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ZAPPER VOR ORT: Podiumsrunde zu Desinformation und Hass in sozialen Netzwerken

Mittwoch, den 28. Juni 2017
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DI 27.06.2017 | Berlin, Quadriga-Forum

Fakenews. Hasskommentare.
Das sind zwei Schlagwörter, die mehr und mehr in Zusammenhang mit dem Internet und mit sozialen Netzwerken genannt werden. Aber ist das Problem wirklich so groß? Und wenn ja, lassen sich diese Probleme irgendwie regulieren?
Darum ging es am Dienstagmittag im Berliner Quadriga-Forum. Die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit lud zu einer Podiumsdiskussion ein.

Sie zeigte vor allem, dass man es sich damit nicht einfach machen kann.
Arnd Haller von der Google-Rechtsabteilung erläuterte zum Beispiel, was eigentlich mit strittigen Videos passiert. Und dass die Löschung nicht immer unproblematisch sei. Einem Privatunternehmen sei es nicht zuzumuten, zu entscheiden, ob ein Video verboten werden müsse oder nicht. Als Beispiel nannte er das Böhmermann-Erdogan-Video. Hätte Youtube das Video sperren sollen? Hätte Youtube entscheiden müssen, ob das Video erlaubt ist oder nicht. das müssten Gerichte entscheiden und nicht Youtube, so Haller.

Christian Mihr von “Reporter ohne Grenzen” überraschte ein wenig mit der Aussage, dass Fakenews kaum ein Problem seien – weil die Menschen angeblich so schnell nicht auf Fakenews reinfallen würden. Erst wenn man sie mehr als 30-mal mit so einer falschen Nachricht konfrontieren würde, würden sie sie glauben. Ich mache da leider andere Beobachtungen.
Auch das Problem der Hasskommentare sei kleiner, als viele denken würden. Aber insbesondere Betroffene würden natürlich eine andere Wahrnehmung haben. Dennoch seien es Minderheiten, die solche Kommentare absondern.

Die ehemalige Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger wies in Sachen Fakenews darauf hin, dass die nicht verboten seien, man müsse aber als Gesellschaft dagegen steuern und besser aufklären.

Die Diskussion war streckenweise sehr interessant. Aber sie hätte wesentlich mehr Biss vertragen können. Auf dem Podium gab es keine wirkliche Gegenrede, nur vereinzelt vom Google-Mann. Es fehlte der Widerpart, denn zu einer guten, erhellenden Diskussion gehört auch ein Disput. Wenn sich letztlich alle einig sind, schmort man auch nur im eigenen Saft, in einer Filterblase, die während der Diskussion sogar ein Thema war.
Die Moderatorin wollte nämlich wissen, ob es schlimm sei, wenn in Filterblasen andere relevante Meldungen ausgeblendet würden. Dabei sind Filterblasen nichts Neues. Wer nicht rechts ist, liest keine rechtslastigen Zeitungen. Wer kein Asylkritiker ist, wird bei Facebook nicht mit “Nein zum Heim…”-Seiten belästigt. Andersrum aber eben genauso. Google-Mann Arnd Haller merkte da völlig zu recht an, dass dies nicht das Problem sei, das man zu bewältigen habe.
Vielmehr müssten Gerichte in die Lage versetzt werden, Urteile zu fällen. Abzuschätzen, was im Netz geht und was nicht. Aber – und das ist auch ein wichtiger Punkt – es ist auch eine Aufgabe für uns als Gesellschaft, gegen Fakenews und Hass im Netz vorzugehen. Es einfach laufen zu lassen, das wäre der falsche Weg.

RTZapper

Nuhr dran glauben

Montag, den 19. Juni 2017
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DO 15.06.2017 | 22.45 Uhr | Das Erste

Wenn die ARD eine Themenwoche veranstaltet, dann darf auch immer Dieter Nuhr seinen Senf dazu geben. Nun könnte man ja meinen, dass der Kabarettist sich über das jeweilige Thema lustig macht.
Aber nein, Nuhr meint es ernst, und das ist durchaus spannend!

“Was denkst du?” hieß die diesjährige ARD-Themenwoche. in “Nuhr dran glauben”, sprach Dieter Nuhr eine Dreiviertelstunde lang über den Glauben. Mal abgesehen davon, dass es sich interessanterweise um eine Sendung handelt, in der nichts anderes passiert, als dass da jemand steht und erzählt – was er zu sagen hatte, war durchaus tiefschürfend und bemerkenswert.

Gerade wird darüber diskutiert, warum die Glaubensanhänger des Islams nicht gegen die vielen Verbrechen demonstrieren, die angeblich im Namen des Islam verübt werden.
Völlig unlustig, aber sehr wahr, erzählte Nuhr davon, dass es es ihn einerseits wurmt, wenn er auf Verbrechen angesprochen wird, die die Deutschen im Zweiten Weltkrieg verübt haben. Andererseits, dass er das aber auch nachvollziehen könne.
Ähnlich sei das beim Islam. Es gebe die überwiegende Zahl der Islamgläubigen, die ein normales Leben führen. Aber Nuhr machte auch darauf aufmerksam, dass eben in vielen islamischen Ländern Krieg geführt werde. Dass es Unruhen gibt, dessen Ursprung irgndwo im Islam zu finden seien. Und dass es merkwürdig sei, dass, wenn man das so betont, gleich als Rechts betitelt werde.

Es war irgendwie Kabarett, aber eigentlich war es eine Ansprache. Es waren Gedanken eines Mannes, und denen zu folgen – und darüber nachzudenken, vielleicht anderer Meinung zu sein -, das war mal wieder ein interessantes Selbstexperiment. Gut, dass es noch Fernsehen zum Nachdenken gibt. Oder die zum Beginn einer Debatte führen können.

RTelenovela

Böse Wölfe

Mittwoch, den 7. Juni 2017
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Über Pfingsten war Oranienburg in der Hand von einem Rudel Wölfen. Sie hatten sich auf dem Schlossplatz versammelt – in merkwürdigen Posen. Drohend, brüllend, in eine Richtung zeigend – oder sogar mit einer Pistole in der Hand.

Die Wölfe gehörten zu einer Ausstellung mit dem Titel “Die Wölfe sind zurück? – Kunst gegen Hass und Gewalt”.
Die Wölfe symbolisierten das Böse – auf verschiedene Art und Weise. Man könnte auch sagen: Sie zeigten die dunkle Seite unserer Gesellschaft.
Die Wolfsskulpturen stellten dar: den Blind Soldier, den Mitläufer, den blinden Hasser, den NSU-Mann, den Kraftprotz, Attac und den Anführer.

Interessant: Die Wölfe zeigten in gewisser Hinsicht, was in unserer Gesellschaft zu sehen ist – und auch in den 1930ern schon mal zu sehen war. Einerseits die Leute, die anführen, die das Sagen haben, die die Reden schwingen. Die, die mitlaufen, zu allem Ja sagen und selbst nicht mehr nachdenken. Den, der einfach nur hasst, der sich immer und überall auskotzt. Und so weiter.
Neonazis, ihre blinden Mitläufer, die willigen Helfer.

Könnte imposant sein. Aber ich hatte Schwierigkeiten mit dieser Art von Kunst. Sicherlich gehört es dazu, sich durchzulesen, was der Künstler – hier Rainer Opolka – uns mit seiner Kunst sagen will. Aber wer das nicht tut, wird damit wenig anfangen können. Und ich muss gestehen, ich konnte auch mit dem Wissen, was die Skulpturen bedeuten, wenig damit anfangen.
Wölfe stellen also das Böse dar. Das wäre dann wohl wieder mal ein Beispiel des märchenhaften, bösen Wolfes. Dabei ist der Wolf ja eher ein scheues Tier, der, weil er Hunger hat, auch Tiere reißt. Aber sich vom Menschen in der Regel fern hält, wenn man ihn nicht anlockt.
Nun kann natürlich auch hier der Künstler mit dem miesen Image des Wolfes spielen – es ist aber leider auch nur das sehr, sehr altes Klischee. Und Kunst sollte doch ein bisschen mehr sein als ein Klischee.

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Nachrichten: Staatschef – schwul!

Mittwoch, den 7. Juni 2017
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FR 02.06.2017 | 20.30 Uhr | SWR1

Genau drei Topmeldungen hatte das öffentlich-rechtliche SWR1 am Freitagabend im Nachrichten-Überblick zu vermelden. Eine davon: Irland bekommt einen schwulen Staatschef.
Ja, und es stimmt ja auch: Leo Varadkar wird neuer Premierminister von Irland, und, ja, er ist schwul. Sein Partner arbeitet an einer Klinik.

Die Frage ist aber: Ist die Meldung, dass Irland einen schwulen Staatschef bekommt? Dass Europa einen zweiten schwulen Staatschef bekommt? Gehört das nicht in die Boulevardschlagzeilen, dass der Politiker auf Männer steht? Stattdessen vermeldet der Radiosender SWR1 diese Meldung an prominenter Stelle.
Nicht dass man so was verschweigen muss. Aber es dermaßen hervorheben muss man eigentlich auch nicht. Jedenfalls dann nicht, wenn so etwas vollkommen normal sein soll. Was es nicht ist – wie man wieder mal gemerkt hat.

RT liest

Morton Rhue: Dschihad Online

Donnerstag, den 1. Juni 2017
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Seine Eltern haben sehr viel zu tun, sagt Khalil. Sie haben eine Bäckerei, sagt Khalil.
Was Khalil nicht sagt: Dass seine Eltern die USA längst verlassen haben. Dass er mit seinem Bruder Amir in einem runtergekommen Loch lebt.
All das sagt er nicht. Nicht, als ihn die stellvertretende Schuldirektorin Mrs. Appleby auf seine vielen Fehlstunden anspricht. Und schon gar nicht, als er sich in die hübsche Angie verliebt.
Khalils Bruder sieht sich unterdessen immer mehr Internetvideos von islamistischen Hasspredigern an – und zieht Khalil in einen gefährlichen Strudel.

Morton Rhue ist bekannt für seine gesellschaftskritischen Jugendromane – bekannt ist allen voran natürlich “Die Welle”.
Diesmal nimmt er sich wieder eines wichtigen Themas an, und einem aktuellen dazu. “Ich will junge Menschen auffordern, kritisch zu hinterfragen, was die Menge schreit”, sagt der Autor selbst.
Der Roman zeigt, dass Khalils Bruder sich Videos anschaut, sich auf das bezieht, was er da sieht – und keine Gegenmeinungen hört, keine Nachrichten schaut. Khalil selbst lässt sich da mit reinziehen, aus ähnlichen Gründen.
Rhue erzählt davon, wie Jugendliche in den Extremismus abgleiten können. Wegen ihrer schlechten Situation, ihren miesen Aussichten, keiner Perspektive. Und immer mehr Hass kommt dazu.
“Dschihad Online” ist leider ein ziemlich reißerischer, plakativer Titel. Die Geschichte selbst ist zwar auch nicht wirklich tiefgründig, aber sie zeigt zumindest ansatzweise, was in Jugendlichen vor sich geht, die sich vom IS anlocken lassen. Für mehr können ja auch Jugendliche sich entsprechend anlesen, wenn sie wollen.

Morton Rhue: Dschihad Online
Ravensburger, 252 Seiten
6/10

RTZapper

Sportschau live: Fußball-Relegation 2017 – 2./3.Liga-Rückspiel

Donnerstag, den 1. Juni 2017
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DI 30.05.2017 | 17.45 Uhr | Das Erste

Ich kann mit der Sportfan-Kultur wenig anfangen – und nicht nur die im Fußball. Auch wenn ich beim örtlichen Handballverein bin, kann ich wenig damit anfangen, wenn sich beim Punktspiel die Fans beider Mannschaften anblöken, sich beleidigen und ausrasten, wenn was nicht so läuft, wie sie es möchten.

Oder wie am Dienstag in München. Das Erste übertrug live das Fußball-Relegations-Rückspiel. Es ging darum, wer in der kommenden Saison in der 2. oder 3. Liga spielt. 1860 München kämpfte gegen den Abstieg, Jahn Regensburg um den Aufstieg. Die Münchner verloren, und die Fans fanden das, nun ja, scheiße.
Zehn Minuten vor Spielende begann die Randale. Leute, die sich Fans nennen, schmissen Eisenstangen auf das Spielfeld. Oder auch Sitzschalen. Oder was auch immer. Es ist auch völlig wurscht, was sie geschmissen haben – wer so was tut, ist ein Asi, ein Straftäter. Wer Verletzungen der Spieler, Schiedsrichter oder Betreuer riskiert und auch nicht damit aufhört, wenn Polizisten auflaufen, der muss sein Fan-Dasein vielleicht mal überdenken.

Ja, sicher, es ist vieles schiefgelaufen bei den Löwen in München, das kann und muss man kritisieren. Aber nicht, in dem man andere in Gefahr bringt, in dem man sich wie Affen aufführt, die Spieler anschreit und die gute Kinderstube komplett vergisst, falls sie jemals vorhanden war.
Manche nennen das Fankultur. Aber in Wirklichkeit sind es Menschen, die sich in etwas reinsteigern und es gewaltig (und gewalttätig) übertreiben.

Das Spiel musste 15 Minuten unterbrochen werden, knallhart ließ der Schiedsrichter das Spiel dann auch 15 Minuten überziehen und somit begann auch die Tagesschau auch sehr viel später als geplant.
Dass jetzt darüber diskutiert wird, die Relegation abzuschaffen, ist befremdlich. Denn die Krawalle liegen nicht am Spielmodus. Sondern die Krawalle liegen an denen, die die Krawalle anzetteln.

PS: Jahn Regensburg – alles Gute für die 2. Bundesliga!

KeineWochenShow

#21 – Die Bayern: voll Lahm!

Sonntag, den 28. Mai 2017
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Folge 21 von “KeineWochenShow” haben wir am Mittwochvormittag aufgezeichnet. Das ist auch der Grund, warum Thommi ein kleines Bier für den Test ausgesucht hat, nur eine 0,33-Liter-Flasche. Immerhin muss man es um diese Uhrzeit ja nicht übertreiben.

Eines unserer Themen ist mal wieder der Oranienburger Bürgermeisterwahlkampf. Geht es nach der SPD, ist der nämlich schon gelaufen, und das Ergebnis steht fest. Warum, darüber sprechen wir in der Sendung.
Außerdem regen wir uns über die egoistische Menschheit auf. Die, laut mit dem Smartphone und eingeschaltetem Lautsprecher telefonieren. Die im Kino sitzen und laut quatschen, fressen und rascheln.
Natürlich besprechen wir die Ereignisse in Manchester und was die Folge daraus sein könnte. Und, ja, die Bayern, also die aus München sind auch ein Thema. Und warum die lahm, äh, Lahm sind. Oder waren.

Folge 21 von “KeineWochenShow” gibt es auf Youtube.