RTelenovela

Ab ins Kino: Fressen, Rascheln, Quatschen

Montag, den 22. Mai 2017
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Gemeinsam mit anderen Menschen ins Kino zu gehen, ist eine schöne Sache. Da sitzen dann ein paar Dutzend Leute und schauen gemeinsam einen Film.
Ja, da ist es doch herrlich, vom Popcorn zu naschen, und dem Liebsten ab und zu was zuzuwispern, und, ach ja, der Film läuft ja auch noch.

Man kann das aber auch anders sehen, und am Sonntag stand ich in Oranienburg während “Alien: Covenant” mal wieder fast vor einem Wutanfall. Denn es gibt Leute, die begreifen einfach nicht, dass sie nicht allein sind im Kinosaal. Denen es völlig wurscht ist, dass da noch andere Leute sind, die vielleicht gestört sein können von:
Davon, dass man sich hinsetzt und erst mal schön in der Popcorntüte wühlt. Immer wieder. Sie so richtig toll rascheln lässt. Raschelraschelraschel.
Davon, dass man das Popcorn frisst. Ja, frisst. Mit offenem Mund, dass es so richtig schön knatscht und schmatzt.
Davon, dass man nicht in der Lage ist, zu flüstern. Dass man mit dem Freund alle Szenen erörtern und kommentieren muss.
Davon, dass man pupertär über blöde Witzchen lacht, obwohl gerade gar nichts lustig ist – und man schlicht die Handlung nicht kapiert.
Davon, dass man einfach nervt.

Ja, die junge Frau mit ihrem Freund hinter uns war so eine. Fressen, rascheln, quatschen. Es ist zum Verzweifeln, und wen das Kino mal untergeht, dann wegen solchen Leuten. Da baut man sich irgendwann doch lieber zu Hause die Großleinwand auf.

aRTikel

Blick auf die Barrierefreiheit

Donnerstag, den 18. Mai 2017
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Bernd Ostwald aus Schwante ist der neue Behindertenbeauftragte der Gemeinde Oberkrämer

MAZ Oranienburg, 18.5.2017

Oberkrämer.
Genaue Zahlen darüber, wie viele Menschen in Oberkrämer eine Behinderung haben, gibt es nicht. Es gibt nur Schätzungen, und die liegen bei 25 Prozent. Das klingt viel. „Aber es kommt auch darauf an, wie stark die Behinderung ist“, sagt Bernd Ostwald. „Es gibt auch Leute mit kleinen Behinderungen, die eigentlich noch ganz gut damit klarkommen.“

Der 64-Jährige aus Schwante wird sich in Zukunft näher damit befassen, denn er ist der neue ehrenamtliche Behindertenbeauftragte für Oberkrämer. „Ich selbst habe nur eine leichte Diabetes und den üblichen Bluthochdruck, aber ich habe Erfahrungen durch meinen Vater, der hatte ein Kriegsleiden, er war zu 80 Prozent behindert.“ Es sei auch immer gut, Probleme aus der Sicht von nicht-behinderten Menschen betrachten zu können. „Allerdings muss ich auch noch einiges an Wissen aufbauen“, gibt er zu. Das will er in den nächsten Wochen und Monaten tun.
Bernd Ostwald, der auch stark für die CDU in der Kommunalpolitik in Oberkrämer sowie in der Kirchengemeinde in Schwante-Vehlefanz aktiv ist, möchte sich nun auch für diese Belange einsetzen. „Ich sehe mich da als Kümmerer. Für Menschen da zu sein gehört zu meinem christlichen Weltbild“, sagt er.

Geboren im thüringischen Artern, aufgewachsen in Oberhausen, zog es ihn später nach Berlin und 1996 nach Schwante. Er ist seit 32 Jahren verheiratet und arbeitete zuletzt als Handels- und Industrievertreter für Elektrotechnik und Consulting. Seit Anfang März ist er Rentner. „Aber ich kann jetzt nicht nur acht Stunden am Tag Gartenarbeit machen und Zeitung lesen, ich möchte weiter öffentlich sinnvoll tätig sein“, sagt Bernd Ostwald.

An ihn können sich nun behinderte Menschen wenden, die zum Beispiel Hilfe brauchen bei speziellen Problemen oder Anträgen. Ein wichtiges Thema ist in diesem Zusammenhang die Barrierefreiheit. „Die Gemeinde Oberkrämer besitzt etwa 110 Wohnungen, und wir hatten beschlossen, dass, wenn eine Wohnung frei wird, sie dann zumindest senioren- oder sogar behindertengerecht zu sanieren.“Auch beim Straßen- und Wegebau werde er verstärkt darauf achten, dass sich die Schwierigkeiten für Geh- oder Sehbehinderte in Grenzen halten.
„Es ist ja so, dass, wenn wir unsere Umwelt seniorengerecht gestalten, dann ist die weitgehend auch behindertengerecht.“ So möchte er auch von den Menschen in Oberkrämer wissen, ob die Flächen rund um das Schwantener Ärztehaus oder am dortigen Bahnhof so begehbar sind, dass alles reibungslos funktioniert. Auch möchte sich Bernd Ostwald mit den Seniorenbeauftragten aus den einzelnen Ortsteilen treffen, um mit ihnen eventuelle Probleme zu erörtern.

Wer Kontakt aufnehmen will, kann das über die Verwaltung tun. Martina Wellnitz ist unter 03304/393238 zu erreichen, sie stellt dann den Kontakt zu Bernd Ostwald her.

RTelenovela

Sorry, ich bin nicht der Vater!

Mittwoch, den 17. Mai 2017
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Kind 1 schreit. Kind 2 hat nämlich dem Kind 1 etwas weggenommen, und Kind 1 findet das extrem blöd. Kind 2 will Kind 1 das Spielzeug aber nicht wiedergeben. Ergebnis: Kind 2 schreit auch.
Mama schreitet ein, aber so richtig kann sie gerade nichts tun.
Die Leute gucken schon. Denn diese Leute denken, warum sitzt der Vater so bräsig da, glotzt blöd, macht aber nichts?! Und sie meinen mich.

Wir sind in einem Restaurant am Gmünde in Caputh. Wir, das sind meine Kollegin – glücklich verheiratet -, ihre zwei kleinen Söhne und ich. Die beiden Kinder sind leider weniger gut drauf, als wir vorher gehofft haben. Und sie quengeln. Und sie streiten. Und sie sind laut. Aber so ist das nun mal.
Meine Kollegin muss ziemlich wirbeln. Ermahnen. Auf die Kinder einreden.
Ich kann immer mal nur runtergefallene Dinge aufheben oder irgendwas sortieren. Oder mal was einwerfen. Aber als Nicht-Erziehungsberechtigter kann ich natürlich nicht wirklich eingreifen.

Das wissen natürlich nicht die Leute am Tisch hinter der Scheibe. Minutenlang starren vor allem die Frauen in der Runde zu uns raus. Und ich spüre geradezu, was sie sich erzählen: Warum der Typ auf seinem Arsch sitzt und seiner Frau nicht hilft. Was das für ein Idiot ist, dass sie alles alleine machen muss.
Ich fühlte mich nicht nur beobachtet, ich fühlte mich auch ziemlich unwohl. Und ich konnte nicht mal was dafür.
Vielleicht hätte ich reingehen und die Damen aufklären sollen. Aber dann wäre es für sie vielleicht nicht mehr so spannend gewesen.
Ein bisschen froh war ich dann schon, als wir wieder aufbrachen – und die Kinder inzwischen wieder die liebsten der Welt waren.

RT im Kino

Einsamkeit und Sex und Mitleid

Montag, den 8. Mai 2017
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Einsamkeit.
Sex.
Mitleid.
Das sind die drei Zutaten des Filmes von Lars Montag. Er bringt Menschen zusammen, die scheinbar (und offenbar) nicht zusammengehören. Einsame Menschen. Menschen auf der Suche nach Sex. Bemitleidenswerte Menschen.
Und alle hängen sie irgendwie miteinander zusammen.

Da ist der Lehrer Ecki Nölten (Bernhard Schütz), der seinen Job verloren hat und sich nun an der Welt rächen will, der nicht weiß, wohin mit seinem Frust. Da ist der Bienenzüchter Robert Pfennig (Rainer Bock), dessen Ehe mau verläuft und der Ecki kennenlernt – und seine andere Seite wieder ausleben will. Roberts Tochter lernt unterdessen den großmäuligen Mahmud (Hussein Eliraqui) kennen, der sie für 100 Euro mal lecken will – aber eigentlich nach Liebe sucht. Mahmud wiederum gerät in einen Streit von Thomas (Jan Henrik Stahlberg und Carla (Friederike Kempter), der sich bald gegen Mahmud selbst richtet – und der gezielt handelt.
Außerdem eine Frau vor der Scheidung, die sich Callboys kommen lässt, eine Künstlerin, die Sex sucht und Kunstobjekte.
Und so weiter.

“Einsamkeit und Sex und Mitleid” handelt von lauter Menschen, die irgendwie am Ende sind. Die traurig, deprimiert, verstört sind. Und dennoch: Es ist kein Drama, das durchweg schrecklich ist, bei dem man heulen will und muss.
Lars Montag schafft ein Gesellschaftspanorama. Wir sehen Leute, die ständig am Handy hängen. Leute, die sich beeinflussen lassen – von der Religion oder anderen Menschen. Andere, für die Sex ein Geschäft – oder Mittel zum Zweck ist.
In diesem Film gibt es keine Helden. Stattdessen handelt es sich fast ausschließlich um Opfer. Opfer der Gesellschaft, der neuen digitalen Welt, Opfer einer neuen seltsamen Individualität, die immer weniger Empathie zulässt. Und stattdessen immer egoistischer wird.
Das Ensemble ist durchweg toll, es ist zusammengesetzt aus extrem verschiedenen Menschen. Das macht das alles zwei Stunden unglaublich interessant und packend. Irgendwie böse, tragikomisch und manchmal fast unglaublich.

Einsamkeit und Sex und Mitleid
D 2016, Regie: Lars Montag
X-Verleih, 119 Minuten, ab 16
9/10

RTZapper

Diktator

Mittwoch, den 26. April 2017
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SO 23.04.2017 | 21.45 Uhr | zdf_neo

Auf zdf_neo ist mal wieder ein spannendes Experiment zu beobachten: Wie verhalten sich Menschen in einer Diktatur. In einer diffusen Situation, in der sie nicht wissen, was genau eigentlich von ihnen erwartet wird. In der sie nur ahnen: Sie müssen spuren, irgendwie.
Die ersten beiden Teile von “Dikator” liefen am Sonntagabend auf zdf_neo.

Acht junge Leute werden eingesperrt. Wie im Knast. Es herrscht uniformzwang, alle kriegen dasselbe Essen, alle müssen sie ein paar Stunden am Tag arbeiten – und immer dasselbe tun.
Hinzu kommt: Sie bekommen Punkte als Belohnung und Punkte abgezogen als Bestrafung.

Hochinteressant! Denn außer diese Regeln bekommen die acht nicht gesagt, worauf die Show eigentlich hinauslaufen soll. Keiner weiß, wer wodurch gewinnt. Aber sie meinen, es zu ahnen. Nämlich, wenn sie die Regeln beachten und befolgen. Ohne Wenn und Aber.
Das zu beobachten, ist extrem spannend.
Da gibt es die junge Frau, die schnell keinen Bock hat, auf die Regeln zu achten. Und dann gibt es da die Männer, die davon genervt sind. Die darauf drängen, dass sie doch bitte mitmachen möge.
Als dann die Frau erst Punktabzüge und dann in den Arrest muss, scheint klar: Die Männer haben Recht. So bilden sich Gruppen, immer gesteuert vom Diktator, der selbst nie auftaucht.
Auch Denunziation ist ein Thema: Wer antwortet auf die Frage, welcher der anderen Mitspieler am schlechtesten gearbeitet hat? Wer wehrt sich? Und was passiert, wenn einer bereitwillig Auskunft gibt und einen Namen nennt? Erstens: Die genannte Person wird bestraft, und der andere Mitspieler weiß, dass er dafür gesorgt hat. Und: Ein zweiter Mitspieler ahnt nun, dass der andere denunziert hat.

Wie würden wir uns verhalten, wenn wir in einer Diktatur leben? Würden wir Widerstand leisten? Wo und wann werden wir gebrochen? Wo lassen wir uns einspannen? Und wo lassen wir uns in die Gruppe der Mitläufer spülen?
“Diktator” ist ein Stück weit pädagogisch – aber lässt interessant Schlüsse darauf zu, wie sich Menschen in solchen Situationen verhalten und welche krassen Dynamiken entstehen.

RTelenovela

Da weht ein Hauch von Diskriminierung

Dienstag, den 25. April 2017
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Als am Montagvormittag die Autorin Usch Luhn in der Bibliothek in Bötzow ihr Buch „Die Pfotenbande“ vorstellte, da saßen nur Mädchen vor ihr. Ein Zufall? Nein, flüsterte die Bibliothekarin Claudia Adler. Das sei vorher so entschieden worden. Denn in dem Buch gehe es um Tiere – in diesem Fall um Hunde. Das sei eher ein Mädchenthema.

Die naheliegende Frage: Was machen denn die Jungs in dieser Zeit? Schlichte Antwort: Sie haben Mathe.
Kann man so machen. Man kann sich aber auch darüber wundern.

In Vehlefanz durften zwei Stunden vorher bei der gleichen Lesung die Jungs mit dabei sein. Völlig zu recht: Denn warum sollten sich Jungs in der 4. Klasse nicht für Geschichten interessieren, in denen Hunde und Freundschaft eine Rolle spielen?
Und warum werden sie für das Jungs-Sein damit bestraft, stattdessen Mathematik zu pauken, während die Mädels einen netten Vormittag haben? Wenigstens eine „Gegenlesung“ hätte es dann geben können. So wehte durch Bötzow ein ganz leichter Hauch von Diskriminierung.

RTelenovela

Zu früh gehetzt

Samstag, den 22. April 2017
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Nun wissen wir also mehr über den Anschlag auf den Bus der Fußballer von Borussia Dortmund. Es hatte nichts mit Islamismus zu tun. Nichts mit Rechtsextremismus. Und auch nichts mit Linksextremismus. Sondern einfach mit Geldgier.
Mit dem Anschlag wollte ein Spekulant Kohle machen, in dem er auf eine fallende BVB-Aktie an der Börse setzte.

Ist ja schon irgendwie blöd. Dabei hatte die AfD schon die Schuld beim Islamismus gefunden und entsprechende, ähm, Maßnahmen gefordert. Weil ja schon wieder alles so schlimm und eigentlich noch schlimmer und natürlich bald immer schlimmer wird. Dabei redeten die Terrorexperten in den Nachrichtensendungen so schlau. Dabei diskutierten die Rechten und die Linken schon auf Facebook und Co.

Alles nur, weil niemand – wie immer in der heutigen Zeit – es abwarten konnte, was denn die Ermittlungen ergeben. Alle müssen orakeln. Alle müssen es besser wissen. Nur um den Hass zu schüren. Nur um den Menschen Angst zu machen.
Dabei war es in diesem Fall nur ein Idiot, der Kohle machen wollte – und dafür Menschenleben riskierte. Das ist schon widerlich genug, aber wir hätten uns viele andere Scheindiskussionen ersparen können.
Blöderweise werden bestimmte Politiker und die Medien es beim nächsten Mal wieder ganz genau so machen…