RTelenovela

Clevere Oma (2): Kinder raus!

Sonntag, den 19. August 2018
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(1) -> 8.4.2017

Respekt! “Oma’s Küche” aus Binz auf Rügen ist deutschlandweit bekannt geworden. Überall wird über den Laden geredet, geschrieben, gelästert und gemosert.
Wie aber haben die das geschafft?

Seit einiger Zeit ist “Oma’s Küche” (mit dem Apostroph, das da nicht hingehört) ab 17 Uhr ein kinderfreies Restaurant. Kinder unter 14 müssen draußen bleiben – oder eher: zu Hause.

Ich will das gar nicht bewerten, denn mir persönlich ist da relativ wurscht. Klar ist aber, dass die machen können, was sie wollen. Und wenn sie sagen, dass sie nach 17 Uhr keine Kinder mehr im Laden möchten, dann ist das ihnen überlassen. Sie können es sich leisten, denn der Laden ist gerade im Sommer jeden Tag gerammelt voll.
Eigentlich brauchen die gar keine PR.
Oder doch?

Erst stand es in den regionalen Medien? Dann in deutschlandweiten Zeitungen, in diversen Fernsehmagazinen – überall. Und selbst wenn die PR mies ist – es ist PR. Nun weiß man, es gibt in Binz “Oma’s Küche”.
Ich fand bei meinem Besuch im Frühjahr 2017 schon, dass die ganz schön blenden und dass das ganz schön clever ist. In diesem Fall hat es auch hervorragend funktioniert.

RTelenovela

Rügen 2018 (13): Die ruppigen Rüganer

Freitag, den 3. August 2018
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(12) -> 2.8.2018

In irgendeinem Beitrag oder in irgendeiner Erzählung neulich hieß es, dass die Rüganer einen mitunter ruppigen Humor haben, dass sie manchmal ein bisschen speziell sind. Und da musste ich irgendwie sogar zustimmen.

Als ich auf die Insel gereist kam, ließ ich mir wie immer hier und da ein bisschen Zeit. Ich war gerade auf der Fähre, da klingelte mein Handy. Einer mir nicht bekannte Nummer. Ich drückte sie erst mal weg, aber in Glewitz angekommen, rief ich dann doch zurück. Denn ich hatte eine Ahnung. Es war mein Binzer Vermieter. Wann ich denn kommen würde. Ich sagte, so 17.30 Uhr oder 18 Uhr. Was okay ist, denn in der Bestätigungsmail hieß es, bis 20 Uhr könne man anreisen. Aber der Vermieter meinte, da sei er nicht da, denn er habe ja auch andere Dinge zu tun. Da schluckte ich erst mal. Aber er meinte dann, er sei dann gegen 19 Uhr wieder da.
Na dann. Ich konnte mir also noch mehr Zeit lassen, also besuchte ich in Garz erst mal den Supermarkt. Zeitung kaufen und so.

Im Fischimbiss in Baabe standen zwei kleine Mädchen an den Gläsern mit dem Besteck und nahmen sich diverse Gabeln raus. Die Verkäuferin fragte empört, wie viele Gabeln sie denn brauchen. Fünf, war die Antwort. Und wie viele habt ihr? Die Mädchen zählten durch und kamen auf sechs. Die Verkäuferin entriss einem der Mädchen eine Gabel, und fast schien es, als würde sie ihm noch eine scheuern wollen. Das sei ja hygienisch ganz übel, sagte sie dann und knallte die Gabel auf den Tresen. Als sich die Mädchen verschüchtert entfernten, packte die Verkäuferin die Gabel und drückte sie einem jungen Mitarbeiter in die Hand. Mal waschen.

In der Andreaskirche in Lancken-Granitz fand ein Musikabend in der Sommerkonzert-Reihe statt. Ein Konzert mit dem Cellisten Christoph Heinlein. Die Frau, die die Gäste in der Kirche begrüßte, erzählte zu Beginn davon, dass ja in der Ostsee-Zeitung blöderweise der Name des Musikers völlig falsch geschrieben worden sei. Aber schön, dass trotzdem so viele Gäste gekommen sind. Dass in ihrem eigenen Flyer ein falsches Datum stand, erwähnte sie vorsichtshalber nicht.
Es war übrigens ein sehr spannendes und gutes Konzert. Was Christoph Heinlein mit seinem Cello anstellt, ist nämlich durchaus sehens- und hörenswert. Er entlockt dem Instrument Töne, die zumindest ich davon noch nie gehört habe.

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Zahltag! Ein Koffer voller Chancen

Freitag, den 20. Juli 2018
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DI 17.07.2018 | 20.15 Uhr | RTL

Bei RTL ist man am Dienstagabend scheinbar aus Versehen aus dem Sommerschlaf erwacht. Statt der einschläfernden Vier-Folgen-am-Stück-Dosis von “Bones – Die Knochenjägerin” lief ein deutscher Sozialporno: “Zahltag! Ein Koffer voller Chancen”.
In der dreiteiligen Reihe geht es um zwei Familien, die von Hartz IV leben. RTL stellt ihnen einen Koffer mit dem Geldbeitrag vor die Haustür, den sie im ganzen Jahr bislang als Hartz-IV-Satz ausgezahlt bekommen haben. Also um die 25.000 Euro.
Im Studio sitzen unterdessen Felix Thönnessen, Ilka Bessin (Ex-Cindy aus Marzahn) und Heinz Buschkowsky und schauen sich an, was die beiden Familien mit der Kohle machen.

“Zahltag!” ist genauso interessant wie unangenehm. Denn was RTL als Sozialexperiment betitelt, ist in Wirklichkeit eine Vorführung von Menschen, die das nicht mal bemerken, weil sie viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind.
Beide Familien melden sich erst mal beim Jobcenter ab – und beide Familien machen dabei den Eindruck, als sei so ein Jobcenter grundsätzlich das allerletzte. Dass der Ex-Politiker Buschkowsky an der Stelle anmerkt, dass man das ja bittesehr auch anders sehen könnte – weil ja Menschen dafür Steuern zahlen, dass anderen Menschen geholfen werden kann, und dass in anderen Ländern niemand da sei, der sie finanziell unterstützt -, ist durchaus richtig. Aber den “Kandidaten” dieser Hartz-IV-Show tut man damit keinen Gefallen, denn man setzt sie einer Öffentlichkeit aus, die in solchen Fällen gern alles andere als zimperlich ist.

Während die eine Familie aus Niedersachsen – allein erziehende Frau mit fünf Kindern – das beste draus macht und einen Imbiss eröffnen will, gibt es da noch die Familie aus Sachsen. Eigentlich wollten sie einen Second-Hand-Shop eröffnen. Aber die Hälfte der 25.000 Euro verdonnern sie in drei Wochen erst mal für Fressorgien, für Einläufe im Bau- und Möbelmarkt. Erstmal neue Möbel. Ganz toll. Der Mann in der Familie findet es einfach geil, mit so viel Kohle rumzulaufen und alles auszugeben. Er schnallt es einfach nicht.

Aber was ist nun schlimmer? Dass die sächsische Familie die Klischees der ach so faulen Hartz-IVer bedient, die ihr gewonnenes Geld kopflos ausgeben? Dass man das bei RTL geschehen lässt? Dass die Experten sich das wasserschlürfend und kopfschüttelnd ansieht? Dass man diese Familie so der Öffentlichkeit aussetzt?
Das ist es, was einen Sozialporno ausmacht. Wenn sich Menschen daran ergötzen und erregen, wie bestimmte Leute handeln. Wenn Menschen eigentlich Hilfe brauchen, man sie aber wurschteln lässt – weil es ja die perfiden Regeln sind.

Und nächste Woche: Klappt das mit dem gebraucht gekauften Imbisswagen bei der niedersächsischen Familie? Bekommt der faule Sachse noch die Kurve – und vor allem: Was wird aus dem sächsischen Ehekrach, der ja auch noch ausgebrochen ist. Das sehen wir nächste Woche beim RTL. “Zahltag!” ist nämlich auch eine Seifenoper – und wir die Voyeure.

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Sat.1-Frühstücksfernsehen: Claus Strunz spricht Klartext – Löws Team: Ein Spiegelbild Deutschlands

Montag, den 2. Juli 2018
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DO 28.06.2018 | 5.30 Uhr | Sat.1

Jetzt sind die Flüchtlinge auch noch schuld, dass wir aus der WM geflogen sind. Der Frühstücksfernseh-Kommentator Claus Strunz weiß es genau. Am Donnerstagmorgen hat er erklärt, warum es diesmal so schlecht gelaufen ist. Und eigentlich hätten wir da ja selbst längst drauf kommen können.

Es hat nicht gefunzt zwischen Mannschaft und Fans. Die Fans haben das gespürt, und die sind ja sowieso gerade total mies drauf, und die Mannschaft ebenfalls.
Deshalb ist Deutschland nach der Vorrunde der Fußball-WM raus. Nicht weil die Mannschaft schlecht gespielt hat, sondern weil Deutschland ganz allgemein schlecht drauf ist.

Moderatorin Marlene Lufen, die für Strunz als Stichwortgeberin fungierte, erzählte, dass sie 2014 noch hätte angefangen zu heulen, wenn Deutschland bei der WM ausgeschieden wäre. 2018 war’s ihr wurscht. Und nicht die mutmaßliche Rumheulerei macht ihr Sorgen, sondern die Wurschtigkeit in diesem Jahr.
Dabei reden wir ja immer noch nur über Fußball. Aber Claus Strunz sieht mehr in dieser WM: Das Spiel der Deutschen sei lahm gewesen. Genau wie die aktuelle Politik, und da gebe es einen Zusammenhang. Die erreiche viele Menschen nicht mehr, sei mutlos – genau wie Bundestrainer Löw, der Andersdenkende zu Hause gelassen habe.

Politkommentator Strunz hat zwar keinen blassen Schimmer davon, wie es zur Löwschen Personalentscheidung gekommen ist, ein bisschen Frühstücksfernsehfaselei ist aber immer drin. Wenn’s im Land nicht laufe, dann könnten wir auch die WM vergessen. Hach ja, ist das schön, wenn man sich die Welt so einfach denken und wichtig tun kann.

RTelenovela

Müllsammeln? Nüscht zu tun, oder was?

Mittwoch, den 30. Mai 2018
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Der Müll, der überall rumliegt, ist immer wieder ein großes Thema. Ein kleiner Junge in Oranienburg will es anpacken. Er will jeden Sonntag eine halbe Stunde in Oranienburg rumlaufen und den Müll von Grünflächen und Straßen aufsammeln und entsorgen. Gemeinsam mit den Eltern – und vielleicht ja mit weiteren Leuten, die mitmachen wollen.

Tolle Sache! Ein entsprechender Aufruf in der Facebook-Gruppe „Die Oranienburger“ schlug trotzdem Wellen. „Habt ihr sonst nichts zu tun?“, fragte ein junger Mann. Kinder sollen spielen, und die Stadt werde dafür bezahlt, aufzuräumen, so sein Argument, das natürlich keins ist.

Klar, man kann darüber diskutieren, ob wir uns nicht mal alle besser um unseren Dreck kümmern können. Aber wenn ein Kind ein solches Engagement an den Tag legt, dann sollte man es nicht bepöbeln, sondern dabei unterstützen. Bräsig rumsitzen und nur auf andere zeigen – das ist zu billig.

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maischberger: “Man wird ja wohl noch sagen dürfen!” – Wie diskriminierend ist Sprache?

Montag, den 7. Mai 2018
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SA 05.05.2018 | 23.50 Uhr | 3sat

Peter Hahne besteht auf sein Zigeunerschnitzel, und es macht ihn sehr, sehr glücklich, wenn er ein Zigeunerschnitzel verspachteln darf und es auch Zigeunerschnitzel nennen darf.
Ja, Deutschland hat offenbar keine Sorgen, wenn sich eine Talkshow in der ARD darum dreht, ob ein Journalist in Rente seinen mit Letscho zugedeckten Fleischlappen Zigeunerschnitzel nennen darf oder nicht.

“Man wird ja wohl noch sagen dürfen!” – Wie diskriminierend ist Sprache? Das war am Mittwochabend im Ersten – und in der Wiederholung am Sonnabend bei 3sat – das Thema bei Sandra Maischberger in “maischberger”.
Und so ganz einig ist man sich da nicht. Peter Hahne will zwar weiterhin ein Zigeunerschnitzel futtern, aber beim Negerkuss, da lässt er mit sich reden. Das Wort “Neger” ist schlimm, bei “Zigeuner” will man aber mal nicht so sein.

Gut, dass wir darüber mal gesprochen haben.

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Lösch dich – So organisiert ist der Hass im Netz

Samstag, den 28. April 2018
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DO 26.04.2018 | 20.00 Uhr | Funk

Wenn man in den sozialen Netzwerken unterwegs ist, dann begegnet uns oft vor allem Hass. Sobald es um kontroverse Themen geht, um Flüchtlinge, um Gewalt, um Politik, um Angela Merkel, scheint es, als ob ein riesiger Prozentsatz der Menschen, die dort diskutieren nur den Hass kennen. Sie machen Andersdenkende nieder und beschweren sich, angeblich nicht anders denken dürfen. Die verbreiten Zwietracht und Mussgunst. Aber sind wirklich alle Menschen so oder zumindest ein Großteil?

Am Donnerstagabend ging beim Jugend-Netzwerk Funk von ARD und ZDF die Doku “Lösch dich” online, u.a. auch auf Youtube: So organisiert ist der Hass im Netz. Ein junger Journalist schlich sich in ein Netzwerk ein, das diesen Hass verbreitet und dafür sorgen soll, dass wir denken, dass eine Mehrzahl der Menschen so denkt.
Vor der Bundestagswahl 2017 wurde “Reconquista Germanica” gegründet. Ein rechter Youtuber schart seitdem etwa 6000 Menschen um sich. Sie sprechen sich ab, um Wellen von hasskommentaren unter bestimmten Beiträgen abzusondern. Es geht gegen bestimmte Themen, Seiten und Menschen. Es geht um das konsequente Niedermachen, darum, rassistische Aussagen oder Bilder zu verbreiten. Und immer wieder dieses: Das wird man ja wohl noch sagen dürfen. So von wegen Meinungsfreiheit.

In dem Film von Rayk Anders wird auch gezeigt, welche Rolle die AfD in diesem Netzwerk wohl spielt. Vertreter der Partei mischen dort offenbar offensiv mit.

Die Rechten diffamieren “Lösch dich” schon jetzt als linke Propaganda von der angeblichen staatlich geführten ARD/ZDF-Lügenpresse. Ist natürlich unsinnig.
So oder so gibt diese Doku einen sehr erhellenden, aber auch wütend machenden Einblick in eine Propaganda-Szene, die immer stärker wird. Und gegen die sich die offene Gesellschaft dringend wehren muss.