RTZapper

der moscheereport

Donnerstag, den 30. März 2017
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MO 27.03.2017 | 21.17 Uhr | tagesschau24

Viele reden immer nur über Moscheen in Deutschland. Aber kaum jemand geht mal rein und hört zu, was da so gesagt wird.
Seit einigen Wochen arbeitet der Journalist Constantin Schreiber für die ARD. Als Nachrichtenvorleser bei der “Tagesschau” machte er hinsichtlich seiner Aussprache zuletzt zwar keine besonders gute Figur – aber er erweist sich dennoch als großer Glücksgriff. Schreiber spricht und versteht arabisch – und das ist heutzutage für einen Journalisten ein Gewinn. Wenn Schreiber in eine Moschee geht, weiß er, was dort geredet wird.
Und so begab er sich in den vergangenen Monaten in einige Moscheen in Deutschland, vor allem, um die Freitagsgebete zu verfolgen. Was wird dort gesagt? Wie wird es gesagt? Was könnte dahinter stecken?

Umso merkwürdiger, dass die ARD nun den “Moscheereport” im Spartenprogramm tagesschau24 versteckt. Dort lief die erste Folge am Montagabend. Vermutlich lief sie vorher auch schon im Tagesprogramm, denn im Internet war die Folge schon seit dem Nachmittag verfügbar.

In Folge 1 war er in einer Moschee in Hamburg. Der erste Teil der Sendung bestand aus einem auf Deutsch untertitelten Predigtmitschnitt, gefolgt von einem Interview mit dem Imam, der kaum Deutsch spricht.
Er redet von der Integration der Flüchtlinge und vom gemeinsamen Leben in Deutschland.

Im Studiotalk ging es dann durchaus kritisch zur Sache. Schreiber berichtete, dass bei einem zweiten Besuch der Moschee gar nicht mehr so gemäßigt geprädigt worden sei. Dass er die Erfahrung gemacht habe, dass die Imame oft sehr laut reden, ja, fast schreien. Und dass es dem Team auch ein wenig Angst gemacht habe.
Seine Studioexpertin aus dem Moschee-Umfeld versuchte das immer wieder abzuwiegeln, aber Schreiber konterte immer wieder, und sie wirkte zwischendurch doch ein wenig zerknirscht.

Es ist gut, dass es eine solche Sendung gibt. es ist gut, dass ein Journalist uns näher bringt, was in den Moscheen geschieht. Es ist gut, dass er vieles sehr kritisch hinterfragt. Es ist nicht gut, dass diese Sendung so versteckt wird.

KeineWochenShow

#12 – Willst du was von meiner Fleischpeitsche?

Sonntag, den 26. März 2017
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Tusch! Ausgabe 12 von unser schnuckeligen, kleinen Internetsendung ist technisch endlich so, dass wir erst mal damit leben können.
Diesmal haben wir Donnerstagabend aufgezeichnet, so dass es auch ein bisschen was zu essen gibt – Fleischpeitschen! Mhm, lecker!

In dieser Woche besprechen wir noch einmal die Ereignisse in London. Wie sicher sind wir eigentlich vor Anschlägen? Wie sicher können wir jemals sein?
Weitere Thema sind das Bürgerbegehren für die Offenhaltung des Flughafens Berlin-Tegel und gegen die Kreisgebietsreform in Brandenburg. Zwei Fälle, in denen die Politiker bockig zu sein scheinen.
Auch die Sprengung des Zehlendorfer Funkmastes sprechen wir an, und wir würdigen Chuck Barry.
Nicht zuletzt beschäftigen wir uns mit der Frage, warum sich viele Frauen eigentlich nur geschminkt aus dem Haus trauen.
Und ein Bier gibt’s natürlich auch…

Folge 12 gibt es auf Youtube.

RTelenovela

Da, wo London (angeblich) am sichersten ist

Donnerstag, den 23. März 2017
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Es ist wohl wieder ein Terrorangriff, diesmal in London. Vier Menschen sterben, plus der Attentäter.
Passiert ist das alles am Mittwoch nahe des Londoner Parlaments, unweit der Westminster-Brücke.
In mehreren Kommentaren, zum Beispiel von der ARD-London-Korrespondentin Hanni Hüsch, war die Verwunderung zu hören, wie denn so ein Anschlag ausgerechnet dort passieren könnte, wo London am sichersten sei.

Solche Kommentare wundern mich. Wieso sollte London dort besonders sicher sein? Werden dort sämtliche Autos überprüft, die über die Westminster-Brücke und am Parlament vorbei rollen? Gibt es dort spezielle Personenkontrollen?
Ja, vermutlich ist die Gegend kameraüberwacht. Vermutlich wird man überall dort permanent beobachtet. Aber das schützt doch nicht vor irgendwelchen Anschlägen! Damit verhindert doch niemand, dass ein Irrer in eine Menschenmenge rast. Leider.

In Berlin zum Beispiel. Neulich war ich im Tipi am Kanzleramt, ein bisschen Live-Kultur genießen. Dazu rollte ich mit meinem Auto am Hauptbahnhof vorbei ins Regierungsviertel. Am Kanzleramt vorbei, unweit des Reichstages. Mitten durch die Schaltzentrale der Macht.
Man wird dort nicht kontrolliert, niemand wird dort kontrolliert. Heißt: Niemand kann sich sicher sein, dass da jemand mit einer Autobombe langfährt. Auch in diesem Fall: leider.

Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass wir nirgendwo richtig sicher sind. Wir müssen damit umgehen, dass uns niemand, wirklich niemand, die absolute Sicherheit garantieren kann. Ansonsten würden wir in einem Überwachungs- und Überprüfungschaos landen, wir könnten uns nicht mehr frei bewegen.
Wir müssen uns also entscheiden, was wir wollen. Und ich bin für die Freiheit. Auch wenn es deshalb keine Komplettsicherheit gibt. Das sollte uns aber keine Angst machen, ein gesundes Maß an Aufmerksamkeit reicht aus.

Aber genau deshalb ist die Verwunderung über den ach so sicheren Ort des Londoner Anschlages absoluter Nonsens. Journalisten sollten es wirklich besser wissen.

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Circus Halligalli: #FartAgainstTrump

Donnerstag, den 23. März 2017
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DI 21.03.2017 | 22.15 Uhr | ProSieben

Die Zeit der Ironie ist vorbei. Und es ist ausgerechnet “Circus Halligalli” mit Joko und Klaas, das am Dienstagabend auf ProSieben ein beeindruckendes Statement zur Lage der Nation – oder eher: der Welt abgeliefert hat.

Das war so nicht zu erwarten gewesen. In der Vorwoche ist die Aktion #FartAgainstTrump angekündigt worden. Als Protest gegen den neuen US-Präsidenten Donald Trump sollten alle am Dienstag, 21. März, um 23.05 Uhr – also während der laufenden “Circus Halligalli”-Sendung – einmal gen Washington furzen.
Blöde Aktion? Ja!

Aber wie sich zeigte, ging es den Machern darum gar nicht. Denn als der Furz losgehen sollte, brach plötzlich das Bild ab – und Joko und Klaas bekamen die Leviten gelesen. Und eigentlich das gesamte deutsche Fernsehen, und wirklich eigentlich: wir alle.
Friedrich von Liechtenstein saß auf dem Sofa, und Joko und Klaas standen vor ihm die dumme Jungen.

Die Furz-Aktion sei Satire gewesen, so Klaas. Es würde sich ja nichts ändern, alles sei gleich sinnlos, und das sei die Satire.
Wenn die Welt vor dem Abgrund stehe, so Liechtenstein, sei die Zeit der Ironie vorbei. Und wenn den Fernsehclowns nicht anderes einfiele als Nonsens, dann sei Fernsehen und Satire “zurecht im Arsch”. Die Typen, die jetzt an der Macht seien oder auf dem Wahlzettel stünden, seien lange nicht so harmlos wie die lauen Pointen. Die Fernsehleute sollten nun ironiefrei für etwas einstehen und sich dafür auch beschimpfen lassen – oder sich wenigstens bessere Gags einfallen lassen.
“Wir machen nur Unterhaltung”, sagt Joko, es könne wohl kaum ihre Aufgabe sein, Weltpolitik zu kommentieren.
“Bullshit”, findet das Friedrich von Liechtenstein. Es die falsche Zeit, aus Angst vor einem Shitstorm auf Facebook die Schnauze zu halten und zu ignorieren, was für eine Scheiße gerade auf der Welt passiere, das gelte auch für Fernsehfressen wie Joko und Klaas.
Die beiden könnten weiter laue Witze machen und weiter die Nazis im Unklaren lassen, was sie von ihnen halten würden – aber dann seien sie eben Scheiße, so Liechtenstein weiter.

Batsch.
Eine schallende Ohrfeige – für so viele Medienmacher. Für so viele Comedynasen, die ja nur Comedy machen wollen und keine Haltung zeigen möchten.
Batsch.
Diese Ohrfeige ist für so viele von uns allen. Aber diese Ohrfeige macht ein Stückweit auch Mut.

Am Ende gehen Joko und Klaas nachdenklich durch ihre Publikumsreihen, und es wird spannend, was in den nächsten Wochen in ihrer Show daraus wird.

Aus einer Gaga-Aktion ist wieder mal ein Stück berührendes, aufrüttelndes Fernsehen geworden, und der Gedanke, dass diese Show zum Sommer enden soll, ist ein trauriger.

Zum Nachschauen auf YouTube.

RTZapper

Extra – Das RTL-Magazin: Ungeschminkt

Dienstag, den 21. März 2017
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MO 20.03.2017 | 22.15 Uhr | RTL

Birgit Schrowange hat sich am Montag etwas Unglaubliches getraut: Sie hat sich ungeschminkt gezeigt.
Nun muss man aber sagen: Unglaublich war das eher für sie selbst, für den Zuschauern war das gar nicht so schrecklich.

Es ging um einen neuen Trend, und eigentlich ist es schon bedenklich, dass es überhaupt ein Trend sein muss. Mehr und mehr Promifrauen stellen Fotos von sich ins Netz, auf denen sie nicht geschminkt sind.
Für “Extra – Das RTL-Magazin” machte Birgit Schrowange mit und latschte einen Tag lang mit Kamera, aber ohne Schminke durch die Stadt. Nicht ohne mehrfach zu betonen, dass ihr das unangenehm sei. Natürlich war das ein Stück weit Koketterie, denn auch ungeschminkt muss sich die Schrowange nun wirklich nicht verstecken.

Der Beitrag aber zeigte, wie sehr wir alles es gewöhnt sind, dass Frauen im Fernsehen immer perfekt geschminkt und hin und wieder auch überschminkt sind. Dass es selbstverständlich ist, dass sich Frauen auftakeln. Und dass nicht mal zwingend, weil sie von Männern (oder so) gezwungen werden. Nein, sie wollen das selbst, sie fühlen sich so wohler, hübscher, sicherer.
Insofern war weniger erstaunlich, dass sich Schrowange und andere Frauen im RTL-Bericht abschminkten, sondern viel mehr, wie unwohl sie sich selbst dabei fühlten.

aRTikel

Staffelde nimmt Einfluss auf die Musik

Dienstag, den 28. Februar 2017
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Das Künstlerehepaar Tristan und Claude Ferland Milewski lebt seit Jahren im Dorf und hat viele gute Erfahrungen gemacht

MAZ Oranienburg, 28.2.2017

Staffelde.
Auf Mohrrüben stehen die Lamas auf dem Hof der Ferland-Milewskis total. Wenn sie das Gemüse sehen, kommen sie zügig angerannt. Seit dem Sommer 2014 leben Tristan und Claude Ferland Milewski in Staffelde, und die Lamas gehörten bald dazu. „Lamas sollten nicht alleine sein, man braucht eine Gruppe“, sagt Claude. „Das hat sich so ergeben.“
Wenn das Paar in Berlin erzählt, wo es wohnt, dann hagelt es Vorurteile. Ein schwules Ehepaar auf dem Dorf? Und dann auch noch Künstler? Kann das gut gehen? Die Antwort ist simpel: Es kann. Gut sogar. „Wir lieben Staffelde, und wir wurden ganz herzlich aufgenommen“, erzählt Tristan Ferland Milewski. „Hier herrscht eine ganz tolle Energie.“ Zuvor lebten sie lange in Berlin, in der Großstadt. „Wir hatten das Gefühl, wir müssen das verändern.“ Zwei Jahre waren sie auf der Suche, in Staffelde wurden sie endlich fündig.
Dort leben sie in einem außergewöhnlichen Haus. Es wirkt wie eine alte Scheune. Ein riesiger Flur, acht Meter hoch. Oben, an den Seiten befinden sich Nebenräume. Wer die Eheleute besucht, wird auch von den beiden großen Hunden empfangen.

Claude stammt aus Quebec, Kanada. Als Musiker lebte er schon in New York, Paris und London, ehe er sich in Berlin verliebte. Gerade arbeitet er am vierten Album seiner Band „My Name is Claude“. Mit ihr tourt er durch Frankreich, Deutschland oder auch nach Moskau. Barockpop nennt er das, was die Band spielt, wobei das neue Album elektronischer werden soll.

Tristan und Claude lernten sich vor sieben Jahren in Berlin kennen, seit fünf Jahren sind sie verheiratet. Tristan stammt aus Berlin, lebte danach in vielen Regionen Deutschlands. Seit 1993 arbeitet er als Regisseur und Entwickler von Dokumentarfilmen und Musikvideos. 1999 begann er bei MTV Deutschland und porträtierte viele bekannte Musiker. Später war er verantwortlich für die Dokuformate bei Viva.
2012 arbeitete er erstmals an der Dokureihe „Make Love – Liebe machen kann man lernen“, die zunächst beim MDR, später im ZDF zu sehen war. Die Reihe war für den Grimme-Online-Award 2014 und für den Deutschen Fernsehpreis 2017 nominiert.

Gerade sorgte er auf der Berlinale mit seiner Doku „Dream Boat“ für Furore. „Die Vorführungen waren emotional, das Publikum hat gelacht und geweint“, erzählt er. Die Doku handelt von einer schwulen Kreuzfahrt entlang der Mittelmeerküste. „So ein Kreuzfahrtschiff ist ja ein Mikrokosmos. Knapp 3000 Männer aus unterschiedlichen Nationen waren dabei“, sagt Tristan Ferland Milewski. Schon vor zwei Jahren begannen dafür die Recherchen. Einige der Mitreisenden kommen in diesem Film zu Wort, der Zuschauer kann sie begleiten.
„So eine Reise ist der Ort, wo viele das ausleben können, was ihnen sonst nicht möglich ist“, erzählt Tristan. „Klar, es ist eine kleine treibende schwule Insel, ein kleines Dorf mit allen Vor- und Nachteilen.“ Körperkultur spiele eine Rolle, Männlichkeit, Jugendideale. „Es gibt da Leute, die Spaß haben wollen, also Sex. Aber auch die, die Liebe suchen.“
Tristans Partner Claude hat die Musik für den Film komponiert – das erste größere Projekt, das die beiden gemeinsam bewältigt haben. Im Sommer soll der Film in die Kinos kommen, später läuft er bei arte. Der Sender ist gemeinsam mit dem ZDF Co-Produzent.

Neue Projekte warten schon – aber Staffelde hat sich in den vergangenen drei Jahren zu einem Ankerpunkt für die beiden entwickelt. „Wir gehören nicht zu den Leuten, die nur in dem Ort wohnen, aber nichts mit ihm zu tun haben wollen“, sagt Tristan. „Viele kommen her und leben dann in einer Kapsel.“
Das Kremmener Scheunenviertel mögen sie sehr. „Aber wir wünschen uns mehr Restaurants.“ Gern gehen sie auch in Oranienburg essen oder im Sommerswalder Forsthaus. „Der Kulturclash ist hier kleiner als in Berlin“, sagt Tristan. Berlin sei zwar cool, dass er aber Berlin lieben würde, könne Claude nicht behaupten.

Berlin ist laut, Staffelde ist ruhiger. Das merkt Claude sogar beim Komponieren für sein neues Album. „Das letzte war recht leise, ganz im Gegensatz zur Großstadt“, erzählt er. Ganz anders bei dem, an dem er gerade schreibt. Im leisen Dorf entsteht ein lauteres Album. So hat eben auch Staffelde Einfluss auf die Kunst.

RTelenovela

Bahnbekanntschaften (87): Vom Knutschen

Montag, den 20. Februar 2017
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(86) -> 14.8.2016

Kennt ihr das Geräusch, wenn sich zwei Menschen küssen? Also, nicht nur küssen, sondern knutschen? Dabei also laute Schmatzgeräusche machen. Wenn ihr das Geräusch kennt, dann wisst ihr, wovon ich schreibe.

Wir sitzen in der Straßenbahn, irgendwo zwischen dem Alexanderplatz und dem SEZ, auf der Landsberger Allee. Hinter uns sitzt ein Pärchen und schnäbelt. Immer wieder. Laut. Schmatzend.
Wir unterhalten uns weiter. Allerdings fällt es uns schwer, uns zu konzentrieren, denn das schmatzen hinter hört einfach nicht auf. Das heißt: Zwischendurch doch mal, denn die junge Frau hustet immer mal. So ein richtig schöner, krachender Husten, und man wünscht sich, dass beim Schmatzen gleich auch noch ein paar Bazillen rüberwandern.
Nach dem Abhusten beginnen sie wieder mit der Schnäbelei. Bis sie irgendwo am Volkspark Friedrichshain aussteigen.

Wir haben natürlich nichts gegen Liebende. Was aber nervt, ist, wenn andere damit genervt werden. Denn mal ehrlich: Dieses Geräusch im Sekundentakt ist dann doch irgendwie eklig. Beim Essen mögen wir es ja schließlich auch nicht, wenn wir durch lautes Schmatzen alle dran teilhaben lassen…