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maischberger: “Man wird ja wohl noch sagen dürfen!” – Wie diskriminierend ist Sprache?

Montag, den 7. Mai 2018
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SA 05.05.2018 | 23.50 Uhr | 3sat

Peter Hahne besteht auf sein Zigeunerschnitzel, und es macht ihn sehr, sehr glücklich, wenn er ein Zigeunerschnitzel verspachteln darf und es auch Zigeunerschnitzel nennen darf.
Ja, Deutschland hat offenbar keine Sorgen, wenn sich eine Talkshow in der ARD darum dreht, ob ein Journalist in Rente seinen mit Letscho zugedeckten Fleischlappen Zigeunerschnitzel nennen darf oder nicht.

“Man wird ja wohl noch sagen dürfen!” – Wie diskriminierend ist Sprache? Das war am Mittwochabend im Ersten – und in der Wiederholung am Sonnabend bei 3sat – das Thema bei Sandra Maischberger in “maischberger”.
Und so ganz einig ist man sich da nicht. Peter Hahne will zwar weiterhin ein Zigeunerschnitzel futtern, aber beim Negerkuss, da lässt er mit sich reden. Das Wort “Neger” ist schlimm, bei “Zigeuner” will man aber mal nicht so sein.

Gut, dass wir darüber mal gesprochen haben.

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Lösch dich – So organisiert ist der Hass im Netz

Samstag, den 28. April 2018
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DO 26.04.2018 | 20.00 Uhr | Funk

Wenn man in den sozialen Netzwerken unterwegs ist, dann begegnet uns oft vor allem Hass. Sobald es um kontroverse Themen geht, um Flüchtlinge, um Gewalt, um Politik, um Angela Merkel, scheint es, als ob ein riesiger Prozentsatz der Menschen, die dort diskutieren nur den Hass kennen. Sie machen Andersdenkende nieder und beschweren sich, angeblich nicht anders denken dürfen. Die verbreiten Zwietracht und Mussgunst. Aber sind wirklich alle Menschen so oder zumindest ein Großteil?

Am Donnerstagabend ging beim Jugend-Netzwerk Funk von ARD und ZDF die Doku “Lösch dich” online, u.a. auch auf Youtube: So organisiert ist der Hass im Netz. Ein junger Journalist schlich sich in ein Netzwerk ein, das diesen Hass verbreitet und dafür sorgen soll, dass wir denken, dass eine Mehrzahl der Menschen so denkt.
Vor der Bundestagswahl 2017 wurde “Reconquista Germanica” gegründet. Ein rechter Youtuber schart seitdem etwa 6000 Menschen um sich. Sie sprechen sich ab, um Wellen von hasskommentaren unter bestimmten Beiträgen abzusondern. Es geht gegen bestimmte Themen, Seiten und Menschen. Es geht um das konsequente Niedermachen, darum, rassistische Aussagen oder Bilder zu verbreiten. Und immer wieder dieses: Das wird man ja wohl noch sagen dürfen. So von wegen Meinungsfreiheit.

In dem Film von Rayk Anders wird auch gezeigt, welche Rolle die AfD in diesem Netzwerk wohl spielt. Vertreter der Partei mischen dort offenbar offensiv mit.

Die Rechten diffamieren “Lösch dich” schon jetzt als linke Propaganda von der angeblichen staatlich geführten ARD/ZDF-Lügenpresse. Ist natürlich unsinnig.
So oder so gibt diese Doku einen sehr erhellenden, aber auch wütend machenden Einblick in eine Propaganda-Szene, die immer stärker wird. Und gegen die sich die offene Gesellschaft dringend wehren muss.

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Echo 2018

Sonntag, den 15. April 2018
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DO 12.04.2018 | 20.15 Uhr | VOX

Ist ja nur Rap. Da weiß ich gar nicht, warum wir uns da so aufregen. Wenn es da in einem Text sinngemäß heißt, dass sein Körper definierter sei als von Auschwitz-Insassen. Dabei weiß doch jeder, dass man als Rapper alles darf.
Und damit haben Kollegah und Farid Bang total viel Erfolg – und einen Echo, Deutschlands wichtigsten Musikpreis, durften sie am Donnerstagabend dafür auch noch in Empfang nehmen.

Alles nicht so schlimm? Alles übertrieben?
Wenn Kinder und Jugendliche auf dem Schulhof als Juden beschimpft werden, wenn Jugendliche immer noch als Schwuchtel und schwule Sau betitelt werden, dann hat das auch mit den widerlich-prolligen Texten von Kollegah und Farid Bang zu tun.
Das ist vielleicht Kunst, und vielleicht ist das von einer gewissen künstlerischen Freiheit gedeckt. Aber ist es auch was, dem man Preise hinterherschmeißen muss? Muss man antisimetische Texte und Hassreden auch noch mit Lob belohnen?

Campino von den Toten Hosen war am Donnerstag, der während der Live-Übertragung der Echo-Verleihung bei VOX den Arsch in der Hose hatte, etwas dazu zu sagen. Mit zittrigen Händen las er einen Brief vor, in dem er sich von solchen Texten und Interpreten distanzierte.
Später erhielten Kollegah und Farid Bang dann tatsächlich einen Echo (der eben nicht nur nach reinen Verkaufszahl-Aspekten vergeben wird, sondern eine Jury entscheidet mit) und verhöhnten Campino. Die Echo-Macher ließen es dann sogar zu, später die beiden Rapper extra noch mal auftreten zu lassen.

Und was machten die anderen Künstler? Saßen rum und taten nichts. Campino nahm seinen Preis trotzdem an. Mark Forster trat danach auf, als sei nichts gewesen. Bloß nichts Politisches sagen – bloß nicht anecken. Die Branche hat kollektiv versagt und auf die Menschenwürde gepfiffen.
Jaha, sagen da jetzt die Fans, aber Kollegah und Farid Bang haben sich doch bei einer Holocaust-Überlebenden entschuldigt. Was aber natürlich sinnfrei ist, wenn man den Song dann locker-flockig weiterträllert. Da ist so eine Entschuldigung nur für den Arsch. Noch haarsträubender wird es, wenn es heißt, zur Entschädigung können Juden kostenlos zu den Konzerten, wenn sie am Einlass Bescheid sagen. Ja, natürlich, sollen die Juden doch mal bitte ihren Judenstern an der Kasse zeigen. Dann werde man sie kurz in den Arm nehmen und ins Konzert lassen. Da bekommt man echten Brechdurchfall.

So wird nach und nach der Raum frei gemacht für Gedankengut des Nationalsozialismus. Und schon jetzt gibt es viel zu viele Leute, die da nichts mehr gegen haben und stattdessen von Meinungsfreiheit und Stasimethoden faseln.

Aber die Veranstalter des “Echo 2018″ haben so oder so das Gespür dafür verloren, wie man gutes Entertainment macht. Völlig lahm und ohne komplett ideenfrei schleppte sich die dreistündige Show dahin. Kein Intro (also wirklich gar keins), kaum Humor, einfach gar nichts.
Am schlimmsten war aber die Idee, die diesjährige Totenehrung durch Poetry-Slamerin Julia Engelmann begleiten zu lassen. Nicht nur, dass sie über einen gewissen Chester Benningfield redete, der in Wirklichkeit Bennington heißt. Sie leierte einen wirren Text zu den Fotos der verstorbenen Künstler derart gelangweilt runter, dass es einen schüttelte. Ja, sie tat es im Poetry-Slam-Style. Der passte dort aber ganz und gar nicht hin, wirkte schrecklich deplatziert.

Wann kommen endlich die Kreativen, die es doch in Deutschland ganz sicher gibt, und möbeln die langweiligen und einfalls- und lustlosen Preisverleihungen mal auf? Und dann holt auch wieder “normales” Publikum in den Saal – und nicht die Branchenheinis, die sich bei solchen Events eh nur langweilen.

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7 Tage … unter radikalen Christen

Samstag, den 24. März 2018
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MI 21.03.2018 | 23.50 Uhr | NDR

“Vergib’s, Herr, wo wir zugelassen haben, dass die ganze Perversion in unser Land kommt, Herr. Und ich danke dir, dass jeder Dreck hinaus gefegt wird aus diesem Lande. Jede Perversion, die herein gekommen ist. (…) Ich bitte dich so, dass du die Gesetze änderst, Herr.”

Dies ist ein Gebet, das eine Frau in einer freikirchlichen Gemeinde bei Stuttgart an Gott richtet.
Ein Gebet, das nachdenklich macht. Weil es so voller Hass ist. Voller Frust, voller Furcht. Und weil ein Bild Gottes vermittelt, das ebenfalls von einem seltsamen Hass ausgeht. Davon, andere auszugrenzen, runterzumachen.

Im NDR lief am späten Mittwochabend ein Beitrag in der Reihe “7 Tage…”. Ein Reporter war zu Gast unter radikalen Christen. Erstaunlich offen gaben sie Einblicke, die man nicht oft bekommt.

Diese Christen beten dafür, dass Gott andere Gesetze schafft, dass Angela Merkel zur Vernunft findet. Die Trennung von Kirche und Staat finden sie nicht sinnvoll, sagen sie. Sex vor der Ehe und Homosexualität lehnen sie ab. Sie sagen nicht, dass sie solche Leute rausschmeißen würden – aber schwuler Sex sei Sünde, sagt eine der Frauen, die in der Gemeinde das Sagen hat. Und für diese Sünde müsse sich der Betroffene vor Gott verantworten. Frage des Reporters: Hat Gott nicht auch die Homosexuellen geschaffen? Antwort: Nein.

Es ist ein Gottesbild, das ich nicht teilen kann. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Gott so denkt und handelt. Dass dieser Gott so engstirnig ist. ich glaube ja, dass ein Gott uns alle beobachtet und selbst mit dem Kopf schüttelt, was die Menschen für einen Mist bauen. Sie sprechen zu ihm, er spricht zu ihnen – wie auch immer. Aber greift er auch ein? Beeinflusst er? Bestraft er Sünden? Oder ist er einfach nur da, ohne zu bestrafen?

Es ist ein merkwürdiges Gottesverständnis, wenn man andere Menschen als Dreck bezeichnet. Wenn man von Perversionen spricht und damit alles Fremde von vornherein ablehnt. Will Gott so was?
Diese radikalen Christen haben, so finde ich, entweder einen anderen Gott oder sie haben irgendwas falsch verstanden – oder sie hören nicht, wenn ihnen ihr Gott ordentlich den Marsch bläst.

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Wir bekommen dein Baby – Promimütter helfen

Freitag, den 23. März 2018
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MI 21.03.2018 | 20.15 Uhr | RTL II

Celina ist 19 und hochschwanger. Sie erwartet ihr zweites Kind vom zweiten Mann. Ein gutes Jahr ist sie mit René (20) zusammen. Irgendwie freuen sie sich, aber sie haben auch Angst. Sie leben zu dritt im Kinderzimmer, haben kein vernünftiges Bett, René nimmt Drogen. Einen Schulabschluss haben beide nicht. Wie soll das bloß werden mit noch einem Kind?

Machen wir uns nichts vor. Es ist eine unschöne Situation, in der sich Celina und René befinden. Es braucht keine Fernsehdoku, um festzustellen, dass sie raus müssen aus diesem Kinderzimmer, und dass René mit den Drogen aufhören muss. Jeder mit gesundem Menschenverstand könnte ihnen das sagen. Und ihnen vor allem sagen, dass es vielleicht keine besonders gute Idee ist, das alles vor einem Fernsehteam auszubreiten.

Aber Celina und René hatten offenbar niemanden, der ihnen gesagt hat, dass sie das besser bleiben lassen sollen. Stattdessen waren sie am Mittwochabend bei RTL II zu sehen. “Wir bekommen dein Baby – Promimütter helfen” heißt die neue Reihe.
Eine Promimutter soll zu dem Paar geschickt werden, das in Schwierigkeiten steckt.
In Folge 1 kam Silvia Wollny. Ihr Promi-Dasein besteht daraus, dass sie auch teil einer RTL-II-Dokureihe ist und elf Kinder hat.

Wenig überraschend hat auch Frau Wollny schnell herausgefunden, dass es besser sei, dass Celina und René raus müssen aus dem Kinderzimmer und dass René mit den Drogen aufhören muss.
Aber den beiden zu helfen, ist schwierig, und ob es ein Fernsehteam schafft, den beiden aus einer grundsätzlich miesen Lage zu helfen, ist auch fraglich.
Immerhin kann man Silvia Wollny noch attestieren, dass sie als elffache Mutter eine Ahnung davon hat, wenn sie der jungen Famlie helfen will.
Demnächst wird Kim Gloss zu einem Fall vorgeschickt. Nun denn.

RTelenovela

Risa Fried Chicken

Samstag, den 17. März 2018
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Meine Lieblings-Fast-Food-Fette ist Kentucky Fried Chicken. Schon allein deshalb, weil Hühnchen in der Regel bekömmlicher ist als das fettige Fleisch bei der Konkurrenz.
Auf dem Hardenbergplatz ist McDonald’s schon vor einiger Zeit quer rüber ins Gebäude des Bahnhofs Zoo gezogen. In die alten Räume ist ein Food-Food-Laden gezogen, der auf den ersten Blick an KFC erinnert – aber nur auf den ersten Blick.

Es gibt dort auch Chicken. Als krosse Hähnchenteile, als Wings, als Burger, dazu Pommes, auch Weißkohlsalat – alles ähnlich oder fast gleich wie bei KFC. Aber der Laden heißt Risa. Und noch etwas ist anders: Das Fleisch ist halal. Das bedeutet, dass das Fleisch geschächtet worden ist – bei der Schlachtung rückstandslos ausgeblutet. Halal heißt so viel wie “erlaubt”, nach islamischem Recht.
Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass in dem Laden augenscheinlich fast nur Türken und Araber sitzen – und es fällt auch auf, dass in der Nacht auf dem Hardenbergplatz ebenso überwiegend südländische Leute sind. Arabische Musik schallt über den Platz. Es fühlt sich seltsam fremd an. Ich will jetzt nicht von Angst reden – aber man beobachtet schon, was da auf dem Platz vor sich geht. Angst wäre trotzdem fehl am Platz, und Angst muss man auch nicht haben.

Ich gehe in den Risa-Laden – zum allerersten Mal. Was da an den Übersichtstafeln steht, überfordert am Anfang, auch konnte ich zunächst mal nicht einschätzen, ob das jetzt eigentlich alles teuer oder auf einem Normalniveau ist.
Ich kaufe ein Menü, bestehend aus sechs Chicken kross (bei KFC den Crispys entsprechend) und einer Dose Sprite. Das Chicken war in Ordnung, ein bisschen zu scharf und zu fettig – kommt aber nicht an KFC ran. Auf den Tischen stehen Flaschen mit Ketchup oder Majo – was auch ungewöhnlich ist, dass angebrochene Flaschen überall rumstehen. Wer weiß, wie lange die da schon stehen und was irgendwer da reingetan haben könnte.

Risa erinnert schon sehr an KFC – nur eben die Halal-Komponente macht den Laden zu etwas Besonderem. Das Gesicht des Hardenbergplatzes hat der laden aber in verschiedenen Hinsichten sehr geändert.

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Tatort: Im toten Winkel

Dienstag, den 13. März 2018
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SO 11.03.2018 | 20.15 Uhr | Das Erste

Sie können sich ihr Leben nicht mehr leisten.
Deshalb wollen sie lieber sterben, als anderen zur Last zu fallen.
Deshalb erstickt er seine Frau.
Deshalb nimmt er Tabletten und will sich ebenfalls umbringen.

11 Millionen Menschen sahen am Sonntagabend den “Tatort: Im toten Winkel” aus Bremen. Für die allermeisten Menschen wird es ein erschütternder Abend gewesen sein.
Lürsen (Sabine Postel) und Stedefreund (Oliver Mommsen) müssen sich mit dem Alter beschäftigen, mit der Pflege für kranke Menschen, mit Pflegediensten, die auf Profite aus sind.
Ein ungewöhnlicher Kriminalfall, und einer, der unter die Haut geht.

Es ist ein Tabu, das die quotenträchtigste Krimireihe Deutschlands da aufgreift, und dafür kann man die Macher nur beglückwünschen. Denn sie nutzen die extrem hohe Reichweite vom “Tatort”, um dieses wichtige, kritische Thema aufzugreifen.
Wir sehen Menschen, die verzweifelt sind. Weil sie sich um ihre Partner oder um ihre Eltern kümmern müssen. Permanent. Und damit kaum klarkommen. Unfassbar überfordert sind. Psychisch und auch finanziell. Die am Kranksein verzweifeln. Die an der Pflege der Kranken verzweifeln. Es geht um die Macht der Pflegedienste, um viel Geld, das da fließt – mitunter in falsche Richtungen.

Wir müssen darüber reden. Vielleicht kann der “Tatort” eine neue Debatte anstoßen. Immerhin konnte er dieses Thema mindestens mal wieder ins Licht rücken. Und es sollte da so schnell auch nicht mehr raus.