RTelenovela

Willis Mundpropaganda: Making of

Donnerstag, den 13. Februar 2014
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Drei Männerpaare und ein Frauenpaar, die sich küssen. Nicht, weil sie sich lieben oder so. Aus Protest! In der MAZ in Oberhavel, auf der “Willi”-Seite betreiben wir am Donnerstag Mundpropaganda, eine Aktion gegen Homophobie. Und das kam so:

Vor der Bundestagswahl 2013 war die Homoehe eines der ganz großen Themen – auch weil sich Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem Wahltalk dagegen ausgesprochen hatte.
Im Dezember teilte jemand auf Facebook die Mundpropaganda-Aktion der Zeitschrift GQ. Männliche Promis wie Herbert Grönemeyer und August Diehl oder die Beachvolleyballer Jonas Reckermann und Julius Brink waren zu sehen, wie sie sich küssen. “Gentlemen gegen Homophobie” war das Motto. Das fand ein großes Echo.
Gleichzeitig ist die Aufmerksamkeit auf Russland gelenkt worden. Vor den Olympischen Spielen in Sotschi sorgte Präsident Putin mit einem Anti-Homosexuellen-Gesetzt für Wirbel.
Im Januar begann der Turbel um Thomas Hitzlsperger. Der Ex-Fußball-Nationalspieler hat sich als schwul geoutet, und das war das große Thema. Obwohl es ja oft heißt, alle sollten doch so leben, wie sie halt sind, redeten alle drüber. Weil es eben doch was Besonderes ist.
Im Januar war dann klar: Irgendwas zu diesem Thema möchte ich machen, und ich erinnerte mich an die Mundpropaganda. Die GQ hatte dazu aufgerufen, sich daran zu beteiligen. Ich schlug das Thema vor und bekam grünes Licht. Na, denn los.

Wer sollte ich daran beteiligen? Sportler sollten dabei sein. Musiker, vielleicht Lehrer, auch Schüler. Ich begann, mich umzuhören und Kontakte aufzunehmen.
Ein Kollege nahm Kontakt mit dem Oranienburger Handballclub auf. Der Verein ist der zuschauerstärkste im Landkreis Oberhavel und hat deshalb eine große Breitenwirkung. Der Trainer der ersten Männermannschaft fand die Idee der Mundpropaganda gut und trug sie in die Mannschaft.
Nach einigem Hin und Her kam dann die Zusage zweier Spieler.
Das Fotoshooting fand in der Sporthalle des Louise-Henriette-Gymnasium statt. Bevor das Training begann, standen wir auf der Zuschauertribüne, um die Fotos zu machen. Die beiden Spieler haben das alles ganz cool und fröhlich gemeistert. Und von den anderen Spielern sind auch angefeuert worden (”mit Zunge!”), Applaus gab es auch. es war dennoch keine Spaßaktion, denn die beiden hatten danach durchaus spannende Dinge zum Thema zu sagen.

Einige der Anfragen liefen über Facebook. Das hieß in einigen Fällen: warten. Es gab auch Leute, die sie komplett ignoriert haben. Da wollte ich dann auch nicht weiter nachhaken, sie haben sicher Gründe gehabt. Andere sagten, sie hätten keine Zeit.

Ein Kollege brachte den Gedanken ins Spiel, dass wir uns in einem Punkt von der GQ-Aktion unterscheiden sollten: Bei uns könnten doch auch zwei Frauen mitmachen. Er brauchte nicht lange, um mich davon zu überzeugen, und mir ist recht schnell auch jemand eingefallen.
Die Landesschülersprecherin von Brandenburg, mit der ich an anderer Stelle auch schon mehrfach zu tun hatte, wollte im Facebook-Chat noch genauer wissen, worum es geht, sagte dann aber gleich zu.
Wir trafen uns im Oranienburger Runge-Gymnasium. Auf dem Kussfoto mit einer Vereinskollegin sieht man im Hintergrund das Peace-Zeichen. Ist gut geworden!

Auch Jungpolitiker wollte ich für die Aktion gewinnen. Den Co-Chef der Linken in Oberhavel kannte ich bereits durch einen früheren Artikel. Ihn sprach ich an, er sagte relativ schnell zu. Bedingung: Er wollte keine Wahlwerbeaktion daraus machen und den Kuss mit jemandem machen, der nicht in seiner Partei ist. Also hörten wir uns anderswo um, in der SPD stellten sie eine entsprechende Anfrage ins interne Internetforum, und tatsächlich meldete sich jemand bei uns.
Das Linke-SPD-Kussfoto entstand in Hohen Neuendorf. Das Besondere hier: Die beiden Küsser trafen sich dort zum allerersten Mal. Im Gegensatz zu den anderen kannten sie sich nicht. Eigentlich sollte der Wasserturm im Hintergrund zu sehen sein, aber fotomäßig war er leider zu unscheinbar. Nun ist die Himmelspagode auf dem Bild, sieht als Kulisse sehr schön aus.

Bei Lehrern an einem der Oranienburger Gymnasien hatte ich es auch versucht. Einer hatte eine schlüssige Begründung, warum er nicht mitmachen wollte. Wir haben recht lange darüber gesprochen. Ein anderer hat schlicht “Nein” gesagt und ist dann weitergegangen. Muss man akzeptieren.

Ein Musiker sollte auch dabei sein, er hatte auch schon zugesagt. Am vorletzten Tag kam jedoch die Absage. Krank und Klausur. Das vierte Foto war aber schon rein layoutmäßig notwendig, und drei Fotos hätte ich auch zu wenig gefunden. Ich startete gemeinsam mit einem Kollegen eine Blitz-Umfrageaktion auf Facebook. Ich bekam die Zusage von zwei jungen Männern einer Oranienburger Band, mit der ich auch schon zu tun hatte. Wir trafen uns auf dem Gelände des Oranienburger Oranienwerks – und dann kam schon der Kuss und der Knips.

Wir sind extrem gespannt, wie diese Aktion wahrgenommen wird. Ich fand es jedenfalls spannend, dass alle Teilnehmer gute Begründungen hatten, warum sie mitmachen. Einer der Jungpolitiker sagte, dass die Gesetze zur Gleichstellung der Homosexuellen besser geworden seien, aber sich die Gesellschaft teilweise zurückentwickele. Alle hatten den Eindruck, dass sich vieles gebessert habe, von einer Normalität aber nicht gesprochen werden könne.
Es geht um eine gute Sache, letztlich ist es nur ein Kuss. Mutig finde ich es trotzdem, dass sie mitmachen.

Eigentlich sollte es im Artikel selbst gar nicht darum gehen, ob die Leute auf den Fotos schwul, lesbisch, bi oder sonstwas sind. Es sollte schlicht kein Thema sein, weil das ja genau der Punkt ist: Es ist wurscht, wie man ist. Es ist wurscht, wen man liebt und welche Präferenz in uns drin steckt. Dass es nun zumindest ansatzweise doch ein Thema ist, liegt am Votum mehrerer Kollegen. Sie meinten, die Wirkung sei stärker, wenn man wisse, dass die Leute auf dem Foto nicht schwul seien, man es aber auf dem ersten Blick denke. Ich sehe das anders. Am Ende ist es ein Kompromiss geworden.

Ich danke an dieser Stelle jedenfalls allen, die mitgemacht haben, natürlich dem Fotografen, allen, die geholfen und Ideen beigesteuert haben und denen, die mich ermutigt haben, das alles durchziehen. Nun ist’s vollbracht.

RTelenovela

Wenn die Gegner mal wieder die Idioten sind

Sonntag, den 2. Februar 2014
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Ich bin eher nicht so Schlachtenbummler. Wenn ich zum Handball gehe und meine Heimmannschaft beobachte, dann mache ich das als stiller Beobachter. Also: meistens jedenfalls. Natürlich gibt’s bei Toren Applaus, und wenn’s mal eng ist, dann gebe auch ich mal einen Laut von mir.

Was mir aber völlig abgeht: den Gegner beschimpfen. So was ist mir unangenehm.
Am Sonnabend spielte in Oranienburg der OHC gegen Potsdam. Die Oranienburger haben leider verloren, das ist ärgerlich. Aber es käme mir niemals in den Sinn, deshalb die anderen verbal nieder zu machen.
“Idiot!”, schrie einer der Oranienburger Anhänger zum Torwart der anderen, nur weil der darüber jubelte, dass er in diesem Spiel zugegebenermaßen ziemlich gut hielt. Und ich frage mich: Was soll das? Was ist das für Niveau, auf dem sich diese Leute befinden?

Schiris müssen sich ja immer so einiges anhören. Sie treffen in den Augen viele Fans eine Fehlentscheidung nach der anderen. Sie sind blind, völlig bescheuert und haben keine Ahnung. Und das teilen die Fans diesen Schiedsrichtern auch gern mal mit.
Ich mag das nicht. Und ich finde, solche Beschimpfungen müssen auch nicht sein. Gute oder schlechte Stimmung hin oder her.

RTelenovela

In der Kleinstadt kennt jeder jeden

Freitag, den 31. Januar 2014
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Kremmen ist ein Dorf. Das ist natürlich nicht wörtlich zu nehmen, sondern nur umgangssprachlich. Aber in der kleinen Stadt passiert es immer wieder mal, dass unverhoffte, interessante Verbindungen entstehen.

Zum Beispiel neulich an der Supermarktkasse. Ich habe gerade bezahlt, als mich die nette Kassiererin anlächelt und sich für einen Artikel bedankt. Es stellt sich heraus, dass sie die Mutter eines jungen Mannes ist, über den ich an eben jenem Tag geschrieben hatte. Mit ihrem Mann hatte ich mich neulich ebenfalls wegen eines weiteren Projektes unterhalten. Eine echte Zufallsbegegnung an der Supermarktkasse.

Oder neulich in der Kremmener Kita. Ich notiere mir den Namen meiner Gesprächspartnerin – und da kommt mir dieser Satz in den Sinn: „Sie sind doch nicht etwa die Tochter von …?“ Und sie war in der Tat eben jene „Tochter von…“.

An der Schule in Kremmen gibt es jemanden, der widerum mit jemandem vom städtischen Sportverein zusammen ist. Die Dame, die eine Art Cateringservice betreibt, ist mit einem Herrn aus der Politik verheiratet. Das Pärchen, das goldene Hochzeit feiert, habe ich nur ein paar Tage später in einem Bläserchor getroffen, über den ich geschrieben habe.

Und so weiter. In der Kleinstadt kennt jeder jeden und sind viele irgendwie miteinander verbandelt. Um nur einige Beispiele zu nennen.
Es gibt darüber hinaus noch ein paar Jungs aus der Schule, die mir immer mal wieder begegnen. Ich sehe sie quasi in der Stadt aufwachsen. Und bemerke gleichzeitig, dass auch ich langsam älter werde.

Das alles ist meist nichts Negatives. Ich finde viel mehr, das ist ein schönes Gefühl von Heimat.

aRTikel

„Es kann doch nicht einfach alles vorbei sein!“

Donnerstag, den 30. Januar 2014
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Schüler des Oranienburger Louise-Henriette-Gymnasiums sprachen über den Tod und das Sterben

MAZ Oranienburg, 30.1.2014

ORANIENBURG
Am Anfang herrschte Skepsis: Anderthalb Stunden lang über den Tod reden? Ist das nicht zu traurig? Gerade einige der Jungs schienen unsicher zu sein. Ja, es war traurig, aber auch tief beeindruckend und bewegend.

Am Oranienburger Louise-Henriette-Gymnasium findet in den 11. Klassen die Religions-Philosophische Woche statt. Eines der Seminare beschäftigte sich gestern Vormittag mit dem Tod, vom Umgang mit dem Sterben. „Es wird viel geschwiegen, nicht nur unter den Jugendlichen“, sagt Simona Blankenburg. Die Geschäftsführerin des gemeinnützigen Vereins „Home care Berlin“, der sich vor allem um die häusliche Versorgung todkranker Menschen kümmert, leitete die Runde. „Rezepte, wie man mit Trauer umgehen kann“, gibt es nicht.

Die MAZ konnte in dem sehr intimen Zirkel dabei sein. Es darf auch berichtet werden, was besprochen worden ist – allerdings ohne Namen zu nennen. „Vertrauen ist sehr wichtig“, so Simona Blankenburg.

„Ich dachte immer, nach dem Tod kommt einfach nichts“, sagte eine der Elftklässlerinnen. „Vergleichbar wie ein Schlafzustand. Aber irgendwann war mir klar: Da muss noch was sein.“ Eine ihrer Mitschülerinnen brachte es auf den Punkt: „Es kann doch nicht einfach alles vorbei sein! Alle Gefühle und Emotionen, war dann alles umsonst?“ Ein anderes Mädchen beschrieb den Tod so: „Die Seele verlässt den Körper, um an einen besseren Ort zu kommen, aber es sind nicht Himmel oder Hölle. Es ist einfach ein Ort.“ Einer der Jungs schien dagegen ganz überzeugt zu sein: „Nach dem Tod kommt nichts mehr.“ Er sehe das rein biologisch.
Es stellte sich heraus, dass viele aus der Gruppe schon Erfahrungen mit dem Tod gemacht haben. Der Vater eines der Mädchen ist vor kurzem gestorben. Eine für sie schwierige Zeit. „Wenn man alleine da sitzt und anfängt nachzudenken ist das schlimm“, erzählte sie. Viele von den Kursteilnehmern haben ihre Oma und Opas verloren. Einer erzählte, dass er einen guten Freund verloren habe – ein Herzfehler, der nicht erkannt worden ist.

Und so begannen sie alle, nach und nach zu erzählen. Es waren bedrückende Augenblicke, aber in der Gruppe sind die Erzählungen gut aufgehoben gewesen. „Ich hatte in meiner Familie noch nie etwas mit dem Tod zu tun, aber es geht mir nah, diese Geschichten zu hören“, sagte einer der Elftklässler während des kleinen Seminars.

Auch über Rituale rund um das Sterben sprachen die Jugendlichen. Beerdigungen zum Beispiel und der Leichenschmaus. „Das widerspricht sich“, sagte eines der Mädchen. „Erst ist man traurig, und plötzlich geht man zusammen essen und lacht. Das passt nicht.“ Ihr Klassenkamerad hat das anders empfunden, als er Ähnliches erlebte: „Das Essen nach der Beerdigung war ein Fest für den Toten.“ Ihm habe das gefallen. Simona Blankenburg erinnerte daran, dass solche rauschenden Feste in anderen Kulturen vollkommen üblich seien.

Ganz am Ende zündeten alle Teilnehmer noch eine Kerze an – in Gedenken an Verstorbene aus ihrem Umfeld. Ausnahmslos alle waren sich danach einig, dass sie dieses Gespräch über den Tod nachhaltig beeindruckt hat. „Es fällt mir hier leichter drüber zu sprechen als in meiner Familie“, sagte ein Mädchen und lobte auch die Gesprächsrunde: „Ich bin stolz auf euch.“ Stolz darauf, dass alle gemeinsam ein wirklich tiefgründiges Gespräch über ein schwieriges Thema führten.

RTZapper

Tagesthemen: Hitzlspergers Outing

Donnerstag, den 9. Januar 2014
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MI 08.01.2014 | 22.15 Uhr | Das Erste

Thomas Hitzlsperger steht auf Männer. Damit hat er es am Mittwochabend auf Platz 1 der “Tagesthemen” geschafft.
Eigentlich möchte man da sagen: na und?
Ja, eigentlich. Thomas Hitzlsperger aber ist Fußballer. Bis vor einem halben Jahr spielte er noch, er gehörte auch zur Fußball-Nationalmannschaft.

Nach seinem sportlichen Karriereende bekennt er sich zu seiner Homosexualität und erntet dafür von offizieller Seite nur Lob.
Das ist beruhigend, aber mal ehrlich: Was bedeutet das schon? Wichtiger ist doch, was in den Stadien passiert. Dort ist das Thema weitgehend tabu. Schwule haben im Fußball nichts zu tun, immer wieder gibt es – obwohl sich weiterhin kein aktiver Profi geoutet hat – immer wieder Anfeindungen und böse Sprüche.
Was zählt, ist auf dem Platz, und was passiert, wenn sich wirklich mal ein Profi outet, weiß niemand so genau.

Deshalb ist Hitzlspergers Outing zwar eine tolle Sache für den man dem 31-Jährigen nur Respekt zollen kann – aber auch nur ein Anfang. Denn anders als im Showbusiness oder im Politzirkus, herrscht in der Fußballarena eine sehr viele rauere Atmosphäre, die sich sehr viel unmittelbarer auf die Spieler auswirkt.
So traurig es ist, das ist immer noch Mut gefragt.

aRTikel

Die heutigen Senioren fühlen sich noch nicht alt

Dienstag, den 7. Januar 2014
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Gerda Schreiber aus Sommerfeld über die Aktivitäten im Dorf und drohende Nachwuchssorgen

MAZ Oranienburg, 7.1.2014

SOMMERFELD
Seit fünf Jahren ist Gerda Schreiber (71) die Vorsitzende des Sommerfelder Seniorentreffs. Zum Programm gehören dienstags die Zusammenkunft im Gemeinderaum und mittwochs die Frühgymnastik im Kulturhaus der Rehaklinik.

Der Seniorenverein in Wensickendorf steckt in der Krise, ihm droht die Auflösung, wenn sich niemand für den Vorstand meldet. Kennen Sie solche Nachwuchssorgen in Sommerfeld auch?
Gerda Schreiber: So krass wie dort ist es bei uns noch nicht. Aber auch bei uns ist die Zahl der Mitglieder schon entschieden weniger geworden. Allein im vergangenen Jahr sind vier von uns verstorben.

Wie viele Leute sind regelmäßig dabei?
Schreiber: Zum Seniorentreff am Dienstag kommen immer so 25 Leute, auch bei den sportlichen Varianten, also Radfahren oder Schwimmen, kommen immer eine ganze Menge Leute. Mehr Frauen als Männer.

Wie kommt das?
Schreiber: Etliche Frauen sind ja alleine, sie sind schon Witwen.

Seit wann sind Sie dabei?
Schreiber: Seit 2002. Ich bin zu dieser Zeit in den Vorruhestand gegangen und wollte dann nicht zu Hause rumsitzen. Am Anfang habe ich vor allem die sportlichen Sachen mitgemacht. Seit 2006 gehöre ich zum Vorstand, seit 2009 bin ich die Vorsitzende des Vereins.

Gäbe es jemanden, der Sie beerben könnte?
Schreiber: Das ist schwierig, momentan sieht es noch nicht so aus.

Wie erklären Sie sich das?
Schreiber: Die meisten Mitglieder im Seniorentreff sind ja schon älter, und die Jüngeren sind dafür nicht mehr so zu begeistern.
Die heutigen jungen Alten gehen nicht in Seniorenvereine?
Schreiber: Das ist wohl im Allgemeinen so. Viele fühlen sich eben noch nicht so alt, obwohl sie Anfang, Mitte siebzig sind. Und dass jemand dann mit 80 so was noch macht, das wäre dann wohl zu viel.

Was glauben Sie, wird es irgendwann keinen Seniorenverein mehr geben?
Schreiber: Das kann durchaus passieren. Aber vielleicht ändert sich das ja wieder in der nächsten Generation, im Moment haben wir die aber nicht im Blickfeld.

Ist das Problem des „Nachwuchsmangels“ ein Trend?
Schreiber: Ich denke schon, weil man es überall hört.

Was geht verloren?
Schreiber: Wir sind ja kein Verein, sondern eine lose Gruppe. Aber alle, die dabei sind, haben eine freundschaftliche Art. Wenn man unterwegs ist, und man trifft sich, dann sagt man „Hallo!“. Das macht man sonst natürlich auch, aber so ist die Bindung sehr viel intensiver. Im Grunde genommen machen wir ja Kaffeeklatsch. Die Senioren wollen nicht nur unterhalten werden, wir wollen uns auch selbst untereinander austauschen.

Gibt es ein Thema, das in Sommerfeld momentan besprochen wird?
Schreiber: Wir hätten gern unsere Kaufhalle wieder. Aber es sieht wohl nicht so aus, als wenn sich da was tun würde. Der Dorfkümmerer hat sich aber bemüht.

Wo gehen Sie jetzt einkaufen?
Schreiber: Wir müssen übers Land fahren. Oft nach Kremmen, aber auch nach Oranienburg. Sonst gibt es ja in der näheren Umgebung nichts. Dienstags und donnerstags fährt aber ein kleiner Bus zum Einkaufen nach Kremmen, das hilft den Senioren hier schon sehr.

RTelenovela

Schnelles Internet und leckere Kaffeesahne – umsonst!!

Montag, den 30. Dezember 2013
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Er kommt wohl regelmäßig in den Oranienburger Imbissladen. Er setzt sich an einen der Tische und holt seinen Laptop raus. In dem Laden kann man nämlich kostenlos das dortige W-Lan benutzen.
Aber sich etwas kaufen? Nein, nein, dazu ist er nicht in den Imbiss gekommen. Er bedient sich nur am kostenlosen Zucker und an der Kaffeesahne, die neben dem Getränkeautomaten rumliegt. Was kostenlos ist, greift er sich. Und dann sitzt er da und surft im Netz.

Die Imbissfrau erzählte mir neulich, dass er das immer so macht. Nach einer halben Stunde knipst sie ihm spätestens das Internet aus. Dann packt der junge Mann seine Sachen zusammen und geht. Zu diesem Zeitpunkt hat er dann lange Zeit im Imbiss verbracht und genau 0 Euro bezahlt.
Dreist muss man sein, dann kommt man preiswert durchs Leben. Irgendwie würde ich mich das nicht trauen, vor allem nicht regelmäßig, so dass man dort schon bekannt ist. Wenigstens einen Keks oder ein Getränk könnte er doch kaufen. Aber dazu ist er vermutlich zu geizig.