RTelenovela

Hurra, Papiertüten!

Montag, den 31. Juli 2017
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Viele Supermärkte bieten keine Plastiktüten mehr an. Das ist natürlich gut für die Umwelt, denn Plastiktüten sind alles andere als gut für die selbige.
Dafür gibt es jetzt Papiertüten, und natürlich kann man sich ja auch mal die guten, alten Einkaufsbeutel zulegen, die wir ja schon zu DDR-Zeiten hatten und der mir gerne mal, am Fahrradlenker baumelnd, in die Speichen donnerte.

Die Papiertüten sind nämlich, sagen wir mal: suboptimal. Sehr viele Einläufe passen da nicht rein, so vom Gewicht her.
Natürlich in einem Supermarkt in Velten. Der junge Mann vor mir packt seine Papiertüte voll mit Getränken. Als er fertig ist, läuft er los, und plötzlich macht es Ratsch und es poltert.
Die Tüte ist gerissen, der Einkauf liegt auf dem Boden zerstreut. Der junge Mann ist nicht amüsiert und meckert über die Papiertüten, ein anderer sagt: Ja, die seien auch scheiße.

Die Sache mit dem Umweltschutz ist eben nicht immer so einfach. Aber vielleicht legt man sich nach so einem Vorfall ja doch mal einen Beutel zu. Und manchmal denke ich ja sogar an meinen Einkaufskorb…

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I’ve lost my Mind in Essen – 40 Jahre Rockpalast-Nacht

Montag, den 24. Juli 2017
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SA 22.07.2017 | 0.40 Uhr (So.) | Das Erste

Fernsehen. Was war denn noch gleich dieses Fernsehen?
Wie tot ist das Medium Fernsehen eigentlich?
Man könnte auch fragen: Warum denken Leute eigentlich, dass, wenn sie Serien, Filme und Konzerte im Internet schauen, das nichts mit Fernsehen zu tun hat?

Es gibt eine Band namens “Die Nerven”. Von der habe ich noch nie was gehört, aber sie haben schon im “Rockpalast” gespielt.
Der Rockpalast war mal eine ganz große Nummer. 1977 gab es im Ersten die Premiere der Rockpalast-Festival-Nächte in der Essener Grugahalle. Eine ganze Nacht lang, nach dem “Wort zum Sonntag” gab es Livemusik. Damals war das eine Revolution. Mangels Stereoton im Fernsehen lief das Ganze parallel auf zig ARD-Radiowellen für den vollen Sound.
Aber selbst Kultshows sind irgendwann out, und 1984 lief die letzte Rockpalast-Nacht.

Das Erste erinnerte am sehr späten Sonnabendabend in der Doku “I’ve lost my Mind in Essen – 40 Jahre Rockpalast-Nacht” an das 40. Jubiläum dieser Sendung. Die Marke “Rockpalast” gibt es aber immer noch. Später wurden dort Konzerte von je einer Band übertragen. Seit 2003 gibt es auch wieder eigene Konzerte – in kleineren Clubs.

Dort durften auch “Die Nerven” auftreten. Aber im Interview in der Doku machten die Jungs den Eindruck, als würde sie das eher langweilen. Nein, Fernsehen schaue ich ja eh gar nicht, sagte einer der jungen Männer mit abwesendem Gesicht. Es sei nett gewesen, dass sie da auftreten durften, und, ja, im Internet könne man sich das ja auch ansehen, im Fernsehen seien es ja nicht so viele.

Diese Interviewsequenz in der Doku sollte die Fernsehleute durchaus nervös machen. Denn klar ist, dass es zwar auch weiterhin Inhalte von vielen der heutigen Fernsehsender geben wird – aber die Konkurrenz im Internet, in der Welt des Fernsehens on Demand – ist riesig. Sich da als einer der Player durchzusetzen, ist schwer. Wenn Musiker die Marke “Rockpalast” eher als verstaubt und “von früher” und als “Ach, das gibt es noch?” wahrnehmen, dann sollte das ein Alarmzeichen für alle sein, die mit ihren Inhalten auch weiterhin Aufmerksamkeit erzeugen wollen.

Oder wollen wir wirklich, dass sich nachfolgende Generationen wirklich nur noch bei pubertierenden Youtubern informieren und denken, sie würden ja Nachrichten schauen?

RTelenovela

Frauenparkplatz. Diskriminierung?

Dienstag, den 11. Juli 2017
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Nachts um 1 Uhr auf dem Rasthof Buckautal auf der A2 bei Köpernitz. Die Lkw-Stellplätze sind alle voll, und auch auf dem Pkw-Parkplatz stehen hier und da Autos, in denen scheinbar mindestens ein Mensch schläft.
Ich mache nur eine kurze Rast – und fahre pflichtbewusst an den drei Frauenparkplätzen vorbei. Sie befinden sich am nächsten zum Eingang der Raststätte.
Ich, als Mann, muss ein Stück weiterfahren.

Ist das eigentlich auch Stück Diskriminierung, diese Frauenparkplätze? Warum muss ich, nur weil ich keine Frau bin, ein Stück weiter fahren? Und das hat nichts mit Bequemlichkeit zu tun.
Das Argument, das da immer kommt heißt: Angsträume. Frauen, die Angst haben. Frauen, die eventuell überfallen werden könnten.
Aber haben Männer keine Angst? Eben weil sie Männer sind? Werden Männer nicht überfallen? Haben Männer nie ein mulmiges Gefühl auf dunklen Parkplätzen?
Darf man(n) doch wohl mal fragen, oder?

RTelenovela

Leb’ das Leben, das du leben willst!

Sonntag, den 9. Juli 2017
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Der Mann eines guten Freundes ist gestorben. Plötzlich und unerwartet, er wachte am Morgen einfach nicht mehr auf. Herzinfarkt. Mit 32.
Die Nachricht erreichte mich per Facebook, als ich neulich während einer Hochzeitsfeier kurz Zeit hatte, meine Nachrichten durchzusehen. Es war ein Schock. Auch wenn ich den Mann meines Freundes nicht ganz so gut kannte, so hatten wir doch Kontakt. Und überhaupt: 32. Und überhaupt: einfach so, von heute auf morgen.

Mich erinnerte das an den ebenfalls sehr plötzlichen Tod meines Vaters Ende 2010. Der Schock kam auch aus dem Nichts. Man ist untröstlich, vor allem als Partner, der nun völlig allein da steht. Der nun ohne den Liebsten auskommen muss, vor dem Nichts steht.

Aber die grauenvolle Nachricht zeigt auch, und das habe ich nicht nur einmal zu hören bekommen, als ich anderen davon erzählte: Leb dein Leben, als wäre es dein letzter Tag.
Sicherlich, im Großen und ganzen ist das im Alltag nicht machbar. Man kann nicht immer das machen, was man gern möchte. Aber immerhin kann man sich Gedanken darüber machen, ob es etwas gibt, was man verbessern will, ändern will, anders machen will. Und da gibt es ganz sicher einige Dinge, die man einfach mal nur anpacken müsste – selbst wenn es zunächst unbequem ist.
Man schiebt das immer vor sich her – aber solche schlimmen und traurigen Ereignisse zeigen auch: Man sollte es anpacken.

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ZAPPER VOR ORT: Podiumsrunde zu Desinformation und Hass in sozialen Netzwerken

Mittwoch, den 28. Juni 2017
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DI 27.06.2017 | Berlin, Quadriga-Forum

Fakenews. Hasskommentare.
Das sind zwei Schlagwörter, die mehr und mehr in Zusammenhang mit dem Internet und mit sozialen Netzwerken genannt werden. Aber ist das Problem wirklich so groß? Und wenn ja, lassen sich diese Probleme irgendwie regulieren?
Darum ging es am Dienstagmittag im Berliner Quadriga-Forum. Die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit lud zu einer Podiumsdiskussion ein.

Sie zeigte vor allem, dass man es sich damit nicht einfach machen kann.
Arnd Haller von der Google-Rechtsabteilung erläuterte zum Beispiel, was eigentlich mit strittigen Videos passiert. Und dass die Löschung nicht immer unproblematisch sei. Einem Privatunternehmen sei es nicht zuzumuten, zu entscheiden, ob ein Video verboten werden müsse oder nicht. Als Beispiel nannte er das Böhmermann-Erdogan-Video. Hätte Youtube das Video sperren sollen? Hätte Youtube entscheiden müssen, ob das Video erlaubt ist oder nicht. das müssten Gerichte entscheiden und nicht Youtube, so Haller.

Christian Mihr von “Reporter ohne Grenzen” überraschte ein wenig mit der Aussage, dass Fakenews kaum ein Problem seien – weil die Menschen angeblich so schnell nicht auf Fakenews reinfallen würden. Erst wenn man sie mehr als 30-mal mit so einer falschen Nachricht konfrontieren würde, würden sie sie glauben. Ich mache da leider andere Beobachtungen.
Auch das Problem der Hasskommentare sei kleiner, als viele denken würden. Aber insbesondere Betroffene würden natürlich eine andere Wahrnehmung haben. Dennoch seien es Minderheiten, die solche Kommentare absondern.

Die ehemalige Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger wies in Sachen Fakenews darauf hin, dass die nicht verboten seien, man müsse aber als Gesellschaft dagegen steuern und besser aufklären.

Die Diskussion war streckenweise sehr interessant. Aber sie hätte wesentlich mehr Biss vertragen können. Auf dem Podium gab es keine wirkliche Gegenrede, nur vereinzelt vom Google-Mann. Es fehlte der Widerpart, denn zu einer guten, erhellenden Diskussion gehört auch ein Disput. Wenn sich letztlich alle einig sind, schmort man auch nur im eigenen Saft, in einer Filterblase, die während der Diskussion sogar ein Thema war.
Die Moderatorin wollte nämlich wissen, ob es schlimm sei, wenn in Filterblasen andere relevante Meldungen ausgeblendet würden. Dabei sind Filterblasen nichts Neues. Wer nicht rechts ist, liest keine rechtslastigen Zeitungen. Wer kein Asylkritiker ist, wird bei Facebook nicht mit “Nein zum Heim…”-Seiten belästigt. Andersrum aber eben genauso. Google-Mann Arnd Haller merkte da völlig zu recht an, dass dies nicht das Problem sei, das man zu bewältigen habe.
Vielmehr müssten Gerichte in die Lage versetzt werden, Urteile zu fällen. Abzuschätzen, was im Netz geht und was nicht. Aber – und das ist auch ein wichtiger Punkt – es ist auch eine Aufgabe für uns als Gesellschaft, gegen Fakenews und Hass im Netz vorzugehen. Es einfach laufen zu lassen, das wäre der falsche Weg.

RTZapper

Nuhr dran glauben

Montag, den 19. Juni 2017
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DO 15.06.2017 | 22.45 Uhr | Das Erste

Wenn die ARD eine Themenwoche veranstaltet, dann darf auch immer Dieter Nuhr seinen Senf dazu geben. Nun könnte man ja meinen, dass der Kabarettist sich über das jeweilige Thema lustig macht.
Aber nein, Nuhr meint es ernst, und das ist durchaus spannend!

“Was denkst du?” hieß die diesjährige ARD-Themenwoche. in “Nuhr dran glauben”, sprach Dieter Nuhr eine Dreiviertelstunde lang über den Glauben. Mal abgesehen davon, dass es sich interessanterweise um eine Sendung handelt, in der nichts anderes passiert, als dass da jemand steht und erzählt – was er zu sagen hatte, war durchaus tiefschürfend und bemerkenswert.

Gerade wird darüber diskutiert, warum die Glaubensanhänger des Islams nicht gegen die vielen Verbrechen demonstrieren, die angeblich im Namen des Islam verübt werden.
Völlig unlustig, aber sehr wahr, erzählte Nuhr davon, dass es es ihn einerseits wurmt, wenn er auf Verbrechen angesprochen wird, die die Deutschen im Zweiten Weltkrieg verübt haben. Andererseits, dass er das aber auch nachvollziehen könne.
Ähnlich sei das beim Islam. Es gebe die überwiegende Zahl der Islamgläubigen, die ein normales Leben führen. Aber Nuhr machte auch darauf aufmerksam, dass eben in vielen islamischen Ländern Krieg geführt werde. Dass es Unruhen gibt, dessen Ursprung irgndwo im Islam zu finden seien. Und dass es merkwürdig sei, dass, wenn man das so betont, gleich als Rechts betitelt werde.

Es war irgendwie Kabarett, aber eigentlich war es eine Ansprache. Es waren Gedanken eines Mannes, und denen zu folgen – und darüber nachzudenken, vielleicht anderer Meinung zu sein -, das war mal wieder ein interessantes Selbstexperiment. Gut, dass es noch Fernsehen zum Nachdenken gibt. Oder die zum Beginn einer Debatte führen können.

RTelenovela

Böse Wölfe

Mittwoch, den 7. Juni 2017
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Über Pfingsten war Oranienburg in der Hand von einem Rudel Wölfen. Sie hatten sich auf dem Schlossplatz versammelt – in merkwürdigen Posen. Drohend, brüllend, in eine Richtung zeigend – oder sogar mit einer Pistole in der Hand.

Die Wölfe gehörten zu einer Ausstellung mit dem Titel “Die Wölfe sind zurück? – Kunst gegen Hass und Gewalt”.
Die Wölfe symbolisierten das Böse – auf verschiedene Art und Weise. Man könnte auch sagen: Sie zeigten die dunkle Seite unserer Gesellschaft.
Die Wolfsskulpturen stellten dar: den Blind Soldier, den Mitläufer, den blinden Hasser, den NSU-Mann, den Kraftprotz, Attac und den Anführer.

Interessant: Die Wölfe zeigten in gewisser Hinsicht, was in unserer Gesellschaft zu sehen ist – und auch in den 1930ern schon mal zu sehen war. Einerseits die Leute, die anführen, die das Sagen haben, die die Reden schwingen. Die, die mitlaufen, zu allem Ja sagen und selbst nicht mehr nachdenken. Den, der einfach nur hasst, der sich immer und überall auskotzt. Und so weiter.
Neonazis, ihre blinden Mitläufer, die willigen Helfer.

Könnte imposant sein. Aber ich hatte Schwierigkeiten mit dieser Art von Kunst. Sicherlich gehört es dazu, sich durchzulesen, was der Künstler – hier Rainer Opolka – uns mit seiner Kunst sagen will. Aber wer das nicht tut, wird damit wenig anfangen können. Und ich muss gestehen, ich konnte auch mit dem Wissen, was die Skulpturen bedeuten, wenig damit anfangen.
Wölfe stellen also das Böse dar. Das wäre dann wohl wieder mal ein Beispiel des märchenhaften, bösen Wolfes. Dabei ist der Wolf ja eher ein scheues Tier, der, weil er Hunger hat, auch Tiere reißt. Aber sich vom Menschen in der Regel fern hält, wenn man ihn nicht anlockt.
Nun kann natürlich auch hier der Künstler mit dem miesen Image des Wolfes spielen – es ist aber leider auch nur das sehr, sehr altes Klischee. Und Kunst sollte doch ein bisschen mehr sein als ein Klischee.