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Till Reiners: Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen – Begegnungen mit besorgten Bürgern

Freitag, den 4. November 2016
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“Ich habe einfach Angst davor, dass es in fünf Jahren nur noch Frauen gibt, die Kopftücher tragen müssen.”
“Ich finde das blöd, dass die Flüchtlinge so viel Geld bekommen.”
“Ich kenne sie nur vom Sehen, aber man gewinnt schon seine Eindrücke.”
“Abschieben! Abschieben!”

Wo kommt da alles eigentlich her? Dieser Hass? Diese Angst? Diese Unsicherheit?
Der Kabarett Till Reiners, Jahrgang 1985, hat sich auf eine Reise durch Deutschland begeben, um besorgte Bürger zu treffen. Um herauszufinden, was die Menschen eigentlich antreibt. Warum sie Flüchtlinge ablehnen, oder ihnen zumindest skeptisch gegenüber stehen. Und welche Alternativen sie eventuell anbieten.
Till Reiners sucht das Gespräch, er will nachfragen, und er will Antworten. Er macht das nicht aus der Ferne, sondern sucht den Kontakt. Er geht zu Bärgida, Legida und Pediga. Er besucht besorgte Bürger, die AfD, aber auch die sächsische CDU. Er reist nach Tröglitz, Freital und Pforzheim.

Das Buch hat unheimlich viele spannende Stellen. Es gibt Momente, da steht einem der Mund offen, wegen des unvorhohlenen Hasses, aber auch wegen der Dummheit, wegen des Neides. Aber das ist es ja nicht nur.
Denn auch die “etablierten Parteien” bekleckern sich ja nicht mit Ruhm. Till Reiners stellt in Frage, ob die CDU in Sachsen das Flüchtlingsthema richtig angepackt hat. Er fragt, was die DDR mit Fremdenhass zu tun haben könnte.
Auf angenehme Weise schreibt Reiners seine Erlebnisse und Gespräche auf. Er recherchiert, versucht Einordnungen und geht Vorurteilen auf den Grund.
Ein gutes Buch – das aber sicherlich die, die dazulernen sollten, leider nicht erreichen wird.

Till Reiners: Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen – Begegnungen mit besorgten Bürgern
ro ro ro, 266 Seiten
8/10

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Anne Will: Schöne neue Arbeitswelt – Ist der Computer der bessere Mensch?

Mittwoch, den 2. November 2016
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SO 30.10.2016 | 21.45 Uhr | Das Erste

Die Diskussionskultur geht vor die Hunde. Das ist immer öfter zu erleben: Keiner hört mehr dem anderen zu. Keiner differenziert mehr. Alle sehen sie nur Schwarz und Weiß.
Auf genauso eindrucksvolle wie ärgerliche Weise war das am Sonntagabend bei “Anne Will” im Ersten zu erleben.
Es ging um die “Schöne neue Arbeitswelt – Ist der Computer der bessere Mensch?”. Mal abgesehen davon, dass so eine Frage kaum zu beantworten ist. Selten ist so heftig und unerbittlich gestritten worden.

Psychiatrie-Professor Manfred Spitzer zum Beispiel. Er hat mit vielem, was er sagt, mindestens im Ansatz recht. Nur leider fuhr er ständig allen anderen dreist über den Mund.
Dass es problematisch ist, wenn man überall und ständig am Internet hängt, ist nicht von der Hand zu weisen. Es stresst auf die Dauer, und man muss sich zwingen, auch mal Abstand zu halten. Nichts anderes sagt der Professor. Und es ist richtig, wenn er sagt, dass man Kinder davor schützen muss. Ab 16 sollte man sie ans Internet lassen, sagt er. Das ist natürlich übertrieben und unsinnig, aber man könnte sich ja darauf einigen, Kinder mehr unter Aufsicht zu stellen, was das Netz angeht. Vielleicht meint er das ja auch so, die anderen haben ihn da ja leider gleich niedergewalzt.
Aber es kann schlicht nicht gut für uns sein, permanent online zu sein, permanent zu chatten, permanent unter dem Druck zu stehen, präsent zu sein, antworten zu müssen. Man muss sich nur mal auf den Straßen umsehen, da sieht man, wie oft und wie viele Leute ständig aufs Handy glotzen (und ich schließe mich da nicht aus).

Internetexperte Sascha Lobo verteufelt, was Spitzer sagt. Für Sascha ist das alles Unsinn. Alles, was Spitzer sagt, hält er für Unsinn – und umgekehrt. Dabei müsste es doch einen Mittelweg geben, über den man Sprechen kann. Konnten die beiden aber nicht. Und beide gaben sich wenig, was die Unsympathie anging. Selbst als Spitzer das Beispiel zweiter Schulklassen aufführte, bei der eine mit Smartboards unterrichtet wird, die andere mit Tafel und Kreide, und dass die “unmoderne” Klasse besser drauf war, wollte das Lobo einfach nicht glauben. Wieso kann man das nicht einfach mal hinnehmen?

Die Diskussion über die neue Computerwelt war leider komplett ohne Mehrwert. Alle faselten sie nur rum, was ja kein Wunder ist, denn in die Zukunft schauen, können wir eh nicht.
Dass die neue Technologie großartig ist, ist unbestritten. Dass sie Gefahren mit sich bringt, dass sie den Menschen verändert, und das nicht nur zum Guten, muss man aber auch diskutieren und in Betracht ziehen.

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Verstehen Sie Spaß?: Blackfacing

Dienstag, den 1. November 2016
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SA 29.10.2016 | 20.15 Uhr | Das Erste

Wieder wird über Blackfacing diskutiert. Nach 2013 und dem, nun ja, Skandal bei Wetten, dass…?”, sorgte nun Guido Cantz in “Verstehen Sie Spaß?” für Wirbel.
In der am Sonnabend im Ersten gezeigten Show verkleidete sich Cantz in einem Film in einen schwarzen Südafrikaner. Dicke Nase, dicke Lippen, verstellte Stimme, gebrochenes Deutsch. Es ging darum, den Moderator einer Sendung im Schweizer Fernsehen zu verarschen. Eine Frau sollte ihren Vater endlich kennenlernen. Der Gag: Ins Studio kam nicht der vorher auf einem Foto gezeigte Herr, sondern der schwarze Guido. Haha, lustig.

Okay, der Gag war so mittel. Aber auch rassistisch, wie es Guido Cantz und seinem Team vorgeworfen wird?
Es ist immer ein schmaler Grad, auf dem man sich da bewegt. Cantz ging es darum, sich so zu verkleiden, dass es völlig absurd sei, dass der Afrikaner der Vater der Frau sei. Außerdem darum, dass er keineswegs erkannt wird. Alles, um den Moderator zu verunsichern. Was ihm auch gelungen ist.

Klar, Cantz hätte auch einen Chinesen spielen können. Oder eine Frau. Oder was und wen auch immer. Und in der Tat war sein Afrikaner schon sehr klischeemäßig. Aber ist das schon rassistisch?
Ich gebe zu, ich habe darauf keine wirkliche Antwort. Aber auch das Gefühl, dass sich wieder mal alle auf einen stürzen und es sich dabei auch ein bisschen einfach machen.
Die meisten Medienjournalisten sind sich jedenfalls einig, dass Cantz’ Gag so gar nicht ging.
Im Übermedien-Blog verurteilt Journalist Boris Rosenkranz Blackfacing ziemlich pauschal. Er zeigt auch andere Beispiele, wie Oliver Pocher als Jerome Boateng. Auch das sei rassistisch. Ist es das? Nur weil er, um diesen Menschen zu spielen, auch seine Hautfarbe ändert? Man kann die Parodie doof finden, aber sie ist deshalb nicht gleich rassistisch.

Das VSS-Team rückte trotz aller Kritik im Vorfeld nicht davon ab, den Film zu zeigen. Das ist nicht verwunderlich, denn immerhin war die Ausgabe ein Schweiz-Special, das auch live in der Schweiz gezeigt worden ist. Da einen der in der Hinsicht wichtigen Filme abzusetzen, wäre für “Verstehen Sie Spaß?” bitter gewesen. Augen zu und durch – das war da wohl die Devise.

Ja, mit dem Blackfacing verbindet man geschichtlich sehr viel Ungutes, und man hat das völlig zurecht an den Pranger gestellt. Aber ist das bloße Spielen eines Schwarzen rassistisch? Wäre es sofort rassistisch, wenn ein Schwarzer einen Weißen spielt?

Zumal es in “Verstehen Sie Spaß?” viel schlimmere Filme gab. Zum Beispiel den, wo in einem deutschen Supermarkt Schweizer bestimmte Kassen nicht mehr benutzen durften. Und wo Schweizer einen Extra-Parkplatz benutzen und 10 Euro abdrücken mussten. Da regt sich niemand über eventuellen Rassismus auf. Dabei sorgte dieser, ähm, Scherz auch eher für Übelkeit. Lustigerweise erzählte Lockvogel DJ Bobo im Anschluss, dass es auch unschöne, sehr böse Reaktionen vor Ort gab, die natürlich nicht gezeigt wurden. Das lässt tief blicken.
Oder den Gag mit dem Kind, das einfach irgendwelche Fahrräder zusammengeschlossen und Lösegeld gefordert hat. Der war nicht nur blöd, sondern auch völlig unlogisch, weil dann plötzlich die Mutter des Kindes kam, doof rumgezickt hat – und das alles einfach nur unglaubwürdig war.

Paola Felix war auch da und zeigte die immer gleichen Highlight-Gags aus Zeiten von Kurt Felix. Hat die angeblich in langer Suche aus dem Archiv gekramt. Jaja. Vielleicht hat das Team auch einfach nur eine der Highlight-Sendungen zurechtgeschnitten.

Immerhin zwei wirklich interessante und lustige Filme hatte die ansonsten recht biedere Show: Atze Schröder, der auf einer Privatfeier gute Miene zu den bösen Leuten zeigen musste. Der Film war deshalb interessant, weil man das wahre Gesicht des Atze Schröder sah: Nämlich einen besonnenen, ruhigen, hochgradig sympathischen Mann. Und als zweites der Koch Alexander Herrmann, der bei “Inas Nacht” verarscht worden ist. Er konnte nämlich im Aufenthaltsraum zusehen, wie Ina Müller und Gast Steffen Halaschka böse über Herrmann herzogen.

Man könnte ja mal grundsätzlich über die Qualität der Versteckte-Kamera-Filme diskutieren. Einfach mal die vielen miesen Filme weglassen, dann müsste so eine Show auch nicht 185 Minuten dauern.

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Nachrichten: Horrorclowns

Dienstag, den 25. Oktober 2016
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FR 21.10.2016 | 14.00 Uhr | mdr Sachsen-Anhalt

Sagt mal, Leute, geht’s noch? Da berichten die Nachrichten vom Radio mdr Sachsen-Anhalt am Freitagnachmittag nun über Horrorclowns. Irgendwo in Sachsen-Anhalt haben sich Leute bei der Polizei gemeldet, die von solchen Clowns angegriffen worden seien. Und anderswo im Bundesland haben sich entsprechende Angaben von Kindern als falsch und als Panikmache rausgestellt.

Aber die Leute in Sachsen-Anhalt sind damit nicht allein. Auch in Mecklenburg-Vorpommern und in Brandenburg gab es entsprechende Vorfälle. Leute in Clownskostümen und/oder -masken erschrecken Leute oder schlimmer. Einiges sollen Baseballschläger dabei haben.

Mit so einem Mist schaffen es die Leute nun also in die Nachrichten. Weil sie meinen, mit ihrem Irrsinn irgendwie lustig zu sein. Oder anderen es mal so richtig zeigen wollen. Oder was auch immer.
Aber der Wahnsinn geht noch weiter: McDonald’s stellt wohl die Aktivitäten mit ihrem Markenzeichen-Clown Ronald vorübergehend ein. Professionelle Clowns, die für Kindergeburtstage gebucht werden, bekommen echte Probleme.
Irre, wirre Welt. Lass Halloween schnell vorbeigehen!

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Inside Nordkorea

Freitag, den 21. Oktober 2016
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MI 19.10.2016 | 22.45 Uhr | Das Erste

Nordkorea. Ein Land, in dem der eiserne Vorhang bis heute nicht zur Seite gezogen worden ist. Der Staat und seine Herrscher sind so streng, dass es kaum jemandem gelingt, von außen hinter die Kulissen schauen zu können.
Am Mittwochabend lief im Ersten die Doku “Inside Nordkorea”. Sie versprach einzigartige Blicke in diesen Staat. Sie lieferte sie aber nur bedingt.

Die Filmcrew durfte ein Jahr lang eine nordkoreanische Familie begleiten. Bei der Arbeit, im Alltag, beim Frühstück.
Aber: Die Zensoren sind immer dabei. Sie sollten dafür sorgen, dass die Crew den schönsten Staat der Welt vorgesetzt bekommt. Wo alle immer guter Laune sind, wo es viel zu essen gibt – alles tutti.
Ist es natürlich nicht. Allerdings haben die Filmemacher einen Trick angewandt: Sie ließen an vielen Stellen einfach weiterlaufen. Wenn die Zensoren der Familie und den anderen Protagonisten Anweisungen gibt. Wie sie auf Details achteten – und so natürlich den Irrsinn der Parteilinie aufzeigten.

Mehr aber leider auch nicht. “Inside Nordkorea” handelt von einem Filmdreh und davon, wie die staatlichen Institutionen Einfluss nahmen. Das ist skurril, ja. Aber kann es ein Anspruch sein, nur zu zeigen, wie skurril Nordkorea ist? Ist das alles, was wir über das Land wissen sollen?
Wie ist denn wirklich das Lebensgefühl in dem Land? Wie denken die Leute abseits der offiziellen Parteiveranstaltungen? Was gibt es in den Läden? Letztere Frage wird im Film sogar aufgeworfen – mit der Antwort, dass man es nicht wisse.

Es ist ein wenig wie mit dem Umgang mit der DDR. In Erinnerungen lacht man gern über die DDR. Über das Skurrile. Über die starren Partei-Events. Darüber, was die Herrscher so machten und was nicht.
Gern wird darüber geurteilt, aber man lässt oft außer Acht, nachzufragen, wie sich Otto-Normal-DDR-Bürger eigentlich gefühlt hat. Was er dachte, abseits des Offiziellen.

So funktioniert auch die Doku, die am Mittwochabend im Ersten lief. Ein Film ohne wirklich Mehrwert. Dass Nordkorea von Inszenierungen lebt, wenn etwas nach außen dringt, das ist nicht wirklich neu. Und mehr hat dieser Film nicht rübergebracht, außer die Bestätigung dessen.
Es ist extrem schwierig, etwas über Nordkorea rauszufinden, den Alltag abzufilmen – fast unmöglich. Das zeigte diese Doku, die nicht wirklich “Inside” war.

Nur kurz blitzte da was auf: Als die Zensoren einmal nicht dabei waren, wird die Tochter der Familie gefragt, wie es ihr geht, was sie denkt. Das Kind weiß nicht, was es sagen soll, es beginnt, zu weinen. Sobald es theoretisch sagen kann, was es will, weiß sie nicht, was sie sagen soll. Als sie nach einem Gedicht gefragt wird, rezitiert es einen Partei-Spruch.
Die Szene zeigt, dass die Kinder scheinbar und offenbar einer Gehirnwäsche unterzogen wird, die erfolgreich ist. Aber ein Kind in Großaufnahme beim Heulen zu zeigen, ist dann schon wieder grenzwertig. Nur das Kind konnten die Filmemacher kurz “knacken”. Spricht auch nicht wirklich für diesen Film. Es hinterlässt leider einen sehr schalen Beigeschmack.

RT im Kino

24 Wochen

Mittwoch, den 19. Oktober 2016
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Downsyndrom.
Dieses Wort schwebt über allem.
Aber noch haben Astrid (Julia Jentsch) und Markus (Bjarne Mädel) die Hoffnung für ihren ungeborenen Jungen nicht aufgegeben.
Astrid ist erfolgreiche Kabarettistin. Bei ihren Fernsehauftritten hat sie natürlich auch schon über ihre Schwangerschaft erzählt. Markus, ihr Lebensgefährte und Manager, plant schon die Auftritte für nächstes Jahr.
Dass ihr Sohn mit dem Downsyndrom auf die Welt kommt, bereitet ihnen Sorge – aber sie wollen das Kind.
Als aber ihr Arzt sagt, dass das Kind sehr viel schwerer behindert sein wird, dass es einen akuten Herzfehler hat, steigt die Verunsicherung. Und die Angst.
Markus hält daran fest – er will das Kind. Aber Astrid, sie beginnt zu grübeln. Sie ist sich nicht mehr sicher.

Es sind dramatische “24 Wochen”. So heißt der Film von Anne Zohra Berrached, der sehr an die Nieren geht. Selten gingen schauspielerische Leistungen so unter die Haut. Die beiden Hauptdarsteller spielen fantastisch, ergreifend.
Da wird ein schwerwiegender Konflikt ausgetragen. Nachdem sich die werdenden Eltern mit ihrem künftigen Problem befasst haben, baut sich ein viel Höheres auf. Der Film zeigt, wie Astrid und Markus versuchen, damit klarzukommen. Wie sie diskutieren, wie sie ihre Umwelt vorbereiten.
Alle Ärzte, die Hebamme und weiteren Experten spielen sich selbst. Das gibt dem Film eine hohe Authentizität. Offenbar sind Szenen improvisiert, nur inhaltlich vorher besprochen. Die Sprachlosigkeit, die Suche nach Worten – alles wirkt so wahrhaftig.
Letztlich geht es knallhart darum, ob man in der 24. Woche noch ein Kind abtreiben kann. Ob es richtig ist oder falsch. Wobei uns dieser Film nur zeigt, was passiert. Was richtig oder falsch ist, sagt uns der Film nicht, und das ist gut so.
Der Film mutet uns lange Dialoge zu, wenig Musik, viele nachdenkliche Phasen – bis hin zum Schluss. Alles in allem extrem fesselnd.
Nebenbei: Viele Gaststars unterstützen diesen Film mit Kurzauftritten: Dieter Nuhr ist dabei, Steffen Kretschmer, Thomas Koschwitz, Sebastian Puffpaff und viele mehr. Offenbar ist ihnen allen dieses Thema wichtig.

24 Wochen
D 2015, Regie: Anne Zohra Berrached
Neue Visionen, 102 Minuten, ab 12
9/10

RT liest

Sarah Darer Littman: Die Welt wär besser ohne dich

Mittwoch, den 19. Oktober 2016
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Ein Schock. Für alle. Lara hat versucht, sich umzubringen. Mit vielen Tabletten.
Sie überlebt.
Aber warum hat sie das getan?
Früher war Lara mal ziemlich dick, das ist nun nicht mehr so. Sie hat es sogar in die Cheerleader-Mannschaft geschafft. Und sie hatte einen Schwarm, Christian. Doch der tickte plötzlich aus. Schrieb auf ihre Facebook-Pinnwand: Die Welt wär besser ohne dich. Du bist so ätzend. Und dazu viele hämische Kommentare von anderen Facebook-Freunden.
Die Polizei ermittelt, Lara braucht lange, um wieder auf die Beine zu kommen.
Als aber klar ist, wer wirklich hinter Christian steckt, beginnt ein ganz neues Drama.

“Die Welt wär besser ohne dich” – so heißt der sehr interessante und spannende Jugendroman von Sarah Darer Littman. Denn er beleuchtet einen sehr aktuellen Komplex: Der soziale Umgang miteinander im Internet.
Es geht um hartes Mobbing. Darum, wie ein junges Mädchen fertig gemacht wird. Auf fieseste Weise. Aber auch darum, wie schnell alles raus kommen kann.
Der Autorin gelingt eine überraschende (und sehr kluge) Wende im Roman. Als nämlich raus raus, wer hinter Christian steckt, dreht sich nämlich das Blatt. Diese Person und dessen Anhang wird plötzlich zum Mobbing-Feindbild.
Sarah Darer Littman gelingt der Rundumschlag. Sie zeigt, welche Mechanismen im Internet ausgelöst werden können, und was sie anrichten. Und dass Gut und Böse da ganz schnell verwischen können. Da lässt sich der eine oder andere plakative erhobene Zeigefinger auch verschmerzen.

Sarah Darer Littman: Die Welt wär besser ohne dich
Ravensburger, 383 Seiten
8/10