RTelenovela

Rügen 2016 (3): Kind schreit, Kellnerin schlichtet

Dienstag, den 5. April 2016
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(2) -> 3.4.2016

Direkt an der Binzer Strandpromenade befindet sich einer dieser total angesagten Burgerläden. Der Name hat sich kürzlich geändert, und der Laden ist so angesagt, dass ich sowohl den alten als auch den neuen Namen schon wieder vergessen habe.
Aber am frühen Nachmittag um 14 Uhr ist der Laden so richtig voll. Fast alle Tische sind besetzt.

Und die junge Kellnerin scheint genervt. Am Tisch schräg gegenüber mosern die Leute, weil irgendwas nicht so funktioniert hat, wie es gewollt war. Die Kellnerin wiegelt ab, gibt den Leuten recht und bittet um Entschuldigung, aber die Leute scheinen untröstlich zu sein.

Am Nachbartisch beginnt ein Kind zu schreien. Die Mutter hat es Arm, und es scheint, als ob sie das Schreien selbst überhört. Es stört sie nicht, oder sie ist einfach nur apathisch. Die anderen Leute im Lokal hören es aber – und sind zunehmend genervt. Auch weil keiner am Tisch zumindest einen Tröstversuch unternehmen. Die Oma blickt sich lächeln im Raum um, als möchte sie sagen: Tjaja, so sind die Kinder.
Das Kind schreit weiter, immer lauter. So laut, dass inzwischen die andere Gespräche im großen Raum zum Erliegen kommen. Mama ist’s egal.
Da kommt die Kellnerin, bleibt stehen, sieht zum Kind und ruft laut: “Na, was hat denn das Kleine? Wer ärgert es denn so, dass es hier so einen Alarm macht?” Sie macht das freundlich, aber bestimmt – und es wirkt. Plötzlich schreit das Kind nicht mehr. Es scheint zu merken, dass das jemand ist und mit ihm spricht.
Alle sind beeindruckt. Die Kellnerin geht weiter, und das Kind bleibt tatsächlich ruhig und gibt in der kommenden halben Stunde keinen Mucks mehr ab.

Vielleicht sollte die Kellnerin ihren Job wechselt. Sie scheint ein Talent zu haben, Kinder zu beruhigen…

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Ku’damm 56

Donnerstag, den 24. März 2016
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MI 23.03.2016 | 20.30 Uhr | ZDF

Huch, was ist denn los beim ZDF? Da senden die einen Dreiteiler, und dann ist das gar kein Krimi? Irgendwer muss sich da verplant und aus Versehen eine Miniserie im Programm versteckt haben, die sich mal anderen Themen zuwendet.
“Ku’damm 56″ ist zwar kein großes Kino, aber unterhaltsames, mitunter spannendes Fernsehen gewesen. Teil 3 lief am Mittwochabend.

Wir tauchten ein in die West-Berliner Gesellschaft von 1956. Deutschland kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Gerade mal 60 Jahre her, aber eine völlig andere Zeit.
Uneheliches Kind? Undenkbar! Dann lieber irgendeinen Mann heiraten, den man vielleicht gar nicht liebt.
Rock-’n'-Roll? Teufelszeug!
Homosexualität? Muss man austreiben, diese Unsitte!
Vergewaltigung? Daran ist natürlich die Frau schuld!
Der Osten von Berlin? Böser Kommunismus!

So erinnerte uns das ZDF daran, wie weit unsere Gesellschaft eigentlich ist, wie modern wir leben – welche Freiheiten wir haben, die wir viel zu selten zu schätzen wissen.
Das Ganze noch gespickt mit Intrigen, Tragödien und Komödien – und schön hatten wir einen guten Fernsehabend! Oder in diesem Fall sogar drei.

RTelenovela

Der Rubel muss noch besser rollen!

Sonntag, den 20. März 2016
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Wenn die Kremmener Senioren ihre großen Feste feiern, dann werden sie von der Jugend unterstützt. Auch am Sonnabend wieder. In der Mehrzweckhalle in Beetz fand das Frühlingsfest statt, und damit die gut 150 Senioren sich nicht selbst um ihre Getränke kümmern mussten, übernahmen das junge Leute aus dem Jugendclub in Beetz. Sie machen das gern. Sie schleppen Tabletts, sie rennen stundenlang hin und her und – ja, okay, manchmal fällt auch eine Getränk mit lauten Knall auf den Boden. Aber wirklich nur manchmal.

Gibt’s da eigentlich Trinkgelder? Sollte man doch meinen, oder? Bei 150 Senioren muss doch ordentlich was in die Kasse kommen. Kleine Nachfrage, wie das beim Fest davor war: Am Ende blieben je 20 Euro für die acht Helfer übrig. Das macht 160 Euro.
Hm. Das ist nett. Aber nun wirklich nicht viel. Das geht doch besser, oder? Da sollte doch der Geldbeutel ein bisschen lockerer sitzen, wenn die jungen Leute da ganz freiwillig am Wochenende arbeiten kommen.

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Zwei Damen spielen Kindergarten

Samstag, den 19. März 2016
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Eigentlich waren zum Saisonstart am Holzbackofen in Schwante keine Aufführungen von Kindergarten-Gruppen geplant.
Aber entweder ist die örtliche Kita spontan umgezogen – oder es muss eine Sonderaufführung gewesen sein, die sich am Freitagvormittag direkt in der Warteschlange vor dem Holzbackofen abgespielt hat.

Dort zickten sich minutenlang und lautstark zwei Damen an. Warum und wieso wussten sie wohl selbst nicht genau.
Jedenfalls beschwerte sich die eine laut über die andere. Oder besser: Sie sprach über die andere Frau, als sei die gar nicht da, obwohl sie ja direkt vor ihr stand. Nach dem Motto: „Leute gibt’s, die haben einfach keine Erziehung.“
Woraufhin die andere Frau zurückzickte – so von wegen schlechte Erziehung und keine Geduld in der Schlange.
Frau Nummer eins wiederum schüttelte den Kopf und machte eine Handbewegung, die etwas über den Geisteszustand von Frau Nimmer zwei aussagen sollte.

Ich sag’s ja: Kindergarten: Wobei die Kleinen in Schwante bestimmt besser erzogen sind als diese beiden Damen.

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Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs: Der BVB trauert

Dienstag, den 15. März 2016
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SO 13.03.2016 | 23.45 Uhr | WDR

Borussia Dortmund hat gegen Mainz gewonnen. Aber manchmal gibt es auch in der Fußball-Bundesliga Augenblicke, in denen es einen Moment lang wurscht ist, wer da gewinnt oder verliert. Dann zählen andere Werte: Mitgefühl und Zusammenhalt.
In Zeiten wie diesen, ist das eine schöne Erkenntnis. Auch wenn der Anlass traurig ist.

Während des Fußballspiels kam es am Sonntag zu zwei Notarzteinsätzen. Ein Mann starb noch im Stadion an einem Herzinfarkt.
Als sich die Nachricht verbreitete, endete der Jubel im Stadion. Es wurde ganz still, gelungene Aktionen auf dem Feld sind beklatscht, aber nicht überschwänglich bejubelt worden.
Nach dem Abpfiff sangen die Fans im Stadion dann lautstark “You’ll never walk alone”.

Die ergreifenden Ausschnitte daraus liefen am Sonntagabend in “Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs” im WDR, und diesmal zeigte sich, wie wunderbar der Fußball manchmal wirklich sein kann. Die Momente, wo einfach mal nicht zählt, wer siegt und wer vielleicht wieder Mist gebaut hat. Sondern der Augenblick, in dem sie einfach nur von einem Borussia-Fan Abschied nahmen. Einem von ihnen.

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Symbolträchtig: Das Schloss vor dem Hass beschützt

Freitag, den 4. März 2016
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In zwei Jahren wird Oranienburg einen neuen Bürgermeister haben. Hans-Joachim Laesicke dürfte im Herbst 2017 zwar noch mal antreten, aber er will nicht, wie er jetzt noch mal klarstellte. Und, ja, ich finde das schade. Denn was Oranienburg an diesem Bürgermeister hat, das hat sich am vergangenen Freitag herausgestellt. Und das hat übrigens nichts mit seiner Parteiangehörigkeit zu tun – sondern mit seiner Person.
Weil ich beruflich verhindert war, konnte ich das alles zwar nur aus der nahen Ferne beobachten, aber er hat dort für eine Aktion gesorgt, deren Symbolwert mir eigentlich erst sehr viel später klargeworden ist.

Der sogenannte Abendspaziergang, an dem neben besorgten Bürgern vor allem diverse rechtsextreme Größen der Region teilnehmen, sollte diesmal ein Abendappell sein. Als solcher ist er angemeldet worden, und schon das Wort an sich ist gruselig.
Der als rechter Hassprediger bekannte Blogger Michael Mannheimer sollte vor dem Schloss sprechen. Das Kalkül der Neonazis: das Schloss als schöne Kulisse für den Appell.

Allerdings sind gleich zwei Gegendemos angemeldet worden.
Die Linken marschierten vom Bahnhof zum Schloss und schrien und pfiffen den Appell nieder. Legitim, aber letztlich können sich damit sehr viele Menschen, die den Appell ablehnen, auch nicht identifizieren.
Andererseits klang Mannheimers Rede rein akustisch auch so, dass einem ein kalter Schauer über den Rücken läuft. Auch dass es Menschen gibt, die das beklatschen.

Bemerkenswert war aber die Aktion “Oranienburg zeigt Herz”. Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke und der ebenfalls sehr engagierte Pfarrer Friedemann Humburg riefen dazu auf.
Nach einem Gottesdienst in der Nicolaikirche liefen 500 Menschen zum Schloss. Mit Kerzen, mit Spruchbändern.
Sie liefen an dem Platz vor dem Schloss vorbei, auf dem die Rechten, die Neonazis und deren Anhänger standen.
Die “Oranienburg zeigt Herz”-Aktion fand nämlich auf dem Südhof des Schlosses statt, also innerhalb der Schloss-Umzäunung. Das Schloss selbst ist mit Herz-Botschaften versehen worden. Die mussten sich die Hassprediger-Zuhörer ansehen.

Ich finde, das war ein bemerkenswertes Bildnis: Die Menschen, die ein Herz haben (die guten Menschen, die Gutmenschen, und nein, “Gutmenschen” ist kein Schimpfwort, weil gute Menschen, ja was Gutes sind), haben das Schloss beschützt. Sie haben es für ihre Liebesbotschaften genutzt und dafür gesorgt, dass eben dieses Schloss nicht ohne Weiteres für Hassbotschaften missbraucht werden konnte.
Erst hinter dem Zaun, ein paar Meter vom Schloss entfernt, standen die, die Gutmenschen scheiße finden. Die, die gut finden, was ihnen stattdessen ein Hassprediger zu sagen hat. Die, die nichts anderes mehr hören wollen, was nicht ihrer Meinung entspricht.

Es war ein tolles Symbol, was dort von der “Oranienburg zeigt Herz”-Aktion ausging. Hoffentlich eines mit Zukunft. Und für die Schaffung dieses Symbols kann man Laesicke und Humburg nur danken.

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Hannover, Stadtteil Klein-Istanbul

Montag, den 15. Februar 2016
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Eigentlich wollte ich nur schnell mal ein Mitbringsel kaufen – macht man ja meist so, wenn man irgendwo zu Besuch ist.
Leider gibt es rund um den Königsworther Platz in Hannover keinen einizigen Laden, wo es etwas zu Kaufen gibt.
Also ging ich zum U-Bahnhof – wo es auch keinen Laden gibt – und fuhr eine Station weiter zum Steintor.

Dort angekommen suchte ich immer noch – zunehmend entmutigt – nach einem Laden oder einem Supermarkt. Aber nichts dergleichen! Seltsam, in einer Großstadt wie Hannover müsste es doch ein bisschen was zum Einkaufen geben?!
Auf der anderen Straßenseite erblickte ich ein Geschäft, in dem unter anderem Handys verkauft werden. Aber auch anderes Zeugs?
Als ich reinkam, unterheilten sich lauthals zwei Männer auf Türkisch. Als sie mich bemerkten, lief sie raus und ließen die kleine Frau hinterm Tresen allein zurück.
Ich lief einmal durch den kleinen Laden, um festzustellen, dass es dort nichts für mich gibt. Ich fragte die Frau, ob es in der Gegend einen Supermarkt gibt. In gebrochenem Deutsch wies sie mich ein paar Meter weiter.

Also lief ich los. Auf der Suche nach Netto-, Lidl- oder Aldilogos. Stattdessen traf ich auf eine Art Supermarkt, dessen Namen ich nicht kannte.
Ich lief rein – und war in einer anderen Welt. Niemand dort sprach Deutsch, es lief ganz leise türkische Musik und es gab dort ausschließlich türkische Ware.
Ich war noch nie in Istanbul, aber irgendwie fühlte es sich so an. ich war nicht mehr in Hannover, sondern irgendwo im Ausland. Total fasziniert lief ich durch die Reihen. Süßigkeiten, Obst und Gemüse, Konserven und Getränke. Ganz hinten eine Fleischtheke, wo gerade irgendwas zerhackt worden ist.
Theoretisch und praktisch hätte ich auch etwas gefunden, was ich hätte kaufen können. Aber die Schlange an der Kasse war so lang, dass ich dann doch die Lust verlor.

Ich lief noch ein paar Meter weiter – und stand vor dem nächsten türkischen Konsum. Auch dort werden fast nur türkische Waren verkauft. Ich kaufte mir eine türkische Cola und etwas zum Knabbern – Letzteres war dann mein kleines Mitbringsel.
Auf der Straße schaute ich mich dann noch mal um. Dönerläden, türkische Blumenläden, ein Telefonladen, ein Reisebüro – alles auf Türkisch.
Später, im Internet, habe ich dann rausgefunden, dass das Steintorviertel in Hannover auch “Klein-Istanbul” genannt wird.

Einerseits ist es toll, dass es so was gibt. Andererseits spricht das eher wenig für Integration. Denn in den Läden gibt es kaum oder keine deutschen Leute, sicherlich auch, weil es eine so unbekannte Welt für sie ist. Stattdessen bleiben die Türken dort unter sich. So hat “Klein-Istanbul” Vor- und Nachteile.