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7 Tage … unter Männern

Sonntag, den 9. Dezember 2018
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MI 05.12.2018 | 23.50 Uhr | NDR

Was macht ein Mann zum Mann? Was macht ihn männlich?
Ein Reporter des NDR wollte das wissen. Am Mittwochabend lief seine Doku “7 Tage … unter Männern” im Spätprogramm des NDR.

In Zeiten der #metoo-Debatte muss man sich offenbar auch wieder fragen, was denn eigentlich noch männlich ist. Für einige Männer ist das eine so wichtige und nicht lösbare Frage, dass sie zu einem Männertraining gehen müssen. Dort ging es dann um Brüderlichkeit. Man sei ein Mann, wenn man… also… So ganz verstanden habe ich jedenfalls nicht, warum es besonders männlich ist, wenn man mit einem anderen Mann unter die Dusche geht und sich gegenseitig einseift. Ist ja eigentlich eher eine schwul-erotische Fantasie. Beim Männertraining natürlich nicht, da ist das… nun ja, normal vielleicht nicht, aber da wird das so gemacht. Auch eine feste Umarmung gehöre dazu, und am Ende gab es bei Minusgraden einen Männerkampf nur in Unterhosen. Sanft sein und hart sein.
Na, wenn da mal keine verstecke Kamera im Hintergrund lief, und es sich in Wirklichkeit was ganz anderes handelte.

Im Kern ging es in dieser Doku aber darum, dass auch Kerle einen weichen Kern haben. Der Reporter traf sich auch mit einem Schulfreund, der gerade Vater geworden ist und ganz sanft zu seinem Baby war. Und mit seinem Vater, mit dem er über Männer und Frauen sprach.

So anstrengend es ist, wenn Männer einfach nur blöde Machos sind, so anstrengend ist es auch, wenn Männer unbedingt ganz anders sein wollen.

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Wir müssen reden – Der phoenix-Bürgerabend

Freitag, den 7. Dezember 2018
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MI 05.12.2018 | 21.45 Uhr | phoenix

In der Regel erinnern sich die Fernsehsender immer nur vor großen Wahlen daran, dass man ja mal Diskussionssendungen veranstalten könnte, in denen Otto-Normal-Bürger eventuell mit Politikern ins Gespräch kommen können. Inzwischen gibt es solche Formate hin und wieder auch mittendrin in den Dritten Programmen. Am Mittwochabend hatte der Bürgerabend unter dem Motto “Wir müssen reden” bei phoenix Premiere.

In Leipzig trafen etwa 60 Zuschauer auf eine Handvoll Entscheider. Ein sächsischer CDU-Mann war da. Gesine Schwan, die ja inzwischen so was wir eine Ost-Versteherin ist, und ein Redakteur einer Zeitung.
Und weil ja zwar drei Themenblöcke geplant waren, aber ansonsten alles dem Zufall überlassen wurde, nahm die 75-minütige Sendung einen eher unberechenbaren Ablauf.

phoenix ging damit raus aus der Komfortzone. Stattdessen: Hin zu den Leuten und ihnen zuhören. Die Kamera folgte den beiden Moderatoren, und keiner wusste, was nun kommt.

Da war zum Beispiel der junge Mann, der sagte, dass wir uns um die Bildung kümmern müssten, und dass wir deshalb keine Kapazitäten für (weitere) Asylbewerber oder Migranten hätten. Gesine Schwan sprach dagegen, sie sagte, man müsse auch mit diesen Leuten für die Zukunft investieren.
Die beiden wurden kurzerhand in die Mitte geholt, sie standen sich nun direkt gegenüber und tauschten Argumente aus. Sie kamen nicht zwingend auf einen Nenner, dennoch gaben sie sich am Ende die Hand. Eine wichtige und gute Geste: im Gespräch bleiben, auch wenn man nicht einer Meinung ist.

Interessant ist die Debatte darüber, dass der Osten immer noch hinterhinke, dass die Einheit auch nach 29 Jahren nicht komplett erreicht sei. Man müsse ordentlich Geld in den Osten pumpen, meinte ein Mann.
Dabei ist es ja inzwischen auch der Westen, der leidet. Auch im Westen sind marode Straßen und Betriebe, das wird im Osten gern ausgeblendet, dass in Sachen Wirtschaft und Armut das Ost-West-Gefälle nicht mehr zwingend da ist, sondern sich verlagert hat.

“Wir müssen reden” sollte bei phoenix in Serie gehen. Dem Volk aufs Maul zu schauen, kann jedenfalls niemals schaden!

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zdf@bauhaus: Feine Sahne Fischfilet

Donnerstag, den 6. Dezember 2018
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SA 01.12.2018 | 23.30 Uhr | 3sat

Feine Sahne Fischfilet.
Mich nervt diese Band inzwischen. Die Sache ist nur: Die Band selbst kann gar nichts dafür.

Die Diskussionen um den Auftritt der Band im Dessauer Bauhaus war groß. Weil man beim Bauhaus Schiss hatte, dass die Rechten ihnen die Bude einrennen, wenn Feine Sahne Fischfilet bei ihnen auftritt, sagte man den Gig ab. Die Rechten bezeichnen die Band als linksradikal, weil sie mal vom Verfassungsschutz beobachtet werden ist. Da sich die Beobachtung aber längst erledigt hat, kann ja wenig dran gewesen sein, dass da irgendwas Linksradikales ist.
Aber die rechten Meinungsmacher haben es geschafft, dass die Diskussion um die Band den Mainstream erreicht hat.
So wird inzwischen jeder Pups zu Feine Sahne Fischfilet in den Medien geteilt. Überall Feine Sahne Fischfilet. Muss nicht sein, bringt aber offenbar Klicks im Internet. Auch Hass bringt Klicks.

Die rechte Diskussion hat in Dessau Eindruck hinterlassen. Das ZDF ließ dort, im Bauhaus, bereits viele Folgen der Musikreihe “zdf@bauhaus” drehen – nun musste sich das Team eine neue Location suchen, weil die Bauhaus-Leute tatsächlich kalte Füße bekommen haben – und am Ende kam nur noch ein R dazu. Das Konzert fand im Brauhaus in Dessau statt.
Am Sonnabend ist das Konzert auf 3sat gezeigt worden, und erstaunlicherweise ist es sehr ruhig geblieben, obwohl die Ausstrahlung im Grunde ja ein wenig der Showdown nach der Konzertaufzeichnung war.

Das Erstaunlichliche an der Diskussion um Feine Sahne Fischfilet ist letztlich vor allem, wie sehr es den Rechten gelungen ist, den Diskurs zu bestimmen. Wie sieht es eigentlich mit Diskussionen um Rechtsrockbands aus? Werden die eigentlich noch geführt?

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No more Boys and Girls

Samstag, den 24. November 2018
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DO 22.11.2018 | 20.15 Uhr | zdf neo

Jungs tragen blaue Klamotten. Mädchen eher rote und rosa Shirts oder Kleidchen.
Mädchen dürfen weinen. Jungs nicht. Jungs müssen stark sein.
Wer ein Flugzeug fliegt, ist ein Mann. Wer Ballett tanzt, ist eine Frau.
Mädchen beschäftigen sich gern mit Pferden. Jungs mit Fußball.

Klischees? Ja! Aber Klischees, die in uns alle drin sind. Sogar und vor allem in Kindern.
Das hat am Donnerstagabend die interessante Doku “No more Boys and Girls” auf zdf neo gezeigt. Collien Ulmen-Fernandes war in einer Kölner Schulklasse, um die Kindern der 3. Klasse zu testen. Das auf sehr lockere Weise, aber was dabei herauskam, war erstaunlich.

Denn auch Kinder in der 3. Klasse haben schon ziemlich feste Rollenbilder. Mama kocht, Papa baut. Und irgendwelchen Mädchenkram machen, das wollen Jungs nur ungern. Die Mädchen wiederum wollen sich eher ungern in den Vordergrund spielen und stapeln gern tief.
Ein wichtiger Aspekt dabei: Es ist nicht falsch, was die Jungs und Mädchen machen oder denken. Es ist aber wichtig, ihnen zu zeigen, dass es auch anders geht, wenn man es denn zulässt. Und siehe da: Wenn man den Kindern zeigt, dass es auch eine Pilotin gibt und einen Balletttänzer, dann staunen die Kinder und sehen: Das geht auch, und plötzlich haben sie neue Vorbilder.

Man sieht aber auch, wie sehr wir Erwachsenen die Kinder prägen. Bei einem Test ging es darum, welche Klamotten Eltern ihren Kindern kaufen würden. Rosa Shirt für einen Jungen? Dunkler Pullover für ein Mädchen? Geht ja gar nicht! Und man fragt sich auch selbst, was man davon halten soll: Vielleicht ist es auch einfach so, dass rosa bei Jungs komisch aussieht.

Letztlich geht es immer darum, Dinge offen zu halten, Eindimensionale Klischees wegzulassen oder klein zu halten, aber vor allem darum, zu zeigen, was geht und was es noch alles gibt. Und die Kinder sich ein Urteil bilden zu lassen, ob das in Ordnung geht.

Schade ist, dass es zdf neo nicht gelungen ist, die Zuschauer neugierig auf die Doku zu machen. Was allerdings auch an dem sehr sperrigen Titel “No more Boys and Girls” liegt. Das wirkte, als ob der Sender eine US-Serie oder einen Film im Programm hat. Dieses Experiment hätte mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt – nur etwa 200.000 Leute sahen zu.

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Dietrich Faber: Hessen zuerst! Hexit jetzt

Sonntag, den 11. November 2018
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Hessen zuerst! So heißt eine neue Partei, in der sich Protestler sammeln, um gegen Flüchtlingsheime und Ausländer zu protestieren.
Ex-Kommissar Henning Bröhmann erfährt von dieser Partei, als er mit Freunden und Bekannten im Vogelsberg wandern ist. Rüdi ist Hennings Vermieter, und ausgerechnet der engagiert sich in der Partei, die zur Wahl antritt und mit 20 Prozent in den hessischen Landtag einziehen könnte.
Es werden nicht nur Plakate aufgehangen, auch im Flüchtlingsheim im Ort fließt bald Blut. “Hessen zuerst!” nutzt das für sich aus, die Forderung, angeblich kriminelle Ausländer auszuweisen, wird immer lauter. Henning bekommt es plötzlich auch mit Gewalttätern zu tun, und dass Rüdi dahinter steckt, macht die Sache noch schlimmer.

Dietrich Faber gilt in Hessen als Krimistar, und tatsächlich ist “Hessen zuerst! Hexit jetzt” der fünfte Roman mit Henning Bröhmann.
Faber schildert sich eine manchmal merkwürdig lustige und ernte Art, wie die Stimmung in Deutschland ist. Denn die Story um die Protestpartei ist zwar ausgedacht, aber natürlich gibt es große Parallelen zur tatsächlich bestehenden Faktenlage im Land.
Insbesondere die ersten Kapitel – die Wanderung im Vogelsberg – wirken außerhalb Hessens ziemlich albern. Die machen leider wenig Lust auf das restliche Buch, kommen bei Lesungen in Hessen selbst aber vermutlich gut an. Die Wanderungsbeschreibung ist übertrieben im Detail beschrieben, die Mundart hat einen hohen Nervfaktor. Die Ernsthaftigkeit der Geschichte bildet sich erst später heraus. Da kommt dann stellenweise auch ein wenig Spannung auf. Zumal die Story eine interessante Wendung hat.

Dietrich Faber: Hessen zuerst! Hexit jetzt
Rowohlt Polaris, 268 Seiten
5/10

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Bundestag live: Gedenkstunde zum 9. November

Sonntag, den 11. November 2018
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FR 09.11.2018 | 9.00 Uhr | Parlamentsfernsehen

Patriotismus. Den gibt es. Den muss es geben. Und der ist sogar gut.

Der 9. November ist für Deutschland ein Schicksalstag. Im Guten und im Schlechten. 1918 rief Philipp Scheidemann die Weimarer Republik aus. 1938 starteten die Nazis in Deutschland endgültig die Jagd auf die Juden – mit der Reichspogromnacht. 1989 der Mauerfall in Berlin.
Es ist ein Tag wie kein anderer, der für unsere Demokratie im Land steht. In Momenten, in denen sie verteidigt und mit Füßen getreten worden ist.

Der Bundestag lud am Freitagvormittag zu einer Gedenkstunde – u.a. das Parlamentsfernsehen übertrug live. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hielt dort eine hervorragende Rede, die sich genau darum drehte – um unsere Demokratie und den Gefahren, die sie ausgesetzt ist.
Wer heute glaube, die Demokratie sei mittlerweile eine Selbstverständlichkeit und der Bundestag ein “Alltagsgegenstand, ganz wie ein altes Möbelstück”, der solle auf das Jahr 1918 blicken, so Steinmeier in seiner etwas mehr als 30-minütigen Rede. Das Parlament sei keine Selbstverständlichkeit und erst recht keine Nebensache. Es sei eine historische Errungenschaft. Das heißt: “Für diese Errungenschaft, für dieses Erbe müssen wir streiten.”

Und da sind wir auch wieder beim Patriotismus, den die Rechtsextremen gern für sich beanspruchen und den sie allen anderen abstreiten. Steinmeier warb für einen demokratischen Patriotismus, für einen aufgeklärten Patriotismus. Der sei kein wohliges Ruhekissen, sondern ein beständiger Ansporn. Nationalisten würden die Vergangenheit vergolden und eine heile Welt beschwören, die es so nicht gegeben habe. Wo die Sprache des Hasses greifen, müssten wir eingreifen. Wir sollen nicht zulassen dürfen, dass einige wenige für sich beanspruchen, alleine für das wahre Volk zu sprechen.

Eine große Rede, die auch zeigt, warum es so wichtig ist, an diesem 9. November nicht nur den Mauerfall zu feiern, sondern auch den anderen Ereignissen zu gedenken. Sie gehören zur deutschen Geschichte.

-> Die Gedenkstunde im Bundestag mit der Steinmeier-Rede (ab 26:20) im Parlamentsfernsehen auf YouTube.

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dunja hayali: Oliver Polak und der Antisemitismus des Jan B.

Freitag, den 9. November 2018
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MI 07.11.2018 | 23.25 Uhr | ZDF

Der Comedian Oliver Polak war am Mittwochabend zu Gast in der ZDF-Talkshow “dunja hayali”, in der es um Antisemitismus und Rassismus ging. Polak hat gerade ein Buch herausgebracht, in dem er erzählt, wie er als Jude Antisemitismus ausgesetzt ist.
Ein Fall handelt von einem Comedyabend. Nach einem Auftritt von Polak habe sich ein bekannter deutscher Fernsehmoderator auf der Bühne die Hände desinfiziert und gesagt, das Händegeben mit Polak sei eklig gewesen. Und ob das ansteckend sei. Später wurde bekannt: Es geht um Jan Böhmermann. Der äußerte sich schon in seiner Sendung “Fest & flauschig” und wies die Vorwürfe zurück, weil es sich um einen geplanten, inhaltlich vorher besprochenen Auftritt gehandelt habe. Serdar Somuncu, um dessen Abend es da ging, bestätigte das.

Und was sagt Oliver Polak? Der legte am Mittwoch im ZDF einen erschreckenden Auftritt hin. Das sei nicht sein Thema, sagte er. Wenn behauptet würde, das sei besprochen gewesen, dann könne das ja später jeder sagen. Aber ansonsten gebe es ja noch viele andere Geschichten in seinem Buch.
Oliver Polak hatte in diesem Talk schlicht keine Argumente. Er redete sich raus, und das macht wütend. Völlig unklar ist, ob er die – wie er sagt – mit Absicht ohne Namen erzählte Story nur für irgendwas stehen sollte oder ob er genau diesen Abend so erlebt haben will – was jedoch nicht glaubwürdig ist.
Unglaubwürdig deshalb, weil Oliver Polak ein Comedian ist, der mit genau diesen Dingen spielt, die an diesem Abend mit Böhmermann geschehen sind. Polak macht Witze über Minderheiten, auch Eigengags über Juden. Aber das sei ja Standup-Comedy, sagt Polak. Und der Auftritt bei Somuncu war keine Standup-Comedy?

Antisemitismus gibt es, und man muss darüber reden. Man muss den Finger in jede Wunde legen. Aber mit dieser Story tut Oliver Polak sich und allen Beteiligten keinen Gefallen.
Klar kann man auch darüber reden, wie weit Comedy gehen darf. Aber nicht, wenn er an einem Akt beteiligt war, der mit ihm besprochen worden ist. Und auch nicht, wenn er selbst auch kräftig austeilt. Übrigens so sehr austeilt, dass ein anderer jüdischgläubiger Gesprächsgast sagte, dass er in einer Polak-Show war und er nach der Hälfte gehen musste, weil er es nicht ausgehalten hatte.

Es wäre schön, wenn sich Polak, Böhmermann und Somuncu mal gemeinsam einem Interview stellen würden. Klartext und Diskussion sind wichtig.

-> “dunja hayali” in der ZDF-Mediathek (bis 8.11.2019)