RTelenovela

Rügen 2016 (14): Bahnbekanntschaften – Rucksack in der Fresse

Sonntag, den 14. August 2016
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R (13) -> 13.8.2016
B (85) -> 6.10.2015

Wer am Bahnhof des Rasenden Rolandes in Binz in die Bäderbahn einsteigt, muss früh da sein und sich schnell einen Platz sichern. Denn das Bähnchen ist meist gerammelt voll, wenn es sich in Bewegung setzt und dann über den Klünderberg in Richtung Zentrum rollt.
Schon am “Haus des Gastes” leerte sich aber die Bahn schon merklich, dafür stieg der Lärmpegel stark an. Draußen zeterten ein paar Frauen, und ein Mann zeterte zurück. Der Mann hatte einen schweren Rucksack auf dem Rücken und verstand gar nicht, dass es unhöflich ist, den nicht abzusetzen.

Offenbar muss eine Dame den Rucksack schon einmal ins Gesicht bekommen haben, denn die Frauen beschwerten sich lautstark, was den Rucksackmann aber nicht im geringsten interessierte. Er stieg ein, und sein Rucksack pfiff haarscharf an meinen Gesicht vorbei. Weil aber die Damen schon zeterten, musste ich das ja nicht auch noch.
Unhöflich sei das, sagte aber der Herr, der neben mir saß. Sie habe den Rucksack schon mal in der Fresse gehabt, informierte uns eine Frau schräg gegenüber.
Der Rucksackmann fand das nur lustig, und dessen Frau verstand gar nicht, warum die Menschen so sauer seien. Offenbar gibt es immer noch Menschen ohne Manieren und ohne ein Gespür für solche Situationen.

An der Jugendherberge stieg ich aus und ließ die zeternde Meute in der Bäderbahn zurück.

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Rügen 2016 (9): Romeo muss weg

Dienstag, den 9. August 2016
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(8) -> 8.8.2016

Romeo hat ein Problem. Mama und Papa wollen weg vom Strand. Darauf hat Romeo allerdings so gar keine Lust, schließlich hat er doch gerade ein anderes Kind zum Spielen getroffen.
Es ist eine Mischung aus Komödie und Drama. Aufführungsort ist der Strand von Binz, direkt vor dem Kurhaus.
Romeo hat vier oder fünf Jahre alt, und Papa wird langsam ungeduldig, weil der Kleine keine Anstalten macht, mitzukommen. Papa bewegt sich auf die Treppe zum Kurhausplatz zu. “Dann gehen wir eben alleine”, sagt Papa, und Romeo antwortet ganz keck: “Tschüss, Papa!”
Und Papa ist kurz baff, denn sein Romeo scheint wirklich nicht mitkommen zu wollen. Also dreht sich Papa um und macht ein paar Schritte. Dann zögert Papa. Und Romeo zögert auch. Einer muss nachgeben, und natürlich hat Romeo die schlechteren Karten. Vermutlich ahnt der Junge das auch.
Papa bleibt also noch mal stehen, blickt sich um, macht noch einen Schritt – und dann hat sich Romeo entschieden, dass der Papa eben doch das Sagen hat. Romeo muss gehen.

Kurze Zeit später, ein paar Meter weiter. Eine Familie mit Kind sorgt für Trubel am Strand. Die kleine Luna rennt durch den Sand, schießt den Ball von A nach B und macht sich lautstark bemerkbar. Mutti ruft genervt: “Luna, sei doch mal ein Mädchen!”
Luna ruft lachend, dass sie das offenbar gerade nicht vor hat. Von ihr kommt ein “Nein!”, und Mutti stöhnt.
Dürfte spannend werden, ob dieser Dialog in zehn bis zwölf Jahren immer noch nötig sein wird…

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Reeperbahn, du alte Gangsterbraut!

Freitag, den 29. Juli 2016
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Die Reeperbahn in Hamburgs Mitte ist nicht irgendeine Straße. Die ist so speziell, dass dort extra Schilder aufgehangen wurden, auf denen darauf hingewiesen wird, dass Schusswaffen verboten seien. Montags bis sonntags.
Da fühlt man sich doch gleich viel sicherer.

Es sind große Gegensätze, die da aufeinanderprallen. Arm und reich. Feiervolk und Obdachlose. Schnapsleichen und Drogenjunkies. Nutten und ahnungslos Passanten.
Wer abends über die einst von Udo Lindenberg besungene geile Meile schlendert, wird nicht nur von den älteren Herren vor den Sexclubs angesprochen, ob man nicht reinkommen wolle.

Als erstaunlich und unangenehm aggressiv treten auch die Prostituierten auf der Reeperbahn auf. Sie scheinen ein bestimmtes Areal zu besetzen – zwischen Burger King und der Davidswache. Wer das weiß, wechselt die Straßenseite. Wer das nicht weiß, tappt in die Falle.
Gerade als einzelner männlicher Passant ist man Mode. Da kommt eine der jungen Frauen auf einen zu. Den Finger gleich die Brust, den Weg versperrt. Was man denn jetzt vorhabe, und ob man nicht mitkommen wolle. Flucht ist schwierig, denn sie steht im Weg. Dazu gibt sie den anderen Mädels ein unauffälliges Zeichen, dazu zu kommen.
Man muss schon energisch sagen, dass man nicht wolle.
Man geht weiter, es kommt eine zweite Frau.
Man geht weiter, es kommt eine dritte.
Man geht weiter, es kommt die vierte Nutte.
Das ist dann der Punkt, wo man leicht aggressiv wird. Die Damen tun ganz freundlich, sie säuseln rum – aber diese Freundlichkeit ist bei näherer Betrachtung hochgradig aggressiv auf aufdringlich.
Selbst wer aus einem Imbiss kommt und nicht mal in ihre Richtung geht, wird aufgelauert, denen rennen sie hinterher.
Das ist dann wohl die Gangsterbraut, von der Lindenberg singt.
Und: Offensichtliche Ausländer quatschen sie nicht an. Schwarze werden nicht behelligt. Angst? Vorurteil? Unwille? Warum?

Wer dagegen in die Seitenstraßen läuft, dem fallen eventuell Typen auf, die da rumlaufen. Es könnten Türken sein, Araber, auch einige Schwarze. Auch sie wispern was, quatschen einen an. Vermutlich geht es auch um Sex, aber viele von denen verticken auch Drogen. Wenn sie Pech haben, kassiert die Polizei sie jungen Männer ein – Leibesvisitation auf offener Straße. Wirkt abschreckend, und soll es sicherlich auch.

Entlang der Reeperbahn liegen mittenmang und an den Schaufenstern die Obdachlosen. Drogen werden in der Öffentlichkeit konsumiert, es stört offenbar keinen wirklich.
Beim KFC-Imbiss wollen sie einen Penner loswerden, der vor dem Schaufenster liegt – und wohl kaum ansprechbar ist. Der Krankenwagen kommt, die Polizei auch. Der Mann will da nicht weg, er weigert sich. Krankenwagen und Polizei rücken wieder ab. Zwei andere Obdachlose, die das beobachten, beschimpfen die Beamten. Man könne doch den Mann da nicht liegen lassen, er habe eine Alkoholvergiftung. Kann aber nicht so schlimm gewesen sein, denn als die Aufregung vorbei ist, steht auch der Mann plötzlich auf und verschwindet.

Die Große Freiheit ist dagegen die wirkliche Partymeile. Überall aus den Clubs dringt laute Musik, selbst noch nach 3 Uhr. Es ist das ganz junge Feiervolk, das sich dort amüsiert
Aber wann schläft die Reeperbahn? Am Vormittag, am Mittag, am frühen Nachmittag. Die meisten Sexclubs haben zwar trotzdem geöffnet, man wird auch da von den Türstehern angequatscht, aber es ist wenig los. Viele Imbisse öffnen erst am Nachmittag, schließen dafür erst um 6 Uhr morgens. Auf der Großen Freiheit stehen die Liefer-Lkw. Der Beatles-Platz am Ende der Straße an der Reeperbahn wird gesäubert – inklusive der Musiker-Statuen.
So von wegen schmutzige Meile. Das ist sie nicht überall. Rauh aber ganz sicher.

RTelenovela

Vom Parallel-Smartphone-Starring

Montag, den 25. Juli 2016
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Eine Kreuzung am Hohenzollerndamm in Berlin. Ein Mann und eine Frau laufen bei Grün über die Straße. Sie sind wohl ein Paar, aber sie reden nicht. Beide haben ihr Smartphone in der Hand, beiden schauen rauf, scrollen mit dem Daumen über ihre Displays.
Ich musste kurz lachen, weil das so absurd aussah. Aber im nächsten Moment dachte ich: Das ist die Zukunft, und wir sind schon mitten drin. Ich meine mal einen Film gesehen zu sehen, in dem die Leute, während sie gehen, ständig auf ihren kleinen Computer starren. Und nun ist es so weit.

Wir sind immer Online. Immer und überall. Ständig können wir uns informieren. Wobei sich die Information wohl eher darauf beschränkt, was auf Facebook los ist, auf Twitter, auf Instagram, Snapchat und Whatsapp.
Aber wenn man eine Szene sieht wie die auf dem Hohenzollerndamm, da ragt man sich doch schon: ist das sinnvoll? Müssen wir immer Online sein? Ertragen wir es nicht mehr, mal nicht zu wissen, was die anderen gerade schreiben?
Aus eigener Erfahrung weiß ich: Das wird immer schwieriger. Offline zu sein – da muss man sich immer öfter schon regelrecht zu zwingen.

RTZapper

Make Love – Liebe kann man lernen: Wie lieben Teenager?

Donnerstag, den 14. Juli 2016
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DI 12.07.2016 | 22.45 Uhr | ZDF

Stell dir das mal vor: Du bist in der 9. Klasse, und dann kommt das Fernsehen in den Unterrichtsraum, und alle sprechen über Sex. Über das erste Mal. Über Sexstellungen. Übers Wichsen. Und über die richtige Methode, den steifen Schwanz in der Hand zu halten. Darüber, wo man am liebsten angefasst werden will. Ach ja, und über das Schwulsein und überhaupt, wie denn so eine Vagina aussieht.
Und das alles, ohne peinlich berührt zu kichern, rot zu werden und im Erdboden zu versinken.
Undenkbar? Nein! Das ZDF hatte totales Glück und hat offenbar die abgebrühteste 9. Klasse der Welt gefunden.

In der Reihe “Make Love – Liebe kann man lernen” ging es am Dienstagabend im ZDF darum, wie Teenies lieben.
Sextherapeutin Dr. Sommer Ann-Marlene Henning hat sich in ihre liebsten 90er-Jahre-Klamotten geworfen, setzte sich in die Schulklasse, um mal richtig nett über Sex zu plaudern.
Keiner hat gelacht, kein Hihi, nichts. Die Neuntklässler waren abgebrüht wie nüscht. Reden wir über ihre Sexerfahrungen und wie denn das ist mit den Frauen und den Männern. Ein junger Mann, vermutlich 15 Jahre alt, erzählte, als ob es das Normalste der Welt wäre, wie man (Frau) denn ihn am besten wichst, ohne dass er zu schnell kommt.
Da werden Mami und Papi, die Familie und alle Freunde sicherlich besonders aufmerksam zugeschaut haben. Aber vielleicht ist das zu Hause ja eh ein Abendbrotthema.

Ein junger Mann wollte ein Extra-Interview mit der Sextante, um ihr, den ZDF-Zuschauern und damit allen zu erzählen,d ass er schwul sei. Outing im ZDF. Inklusive nachfolgendem Outing vor der Klasse und herzlichem Applaus.

An wen richtet sich das alles eigentlich? Die jungen Leute selbst schauen am Dienstag um 22.45 Uhr wohl eher nicht ZDF. Und die alten Säcke? Macht die das geil, wenn die Jugend berichtet, wie sie es treibt?
Und wie lange haben eigentlich die Dreharbeiten gedauert? Hat echt niemand gekreischt? Fiel wirklich niemand peinlich berührt in Ohnmacht? Haben das alle wirklich so verdammt locker genommen?
Wenn ich mir vorstelle, dass wir in den Neunten so geredet hätten… ähm… nein, ich kann mir das beim besten Willen nicht vorstellen.

RTelenovela

Lassen Sie mich vor, ich bin Apotheker!

Montag, den 11. Juli 2016
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Lassen Sie mich vor, ich bin Apotheker! Diesen Spruch solltest du dir merken, wenn du dich das nächste Mal in einer Warteschlange vordrängelst. In Fürstenberg hat es am Sonnabend funktioniert, führte aber zu einem geradezu bizarren Streit.
Ein Mann und eine Frau warteten am Langos-Stand hinter uns, entdeckten aber weiter vorn Freunde – und stellten sich zu ihnen. Das fiel natürlich den dahinter Wartenden auf. Eine Frau vor uns sprach den Mann an, was das denn solle. Und das sei ja unsozial. Der reagierte erst nicht, erst als die Frau perment auf ihn einredete – und auch uns mit einbezog, da drehte sich der Mann um. “Wollen Sie Ärger”, fragte er.

Uuh. Jetzt wurde es spannend.
Der Mann wollte von der Frau wissen, was Sie denn heute schon Soziales geleistet habe. Und was die Frau denn von Beruf sei. Hat zwar nichts mit dem Vordrängeln zu tun, aber egal.
Die Frau sei Apothekerin, sagte sie. Und der Vordrängler auch, wie sich rausstellte. Und er tat so, als sei Apotheker ein reiner Sozialberuf.
Der Kollegenstreit ging aber noch weiter. Und wenn der Herr Apotheker vor hatte, den Wasserfest-Arroganzpreis an diesem Abend ganz locker.
Er sei ja heute schon viel unterwegs gewesen, und Schütze sei er auch. Sogar Schützenkönig sei er schon mal gewesen, allerdings schon vor ein paar Jahren.
Viel unterwegs, Apotheker, Schütze, Ex-König. Das alles, fand der Vordrängler, seien alles Gründe, warum das Vordrängeln in Ordnung sei. Vielleicht wollte er auch einfach irgendwas sagen, machte es aber nur lächerlicher und noch unsympathischer.

Er bekam irgendwann seinen Langos, wir alle mussten noch länger warten, hatten dafür aber auch länger Zeit, über die ach so soziale Ader des Herrn Apotheker nachzudenken. Uns vor Ehrfurcht in den Staub zu werfen, wollten wir dann doch nicht.

RTZapper

Die Story im Ersten: Papa, Papi, Kind – Gleiches Recht für Homo-Ehen?

Samstag, den 9. Juli 2016
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DO 07.07.2016 | 20.15 Uhr | tagesschau24

Wenn etwas abgelehnt wird, nur weil etwas nicht dem eigenen Weltbild entspricht. Wenn man etwas ablehnt zu ändern, nur weil es schon immer so und nicht anders war.
Schwule und Lesben – Menschen, die sich ihr Schwul- und Lesbischsein immerhin nicht ausgesucht haben – kämpfen weiterhin um Anerkennung und Gleichberechtigung. Inzwischen gibt es die eingetragenen Lebensgemeinschaften, die “Homoehen”. Aber Kinder adoptieren?

Im Ersten lief am Montagabend (und in der Wiederholung am Donnerstagabend auf tagesschau24) eine Doku zu diesem Thema: “Papa, Papi, Kind – Gleiches Recht für Homo-Ehen?” Die zeigte mal wieder recht bedrückend, mit wie wenigen Argumenten dagegen gekämpft wird, dass zum Beispiel zwei Männer ein Kind adoptieren.
Da wird von Gott gesprochen, und davon, dass ja ein Kind schließlich einen Vater und eine Mutter brauche, und dass es ja heiße “Adam und Eva”.
Als Gesprächspartner für die Antiseite hatte man einen schon recht alten CSU-Mann gewinnen können. Einer, der viel Lebenserfahrung hat, aber wohl auch nicht mehr einsehen kann, dass sich Dinge und Einstellungen auch mal ändern können.
Und auch die Leute bei den Demos geizen mit wirklichen Argumenten, warum Adoptionen an Schwule anzulehnen sind.

Es ist also wirklich so, dass man Kinder lieber in den Heimen belässt, als sie zu zwei Männern zu geben? Nur eine Mann-Frau-Elternschaft sei da möglich? Was ist denn mit Kindern, die nur Mutter oder nur Vater haben? Geht es denen auch mies? Können zwei Männer nicht auch Weltbilder vermitteln, oder hat man Angst, auch das Kind zu “verschwulen”?
Hoffentlich hat diese Quatsch-Diskussion mal ein Ende!