RTelenovela

So was wie ein harter Lockdown in Zeiten des Coronavirus

Mittwoch, den 24. März 2021
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Harter Lockdown. XXL-Lockdown. Verschärfung. Huijuijui.
Man könnte auch sagen: alles Käse.

Nun fällt also Ostern 2021 auch aus. Nach dem traurigen Corostern 2020 gibt es 2021 die Neuauflage, auf die niemand gewartet hat.
Nach einer stundenlangen Beratung kamen die Politiker in der Nacht zu Dienstag mit einem neuen windelweichen Irgendwas, um die Coronakrise zu stoppen.

Ja, richtig, die Mutation des Coronavirus ist ein Problem, und die steigenden Zahlen geben wieder Anlass zur Sorge. Zumal nun eher jüngere Menschen betroffen sind.
Die Hoffnung liegt einerseits auf den kostenlosen Schnelltests, die man vom geschulten Personal bekommen kann und das wohl auch recht zuverlässig ist. Und andererseits hoffen wir auf die Impfungen, die nun im April vorankommen sollen. Vielleicht.
Das alles nutzt aber wenig, wenn die Inzident dauerhaft hoch ist. Wäre es dann nicht eine gute Idee, die Zahlen wieder zu drücken. Mit einem harten Lockdown? Relativ zügig?

Nein, stattdessen warten wir noch neun Tage. Und ziehen eine Notbremse, eine sogenannte. In Oberhavel müssen wegen der hohen Zahlen die Einzelhandelsgeschäfte schließen. Und die Bibliotheken. Und die Parks. Mehr nicht, denn wir wollen es ja mal nicht übertreiben. Gartenbaumärkte dürfen geöffnet bleiben, Friseure auch. Also eigentlich ändert sich nicht so viel, denn so viele Leute gehen ja gar nicht in die kleinen Läden, weil die ja so klein sind. Ich wüsste nicht, was diese Maßnahmen konkret bringen sollen.

Und Gründonnerstag tun wir dann alle mal so, als sei Feiertag, dann schließen auch die Supermärkte und der ganze Rest. Gottesdienste werden eventuell trotzdem gefeiert, denn der Kirche möchte man dann doch lieber nichts vorschreiben, und beten unter Leuten ist auch ganz, ganz wichtig. Geht nicht virtuell.
Und am Sonnabend öffnen wir dann auch wieder die Supermärkte, weil… also, weil… Keine Ahnung, warum.

Alles Murks. Wir warten also bis Ostern, weil da sowieso weniger los ist, und dann hoffen wir drauf, dass fünf Tage ausreichen, die Zahlen zu drücken. Allerdings ohne echt harten Lockdown.

Wäre es nicht sinnvoller gewesen, mal eine Woche richtig dicht zu machen – und das noch vor Ostern? Alle, die können, zu Hause bleiben, Ausgangsbeschränkungen, aber die Supermärkte bleiben geöffnet, um Panikkäufe zu vermeiden. So hat es im März 2020 auch funktioniert, da haben wir die Zahlen gedrückt, erfolgreich.
Sind die Zahlen unten, dann müssen die Schnelltests ran. Man darf den Friseur, das kleine Geschäft nur mit negativem Test betreten. Eindämmen, wo es geht, ohne alles ganz dicht machen zu müssen.
Aber die Chance hat man verpasst, schon im Herbst.

Jetzt hat man das Gefühl, es gibt nur noch Kompromisse, und eigentlich will man auch niemandem mehr wehtun, und deshalb trifft man einfach gar keine runden Entscheidungen mehr. Wischiwaschi und kopflos.
Und wenn wir keinen Bock haben, fliegen wir einfach nach Malle. Nach Rügen dürfen wir ja nicht.
Dass die Wut wächst, ist verständlich. Die Politik scheint ihren Kompass verloren zu haben.

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RTZapper

Väter allein zu Haus: Andreas

Samstag, den 27. Februar 2021
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FR 26.02.2021 | 20.15 Uhr | Das Erste

Der arbeitende Familienvater, der abends nach einem harten Tag nach Hause kommt, und sich das Abendbrot auftischen lässt. Der gestresste Papa, der nicht wirklich Zeit hat, sich um die Kinder zu kümmern.
Die Zeiten sind vorbei.
Zumindest in der Reihe “Väter allein zu Haus” im Ersten ist das ein bisschen anders. Zwei weitere Folgen liefen jeweils am Freitagabend – waren erfreulich sehenswert.

Grundsätzlich geht es um eine Gruppe von vier Männern, so was wie beste Freunde. Alle haben sie ihre Geschichten, die sich immer wieder kreuzen – aber in jedem Film geht es immer nur um einen von ihnen.

In der Episode über “Timo” (Tim Oliver Schultz) ging es um den ehemaligen Fußballer, der früh Vater geworden ist, aber von seiner Frau ist er getrennt, und jetzt geht es darum, was aus den drei Kindern wird. Die Verzweiflung zwischendurch ist groß, der Zoff auch.
In “Andreas” (Tobias van Dieken) in dieser Woche ging es auch um ein Sorgerecht. Andreas lebt mit seinem Mann Christian zusammen, und sie haben eine Pflegetochter, die eigentlich Christians Nichte ist. Aber plötzlich steht der leibliche Vater vor der Tür – der auch erst vor kurzem erfahren hat, dass er eine Tochter hat.

Die Geschichten sind durchaus auch mit Humor erzählt, der ernste Hintergrund wird in diese leichten Storys aber gut eingebunden. Sie zeigen aber jedes Mal einen Typus Mann, den es im Fernsehen vor einiger Zeit so nicht gegeben hat – und im wahren Leben vielleicht auch selten. Es sind Männer, die sich um die Kinder kümmern, die um sie kämpfen. Nebenbei wird aber dennoch die Familie und deren Werte hochgehalten, ohne drauf zu drängen, dass man die “alte, klassische” Familie meint. Nicht zuletzt sehr schön ist auch das Bild der Freundschaft unter den Kerlen, die sich schon mal sagen können, was sie beschäftigt.

“Väter allein zu Haus” ist nur oberflächlich seicht, aber eben auch keine schwere Kost. Guter Zoff für einen entspannten, aber nicht ganz beliebigen Einstieg ins Wochenende.

-> Der Film in der ARD-Mediathek (bis 26. August 2021)

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aRTikel

„Ich war fast weg gewesen“

Donnerstag, den 25. Februar 2021
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Ein 15-Jähriger aus Velten erzählt, wie er in die Drogensucht geriet – und von den Problemen danach

MAZ Oberhavel, 25.2.2021

Velten.
Es begann alles mit Frust. Viel Frust. Aber vor allem mit einem Verlust an Vertrauen. Gegenüber der Mutter, gegenüber allen. Jonas* war zwölf, als es losging. Als er mit Drogen in Kontakt kam.

Damals hatte er eine Freundin. Sie war vier Jahre älter als er. „Sie wollte, dass er mit zu ihr zieht“, sagt Michaela*, seine Mutter. „Ich habe gesagt: Das geht nicht, das funktioniert nicht.“ Er setzte sich durch. „Ich wollte, dass er nach Hause kommt.“ Jonas war dann eine Weile mit ihr zusammen, aber es kam dann zur Trennung. Der Schock: Das Mädchen war schwanger. Von Jonas, sagte das Mädchen. „Ich war mir sehr sicher, dass das nicht sein konnte“, sagt Jonas. Und er wusste auch von einem anderen Jungen. Geglaubt hat ihm das keiner. Auch nicht seine Mutter. Die war sich sicher, dass das Mädchen die Wahrheit sagte. „Wenn er der Vater ist, dann muss er zu seiner Verantwortung stehen“, sagte sie stattdessen. Erst als das Kind auf der Welt war und nachdem Michaela es schon als Enkelkind akzeptiert hatte, kam das Testergebnis. „An dem Punkt war dann leider klar, dass er nicht der Vater ist“, sagt Michaela. Sie überlegt kurz. „Jonas hat sich gefreut. Ich war hin- und hergerissen. Aber innerlich auch froh. Aber dann fing der Stress richtig an.“ Denn die Vertrauensbasis zwischen Mutter und Sohn war zerstört.

Jonas ist abgehauen. Immer wieder. Er begann, sich von Velten aus in der Gegend rumzutreiben. „Ich wollte einfach weg. Irgendwo hin“, sagt er. „Wo nicht Menschen oder Behörden auf mich einquatschen.“ Durch ältere Freunde kam er mit Drogen in Kontakt. „Ich habe alles probiert. Hauptsächlich Speed und Ecstasy.“ Speed hält lange wach, der Hunger vergeht einem. Am Hennigsdorfer Hafen habe er dann Leute kennengelernt, die ihm Crystal verkauft haben. „Ein paar Mal“ habe er das genommen. Durch das Zeug dauert der Rausch länger. Und er kam nicht mehr von den Drogen weg. Er hat dann begonnen, Speed günstig anzukaufen. Zehn Gramm für 30 bis 50 Euro. Er verkaufte es für 100 Euro weiter, „um mir meine Drogen kaufen zu können.“

Tatsächlich werde im Gesundheitsamt im Landkreis Oberhavel eine Zunahme des Konsums von Amphetaminen und Crystal Meth festgestellt. „In diesem Zusammenhang stellen wir insbesondere auch eine steigende Nachfrage von Eltern an unsere Kinder- und Jugendpsychiaterin im Gesundheitsamt fest“, sagt Kreis-Pressesprecherin Ivonne Pelz. „Die Entwicklung verfolgen wir sehr aufmerksam und sensibilisiert.“
„Die Jüngste, die ich kenne, war zwölf, als sie angefangen hat“, erzählt Jonas. „Viele chillen mit 16-Jährigen ab.“ Es gebe da bei vielen Probleme mit den Eltern, ähnlich wie bei ihm. Viele würden LSD nehmen, „um das Selbstbewusstsein zu erweitern. Dadurch wurde mir auch alles egal.“ Gras gebe es an jeder Ecke zu kaufen. Einmal hatte er gestrecktes Speed. „Ich war fast weg gewesen.“
Cathrin Pelz, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie, erklärt: „Der Konsumbeginn für die genannten Drogen liegt inzwischen nicht selten schon bei zwölf Jahren. Der Konsum hat insbesondere bei früh beginnender psychischer und körperlicher Abhängigkeit gravierende Folgen auf die seelische und körperliche Entwicklung der Kinder und Jugendlichen: Je früher der Beginn des Konsums, desto gravierender sind die Auswirkungen auf die Entwicklung des Gehirns, das in dieser Lebensphase besonders empfindlich ist.“

Für Jonas’ Mutter war klar: „Er war abhängig. Er brauchte Hilfe.“ Von einer Depressionsstation haute er nach einem Tag wieder ab. Es war schwer, an Jonas ranzukommen. Und auch schwer, Hilfe zu bekommen. Das Ziel war: „Er muss in eine Klinik, die ihm hilft.“ In Hamburg gab es eine. Acht Monate müsse er allerdings dort bleiben, hieß es. „Am Anfang wollte ich das nicht“, sagt Jonas. „Ich habe mich verarscht gefühlt.“ Er sah dort keine Perspektive. „Für mich war das aber Grundvoraussetzung, dass er dahin geht“, sagt Michaela. Ansonsten hätte sie nicht weiter gewusst. Sie hätte ihn ans Jugendamt übergeben müssen, sagt sie. „Damit er wieder zurecht kommt.“ Er bekam den Platz in Hamburg. Von September 2019 bis April 2020 war er in dieser Klinik. Weg von den Drogen.

„Ich kam zu einem blöden Zeitpunkt zurück“, sagt Jonas. Corona hatte die Welt im Griff. Michaela erzählt: „Wir haben Kontakt zur Schule aufgenommen. Da hieß es, wir unterstützen ihn.“ Er kam in die 8. Klasse. Doch da gibt es ein Problem, denn Jonas darf kein Internet benutzen. „Damit er keinen Kontakt zu seinen alten Freunden aufnehmen kann.“
Es gab Gespräche mit einem Einzelfallhelfer. „Da sollte es um seinen Förderstatus gehen. Den braucht er.“ Mit seinem Einzelfallhelfer ist Jonas immer wieder im Kontakt. Als Schule auch in Coronazeiten möglich war, gab es dennoch Sorgen. „Ich wollte nicht, dass jemand was von meiner Vergangenheit erfährt“, sagt Jonas. „Aber der Lehrer fragte dann vor der Klasse, warum ich kein Internet habe. Ich hatte einfach den Wunsch, dass wir das unter vier Augen klären.“ Mit dieser Bloßstellung kam er nicht klar. Vertrauensverlust.
Als dann wegen des Lockdowns die Schule wieder nur zu Hause weiter ging, war das ohne Internet schwierig. Nur Jonas’ Mutter hat Zugriff, wenn E-Mails kommen. Aber dann ging auch noch der Drucker kaputt, sagt Michaela. „Sie schicken immer Aufgaben und gehen davon aus, dass ich online einen neuen Drucker bestelle.“

Beatrix Scheeren, die Leiterin der Kremmener Goethe-Oberschule beurteilt die Lage anders. „Er wird unterstützt“, sagt sie. „Wenn er den Willen hätte. Aber er will sich nicht unterstützen lassen.“ Die Schulleiterin sagt, das Problem liege bei Jonas’ Mutter, sie spiele ein falsches Spiel, es werde nicht auf Angebote reagiert. Näher könne sie sich nicht äußern, erklärt sie.
Jeder habe seine eigene Wahrheit, sagt sein Einzelfallhelfer, der aber betont, allgemein zu sprechen, nicht über den speziellen Fall. Über spezielle Fälle könne er grundsätzlich nichts sagen. Allgemein könne er sagen, es sei immer wieder eine Herausforderung, die globale Wahrheit zu erfassen, es sei fast unmöglich. Es sei immer wichtig zu sehen, wie jeder Beteiligte etwas wahrnehme. Warum tut jemand was oder auch nicht? Das sei immer eine neue Herausforderung.

Jonas, inzwischen ist er 15, will tatsächlich nicht mehr. Er hat das Vertrauen verloren. Wieder mal. Aber wie soll es weiter gehen? Für ihn ist klar, dass er nach der 8. Klasse abgehen will. „Ich möchte mich um einen Ausbildungsplatz bewerben.“ Seine Mutter ergänzt: „Aber ich fände es besser, wenn er ein Berufsorientierungsjahr macht.“ Er kümmere sich, sagt er. Vielleicht was bei der Bundeswehr. Vielleicht Küchenhilfe. „Mein Traum wäre es, Notfallsanitäter zu werden“, sagt er. „Oder was mit Elektronik.“ Wie er das ohne Schulabschluss schaffen kann, ist unklar.

Ist Jonas clean? Endgültig? Er überlegt. Ein Rückfall sei möglich, sagt er. Der Frust ist groß, und auch weil das Vertrauensverhältnis zur Mutter gestört ist. Hört man den beiden zu, dann stehen oft gegenseitige Vorwürfe im Raum. Bekommt Jonas Geld zum Einkaufen, muss er den Kassenzettel mitbringen.
„Ich als Mutter kann sagen, dass ich alleine gekämpft habe“, sagt Michaela. „Selbst den Einzelfallhelfer zu finden, war schwierig. Aber er bemüht sich.“ Das sieht Jonas ähnlich. Es gebe kaum Einrichtungen für Minderjährige, sagt er. Oder Ansprechpartner. Er überlegt, später eine Selbsthilfegruppe zu gründen.

Beim Landkreis will man an den Maßnahmen zur Drogenprävention schrauben. Angestrebt werde „noch 2021 die Einrichtung einer Fachstelle für Konsumkompetenz “, teilt Kreis-Pressesprecherin Ivonne Pelz mit. Die Fachstelle solle in erster Linie der Sensibilisierung sowie der Fort- und Weiterbildung von Fachkräften in der Kinder- und Jugendhilfe, in Schule und Elternschaft dienen.
Hilfe für Betroffene und Angehörige gebe es für Jugendliche insbesondere bei der Drogenberatungsstelle des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Möglich sei das in Gransee, Hennigsdorf und Oranienburg.

*Die Namen von Mutter und Sohn wurden geändert.

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aRTikel

Viel öfter alleine als sonst

Freitag, den 12. Februar 2021
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Senioren müssen sich in der Coronakrise umstellen – Helmut Rätzke lässt sich den Einkauf bringen

MAZ Oranienburg, 12.2.2021

Oberkrämer.
Die Coronakrise ist für die meisten Menschen auch ein Akt der Geduld. Gerade das gesellschaftliche Leben steht still. Das bekommen auch die Senioren zu spüren. Normalerweise gibt es in Oberkrämer fast jeden Tag Veranstaltungen in den einzelnen Ortsteilen, wo sich Senioren treffen, gemeinsam Karten spielen oder einfach nur Kaffee trinken und reden. Das fehlt nun alles – und nicht nur das. Weil die Senioren altersmäßig zur Risikogruppe gehören, müssen sie besonders aufpassen.

Helmut Rätzke aus Schwante ist 91 und momentan viel öfter alleine als sonst. „Ich gehe auch allein zum Spazierengehen“, erzählt er. „Aber auch nur da, wo man eher alleine ist.“ Er möchte ungern Menschen begegnen, größeren Menschenmassen ausweichen. Deshalb geht er auch nicht zum Einkaufen. „Das macht mein Sohn für mich.“ Der darf auch zu ihm rein, aber auch nur mit Maske. Eigentlich aber geht Helmut Rätzke jeden Mittwoch zum Kartenspielen, sonntags trifft er sich mit einer Frauenrunde, auch dort stehen dann Kartenspiele auf dem Programm. „Jetzt habe ich keinen Kontakt. Ich sehe zu, dass ich so wenige Kontakte wie möglich habe, ich bin ja schon 91.“ Das fällt ihm alles nicht immer leicht. „Na ja, das ist alles ein bisschen traurig. Aber was soll man machen?“ Seinen Haushalt macht er selbst, das Essen bekommt er geliefert. „Im Alltag komme ich noch ganz gut zurecht.“ Aber er vermisst die Normalität. „Ich bin ein Mensch, der Kontakte haben muss. Jetzt ist das natürlich schlecht.“ Immerhin telefoniert er jetzt ab und zu mit den anderen.
Seine erste Impfung hat der Schwantener auch schon bekommen. „Das war in Oranienburg“, erzählt er. Eigentlich sollte er dafür nach Potsdam fahren, aber dieser Termin sei abgesagt worden. Im Oranienburger Impfzentrum bekam er dann seinen Piks. „Das war alles sehr gut, ich habe nichts gemerkt.“ Bald bekommt er auch seine zweite Impfung, dann will er noch eine Woche weiter zu Hause bleiben. Wenn er wieder unter die Leute darf, dann freut er sich auf einen Besuch beim Bäcker und auf seine Kartenrunden.

Auch Inge Meier aus Eichstädt muss sich derzeit einschränken. Sie leitet normalerweise die Seniorenaktivitäten in ihrem Dorf und lädt einmal im Monat zu den Kaffeenachmittagen im Gemeindehaus. „Ein bisschen eingeschränkt ist das alles schon“, sagt sie. „Man ist doch schon mehr alleine, weil man auch Angst hat, dass doch irgendwas passiert und das Virus übertragen wird.“ Ab und an telefoniere sie noch mit den anderen Senioren in Eichstädt. „Die bedauern das natürlich alle sehr, dass nichts stattfinden kann und warten darauf, dass es wieder los geht.“ Ganz alleine ist Inge Meier aber nicht, die Familie kümmert sich um sie. „Wir gehen verhältnismäßig gut mit der ganzen Sache um“, sagt sie. „Wir sind alle sehr vorsichtig.“ Aber sie sagt auch: „Wir haben alle unser Alter und lassen es auf uns zukommen.“ Geimpft worden ist die Eichstädterin noch nicht. „Wir haben einige Male versucht, durchzukommen. Aber da war nichts zu machen, wir hatten noch kein Glück. Das geht den anderen ähnlich.“ Wenn sie doch mal rausgeht, dann trägt sie überwiegend eine Maske, erzählt sie.

Kerstin Laatsch ist die Seniorenbeauftragte in Oberkrämer. „Es melden sich bei mir auch hin und wieder Senioren“, erzählt die Vehlefanzerin. „Viele von den Frauen vermissen das monatliche Frauenfrühstück.“ So lange aufgrund der aktuellen Pandemiebestimmungen eine Person eine andere besuchen darf, würden das einige der älteren Leute auch in Anspruch nehmen, weiß sie. „Da geht es ja auch darum, sich gegenseitig ein wenig zu helfen.“
Kurz vor Weihnachten gab es in Oberkrämer eine besondere Aktion. „Wir haben zu Weihnachten viele Päckchen verteilt“, erzählt Kerstin Laatsch. „Wir haben wesentlich mehr Päckchen gepackt, weil es ja im vergangenen Jahr sonst keine weiteren Aktionen gab.“ Allein in Vehlefanz seien 80 solcher Päckchen zum Fest verteilt worden. Darin waren beispielsweise ein großer Stollen, Honig, eine Packung Tee und was zum Naschen. „Außerdem etwas von mir Gebasteltes“, sagt Kerstin Laatsch. Dazu noch eine Grußkarte. „Da kam eine sehr große Resonanz zurück.“ In der vergangenen Woche habe sich noch ein Ehepaar bei ihr gemeldet. „Es war ihnen ein großes Bedürfnis,. sich zu bedanken“, erzählt Kerstin Laatsch.
Sie ist weiterhin öfter in ihrem Büro im „Haus der Generationen“. Sie telefoniere viel. Auch sie hofft, dass die Senioren im Ort bald wieder zusammenkommen können.

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Die letzte Instanz

Mittwoch, den 3. Februar 2021
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FR 29.01.2021 | 23.30 Uhr | WDR

Jürgen Milski kennt niemanden, der sich von Wörtern wie Zigeunersoße oder Mohrenkopf diskriminiert fühlt. Deshalb gebe es das nicht.
Janine Kunze fühlt sich zwar diskriminiert, wenn man sie auf ihre großen Titten und ihre blonden Haare reduziert, sie findet das aber jetzt auch nicht so schlimm. Deshalb haben das alle nicht schlimm zu finden, wenn man sie diskriminiert.
Thomas Gottschalk hat sich schon mal das Gesicht schwarz angemalt. Deshalb weiß er, wie es sich anfühlt, als Schwarzer… ähm.
Micky Beisenherz würde die Zigeunersoße keinesfalls umbenennen, weil das ja eigentlich nichts ist, was wirklich ein Problem sein könnte. Deshalb sei es für niemanden ein Problem.

“Die letzte Instanz” im WDR: Vier Prominente kommen zusammen, und Moderator Steffen Hallaschka gibt ihnen zu diskutierende Themen vor. Am Ende stimmen die vier mit roten oder grünen Karten ab. Diese Sendung ist also nicht mehr als ein Stammtisch.
Und am Stammtisch wird auch schon mal viel Scheiße gelabert. Und am Freitagabend war es besonders schlimm.
Ob man die Zigeunersoße umbenennen soll, fragte Hallaschka.
Was folgte, was nur unter Schmerzen auszuhalten. Von der Zigeunersoße, die ja keinesfalls umbenannt werden könne, weil die Soße ja schon immer so heiße, kamen die vier sehr schnell zur Aussage, dass man ja immer weniger sagen dürfe und man total vorsichtig sein müsse.

Janine Kunze faselte davon, dass sie sich ja nie, nie, nie was dabei gedacht habe, wenn vom Führerschein die Rede war. Führer. Nie, nie, nie hat sie an den Führer aller Führer gedacht. Und nie, nie, nie hat sie sich über die Zigeuner in der Zigeunersoße Gedanken gemacht. Was eigentlich weniger für Frau Kunze spricht, dass sie sich offenbar nie einen Kopf macht über das, was die so daherquasselt. Und überhaupt könne es doch nicht sein, dass irgendwelche wenigen Diskriminierten den Nichtdiskriminierten vorschreiben wollen, was sie zu sagen haben.
Jürgen Milski – nach “Big Brother” zockte er jahrelang ahnungslose 9Live-Zuschauer ab, und erstaunlicherweise schafft er es, dass darüber niemand mehr spricht, wenn er eingeladen wird – findet, dass ja ein Sprachgefühl verloren gehe, wenn er nicht mehr Mohrenkopf sagen könne. Wobei man ja eher ein Sprachgefühl hat, wenn man merkt, dass beim “Mohrenkopf” oder dem “Negerkuss” irgendwas nicht stimmt. Aber als Ex-9Live-Abzocker und Malle-Sänger hat man es mit Sprachgefühlen wohl nicht so. Was Jürgen Milski jetzt hoffentlich nicht allzu sehr diskriminiert.

Grundsätzlich darf natürlich jeder über Rassismus diskutieren. Und auch über die Zigeuersoße. Und natürlich auch über Diskriminierung. Wirklich jeder. Aber natürlich kommt beim anderen oder anderen dabei nur Müll raus, und wenn jemand von einem Problem nie betroffen war oder davon keine Ahnung hat, eventuell erst recht.
Das Problem bei dieser Sendung: Offenbar hat daran niemand gedacht. Man lädt einfach irgendwelche Promis ein, um über irgendwelche Themen zu diskutieren. Klar, kann man machen. Damit riskiert man aber, dass daraus gequirlter Mist wird. Wenn das der WDR will, wäre das schade. Aufgefallen ist das scheinbar nicht, denn die Sendung lief schon mal im November – die Ausstrahlung am Freitagabend war eine Wiederholung. Was es noch schlimmer macht. Keinem beim WDR ist aufgefallen, dass diese Ausgabe der Show irgendwie, nun ja, nicht gut war.
Themen und Gäste besser aufeinander abzustimmen, ist in der Redaktion vermutlich keinem in den Sinn gekommen. Nach dem Motto: Irgendwas mit irgendwem am Stammtisch. Der Anspruch des WDR sollte aber höher sein.

Natürlich und zu recht gibt es nun Vorwürfe. Auch gegen Steffen Hallaschka, der, so heißt es, als Moderator stärker hätte intervenieren sollen. Das aber ist schwierig, weil es ja als Moderator nicht unbedingt seine Aufgabe ist, Meinungen zu unterbinden oder abzuwürgen. Stärker hinterfragen hätte er aber einiges machen können. Er hat es immerhin ansatzweise getan.
Auch heißt es, Leute wie diese vier dürften über bestimmte Themen gar nicht reden. In einer Meinungsfreiheit ist ein solches Verbot allerdings nicht vorgesehen. Jeder darf über alles reden – es wäre nur schön, wenn er/sie auch was zu sagen hätte, was nicht nur auf Gefühlen oder dösigen Gewohnheiten beruht. Keiner in der Runde hatte wirklich schlüssige Argumente.
Ob Milski, Kunze, Gottschalk und Beisenherz rassistisch sind? Vermutlich eher nicht, am wenigsten Micky Beisenherz. Aber eben doch ziemlich von gestern. Und damit sind sie irgendwann Auslaufmodelle. Wie auch “Die letzte Instanz”.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 29. Januar 2022)

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RTelenovela

Bitte vor mir!

Dienstag, den 26. Januar 2021
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Im Oranienburger Rewe steuere ich gerade die Kasse an. Ein junger Mann lässt gerade einen Kunden vorbei. “Nach Ihnen!”, sagt er. Ich bin gerade dabei, mich auf meine abstandmäßig richtige Warteposition zu begeben, als der junge Mann dann auch zu mir meint: “Nach dir.” Ich sehe ihn an und bin ein bisschen irritiert. Denn in meinem Einkaufswagen liegen durchaus einige Produkte. Der Typ dagegen hat gerade mal eine Flasche Billig-Cola in der Hand. Ich weise ihn darauf hin, dass es bei ihm doch viel schneller gehen würde, aber das lässt der Typ nicht gelten. Ich soll unbedingt vor ihm an die Kasse. Widerspruch zwecklos.

Der zuerst vorgelassene Mann vor mir braucht dann auch eine Weile, bis er sein Kleingeld zusammengesammelt hat. Bis meine Waren über den Scanner gezogen sind, dauert es auch eine Weile, immerhin 33 Euro. Ich packe noch ein, da zahlt der Typ hinter mir schon seine 70 Cent.

Draußen bin ich gerade dabei, den Wagen zurückzubringen, da wird der Typ von seinem Kumpel empfangen, und der Typ, der zwei Leute vorgelassen hat, meint nur: Kasse war voll.
Ahja. Vielleicht wollte er ihn auch einfach nur in der Kälte warten lassen.

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RTelenovela

15 Kilometer plus x in Zeiten des Coronavirus

Sonntag, den 17. Januar 2021
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Nachdem in Oberhavel am Sonnabend zum ersten Mal der Inzidenzwert von 200 überschritten wurde, gelten auch hierzulande schärfere Regeln. Wobei: Nicht wirklich.

Seit heute darf ich mich meinem Heimat-Landkreis nicht weiter als 15 Kilometer entfernen. Im Gegensatz zu anderen Bundesländern gibt es in Brandenburg die Regel, dass der Landkreis als Entfernungsmarke gilt, nicht der Wohnort. Begründet wird das mit den wenig besiedelten Orten, wo es in 15 Kilometern manchmal gar nichts gibt.
Ob die jetzige Regel aber so viel ändert, bezweifele ich. Ich darf immer noch bis in die Berliner Mitte, bis nach Friedrichshain. Ich darf im Norden bis etwa nach Neustrelitz, das sind nicht ganz 70 Kilometer. Bis zur Kreisgrenze hinter Fürstenberg sind es weit mehr als 50 Kilometer.
Viel mehr ist mein Alltagsbewegungsradius sowieso nicht. Es ändert sich nichts. Und für den Job könnte ich sogar noch weiter fahren, was aber nur selten passiert. Und es gibt weitere Ausnahmen – triftige Gründe.
Wirklich neu ist das Versammlungsverbot.

Ich bin wirklich kein Experte darin, wenn es um Maßnahmen geht, um den Coronavirus einzudämmen. Aber die neue Regel ändert im Grunde nichts.
In der kommenden finden neue Beratungen statt, und dann wird es vermutlich weitere Einschränkungen geben. Eine Ausgangssperre ab 18 Uhr würde wirklich weh tun. Die Wirtschaft runterzufahren, würde sehr weh tun. Allerdings tun steigende Fallzahlen und sich füllende Kliniken nicht weniger weh.

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