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Meine fremde Freundin

Freitag, den 10. November 2017
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MI 08.11.2017 | 20.15 Uhr | Das Erste

Obwohl der Film schon länger geplant und hergestellt war, hatte Das Erste am Mittwochabend einen sehr brisanten Beitrag zur aktuellen #metoo-Debatte.
In “Meine fremde Freundin” kommt es in einem Büro zu einem Zwischenfall. Die neue Kollegin Julia wird immer wieder vom Büro-Macho Volker angemacht und mit Sprüchen behelligt. Eines Tages ist Julia völlig aufgelöst: Volker habe sie vergewaltigt, sagt sie. Völlig schockiert sei sie. Sie zeigt Volker an, und es kommt tatsächlich zur Verhandlung. Konnte sie anfangs nicht über Details sprechen, werde ihre Ausführungen immer detaillierter. Volker wird verurteilt und muss in den Knast.
Aber nach und nach kommt raus, dass Julia, was ihr Leben angeht, immer wieder lügt. Und die Vergewaltigung? Auch alles erlogen?

Der Film spielt auf sehr perfide Weise mit dem Zuschauer. Denn auch wenn man Ende alles klar zu sein scheint – es kommt zum zweiten Prozess, Volker wird freigesprochen, das Gericht muss sich entschuldigen – irgendwie ist gar nichts klar.
Am Anfang ist Volker der Ekelmacho. Aber das Bild dreht sich. Julia ist nervig. Sie scheint angeblich immer wieder sexuelle Zwischenfälle zu erleben. Aber ob sie das nur inszeniert, kann man als Zuschauer nur spekulieren. Volker dagegen scheint das Opfer zu sein.
Das Faszinierende an diesem Film: Zwei Leute können ihn vollkommen unterschiedlich deuten. Man kann einerseits sagen, dass Julia bestimmt nicht lügt und dass alles so war, wie sie sagt. Man kann das aber auch ganz genau andersrum sehen – dass hier der Mann das Opfer ist. Aber wenn man länger drüber nachdenkt: Der Film lässt das nur augenscheinlich nicht offen. In Wirklichkeit weiß am Ende keiner so genau, was da passiert ist, ob da was passiert ist.
Ein spannender Ausgangspunkt für Diskussionen.

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Moritz Riesewieck: Digitale Drecksarbeit – Wie uns Facebook & Co. von dem Bösen befreien

Donnerstag, den 2. November 2017
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Facebook, Instagram, Twitter. Überall werden jeden Tag eine Unzahl an Fotos und Videos hochgeladen. Und das nicht nicht nur lustige Selfies oder Fotos vom Essen. Darunter sind auch verstörende Bilder: harte Gewalt, Sex, Kinderpornos.
Es heißt ja immer, dass man nicht das Gefühl habe, dass Facebook und Co. etwas dagegen tun – aber das ist nicht so. Denn das meiste von diesen schlimmen Fotos bekommen wir gar nicht zu Gesicht. Das liegt nicht an irgendwelchen Computern, sondern an Menschen, die daran arbeiten, dass solches Material entfernt wird.
Aber wer ist das eigentlich? Wer kümmert sich darum? Zum Beispiel Billiglöhner auf den Philippinen.

Der Autor Moritz Riesewieck reiste zu diesen Menschen, die sich Tag für Tag solch einen Psychomüll antun müssen. Stumpfen sie ab? Was macht das mit ihnen? Und dürfen die überhaupt darüber sprechen?
Riesewieck ist es gelungen, mit einigen Leuten darüber zu sprechen. Er schreibt aber auch darüber, wieso so etwas überhaupt gepostet wird, was überhaupt die Sozialen Netzwerke mit uns machen.
Ein manchmal etwas ausschweifiges, aber dennoch sehr interessantes Essay zu einem wichtigen Thema unserer ach so modernen Zeit.

Moritz Riesewieck: Digitale Drecksarbeit – Wie uns Facebook & Co. von dem Bösen befreien
dtv premium, 304 Seiten
7/10

RTelenovela

Buh! Halloween-Ignoranten!

Mittwoch, den 1. November 2017
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500. Reformationsjubiläum? Reformationstag?! Kindern ist das wurscht. Sie feiern am 31. Oktober Halloween. Sie verkleiden sich gruselig und ziehen von Haus zu Haus. “Süßes, sonst gibt’s Saures!”
Die Eltern ziehen mit, schließlich will man ja die Mäuse nicht allein lassen.

Nun ist das aber mit Halloween so eine Sache. Bei diesem Fest müssen nämlich nicht nur die Kinder mitziehen, sondern irgendwie alle. Aber klar, es gibt viele Leute, die mit Halloween nichts anfangen können und nicht mitmachen. Wenn da geklingelt wird, machen sie nicht auf, schließen die Fenster, lassen die Jalousien runter.
In Internetforen findet man auch gleich die Beschwerden. Dass doch die Mäuse sich so viel Mühe geben, und dass es dann Leute gibt, die sich taub stellen. Und dass das ja nicht schön sei.
Ja, vielleicht ist es nicht schön. Aber man kann und soll niemanden zwingen. Auch Kinder müssen wissen und akzeptieren, dass bei weitem nicht alle Menschen Halloween gut finden und Kinder mit Süßigkeiten beschenken möchten. Wissen Kinder das, sollten sie auch nicht enttäuscht sein. Und stattdessen vielleicht gezielt nach sowieso schon geschmückten Gärten Ausschau halten. Und die begleitenden Eltern könnten ja vielleicht mit Nachbarn eine kleine Party organisieren? Dann müsste man auch nicht umsonst an fremden Häusern klingeln.

RTZapper

Zapp: Ultras und die Medien

Sonntag, den 15. Oktober 2017
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MI 11.10.2017 | 23.20 Uhr | NDR

Ein Stück Realsatire im NDR-Medienmagazin “Zapp”. Ein Fußballfan, ein Ultra, beschwert sich, dass Ultas so ein schlechtes Image haben, und dass daran die Medien schuld seien.
Am Mittwochabend sprach so ein Ultra im NDR über seine Probleme. Darüber, dass sich die Medien immer so auf die Pyrotechnik stürze, und dass man sich so darüber aufrege. Und dass das ja das Fanbild total verzerren würde.

Der Ultra darf sich nicht zeigen, er wird als Schattenbild gezeigt, weil man nicht wissen darf, dass er ein Ultra ist. Der Mann beschwert sich, dass Ultras so oft als Gewalttäter, Pyromanen oder Randalierer darstellt. Pyrotechnik ist im Stadion verboten, aber für Ultras unverzichtbar, heißt es. Der Ultra sagt, dass die Medien so tun, als wäre die Verletzungsgefahr groß, dabei würden ja seine Freunde um ihn herum stehen, und da würde er doch nicht fahrlässig handeln.

Der Typ meinte das ernst. Er umgeht also ein Verbot und findet es schlimm, wenn andere das schlimm finden. Er zündet also Pyros an, und nur Freunde stehen in seinem Block, sie sich einräuchern lassen. Gefahren? Natürlich null, sagt der Ultra. Gewalt? Nie, sieht man wirklich nie in den Stadien.

Klar findet ein Ultra, dass Ultras verkannt werden, und es ist auch gut, wenn er das so sagen darf. Dafür gibt es Meinungsfreiheit. Recht hat er damit aber trotzdem noch lange nicht. So lange Dortmunder Ultras pöbeln und Gewalt anwenden, wenn es gegen Leipzig-Fans geht – dann sind Ultras nicht lieben Fans. Und wenn Pyrotechnik im Stadion verboten ist, dann ist sie verboten. Und dass auch auf dem Rasen nur Freunde sind, darf auch bezweifelt werden, wenn mal wieder Pyros auf den Platz fliegen.

Aber es ist natürlich richtig, dass man nicht alle Ultras über einen Kamm scheren darf. Aber da können andere Gruppen, die gern mal diskriminiert werden, ein Lied von singen.

RTelenovela

#ichbin87

Mittwoch, den 27. September 2017
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Ein neuer Hashtag wabert durch Deutschland: #ichbin87.
Er bezieht sich auf das Wahlergebnis der AfD, die bei der Bundestagswahl fast 13 Prozent erreichte. Mit dem Hashtag bei Twitter und Facebook will man sich von den AfD-Wählern abgrenzen und sich damit gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Hass und rechtem Populismus aussprechen.
An sich ist diese Äußerung natürlich völlig in Ordnung, und wer sich damit beflaggen will, kann das auch gern tun.
Aber dennoch ist es wieder ein Stück Wohlfühl-Internet. Alles ist immer noch gut, und ich habe mal wieder ein gutes Werk getan, in dem ich gegen die AfD protestiere. Mit einem Hashtag.

Aber macht man es sich damit nicht zu einfach? Die knapp 13 Prozent klingen viel, aber in Wirklichkeit ist ein niedriger Wert, wenn man sich mal im Osten Deutschland umsieht. In Sachsen ist die AfD als Wahlsieger hervorgegangen. Was hashtaggen denn die Sachsen? #ichbin74 ? – Klingt natürlich nicht mehr ganz so toll, und irgendwie will sich das Wohlfühlgefühl nicht so ganz einstellen.
Die politische Lage in Ostdeutschland scheint sich von der im Westen abgekoppelt zu haben, in Brandenburg und Co. sind die Rechtspopulisten schon viel stärker. Da ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die AfD Mehrheiten erreicht und Koalitionen ohne sie kaum noch möglich sind. Aber vielleicht kommt dann ja irgendwann der Hashtag #ichbin61 – oder so.
Aber wenn man etwas gegen diese Strömung unternehmen will, reichen oberflächliche Hashtags nicht. Zumal man damit keinen AfD-Wähler bekehren kann und noch mehr zur Spaltung unseres Landes beiträgt.

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Überraschungsevent (14): Kabettistischer Rundumschlag

Samstag, den 23. September 2017
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(13) -> 24.8.2017

Der Startschuss fiel im April 2016: Einmal im Monat wollen wir uns gegenseitig überraschen. Und immer darf der andere nicht wissen, wo genau wir hingehen werden – erst vor Ort wird das Geheimnis gelüftet. Der Termin muss beim anderen natürlich abgefragt werden, alles andere nicht. Die Preisgrenze liegt bei 30 Euro. In diesem Monat durfte ich das Event planen, im Oktober ist sie dran.

Diesmal gab es, passend zum beginnenden Bundestagswahl-Wochenende, einen Kabarettabend. In den Wühlmäusen am Berliner Theodor-Heuss-Platz gastierte Florian Schroeder mit seinem neuen Programm “Ausnahmezustand”.
Um es kurz zu machen: Es war ein großartiger Abend – und Schroeder bewies, dass er zu den besten Kabarettisten in Deutschland gehört – wenn er nicht gar der beste ist. mehr als zweieinhalb Stunden erzählt er uns über die Lage der Nation und drumherum. Danach fühlt man sich, als hätte man das Hirn durchgepustet bekommen – so viel erhellenden und spannenden Input gab es an diesem Abend.

Schroeder erzählt etwas über Gut und Böse. Wer ist gut? Wer ist böse? Und wenn Gutmenschen scheiße sind, wollen wir dann alle lieber böse sein? Es ging um den Wahlkampf, um die Leute von den Rechten – und darum, dass wir ja alle auf der guten Seite stehen. Wir kämpfen für das Gute, auch wenn wir sektschlürfend auch mal am Ziel vorbeischießen und Bauernopfer vorschieben. Es ging darum zu ergründen, warum Politiker es gut finden, wenn ein Ausnahmezustand herrscht – nämlich um Angst zu machen. Aber wir haben gar keinen Grund, Angst zu haben, und Schroeder hat das treffend erklärt. Stattdessen lassen wir uns in Watte packen, weil wir uns und anderen keine Härten mehr zumuten wollen. Wir beschäftigen uns mit der Gleichberechtigung – aber mehr mit der Sprache und den Wörtern (oder Wörterinnen) und nicht mit den eigentlichen Fakten darum.

Es ist ein erstaunlicher Rundumschlag, den Florian Schroeder in seinem Programm schafft. Nebenbei beweist er übrigens, dass er ein guter Late-Night-Talker sein könnte. Stand-up hat er drauf, auch Gags am Tisch – und Interviews könnte er auch packen. Also, welcher Sender bietet ihm so was an und traut sich, dafür Geld auszugeben?

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This Time next Year – Heute in einem Jahr

Mittwoch, den 13. September 2017
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MO 11.09.2017 | 21.15 Uhr | RTL

Ein Jahr ist eine lange Zeit, da kann viel passieren. RTL hat daraus eine Show gemacht. Schon 2016 begannen die Aufzeichnungen für “This Time next Year”. Der Clou: Menschen erzählen im Studio von ihren Leiden oder Zielen. Und dann haben sie genau ein Jahr Zeit, zu ihrem Ziel zu gelangen, ihr Leben zu ändern, für ihre Sache zu kämpfen. Ein Jahr also vergeht, dann wird wieder aufgezeichnet.

Mutter und Sohn wollen abnehmen, sehr viele Kilo. Moderator Jan Hahn plaudert ein bisschen mit ihnen, dann gehen sie durch eine Tür nach draußen. Schnitt. Jan Hahn läuft zur anderen Tür, und da kommen Mutter und Sohn wieder rein. Nicht schlank, aber sie haben tatsächlich wahnsinnig viel abgenommen.
Für uns vergingen wenige Sekunden, für die Teilnehmer der Show zwölf Monate.

Eigentlich eine schöne Idee. Aber so richtig zünden will sie nicht. Das liegt zum einen daran, dass Jan Hahn und seine Gäste sich gerade im ersten Teil der Gespräche erstaunlich wenig zu sagen haben. Hahn wirkt seltsam hölzern. Zum anderen geht es fast nur um Schicksale, und diese Geschichten kennt man aus vielen anderen Sendungen. Klar, es ist großartig, was die Menschen da leisten. Aber für eine 80-minütige TV-Show bei RTL braucht es schon ein abwechslungsreicheres Konzept.

Ausgerechnet Birgit Schrowange war es, die dem ganzen noch mal einen neuen Drive gab. Ihr Ziel: In einem Jahr wolle sie ihre Sendung “Extra” mit grauen Haaren moderieren. Denn, wie sie nun erzählte, seit 20 Jahren ist sie eigentlich grau, muss sich immer die Haare färben. Damit sollte nun Schluss sein. Ein Jahr lang trug sie schon grau, ließ die Haare wachsen – und setzte sich öffentlich eine Perücke auf.
Wenn man nicht vorher schon das mediale Gewitter mitbekommen hätte, wäre das ein wirklicher Überraschungsknaller gewesen. Emotional waren die Minuten aber dennoch. Und natürlich mutig, denn die RTL-Frau steht nun zum Alter, zu ihrem Grau.
Im Anschluss an die Show wurde in einem “Extra”-Spezial gezeigt, wie es dazu kam und wie RTL-Kollegen reagierten. Während er der ebenfalls graue Peter Kloeppel (Männer dürfen grau sein, Frauen nicht) es cool fand, wunderte sich die aufgedunsene und nicht sehr echt im Gesicht wirkende Katja Burkard etwas, nun ja, verwundert. Sie würde sich das (noch) nicht trauen, sagte sie. Das glaube ich ihr gern, wenn man sie so ansieht.

Nächsten Montag gibt es in “This Time next Year” neue Menschen mit neuen Zielen. Es wird spannend, ob sich dieses Konzept nicht zu schnell überlebt. Aber da liegt es an der Redaktion der Show, neue interessante Leute zu finden.
Na ja, und vielleicht einen Jan Hahn, der spannendere Gespräche führt.