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Sören Kohlhuber: Deutschland, deine Nazis

Dienstag, den 3. Mai 2016
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Wenn der Journalist Sören Kohlhuber bei Neonaziaufmärschen auftaucht, dann kennt man ihn schon. Kohlhuber beobachtet seit Jahren die rechte Szene, deren Aufmärsche, Konzepte, Wortführer und Mitläufer – und das Verhalten der Polizei.
2014 reiste er für sein Buch “Deutschland, deine Nazis” durch ganz Deutschland, um Neonazidemos zu beobachten – von Magdeburg im Januar bis Oranienburg im Dezember.

Der Stil ist im Große und Ganzen recht nüchtern. Es wird von Demo zu Demo beschrieben, was passiert, wer agiert und wie die Reaktionen sind. Was man über die Neonazis erfährt, ist bedrückend, wenn auch selten ganz neu. Klar wird, dass gerade in Ostdeutschland gewisse Strukturen zu bestehen scheinen – dessen Anhänger von Demo zu Demo reisen. Da wird dann schnell klar, dass der Abendspaziergang besorgter Oranienburger Bürger in Wahrheit eher ein Aufmarsch von Neonazis aus dem gesamten Umland ist. Und natürlich halten die Neonazis Kohlhuber wegen dessen permanenten Berichterstattung für linksextrem, befangen und natürlich für einen Teil der Lügenpresse. Kohlhuber muss einiges über sich ergehen lassen, und erstaunlicherweise scheint ihm das wenig auszumachen.
Interessant ist vor allem auch das von ihm beschriebe Verhalten der Polizei von Bundesland zu Bundesland. Da wird behindert oder nicht verhindert, dass Journalisten frei Bericht erstatten.
Kohlhuber schreibt über 2014. Und im Grunde ging es erst mit der Flüchtlingsproblematik in der zweiten Jahreshälfte oder dann 2015 mit den wirklich vielen Demos richtig los. In diesem Buch geht es gewissermaßen um das Vorspiel. Wer weiß, wie bedrückend und dick ein Buch über 2015 gewesen wäre.

Sören Kohlhuber: Deutschland, deine Nazis
Epubli, 223 Seiten
7/10

aRTikel

Nach 60 Jahren auf ihrem Hof: Frau Kaatsch zieht um

Samstag, den 9. April 2016
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Die 81-jährige Ortsvorsteherin vollzieht einen Schritt, dem sich viele Senioren ungern stellen

MAZ Oberhavel, 9.4.2016

Vehlefanz.
Die Couch ist noch da, der alte Schrank auch. Aber sonst ist es bereits recht leer im Haus. „Die größte Wehmut habe ich schon überwunden“, sagt Erika Kaatsch. Sie hat eine Entscheidung getroffen, der sich viele Senioren ungern stellen. Sie gibt Haus und Hof auf und zieht ins altersgerechte Wohnheim.
„Ich habe da lange drüber nachdenken müssen“, erzählt sie. „Aber ich finde, man sollte die Entscheidung nicht so weit nach hinten schieben. Irgendwann kann man die Entscheidung nicht mehr selbst treffen, und ich wollte das selbst tun.“
Das Haus, der Hof – mit 81 Jahren fällt die Bewirtschaftung immer schwerer. Im Garten den Rasen mähen, die Räume im Haus sauber halten – im Winter, morgens um sechs, Schnee schippen. All das ist auf Dauer anstrengend geworden, und im Alter ist man lange nicht mehr so belastbar wie früher.

Die Verträge sind unter Dach und Fach. Sie hat Nachfolger für ihren Hof gefunden. Erika Kaatsch selbst zieht bald in das altersgerechte Wohnheim, das in Vehlefanz demnächst eröffnet wird. Ein neuer Lebensabschnitt steht ihr bevor. „Ich weiß, manche trauen sich das nicht und warten so lange, bis es gesundheitlich gar nicht anders geht.“
Das wollte sie nicht. Sie wollte selbst entscheiden, was weg kommt, was mit kommt. Seit Wochen ist sie am räumen. „Auch viele Stücke, an denen Erinnerungen hängen.“ 60 Jahre lang hat sie auf ihrem Hof in der Dorfmitte gewohnt, 1956 zog sie dorthin, zu ihrem Mann. „Hier wollte ich auch für immer bleiben“, sagt sie. Seit den frühen 90ern lebte sie dort alleine.

Vieles hat sie schon verschenkt, jedes Foto angeschaut: soll es mit, kann es weg? „Man muss emotional abschalten, man muss die Kraft haben, zu sagen: Das will ich so“, sagt die 81-Jährige. „Sonst wird man damit emotional gar nicht fertig.“ In ihre neue Wohnung wird nur ein Bruchteil von ihrem Hab und Gut reinpassen. Sie muss knallhart aussortieren. Nur ein paar ihrer Möbel können mit. „Ich muss mich von vielem trennen, und manches fällt einem da wirklich schwer.“

Oft wird sie auf den Schritt, dass sie ihren Hof aufgibt, angesprochen. „Ich höre das immer wieder, wenn die Leute nachdenken, dass sie dann sagen: Sie machen das richtig.“ Auch ihre Kinder unterstützen sie in ihrem Vorhaben. Inzwischen hat sie auch schon ihre neue Wohnung anschauen können. „Seitdem freue ich mich wirklich darauf“, sagt sie und blickt sich im Wohnzimmer um: „Und hier ist es ja inzwischen auch nicht mehr gemütlich.“
Sie wird weiterhin in Vehlefanz leben, sie wird sehen, was künftig auf ihrem alten Hof passiert. „Aber ich habe Vertrauen zu meinen Nachfolgern, ich gebe ihn in guter Hände, und ich denke, dass es mir deshalb auch nicht schwerfallen wird, hier vorbeizugehen.“

Will sie – Ortsvorsteherin, Gemeindevertreterin, Seniorenbeiratschefin – denn selbst dann auch ein wenig kürzer treten? Sie lächelt. „Ich werde nicht alles gleich hinschmeißen dürfen“, sagt sie. „Man kann nicht plötzlich alles von Hundert auf Null zurückfahren. Im Moment mache ich weiter und schaue, wie es mir gesundheitlich geht.“

ORA aktuell

Flüchtlinge durften nicht in Oranienburger Disco

Mittwoch, den 6. April 2016
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Zwei Syrer soll am Sonnabend in Oranienburg der Zutritt zu einer Disco verwehrt worden sein. Das berichtet die Märkische Allgemeine.
Dabei handelte es sich um eine 80er-Party im Oranienwerk. Veranstalter war der Betreiber der “Südklause”.
Einer der beiden Syrer sagte der Zeitung, dass man ihnen gesagt habe, dass der Eintritt nur für Deutsche gestattet sei.
Der Veranstalter weist den Vorwurf zurück. Er sagt, es habe sich kein Flüchtling an der Kasse gemeldet.

RTelenovela

Rügen 2016 (3): Kind schreit, Kellnerin schlichtet

Dienstag, den 5. April 2016
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(2) -> 3.4.2016

Direkt an der Binzer Strandpromenade befindet sich einer dieser total angesagten Burgerläden. Der Name hat sich kürzlich geändert, und der Laden ist so angesagt, dass ich sowohl den alten als auch den neuen Namen schon wieder vergessen habe.
Aber am frühen Nachmittag um 14 Uhr ist der Laden so richtig voll. Fast alle Tische sind besetzt.

Und die junge Kellnerin scheint genervt. Am Tisch schräg gegenüber mosern die Leute, weil irgendwas nicht so funktioniert hat, wie es gewollt war. Die Kellnerin wiegelt ab, gibt den Leuten recht und bittet um Entschuldigung, aber die Leute scheinen untröstlich zu sein.

Am Nachbartisch beginnt ein Kind zu schreien. Die Mutter hat es Arm, und es scheint, als ob sie das Schreien selbst überhört. Es stört sie nicht, oder sie ist einfach nur apathisch. Die anderen Leute im Lokal hören es aber – und sind zunehmend genervt. Auch weil keiner am Tisch zumindest einen Tröstversuch unternehmen. Die Oma blickt sich lächeln im Raum um, als möchte sie sagen: Tjaja, so sind die Kinder.
Das Kind schreit weiter, immer lauter. So laut, dass inzwischen die andere Gespräche im großen Raum zum Erliegen kommen. Mama ist’s egal.
Da kommt die Kellnerin, bleibt stehen, sieht zum Kind und ruft laut: “Na, was hat denn das Kleine? Wer ärgert es denn so, dass es hier so einen Alarm macht?” Sie macht das freundlich, aber bestimmt – und es wirkt. Plötzlich schreit das Kind nicht mehr. Es scheint zu merken, dass das jemand ist und mit ihm spricht.
Alle sind beeindruckt. Die Kellnerin geht weiter, und das Kind bleibt tatsächlich ruhig und gibt in der kommenden halben Stunde keinen Mucks mehr ab.

Vielleicht sollte die Kellnerin ihren Job wechselt. Sie scheint ein Talent zu haben, Kinder zu beruhigen…

RTZapper

Ku’damm 56

Donnerstag, den 24. März 2016
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MI 23.03.2016 | 20.30 Uhr | ZDF

Huch, was ist denn los beim ZDF? Da senden die einen Dreiteiler, und dann ist das gar kein Krimi? Irgendwer muss sich da verplant und aus Versehen eine Miniserie im Programm versteckt haben, die sich mal anderen Themen zuwendet.
“Ku’damm 56″ ist zwar kein großes Kino, aber unterhaltsames, mitunter spannendes Fernsehen gewesen. Teil 3 lief am Mittwochabend.

Wir tauchten ein in die West-Berliner Gesellschaft von 1956. Deutschland kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Gerade mal 60 Jahre her, aber eine völlig andere Zeit.
Uneheliches Kind? Undenkbar! Dann lieber irgendeinen Mann heiraten, den man vielleicht gar nicht liebt.
Rock-’n'-Roll? Teufelszeug!
Homosexualität? Muss man austreiben, diese Unsitte!
Vergewaltigung? Daran ist natürlich die Frau schuld!
Der Osten von Berlin? Böser Kommunismus!

So erinnerte uns das ZDF daran, wie weit unsere Gesellschaft eigentlich ist, wie modern wir leben – welche Freiheiten wir haben, die wir viel zu selten zu schätzen wissen.
Das Ganze noch gespickt mit Intrigen, Tragödien und Komödien – und schön hatten wir einen guten Fernsehabend! Oder in diesem Fall sogar drei.

RTelenovela

Der Rubel muss noch besser rollen!

Sonntag, den 20. März 2016
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Wenn die Kremmener Senioren ihre großen Feste feiern, dann werden sie von der Jugend unterstützt. Auch am Sonnabend wieder. In der Mehrzweckhalle in Beetz fand das Frühlingsfest statt, und damit die gut 150 Senioren sich nicht selbst um ihre Getränke kümmern mussten, übernahmen das junge Leute aus dem Jugendclub in Beetz. Sie machen das gern. Sie schleppen Tabletts, sie rennen stundenlang hin und her und – ja, okay, manchmal fällt auch eine Getränk mit lauten Knall auf den Boden. Aber wirklich nur manchmal.

Gibt’s da eigentlich Trinkgelder? Sollte man doch meinen, oder? Bei 150 Senioren muss doch ordentlich was in die Kasse kommen. Kleine Nachfrage, wie das beim Fest davor war: Am Ende blieben je 20 Euro für die acht Helfer übrig. Das macht 160 Euro.
Hm. Das ist nett. Aber nun wirklich nicht viel. Das geht doch besser, oder? Da sollte doch der Geldbeutel ein bisschen lockerer sitzen, wenn die jungen Leute da ganz freiwillig am Wochenende arbeiten kommen.

RTelenovela

Zwei Damen spielen Kindergarten

Samstag, den 19. März 2016
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Eigentlich waren zum Saisonstart am Holzbackofen in Schwante keine Aufführungen von Kindergarten-Gruppen geplant.
Aber entweder ist die örtliche Kita spontan umgezogen – oder es muss eine Sonderaufführung gewesen sein, die sich am Freitagvormittag direkt in der Warteschlange vor dem Holzbackofen abgespielt hat.

Dort zickten sich minutenlang und lautstark zwei Damen an. Warum und wieso wussten sie wohl selbst nicht genau.
Jedenfalls beschwerte sich die eine laut über die andere. Oder besser: Sie sprach über die andere Frau, als sei die gar nicht da, obwohl sie ja direkt vor ihr stand. Nach dem Motto: „Leute gibt’s, die haben einfach keine Erziehung.“
Woraufhin die andere Frau zurückzickte – so von wegen schlechte Erziehung und keine Geduld in der Schlange.
Frau Nummer eins wiederum schüttelte den Kopf und machte eine Handbewegung, die etwas über den Geisteszustand von Frau Nimmer zwei aussagen sollte.

Ich sag’s ja: Kindergarten: Wobei die Kleinen in Schwante bestimmt besser erzogen sind als diese beiden Damen.