RTelenovela

Paris

Samstag, den 14. November 2015
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Genau vor diesen Terroristen, vor diesen Idioten flüchten die Leute aus Syrien zu uns. Wir dürfen es nicht zulassen, dass die Angst die Oberhand bekommt, dass Terroristen unser Leben bestimmen.

RTelenovela

Königin Kundin darf sich (nicht) alles erlauben!

Donnerstag, den 12. November 2015
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Es war mal wieder empörend, empörend, empörend!!! Und eigentlich müssten da mindestens 30 Ausrufezeichen stehen, weil es so verdammt empörend war!

In einem Supermarkt in Glienicke. Eine Kundin telefoniert im Kassenbereich. Ein wirklich wichtiges, sehr, sehr wichtiges Kundengespräch. So wichtig, dass es nicht hätte eine Minute warten können.
Da passiert es, und es ist – wie gesagt – empörend! Die Kundin wird von der Marktleiterin darauf angesprochen. Sie solle doch bitte aufhören, im Kassenbereich zu telefonieren. Solche Kunden wolle man nicht haben.

Sagte ich das schon? Em. Pö. Rend. Und, ach ja: !!!!!!!
Die Kundin machte sich in einer Facebook-Gruppe über diese unglaubliche Dreistigkeit Luft. Das könne ja nicht sein, dass man als Königin Kundin sich nicht alles erlauben dürfe. Sie werde diesen Markt nie wieder betreten, und überhaupt sei ja die Konkurrenz viel besser.

Manchmal fasst man sich echt an den Kopf.
Erstens wegen der Unhöflichkeit. Kein Gespräch ist so wichtig, als dass es auch eine Minute warten könne. Erst gar nicht annehmen, wegdrücken, an der Kasse bezahlen und dann telefonieren. Wo ist das Problem?
Zweitens wegen der Arroganz. Man denkt, man sei erniedrigt worden, dabei ging es eigentlich nur um Höflichkeit, Taktgefühl und überhaupt die gute Kinderstube.
Wer weiß, vielleicht war ja die Supermarktfrau wirklich auch ein bisschen patzig – aber sie war nicht das Grundproblem.
Glücklicherweise hat die Handyfrau auch bei Facebook ordentlich Gegenwind bekommen.

RTelenovela

Lass die lieben Kleinen doch plärren!

Montag, den 2. November 2015
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Kinder auf einem Spielplatz sind laut, und das sollen und dürfen sie auch. Manchmal gibt es aber Situationen, da, nun ja, stört es ein bisschen. Und eigentlich ist es die Aufgabe der Eltern, in diesem Augenblick kurz einzuschreiten. Zumindest wenn sie fähig sind, diesen Augenblick als solchen zu erkennen.

Am Sonntagnachmittag fand auf dem Katholischen Friedhof im Oranienburger Neubaugebiet die Gräbersegnung statt. Da versammeln sich auf dem Friedhof gut 100 Leute, singen und beten und gedenken ihrer Angehörigen.
Nebenan, auf einem Klettergerät am Eltern-Kind-Treff, spielte eine Gruppe Kinder, und sie spielten laut. Mama saß ein paar Meter entfernt und daddelte auf ihrem Smartphone rum. Eine weitere Frau lief hin und her. Beide müssen gesehen haben, dass auf dem Friedhof in Sichtweite eine Messe stattfand. Beide haben daraus aber nicht den Schluss gezogen, die Kinder für ein paar Minuten um eine etwas niedrigere Lautstärke zu bitten.

So ist das Kindergeschrei lauter gewesen als die Worte des Pfarrers. Das darf und kann man den Kindern nicht vorwerfen, aber den erwachsenen Begleitern, die leider nicht über den eigenen Tellerrand hinweg sehen konnten. So von wegen gegenseitiger Rücksichtnahme.

RTZapper

ZDF-Morgenmagazin: Dunja Hayali bei der AfD in Erfurt

Sonntag, den 1. November 2015
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DO 29.10.2015 | 5.30 Uhr | ZDF

Was treibt Menschen an, zu einer AfD-Demo zu gehen? Und zu schreien: “Volksverhetzer!” “Lügenpresse!” ZDF-Frau Dunja Hayali mischte sich am Mittwochabend unter die Demonstranten der AfD in Erfurt. Der Bericht lief am Donnerstag im Morgenmagazin, das gut 26-minütige Rohmaterial ist zudem in der ZDF-Mediathek zu sehen.

Dunja Hayali hat sich in den vergangenen Jahren einen hervorragenden Ruf als Journalistin erarbeitet, und in diesem Beitrag ist zu sehen, warum das so ist. Sie mischt sich unter die Leute, sie spricht mit ihnen, sie hört sich an, was sie sagen, sie fragt nach, sie will es genauer wissen, sie konfrontiert die Leute mit Gegenfragen und -thesen. Sie zeigt Haltung, aber lässt auch die Haltungen ihrer Gesprächspartner zu.
Okay, das sollte eigentlich unter Journalisten normal sein. Aber heutzutage, wo die Stimmung mehr und mehr hochkocht, fallen solche Beiträge dann doch auf.

Da schreit die Masse dann laut “Höcke, Höcke!”, und es klingt wie damals. Da wird die ZDF-Frau nur deshalb bepöbelt, weil sie eine ZDF-Frau ist, und wenn sie wissen will, warum eigentlich, kommt nur wenig, was sich wirklich belegen lässt.
Der Film zeigt mehrere Dinge: Die Menschen haben Angst. Auch aus Unwissenheit. Und sie werden von AfD und Co. weiter angestachelt, weil immer nur das Negative gesehen wird. Da prallen Gegensätze aufeinander. Die Menschen machen sich Sorgen, sie fühlen sich nicht mehr verstanden. Dafür nehmen sie inzwischen auch in Kauf, sich den Rechten anzuschließen. Es ist kein Tabu mehr, sich auf deren Seite zu stellen (”Kann ich doch nichts dafür, dass die dabei sind, ich bin nicht Rechts.”). Bei einigen ist der Hass schon angekommen, auch das ist im Film zu sehen.

Dunja Hayali zeigt, was los ist. Die Bewertung überlässt sie dem Zuschauer. Mit Lügenpresse hat ihr Beitrag jedenfalls nichts zu tun. Aber wer “Volksverräter” und “Lügenpresse” schreit, hört sich sowieso keine Argumente an. Jedenfalls keine, die sich mit seiner Meinung nicht überschneiden.

RTZapper

Plötzlich Krieg? – Ein Experiment

Freitag, den 30. Oktober 2015
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MI 28.10.2015 | 21.45 Uhr | zdf_neo

Wie hetzt man zwei Gruppen von Menschen aufeinander. Wie schürt man Neid, Hass und Gewalt? Auf zdf_neo ist ein spannendes Experiment gewagt worden. “Plötzlich Krieg?” lautete am Dienstag- und Mittwochabend die Frage.

Zwei Teams zogen “Big Brother”-mäßig in zwei Bereiche eines Hauses, aber erst später haben sie erfahren, dass es ein anderes Team überhaupt gibt.
Wer sind die anderen? Und können sie zur Gefahr werden?
Das zdf_neo-Team hat beide Gruppen beobachtet – und manipuliert. Sie ließ erst eine Gruppe absichtlich verlieren, um zu schauen, wie die Redaktionen sind. Sie ließ sie denken, die anderen nähmen ihnen was weg. Sie bauten Frust auf und trieben es immer weiter.
Es entwickelten sich unangeahnte Gruppendynamiken, die Aggressivität stieg scheinbar von Stunde zu Stunde.

Manchmal ein wenig langatmig, aber letztlich doch sehr spannend. Denn die Doku sagte viel aus über die Menschen an sich. Wie sie sich manipulieren lassen. Wie Ängste und negative Gefühle schürt werden können. Was Neid und Hass in uns verändert, was passiert, wenn wir das Gefühl haben, dass es uns an den Kragen geht. Aber auch, wie wir uns manipulieren lassen, ohne dass wir das überhaupt merken.
In dem Experiment ist den Teilnehmern nie gesagt worden, dass es um etwas gehe. Den Druck bauten sie dann selbst immer mehr auf. “Wir vernichten euch”, hieß es dann plötzlich. Häme, Schimpfwörter, Kriegserklärungen, Kampfansagen. Und das alles in nur fünf Tagen, so lange dauerte das Experiment.
Erhellende drei Stunden Fernsehen.

RTZapper

ZAPPER VOR ORT: Fear

Donnerstag, den 29. Oktober 2015
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DI 27.10.2015 | Berlin, Schaubühne

Deutschland, im Herbst 2015. Eine Bestandsaufnahme.
Deutschland hat Angst. Vor den Fremden. Vor zu vielen Fremden. Vor Überfremdung. Davor, selbst weniger vom Kuchen abzubekommen. Davor, zu kurz zu kommen. Die, auf der einen Seite.
Die auf der anderen Seite klatschen den Flüchtlingen zu, wenn sie aus den Zügen steigen. Sie reißen sich den Arsch auf, um zu helfen, um die Lage irgendwie im Griff zu behalten.

Das Stück “Fear”, das derzeit an der Berliner Schaubühne zu sehen ist, ist hochaktuell, ist hochbrisant. Zwei Stunden lang sieht das Publikum eine Abfolge von Szenen, die das Thema von verschiedenen Seiten beleuchten sollen.
Und es ist beklemmend, das alles zu sehen. In komprimierter Form vorgesetzt zu bekommen, was hierzulande gerade abgeht. Was falsch läuft. Und es läuft viel falsch.

Da gibt es die Hassprediger von AfD, NPD, Pegida und Co. Die Lügenpresse-Schreie. Die Ängste, die Vorurteile, den Unsinn, vor dem so viele Menschen Angst haben, weil sie sich so sehr reinsteigern, dass gar nichts bleibt außer der Angst und dem Misstrauen. Wie Zombies, die von einem Virus erfasst werden.
Das sehen wir in einer der Szenen: Die Hassreden und die Menschen, die zu Zombies werden. Wir hören die besorgten Bürger. Aber wir bekommen auch den krassen Gegensatz vor Augen geführt: Die Bürger, die Angst haben, nicht mehr gebraucht zu werden, die kaum Kohle haben. Und die, die beklatscht werden, wenn sie aus den Zügen steigen. Zwei Welten, die aufeinanderprallen. Die Ängstlichen und die, die anpacken. Und sich gleichzeitig gegenseitig hochschaukeln in ihrer Wut.
Beide Seiten sehen nicht gut aus in dem Stück. Die Geschwätzigen genauso wie die, die gegen sie kämpfen. Gut und Böse – aber wie gut sind die Guten, und wie böse sind die Bösen, und warum sind die Bösen so böse?
Das Stück gibt keine Antwort, aber es wirft die Frage auf, über die man als Zuschauer mal nachdenken sollte.

“Fear”, Angst, handelt von eben jenem Gefühl. Und davon, dass sich jeder, der hier lebt, irgendwann fragen muss, wo er steht, wofür er steht, was er für sich erreichen möchte. Welches Ziele er hat. Oder möchte man sich ganz raushalten? Sich lieber um den Schrebergarten kümmern, ein bisschen Musik machen und die Politik draußen lassen?

Es gibt Augenblicke, wo das Stück ein bisschen platt erscheint, und vielleicht ist es auch nicht allzu kontrovers, weil es eventuell zu wenig die andere Seite der Gesellschaft beleuchtet, immer nur von scheinbar “linker Seite” draufhaut.
Aber letztlich hat das Ensemble, der Autor Falk Richter schlicht und einfach eine Haltung, und die vertritt er sehr vehement. Gegen die Angst, gegen die Dummheit, gegen den Hass und dagegen, dass sich Menschen von diesem Hass und dieser Angst allzu sehr leiten lassen.

Ein sehr gutes Stück. Schauspielerisch interessant umgesetzt, stellenweise fallen die Darsteller aus ihren Rollen, um dem Publikum irgendwas zu erklären, warum dieses oder jenes im Stück nicht funktioniert. Das Bühnenbild ist mit ein paar Laufstegen und einem Glaskasten macht was her, die Lichttechnik ist gelungen, die Sounds und die Musik nahezu perfekt.
“Fear” sorgt für staunen, für fesselnde Momente, für Entsetzen – aber macht irgendwie, so ein kleines bisschen Mut. Sich dagegenzustellen.

RT im Kino

Er ist wieder da

Freitag, den 23. Oktober 2015
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Deutschland steht vor einer Bewährungsprobe. Die Frage ist: “Schaffen wir das?” Und sie bezieht sich auf gleich zwei Probleme. Ganz aktuell die Flüchtlingskrise. Aber noch brisanter ist sie, wenn wir Fragen: Schaffen wir das, dass der braune Mob in Deutschland nicht wieder die Oberhand bekommt? Schaffen wir das, dass die Demokratie stark genug ist, sich gegen die Neonazis zu wehren?
Was passiert denn, wenn plötzlich eine Persönlichkeit auftaucht, die uns alle einlullt? Die irgendwie nett erscheint, die irgendwie sagt, was viele irgendwie richtig finden. Was aber dann, wie es ja immer heißt, natürlich nicht rechts ist und die einen nicht zu einem Nazi macht. Die letztlich aber eben doch rechts ist und ein Nazi. Wo es dann aber zu spät ist…
Was wäre denn zum Beispiel, wenn ER wieder da ist?

Hitler. Irgendwann, im Sommer 2014, erwacht er in einem Gebüsch in Berlin-Friedrichshain. Was seit dem 30. April 1945 passiert ist, weiß er nicht. Dass Berlin so gut aussieht, überrascht ihn. Auch dass so viele Türken da leben. Er muss erst mal eine Zeitung in die Hand zu nehmen, um zu erfahren, in welchem Jahr er sich befindet.
In seiner Uniform und mit seinem Aussehen – er sieht ja so aus wie… nein, er ist ja schließlich der Adolf Hitler (Oliver Masucci).
Fernsehmann Sawatzki (Fabian Busch) wird auf ihn aufmerksam, er hält ihn für einen Comedian und stellt Hitler seinen Bossen (Katja Riemann, Christoph-Maria Herbst) vor. Sie denken, der Fremde will sein Privatleben geheim halten und deshalb seinen “wahren” Namen nicht nennen. Er darf in einer Comedyshow auftreten, und alle finden lustig, was er sagt. Dabei sagt er gar nichts Lustiges. Sondern das, was er eben denkt. Was er, Adolf Hitler, plant.
So schleicht er sich nach und nach in den Alltag ein, widersetzt sich allen Empörungswellen und Misstrauensvoten. Der Erfolg macht ihn berühmt. Wieder berühmt. Alle finden es lustig, dabei ist sein Plan perfide.
Er ist wieder da. Und er hat sich nicht geändert.

David Wnendt den Roman von Timur Vermes ins Kino gebracht. Die einerseits unheimliche, andererseits irgendwie auch lustige Geschichte.
Wnendt gelingt es recht gut, den gruseligen Gegensatz zu schaffen, dass der Zuschauer sich dabei erwischt, Sympathien zu Hitler zu hegen – und es ihn gleichzeitig anekeln zu lassen. Denn genau das will er zeigen: dass da jemand ist, der unser Herz erobert – der aber unglaublich gefährlich ist. Eine Erkenntnis, eine Parabel, die in der aktuellen Debatte sehr erhellend und erschreckend ist.
Im Film trifft der Film-Hitler auf reale Menschen aus dem realen Leben. Das sind die Momente, wo die Fiktion mit der Realität verschmilzt. Es sind mitunter gespenstische Augenblicke, wenn man sieht, wie fröhlich die Leute auf Hitler reagieren. Wobei man natürlich sagen muss, dass ihn im realen Leben die Leute relativ sicher für eine Satirefigur hielten.
Es ist schwer rauszufinden, was echt ist und was nicht. Wenn Hitler in der NPD-Parteizentrale in Berlin-Köpenick auftaucht, dort eindringt und den Parteivorsitzenden auf unglaubliche Weise niederbürstet, dann stockt einem der Atem. Einerseits weil er die NPD als Deppen darstellt – andererseits weil er eben jene NPD für viel zu harmlos hält. Das Lachen bleibt im Hals stecken, denn schnell wird in diesem Film bitterer politischer Ernst. Aber real sind die Szenen nicht.
Wnendts Film ist Satire, an einigen Stellen leider zu klamaukig, am Ende zu offen moralisch (die Buchvorlage hat eine Moral, ohne sie auszusprechen) – aber sie packt einen. Weil sie uns sehr deutlich zeigt, was passieren kann, wenn…
Hitler sagt im Film mit Blick auf die (wahren) Pegida-AfD-NPD-Demos: “Damit kann ich arbeiten.” Dann ist die Satire keine mehr.

Er ist wieder da
D 2015, Regie: David Wnendt
Constantinfilm, 116 Minuten, ab 12
8/10