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Live: 1 IX 1939 – Wieluń Pamiętamy

Dienstag, den 3. September 2019
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SA 31.08.2019 | 4.30 Uhr (So.) | TVP

Mit der kleinen Stadt Wielun werden die allermeisten Deutschen vermutlich nichts anfangen können. Dabei handelt es sich dabei um einen sehr bedeutsamen Ort.
In Wielun in Polen begann am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg. Wielun war der erste Ort, der von den Deutschen angegriffen worden ist.
Am 80. Jahrestag ist dem Kriegsbeginn in Wielun mit einem Festakt gedacht worden. Morgens um 4.30 Uhr. Denn wenige Minuten danach begann 1939 der Angriff auf die Stadt. Im Morgengrauen saßen die Gäste des Akts auf dem Marktplatz, als alle Lichter ausgingen und die Sirenen heulten. Durchaus beeindruckend.
Zu Gast war auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der in seiner Rede um Vergebung bat für das, was Deutschland Polen damals angetan hat.

Du hast das gar nicht mitbekommen? Das wundert mich gar nicht. Die Live-Übertragung des polnischen Senders TVP in der Nacht zu Sonntag war hierzulande als Livestream auf einem kleinen Youtube-Kanal zu sehen. Die großen Sender in Deutschland zeigten da noch ihr Wiederholungsnachtprogramm.
Wie überhaupt dieser wichtige Gedenktag vollkommen überschattet war von den Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen. Zwar übertrug phoenix am Mittag aus Warschau die offizielle Gedenkfeier zum Kriegsbeginn-Jahrestag – wirklich Beachtung fand das in Deutschland aber nicht.
Zwar gab es in den Nachrichten Hintergründe und Ausschnitte, aber spätestens nach 18 Uhr war das Thema durch.

Dass diese Wahlen auf den 1. September gelegt worden sind, ist instinktlos gewesen. Dieser 1. September 2019 als Gedenktag hätte gerade in unseren unruhigen Zeiten viel mehr Beachtung finden müssen. Er spielte in Deutschland kaum eine Rolle. Spätestens am Abend redeten alle nur noch über die Wahlen. Die hätten gut und gerne auch noch eine Woche später stattfinden müssen.

Die Live-Übertragung aus Wielun haben in Deutschland sicherlich nur eine Handvoll Leute gesehen. Die “Wieluń Pamiętamy” – die Erinnerung – hätte mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt.

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WDR-Sondersendung: Mondlandung live

Sonntag, den 21. Juli 2019
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SA 20.07.2019 | 2.38 Uhr (So.) | ARD-alpha

3.56 Uhr deutscher Zeit. Es ist der 21. Juli 1969. Die Welt schaut auf verwaschene Schwarz-Weiß-Bilder, aber es sind die Bilder, auf die die ganze Welt gewartet hat: die vom ersten Menschen auf dem Mond.
Damals sind die Kinder geweckt worden, alle standen sie mitten in der Nacht auf, um die Fernsehübertragung zu verfolgen. Stundenlang ist über das Ereignis damals berichtet worden. Nach einer Pause mit einem Film stieg der WDR für das Deutsche Fernsehen wieder um 2.38 Uhr in die Live-Berichterstattung ein.

Man sieht ewig nur ein feststehendes Bild aus Houston, dazu Gemurmel aus dem Sprechfunk, der von den Herren im Kölner Studio übersetzt wird. Und dann der Fuß von Neil Armstrong.

In der Nacht zum Sonntag wiederholte ARD-alpha die Original-Übertragung von vor 50 Jahren. Und zwar genau zu der Zeit, als sie 1969 live über die Bildschirme liefen. Auch 2019 waren es wieder um 3.56 Uhr so weit.
Und noch heute ist es spannend zu sehen, wie das damals vor sich ging. Die Spannung von damals ist auch 2019 noch greifbar. Was muss das damals für eine Stimmung gewesen sein, als sie alle gespannt die ersten Mondbilder sahen, was für eine Euphorie und Faszination muss geherrscht haben.

Dass das schon wieder 50 Jahre her ist, ist das eigentlich Unglaubliche daran. Dass seit 1971 keiner mehr auf dem Mond war, um eventuell weitere Missionen zu starten, ist aus heutiger Sicht erstaunlich.
Aber es wird daran gearbeitet, und ich bin mir sicher, auch in unserer heutigen Zeit wäre eine Landung auf dem Mord noch mal eine Sensation, die wir alle live verfolgen würden. Und wenn wir auf dem Mars landen noch viel mehr. Wann immer das sein wird.

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RTelenovela

Oranienburg entdecken: Wo die Mot.-Schützen waren

Samstag, den 30. März 2019
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Es gibt einige Orte in meiner Heimatstadt, die mir bis heute unbekannt sind oder waren. So genannte geheimnisvolle Orte, die man gern mal erkunden möchte.
So fahre ich zum Beispiel jeden Tag am jüdischen Friedhof vorbei – ich war aber noch nie dort. Was auch daran liegt, dass er, so weit ich weiß, abgeschlossen ist.

Am Freitag hatte ich für die MAZ einen Termin auf dem Gelände der Polizeischule Brandenburg. Ich fuhr am Vormittag dort hin, parkte mein Auto und lief los.
Als ich über das Gelände lief, fiel mir auf: Ich war dort noch nie.

Die Polizei-Fachhochschule des Landes Brandenburg befindet sich auf einem ehemaligen Kasernengelände. Bis zur Wende waren dort die Mot.-Schützen – die 1. motorisierte Schützendivision. In der damaligen Straße des Friedens, gegenüber der Hasenheide, Mot.-Schützenregiment 1 “Hans Beimler”.
Natürlich kam man als normaler Bürger auf dieses Gelände nie rauf. Ich war damals sowieso noch ein Kind, aber das Areal hatte eine besondere Bedeutung für mich.
Meine Oma hat dort bei der Poststelle gearbeitet. Ich wollte sie immer mal dort besuchen, aber es ist nie dazu gekommen. Ob das daran lag, dass es nicht erlaubt war oder es einfach immer wieder verschoben worden ist, weiß ich nicht.
Auf dem Gelände muss es aber auch einen Buchladen gegeben haben, denn meine Oma war damals diejenige, die mich immer mit Büchern versorgt hat. Auch mit Büchern, die es nicht so oft gab.

All das fiel mir ein, als ich am Freitagvormittag über das Gelände lief. Vermutlich sah es vor 30 Jahren noch anders aus. Aber viele der Gebäude standen sicherlich auch schon zu Kasernenzeiten. Insbesondere natürlich die alten Garagen, die auch heute noch als genau das dienen.
Wieder mal ein neues Stück meiner Heimat erkundet.

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Die Unsichtbaren – Wir wollen leben

Sonntag, den 20. Januar 2019
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MI 16.01.2019 | 20.15 Uhr | Das Erste

In Krisenzeiten, wenn Menschen in Gefahr sind, weil andere Menschen meinen, sie seien nichts wert, dann gibt es auch sie: die Engel. Die, die helfen.
Und von denen soll erzählt werden. Immer wieder. Um zu zeigen, dass das Gute nicht ausgestorben ist. Dass das Gute nicht zu unterdrücken ist.
Der Film “Die Unsichtbaren – Wir wollen leben” erzählt von solchen Leuten. Er lief am Mittwochabend im Ersten.

1943 in Berlin. Die Nazis bringen die Juden in die Konzentrationslager, um sie zu vernichten. Offiziell gilt Berlin zu dieser Zeit als “judenfrei”. Das ist die Stadt aber nicht. Weil Juden Wege gefunden haben, die Nazis auszutricksen. Und weil es Menschen gab, die die Juden in ihren Wohnungen oder anderswo versteckten und sie deckten. Etwa 7000 Juden haben sich den Deportationen zu dieser Zeit entziehen können, sind untergetaucht.

In dem Film geht es um vier Einzelschicksale. Um Cioma Schönhaus (toll: Max Mauff), der “kriegswichtige Arbeit” vollrichtet und deshalb nicht abtransportiert wird – später fälscht er Pässe und kann so vielen anderen helfen. Auch Hanni Lévy (Alice Dwyer) kann sich retten, blondiert sich die Haare, um als “Arierin” durchzugehen.

Auf ergreifende und sehr spannende Art und Weise zeigt dieser Film, wie es den Menschen zu dieser Zeit in Berlin ergangen ist. In dem Dokudrama kommen auch die überlebenden Zeitzeugen selbst zu Wort. So werden “Die Unsichtbaren” 100 Minuten lang und für immer zu Sichtbaren.

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Zu Besuch bei Herrn Luther

Samstag, den 5. Januar 2019
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Heute gehen wir zu Herrn Luther. Wie erklärt man einem zweieinhalbjährigen Kind, was man im Lutherhaus in Wittenberg zu sehen bekommt?
Dabei handelt handelt es sich um das einstige Wohnhaus von Martin Luther. Gebaut wurde es 1504 als Augustinerkloster. Es hieß “Schwarzes Kloster“, eine Anspielung auf die Kuttenfarbe der Augustinermönche. Ab 1508 lebte dort Martin Luther als Mönch. Mit der Reformation ist das Kloster aufgelöst worden, Luther bekam es 1532 und wohnte dann dort mit seiner Familie.
Und, klar, einem Kleinkind sagt man dann: Wir gehen zu Luthers. Deshalb haben wir auch einmal an das Eingangstor geklopft, schließlich macht man das so, wenn man zu Gästen geht.

Im größten reformationsgeschichtlichen Museum der Welt kann man tatsächlich den Geist von Martin Luther spüren. Wenn man in der Lutherstube steht, in der vor fast 500 Jahren Diskussionen geführt worden sind, man die alten Tische, Bänke und Schränke sieht, da hält man schon mal kurz inne. Außerdem kann man Luthers Mönchskutte ansehen, die 10-Gebote-Tafel von Lucas Cranach, Luthers Bibel sowie Handschriften und Medaillen. Steht man vor Büchern, die aus dem 16. Jahrhundert sind, dann ist das sehr besonders. Oder vor den vielen Zeichnungen und Gemälden von Lucas Cranach.
Interessant ist übrigens auch, dass ja Martin Luther von vielen Malern und Zeichnern dargestellt worden ist. Viele dieser Werke hängen und liegen im Lutherhaus – wo man feststellt, dass er teilweise ziemlich unterschiedlich aussieht – und dass er mit dem Alter ziemlich dick wurde.

Als wir das Gelände wieder verließen, haben wir vorsichtshalber noch mal ans Tor geklopft. Man will ja bei Familie Luther in guter Erinnerung bleiben.

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Thomas Grimm / Roberto Yáñez: Ich war der letzte Bürger der DDR – Mein Leben als Enkel der Honeckers

Samstag, den 27. Oktober 2018
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Sein Opa war der Erste Sekretär des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands und Vorsitzender des Staatsrates der Deutschen Demokratischen Republik. Für Roberto war er aber einfach nur der Opa.
Roberto Yáñez ist der Enkel von Erich und Margot Honecker, und Thomas Grimm hat er seine Geschichte erzählt.

Wir erfahren, was Roberto in Wandlitz erlebt hat. In der Waldsiedlung haben die DDR-Funktionäre gewohnt, und der Junge ist damals über das Gelände gestreunt. Mal mit Freunden, mal mit seinem Opa. Zu ihm hatte er einen engen Draht. Dagegen schien Margot Honecker, seine Oma, immer ein bisschen kühl gewesen zu sein. Irgendwie liebend, aber kühl.
Roberto berichtet von der Schule, wo ihm hin und wieder schon klar gemacht worden ist, dass er als Honeckers Enkel ein Vorbild zu sein habe. Er erzählt aber auch davon, wie der Opa 1989 krank wurde und wie die Wende ihn einholte. Zu guter Letzt erfahren wir auch etwas über die Zeit in Chile bis zum Tod seiner Oma 2016.

Das Buchcover macht den Eindruck, als würde Roberto Yáñez das Buch hauptsächlich geschrieben haben. Dem ist nicht so. Aber er kommt immer wieder ausführlich in Thomas Grimms Story zu Wort. Sie wirkt wie eine Fernsehdokumentation, sowohl in der Art der Sprache als auch der Zitate.
Aber dadurch liest sich das Buch flüssig und spannend. Es ist sehr interessant, zu lesen, wie Roberto einige Dinge erlebt hat. Wie Roberto Geschichte aus seinem Blickwinkel erzählt. Man wird vermutlich wenig bis nichts bahnbrechend Neues erfahren. Diesen Anspruch hat Roberto Yáñez aber vermutlich auch nicht. Insofern ist es eine interessante Biografie eines Mannes, der in einem höchstspannenden Umfeld aufwuchs.

Thomas Grimm / Roberto Yáñez: Ich war der letzte Bürger der DDR – Mein Leben als Enkel der Honeckers
Insel Verlag, 255 Seiten
8/10

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Rüdiger Barth / Hauke Friederichs: Die Totengräber – Der letzte Winter der Weimarer Republik

Samstag, den 1. September 2018
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Was man manchmal gern vergisst: Die Machtergreifung von Adolf Hitler am 30. Januar 1933 erfolgte nicht durch eine Wahl. Der Beginn des Dritten Reiches konnte passieren, weil in Berlin viele politische Akteure skrupellos um die Macht kämpften, anderen die Macht zuschob – oder einfach zu müde waren, um irgendwie noch andere Lösungen zu finden.

Rüdiger Barth und Hauke Friederichs haben ein sehr spannendes Buch zusammengestellt, das den letzten Winter der Weimarer Republik beleuchtet.
Vom 17. November 1932 bis zum 30. Januar 1933 erzählten sie Tag für Tag, was genau passiert ist. Wer traf sich mit wem, was passierte im Reichstag, welche Entscheidungen traf der Reichspräsident Hindenburg? Wer intrigierte mit wem, wer verhandelte und wer nicht. Und was war ganz allgemein in Berlin los, wie war die Stimmung?
Entstanden ist ein Krimi, ein politisches Drama – das leider keine Fiktion ist, aber dennoch so aufwühlend wie ein Thriller ist.

Mitunter gibt es erhellende Momente in den Erzählungen. Da ist zum Beispiel die SPD, die mahnt, die bangt – die aber nichts unternimmt, die einfach nur zuschaut. Kommt einem bekannt vor. Erschreckend sind auch die Parallelen zu heute: Die Rechtsextremen erstarken, ihre politische Macht wird 1932 immer stärker. Heute kündigen Mitglieder gewisser Parteien an, dass sie im Falle eines Wahlsieges gleich mal die Pressehäuser stürmen werden – am 30. Januar 1933 ist genau das passiert.

„Die Totengräber“ – ein wichtiges, hochinteressantes und lehrreiches Buch.

Rüdiger Barth / Hauke Friederichs: Die Totengräber – Der letzte Winter der Weimarer Republik
S.Fischer, 410 Seiten
9/10

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