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Treue Seele: Die Frau für alle Generationen

Mittwoch, den 17. Januar 2018
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Kerstin Laatsch aus Vehlefanz kümmert sich mit viel Herzblut um Senioren und Kinder

MAZ oberhavel, 17.1.2018

Vehlefanz.
Das ist immer wieder ein schöner Moment für Kerstin Laatsch: „Dankeschön für alles“, ruft ihr eine Frau zu, die gestern Vormittag am Frauenfrühstück teilgenommen hat. Normalerweise findet es einmal im Monat im Vehlefanzer „Haus der Generationen“ statt. Weil aber derzeit die Kitakinder dort betreut werden, muss die Veranstaltung noch bis zum Sommer ins Gemeindehaus nach Eichstädt ausweichen. Die, die das alles koordiniert, ist Kerstin Laatsch.

Dafür bekommt sie viel Lob. „Sie macht das mit Herzblut“, sagt die Vehlefanzer Ortsvorsteherin Erika Kaatsch. „Sie ist jemand, die gestalten will, sie vermittelt viel und will etwas bewegen, sie ist zuverlässig und vielseitig.“
„Mir macht das Spaß“, sagt Kerstin Laatsch selbst. Die 60-Jährige ist seit März 2013 die Koordinatorin für das „Haus der Generationen“ in Vehlefanz. Das heißt, sie macht Seniorenarbeit, sie ist die Brücke zum Heimatverein, zum Jugendclub und auch zur Kita. Wenn zum Beispiel gebastelt wird, dann verbindet sie das mit ihrem eigenen Hobby. „Da kommt viel Dankbarkeit zurück“, sagt sie. Sie tut aber auch viel dafür. Als Ende November die Senioren von Oberkrämer an der Weihnachtsfeier teilnahmen, da lagen auf den Tischen für jeden selbst gebastelte kleine Geschenke. „Da sitze ich dann zu Hause und fummele und gucke nebenbei Fernsehen. Bevor ich dabei einschlafe, bastele ich lieber.“

Eigentlich war Kerstin Laatsch Elektromontierer. Später machte sie aber einen Erziehungshelferlehrgang und arbeitete mehr als 20 Jahre als Erzieherin. Sie lebte in Osterne bei Zehdenick und baute noch zu DDR-Zeiten die dortige Kita mit auf. „Die gibt es aber nicht mehr. Nach der Wende gab es immer weniger Kinder, es wurden Einrichtungen geschlossen.“ Sie wurde dann sozialpädagogische Fachkraft und arbeitete als Sozialarbeiterin in der Zehdenicker Havelland-Grundschule. Aber die Stelle wurde irgendwann nicht mehr verlängert.
Da ihr Mann in Berlin arbeitete und die Kinder in Vehlefanz wohnten, bot sich ein Umzug in den Oberkrämer-Ortsteil an. Immer wieder hilft sie inzwischen in den Kitas in Bötzow, Bärenklau, Vehlefanz oder Eichstädt aus.

Aktuell beginnt ihr Tag aber im Vehlefanzer „Haus der Generationen“. In der Früh fährt sie dorthin, um zum Beispiel den Anrufbeantworter abzuhören. „Eventuell, wenn es wichtig ist, rufe ich dann zurück“, erzählt sie. Danach geht es zur Kita nach Bötzow, dort hilft sie momentan wieder aus, im Auftrag der Gemeinde Oberkrämer. Heute Nachmittag geht es dann zur Seniorenbeauftragten Erika Kaatsch, um kommende Termine abzusprechen. Es ist also einiges zu tun – nur morgen Nachmittag macht sie frei, dann feiert Kerstin Laatsch ihren 61. Geburtstag. Bis Ende Januar wird sie in der Bötzower Kita als Erzieherin eingesetzt. „Dann kümmere ich mich wieder intensiver um das Haus der Generationen“, sagt sie.
„Mir gefällt das.“ Kerstin Laatsch gibt aber auch zu, dass sie im Alter langsam an ihre Grenzen kommt, wenn sie mit Kindern arbeitet. „Aber sie fehlen mir auch, wenn ich sie mal länger nicht sehe.“ An sich könne sie nicht sagen, ob ihr die Arbeit mit Senioren oder Kindern mehr gefalle.

Beim Frauenfrühstück gestern sind schon mal die kommenden Termine festgelegt worden – und das Programm gleich mit. Auch in Bötzow organisiert sie viermal im Jahr ein Frauenfrühstück. Alles das muss vorbereitet werden. „Sie ist die Allround-Frau“, sagt Ortschefin Erika Kaatsch über die gute Seele des Mehrgenerationenhauses. „Eigentlich braucht jede Gemeinde so jemanden wie sie.“

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So was wie Angst – Eine Suche mit Anke Engelke

Sonntag, den 7. Januar 2018
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MI 03.01.2018 | 21.02 Uhr | tagesschau24

Wir haben Angst. Viel zu viel Angst. Wir misstrauen allen Statistiken, stattdessen setzen wir auf unser Gefühl. Und das trügt.
“So was wie Angst” hieß eine spannende Doku, die am Mittwochabend bei tagesschau24 zu sehen war (erstmals lief sie ebenfalls recht versteckt im Dezember im WDR). Anke Engelke begab sich auf die Suche und wollte wissen, was uns Angst macht und ob es uns zurecht Angst macht.

Es sind keine Belehrungen, die sie in ihrer Doku macht. Aber es sind Beobachtungen, und die sind spannend und erhellend. Und dass so eine Doku in der ARD auf kleinen Sendern versteckt wird, ist schade. Denn diese durchaus auch unterhaltsame Doku ist Bildungsfernsehen auf beste Weise.

Ein interessantes Beispiel ist der Berliner Platz in Wuppertal. Er gilt als Angstort, weil sich dort Leute aufhalten, von denen andere Leute denken, sie müssten einem Angst machen: Menschen mit “subjektiv unerwünschtem Verhalten”, Drogendealer, Trinker. Klar, da macht man einen Bogen drum. Anke nicht, sie geht auf die Leute zu. Und mehr noch: Sie will die Wuppertaler zusammentrommeln, um Ideen zu sammeln, damit der Platz wieder beliebt und belebter wird. Man muss nur machen.

Was macht Angst mit uns? Auch diese Frage stellt Anke Engelke. Die Leute kaufen sich Waffen, gehen in Selbstverteidigungskurse – sie lassen sich offenbar verrückt machen. Und der Feinstaub mit wohl 46.000 jährlichen Opfern? Nicht wichtig. Die 28 Toten durch Terror wiegen schwerer – über sie wird aber mehr eindrücklicher berichtet. Wie ja überhaupt über jeden Unfall oder sonstige Katastrophe, die einem zeigt, “dass es immer schlimmer” wird. Wenn wir das denn alles an uns ranlassen.

“So was wie Angst” war eine sehr sehenswerte Doku, und es ist der ARD und und allen zu wünschen, dass solche Sendungen etwas prominenter ausgestrahlt werden.

RTZapper

Das war 2017!

Sonntag, den 31. Dezember 2017
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I bims, und hier kommt schon wieder der Jahresrückblick, vong Silvester her.
Nein, nein, das Jahr 2017 hat mir nicht das Hirn eingefroren. “I bims” ist aber das Jugendwort des Jahres, und die dazu passenden “vong … her”-Nachsätze gehören auch zur Jugendsprache. Soll wohl den verkürzenden und fehlerhaften Internet-Chat-Sprech darstellen, und es gibt Leute, die das lustig finden.
Ach, überhaupt das Internet. Was in den sozialen Netzwerken abgeht, das ist nicht mehr feierlich. Da kotzen sich die Wutbürger überall da aus, wo es auch nur entfernt um Politik geht. Man könnte meinen, Deutschland ist zur Wuthochburg verkommen, aber es ist wohl eher so, dass alle anderen sich immer mehr zurückziehen und sich gar nicht mehr äußern. Was auch nicht gut ist. Mehr und mehr wird Pöblern der Platz überlassen – immer mehr angefeuert durch die AfD, und die “Bild” macht auch immer gern und fleißig mit.

2017 war geprägt von einem Schwarz-Weiß-Denken. Entweder ist alles gut oder alles schlecht. Zwischentöne? Werden oft vermisst. Donald Trump ist US-Präsident, und alle, die nicht das berichten, was er für die Wahrheit hält, bezeichnet er als Fake-News. Er liefert sich einen Kampf mit den US-Medien, verbreitet seine Weisheiten lieber über Twitter.
Ein anderer Diktator tobt sich in der Türkei aus. Aus fadenscheinigen Gründen werden Journalisten, Menschenrechtler und andere Menschen festgenommen, die aus Sicht von Staatschef Erdogan schlecht für die Türkei seien. Der deutsch-türkische Journalist und Türkei-Korrespondent der WeltN24-Gruppe, Deniz Yücel, sitzt seit weit mehr als 300 Tagen in Haft – #freeDeniz.

Eine harte Debatte wird auch um die Öffentlich-Rechtlichen Sender geführt. Insbesondere zwischen den Zeitungsverlagen und ARD/ZDF gibt es Streit darüber, was die Sender im Internet machen dürfen und was nicht. Der Lobbyist Matthias Döpfner, Vorstandsvorsitzender von Axel Springer und Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger, schießt gegen ARD und ZDF, nennt sie Staatsfunk, obwohl er es besser wissen müsste. Er sieht die Presse in Gefahr, wenn auch die ARD Texte auf ihren Internetseiten verbreitet. Aber auch der Ton unter den Zuschauern ist rauer geworden. In den sozialen Netzwerken kübeln Pöbler Häme über die Öffentlich-Rechtlichen aus, schimpfen über die angeblichen Lügenmedien, Staatssender und über die angebliche Regierungslinie.
Allerdings geben ARD und ZDF den Kritikern auch immer wieder Futter. Gerade im Umgang mit der AfD tun sich viele Journalisten noch schwer. Statt mit Fakten bloßzustellen, geht es scheinbar oft immer noch um eigene Befindlichkeiten. Da werden Sätze aus dem Zusammenhang gerissen und zu Skandalen aufgeblasen.
Was aber die AfD auch sehr gut kann – und sich zum Opfer zu machen. In einer ZDF-Wahlsendung verließ AfD-Frau Alice Weidel die Arena, als sie kritische Fragen zu hören bekam. Als sie sagte, dass die Zeit der politischen Korrektheit vorbei sei, und sie in der NDR-Satiresendung “extra 3″ daraufhin als Nazi-Schlampe betitelt worden ist, da war die Zeit der politischen Unkorrektheit offenbar auch schon wieder vorbei. Weidel klagte. Und bekam kein Recht.
Dennoch und gerade wegen des Hypes und die vielen Skandalisierungen – die AfD schaffte es im September in den Bundestag, und die Medien müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, daran zumindest eine Mitschuld zu haben.

Es war ein politisches Medienjahr. Auch wegen der Bundestagswahl. Die hat SPD-Chef Martin Schulz in nicht ganz so guter Erinnerung. Was vielleicht auch daran lag, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel ständig mehr Redezeit bekommen hat als er. Für Inhalte hatte er da nicht immer so viel Zeit – weil er sich darüber ja erst mal mokieren musste.
Bei Sat.1 hat man sich ab eh lieber damit beschäftigt, ob FDP-Chef Christian Lindner scharf ist und ob die Linke Katja Kipping irgendwie auf ihn stehen könnte.

Zeiten ändern sich. Auch im Sport. Als in Dortmund ein Anschlag auf den Bus der Fußballer von Borussia Dortmund verübt wird, wird aus Sky Sport News plötzlich ein Nachrichtensender im Breaking-News-Modus.
In der Pause des DFB-Pokal-Finales wollten die Fußballfunktionäre mal ein bisschen US-Entertainment-Luft schnuppern. Ganz im Sinne der Halbzeitshow beim SuperBowl gab es das beim Fußball erstmals auch. Mit Helene Fischer. Fanden die Fans eher so mittel.
Überhaupt, der Fußball: Die Bundesliga zerbröselt immer mehr. Nun sind nicht nur Sky und die ARD an Bord oder das ZDF und Sport 1. Auch Eurosport hat ein paar Rechte (wenn der Player mal funktioniert) und bei Nitro laufen montags auch noch ein paar (bislang weitgehend unbeachtete) Häppchen.
Niki Lauda hat sich vor laufenden RTL-Kamera und unerwartet als Formel-1-Co-Moderator verabschiedet. Und hinterließ einen verstörten Florian König. Nico Rosberg wird sein Nachfolger.
Ach ja, und da dann war ja noch Handball-WM. Hat aber kaum jemand sehen können, weil sich der Rechteinhaber belN sich mit keinem Sender einigen konnte – weder mit ARD und ZDF, noch mit Sky. So liefen die Spiele auf Youtube im Internet, aber der Seite einer Bank. Auch mal was Neues.

Apropos kleines Publikum: Es wird immer schwerer für die Sender, Serienhits zu landen. Selbst hochgelobte Serien wie “This is us” floppen, und es gibt noch viele mehr davon, die als Disaster abgebucht werden müssen. Der hochgelobte “Mr. Robot” hatte bei Nitro quasi keine Zuschauer. Es scheint, dass sich das Seriengeschehen mehr und mehr bei Amazon und Netflix abspielen. Auch deutsche Serien wie “Dark” oder Schweighöfers “You are wanted” laufen nicht im Fernsehen (oder ist im ORFeins in Österreich gefloppt), sondern bei den Streaminganbietern. Ob “Berlin Babylon” ein Hit ist, wissen wir auch erst im Herbst 2018. Die Co-Produktion zwischen Sky und ARD lief bislang nur im Pay-TV. Der Jubel ist groß – aber das muss ja nichts heißen.
Dennoch: Langsam kommt für das Fernsehen die Wende. Angebote wie Amazon Prime, Netflix und das altbekannte Sky haben immer mehr Nutzer.
Die jungen Zuschauer treiben sich eher auf YouTube rum und schauen sich dort ihre Stars an. Oder mobben sie gleich mal. Als rauskommt, dass der YouTube-Star Tanzverbot in Oranienburg wohnt, erlebt er die Aufdringlichkeit und Widerwärtigkeit seiner Fans und Hater. Er muss raus aus seiner Wohnung und zieht um.

Lineares Fernsehen ist unterdessen immer mehr out. Auch weil insbesondere das Privatfernsehen, immer mieser wird. Oder wer möchte wirklich sehen, wie irgendwelche Z-Stars ein Baby bekommen? “Janni & Peer … und ein Baby!” lief bei RTL II eher nicht so gut. Auf demselben Sender zieht man sich bei der Datingshow “Naked Attraction” gleich ganz nackt aus – weil das ja angeblich die ehrlichste Art des Datings ist. Aber auch das ZDF greift ins Klo: “Das Pubertier – Die Serie” ist einfach nur doof-albern, die Show “Flieg mit mir” im Ersten schrecklich betulich. “Das Sommerhaus der Stars” bei RTL ist nur noch Fremdschämen. VOX wollte die Echo-Verleihung aufpolieren und liefert eine Katastrophe ab. Die pure Ödnis.
Aber es gab natürlich auch gutes Fernsehen: der ZDF-Mehrteiler “Der gleiche Himmel” war ebenso ein Hit wie die letzte Staffel vom “Club der roten Bänder” bei VOX.

Schluss war auch für den “Circus Halligalli”. Dabei sorgte die Show noch fix für die deutsche Fernsehpeinlichkeit des Jahres: Bei der “Goldenen Kamera” schmuggelt das Team einen falschen Ryan Gosling ein. Er nimmt in der Live-Show im ZDF den Preis entgegen, und danach kam raus, dass selbst die Kategorie ein Fake war, weil die von der “Goldene Kamera”-Redaktion nur mit der Aussicht auf den Gosling-Besuch eingeführt wurde.
Aber die Amis können mithalten. Bei der Oscar-Verleihung kommt ausgerechnet beim besten Film ein falscher Umschlag in Umlauf. Die Leute von “La La Land” (schon wieder Gosling) stehen schon auf der Bühne, wollen sich bedanken – um dann zu erfahren, dass “Moonlight” der beste Film ist. Ups.

Da möchte man im Boden versinken. Das gilt auch für den Eurovision Song Contest. Vorletzter. Wobei es natürlich nicht an der Qualität des deutschen Songs (wie hieß der noch gleich?) oder an der Dings (wie hieß die noch gleich?) lag, sondern weil uns Deutsche einfach keiner mag. Na klar. Vielleicht gibt es ja 2018 ein Comeback, gerade wird mal wieder am Konzept für den deutschen Vorentscheid gefeilt.

Dabei ist das mit Comebacks so eine Sache: Als Thomas Gottschalk mit der neuen Sat.1-Show “Little Big Stars” um die Ecke kam, war das Interesse gering. Auch dass Christian Rach bei RTL wieder Restauranttester war, ließ viele kalt – was aber auch an den bekloppten Fällen lag, um die sich Rach kümmern musste. Die Wiederkehr von “Der Preis ist heiß” bei RTLplus war dagegen ein voller Erfolg – auch weil sich alle große Mühe gaben, den Klassiker nur behutsam zu modernisieren. Heraus kam netter, guter Trash. Ach, und dann ist ja auch MTV wieder da. Also, eigentlich war MTV nie weg, nur eben im Pay-TV versteckt. Nun gibt es angeblich wieder Interesse an dem Sender, die Rückkehr ins Free-TV war perfekt.

Aber auch Ankünfte sorgten für Wirbel. Der rbb übertrug mit großem Aufwand die Landung von Schätzchen und Träumchen in Schönefeld - zwei Pandabeeren. Sehr wichtig. Und noch eine Flugzeuglandung war dem rbb eine Live-Übertragung wert: die der letzten Air-Berlin-Maschine. Nie gab es vermutlich eine emotionalere Pleite eines Unternehmens. Es hieß Abschied nehmen.

Abschied. Auch 2017 wieder von vielen prominenten Menschen. Helmut Kohl ist gestorben, ebenso die Politiker Heiner Geißler und Roman Herzog. Die Schauspieler Roger Moore, Karin Dor, Christine Kaufmann, Jerry Lewis, Dieter Bellmann, Andreas Schmidt, Mikael Niqvist, Ingeborg Krabbe, Bill Paxton, Margot Hielscher, Martin Lüttge und Klaus Wildbolz. Die Musiker Fats Domino, Chris Roberts, Tom Petty, Chuck Berry, Malcolm Young, Joy Flemming, Chester Bennington, Chris Cornell, Gunter Gabriel, Daliah Lavi, Andrea Jürgens und Robert Miles. Die Comiczeichnerin Lona Rietschel, die Journalisten Ulrike von Möllendorff und Udo Ulfkotte, Playboy-Gründer Hugh Hefner, Joachim Kardinal Meisner, die Tennisspielerin Jana Novotna und die Synchronsprecher Oliver Grimm (”Kimba, der weiße Löwe”, “Hugo”) und Anderas von der Meden (Kermit, David Hasselhoff).

Man hätte außerdem den Eindruck gewinnen können, dass das Fernsehen stirbt – dabei wurde nur das alte DVB-T-Signal abgeschaltet – zugunsten des neuen DVB-T2. Die Kampagne machte den Eindruck, als seien sehr viel mehr Zuseher betroffen. Der Übergang verlief dennoch recht reibungslos. Eher reibungsvoll verläuft es beim Lokalsender Oberhavel TV. Die Qualität der Sendungen ließ immer mehr nach, es gab immer weniger, die Verbreitung via Satellit und im Vodafone-Kabel ist eingestellt – inzwischen gibt es wohl ein Insolvenzverfahren.

Aber was ist denn im Fernsehen 2017 wirklich Wichtiges passiert? Natürlich! Marc Terenzi ist Dschungelkönig geworden, obwohl sich Kader Loth so angestrengt hat, ein neues Image zu bekommen. Als Anne Will über den G20-Ausschreitungen diskutiert, fällt für zehn Minütchen das Bild aus, während im Studio weitergesprochen wird. Als beim selben Thema bei Maischberger sich die Gemüter erhitzen, verlässt Wolfgang Bosbach wütend die Arena, weil er sich von Jutta Ditfurth beleidigt gefühlt hat – nicht ohne auch selbst auszuteilen. Als in Frankfurt/Main eine Bombe entschärft werden muss, überträgt das hr fernsehen 13 Stunden (!) live – weil der Sender selbst evakuiert ist. Aus “Schlag den Raab” und “Schlag den Star” ist “Schlag den Henssler” geworden. Na ja. Birgit Schrowange ist erst ungeschminkt bei RTL aufgetreten (einmalig) und dann mit grauen Haaren (für immer).

Wird 2018 alles besser? Werden wir alle immer irrer? Oder ist uns einfach alles wurscht, so lange man sich auf YouTube weiter Schminktipps reinziehen kann? Oder alternativ den Livestream von der Demorandale wie bei G20 in Hamburg?
I bims, vong Spannung her.

PS: Ach, Mensch, Herr Eumann, habe ich Sie doch glatt wieder vergessen! Herzlichen Glückwunsch zur Wahl zum neuen Direktor der rheinland-pfälzischen Landesmedienanstalt. Nicht dass Sie wieder angepisst sind!

aRTikel

Chronik Kremmen 2017

Donnerstag, den 21. Dezember 2017
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MAZ Oberhavel, 21.12.2017

Januar: Das Pferd Eckerhardt versinkt in einem Hohenbrucher Schlammloch und muss von der Feuerwehr befreit werden. – Der Rohbau für das neue Seniorenhaus an der Ruppiner Chaussee in Kremmen steht. Eröffnung im Spätsommer. – Im Prignitz-Express werden keine Tickets mehr verkauft. Das sorgt für Frust. – Bei Edeka in Kremmen gibt es nun eine Milchtankstelle mit Frischmilch aus Tietzow.

Februar: Die Kremmener SPD-Grüne-Fraktion sammelt sich. Die SPD sei bislang zu still gewesen, sagt Fraktionschef Peter Winkler. Jörg Arens (Grüne) fehlt allerdings oft in der Stadtverordnetenversammlung. – Eine vermisste Kremmenerin (59) wird tot in Karlsruhe aufgefunden. – Der Beetzer See ist zugefroren. Ins Eiswasser werden Weihnachtsbäume geschoben – als Laichhilfen für Zander. – Erstmals veranstalten die Kremmener Feuerwehren eine gemeinsame Hauptversammlung. – Am 17. Februar fliegt in der Kremmener Dammstraße der erste Storch ein.

März: Die Amtszeit von Bürgermeister Klaus-Jürgen Sasse endet. Er will sich zunächst aus der Öffentlichkeit zurückziehen, sagt er. Und: „Ich hätte auf mein erstes Bauchgefühl hören sollen.“ – Die Kinder der Grundschule Beetz nehmen eine Woche lang an einem Zirkusprojekt teil. – In Sommerfeld wird das „Dorv“-Projekt vorgestellt. Es geht um ein Dorfzentrum mit Einkaufsmöglichkeit und Serviceangeboten. – Mehr als 1000 Besucher sind bei der elften Bluesnacht dabei. – Der langjährige Zeugwart und Ehrenschiedsrichter des FC Kremmen, Siegfried „Fiete“ Mattick stirbt mit 76 Jahren. – Heino Hornemann ist neuer Ortsvorsteher von Staffelde.

Der Neue im Rathaus
Sebastian Busse hat am 21. März sein Amt als neuer Bürgermeister der Stadt Kremmen angetreten. Hauptamtsleiterin Bianca Haak überreichte ihm den Schlüssel, außerdem sprach er den Amtseid.

April: Robin Scheffler gewinnt den Vorlesewettbewerb der Grundschule Beetz. – Der Sommerfelder Autor Harald Schmidt feiert seinen 80. Geburtstag. – Die Kremmener Turnhalle wird für den Schulsport gesperrt. Es gibt zwar keinen Schimmel, aber Bakterien in der Luft. Die Halle soll 2018 saniert werden.

Molotowcocktails
Am Ostersonnabend warfen Unbekannte zwei Molotowcocktails auf das Gelände des Asylbewerberheimes in Kremmen. Dies ist als Anschlag gewertet worden, die Kripo nahm die Ermittlungen auf. Im Laufe der folgenden Monate konnten zwei Männer festgenommen werden – beides Kremmener. Ob sie die Täter sind, ist noch offen.

Mai: Trübes Wetter sorgt für eine schlechtere Spargelernte. Nur etwa 20 Tonnen am Tag kommen zusammen, normalerweise sind es um diese Zeit 40 bis 45 Tonnen. – Der Förderverein der Goetheschule feiert sein 25. Jubiläum mit einem Frühlingsfest. – In Kremmen wird diskutiert, was aus der Feuerwehr wird. Bleibt sie an der Straße der Einheit oder kommt ein Neubau? Es läuft auf Letzteres hinaus, entschieden ist aber noch nichts. – Andreas Kretzschmar übernimmt den Vorsitz des Kremmener SPD-Ortsvereins.

Juni: Mal wieder wird für einen Radweg von Sommerfeld über Beetz nach Ludwigsaue und Rüthnick demonstriert. 100 Leute machen mit. Immerhin soll nun 2018 ein Weg nach Ludwigsaue gebaut werden, aber nicht entlang der Landesstraße. – Ein 26-Jähriger rutscht auf der A 24 bei Staffelde in den Straßengraben und stirbt. – Der Kremmener Heiko Höft bekommt den Landesverdienstorden für unternehmerisches Engagement. – Der Flatower Pfarrer Nico Vajen geht mit seiner Familie nach Berlin. Ihm folgt Antje Freye. – Die Sommerfelder Klinik hat nun ein MRT-Gerät – Union Berlin trainiert auf dem Kremmener Fußballplatz. – Der Jahrhundertregen sorgt am 29. und 30. Juni für viele Feuerwehr-Einsätze.

Knutschen mit Malte
Zum zehnten Geburtstag des Kremmener Spargelhofes überreichten die Oberhavel-Landfrauen an Geschäftsführer Malte Voigts eine Erntekrone. Und natürlich durften sie sich dafür einen Knutscher abholen, Das Jubiläum selbst ist Mitte Juni mit einer Party gefeiert worden.

Neustart im Klubhaus
Bäckermeister Plentz hat in Kremmen den Anfang gemacht und das Klubhaus am Marktplatz wiederbelbt. Mitte Juni öffnete die neue Filiale. Die Eröffnungsfeier war für die Kremmener voller Emotionen und Erinnerungen.

Königin für ein Jahr
Anja Mink ist die Kremmener Erntekönigin 2017/18. Hauptberuflich ist die 27-Jährige für Qualitätsmanagement und Direktvermarktung zuständig. Sie vertritt die Stadt auf Festen und Messen.

Juli: Ralph Weißbrich ist nicht mehr Ortswehrführer in Sommerfeld. Ihm folgt Johannes Homuth. – Beim 12. Drachenbootrennen auf dem Beetzer See sind 17 Teams dabei. – In der Kremmener Stadtparkhalle wird ein Film uraufgeführt, in dem Goethe-Grundschüler mitspielen. Gedreht hat ihn Jochen Wermann aus Schwante. – Vivien Genzow ist die neue Chefin der Kremmener Jugendclubs. – Ein Benefizkonzert für die Geschädigten des Starkregens in Leegebruch bringt auf dem Spargelhof 3333 Euro ein und muss wegen Starkregens abgebrochen werden. – Mega-Spendenbereitschaft für die Sommerfelder Feuerwehr. Für ein neues Fahrzeug kommen 45.000 Euro zusammen und später weitere rund 40 000 Euro.

775 Jahre Sommerfeld
Kitakinder, Vereine und viele weitere Sommerfelder feierten das 775. Jubiläum der Ersterwähnung. Die Party war allerdings ziemlich regengeschädigt.

August: In der Hohenbrucher Kirche wird das 200. Jubiläum der Orgel gefeiert. – Die Kremmener Feuerwehr bekommt ein neues Hilfeleistungslöschgruppen-Fahrzeug. – In Staffelde findet das 21. Drescherfest statt, die Planung dafür begann erst acht Wochen zuvor. Eigentlich sollte es nicht mehr gefeiert werden. – Ein Wall mit Baumischabfällen auf einem Firmengelände kurz vor Kremmen sorgt für Ärger. Der Unternehmer, dem es gehört, beklagt eine Hexenjagd.

Punk-Baby
Silas ist waschechter Kremmener und ist am 6. August auf dem Festivalgelände des Punk-Events “Resist to Exist” geboren worden. Die Mutter hatte vorher nichts von der Schwangerschaft gewusst. Ansonsten gab es keine größeren Vorkommnisse.

Der schönste Strand
Am Beetzer See gibt es den schönsten Strand in Oberhavel. Das finden die MAZ-Leser, die in einer Umfrage genauso abgestimmt haben. Die Freude in Beetz war groß

September: Beim Erntefest in Kremmen gewinnt Hartmut Steinke zum vierten Mal den Preis für den schönsten Wagen. – Hunderte Autos kommen zum Oldtimertreffen auf den Spargelhof. – Für Ärger sorgt die Vollsperrung auf der L 172 zwischen Hohenbruch und Germendorf. Da auch die B-96-Auffahrt Oranienburg-Nord gesperrt ist, gibt es eine sehr weitläufige Umleitung. – Bei der Bundestagswahl gewinnt in Kremmen die CDU mit 29,8 Prozent vor der AfD (20,7) und der SPD (20,6). – Für die neue Rettungswache in Kremmen erfolgt der erste Spatenstich.

Hier bitte nicht rauchen – freiwillig!
Die rauchfreie Zone rund um die Kremmener Goetheschule sorgte ein wenig für Ärger. Nicht nur, weil sich die Kremmener das Rauchen ungern auf öffentlichem Grund verbieten lassen. Schließlich sind die Schilder später ausgetauscht worden, nun können sich die Leute freiwillig ans Verbot halten – die Kinder werden es ihnen so oder so danken.

Oktober: 850 Leute kommen zum Oktoberfest auf den Spargelhof. – Das Orkantief Xavier sorgt für große Schäden. Im Wald nördlich von Beetz gibt es eine Schneise der Verwüstung. Viele Straßen sind blockiert. – Die Kirche in Sommerfeld hat nun einen barrierefreien Zugang. Der Unternehmer Winfred Günther hat zwei Drittel von den 40 000 Euro bezahlt.– Schock für Bahnfahrer: Der Prignitz-Express wird auch weiterhin nicht direkt Berlin-Gesundbrunnen anfahren, so steht es im Nahverkehrsplan. – Im Rhinluch rasten bis zu 60 000 Kraniche. – Das Altstadtstübchen in Kremmen hat neue Betreiber: Sina Sakkravi und Saedeh Manishdavi.

November: Die Kremmener Kleinzierzüchter feiern ihr 90. Vereinsjubiläum. – Für das Lindeneck in Flatow gibt es neue Pläne: Übernachtungszimmer und eine kleine Gaststätte, aber erst in etwa fünf Jahren. – Kremmens Kämmerin Kathrin Schönrock kündigt ihren Weggang an. – Das Schulessen wird für Erwachsene teurer, auch der Bringdienst. – Der Wirbel um ein neues Baugebiet in Ludwigsaue erweist sich als Luftnummer. es gibt keine Genehmigung.

Neuer Freizeittrend: Schlaglochgolf
Die Groß-Ziethener leben an einer Schlaglochpiste. Die L17, die Alte Dorfstraße, bietet eine unendliche Geschichte. Saniert wird sie nicht. Deshalb gab es eine besondere Veranstaltung: ein Schlaglochgolf-Turnier. Viele Leute waren zu dem Spaß-Event, das ja eigentlich gar kein Spaß war, gekommen.

Oben am Kreuz
Besonders luftige Bauarbeiten auf dem Dach der Kremmener Nikolaikirche. Am 20. Oktober reparierte der Schmied Dieter Blumberg in 34 Metern Höhe das Turmkreuz. Das war locker und musste wieder befestigt werden.

Dezember: Eine defekte Wasserleitung sorgt in Kremmen für einen kurzzeitigen Versorgungsausfall. – Der musikalische Adventskalender findet diesmal nur am Klubhaus statt. Das gefällt nicht jedem. – Die Bauernscheune in Kremmen schließt. – Helmut Jilg verabschiedet sich als Geschäftsführer des Zweckverbandes.

KeineWochenShow

#50 – Höchste Zeit für die Diät!

Sonntag, den 17. Dezember 2017
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50. Sendung! Als wir im Januar mit der “KeineWochenShow” begonnen haben, haben wir nicht geahnt, dass wir wirklich so lange durchhalten und ohne Pause abliefern.

In der Jubiläumsausgabe stellen wir schöne Weihnachtsfilme vor, die man sich in den nächsten Tagen noch reinziehen kann. Wir erinnern aber auch daran, dass momentan Chanukka gefeiert wird.
Es geht außerdem um den rauen Ton zwischen CDU und SPD und die Sondierung, ob sondiert werden soll. Außerdem sprechen wir über den um sich greifenden Hass. Sei es Hassreden im Internet oder auch die ständigen Angriffe auf Zugbegleiter.
Zum 75. Geburtstage von Frank Schöbel wird auch wieder gesungen. Ein Bier gibt es selbstverständlich auch wieder. Und wir fragen uns, warum eigentlich Hennigsdorf es immer wieder schafft, Promis auf ihre Feste zu holen und Oranienburg nicht.

KeineWochenShow #50 gibt es zur Besichtigung auf YouTube.

RTZapper

Amazon – Gnadenlos erfolgreich

Montag, den 11. Dezember 2017
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DO 07.12.2017 | 20.15 Uhr | zdf info

Vier Wochen ohne Amazon.
Eigentlich kann ich mir nicht vorstellen, dass das ein so großes Problem ist. Trotzdem wurde am Donnerstagabend in der Doku “Amazon – Gnadenlos erfolgreich” auf zdf info ein riesiges Ding daraus gemacht. Mehrere Familien mussten vier Wochen ohne Amazon auskommen und darüber berichten.

Ich kaufe bislang eher Bücher, Musik und Filme sowie ab und zu was Technisches über Amazon. In diesem Fall sind das allerdings keine Familien, die einfach nur ihre paar Einkäufe dort erledigen. Einige erledigen den kompletten Einkauf darüber. Sie haben Amazon-Uhren. Sie haben den Sprachcomputer Alexa, und sie lesen Bücher auf dem Amazon-Reader. Diese Leute leben ein Amazon-Leben.

Was dann zu sehen war, glich einem Katastrophenfilm, und sowohl die dort gezeigten Leute als auch ich waren dem Weinen nah.
Da kommt die Hausfrau morgens in die Küche, und Alexa antwortet nicht, wenn sie “Guten Morgen!” sagt.
Da verzweifelt die Frau, wenn ihr Alexa die Uhrzeit nicht sagen kann – und offenbar Ratlosigkeit darüber herrscht, wo man denn eventuell noch die Uhr ablesen kann.
Da will die Frau des Hauses Klebeband, und kann keins über Amazon bestellen, das Stunden später oder morgen (so spät??) per Päckchen ankommt. Stattdessen muss sie einkaufen gehen! Schock!
Schuhe können nicht mehr bestellt werden, stattdessen muss der Weg in den Laden angetreten werden. Uijuijui!
Die Leute stellten das alles wie eine mittlere Katastrophe dar, und ich weiß nicht, ob ich lachen soll oder in Mitleid zerfließen.

So schön es ist, wenn man sich um nichts mehr kümmern muss: Wir verkümmern. Irgendwann wissen wir nicht mehr, wo man Dinge eventuell bekommen kann. Wenn es irgendwann überhaupt noch Läden außerhalb des Internets gibt. Irgendwann sind wir nicht mehr in der Lage, Dinge selbst zu recherchieren, den Kopf zu benutzen.
Technik hilft uns – aber garantiert verblödet sie uns auch ein Stück.

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Silvester hat’s gefunkt

Mittwoch, den 22. November 2017
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60 Jahre verheiratet: Ulla und Fredy Müller aus Sommerfeld feiern morgen ihre diamantene Hochzeit

MAZ Oberhavel, 22.11.2017

Sommerfeld.
Morgen Nachmittag könnte „Die Küchenschlacht“ wohl ausfallen, denn dann haben Ulla und Fredy Müller weniger Zeit zum Fernsehen. Stattdessen wollen sie bei Kaffee und Kuchen ihren 60. Hochzeitstag feiern. Die beiden Sommerfelder haben diamantene Hochzeit. Es wird keine große Sache, „denn wir haben gerade erst den 80. Geburtstag von meinem Mann gefeiert“, erzählt Ulla Müller.

60 Jahre – herrscht da noch die große Liebe oder hat es auch mal gekracht? „Ja, ab und zu gibt es auch mal ein Donnerwetter, aber wir vertragen uns immer wieder“, sagt sie und lächelt. „Hinter jedem Gewitter ist ein Sonnenschein“, ergänzt er. Geheiratet haben sie am 23. November 1957 zu Hause – der Pfarrer kam zu ihnen. „Ich war im siebenten Monat schwanger, da wollte ich nicht mehr raus“, sagt sie. Es gibt nicht mal Fotos von damals. „Wir hatten keinen Fotoapparat.“ Ganz schön sei die Feier gewesen. „Wir hatten viel Verwandtschaft da und haben feucht-fröhlich gefeiert.“

Es passierte Silvester 1956. Fredy und Ulla hatten sich auch schon vorher mal bei der LPG gesehen – aber beim Anstoßen zum Jahreswechsel, da hat es gefunkt. Er mochte ihr ruhiges Wesen. „Ich lasse mich nicht gerne jagen, und ich jage auch nicht“, sagt er. „Er war etwas größer als ich, und der erste Blick hat gereicht“, sagt sie. „Man redet. Er hat mir geholfen, Milch wegzubringen. Er durfte mir Mittag bringen.“ Sie lächelt wieder.
Als klar war, dass sie schwanger ist, „hat mein Vater gesagt, du musst jetzt heiraten“, so erinnert sie sich.Zwei Monate nach der Hochzeit wurde Tochter Petra geboren. Sie kam in der Berliner Charité zur Welt. Die kleine Familie hatte immer ein schönes Zusammenleben, sagen beide. Inzwischen haben sie auch zwei Enkelkinder.
Er ist schon immer Sommerfelder, sie stammt ursprünglich aus Stettin und kam nach dem Zweiten Weltkrieg ins Dorf. Viel gereist sind die beiden nie – in Moskau waren sie, 1980, als gerade die olympischen Spiele stattfanden. Er bekam die Reise als Auszeichnung von der LPG. „Das war eigentlich unsere einzige große Tour“, sagt Ulla Müller. „Und er wollte erst gar nicht und hat es mir anfangs gar nicht erzählt, dass er diese Auszeichnung bekommen hat.“ Nach der Wende konnten sie nicht mehr weg, aus gesundheitlichen Gründen. Insbesondere Fredy Müller bleibt nun leider meist nur noch die Couch.

Dafür hatte er früher zu Hause eine kleine Werkstatt, in der Küche baute er ein halbes Jahr an einem Gleitboot, mit dem sie dann auf dem Beetzer See unterwegs waren. Er angelte gern. „Ich puzzle und stricke viel“, erzählt sie. So entstanden für die Kinder schon Kleider und Socken. In der MAZ löst sie jeden Tag die Rätsel. Morgen aber wollen sich Müllers einen schönen Hochzeitstag mit ihren Lieben machen.