RTelenovela

Bitte vor mir!

Dienstag, den 26. Januar 2021
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Im Oranienburger Rewe steuere ich gerade die Kasse an. Ein junger Mann lässt gerade einen Kunden vorbei. “Nach Ihnen!”, sagt er. Ich bin gerade dabei, mich auf meine abstandmäßig richtige Warteposition zu begeben, als der junge Mann dann auch zu mir meint: “Nach dir.” Ich sehe ihn an und bin ein bisschen irritiert. Denn in meinem Einkaufswagen liegen durchaus einige Produkte. Der Typ dagegen hat gerade mal eine Flasche Billig-Cola in der Hand. Ich weise ihn darauf hin, dass es bei ihm doch viel schneller gehen würde, aber das lässt der Typ nicht gelten. Ich soll unbedingt vor ihm an die Kasse. Widerspruch zwecklos.

Der zuerst vorgelassene Mann vor mir braucht dann auch eine Weile, bis er sein Kleingeld zusammengesammelt hat. Bis meine Waren über den Scanner gezogen sind, dauert es auch eine Weile, immerhin 33 Euro. Ich packe noch ein, da zahlt der Typ hinter mir schon seine 70 Cent.

Draußen bin ich gerade dabei, den Wagen zurückzubringen, da wird der Typ von seinem Kumpel empfangen, und der Typ, der zwei Leute vorgelassen hat, meint nur: Kasse war voll.
Ahja. Vielleicht wollte er ihn auch einfach nur in der Kälte warten lassen.

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RTelenovela

15 Kilometer plus x in Zeiten des Coronavirus

Sonntag, den 17. Januar 2021
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Nachdem in Oberhavel am Sonnabend zum ersten Mal der Inzidenzwert von 200 überschritten wurde, gelten auch hierzulande schärfere Regeln. Wobei: Nicht wirklich.

Seit heute darf ich mich meinem Heimat-Landkreis nicht weiter als 15 Kilometer entfernen. Im Gegensatz zu anderen Bundesländern gibt es in Brandenburg die Regel, dass der Landkreis als Entfernungsmarke gilt, nicht der Wohnort. Begründet wird das mit den wenig besiedelten Orten, wo es in 15 Kilometern manchmal gar nichts gibt.
Ob die jetzige Regel aber so viel ändert, bezweifele ich. Ich darf immer noch bis in die Berliner Mitte, bis nach Friedrichshain. Ich darf im Norden bis etwa nach Neustrelitz, das sind nicht ganz 70 Kilometer. Bis zur Kreisgrenze hinter Fürstenberg sind es weit mehr als 50 Kilometer.
Viel mehr ist mein Alltagsbewegungsradius sowieso nicht. Es ändert sich nichts. Und für den Job könnte ich sogar noch weiter fahren, was aber nur selten passiert. Und es gibt weitere Ausnahmen – triftige Gründe.
Wirklich neu ist das Versammlungsverbot.

Ich bin wirklich kein Experte darin, wenn es um Maßnahmen geht, um den Coronavirus einzudämmen. Aber die neue Regel ändert im Grunde nichts.
In der kommenden finden neue Beratungen statt, und dann wird es vermutlich weitere Einschränkungen geben. Eine Ausgangssperre ab 18 Uhr würde wirklich weh tun. Die Wirtschaft runterzufahren, würde sehr weh tun. Allerdings tun steigende Fallzahlen und sich füllende Kliniken nicht weniger weh.

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aRTikel

Unterricht in der Pandemie: ein Kraftakt

Mittwoch, den 13. Januar 2021
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Lehrende der Kremmener Goethe-Grundschule berichten darüber, wie sie derzeit arbeiten

MAZ Oberhavel, 13.1.2021

Kremmen.
Unterricht, so wie wir ihn kennen, ist derzeit hierzulande nicht möglich. Was aber nicht heißt, dass kein Unterricht stattfindet. „Wir versuchen unser Bestes zu geben“, sagt Annette Borchert. Die Leiterin der Kremmener Goethe-Grundschule managt gemeinsam mit ihrem Team den Distanzunterricht. „Alle sind total fleißig, auch wenn es alles sehr anstrengend ist“, sagt sie. Und zeitaufwändig. Das ist eine Erkenntnis aus den Aussagen vieler Lehrenden der Schule.

Eric Haupt kümmert sich in der Schule darum, dass die Cloud funktioniert, über die derzeit in den Klassen vier bis sechs gelernt wird. „Das ist die digitale Lernplattform, auf der Lehrer und Schüler in Kontakt treten“, erzählt der 32-Jährige. Das System sei noch nicht ganz optimiert, „aber ich bin momentan ganz zufrieden.“ Es gebe jedoch immer wieder kleine Probleme. „Es ist das Wunschdenken vieler, dass man mit dem Finger schnippt und alles ist gut.“ Er selbst gibt in der 4. Klasse Englisch. In zwei der drei Wochenstunden werden Aufgaben eingestellt, in der dritten gibt es eine Videostunde. „Die Kinder ziehen erstaunlich gut mit“, sagt Eric Haupt. „Mein Gefühl ist, dass wir auf diese Weise 80 bis 90 Prozent des normalen Unterrichts schaffen.“ Die Aufgaben werden um 7 Uhr freigeschaltet, die Ergebnisse müssen jeden Tag an ihn geschickt werden. „Zeitlich ist das ein großer Mehraufwand“, sagt der Lehrer. Er kommt auf 100 bis 120 Korrekturen. Am Tag. Und um 22 Uhr wird schon mal die letzte Mail verschickt. „Die digitale Vernetzung ist schön, aber auch eine Bürde“, sagt er.

Martina Bertram ist Klassenlehrerin in der 5b. Morgens um 7.30 Uhr beginnt sie, erste Mails zu bearbeiten. Um 8.30 Uhr beginnt die Videokonferenz mit ihrer Klasse. „Da besprechen wir Fragen, Probleme und Aufgaben.“ Danach arbeiten die Kinder weiter, und auch sie selbst arbeitet ihre To-do-Liste ab. „Es kommen aber auch viele Anfragen von den Kindern per Mail, und auch von Kollegen oder der Schulleitung.“ So ziehen sich Aufgaben, die zwei bis drei Stunden dauern würden, viel länger hin. Es komme vor, dass bis Mitternacht gearbeitet werde. Sie wolle für alle da sein, mit ihrem privaten Handy telefoniert sie mit den Kindern und den Eltern.
„Wenn ich die Kinder morgens in der Videokonferenz sehe, dann merke ich, wie sie mich anstrahlen. Sie brauchen die menschlichen Gesichter, Nähe und Austausch. Den Kindern fehlt was.“ Und sie selbst? „Das macht was mit einem“, sagt Martina Bertram. Auch am Sonnabend und Sonntag werde schon mal neun Stunden durchgearbeitet. Neulich nahm sie sich die Zeit, um 16 Uhr mal eine Stunde spazieren zu gehen. „Das hat sich wie Schwänzen angefühlt, obwohl um die Zeit der Arbeitstag eigentlich vorbei ist.“ Insbesondere vom Bildungsministerium wünscht sie sich mehr Rücksicht – Theorie und Praxis würden da oft nicht übereinstimmen. „Ich glaube, dass man uns mehr vertrauen sollte.“

Katharina Förste unterrichtet die ganz Kleinen – und das geht nicht über die Cloud. Stattdessen schickt sie täglich eine Mail mit Aufgaben. Die Eltern schicken ihr dann die Ergebnisse. Ziel sei es dennoch, jeden Tag einmal mit den Kindern zu kommunizieren. „Ich ziehe den Hut vor den Eltern“, sagt Katharina Förste. In den unteren Klassenstufen seien die noch viel mehr gefragt als bei den älteren Grundschülern, die zur Not auch schon alleine den Distanzunterricht bestreiten können. Für die Buchstabenkunde und die Zahlen eins bis 20 in Mathematik bekommen die Erstklässler-Kinder zur Unterstützung Videos geschickt. „Eltern und Kinder geben ihr Bestes“, sagt die Lehrerin.

Kristin Goliasch unterrichtet die Kinder vor allem im Videostream, zum Beispiel im Mathematik-Unterricht in der 6. Klasse. „Im März habe ich dafür noch Videos aufgenommen“, erzählt sie. „Aber das war sehr zeitintensiv. Mit dem Stream erreiche ich jetzt auch alle Schüler.“ Sie selbst ist für diese Live-Übertragungen in der Schule. „Hier habe ich das Smartboard, kann thematisch hin- und herspringen, kann auch Experimente zeigen.“ Das sei tatsächlich ähnlich wie im Unterricht. Sie selbst ist als einzige zu sehen, die Schüler schalten sich per Ton nur dazu, wenn sie eine Frage stellen wollen. Vorteil bei Aufgaben: „Sonst kann ich im Unterricht nur einen drannehmen, hier können sie im Chat alle die Lösungen reinschreiben.“ Insgesamt laufe es besser als beim ersten Lockdown im Frühjahr. Aber auch sie überlegt, „wo ich zurückschrauben kann“, sagt sie. Das Arbeitspensum sei enorm.

Melanie Kunert kümmert sich um die Kinder in der Notbetreuung vor Ort. „Die arbeiten genauso wie die Kinder zu Hause“, sagt sie. Die Kinder ab Klasse 4 rufen auch in der Betreuung die Schulcloud auf. Es seien Kinder, deren systemrelevante Eltern nicht zu Hause sein können, aber auch die, von denen es eventuell zu wenige Rückmeldungen gegeben habe. Kein Kind soll zurückbleiben. Aber auch Melanie Kunert muss sich zusätzlich zur Notbetreuung um Unterrichtsvorbereitungen und Aufgabenkontrollen kümmern. Hinzu komme: „Die Cloud arbeitet oft nicht gut.“ Oft sitze sie am Nachmittag davor und warte einfach nur.

„Es ist nicht einfach, eine Schule zu leiten, in denen die Lehrkräfte nicht alle vor Ort sind“, sagt Rektorin Annette Borchert. „Absprachen, Beratungen, Problembearbeitungen und Lösungsfindungen können nicht wie gewohnt stattfinden, einmal wöchentlich finden wir uns zur Videokonferenz zusammen.“ Sie ist auch dankbar, dass viele Horterzieher in der aktuellen Situation helfen. Klar ist: Die schulische Situation ist für alle Beteiligten riesengroßer Kraftakt.

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RTZapper

Tagesschau: Trump-Anhänger dringen ins Capitol ein

Samstag, den 9. Januar 2021
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MI 06.01.2021 | 20.57 Uhr | tagesschau24

Wenn man in einer Blase lebt, in der man nichts anderes erfährt als alternative Fakten, dann hält man die vermutlich sehr schnell für die einzig wahre Wahrheit.
Was dann irgendwann passiert, ist am Mittwochabend deutscher Zeit sichtbar geworden.
Im US-Capitol in Washington ging es darum, die Wahl von Präsident Joe Biden endgültig abzuschließen – ein formaler Akt. Eigentlich.
Zuvor jedoch hatte Noch-Präsident Donald Trump die Meute aufgehetzt, erneut den Wahlsieg Bidens angezweifelt, er sprach von Wahlbetrug, und seine Anhänger sollten nun zum Capitol gehen.
Dort drangen sie bald durch die Sperren und gewaltsam ins Capitol ein. Die Sitzung musste abgebrochen werden, Waffen wurden auf den Eingang des Sitzungssaals gerichtet.
Rundum schockierend.

Und draußen schrie der Mob Reporter an, blökten ihre “Fakenews”-Tiraden und begannen schließlich, TV-Technik zu zerstören und Technikteile zu stehlen.
Ein Anschlag auf die Demokratie, ein Anschlag auf die Pressefreiheit. Das ist Terror von innen.
Und alles live. Live in aller Welt.

Die Ereignisse vom Mittwoch zeigen, wie weit es gehen kann, wenn ein Herrscher sein Volk aufhetzt, es bewusst spaltet – und irgendwie den Eindruck macht, als säße er in einer TV-Show und müsse das fiese Spiel bis zum bitteren Ende weiterspielen.

Die Tagesschau berichtete über die Ereignisse ab etwa 20.57 Uhr auf tagesschau24. Als erster deutscher Sender reagierte phoenix gegen 20.40 Uhr, also etwa zehn Minuten nach dem “Showdown”, wo aber im Netz sowieso schon ein Livestream aus dem US-Capitol lief.
Und dennoch gibt es mal wieder Vorwürfe an die Öffentlich-Rechtlichen. Das Erste reagierte erst gegen 21.47 Uhr mit einer Extra-Ausgabe der Tagesthemen. Das ZDF wartete bis um 21.45 Uhr das reguläre heute-journal begann.
Dafür ist später im Ersten der laufende Film abgebrochen worden, und die Tagesthemen begannen schon früher, um 23 Uhr und dauerten statt 20 fast 65 Minuten. Im ZDF gab es gegen 23.05 Uhr ein zusätzliches heute-journal. Auf phoenix gab es bis Mitternacht eine durchlaufende Berichterstattung, ebenso auf tagesschau24.

Dass unbedingt immer ARD und ZDF ihre Hauptprogramme abbrechen müssen, ist eine Forderung, die nicht neu ist. Das hat sicherlich auch mit einem gesteigerten Info-Bedürfnis zu tun. Dabei handelt es sich da nicht im Nachrichtensender, dafür gibt es die Sparten mit phoenix und tagesschau24, für die Hauptprogramme gelten sicherlich andere Maßstäbe, die gelten, um das Programm zu unterbrechen.
Aber: Die ARD schafft es nach wie vor nicht, zu seinen Angeboten zu stehen, darauf hinzuweisen. Zwar gab es während des Films “Für immer Sommer 90” Breaking-News-Einblendungen, aber auch nur mit dem Hinweis auf die Sondersendung im Anschluss. Dass tagesschau24 und phoenix live sendeten – kein Hinweis darauf. Warum nicht? Warum kann die ARD nicht auf ihre eigenen Angebote hinweisen? Aus Angst, die Leute würden vom Film wegschalten? Das Risiko muss eingegangen werden.

Aber auch tagesschau24 muss dringend gestärkt werden. Am Abend hapert es ganz stark am Programm. Über längere Zeit wurde nach der Extra-Tagesschau um 20.57 Uhr ein unkommentiertes Live-Bild gezeigt, später schaltete sich ein Social-Media-Redakteur ins Bild – offenbar aus dem Homeoffice. Das ist der ARD und ARD-aktuell nicht würdig! Das Studio ist da, also sollte es auch genutzt werden. Das Tagesschau- und Tagesthemen-Team, das ja fürs Erste sowieso da ist – wieso kann das nicht sofort auf tagesschau24 auf Sendung gehen?
Seitens der ARD heißt es, man wolle tagesschau24 demnächst auch nach 20 Uhr stärken – was immer das heißt.

-> Die Berichterstattung von tagesschau24 auf Youtube

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RTZapper

Train your Baby like a Dog – Die Hund-Kind-Methode

Dienstag, den 5. Januar 2021
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SO 03.01.2021 | 19.05 Uhr | RTL

Ein Kind trainieren wie einen Hund? Das klingt einigermaßen absurd, und deshalb sorgte dieser Sendungstitel, “Train your Baby like a Dog” schon im Vorfeld für einen – was auch sonst? – Shitstorm.
RTL wird das gefallen haben. Denn noch bevor das Ganze am Sonntagabend auf Sendung ging, ist darüber ausführlich gesprochen worden. Mütter regten sich auf. Erziehungsexpertinnen regten sich auf. Und Katia Saalfrank regte sich auf – was dann doch einigermaßen amüsant ist, weil ihre Kindererziehung damals bei RTL ja auch nicht gerade, nun ja, unumstritten war.
Quotenmäßig hat sich der Wirbel es sich am Ende übrigens dennoch nicht ausgezahlt.

Pia ist 2, und sie will nicht ins Bett. Das Mädchen schreit, und ihre Eltern lassen sie schreien, weil sie den Tipp bekommen haben, sie einfach schreien zu lassen. Vorher haben sie schon alles andere ausprobiert.
Wie nun der Kontakt zu RTL entstanden ist, wissen wir nicht. Als es hieß, jetzt komme eine Hundetrainerin zu ihnen, da haben sie wohl gezögert, so haben wir am Sonntag erfahren.

Hundetrainerin Aurea Verebes sagt, das Verhalten des Kindes sei ähnlich dem eines Hundes, das Angst vor der Hundebox habe. Zum Einsatz kommt auch ein Klicker – wie es tatsächlich zur Hundeerziehung genutzt wird. Um das Klicken mit einer positiven Assoziation zu belegen.
Das scheint beim Kind tatsächlich zu funktionieren. Wobei natürlich die Frage ist, wie lange das mit dem Klicker so funktionieren soll – bis zur Kitazeit? Bekommt das Kitapersonal dann auch einen Klicker?

Ansonsten war diese Doku aber viel Wirbel um wenig. Es ging vor allem darum vermeintlich negative Dinge positiv zu besetzen, um sie dem Kind irgendwie schmackhaft zu machen. Also eine Sache der Erziehung, die nicht mal was besonders Neues ist. Dass sich Kinder- und Hundeerziehung da überschneiden sollte nicht überraschen – auch weil ja viele Hundebesitzer ihre Tiere wie Kinder behandeln.

Und was einmal mehr auffällt und angesichts der Diskussionen um die ach so skandalöse Art der Erziehung in den Hintergrund zu treten scheint: Es gibt offenbar immer noch Eltern, die ihre Kleinkinder vor die Kamera zerren. Die zur Schau stellen, wie schlimm das Kind ist und es zulassen, wie das Kind vor einem Millionenpublikum ausrasten und vermeintlich unmöglich sei. Sie lassen zu, dass sich eben jene Kinder vielleicht in ein paar Jahren selbst sehen und sich in Grund und Boden schämen – und vielleicht Mama und Papa fragen werden, wieso sie zugelassen haben, sich so vorführen haben zu lassen.

-> Die Sendung bei TV Now

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RTelenovela

Weihnachten 2020 in Zeiten des Coronavirus

Samstag, den 26. Dezember 2020
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Was Weihnachten 2020 in Brandenburg erlaubt ist: In jeden Haushalt dürfen vier Gäste eingeladen werden, wenn die Gesamtzahl nicht mehr als zehn ist, ausgenommen Kinder unter 14.

Zugegeben, da unsere Familie (leider) nicht (mehr) sehr groß ist, verläuft unser Weihnachtsfest 2020 größtenteils relativ normal. Wir sind zu fünft. Und in den Singlehaushalt kamen Heiligabend vier Gäste. Das passte also. Zudem war auch klar, dass meine Mutter Weihnachten nicht alleine feiern wollte – trotz Risikogruppe.
Immer wieder und überall wurde davor gewarnt, dass man zu Weihnachten zusammenkomme. Selbst wenn die Regeln es erlauben, solle man doch überlegen, ob… Und auch in vielen Foren schien es fast ein Sakrileg zu sein, wenn es hieß, man werde sich trotzdem mit den Eltern treffen. Immer wieder musste man sich anhören, dass es das letzte Weihnachtsfest sein könnte. Mal abgesehen davon, dass es immer das letzte Mal sein könnte, aber grundsätzlich sollte man den Menschen immer auch ein Stück Eigenverantwortung überlassen. Gedanken macht man sich so oder so schon. Da ist der zusätzlich Druck von außen auch nicht mehr sehr hilfreich.
Aber so verlief Heiligabend – abgesehen von zusätzlichen Lüftungen – eigentlich wie immer.

Am ersten Weihnachtstag sind wir normalerweise unterwegs. In Berlin erleben wir dann ein Theaterstück, wir gehen ins Konzert oder in den Weihnachtszirkus. Das gibt es alles 2020 nicht. Und auch der Restaurantbesuch war nicht möglich.
So war dieser Tag wesentlich stiller als sonst. Wir waren nicht zu viert, sondern nur zu zweit. Wir blieben zu Hause, und es gab “nur” die Reste vom Vortag. Immer noch lecker. Und dann schauten wir in der ARD-Mediathek schon mal den Biografiefilm “Louis van Beethoven”. War auch mal schön. Aber 2021 steht dann hoffentlich wieder ein Ausflug auf dem Programm.

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Die aktuelle Christvesperkritik 2020: In Zeiten des Coronavirus

Donnerstag, den 24. Dezember 2020
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2019 -> 25.12.2019

Alles anders. Wir sitzen in der Kirche, und es ist auffallend leer. Die Orgel spielt nicht, wir dürfen auch nicht singen. Und wir haben Masken auf.

Viele Gottesdienste am Heiligabend sind auch in unserer Region abgesagt worden. Zu eng, zu gefährlich, man wolle kein Risiko eingehen, hieß es.
In Oranienburg und Schmachtenhagen – und anderen Orten – sind Open-Air-Gottesdienste angekündigt worden. Und wir haben uns auch entschlossen, nach Schmachtenhagen zu fahren. Dort sollte er ursprünglich auf dem Dorfplatz stattfinden, später hieß es, man feiere im Kirchhof.
Am Ende kamen allerdings auch nur etwa 25 Menschen. Sonst kommen immer um die 150, und die Kirche ist voll. Im Kirchhof hätte sich das sicherlich gut verteilt. Nun aber waren es so wenig, dass der Pfarrer spontan entschied, doch in die Kirche zu gehen – mit der Anzahl an Leuten sei genug Platz, sich zu verteilen.

Und so war es dann auch. Alle saßen mit Abstand und Masken in der Kirche, und Pfarrer Friedemann Humburg stand vorn. Er las aus der Bibel vor, auch die Weihnachtsgeschichte. Wir durften nicht singen, aber die wichtigsten Lieder sang der Pfarrer selbst.
So war so rührend wie traurig. Da saßen also die wenigen Leute, die Stimmung war natürlich auch nicht ganz so festlich. Es ist schon was anderes, wenn alle eng an eng sitzen, wenn die Orgel spielt, wenn wir alle singen.
Als der Pfarrer dann am Ende “Stille Nacht” sang, wurden meine Augen ein wenig feucht.

Zuvor erzählte er in seiner Predigt davon, dass ein Politiker kürzlich davon gesprochen hatte, wir würden jetzt das härtesten Weihnachten der Nachkriegszeit erleben. “Das ist nicht das Ende”, sagte der Pfarrer dazu, und er machte Mut, dass die Hoffnung da sei, dass wieder bessere Zeiten kommen – und dass wir es trotz allem immer noch gut haben würden. Dass sie meisten eine warme Wohnung haben, zu essen – und es die meisten sehr gut gehe, trotz aller Einschränkungen. Dass sich Leute mit Anne Frank vergleichen würden, weil sie ihren Geburtstage nicht wie sonst feiern könnten, sei da ein falscher Vergleich.
Es war eine tolle, Mut machende Predigt – danke dafür!

Die Glocken zum Ende des Gottesdienstes läuteten schon eine halbe Stunde früher als sonst. Ich hoffe, 2021 wird es wieder normal sein.

-> Die Predigt in der Online-Version auf Youtube.

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