RTelenovela

Vorspiel

Mittwoch, den 26. November 2014
Tags: , ,

Bekommen manche Leute es eigentlich nicht mit, dass sie nicht alleine sind? Ist es ihnen wurscht?
Neulich im Filmtheater am Friedrichshain in Berlin. Das junge Pärchen vor uns scheint sich noch nicht lange zu kennen. Die Liebe ist jedenfalls noch sehr, sehr groß.

Sie will kuscheln. Dabei ist der Film, den sie sehen, eigentlich gar kein Kuschelfilm: “Mommy”, es ist eigentlich eher ein Drama mit recht lustigen Augenblicken.
Aber egal, sie will kuscheln. Sie legt ihren Kopf in seinen Schoß. Er beginnt, ihren Nacken zu kraulen und zu massieren. Er streichelt ihren Arm.
Sie kommen in Fahrt, sie zieht ihr Shirt aus, hat noch ein Hemdchen drunter. Es gibt leises Gelächter bei den Umsitzenden, die nun alle aufmerksam geworden sind. Und er hat nun mehr Streichelfläche.

Irgendwann hat sie genug. Dafür legt er seinen Kopf in ihren Schoß. Sie beginnt ihn zu streicheln, ihre Hand wandert in sein Shirt.
Nein, man muss dazu nicht besonders hingucken, in der Sitzreihe dadinter bekommt man das alles auch so mit. Dass es die hintere Reihe unter Umständen nervt, wenn da plötzlich ein massierender und streichelnder Arm im Blick ist, spielt dann keine Rolle.
War wohl das Vorspiel, das Hauptprogramm gab es dann wohl nach dem Film, an einem anderen Ort.

RTZapper

Die Frage: Warum haten wir so viel im Netz?

Sonntag, den 23. November 2014
Tags: , ,

DO 20.11.2014 | 22.00 Uhr | Bayerisches Fernsehen

Stirb, du Opfer! Scheiß Idiot! Du Wichser!
Im Netz, in irgendwelchen Internetforen lässt sich so was leicht sagen, äh, schreiben. Gern unter Pseudonym, bei Facebook durchaus auch mal mit richtigem Namen.
Aber wie kommt das eigentlich, dass sich so viele Leute im Internet dermaßen auskotzen? Warum haten wir so viel Netz?
Damit beschäftigte sich am Donnerstagabend eine Doku in der Reihe “Die Frage” im Bayerischen Fernsehen. Interessant, aber neue Erkenntnisse brachte sie eigentlich nicht.

Man kann es aber immer wieder boebachten. Eine Thema wird in einem Forum diskutiert. Asylbewerberheime zum Beispiel. A sagt: Alles Mist. B sagt: Gut so! A sagt: B ist ein dummer Idiot! B sagt: A ist ein Wichser.
Und so weiter.
Der BR deckte auf: Vielleicht sind die Leute im Netz so schnell im Beleidigen, weil sie ja das Gegenüber nicht sehen können. Alle Reaktionen bleiben verborgen, und der Hass ist sowieso mal schnell niedergeschrieben. Muss man das Gegenüber erst treffen, um Meinungen auszutauschen, ist der erste Hassanfall meist verflogen. Würden sich die Leute Auge in Auge gegenüber stehen, würde die Sache schon ganz anders aussehen.
Na ja, so viel aufgedeckt hat der BR da nicht wirklich wirklich.
Dass einige Leute es geil finden, dumpfe Parolen und Hass verbreiten, ist auch nicht neu.
Die spannendere Frage ist eigentlich: Wie geht man damit um? Ignorieren? Gegensteuern? Aber wie gegensteuern? Wie verhindern wir Cybermobbing? Durch Zensur? Durch stärkere Moderation in Foren? Diese Fragen konnte die Doku leider nicht klären.

RTelenovela

Der Hund bleibt draußen

Sonntag, den 23. November 2014
Tags: , ,

Ein Streitgespräch am Kaufland-Infostand in Oranienburg. Die Frage lautet: Was eigentlich ist genau das Kaufland? Wo fängt es an, wo hört es auf? Und bis wo darf Frauchen mit ihrem Hund?
Ein Schild irgendwo am Eingang weist wohl darauf hin, dass Hunde im Kaufland nicht gestattet seien, was Frauchen zur Frage führte: Ob denn das ganze Gebäude zum Kaufland gehöre, was die Dame am Infostand bejahte. Frauchen war das neu, angeblich sei es doch bekannt, dass das Kaufland nur der Supermarkt sei, und überhaupt sei das dann ja alles total hundeunfreundlich!
Nein, das ganze Haus sei Kaufland, und die Läden seien vermietet.
Die Frau zog beledigt wieder ab. Mit dem Chef des Hauses wollte sie erst gar nicht sprechen, der hätte er erklärt – so erklärte mir dann die Infostandfrau – dass es ja vor allem um die Imbissbereiche ginge, wo die Tiere nicht hindürften.

Das Thema scheint ein sensibles zu sein: Hunde in Gaststätten und Imbissen. Ich bin auch überhaupt kein Fan davon. In früheren Zeiten waren Hunde in Lokalen verboten, da gab es keine Diskussion. Heutzutage kann man wohl auf keinen Kunden verzichten, da ist das erlaubt. Und Herrchen und Frauchen können ihren kleinen oder großen Liebling auch nicht mal zu Hause oder im Garten lassen, wenn sie Essen gehen möchten.
Wenn dann der große Hund unterm Tisch hechelt und mit dem Schwanz wedelt – nein, schön finde ich das nicht.

RTelenovela

Fremdgeherinnen stehen auf Thomas Anders

Dienstag, den 18. November 2014
Tags: ,

Manchmal lohnt sich ein Blick in den Spam-Ordner des E-Mail-Postfaches eben doch noch. Ansonsten hätte ich neulich diese informative Nachricht verpasst: Fremdgeherinnen stehen auf Thomas Anders.
Das ist bedauerlich, denn das Fazit kann eigentlich nur heißen: Unzufriedene Frauen haben einen schlechten Männer- und Musikgeschmack. Auf den Plätzen dahinter liegen übrigens Xavier Naidoo und Cro. Letzterer ist der Typ mit der Maske, was bei Fremdgeherinnen offenbar auch sehr gut ankommt. Dabei findet diese Zielgruppe übrigens alles an diesen Herren verlockend, so das Umfrageergebnis. „Sein Aussehen“ landet nur auf Platz zwei.

Es ist doch immer wieder spannend zu erfahren, was für Umfragen hierzulande veröffentlicht werden. Ich warte gebannt auf die nächsten Befragungsergebnisse: Welche Musik hören Träger von Boxershorts am liebsten? Welche Milchsorte bevorzugen Muttersöhnchen? Welche Automarke kommt bei Prostituierten gut an (mal in Ludwigsaue nachfragen)? Alles spannende Themen! Ich halte dich auf dem Laufenden!

RTelenovela

Portugal (15): Bahnbekanntschaften – Nicht gut genug für die Electrico?

Samstag, den 15. November 2014
Tags: , ,

Portugal (14) -> 14.11.2014
Bahnbekanntschaften (81) -> 24.8.2014

Die alte Straßenbahn zuckelt alle fünf bis zehn Minuten durch die Lissaboner Alfama. Immer wieder hin und her. Eine garantie, dass einen die Electrico mitnimmt, hat man allerdings nicht, denn meistens ist sie gerammelt voll. So steht man dann – wenn man denn überhaupt nicht laufen will – schon mal länger an der Haltestelle.

Mit uns warteten einmal ein Mann und zwei Frauen, die allerdings in die andere Richtung fahren wollten. Die beiden Damen waren sichtbar keine Portugiesinnen, so weit man das beurteilen kann. Sie sprachen jedenfalls nicht portugiesisch.
Wer mit der Linie 28 mit will, muss ein Handzeichen geben. Deutlich sichtbar machte der Mann ein Handzeichen, doch die Bahn fuhr vorbei. Sie war voll, da ging nichts mehr.
Warten.
Als sich hinter der Ecke die nächste Uralt-Bahn ankündigt, bereitet sich die kleine Gruppe wieder auf den Enstieg vor: Hand raus – und zusehen, wie die Bahn vorbeifährt.
Diesmal war die Elctrico nicht voll. Der Fahrer muss gesehen haben, dass die Leute mitwollen. Aber er fuhr vorbei. Weil die Frau dunkelhäutig war?

Wir mussten ebenfalls warten, weil in unserer Richtung mal wieder ewig nichts kam. Sobald an irgendeiner Stelle die Gleise blockiert sind, bricht der Bahnverkehr zusammen, und das kommt in Lissabon nicht ganz so selten vor. Irgendeiner steht immer auf den Schienen rum, und sei es nur ein Kurzzeitparker, der in der schmalen Alfama keinen Stellplatz gefunden hat.

Die Gruppe gegenüber startete unterdessen einen dritten Versuch, diesmal hielt nur die Frau die Hand raus, als sich wieder eine Bahn näherte. Erneut stoppte sie nicht, und erneut hätte sie stoppen können, denn sie war nur halbvoll.
Sind die Fahrer blind? Wollen sie keine Ausländer mitnehmen? Ist das ein Fall von Rassismus? Ignoranz?

Als dann doch mal eine bahn in unsere Richtung fährt, kommt die Gruppe einfach erst mal mit uns mit. Auf unser Winken stoppt die Bahn.

RTelenovela

Raucher unter strenger Beobachtung

Donnerstag, den 13. November 2014
Tags: , ,

Raucher haben es immer schwerer in der Gesellschaft, fast möchte man meinen: Man will sich über sie lächerlich machen.
Auf dem Flughafen in Schönefeld zum Beispiel. Da werden Raucher in ein regelrechtes Exil geschickt – allerdings bleiben sie immer unter Beobachtung der Nichtraucher.

An einem der Abfluggates steht eine gläserne Kabine am Rande der großen Wartehalle. Sie ist vielleicht doppelt so groß wie eine Telefonzelle. Wer rauchen will, muss dort rein.
Und irgendwie wirkt das ganz schön zurschaustellend. Vermutlich ist es jedoch gewollt, dass sich die Raucher in ihrem Exil so beobachtet, so unwohl fühlen. Es sieht auch in der Tat ein bisschen, nun ja, jämmerlich aus.
Einer unserer Mitreisenden ist Raucher – ihm war diese ganze Sache tatsächlich ziemlich unangenehm.
Das ist dann wohl eine erzieherische Maßnahme.

RTelenovela

25 Jahre danach: die Lichtgrenze

Montag, den 10. November 2014
Tags: , , , ,

Wer heute 25 Jahre alt ist, der weiß nicht mehr, wie es war, als Ost-Berlin und West-Berlin zwei Städte waren. Als mitten durch die Stadt eine Mauer führte. Als die DDR-Bürger nur unter bestimmten Umständen rüber durften. Als es ein Verbrechen war, eine “Bildwoche” von West nach Ost zu bringen.
Zum 25. Mauerfall-Jubiläum ist in Berlin zwischen der Oberbaumbrücke und der Bornholmer Straße die Lichtgrenze errichtet worden. Sie bestand aus rund 8000 beleuchteten Luftballons – entlang des ehemaligen Mauerstreifens.

Hunderttausende sind zur Lichtgrenze gekommen, und das finde ich nicht nur bemerkenswert, ich finde das toll. Es ist den Menschen offenbar immer noch wichtig, und auch die jungen Menschen finden es spannend – auch wenn für sie wohl eher der Event-Charakter im Vordergrund stand.
Schon in Oranienburg auf dem Bahnhof strömten die Menschen zum Regionalexpress, um in die Hauptstadt zu fahren.
Auch der Nordbahnhof ist voll mit Menschen, die sich erinnern und an der Freiheit erfreuen. Auf Schautafeln ist zu sehen, wie der Bahnhof vor der Wende ausgesehen hat. Wo Eingänge zugemauert waren.

Entlang der Bernauer Straße steht noch einer der wenigen noch erhaltenen Abschnitte der Mauer. Die Leute stehen davor, machen Selfies und Gruppenfotos. Eine Mutter mit ihrem Kind läuft über den Grenzstreifen auf der Straße. Sie sagt: “Jetzt sind wir im bösen Teil.” Sie ist im Osten angekommen. Der böse Teil. Ob man dem Kind damit so hundertprozentig die DDR erklärt, sei mal dahingestellt.

Wir laufen in einen Park abseits der Bernauer Straße, dort, wo auch die S-Bahn aus dem Nord-Süd-Tunnel rauskommt.
Ballon steht an Ballon. Und irgendwann – im Hintergrund läuft die “Ode an die Freude” – steigt einer nach dem anderen nach oben.
Leider ist das unspektakulärer als gedacht. Das alles geht recht langsam. Die Ballons, sind, wenn sie aufsteigen, nicht mehr beleuchtet. Ab und zu bleibt mal einer hängen. Wahrscheinlich wäre es spektakulärer gewesen, sie alle gleichzeitig, auf ein Signal hin, steigen zu lassen.
Aber auf das Symbol kommt es an. Das Symbol der Mauer, die es nicht mehr gibt.

Dieser Tag führt zudem dazu, dass die Leute ins Gespräch kommen. Sie ziehen sich das Event nicht nur rein. Sie reden auch darüber, wie denn das war, damals in der DDR. Wie lief es in der Schule ab? GST? ESP? Fahnenappell? Stasi? Und Geschichte, ganz persönlich erlebte Geschichte zu vermitteln, das kann ja auch nicht so falsch sein.