RTelenovela

Lesen und schreiben – Ein Teufelskreis

Sonntag, den 4. Dezember 2016
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Neulich habe ich eine 21-Jährige kennengelernt. Sie kocht in einer kleinen Gaststätte in Sommerfeld. Sie macht das gut, sie kann das. Auch die Tische decken und sich um die Gästezimmer kümmern.
Was sie nicht kann: lesen und schreiben.
Und was sie auch nicht kann: eine Lehre absolvieren und da einen Abschluss machen. Weil sie eben nicht lesen und schreiben kann.

Sie kann das nicht, weil sie irgendwie blöd ist. Das ist sie nicht. Es hat erbliche Gründe, dass sie das nicht kann. Es ist ein Handicap, eine Behinderung.
Dafür hat sie ein fantastisches Gedächtnis. Alles, was man ihr beibringt, merkt sie sich. Für alles, was sie lesen müsste, hat sie sich andere Dinge einfallen lassen. Sie kommt klar.

Aber sie ist in einem Teufelskreis. Für eine Lehre müsste sie lesen und schreiben können. Es gibt keinen anderen Weg, eine theoretische Prüfung abzulegen. Niemand scheint sich je darüber Gedanken gemacht zu haben, und das ist ein Skandal.
Sie selbst sagt: Gehbehinderte haben Fahrstühle. Blinde haben Ampeln mit Ton. Sie hat nichts, sie muss sich selbst helfen.
Sie ist benachteiligt, und keiner hat dafür eine vernünftige Lösung, weil man eben darauf beharrt, dass sie das alles nur schriftlich machen kann. Deshalb hat sie auch keinen Schulabschluss.
Arbeitsagentur, IHK und wer sonst noch für Ausbildung und Lehre zuständig sind, sollten sich schleunigst mal Gedanken machen. Denn die 21-Jährige wird für etwas bestraft, wofür sie nichts kann.

aRTikel

Theorie ist die größte Hürde

Freitag, den 2. Dezember 2016
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Claudia König (21) kann nicht lesen und schreiben – sie arbeitet in der Sommerfelder Weinschmiede und macht dort einen guten Job

MAZ Oranienburg, 2.12.2016

Sommerfeld.
Wenn Claudia König in der Küche die Bestellung entgegennimmt, dann legt sie den ausgedruckten Bon unter die „Quatschmaschine“. Die liest ihr dann vor, was sie als nächstes zubereiten soll. Selbst durchlesen kann sich das Claudia König nicht. Die 21-jährige Oranienburgerin kann erblich bedingt weder lesen noch schreiben. Das ist ihr Handicap, mit dem sie aber ganz offen umgeht. Eigentlich ist die Quatschmaschine ein Vorlesegerät für Blinde.

Sie arbeitet seit März in der Weinschmiede in Sommerfeld. Dort steht sie in der Küche, sie kümmert sich auch um den Service, darum, dass die Tische sauber aussehen und auch um das Fremdenzimmer.
Nur eine richtige Ausbildung – die kann sie nicht machen. Dafür müsste sie lesen und schreiben können. Die theoretische Prüfung könnte sie nur schriftlich ablegen. Ausbildungskurse, die das umgehen gibt es nicht. Dabei weiß sie alles: Claudia König hat ein fotografisches Gedächtnis, sie kann sich sehr viel merken. Das nützt ihr in dem Fall nichts: „Gehbehinderte haben Fahrstühle, Blinde ein Ampelgeräusch, für mich gibt es da nichts, das ist eine Marktlücke“, sagt sie.

Christina und Joachim Kaiser, die Betreiber der Weinschmiede, hatten im Frühjahr die Anfrage von der Arbeitsagentur bekommen, ob sie sich vorstellen können, eine junge Frau mit Handicap einzustellen. Sie konnten. „Klar, einen Koch ohne Handicap einzustellen, wäre einfacher“, sagt der Sommerfelder. Stattdessen gingen sie das Wagnis ein.
„Ich bringe ihr alles bei“, erzählt Joachim Kaiser, „und das läuft richtig gut, auch wenn es mal Tränen gegeben hat, weil es sehr anstrengend ist.“ Für beide Seiten. Auch Kaisers müssen dazulernen. Zum Beispiel dass es nicht ausreicht, zu sagen: „Hol die Packung Zucker.“ Sie müssen die Packung beschreiben, wenn Claudia König sie holen soll. „Das mussten wir wirklich lernen.“

Ans Hinschmeißen hat die 21-Jährige nie gedacht. „Ich glaube, ich habe nicht noch mal so eine Chance, hier wurde sie mir gegeben, hier werde ich wie ein Mensch behandelt.“ Das ist nicht immer so. Schon in der Schule ist sie oft gehänselt worden. Weil sie nicht lesen und schreiben kann, konnte sie auf der Sonderschule auch keinen Abschluss machen. Weiterbildungsmaßnahmen scheiterten auch – weil dort ohne Schreiben nichts läuft. Keiner kann das verstehen. Claudia König nicht, die Familie Kaiser nicht – und auch nicht die Vertreter der Arbeitsagentur.
„Aber ich glaube, da tut sich was, das Thema dringt langsam ins Bewusstsein“, sagt Christoph Fischedick von der Neuruppiner Agentur für Arbeit. Einen konkreten Ausweg für die Misere der jungen Frau sieht er momentan aber auch noch nicht. Ihm geht es zunächst darum, zu zeigen, „dass jemand mit einem Handicap trotzdem voll mitarbeiten kann“, sagt er. Immerhin findet in diesen Tagen die „Woche der Menschen mit Behinderung“ statt. Es geht darum, mehr Inklusion im Arbeitsleben zu erreichen.

Die Arbeitsagentur bietet für solche Arbeitsverhältnisse spezielle Finanzförderungen an. Dazu gibt es gezielte Beratungen für Arbeitgeber – auch um Vorbehalte abzubauen. Letztere haben Kaisers nicht. Für alle Beteiligten war es aber ein langer Weg – und sie wissen: Er ist noch nicht zu Ende. Sie werden ihn gemeinsam gehen.

RT liest

Rayk Anders: Eure Dummheit kotzt mich an – Wie Bullshit unser Land vergiftet

Mittwoch, den 30. November 2016
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“Eure Dummheit kotzt mich an!”, ruft Rayk Anders regelmäßig in seinem Blog “Armes Deutschland”. Jetzt legt er einige Texte daraus als Buch vor.
Seine These: Geglaubt wird nur, was das eigene Vorurteil bestätigt. Diskussionen mit offenem Ende sind unerwünscht. Gerüchte werden ungeprüft weiterverbreitet, dass es sich manchmal sogar um Falschmeldungen handelt – vielleicht sogar um mutwillig verbreitete – ist scheinbar wurscht.
Rayk Anders sagt, dass Hass und Dummheit sich zu treibenden Kräften unserer Gesellschaft entwickelt, dass Bullshit das Land vergiftet.
Und leider hat er damit nicht unrecht.

In seinem Buch erzählt er von der angeblichen Biolüge. Davon, dass der Atomausstieg ja angeblich ein Fehler sei. Von den Flüchtlingen, die ja gar keine seien. Von den Mainstream-Medien, von lügenden Politikern.
Alles das, was gern von Populisten verbreitet wird und von vielen Leuten gern “konsumiert” wird.
Rayk Anders schildert die Dinge aus seiner Sicht, und es sind viele kluge Dinge, die er da sagt. Und eigentlich müsste man ja sagen: Anders erzählt viele schlicht logische Dinge, die leider aber viele nicht logisch finden.

Das ist auch ein wenig das Problem so eines Buches: Wer ist seine Zielgruppe? Wer den Bullshit, von dem er schreibt, nicht verfolgt, stimmt dem Autor ja sowieso zu.
Aber was ist mit denen, den den vielen Bullshit glauben? Werden diese Leute Anders’ Buch lesen? Wollen die sich schon auf dem Cover beschimpfen lassen? Ist das ein wirksames Mittel? Eher nicht.
Das Buch ist stark – aber die Zielgruppenfindung und die Ansprache an die, die das lesen müssten, ist eher schwach.

Rayk Anders: Eure Dummheit kotzt mich an – Wie Bullshit unser Land vergiftet
dtv premium, 205 Seiten
7/10

RT im Kino

Willkommen bei den Hartmanns

Samstag, den 5. November 2016
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Diese Hartmanns.
Eine Familie im Chaos, so scheint es.
Die Ehe von Angelika (Senta Berger) und Richard (Heiner Lauterbach) geht den Bach runter. Sie langweilt sich zu Hause, er ist Chefarzt und kommt mit dem Altwerden nicht klar.
Sohn Philip (Florian David Fitz) ist mit seiner Arbeit verheiratet, muss ständig nach Shanghai und vergisst darüber seinen Sohn.
Tochter Sophie (Palina Rojinski) studiert. Sie ist 31. Außerdem hat sie einen Stalker, der ihr mächtig zusetzt.
Ach, und dann ist da noch Diallo (Eric Kabongo), Flüchtling aus Nigeria. Angelika hat sich in den Kopf gesetzt, einen Flüchtling bei sich zu Hause aufzunehmen. Sie kann sich durchsetzen.
Willkommen bei den Hartmanns.

Simon Verhoeven hat nach den beiden “Männerherzen”-Filmen einen neuen Ensemblefilm mit vielen, kleinen Geschichten an den Start gebracht, die sich am Ende zusammenfügen.
Es ist ein genauso lustiger, wie auch trauriger und stellenweise kluger Film. Denn in gewisser Hinsicht erzählt er eine Story aus dem Deutschland des Jahres 2016. Menschen am Rande des Nervenzusammenbruchs. Leute, die nach Orientierung suchen, nach Bestätigung, nach Ruhm. Aber auch Menschen, die verunsichert sind, die nicht mehr wissen, wie sie zu bestimmten Themen stehen sollen, was sie denken sollen.
Es geht um den alltäglichen Stress in unserer Gesellschaft. Und natürlich um das aktuelle Flüchtlingsproblem und die Themen, die in diesem Zusammenhang akut sind: Ängste, Fremdenhass.
Schade ist, dass mit fortschreitender Story dann doch alles ein bisschen zu süßlich wird. Kino muss nicht immer Alltag erzählen, aber in diesem Fall herrscht die rosarote Farbe dann doch zu sehr vor. Der Drang nach Harmonie ist fast schon übertrieben worden.
Alles in allem ist “Willkommen bei den Hartmanns” aber ein überaus sehenswerter Film und ein aktuelles Statement zum Deutschland des Jahres 2016. Dafür sorgt auch das tolle Ensemble, zu dem auch Elyas M’Barek und Uwe Ochsenknecht gehören.

Willkommen bei den Hartmanns
D 2016, Regie: Simon Verhoeven
Warner, 116 Minuten, ab 12
7/10

RT liest

Till Reiners: Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen – Begegnungen mit besorgten Bürgern

Freitag, den 4. November 2016
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“Ich habe einfach Angst davor, dass es in fünf Jahren nur noch Frauen gibt, die Kopftücher tragen müssen.”
“Ich finde das blöd, dass die Flüchtlinge so viel Geld bekommen.”
“Ich kenne sie nur vom Sehen, aber man gewinnt schon seine Eindrücke.”
“Abschieben! Abschieben!”

Wo kommt da alles eigentlich her? Dieser Hass? Diese Angst? Diese Unsicherheit?
Der Kabarett Till Reiners, Jahrgang 1985, hat sich auf eine Reise durch Deutschland begeben, um besorgte Bürger zu treffen. Um herauszufinden, was die Menschen eigentlich antreibt. Warum sie Flüchtlinge ablehnen, oder ihnen zumindest skeptisch gegenüber stehen. Und welche Alternativen sie eventuell anbieten.
Till Reiners sucht das Gespräch, er will nachfragen, und er will Antworten. Er macht das nicht aus der Ferne, sondern sucht den Kontakt. Er geht zu Bärgida, Legida und Pediga. Er besucht besorgte Bürger, die AfD, aber auch die sächsische CDU. Er reist nach Tröglitz, Freital und Pforzheim.

Das Buch hat unheimlich viele spannende Stellen. Es gibt Momente, da steht einem der Mund offen, wegen des unvorhohlenen Hasses, aber auch wegen der Dummheit, wegen des Neides. Aber das ist es ja nicht nur.
Denn auch die “etablierten Parteien” bekleckern sich ja nicht mit Ruhm. Till Reiners stellt in Frage, ob die CDU in Sachsen das Flüchtlingsthema richtig angepackt hat. Er fragt, was die DDR mit Fremdenhass zu tun haben könnte.
Auf angenehme Weise schreibt Reiners seine Erlebnisse und Gespräche auf. Er recherchiert, versucht Einordnungen und geht Vorurteilen auf den Grund.
Ein gutes Buch – das aber sicherlich die, die dazulernen sollten, leider nicht erreichen wird.

Till Reiners: Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen – Begegnungen mit besorgten Bürgern
ro ro ro, 266 Seiten
8/10

RTZapper

Anne Will: Schöne neue Arbeitswelt – Ist der Computer der bessere Mensch?

Mittwoch, den 2. November 2016
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SO 30.10.2016 | 21.45 Uhr | Das Erste

Die Diskussionskultur geht vor die Hunde. Das ist immer öfter zu erleben: Keiner hört mehr dem anderen zu. Keiner differenziert mehr. Alle sehen sie nur Schwarz und Weiß.
Auf genauso eindrucksvolle wie ärgerliche Weise war das am Sonntagabend bei “Anne Will” im Ersten zu erleben.
Es ging um die “Schöne neue Arbeitswelt – Ist der Computer der bessere Mensch?”. Mal abgesehen davon, dass so eine Frage kaum zu beantworten ist. Selten ist so heftig und unerbittlich gestritten worden.

Psychiatrie-Professor Manfred Spitzer zum Beispiel. Er hat mit vielem, was er sagt, mindestens im Ansatz recht. Nur leider fuhr er ständig allen anderen dreist über den Mund.
Dass es problematisch ist, wenn man überall und ständig am Internet hängt, ist nicht von der Hand zu weisen. Es stresst auf die Dauer, und man muss sich zwingen, auch mal Abstand zu halten. Nichts anderes sagt der Professor. Und es ist richtig, wenn er sagt, dass man Kinder davor schützen muss. Ab 16 sollte man sie ans Internet lassen, sagt er. Das ist natürlich übertrieben und unsinnig, aber man könnte sich ja darauf einigen, Kinder mehr unter Aufsicht zu stellen, was das Netz angeht. Vielleicht meint er das ja auch so, die anderen haben ihn da ja leider gleich niedergewalzt.
Aber es kann schlicht nicht gut für uns sein, permanent online zu sein, permanent zu chatten, permanent unter dem Druck zu stehen, präsent zu sein, antworten zu müssen. Man muss sich nur mal auf den Straßen umsehen, da sieht man, wie oft und wie viele Leute ständig aufs Handy glotzen (und ich schließe mich da nicht aus).

Internetexperte Sascha Lobo verteufelt, was Spitzer sagt. Für Sascha ist das alles Unsinn. Alles, was Spitzer sagt, hält er für Unsinn – und umgekehrt. Dabei müsste es doch einen Mittelweg geben, über den man Sprechen kann. Konnten die beiden aber nicht. Und beide gaben sich wenig, was die Unsympathie anging. Selbst als Spitzer das Beispiel zweiter Schulklassen aufführte, bei der eine mit Smartboards unterrichtet wird, die andere mit Tafel und Kreide, und dass die “unmoderne” Klasse besser drauf war, wollte das Lobo einfach nicht glauben. Wieso kann man das nicht einfach mal hinnehmen?

Die Diskussion über die neue Computerwelt war leider komplett ohne Mehrwert. Alle faselten sie nur rum, was ja kein Wunder ist, denn in die Zukunft schauen, können wir eh nicht.
Dass die neue Technologie großartig ist, ist unbestritten. Dass sie Gefahren mit sich bringt, dass sie den Menschen verändert, und das nicht nur zum Guten, muss man aber auch diskutieren und in Betracht ziehen.

RTZapper

Verstehen Sie Spaß?: Blackfacing

Dienstag, den 1. November 2016
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SA 29.10.2016 | 20.15 Uhr | Das Erste

Wieder wird über Blackfacing diskutiert. Nach 2013 und dem, nun ja, Skandal bei Wetten, dass…?”, sorgte nun Guido Cantz in “Verstehen Sie Spaß?” für Wirbel.
In der am Sonnabend im Ersten gezeigten Show verkleidete sich Cantz in einem Film in einen schwarzen Südafrikaner. Dicke Nase, dicke Lippen, verstellte Stimme, gebrochenes Deutsch. Es ging darum, den Moderator einer Sendung im Schweizer Fernsehen zu verarschen. Eine Frau sollte ihren Vater endlich kennenlernen. Der Gag: Ins Studio kam nicht der vorher auf einem Foto gezeigte Herr, sondern der schwarze Guido. Haha, lustig.

Okay, der Gag war so mittel. Aber auch rassistisch, wie es Guido Cantz und seinem Team vorgeworfen wird?
Es ist immer ein schmaler Grad, auf dem man sich da bewegt. Cantz ging es darum, sich so zu verkleiden, dass es völlig absurd sei, dass der Afrikaner der Vater der Frau sei. Außerdem darum, dass er keineswegs erkannt wird. Alles, um den Moderator zu verunsichern. Was ihm auch gelungen ist.

Klar, Cantz hätte auch einen Chinesen spielen können. Oder eine Frau. Oder was und wen auch immer. Und in der Tat war sein Afrikaner schon sehr klischeemäßig. Aber ist das schon rassistisch?
Ich gebe zu, ich habe darauf keine wirkliche Antwort. Aber auch das Gefühl, dass sich wieder mal alle auf einen stürzen und es sich dabei auch ein bisschen einfach machen.
Die meisten Medienjournalisten sind sich jedenfalls einig, dass Cantz’ Gag so gar nicht ging.
Im Übermedien-Blog verurteilt Journalist Boris Rosenkranz Blackfacing ziemlich pauschal. Er zeigt auch andere Beispiele, wie Oliver Pocher als Jerome Boateng. Auch das sei rassistisch. Ist es das? Nur weil er, um diesen Menschen zu spielen, auch seine Hautfarbe ändert? Man kann die Parodie doof finden, aber sie ist deshalb nicht gleich rassistisch.

Das VSS-Team rückte trotz aller Kritik im Vorfeld nicht davon ab, den Film zu zeigen. Das ist nicht verwunderlich, denn immerhin war die Ausgabe ein Schweiz-Special, das auch live in der Schweiz gezeigt worden ist. Da einen der in der Hinsicht wichtigen Filme abzusetzen, wäre für “Verstehen Sie Spaß?” bitter gewesen. Augen zu und durch – das war da wohl die Devise.

Ja, mit dem Blackfacing verbindet man geschichtlich sehr viel Ungutes, und man hat das völlig zurecht an den Pranger gestellt. Aber ist das bloße Spielen eines Schwarzen rassistisch? Wäre es sofort rassistisch, wenn ein Schwarzer einen Weißen spielt?

Zumal es in “Verstehen Sie Spaß?” viel schlimmere Filme gab. Zum Beispiel den, wo in einem deutschen Supermarkt Schweizer bestimmte Kassen nicht mehr benutzen durften. Und wo Schweizer einen Extra-Parkplatz benutzen und 10 Euro abdrücken mussten. Da regt sich niemand über eventuellen Rassismus auf. Dabei sorgte dieser, ähm, Scherz auch eher für Übelkeit. Lustigerweise erzählte Lockvogel DJ Bobo im Anschluss, dass es auch unschöne, sehr böse Reaktionen vor Ort gab, die natürlich nicht gezeigt wurden. Das lässt tief blicken.
Oder den Gag mit dem Kind, das einfach irgendwelche Fahrräder zusammengeschlossen und Lösegeld gefordert hat. Der war nicht nur blöd, sondern auch völlig unlogisch, weil dann plötzlich die Mutter des Kindes kam, doof rumgezickt hat – und das alles einfach nur unglaubwürdig war.

Paola Felix war auch da und zeigte die immer gleichen Highlight-Gags aus Zeiten von Kurt Felix. Hat die angeblich in langer Suche aus dem Archiv gekramt. Jaja. Vielleicht hat das Team auch einfach nur eine der Highlight-Sendungen zurechtgeschnitten.

Immerhin zwei wirklich interessante und lustige Filme hatte die ansonsten recht biedere Show: Atze Schröder, der auf einer Privatfeier gute Miene zu den bösen Leuten zeigen musste. Der Film war deshalb interessant, weil man das wahre Gesicht des Atze Schröder sah: Nämlich einen besonnenen, ruhigen, hochgradig sympathischen Mann. Und als zweites der Koch Alexander Herrmann, der bei “Inas Nacht” verarscht worden ist. Er konnte nämlich im Aufenthaltsraum zusehen, wie Ina Müller und Gast Steffen Halaschka böse über Herrmann herzogen.

Man könnte ja mal grundsätzlich über die Qualität der Versteckte-Kamera-Filme diskutieren. Einfach mal die vielen miesen Filme weglassen, dann müsste so eine Show auch nicht 185 Minuten dauern.