RTelenovela

Sorry, hab geniest!

Dienstag, den 28. Oktober 2014
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Wie sich doch die Zeiten ändern! Früher war die folgende Szene im Büro ganz normal. Kollege 1: “Hatschi!” Kollege 2, 3 und 4 fast gleichzeitig: “Gesundheit!” Oder ähnliche Glück- und Genesungswünsche.
Vorbei. Zumindest wer sich an den aktuellen Knigge hält.
Heute spielt sich diese Szene im Büro folgendermaßen ab. Kollege 1: “Hatschi!” Kollege 2: schweigt. Kollege 3 auch. Kollege 4 hat gerade Urlaub oder ist versetzt worden.

Knigge sagt: Wenn jemand niest, solle man das als Danebensitzender doch besser ignorieren, denn niesen sei peinlich, und diese Peinlichkeit müsse man ja nicht noch thematisieren. und damit nicht genug: Der, der niest, muss sich dafür auch noch entschuldigen. Schließlich könne er ja, so sagt es der vornehme Knigge, jemanden durch sein lautes Niesen erschreckt haben.
In Zukunft muss die oben beschriebene Szene also folgendermaßen aussehen. Kollege 1: “Hatschi! Entschuldigung!” Und demütig gucken und weiterarbeiten.
Toll, Knigge!

RT im Kino

Der Kreis

Donnerstag, den 23. Oktober 2014
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In den 50er-Jahren war Zürich eine sehr weltoffene Stadt. Die Leute konnten feiern, jeder konnte sein, wie er will. In der Stadt in Schweiz herrschte eine große Toleranz. Für Schwule aus ganz Europa war Zürich gerade am Wochenende ein Anziehungspunkt.
In dieser Zeit lernen sich der angehende Lehrer Ernst Ostertag und der junge Travestiestar Röbi Rapp kennen – und lieben. Doch der Wind dreht sich. Beide engagieren sich in der Gruppe “Der Kreis”. Dort wird gemeinsam gefeiert, ein Netzwerk gepflegt und eine Zeitschrift rausgebracht. Doch die Polizei hat die Gruppe mehr und mehr auf dem Kieker. Auch weil sich Gewaltverbrechen in der Szene häufen.

“Der Kreis” ist eine wahre Geschichte. Stefan Haupt erzählt sie in einer Mischung aus Dokumentation und Fiktion. Inzwischen sind Ernst Ostertag und Röbi Rapp weit über 80 Jahre alt, aber sie sind immer noch ein Paar. Sie haben es sich einst versprochen – und es gehalten. In den Spielfilmszenen werden sie von Matthias Hungerbühler und Sven Schelker gespielt.
Zu sehen ist ein spannendes Stück schweizer und europäischer Geschichte, die heute fast vergessen scheint. Und wenn man dann sieht, wie sich die beiden Alten immer noch lieben, wie sie von damals erzählen – schmunzelnd, lachend, traurig und kopfschüttelnd – dann ist das an vielen Stellen sehr rührend.

Der Kreis
Schweiz 2013, Regie: Stefan Haupt
Salzgeber, 106 Minuten, ab 12
8/10

RT im Kino

Jack

Sonntag, den 19. Oktober 2014
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Die Mama liebt Jack, ihren Sohn. Ja, wirklich. Und den jüngeren Manuel auch. Ab und zu muss sie mal weg. Auch mal länger, und wo sie dann ist, weiß dann auch keiner so genau. Und wo dann ihre Kinder sind, das, nun ja, das interessiert sie auch nicht so richtig. Zumindest könnte man den Eindruck gewinnen.
Jack (Ivo Pietzcker) liebt seine Mutter (Luise Heyer). Aber er weiß auch, dass sie oft nicht da ist. Also nimmt er die häuslichen Geschicke in die Hand und kümmert sich um seinen Bruder Manuel (Georg Arms). Aber das geht eines Tages schief, und das Sozialamt wird auf die kleine Familie aufmerksam. Jack muss ins Heim, nur Manuel bleibt bei seiner Mutter.
Dann aber sind Sommerferien, und Jack darf nach Hause. Doch kurz bevor, er los will, teilt ihm seine Mutter mit, sie müsse arbeiten, und er muss noch warten. Doch auch nun kommt alles anders – und Jack muss feststellen, dass seine Mutter gelogen hat. Mal wieder.

Jack ist gerade mal zehn Jahre alt. Und doch muss er schon einiges durchmachen, muss er schon ein bisschen erwachsen sein. Es ist eine traurige Geschichte, die Edward Berger da erzählt.
Das Interessante dabei ist, er ordnet sie nicht einem bestimmten Millieu zu. Es sind keine armen Leute, die wir da sehen. Sie sind nicht abgewrackt, nicht asozial. Hier ist es eine Mutter, die sich ihrer Verantwortung nicht bewusst ist, die mal fix ihren zehnjährigen Sohn mit seinem sechsjährigen Bruder mit der U-Bahn aus dem Stadtzentrum nach Hause schickt. Die verreist und einfach mal ein paar Tage länger wegbleibt, ohne zu sagen, wo sie denn überhaupt ist.
Diese Geschichte wird ohne viel Schnickschnack erzählt. Wir erleben Jack, der eine Odyssee erlebt, die für einen Jungen der Horror sein muss, der sie aber äußerlich gefasst annimmt.
In vielen Szenen verfolgen wir Jack und Manuel mit der Handkamera, wir rennen ihnen quasi hinterher, in ihrer Not, bei ihrer Suche nach Geborgenheit.
Insbesondere Hauptdarsteller Ivo Pietzcker ist eine echte Entdeckung. Wie er diesen jack spielt, wie er die Wut darstellt, die unterdrückte Trauer, die er nur selten rauslässt, diese dennoch so starken Jungen, das ist sehr beeindruckend.
Und ganz am Ende wird man sehr viel Respekt übrig haben für diesen Jungen.

Jack
D 2013, Regie: Edward Berger
Camino, 102 Minuten, ab 6
9/10

aRTikel

Gerichtsbericht: Zehn Monate Haft auf Bewährung für Uwe K.

Mittwoch, den 17. September 2014
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Urteil im Kremmener Erntehelferprozess: Die vier Angeklagten sind für schuldig befunden worden. Opfer bekommen Geld.

MAZ Oranienburg, 17.9.2014

STAFFELDE
Nach drei Verhandlungstagen sind vor dem Amtsgericht Oranienburg gestern die Urteile gegen die vier Männer gesprochen worden, die im Mai 2013 in Staffelde zwei polnische Erntehelfer geschlagen und körperlich misshandelt haben.

Wegen schwerer Körperverletzung und Freiheitsberaubung ist der Haupttäter, der 51-jährige Uwe K. aus Staffelde, zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Er muss zudem eine Geldstrafe in Höhe von 750 Euro an „Ärzte ohne Grenzen“ zahlen. Für seinen Sohn Ralf K. lautete das Urteil acht Monate auf Bewährung und 500 Euro für die Oranienburger Behindertenwerkstatt St.Johannesberg. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre. Die anderen beiden Männer haben eine mildere Strafe wegen Freiheitsberaubung bekommen. Sie waren an den Misshandlungen nicht direkt beteiligt. GeraldB., der jüngere Sohn von Uwe K., muss 600 Euro an das Veltener Seniorenzentrum St. Elisabeth zahlen und erhielt eine Verwarnung. Benjamin J., ein Freund der Familie, muss Tagessätze in Höhe von insgesamt 1200 Euro zahlen.

Nur Uwe K. hatte mündlich vor Gericht ausgesagt, die Tat zugegeben und um Verzeihung gebeten. Alle vier Angeklagten zusammen haben als Täter-Opfer-Ausgleich zudem je 2000 Euro an die beiden Geschädigten gezahlt und sich in schriftlicher Form entschuldigt. Für das Gericht unter dem Vorsitz von Katrin Arbandt sorgte diese Vereinbarung am gestrigen Nachmittag für mildernde Umstände beim Strafmaß.

Am 13. Mai 2013 liefen gegen 17 Uhr drei Helfer des Kremmener Spargelhofes von einem Feld bei Flatow zu Fuß zu ihrer Unterkunft. Auf einem Waldweg sind sie von mehreren Männern angehalten worden. Zuvor hatte Ralf K. per Handy seinen Vater informiert, schließlich ist am selben Morgen auf einem Grundstück in Staffelde eingebrochen worden. K. vermutete, dass es sich um die Gesuchten handelte. Da die Saisonarbeiter kaum Deutsch verstehen, wussten sie nicht, worum es geht und wollten flüchten. Sie dachten, sie befinden sich widerrechtlich auf einem Privatgrundstück. Einer der Erntehelfer konnte flüchten. Die anderen beiden Männer wurden gejagt, geschlagen, zu Boden gerissen und getreten. Später sind ihnen die Beine gefesselt worden. Sie mussten in ein Auto steigen. Die Opfer hatten, so sagten sie es in ihrer Vernehmung, zeitweise Todesangst. Uwe K. wollte die aus seiner Sicht Verdächtigen zur Gegenüberstellung auf den Hof fahren, wo sie angeblich den Einbruch verübt haben sollen. Dort sind die polnischen Männer mit den Armen an eine Palette gefesselt worden. Erst ein Verantwortlicher vom Spargelhof rief per Telefon die Polizei.

Richterin Arbandt legte auf die Feststellung Wert, dass die Tat der Männer aus Staffelde auch dann falsch gewesen wäre, wenn die Erntehelfer tatsächlich die Einbrecher gewesen wären. Ein Anspruch auf das Jedermann-Festnahmerecht sei zudem abwegig, da man neun Stunden nach der Tat nicht davon sprechen könne, die möglichen Täter seien auf frischer Tat ertappt worden. Auch eine nur vage Vermutung reiche dafür nicht aus. Sie bezeichnete die Tat als „völlig überflüssig und überzogen“.
Zwar habe dieser Fall von Selbstjustiz, da waren sich alle einig, nichts mit einer rechtsradikalen Tat zu tun, aber Piotr Duber, der Anwalt der Opfer, warf den Begriff der Fremdenfeindlichkeit in den Raum – mit Betonung auf „fremd“. Es sei falsch, alles Fremde zunächst negativ zu sehen.

RTelenovela

Die Straße rauf, die Straße runter

Sonntag, den 7. September 2014
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Schwante erlebte vermutlich den ersten Ernteumzugsstau seiner Geschichte. Auf der Landesstraße kam der Umzug zum Erliegen, alle Räder standen still.
Was für die Leute auf den Erntewagen einige Minuten lang vielleicht nicht so schön war, war für Fußgänger, die daran vorbeispazieren konnten, dagegen wunderbar. Sie konnten sich die Beine vertreten und sich die vielen tollen Wagen ansehen.

In Schwante ist das Kreiserntedankfest gefeiert worden, und der Umzug bestand aus 48 Bildern. Das ist nicht gerade wenig.
Was sich die Teilnehmer für eine riesige Mühe geben, lässt sich an so ziemlich allen Wagen sehr gut ablesen. Schon Tage vorher treffen sich die Leute, um sie zu schmücken. Am besten kam bei der Jury der Wagen des Seniorenclubs aus Bärenklau an. Zufälligerweise war ich zwei Tage zuvor bei ihnen und habe mitbekommen, was für eine unfassbare Arbeit darin steckt, das Gefährt mit vier verschiedenen Getreidearten zu schmücken.

Im Grunde geht es nur darum, mit dem Erntewagen einmal die Straße rauf und wieder runter zu fahren. Aber es ist mehr. Die Leute sind nicht nur stolz auf den Schmuck, den sie da geschaffen haben. Sie möchten sich auch präsentieren. Seht her, was wir machen, wer wir sind. Da ist die Kita aus Schwante ebenso mit dabei wie der Karnevalsverein aus Marwitz, die Heimatvereine aus Vehlefanz und Dollgow, die Treckerfreunde aus Kremmen oder die Speedwayfreaks aus Wolfslake. Sie alle wollen teilhaben an einem Ereignis, über das die Menschen zumindest auch morgen noch sprechen.
Und das zu beobachten, ist immer wieder schön.

Knappe zehn Minuten dauerte es, dann löste sich der Schwantener Ernteumzugsstau langsam wieder auf. Einige der Mitfahrer hatten zuvor schon den Fahrtwind in der September-Sommerwärme vermisst. Den haben sie dann wieder bekommen.

RTelenovela

Ice Bucked Challenge

Freitag, den 29. August 2014
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Nun auch ich. Die Ice Bucked Challenge. In meiner Badewanne.
Seit Wochen macht sie die Runde im Internet. Auf Facebook und Twitter machen die Filmchen die Runde. Menschen stellen sich hin und übergießen sich mit Eiswasser.
Die sind obenrum nackt oder auch nicht. Sie machen sich drüber lustig oder nicht. Manchmal ist es doof, manchmal nicht.
Die meisten der Teilnehmer an der Challenge erinnern sich immerhin, dass die Aktion auch einen ernsthaften Hintergrund hat. Sie weist auf die Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) hin. Es geht um Aufmerksamkeit und Spenden.
Man wird nominiert und nominiert dann selbst drei weitere Leute. Und so weiter.

Viele, viele Promis haben vor allem schon mitgemacht, aber inzwischen ist die IBC auch beim “Normalvolk” angekommen, und die Einschläge kamen in dieser Woche immer näher.
Am Dienstag filmte ich die Challenge eines Freundes, und ich wusste schon vorher, dass mir die Nominierung droht. Also war das ein Aufwasch, wir drehten meine Challenge einfach noch gleich danach.

Eis war leider Mangelware, aber immerhin stand ein Teil des Wassers vorher im Tiefkühlfach, das Zeug war also tatsächlich kalt.
Ich nominierte drei weitere Freunde und Kollegen und übergoss mich. War kalt, aber auch spaßig. Und natürlich spielte die Nervenkrankheit trotzdem eine Rolle, denn wer daran leidet, wird an so einer Challenge vermutlich nicht so einen Spaß haben.
Trotz erfüllter Challenge spendete ich auch – allerdings an eine heimische Einrichtung. Mein Geld geht an den Verein “Oberhavel Hospiz” in Oranienburg. Ich finde, das ist eine wichtige Einrichtung. Bald soll sie eröffnet werden.

Klar, inzwischen sind viele von der Ice Bucked Challenge genervt. Und man kann das ganze auch albern finden und doof.
Aber der gute Zweck zählt, und wenn ein wenig Spaß dabei ist, kann das auch nicht ganz so schlecht sein.

RTZapper

Zugriff! – Wenn das Netz zum Gegner wird

Donnerstag, den 7. August 2014
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MI 06.08.2014 | 21.45 Uhr | hr-Fernsehen

Am Ende stand Reporter Peter Onneken quasi nackig da. Er saß am Frankfurter Flughafen fest. Er hatte kein Bargeld mehr, seine Bankkarten waren gesperrt, seine Wohnung war okkupiert, irgendjemand hat seinen Job gekündigt, weil sein Mail-Postfach gehackt worden ist. Und so weiter.

Das hr-Fernsehen zeigte am Mittwochabend ein spannendes Experiment – und eines, das sehr nachdenklich machen sollte. Die beiden Reporter Diana Löbl und Peter Onneken lieferten sich ein Onlineduell. Sie wettete, dass es ihr gelingt alle seine Daten abzufischen. Alle. Wirklich alle.
Und es war schockierend einfach. Sie knackte die Postfächer, verschaffte sich Zugang zur Cloud, konnte in seinem Leben rumschnüffeln, ihn stalken und ihm fremde Lieferer auf den Hals hetzen – und brachte ihn am Ende zum Ruin.

Der Film “Zugriff! – Wenn das Netz zum Gegner wird” zeigte nicht nur, dass wir ganz offensichtlich zu sorglos mit unserem Kram umgehen. Viel schlimmer ist die Erkenntnis, dass selbst alle Hürden für echte Hacker völlig einfach zu umgehen sind. Virtuelle Datensammelorte sind zu schlecht geschützt, die Banken haben ihre Rechenzentren an andere Unternehmen ausgegliedert – aber alles soll sicher sein.
Nein, ist es nicht. Und das sollte uns zum Handeln bringen.