RTelenovela

Tinder!

Mittwoch, den 28. Februar 2018
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Na, auch schon mal auf dem Smartphone herumgewischt? Die Guten nach rechts, die nicht so Guten nach links? So jedenfalls funktioniert Tinder. Das ist eine Flirt-App, die einzig von einem oder mehreren Fotos sowie – wenn man will – ein paar spärlichen Infos lebt. Wer in der Gunst des kurzen Augenblicks durchfällt, wird links weggewischt. Wer einen guten Eindruck macht, nach rechts. Und hat der- oder diejenige das mit dem eigenen Foto auch gemacht – dann gibt’s ein Match!

Ein Mittag in einem Oranieburger Asia-Imbiss. Am Nebentisch sitzen zwei Frauen, und nachdem sie sich erzählt haben, was bei ihnen gerade so los ist, beginnt eine von ihnen der anderen Tinder-Fotos zu zeigen. Man hört immer nur: Nein. Nein. Nein. Oh, nein.
Ein Herr scheint es ihnen dann aber besonders angetan zu haben. “Der hat irgendwas”, sagt die eine. “Ja, aber was denn?” – “Na, guck doch mal, diese Augen, und dann das Kinn.” Sie beginnen zu fachsimpeln, und sie überlegen sich, wie man denn diesen Mann anschreiben könnte. Ob man denn gleich schreiben müsse, was man denn mag, oder ob ein einfaches “Hallo” reicht.

Wie dieses mögliche Tinder-Date ausgegangen ist, muss offen bleiben. Während sie weiter am Text gefeilt haben, habe ich gezahlt und bin gegangen.
Aber viel Glück!

RTZapper

Aufbruch ins Ungewisse

Donnerstag, den 15. Februar 2018
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MI 14.02.2018 | 20.15 Uhr | Das Erste

Die Öffentlich-Rechtlichen stehen unter Beschuss. Die Rechten wollen die Fernsehgebühren abschaffen und ARD und ZDF vermutlich am liebsten gleich mit. Deren Anhänger sprechen von der Lügenpresse, von Staatsmedien, von Propaganda.
Damit haben sie unrecht, aber leider geben ihnen ARD und ZDF immer wieder leichtfertig Futter – wie auch am Mittwochabend.

Eigentlich ist der Film gut gemeint. In “Aufbruch ins Ungewisse”, am Mittwochabend im Ersten, geht es um Flüchtlinge. Aber anders: Deutsche müssen in Richtung Afrika flüchten. Dort erleben sie, was uns von hier bekannt vorkommt. Sie haben es mit Schleppern zu tun. Sie sind mit Schlauchbooten unterwegs. Sie landen in Namibia, wollen aber nach Südafrika – was aber aus Asylrechtsgründen nicht geht. Es gibt Frust und Angst.
Das Gedankenspiel kann man durchaus machen – wenn es allerdings auch keine neuen Erkenntnisse bringt, sondern einzig und allein auf den Effekt setzt, dass es Deutsche sind, die flüchten müssen.

So gut der Gedanke ist, so schlecht und schlampig ist die Umsetzung. Warum die Schneiders flüchten müssen, wird nur kurz angerissen. Rechte haben die Macht in Deutschland. Die Pressefreiheit ist Geschichte, Andersdenkende kommen in den Knast. Ein paar wenige Minuten gibt sich der Film dafür.
Abgesehen davon, dass die wenige Zeit nicht ausreicht, um irgendeinen emotionalen Impuls gegenüber der Familie zu bekommen – man hätte schon mal etwas ausführlicher zeigen können, was in dieser Vision in Deutschland eigentlich Sache ist. Zumal es letztlich sich die Filmemacher schrecklich einfach machen. Die Rechten sind böse, und Punkt. Andersdenkende müssen raus, sie flüchten.
Das ist zu kurz gedacht. Es hätte ausführlicher auf die Lage im Land eingegangen werden müssen.
Später heißt es, sie wollen mit dem Schiff von Hamburg aus losfahren. In der nächsten Einstellung sitzen sie im Schlauchboot. Wieso? Was ist vorher passiert? Da spart der Film eine Handlung aus, die aber wichtig ist, erzählt zu werden.

Aber die wichtigste Frage ist: An wen richtet sich dieser Film? Wer hierzulande über Flüchtlinge hetzt, wird “Aufbruch ins Ungewisse” erst recht wiederum als Hetze empfinden. Weil dieser Film anfangs einfach nur dumpf nach rechts nachtritt. Wer Anhänger einer rechten Partei ist, den wird dieser Film nicht erreichen. Denn der wird sicherlich nicht andersdenkend sein und sich deshalb auch nicht – wie im Film gezeigt – auf eine Flucht begeben müssen. Und der wird in keinster Weise die Geschichte nachfühlen können, der wird sich darauf gar nicht erst einlassen.
Heißt also: Der Film richtet sich an die, die eine gewisse Empathie gegenüber den Flüchtlingen empfinden. Die also sowieso auf einer bestimmten Seite stehen. Also die, die von den Rechten als Gutmenschen betitelt werden. Die nun sagen: Gutmenschen machen einen Film für Gutmenschen.
Das kann nur nach hinten losgehen. Das kann nur dazu führen, dass die Rechten sich noch mehr provoziert führen, dass sie der Meinung sind, der Staatsfunk betreibe Propaganda.

Das ist wirklich schade, denn hier schwimmt jeder in seinem eigenen Saft, und jeder zeigt mit dem Finger auf den anderen. “Aufbruch ins Ungewisse” sorgt leider nicht dafür, dass man miteinander ins Gespräch kommt. Er sorgt nicht für ein Wachrütteln, weil er einfach, gerade in der Ursachenforschung, zu viele Klischees bedient und einfach nur auf einen Effekt setzt.
Damit hat sich leider keiner einen großen Gefallen getan, und das ist extrem bedauerlich.

RT liest

T.A. Wegberg: Meine Mutter, sein Exmann und ich

Mittwoch, den 14. Februar 2018
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Er soll nicht mehr Mama zu Mama sagen. Denn eigentlich gibt es seine Mama nicht mehr. Seine Mama ist jetzt ein Mann, und er soll Frederik zu ihm sagen.
Es ist nicht leicht für Joschka. Der 15-jährige muss damit klar kommen, dass seine Mutter so nicht mehr existiert. Und er ist sauer. Er kann nicht verstehen, wieso sie ihm da antut. Und natürlich vermisst er die alten Zeiten. Mit seiner Mama.
Es ist Joschkas Geheimnis, und tatsächlich weiß keiner von seinen Freunden davon. Zwar ist bekannt, dass er ein Scheidungskind ist – warum sich seine Eltern geschieden haben, weiß keiner. Joschka verheimlicht Frederik. Lässt sich nicht mit ihm sehen, hält Abstand in der Öffentlichkeit.
Aber auch Joschkas Leben geht weiter. Er lernt Sebastian kennen, der eine seltene Krankheit hat, und er verliebt sich in Emma. Außerdem muss er sich um ein Projekt in seiner Klasse kümmern. Es geht ausgerechnet um LGBT – also genau das Thema, das ihn zu Hause umtreibt.

Erneut hat T.A.Wegberg ein sehr lesenswertes Jugendbuch geschrieben. Es richtet sich vor allem an Jugendliche, aber auch Erwachsene können hier einiges lernen.
Anhand von Joschka erzählt er nicht nur von einer Transgender-Situation, sondern auch davon, wie eine Familie damit klarkommt oder eben nicht klarkommt. Welche Probleme es gibt und vielleicht auch, welche Lösungen. An einigen Stellen wirkt die Geschichte zwar ein wenig überpädagogisch, aber dennoch ist es interessant und unterhaltsam, zu verfolgen, was aus den Leuten im Roman wird. Denn oft muss Joschka über seinen Schatten springen, und oft stellt er fest, wie es ist, auf Menschen einzugehen, die anders sind als man selbst.
Von der ganzen Geschichte abgesehen hat der Autor aber übrigens auch ordentlichen Berliner Lokal-Kolorit reingebracht. Sein Joschka ist Fan von Buslinien, er will mal zu den Verkehrsbetrieben. Sehr detailreich hat der Autor viele Busstrecken und Berliner Begebenheiten im Buch untergebracht.

T.A. Wegberg: Meine Mutter, sein Exmann und ich
Rowohlt Rotfuchs, 254 Seiten
8/10

RTZapper

live ran: SuperBowl 52 – Halbzeitshow

Mittwoch, den 7. Februar 2018
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SO 04.02.2018 | 2.15 Uhr (Mo.) | ProSieben

Früher war das ja so: Unten auf der Bühne wurde großes Entertainment geboten, und auf den Rängen gingen die Leute ab, sie feierten und klatschten. Das sorgte für Stimmung, und irgendwie war das immer sehr schön.
Aber das scheint die Vergangenheit zu sein.

In der Nacht zum Montag wurde in Minneapolis der SuperBowl 52 ausgetragen. ProSieben übertrug live. Höhepunkt ist immer die Halftimeshow, die diesmal von Justin Timberlake bestritten wurde.
Nun kann man über den Auftritt sagen, was man will, man kann sich über den Kommerz beschweren und über eventuelle Playbacks – eines aber fiel auf: Als Justin Timberlake mitten im Publikum stand, klatschte und jubelte niemand.
Das lag nicht unbedingt daran, dass alle den Justin doof finden. Nein, sie alle waren beschäftigt, und zwar so ziemlich ausnahmslos. Damit, den Justin zu filmen. Alle hatten sie ihr Smartphone in der Hand und hielten es in Richtung des Sängers. Und klar, da hat man keine Hand zum Klatschen frei, und man ist zu beschäftigt als dass man jubeln könnte.

Es war ein trauriges Bild. Und ich frage mich immer wieder: Erlebt man den Moment eigentlich, wenn man damit beschäftigt ist, ihn mitzufilmen? Ärgert man sich danach nicht über die miese Bild- und Tonqualität? Wäre es nicht viel geiler gewesen, stattdessen Stimmung zu machen – oder es einfach zu genießen?
Aber vielleicht bin ich in der Hinsicht einfach von gestern.

RTelenovela

Hinten rein zur Grünen Woche

Montag, den 29. Januar 2018
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Grüne Woche 2018 in Berlin, und alles war diesmal ein bisschen anders.
Normalerweise ist alles dufte. Der Shuttlebus fährt vom Olympiastadion zur Masurenallee, da ist dann der Haupteingang, eine Halle weiter ist der Pressecounter, wir gehen rein und sind als erstes in der Brandenburghalle.
Diesmal rollte der Bus aber zur Jafféstraße und über eine Baustelle. Am Rande der Messe Berlin wird gebuddelt, anscheinend werden mehrere neue Hallen gebaut.
Der Bus hält irgendwo abseits auch vom hinteren Haupteingang. Stattdessen ist im Nirgendwo ein Container aufgebaut, wo man die Tickets kaufen kann. Einen Pressecounter sucht man aber vergebens.
Geht man dann weiter, läuft man zwischen Bauzäunen entlang über einen Nebeneingang zur Halle 25/26 – wo irgendwelcher Gartenkram gezeigt wird.

Und dann steht man erst mal da, und man überlegt, wo wir denn nun eigentlich hinmüssen, um zu den interessanten Hallen zu gelangen. Hinzu kommt nämlich, dass sich dieser Eingang buchstäblich im letzten Winkel der Messe befindet. Viele Menschen verirren sich in die Halle 26, die aber eine komplette Sackgasse ist, überall murmeln die Leute, dass sie da ja eigentlich gar nicht hinwollten und nun überlegen, wie man eigentlich da weg kommt.
Als wir dann doch einen Übergang fanden, standen wir plötzlich in einer Pferdehalle mit einem riesigen Parcours-Gelände. Nur über eine schmale Holzbrücke mit vielen Stufen ging es weiter zu den anderen Hallen.

Ein mieser Transfer zu einem ungünstigen Messestandort, eine schlechte Beschilderung, lange Wege. Die Grüne Woche 2018 begann nicht nur für uns ziemlich ärgerlich.

Es heißt ja immer, dass man früher auf der Grünen Woche viel mehr kostenlos bekam, und das stimmt auch wirklich. Um so spannender ist es, zu beobachten, wie sich die Leute auf alles Kostenlose stürzen.
In der Brandenburghalle gab es an einem Stand kleine Weißbrothäppchen (wirklich Mini) mit einem weißen Zeug drauf – Meerettich. Das wussten viele nicht, trotzdem stürzten sie sich drauf. Um dann festzustellen: ganz schön scharf! Uuuh, richtig scharf!
In einer anderen Halle schnitt eine junge Frau Birnen auf – die besten in Europa. Oder so. Sie schnitt die Birne in kleine Streifen und verteilte sie. Das kam gut an. Ein Mann kam und fragte, ob er denn die halbe Birne haben könne, die da noch liege. Die Frau verneinte, die würde sie ja auch noch in Streifen schneiden, meinte sie betont freundlich.

Die Holländer hatten eine wahnsinnig schöne Tulpenwiese – da muss man dann auch gar nicht mehr in die eigentliche Blumenhalle. Am Stand des Ernährungsministeriums gab’s tolle Live-Musik. Ebenso in Bulgarien – da gab es eine Performance mit verschiedenen Dudelsäcken.
So gibt es überall etwas zu entdecken, und das macht die Grüne Woche aus.
2019 wieder, und dann hoffentlich nicht wieder hinten rein.

RTZapper

Tagesschau: Dieter Wedel

Donnerstag, den 25. Januar 2018
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MI 24.01.2018 | 20.00 Uhr | Das Erste

Wo ist eigentlich die Grenze zum Boulevard? Unter welchen Umständen schafft es der Boulevard in die seriöse Tagesschau? Oder wann wird der Boulevard so groß, dass sie zu einer handfesten Meldung wird?
Die 20-Uhr-Ausgabe der Tagesschau in der ARD berichtete am Mittwoch ausführlich über die Vorwürfe, die dem Star-Regisseur Dieter Wedel gemacht werden. Es sind nicht die ersten Vorwürfe. “Die Zeit” berichtete über eine Schauspielerin, die Wedel angeblich sexuell belästigt und geschlagen haben soll. Tatsächlich brisant: Es passierte während einer Serienproduktion des Saarländischen Rundfunks, und beim SR waren Vorwürfe Anfang der 80er bekannt. Folgen hatte das keiner, und warum das so ist, wird nun untersucht.

Die Vorwürfe wiegen schwer, aber dennoch: Ist das eine Nachricht für die Tagesschau? Dass ein Star mutmaßlich etwas Verbotenes getan haben soll?
Es war schon immer so, dass die Tagesschau auf solche Themen verzichtet hat – unabhängig davon, wie sehr die Meldung diskutiert wird. Das ändert sich jedoch, was vor allem vermutlich am wachsenden Druck von außen liegt. Man ist im Zugzwang: Berichtet die Redaktion nicht, kommen Vorwürfe des Verschweigens. Berichtet sie, wird angezweifelt, ob das dahin gehört.
Ganz abgesehen von der Frage, wie Medien überhaupt mit solchen nicht bewiesenen Vorwürfen umgehen sollten. Der Fall Kachelmann zeigte immerhin, dass falsche Vorverurteilungen großen Schaden anrichten können.

RTelenovela

Aggressives Pulverfass

Donnerstag, den 25. Januar 2018
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In Lünen hat ein 15-Jähriger einen anderen 15-Jährigen in den Hals gestochen. Angeblich weil er der andere dessen Mutter provozierend angeguckt hat.
Genau, er hat geguckt.
Aber so läuft das heute offenbar: Guckt man einen anderen aus welchem Grund auch immer, scharf an, dann ist das Echo meist höchst unerfreulich. Dann wird gleich gepöbelt, im schlimmsten Fall geprügelt.

In Oranienburg ist ein 15-Jähriger zusammengeschlagen worden, eine Gruppe trat dann auf ihn ein. Angeblich, weil er jemanden angesprochen hat, weil er von dessen Fahrradlicht geblendet worden ist.
Neulich gab es auf der Oranienburger Schulstraße mal wieder lautstarken Zoff. Ein Fußgänger sprach einen jungen Autofahrer an, weil er auf dem Gehweg parkte. Der Gehwegparker wurde darauf laut und extrem aggressiv. Wie man es denn wagen könne, ihn anzusprechen. Ich muss nicht mal das Fenster aufmachen, ich konnte auch so alles hören.

Immer wieder hört man davon. Leute fühlen sich gestört, wenn man sie auf etwas hinweist, wenn man sie in ihrer Welt stört. Dann ist die Freundlichkeit im Eimer, und man muss Angst haben, verprügelt zu werden.
Es herrscht immer öfter eine große Aggressivität, es scheint, als ob viele Menschen ein so großes Stress- und Frustlevel haben, dass sie ein Pulverfass sind. Dass im Gegenzug immer mehr Menschen in solchen Situationen nicht mehr eingreifen wollen, kann da nicht verwundern. Ein Teufelskreis.