokal am Putbuser Bahnhof, und wir würden einen Kaffee kostenlos bekommen. Wir kündigen uns an und bitten darum, dass er uns Parkplätze freihalte.

Am Bahnhof von Putbus fährt an diesem Nachmittag eine Lok des Rasenden Roland hin und her. Immer wieder. Mal tutet sie, mal schnauft sie. Es ist Bahnhofsfest, und deshalb dürfen Interessierte mit der Lok fahren.
Wir beobachten das vom Italiener aus, wo wir zwar keinen kostenlosen Kaffee bekommen, dafür aber Pizzen, Fisch und Wasauchimmer.
Mit einer Ehrenrunde rund um den Putbuser Circus (nein, keine Artistik und Tiere, sondern weiße Häuser im Rondell), verlassen wir die Stadt.

Unser letztes Ziel auf Rügen ist Glewitz. Dort, wo mein Mai-Rügen-Aufenthalt begann, endet er auch wieder. Wir sind pünktlich, die Fähre aus Stahlbrode ist gerade angekommen, wir können gleich rauffahren.
Diesmal gibt es kaum Wellen, dafür viel Sonne und einen Surfer, der spannende Kunststücke auf dem Strelasund macht.

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Rügen 2011 (4): Nationalverseucht

Samstag, den 10. September 2011
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(3) -> 23.5.2011

Das Wetter ist wieder mal sehr viel besser als der Wetterdienst es angesagt hat. Als die Rügenfähre von Stahlbrode ablegt, hängen zwar ein paar Wolken über dem Strelasund, aber es ist nahezu windstill.
In Glewitz auf Rügen empfängt einen nicht nur die ersten Fischbude auf Rügen, sondern momentan auch viel brauner Dreck. Die NPD hat ihre Wahlplakate nach der Landtagswhl am vergangenen Wochenende noch nicht abgenommen. So empfängt Rügen seine Touristen mit “Ausländer raus” – bei genauerem Hinsehen “Kriminelle Ausländer raus!” Ersteres macht natürlich auf einer Urlaubsinsel keinen Sinn, aber die ganze NPD macht ja auch überhaupt keinen Sinn.

Ich hatte mir das so schön ausgemalt: Ein sonniger, ruhiger Nachmittag auf dem Binzer Kurplatz. Ein Fischbrötchen, ein Getränk, eine Zeitung. Herrlich.
Sonnig war der Nachmittag, ruhig jedoch nicht. In Binz ist Duckstein-Festival. Auf der Kurbühne spielen Blaskappellen, auf dem Platz vor der Seebrücke ist auch Trubel. Himmel und Menschen. Nun ja, man kann nicht alles haben.

Am Strand direkt neben der Seebrücke steht eine Mutter mit ihrem kleinen Sohn direkt am Wasser. Der Junge macht einen Schritt, stolpert und fällt hin. Klatsch! Er landet samt Klamotten im Wasser. Die Mutter zieht den triefenden Jungen wieder raus. Der Vater, der das beobachtet, lacht und sagt: “Wie bekommen wir den denn nun wieder trocken?” Mutter und Vater machen einen Blick zur Seite, nach oben zur Seebrücke. Dann lachen sie wieder.

Nachts um halb 4 in Binz. Der ganze Ort ruht. Auf der Strandpromenade herrscht Stille, das Meer rauscht nicht, nur ein paar müde Wellen. In der Hauptstraße stehen die vielen Buden des Festivals. Vor der Seebrücke stehen ein paar Security-Leute. Sie sehen mich wie einen Verdächtigen an. Sie können sich gerade noch beherrschen, mich zu fragen, was ich denn um diese Uhrueit im Ortszentrum zu suchen habe. Immer mit der Ruhe, Jungs!

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Rügen 2009 (7): Rendezvous mit Roland

Donnerstag, den 20. August 2009
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(6) -> 17.8.2009

Dienstag. Der letzte Tag. Am Abend steht schon wieder die Rückfahrt von Rügen auf dem Programm. Die Zeit verging wie immer viel zu schnell.

Den Vormittag in Binz beginne ich meistens mit einem Kakao und der Lektüre der Ostsee-Zeitung auf dem Kurplatz – mit Blick zur Ostsee. Das nennt man dann wohl: die Seele baumeln lassen.
Allerdings fallen mir zur Ostsee-Zeitung zwei Dinge ein: Das Blatt wirbt u.a. mit dem Spruch “Täglich mit neuem Inhalt”. Das ist für eine Tageszeitung eine ziemlich überraschende Aussage. Auch kundzutun, dass sie die Nummer 1 auf Rügen sei, wundert mich – wo doch die Ostsee-Zeitung auf Rügen gar keine Konkurrenz hat.

Mit dem “Rasenden Roland”, der historischen Schmalspurbahn bin ich schon seit 2003 nicht mehr gefahren. Es wurde mal wieder Zeit.
Von Binz nach Putbus. Wie sieht es eigentlich mit der Umwelt aus, wenn der Zug durch die Gegend dampft? Roland pustet jedenfalls ganz schön was in die Luft. Es muss kein Vergnügen sein, an der Strecke zu wohnen. Bei Seelvitz qualmt Roland zweimal pro Stunden die Garten und die hängende Wäsche voll. Auch müssen die Leute dort sicherlich ihre Fenster öfter putzen als anderswo.
In Putbus war dann ein wenig Zeit. Das Mittagessen kam glücklicherweise auch pünktlich, auch wenn das Fischfilet noch nicht ganz durch war. Na ja, man kann nicht alles haben.
Tourikinder sind schon eine ganz besondere Spezies. Wenn sie es mal eilig haben, pullern sie schon mal überall hin. Oder schlicht da, wo sie gerade stehen. Am Bahnsteigrand ließ ein Junge sein kleines Stück raushängen und strullte. Als der Zug losfahren sollte, packte er es, noch während es weiterstullte, wieder ein. Musste ja schnell gehen.
Von Putbus nach Göhren. Ab Binz wird es richtig kuschlig in den alten Waggons. Zwei Frauen mit vier kleinen Kindern stiegen zu und machten es sich auf dem Boden bequem. Eines der Mädchen wollte sich hinlegen, was die Mama aber rüde vereitelte. Mit Schrippenverbot und Strafstehen. Wenn’s hilft.
Zwischen Sellin und Baabe ist das Gleis offenbar in schlimmen Zustand. Es rumpelt gewaltig. Ebenso zwischen Baabe und der Waldbiegung in Richtung Göhren.
Von Göhren nach Binz. Es war so voll im Zug, dass sich die Menschen auch draußen auf den Plattformen drängelten. Obwohl es sicherer wäre, ist das Sitzen verboten. Aber wenn man die vielen Kinder an den wackeligen Geländern sieht, wird einem schwummerig. Aber so lange es die in den Abteilen sitzenden dazugehörigen Eltern nicht interessiert…
Der schönste Streckenabschnitt der ganzen Tour liegt übrigens zwischen Sellin-West und Binz. Da rollt Roland durch ein Waldgebiet, die Granitz. Berge, Bäume, eine Idylle. Und der Rauch der Lok wird in die Baumkronen gepustet. Scheint die Sonne drauf, sind im Rauch die Strahlen zu sehen, was ein surreales Bild abgibt.
In Binz treffen sich die Züge, Hunderte Touris stehen auf den Bahnsteigen. Kein Wunder, bei einem “So-lala-Wetter” ist eine Tour mit dem Rasenden Rolland tatsächlich eine feine Sache.

Und dann hieß es Abschied nehmen von Binz. Für das richtige Inselgefühl ging die Rückfahrt über Glewitz, wo die Fähre über den Bodden fährt.
Auf dem Weg dorthin fährt man eine der schönsten Alleen entlang, die ich je gesehen habe. Kurz vor Garz stehen die Bäume rechts und links der Straße. Die Baumkronen sind über der Straße zusammengewachsen. Es ist, als ob man durch einen Heckentunnel fährt. Beeindruckend!

Die Sonne ging unter, es dämmerte über dem Bodden. Mit der Fähre ging es aufs Festland, und als ich beim Losfahren wieder das Radio einschaltete, lief ein Song namens “Bye bye”. Das passte.

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Rügen 2009 (1): Nostalgiefahrt

Donnerstag, den 16. April 2009
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Die Insel Rügen hat mich wieder. Gestern bin ich nach Binz aufgebrochen, um an der Ostsee ein paar Tage lang das schöne Frühlingswetter zu genießen.
Normalerweise führt die Strecke nach Rügen über die Autobahnen 11 und 20, doch da ich genug Zeit hatte, wählte ich die Nostalgiestrecke. Früher ging es fast ausschließlich über die B96 (F96) nach Rügen. Diese alte Strecke mal wieder abzufahren, ist heutzutage gar nicht mehr so einfach, denn auch auf der alten Route wurden diverse Umgehungsstraßen gebaut.
Neustrelitz wird inzwischen großzügig umfahren. Ganz früher ging die Bundesstraße noch komplett durch die Stadt, dann wurde der Verkehr am Ortseingang abgeleitet, inzwischen beginnt die Umgehung weit vor Neustrelitz.
Neubrandenburg hat noch keine Umgehungsstraße, die soll erst ab 2012 gebaut werden. Hier geht es noch immer mehrspurig durch die Stadt.
Hinter Neubrandenburg ist dann die B96 plötzlich zu Ende. Der Fernverkehr wird auf die Autobahn A20 gelenkt, um schneller in den Norden zu gelangen. Die Bundesstraße beginnt erst wieder am Dreieck Stralsund. Ich blieb jedoch auf der alten Strecke, die von der Bundes- zur Landesstraße degradiert wurde. Zwischen Neubrandenburg und Greifswald verlaufen die alte B96 und die A20 kilometerweise parallel.
Rund um Greifswald und Stralsund wurden die Bundesstraßen munter verschoben. Die Strecke am südlichen Gewerbegebiet war ganz früher die B96. Die wurde dann irgendwann umgeleitet. Aus der B96 wurde die verlängerte B109. Aber auch die bekam nun eine Umgehung.
Die Schnellstraße zwischen Greifswald und Stralsund ist inzwischen auch nicht mehr die B96, sondern die verlängerte B105. Ales sehr verwirrend. In Mecklenburg-Vorpommern scheinen sie großen Spaß daran zu haben, die Linienführung der Bundesstraßen alle paar Jahre zu verändern.
Ich ignorierte das alles, fuhr auf der alten B-96-Strecke durch Greifswald, weiter nach Stahlbrode.
Hier verließ mich die Nostalgie. Früher fuhren wir stur durch Stralsund und über den Rügendamm. Nur einmal, vor einigen Jahren, nahm ich auf der Rückfahrt von Rügen den Weg über die Fähre zwischen Glewitz auf Rügen und Stahlbrode. Diesmal also andersrum. Die Wartezeit an der Fähre war kurz, ich war der Einzige, der für 5 Euro mitfahren wollte. Herrlich! Ich ließ mir die Seeluft um die Nase wehen. Der Wellengang auf dem Bodden war recht ordentlich, es schaukelte ziemlich, die Gischt wehte auf die Fläche. Nach wenigen Minuten erreichte das Schiff Glewitz – und damit Rügen.
Weiter ging es über Putbus, das mitunter entsetzlich verfallene Häuser an den Straßen vorzeigen muss, nach Binz.
Ich checkte im Hotel ein und genoss den sonnigen Tag an der See – inklusive der besten Waffel Deutschlands an der Binzer Hauptstraße…