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Neo Magazin Royale: #Varoufake

Freitag, den 20. März 2015
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DO 19.03.2015 | 22.20 Uhr | zdf_neo

Was für ein Coup! Vielleicht jetzt schon der Mediencoup des Jahres!
Am Mittwochabend ging ein Ruck durchs Twitterland. Jan Böhmermann behauptete in einem Vorab-Ausschnitt aus seinem am Donnerstag bei zdf_neo ausgestrahlten “Neo Magazin Royale”, dass sein Team dem griechischen Finanzminister Varoufakis einen Stinkefinger in ein Youtube-Video montiert habe.

Vorgeschichte: Bei “Günther Jauch” warf Günther Jauch dem Herrn Varoufakis vor, in einem Youtube-Video gegenüber Deutschland den Stinkefinger gezeigt zu haben. Sehr verkürzt dargestellt. Varoufakis stritt das ab, das Video sei gefälscht.
“Bild” und Co. diskutierten nun, wer denn nun Recht habe, und eigentlich sei Varoufakis ja ein Lügner.

Und dann kam Jan Böhmermann: Ja, sagte er, das Video sei gefälscht. Und verantwortlich dafür sei sein Team. Genau legte er dar, wie das Video gefälscht wurde, er präsentierte einen Voroufakis-Rede-Ausschnitt ohne Stinkefinger.
Da war die Aufregung groß. Riesengroß. Hat Günther Jauch versagt. Hat seine Redaktion Mist gebaut? Hat die “Bild” fälschlicherweise eine große Fresse gehabt?

Oder war es Jan Böhmermann, dessen Varoufake in Wirklichkeit ein Varoufakefake ist?
Beim Jauch-Team muss Panik geherrscht haben. Am Donnerstagmittag stellte das ZDF klar, dass Böhmermann eine Satire abgeliefert habe, und dass ja das “Neo Magazin Royale” eine Satiresendung sei. Ach was.
Fast war es ein bisschen schade, dass der Fake “nur” eine Satire war. Ich hätte gern in den betroffenen Redaktionen Mäuschen gespielt.

Auch wenn die Fake-Enthüllung ein Fake ist – er ist großartig. Denn er hält uns allen einen Spiegel vor: Wem glauben wir? Dem Journalisten Jauch oder dem Satiriker Böhmermann? Glauben wir alles, was man uns hinwirft oder denken wir auch selber mal wieder nach? Quatschen wir alles nach, was andere sagen oder schalten wir auch mal wieder selbst en Kopf ein?
Böhmermann hat erreicht, dass wir alle über die Wahrheit nachdenken. Dass wir sehen, dass es da zwei “Wahrheiten” gibt, dass wir verwirrt sind, dass wir abwägen müssen – und, das auch, recherchieren müssen.
Wir sehen, wie leicht Bilder und Filme heute manipulierbar sind – nicht nur in Kinofilmen.

Böhmermann kritisiert aber auch, wie leicht es sich die Medien manchmal machen. Da hat “Günther Jauch” also den Stinkefinger, reißt ihn aus dem Kontext, macht sein “Au weia”-Gesicht und stilisiert den Griechen mal wieder zum bösen Griechen. Damit nach dem “Tatort” das Gut-Böse-Verhältnis bei den Zuschauern nicht aus den Fugen gerät und sich alle noch mal herrlich auskotzen können.
Böhmermann: „Liebe Redaktion von Günther Jauch. Yanis Varoufakis hat Unrecht. Ihr habt das Video nicht gefälscht. Ihr habt einfach das Video nur aus dem Zusammenhang gerissen und ‘nen griechischen Politiker am Stinkefinger durchs Studio gezogen. Damit sich Mutti und Vati abends nach dem Tatort noch mal schön aufregen können. ,Der Ausländer! Raus aus Europa mit dem! Er ist arm und nimmt uns Deutschen das Geld weg. Das gibt’s ja wohl gar nicht. Wir sind hier die Chefs! So!’ Das habt ihr gemacht. Und der Rest ist von uns.“

Dafür gibt’s einfach mal Applaus.

RTZapper

Sat.1 Nachrichten: Klaps vom Papst

Samstag, den 7. Februar 2015
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FR 06.02.2015 | 19.55 Uhr | Sat.1

Die Aufregung ist groß. Mal wieder. Es muss ja jeder Pups gleich zur Hysterie ausgeweitet werden. Gerade erlebt Papst Franziskus einen Shitstorm. Vermutlich kennt er das Wort nicht, auch wenn es nicht sein erster Shitstorm ist.
In einer Rede habe er gesagt, dass es resktlos sei, ein Kind ins Gesicht zu schlagen, ein kleiner Klaps auf den Hintern sei aber okay.
Böse Falle.

Sofort rollte eine Welle der Empörung heran. Die Boulevardpresse. Internetforen. Und natürlich auch diverse Magazine und, ähm, Nachrichten zogen mit. Und wie sich alle aufregen. Ein Klaps! Schlägereien gegen Kindern! Kinder verprügeln! Ganz, ganz schlimm! Auch in den Sat.1 Nachrichten am Freitagabend durfte eine Frau vom Kinderschutzbund sagen, dass man Kinder nicht schlägt.

Und natürlich hat sie recht. Aber ich habe eher das Gefühl, dass da dem Papst etwas in den Mund gelegt hat, das er so nicht gesagt hat.
Kinder darf man natürlich nicht schlagen, nicht verprügeln. Aber ein Klaps ist auch kein Schlag. Ein Klaps auf den Hintern ist nicht schlimm, so lange keine Härte dahinter steckt, so lange niemand Schaden davon trägt. Zumindest meine ich, ganz gut geraten zu sein – klapslos bin ich schließlich auch nicht geblieben. Dass mir Gewalt angetan würde, das zu behaupten wäre aber auch albern. Aber in dieser wieder mal überzogenen Diskussion wird ja eher selten differenziert.

aRTikel

Kutschenscheune ist jetzt ein Ort der Stille

Donnerstag, den 29. Januar 2015
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Edith von Thüngen hat die Remise in Groß-Ziethen umbauen lassen

MAZ Oranienburg, 29.1.2015

GROSS-ZIETHEN
Stille. Aber irgendwie anders, tiefer gehend. Genau diese andere, besondere Stille soll der große Raum auch erzeugen. Er befindet sich im Refugium auf dem Groß-Ziethener Gutshof, direkt neben dem Schloss. Die alte Remise ist 2013 und 2014 umgebaut worden. Vorher befand sich darin eine Kutschenscheune. Die ist jetzt Vergangenheit, nun ist das Haus ein Ort der Einkehr, der Ruhe.

Nachdem Edith von Thüngen die Schlossgeschäfte nebenan an ihren Sohn Rafael abgegeben hatte, war sie zunächst nach Potsdam gezogen. Nun aber lebt sie wieder in Groß-Ziethen. „Das Dorf ist für mich zur Heimat geworden“, sagt sie. Sie fühle sich in der Region sehr verwurzelt. Seit 1993 ist sie in Groß-Ziehen aktiv, das Schloss ist heute eine feste Größe. „Wenn man etwas aufbaut mit den Menschen hier, das verbindet, und wir haben uns sehr schnell sehr wohl gefühlt.“
So engagiert sie sich beispielsweise in Lehnitz auch in den Bemühungen, Flüchtlinge zu integrieren. „Ich hoffe, dass ich da was beitragen kann.“

Und auch in Groß-Ziethen selbst wollte sie etwas Neues auf die Beine stellen. „Ich habe überlegt, was ich hier machen könnte.“ Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Sie ließ das alte, schon ziemlich verfallene Herrenhaus umbauen. Das hat etwa ein Jahr gedauert, das Konzept der Inneneinrichtung und Raumaufteilung stammt von ihr selbst. Das Refugium ist ein echtes Schmuckstück geworden. In der unteren Etage hat sich Edith von Thüngen ihre Wohnung eingerichtet. Die obere Etage soll ein Ort für neues und vernetztes Denken werden, ein Ort der Ruhe, der Erholung.
„Ich wollte etwas schaffen, was mir wirklich wichtig für die Menschen erscheint“, sagt sie. Immer öfter erlebe sie, dass die Leute vollkommen erschöpft seien von ihrem Berufsleben und dem, was der Alltag bringt. „Ich habe selbst oft mitbekommen, wie die Menschen an die Grenzen gehen. Es sind gerade die Fähigen, die viel leisten, und die Anforderungen im Job sind oft enorm.“ Burnout lautet das Stichwort, aber so weit dürfe es nicht kommen, findet Edith von Thüngen. Dem müsse man vorbeugen.
Angeboten werden Seminare, Lesungen und Vorträge. In den Seminaren geht es darum, neue Kraft zu schöpfen. Durch Schweigen, durch Meditation. „Das ist keine Esoterik“, stellt Edith von Thüngen klar. Sie hat sich zwei Expertinnen an die Seite geholt. Die Zen-Lehrerin Dagmar Fleischmann und die Diplompsychologin Gabriele von Bülow geben die jeweiligen Kurse, die von Freitagnachmittag bis Sonntagmittag dauern. Beide Wege sind religionsunabhängig, es gehe vielmehr um Gruppendynamik, um das Verbinden mit den eigenen Quellen, um geführte Stille. Der Mensch solle mit sich selbst wieder in Kontakt kommen und die Dinge neu ordnen können. „Es kommen ganz verschiedene Menschen“, sagt Edith von Thüngen. Junge Ehepaare, ältere Berufstätige. Sie kommen, um runterzukommen, um zu entschleunigen, die vielen Gedanken zu verscheuchen. Die Stille des Hauses und der Umgebung sei dafür perfekt.

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Tagesthemen: Schlussstrich unter Auschwitz?

Donnerstag, den 29. Januar 2015
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DI 27.01.2015 | 22.15 Uhr | Das Erste

70 Jahre ist es her, dass das KZ Auschwitz befreit worden ist. Aus diesem Anlass spielt momentan der damalige Wahnsinn wieder eine besondere Rolle in unserem täglichen Leben. Wieder werden auf unsere Geschichte aufmerksam gemacht. Wie Menschen gequält, gefoltert, abgeschlachtet, vergast werden sind. Auch reinem Rassenhass. Aus reiner perfider Idiotie.
In Auschwitz kamen die damaligen Überlebenden zusammen. Sie sind inzwischen hochbetagt, sehr alt, und viele von ihnen werden das letzte Mal zu diesem traurigen Jubiläum an die Stätte des Grauens gereist sein.

NDR-Frau Anja Reschke sorgte am Dienstagabend in ihrem “Tagesthemen”-Kommentar im Ersten für Aufsehen, obwohl sie etwas vollkommen Selbstverständliches gesagt hat: Wir können keinen Schlussstrich ziehen unter Auschwitz, unter unsere Geschichte. Da, im ehemaligen KZ, sitzen Menschen, die das Grauen damals erlebt und überlebt haben, und da kommen ernsthaft irgendwelche dahergelaufenden Leute, die sagen, man solle einen Schlussstrich ziehen?
Anja Reschke hat das gut und richtig auf den Punkt gebracht. Dabei geht es, und viele wollen oder können das nicht kapieren, nicht darum, ob man selbst und ganz persönlich Schuld hat am Holocaust. Aber jeder von uns hat eine Verantwortung: nämlich die, angesichts unserer Geschichte, zu verhindern, dass so etwas wieder passiert. Dass wieder Ausländerhass die Oberhand bekommt. Dass wieder Leute an die Macht kommen, die voller Irrsinn im Kopf sind. Ohne das Gedenken an damals gibt es kein Heute. Wer ausschließlich das Heute sieht oder sehen will, beschränkt sich, macht es sich bequem.

Für Reschkes Kommentar gab es viel Lob – aber auch Hasstiraden. Bis dahin zu der Aufforderung, die Journalistin möge sich doch erhängen. Was für kleine Lichter doch solche Leute mit diesen Gedanken sind.

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7 Tage… beim Bund

Dienstag, den 27. Januar 2015
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SO 25.01.2015 | 15.30 Uhr | NDR fernsehen

Es ist schon mehr als 15 Jahre her, dass ich mich beim Bund durch die Grundausbildung quälte. Das war 1998. Und wie sieht es 2013 aus?
Der NDR wiederholte am Sonntagnachmittag eine zwei jahre alte Folge der Dokureihe “7 Tage”. Ein Reporter des NDR machte eine Woche lang bei der AGA, der allgemeinen Grundausbildung, mit.

Leider dauerte der Film nur 30 Minuten, so dass die Doku nur sehr an der Oberfläche kratzen konnte. Ein Unterschied ist aber gleich deutlich geworden: 1998 gab es noch eine Wehrpflicht. Wer nun beim Bund ist, macht das freiwillig. Mehr oder weniger. Viele sind dort gelandet, weil sie keinen anderen Job bekommen haben. Einer quält sich, um nach der AGA als Koch bem Bund zu arbeiten.

Eines ist erstaunlich – hat sich jedoch in Wirklichkeit im Gegensatz zu 1998 auch nicht geändert: Wenn der Reporter fragte, ob sich die Männer bewusst sind, dass sie mit der Waffe, mit der sie gerade übten, auch töten könnten, dann verdrängen sie das. Nein, darüber haben sie sich keine Gedanken gemacht, heißt es. Der Reporter wunderte sich darüber, dabei möchte, damals und heute, niemand dran denken, was passieren könnte, wenn…

Und sonst? Der Drill. Die Regeln. Die kurzen Mahlzeiten. Manche Dinge scheinen sich auch nach so langer Zeit nicht zu ändern.
Und der NDR-Mann hatte Glück: Nach sieben Tagen endete seine AGA. Meine damals erst nach gut acht Wochen.

RT im Kino

Wir sind jung. Wir sind stark.

Montag, den 26. Januar 2015
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Ein Tag in Rostock-Lichtenhagen. Kein normaler Tag. Es ist der 24. August 1992. Die deutsche Einheit ist knapp zwei Jahre her, vom Wirtschaftsboom ist im Osten Deutschlands noch nicht allzu viel angekommen. Die Leute sind frustriert, die Jugendlichen haben nichts zu tun. Die Politik hat scheinbar eine vernünftige Asylpolitik verschlafen, das Heim in Lichtenhagen ist überfüllt, die Bewohner campieren draußen, und die Einheimischen fühlen sich provoziert.
Es gehört zu den dunkelsten Kapiteln der jüngsten deutschen Geschichte: die Krawalle von Lichtenhagen. Burhan Qurbani zeigt in seinem unbedingt sehenswerten, und in der jetzigen Zeit sehr aktuellen Film, was an diesem einen besagten Tag geschehen ist.

Die Stimmung im Hochhausviertel ist angeheizt, alle wissen: Heute Abend knallt es. Wieder. Die örtlichen Politiker spielen das Problem runter, sei es aus Naivität, aus Blöd- und Blindheit oder aus Gier nach höheren Posten.
Stefan (Jonas Nay), der Sohn des Bürgermeisters, und seine Gruppe stromern durchs Viertel. Freundschaft und Liebe haben keine größere Bedeutung, sie sind nur irgendein Status. Ihren Frust wollen sie aber loswerden – heute Abend am Heim.
Dort drin machen sich die Bewohner, u.a. die Vietnamesen im benachbarten Hochhaus, schon Sorgen. Was wird heute nacht geschehen? Auch dort gehen die Meinungen auseinander: Angst und Sorglosigkeit. Schließlich hätten es die Deutschen ja auf die Ausländer abgesehen und nicht auf sie.
Unterdessen wird die Stimmung draußen immer aufgeheizter.

“Wir sind jung. Wir sind stark.” ist ein sehr packender, aber auch extrem niederschmetternder Film. Er zeigt, was passiert, aber er gibt eigentlich keine Antworten auf irgendwelche Fragen. Warum die Jugendlichen so brutal sind – es scheint einfach so zu sein. Warum auch immer. Der pure Frust und Lust aufs Kaputtmachen. Und weil die anderen ja auch mitmachen. Schlechtes Gewissen? Fehlanzeige. Wir sehen aber auch, wie Politiker versagen, wie sie den Kopf einziehen, einfach versuchen, die Sache auszusitzen. Wie die Polizei einfach verschwindet – um dann später kopflos und überfordert wieder eingreift.
Wir sehen das komplette Scheitern – und das in Schwarz-Weiß. So lange, bis die Jugendgruppe dem Fernsehen ein Interview gibt, dann kommt plötzlich Farbe und Breite in den Film. Als ob uns Burhan Qurbani noch mal ganz deutlich vor Augen führen wollte: Das ist alles Realität.
Gerade demonstrieren Pegida und Co. gegen die Asylpolitik. Dieser Film zeigt, was passiert, wenn man sich um die Ängste der Leute nicht kümmert und wohin Frust und Hass führen kann.

Wir sind jung. Wir sind stark.
D 2014, Regie: Burhan Qurbani
Zorrofilm, 128 Minuten, ab 12
9/10

ORA aktuell

Rejordjahr in Oranienburger Klinik: Stärkster Babyboom seit 1981

Sonntag, den 25. Januar 2015
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Die Klinik in Oranienburg erlebte 2014 das geburtenreichste Jahr seit 1981. Bei 857 Entbindungen sind im vergangenen Jahr 866 Kinder geboren worden – 438 Jungen und 428 Mädchen.
Im Vergleich zu 2013 sind 49 Kinder mehr in Oranienburg geboren worden. Bei den Jungen waren Ben, Noah und Emil die beliebtesten Vornamen, bei den Mädchen Amelie, Charlotte und Leonie.