RTZapper

Amazon – Gnadenlos erfolgreich

Montag, den 11. Dezember 2017
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DO 07.12.2017 | 20.15 Uhr | zdf info

Vier Wochen ohne Amazon.
Eigentlich kann ich mir nicht vorstellen, dass das ein so großes Problem ist. Trotzdem wurde am Donnerstagabend in der Doku “Amazon – Gnadenlos erfolgreich” auf zdf info ein riesiges Ding daraus gemacht. Mehrere Familien mussten vier Wochen ohne Amazon auskommen und darüber berichten.

Ich kaufe bislang eher Bücher, Musik und Filme sowie ab und zu was Technisches über Amazon. In diesem Fall sind das allerdings keine Familien, die einfach nur ihre paar Einkäufe dort erledigen. Einige erledigen den kompletten Einkauf darüber. Sie haben Amazon-Uhren. Sie haben den Sprachcomputer Alexa, und sie lesen Bücher auf dem Amazon-Reader. Diese Leute leben ein Amazon-Leben.

Was dann zu sehen war, glich einem Katastrophenfilm, und sowohl die dort gezeigten Leute als auch ich waren dem Weinen nah.
Da kommt die Hausfrau morgens in die Küche, und Alexa antwortet nicht, wenn sie “Guten Morgen!” sagt.
Da verzweifelt die Frau, wenn ihr Alexa die Uhrzeit nicht sagen kann – und offenbar Ratlosigkeit darüber herrscht, wo man denn eventuell noch die Uhr ablesen kann.
Da will die Frau des Hauses Klebeband, und kann keins über Amazon bestellen, das Stunden später oder morgen (so spät??) per Päckchen ankommt. Stattdessen muss sie einkaufen gehen! Schock!
Schuhe können nicht mehr bestellt werden, stattdessen muss der Weg in den Laden angetreten werden. Uijuijui!
Die Leute stellten das alles wie eine mittlere Katastrophe dar, und ich weiß nicht, ob ich lachen soll oder in Mitleid zerfließen.

So schön es ist, wenn man sich um nichts mehr kümmern muss: Wir verkümmern. Irgendwann wissen wir nicht mehr, wo man Dinge eventuell bekommen kann. Wenn es irgendwann überhaupt noch Läden außerhalb des Internets gibt. Irgendwann sind wir nicht mehr in der Lage, Dinge selbst zu recherchieren, den Kopf zu benutzen.
Technik hilft uns – aber garantiert verblödet sie uns auch ein Stück.

aRTikel

Silvester hat’s gefunkt

Mittwoch, den 22. November 2017
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60 Jahre verheiratet: Ulla und Fredy Müller aus Sommerfeld feiern morgen ihre diamantene Hochzeit

MAZ Oberhavel, 22.11.2017

Sommerfeld.
Morgen Nachmittag könnte „Die Küchenschlacht“ wohl ausfallen, denn dann haben Ulla und Fredy Müller weniger Zeit zum Fernsehen. Stattdessen wollen sie bei Kaffee und Kuchen ihren 60. Hochzeitstag feiern. Die beiden Sommerfelder haben diamantene Hochzeit. Es wird keine große Sache, „denn wir haben gerade erst den 80. Geburtstag von meinem Mann gefeiert“, erzählt Ulla Müller.

60 Jahre – herrscht da noch die große Liebe oder hat es auch mal gekracht? „Ja, ab und zu gibt es auch mal ein Donnerwetter, aber wir vertragen uns immer wieder“, sagt sie und lächelt. „Hinter jedem Gewitter ist ein Sonnenschein“, ergänzt er. Geheiratet haben sie am 23. November 1957 zu Hause – der Pfarrer kam zu ihnen. „Ich war im siebenten Monat schwanger, da wollte ich nicht mehr raus“, sagt sie. Es gibt nicht mal Fotos von damals. „Wir hatten keinen Fotoapparat.“ Ganz schön sei die Feier gewesen. „Wir hatten viel Verwandtschaft da und haben feucht-fröhlich gefeiert.“

Es passierte Silvester 1956. Fredy und Ulla hatten sich auch schon vorher mal bei der LPG gesehen – aber beim Anstoßen zum Jahreswechsel, da hat es gefunkt. Er mochte ihr ruhiges Wesen. „Ich lasse mich nicht gerne jagen, und ich jage auch nicht“, sagt er. „Er war etwas größer als ich, und der erste Blick hat gereicht“, sagt sie. „Man redet. Er hat mir geholfen, Milch wegzubringen. Er durfte mir Mittag bringen.“ Sie lächelt wieder.
Als klar war, dass sie schwanger ist, „hat mein Vater gesagt, du musst jetzt heiraten“, so erinnert sie sich.Zwei Monate nach der Hochzeit wurde Tochter Petra geboren. Sie kam in der Berliner Charité zur Welt. Die kleine Familie hatte immer ein schönes Zusammenleben, sagen beide. Inzwischen haben sie auch zwei Enkelkinder.
Er ist schon immer Sommerfelder, sie stammt ursprünglich aus Stettin und kam nach dem Zweiten Weltkrieg ins Dorf. Viel gereist sind die beiden nie – in Moskau waren sie, 1980, als gerade die olympischen Spiele stattfanden. Er bekam die Reise als Auszeichnung von der LPG. „Das war eigentlich unsere einzige große Tour“, sagt Ulla Müller. „Und er wollte erst gar nicht und hat es mir anfangs gar nicht erzählt, dass er diese Auszeichnung bekommen hat.“ Nach der Wende konnten sie nicht mehr weg, aus gesundheitlichen Gründen. Insbesondere Fredy Müller bleibt nun leider meist nur noch die Couch.

Dafür hatte er früher zu Hause eine kleine Werkstatt, in der Küche baute er ein halbes Jahr an einem Gleitboot, mit dem sie dann auf dem Beetzer See unterwegs waren. Er angelte gern. „Ich puzzle und stricke viel“, erzählt sie. So entstanden für die Kinder schon Kleider und Socken. In der MAZ löst sie jeden Tag die Rätsel. Morgen aber wollen sich Müllers einen schönen Hochzeitstag mit ihren Lieben machen.

KeineWochenShow

#46 – Schon wieder Urlaub!

Montag, den 20. November 2017
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Nur wenige Stunden nach dem Hochladen ist Ausgabe 46 von “KeineWochenShow” schon wieder von der aktuellen Entwicklung überholt. Zu Beginn schwadronieren wir nämlich über die Jamaika-Sondierungsgespräche. Dass die FDP die am späten Sonntagabend platzen lässt, konnten wir da noch nicht ahnen.

Ansonsten wundern wir uns über die Diskussion, ob den am Heiligabend die Geschäfte öffnen sollen. In diesem Jahr fällt er auf einen Sonntag, und warum man da überhaupt diskutiert, wissen wir nicht so genau. Auch das Jugendwort des Jahres, “I bims” (sind das nicht zwei Wörter?), lässt uns ziemlich ratlos zurück.

Wir erfahren diesmal auch akkustisch, wie denn Frischmetal klingt (und wie er richtig geschrieben wird, das müsst ihr selbst rausfinden). Es geht um den Tod des Rappers Lil Peep, um die Frage, ob Italien bei der Fußball-WM 2018 fehlen wird und ob es zu einer Sexismusmus-Debatte passt, bei “Anne Will” die Beine von Verona Pooth abzufilmen.
Und auch um den Urlaub wird es gehen – in “KeineWochenShow #46″ auf YouTube.

RTZapper

Neo Magazin Investigative

Samstag, den 18. November 2017
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DO 16.11.2017 | 22.20 Uhr | zdf neo

Irgendwo bei Fürstenwalde könnte er entstehen, der erste NS-Themenpark in Deutschland. Toll! Endlich können wir live nachfühlen wie das denn war, im Zweiten Weltkrieg. Endlich gibt es eine Art Geisterbahn, in der wir hautnah die Bombardierung Berlins miterleben können. Eine Auschwitz-Rampe soll es auch geben. Und natürlich das Berlin der 30er mit dem Reichspogromnacht-Feeling.
Dufte. Oder?

Am Donnerstagabend lief bei zdf neo eine etwas andere Ausgabe des “Neo Magazins”. Jan Böhmermann und Ralf Kabelka waren unterwegs, um zu recherchieren, wie sich die deutsche Gedenkkultur hinsichtlich des Dritten Reiches ändert. Sie ließen sich von einem Geschäftsmann erklären, was er plant. Nämlich die Lücke zwischen Gedenkstätte und Freizeitpark.
Und das, wo die AfD-Gauland gefordert hatte, insbesondere die Soldaten in den Weltkriegen nur im Guten zu ehren.
Bei dieser Doku lief einem nun ein Schauer über den Rücken.

Aber diese Doku war ein Fake. In Deutschland wird es keinen NS-Themen- und Spaßpark geben. Zumindest nicht in nächster Zeit. Jan Böhmermann hat seine Zuschauer hinters Licht geführt, und nur anhand dieser Doku ist dieser Fake extrem schwer bis gar nicht zu erkennen. Der Fake wird in der Doku nicht aufgelöst – erst durch Berichte im Internet wurde auch mir klar, dass sich das “Neo Magazin”-Team das alles nur ausgedacht hat.
Das Anliegen ist richtig. Denn die Frage muss man stellen, wie denn die Erinnerungskultur aussehen soll, wenn wir uns für den Zweiten Weltkrieg nicht mehr schämen sollen? So beschämend wie in der “Doku” gezeigt?
Böhmermann hat gezeigt, was passieren könnte, wenn alle Dämme brechen, wenn die Erinnerung an Deutschlands dunkelste Zeit unterhaltungstechnisch verwässert würde.
Dass der Fake an keiner Stelle so richtig deutlich wurde, darüber kann man diskutieren. Aber auch das gehört zur Satire: Manchmal erkennt man sie gar nicht auf den ersten Blick. Insofern hat er vermutlich wieder alles richtig gemacht.

RTelenovela

Rügen 2017 (19): Dingsbums lässt schön grüßen

Donnerstag, den 16. November 2017
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(18) -> 15.11.2017

Zwei Damen betreten den Wellnessbereich des Hotels in Sellin. Am Tresen lehnt sich eine von ihnen – sie sind um die 60 – mit dem Oberkörper auf die Tischplatte. Sie fragt die junge Frau hinterm Tresen, ob denn der Hans da sei. Die Mitarbeiterin bejaht das. “und die Claudia, ist die auch noch da? Und die Judith?” Die Mitarbeiterin schaut irritiert, lächelt dann und sagt, dass nur der Hans noch hier arbeite, er sei derjenige, der auch am längsten da sei. “Ich soll nämlich den Hans schön grüßen!”

Und dann kommt er auch schon, der Hans. Hans kennt die Frau nicht, die da halb auf dem Tresen liegt. “Ich soll sie von Britta grüßen!” Hans reagiert nicht, er kann sich scheinbar an keine Britta erinnern. “Na, die Britta, die vor vier Jahren ihre Ausbildung hier gemacht hat.” Hans überlegt weiter, fragt nach dem Nachnamen, und die Frau nennt ihm ihn. So ganz kann sich Hans aber immer noch nicht erinnern, und die Grüßende erzählt ihm, Brittas weitere Geschichte und wo sie nun gelandet ist – in ihrem Geschäft nämlich.
Hans ist höflich, deshalb fällt ihm auch bald ein, wer diese Britta ist, und er hört sich sehr geduldsam an, was die Frau ihm noch alles über diese Britta zu sagen hat.

Ich stehe die ganze Zeit dahinter, weil ich eigentlich auch noch eine Frage habe, aber die Frau, die halb auf dem Tresen liegt, muss die Britta-Geschichte noch loswerden. Sie fühlt sich offenbar, als würde sie zur Selliner Wellness-Familie gehören. Vielleicht hatte sie auch einfach nur Redebedarf.

RTZapper

Anne Will: Die Sexismus-Debatte – Ändert sich jetzt etwas?

Dienstag, den 14. November 2017
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MO 13.11.2017 | 20.15 Uhr | tagesschau24

Verona Pooth. Geil. Diese Schuhe! Und diese Beine! Und ihr Kleid! Sehr nice. Da muss man schon mal mit der Kamera entlang schwenken. Ist ja schließlich eine hübsche Frau, das kann man doch mal zeigen.

Dummerweise saß Verona Pooth bei “Anne Will”, und Anne Will diskutierte mit ihren Gästen über “Die Sexismus-Debatte – Ändert sich jetzt etwas?” Talkshow-Regisseur Rolf Buschmann hat auf diese Frage am Sonntagabend im Ersten (und in der Wiederholung am Montag bei tagesschau24) eine einfache Antwort gefunden: Nein. Denn Frauen sind sexy, und das muss man doch mal zeigen dürfen! So ließ er also, während die Pooth darüber sprach, welche Erfahrungen sie in der #metoo-Debatte gemacht hat, einmal über ihre Beine schwenken.
Den breitbeinig da sitzenden FDP-Rentner Gerhart Baum hat er allerdings nicht abzoomen lassen. Verstehe ich gar nicht – sah der etwa nicht so scharf aus, Herr Buschmann?

Verona Pooth selbst nahm es übrigens locker, dennoch ist der Fettnapf für die “Anne Will”-Leute besonders tief, die Entschuldigung folgte prompt, und Rolf Buschmann sagte, er habe einen Fehler gemacht. Aber vielleicht dachte er ja, er sei Regisseur bei irgendeiner RTL-II-Fleischbeschau. Da spielt Sexismus ja sowieso eher nicht so die Rolle.

RTelenovela

Rügen 2017 (17): Der Sänger und sein ignorantes Publikum

Dienstag, den 14. November 2017
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(16) -> 23.7.2017

Sonnabend, zur Primetime. Im Hotel in Sellin hat ein junger Sänger seinen Auftritt. Erstaunliche drei Stunden – mit zwei Pausen – wird er Songs spielen. Eigene und gecoverte.
Ich vermute mal, dass das ganz gut bezahlt wird, und eventuell wird ihm ja auch das Hotelzimmer gezahlt. Aber vor einem Hotelpublikum zu spielen, ist sehr hartes Brot.

Es ist 22.45 Uhr, als ich dazu stoße. Ich setze mich ein wenig an den Rand. Der junge Mann spielt, und es klingt gut. Aber längst nicht alle hören zu. Am Nachbartisch sitzt eine Gruppe Frauen. Sie hören nicht im Ansatz zu, sie sind ins Gespräch vertieft. Flüstern scheint auch irgendwie aus der Mode gekommen sein. Die Frauen stören, und es interessiert sie nicht. Als zwei der Frauen aufstehen und gehen wollen, verabschieden sie sich lauthals und verabreden sich für morgen. Ist das Ignoranz? Verachtung? Auf jeden Fall unverschämt.
Andere Leute gehen mitten im Lied. An anderen Tisch branden immer wieder lautere Gespräche auf.

Viele der Leute sehen den jungen Mann nur als Hintergrundgeräusch, und das ist repektlos. Aber so läuft das wohl, wenn man sich in den Hotelsessel fläzt, nicht für den Künstler zahlen muss und dann einfach mal losquatscht – und sich vielleicht noch von der Live-Musik gestört fühlt.

Als das Konzert kurz nach Mitternacht zu Ende ist, sitzen noch ein gutes Dutzend Menschen da. Der Musiker hat es tapfer zu Ende gebracht, und ich vermute mal, er wird an seine hoffentlich gute Gage gedacht und den Rest ausgeblendet haben.