RTelenovela

Toilettenpapier in Zeiten des Coronavirus

Samstag, den 4. April 2020
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Seit Wochen herrscht gähnende Leere im Verkaufsregal bei Rewe in Oranienburg, dort, wo sonst Toilettenpapier und Küchenrollen liegen. Falls doch noch mal was geliefert wird, scheint es schnell wieder ausverkauft zu sein.
Aber warum eigentlich? Wir kacken doch auch nicht mehr als sonst? Selbst wenn wir alle zu Hause sind, geht der private Verbrauch vielleicht ein bisschen nach oben. Aber so sehr, dass man wochenlang in die Röhre schaut, wenn man selbst mal eine Packung kaufen will?
Leute, was macht ihr mit dem Zeug?

Aber zum Glück gibt es ja noch andere Geschäfte als die Supermärkte. Neulich schlenderte ich durch dem dm-Markt um die Ecke, und da gab es doch tatsächlich noch lauter Toilettenpapier-Packungen, und sogar in verschiedenen Größen! Und Küchenrollen! Wahnsinn!

In den dm kommt man übrigens nur noch mit Einkaufswagen. Freundlicherweise steht neben den Wagen ein Spender mit Feuchttücher. Also nehme ich eins, wische über den Griff, wische und wische und lasse das Feuchttuch einfach auf dem Griff, um am besten gar keinen Kontakt zur Keimquelle aufzunehmen. Beruhigend.

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RTelenovela

Rumnölen in Zeiten des Coronavirus

Donnerstag, den 2. April 2020
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Die Wirtschaft steht durch die Entwicklungen rund um das Coronavirus derzeit auf sehr wackligen Beinen. Zum Beispiel die Gastronomie.
Gaststätten, Kneipen und Bistros dürfen derzeit nicht öffnen – sie dürfen aber ihre Speisen to go, also zum Mitnehmen verkaufen, und die dürfen ihre Speisen auch ausliefern. Es ist das Letzte, was ihnen noch bleibt. Ein kleiner Strohhalm, um nicht einen kompletten Umsatzausfall zu haben.
Nun müssen nur noch die Kunden mitziehen, sie müssen erfahren, dass ihr Lokal noch da ist, und dass sie dort was bestellen können.

In einer Facebook-Gruppe wurde am Mittwoch dafür geworben, dass ein Hohen Neuendorfer Lokal noch für seine Kunden da sei. Ist ja immerhin gut zu wissen, dass da noch was geht.
Das sollte man irgendwie unterstützen. Was man jetzt nicht so zwingend tun sollte, ist rumzunölen. Eine Frau, die Mitglied der Facebook-Gruppe ist, hatte nichts Besseres zu tun, als zu schreiben, dass sie den Laden ja ganz schlecht finde, weil sie mal negative Erfahrungen gemacht habe. Ausführlich berichtete sie später, was schief gelaufen war.

Ja, das kann man machen. Ja, natürlich kann man seine Meinung sagen. Man kann sagen, dass einem ein Restaurant nicht gefällt. Aber ist das jetzt wirklich nötig? Muss man den Leuten wirklich jetzt, wo die Lokale jeden Euro gebrauchen können, nölig sagen, dass das ja alles Mist sei? Solidarität scheint für einige Menschen schlicht keine Rolle zu spielen. Hauptsache: Ich. Hauptsache auch in Krisenzeiten noch mal nachtreten.
Wenn alles wieder gut ist, kann man froh sein, wenn alle Gaststätten noch da sind. Und dann kann man ja immer noch rumtönen, wo man denn nie wieder hingehen wolle.

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KeineWochenShow

#168 – Krisenstimmung

Sonntag, den 22. März 2020
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Wir müssen reden.
Über Corona. Über die aktuellen Zahlen. Über die Frage, was danach kommt und wann das sein könnte. Über die Wirtschaft, Kultur, das Fernsehen. Über den Forscher Christian Drosten. Über Unterhaltung in Zeiten der Krise. Und über Klopapier.
Corona total.

Dass wir diesmal draußen aufzeichnen, hängt tatsächlich auch damit zusammen. Im Keller sitzen wir dicht beisamen, und das wäre irgendwie nicht so toll. Deshalb als Freiluftveranstaltung, unter einem Carport.
Wir wir in den nächsten Wochen aufzeichnen, ist noch nicht klar. Falls es eine Ausgangssperre gibt, schalten wir uns vielleicht von zu Hause zusammen. Aber mal abwarten…

Ein Bier gibt es aber trotzdem, auch einen Musik- und einen Buchtipp. Das alles und mehr in KeineWochenShow #168 auf Youtube.

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RTelenovela

Oranienburg in Zeiten des Coronavirus

Sonntag, den 22. März 2020
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Oranienburg am Sonnabendmittag. Normalerweise herrscht da noch ziemlich Trubel. Aber momentan ist ja eher nichts normal. Gerade steht die Frage im Raum, ob es wegen des Coronavirus eine Ausgangssperre geben soll, und aus der Politik kommen die Signale, dass es an uns liegen werde, wie wir uns verhalten, ob wir freiwillig daran, zu Hause zu bleiben.

Auf dem Bahnhofsplatz jedenfalls ist nahezu nichts los. Auch entlang der Stralsunder Straße ist niemand zu sehen. Ein Blick in die Innenstadt ist fast schon gespenstisch. Nichts los. Vereinzelte Autos, ein einziger Spaziergänger in der Ferne.
Zumindest in der Oranienburger City hält man sich offenbar an die Empfehlung, nicht rauszugehen.
Anderswo soll es nicht ganz so sein – am Müggelsee in Berlin musste wohl die Polizei einschreiten, weil dort mehr als 100 Leute den Frühling genossen.

Am Nachmittag im Supermarkt war es auch erfreulich überschaubar. Während man von Edeka in Oranienburg schon große, neue Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen vernimmt – Einkaufswagen werden abgewischt, nur noch eine bestimmte Zahl Leute darf rein, passiert in der Hinsicht bei Rewe noch erstaunlich wenig. Um nicht zu sagen: fast nichts. Selbst der Spender mit der Desinfektion am Getränkeautomaten ist verschwunden.

Was mittlerweile extrem nervt sind die Empörungswellen, die durch die sozialen Netzwerke schwappen, wenn wieder jemand irgendwelche Jugendliche irgendwo gesehen hat. Oder wenn Leute in einem Café saßen. Dann wird da mit dem Finger hingezeigt, und man ist total empört, und das gehe ja alles gar nicht. Leute, macht euch doch ein schönen Tag, konzentriert euch auf euch selbst und lasst die Unbelehrbaren machen. Das Gezetere ist jedenfalls auch ganz schön ansgtrengend geworden. Aber was wären Facebook und Co. ohne diese Empörten.

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RTZapper

Ansprache der Bundeskanzlerin

Sonntag, den 22. März 2020
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MI 18.03.2020 | 19.15 Uhr | tagesschau24

“Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst.”

Sie lässt uns die Wahl. Wir haben Alternativen. Entweder die lockere Kette, und wir müssen verantwortlich handeln. Oder harte Bandagen, knallharte Regeln.
Am Mittwochabend wandte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel in einer Fernsehansprache an die Deutschen. Premiere hatte die Rede auf dem Nachrichtenkanal tagesschau24.

“Ich wende mich heute auf diesem ungewöhnlichen Weg an Sie”, sagte sie zu Beginn ihrer gut 13-minütigen Rede. Normalerweise redet sie nur zu Silvester in einer Ansprache direkt zu uns. Nun also in ihrer Amtszeit das erste Mal außer der Reihe. Dann muss es ernst sein.
Angela Merkel erklärte den Deutschen die Lage rund um die Sicherheitsmaßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus und der Pandemie. Das Interessante: Sie holte uns alle mit ins Boot, machte uns klar, dass es nicht nur auf die Politik ankommt. “Ich glaube fest daran, dass wir diese Aufgabe bestehen, wenn wirklich alle Bürgerinnen und Bürger sie als IHRE Aufgabe begreifen”, sagte sie.

Sie sprach auch zu den Menschen, die jetzt ganz vorn stehen in der Krise – die Menschen im Gesundheitswesen, die Forscher, die Leute in den Lebensmittelmärkten, den Apotheken – alle, die uns jetzt durch die Krise führen.
Sie erklärte, warum das öffentliche Leben jetzt fast still steht – um die Zahl der Neuerkrankungen zu verkleinern, um die Krankenhäuser nicht in Not zu bringen.
Sie zeigte Verständnis, dass es für alle nicht einfach sein würde, wies darauf, dass man sich bemühe, die Wirtschaft abzufedern, und es ging auch darum, kreativ zu sein in der Krise.

Merkel blieb immer dicht dran an den Leuten. Sie sprach einfache Sätze, die jeden erreicht haben müssten (außer die, die eh nicht mehr zuhören wollen). Während in anderen Ländern Kriegsrhetorik bemüht worden ist, verzichte sie darauf, sie fand eine Mischung aus Sanftem und Ernstem. Psychologisch sehr geschickt. Denn am Ende stand: Wir sind alle im selben Boot.
Bei aller Kritik an Merkel: Diese Rede war angemessen und gut. Was die Deutschen draus machen, wird sich zeigen. Und klar ist auch: Viele werden sie und ihre ruhige und besonnene Art vermissen, wenn sie mal abtritt.

-> Die Rede in der ARD-Mediathek

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RTelenovela

Wochenendeinkauf in Zeiten des Coronavirus

Samstag, den 21. März 2020
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Freitag, Zeit für den Wochenendeinkauf. In einigen Supermärkten in der Gegend gibt es bereits Zugangsbeschränkungen. Ist es zu voll, müssen die Leute draußen warten, bis jemand rauskommt. Dann kann einer rein.
In meinem Oranienburger Stamm-Supermarkt scheint die Lage noch relativ entspannt zu sein. Hier deutet nichts darauf hin, dass es Einlassbeschränkungen geben könnte. Allerdings ist es auch nicht besonders voll.

Das Regal mit dem Klopapier und den Küchenrollen ist mittlerweile absolut leer, von vorne bis hinten. Nichts mehr da, gar nichts mehr. Nicht dass ich Klopapier brauche, ich habe noch sechs Rollen. Es könnte also vielleicht nach Ostern kritisch werden. Aber vielleicht haben sich die Leute bis dahin ja eingedeckt.
Milch ist auch Mangelware. Die Schokoladen haben sich auch verabschiedet – Kinder-Schokolade scheint immer noch extrem beliebt zu sein.

Gespenstisch sind die Durchhalteparolen, die aus den Lautsprechern kommen. Es gebe keine Lieferschwierigkeiten, alles werde aufgefüllt, irgendwann, und wir sind für Sie da. Das Ganze soll beruhigen, aber ehrlich gesagt, löst eine solche Lautsprecherdurchsage unterschwellig eher bedrohlich. Weiß auch nicht, warum.

Vor den Kassen sind Markierungen auf dem Boden. Schließlich sollen wir ja alle 1,5 Meter Abstand zueinander halten. Die Frau hinter mir hat die Markierungen wohl nicht gesehen, sie steht plötzlich direkt hinter mir. Ich bitte sie zurückzuziehen. Sie tut es lächelnd, sie habe nicht dran gedacht.
Die Frau an der Kasse hat jetzt immerhin Handschuhe an, sonst ist sie allem ausgesetzt. Auch sie ist eine Heldin unserer Zeit. Ich gehe mit den Worten: Bleiben Sie gesund!

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RTelenovela

Dönerladen in Zeiten des Coronavirus

Freitag, den 20. März 2020
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Auch in Oranienburg müssen seit Mittwoch die Gaststätten und Bistros um 18 Uhr schließen. Zumindest für den Publikumsverkehr im Geschäft. Stattdessen können sie einen Außerhaus-Verkauf anbieten.
Inwiefern das sinnvoll ist, müssen andere entscheiden.

Im Dönerladen in der Schulstraße schließen sie jedenfalls um 18 Uhr den Eingang. Stattdessen steht in der Eingangstür ein Stehtisch, und dort werden die Bestellungen angenommen. Die Leute müssen draußen warten, und wenn sie clever sind, dann haben sie nicht vergessen, dass man ja anderthalb Meter Abstand halten soll.

Am Donnerstagabend hat es erstaunlich gut funktioniert. Ein Mann mit zwei Kindern bestellte, und um ihn herum standen ich, ein weiterer Herr und ein Polizist (nicht im Einsatz, sondern hungrig) in weitem Abstand. Wer bestellt hat, wurde gebeten, sich mit Abstand irgendwo hinzustellen, um andere an den Bestelltisch treten zu lassen.

Einer der Jungs merkte dennoch an, dass das Coronavirus ziemlich scheiße sei. Und während ich das eingepackte Hähnchenschnitzel im Brot entgegennahm, konnte ich dem jungen Mann nur zustimmen.

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