KeineWochenShow

#66 – Geschichte wird verbannt

Sonntag, den 8. April 2018
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Geschichte wird verbannt! In der neuesten Folge der “KeineWochenShow” sprechen wir darüber, wie wir mit Geschichte und mit der Vergangenheit umgehen. Vor allem mit der sichtbaren Vergangenheit. Ein aktuelles Beispiel dafür ist das Museum für die Geschichte des KdF-Bades, der NVA und der DDR in Prora. Es fällt der Sanierung des Ex-KdF-Gebäudes zum Opfer. Es wird damit wohl keine Stelle mehr dort geben, an der man sehen konnte, wie das Gebäude mal ausgesehen hat.

Außerdem geht es um diverse Krisen: um die bei der Feuerwehr in Berlin, die unter dem Motto #Berlinbrennt momentan für bessere Bedingungen kämpft. Um die Krise rund um den UKW-Radioempfang, der in der kommenden Woche in Gefahr sein könnte. Um die Grippe-Krise und die Entscheidung der Krankenkassen, nun doch den Vierfachimpfschutz zu bezahlen. Um einen Kampfhund in Hannover, der zwei Menschen totgebissen hat.

Das alles und noch mehr in KeineWochenShow #66 auf YouTube.

RTelenovela

Rügen 2018 (5): KdF – Geschichte wird ausgelöscht

Samstag, den 31. März 2018
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(4) -> 30.3.2018

Viele Jahre lag der Komplex des ehemaligen KdF-Bades in Prora im Dornröschen-Schlaf. Immer da war in den vergangenen Jahren das Museum mit Erinnerungen an die DDR-Zeit, die NVA und die NS-Zeit, als der Megabau tatsächlich ein Koloss für Urlauber werden sollte.

Inzwischen wird das Gelände entwickelt und saniert. Investoren haben dort schon ein Luxushotel eröffnet, man kann dort Wohnungen kaufen oder Apartments mieten.
Der Komplex wird nach und nach saniert – und mittendrin ist immer noch das Museum. Und der nichtsanierte Teil des Kolosses.
Das scheint den Investoren ein Dorn im Auge zu sein.

Am 30. September 2018 schließt das Museum, und ich halte das für einen Skandal. Petionen haben nichts gebracht, Verhandlungen liefen ins Leere. Man will das Museum da nicht haben. Wieder will man Geschichte auslöschen.
Wir brauchen dieses Museum, und wir brauchen es genau dort, wo es jetzt ist. Man kann Prora umbauen, man kann die Fassaden aufhübschen – aber es wird immer der KdF-Koloss bleiben. Und wir brauchen dort eine Stelle, die an das Original erinnert. Einen Gebäudetrakt, in dem an das Alte erinnert wird, der so bleibt, wieder war. Der erzählt, was diesen Ort mal ausgemacht hat und auch immer ausmachen wird. Es ist ein Fehler, diese Geschichte auslöschen zu wollen. Es darf nicht immer nur darum gehen, jeden Zentimeter dort zu Geld zu machen. In Prora ist vom Betongold die Rede.
Dass in der Politik in Binz, im Landkreis Vorpommern-Rügen, in Schwerin und Berlin darauf niemand wert zu legen scheint, ist ein echter Frevel.

Wir haben uns in diesem Museum noch mal umgesehen, auch weil ein Teil unserer kleinen Reisegruppe in den 80ern in Prora bei der NVA war. Der sich erinnerte, wo der Appellplatz war, wie es drinnen in den Fluren aussah (und im Museum sind Teile der Flure und Räume im Originalzustand), der sich den Waschraum ansah und erzählte, wie sich Soldaten damals “schüsselten”. Diese Erinnerungen wird es bald in dieser Form nicht mehr geben.

RTelenovela

Vor 20 Jahren (117): Der König der Welt ertrinkt

Mittwoch, den 17. Januar 2018
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(116) -> 27.12.2017

Sonnabend, 17. Januar 1998.
Als “Titanic” 1998 in die deutschen Kinos kam, da war das eines dieser Events, auf das man sich schon wochenlang gefreut hat. So was gibt es heute nur noch sehr selten.
Schon Tage zuvor war ich im “CinemaxX-Colosseum” in Berlin-Prenzlauer Berg und kaufte die Tickets für den Sonnabend nach dem Kinostart. es sollte nicht irgendein Kino sein – wir wollten in den großen Saal des Colosseums, das damals nach der Restaurierung neu eröffnet war.

Die Spannung war groß, denn das Epos um das sinkende Kreuzfahrtschiff versprach, großes Kino zu sein. Und tatsächlich: James Cameron hat großes Kino abgeliefert. Eine tolle Bestandsaufnahme des Kreuzfahrtlebens, eine schöne Liebesstory. Rose verliebt sich in Jack (”Ich bin der König der Welt!”) – und dann: die Katastrophe, die einem den Atem nahm. Die fast minutiös den Untergang des Megapotts zelebrierte. Den Wassereinbruch, die Panik, die Rettungsaktionen, die Angst, die Resignation. Der Untergang. Der König der Welt ertrinkt.
Als der Film zu Ende heulten zwar nicht alle – aber viele, sehr viele hatten feuchte Augen. Auch die Männer.

“Titanic” war der erste und bislang einzige Film, den ich dreimal im Kino gesehen habe. Mitte Mai – nach den schriftlichen Abiprüfungen – gönnten wir uns die zweite Schau, ebenfalls im Colosseum. Das dritte Mal im Urlaub, in St. Peter-Ording – dort allerdings auch mangels größerer Alternativen.

Genau 20 Jahre danach, 2018, sehe ich den Film wieder einmal. Und er ist immer noch phasenweise sehr fesselnd. Er erfüllt alle Kriterien eine guten Katastrophendramas und gehört zu den Alltime-Favorites. Eigentlich schade, dass es zum 20. Jubiläum keine Kinoaufführungen gibt.

Originalbeitrag -> 18.1.1998

RTelenovela

Vor 20 Jahren (116): Colosseum-Premiere mit Julia Roberts

Mittwoch, den 27. Dezember 2017
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(115) -> 18.9.2016

Sonnabend, 27. Dezember 1997
1997 war das Jahr, in dem wir begannen, öfter ins Kino nach Berlin zu fahren. Wir waren auf den Geschmack gekommen, während der Oranienburger Filmpalast neu gebaut worden ist. Hinzu kam, dass wir die Sitze im dann Ende Oktober neueröffneten Kino nicht gerade gemütlich fanden.

Kurz vor Weihnachten wurde an der Schönhauser Allee in Berlin-Prenzlauer Berg das neue Colosseum eröffnet. Das gab es schon vorher und zu DDR-Zeiten, hatte da aber nur einen großen Saal. Nun sind neun weitere dazugekommen, dafür ist hinten an- und umgebaut worden. Die CinemaxX-Gruppe kümmerte sich damals noch um das Colosseum, das ein echt schönes Kino war. Damals, wie gesagt.
Das große Foyer machte was her, dazu die drei kleinen Säle unten und die größeren in der oberen Etage, über die man über breiten Treppen gelangte. Alles sah ziemlich edel aus. Dazu natürlich der große Saal, der das Gefühl eines Kinoerlebnisses gut widerspiegelte.

Wir sahen “Die Hochzeit meines besten Freundes” mit Julia Roberts, eine Komödie, die übrigens nach 20 Jahren immer noch lustig ist.
Das Colosseum gehörte dann zu den Kinos, das wir am meisten für Filmschauen nutzten. Natürlich im Januar auch für “Titanic”.

RT liest

Jan Hofer: Was haben Sie gemacht, als die Mauer fiel? Prominente aus dem Osten erinnern sich

Mittwoch, den 18. Oktober 2017
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Wer den 9. November 1989 in der DDR bewusst erlebt hat, der weiß auch heute noch, was er an diesem Tag getan hat. Wie er erfahren hat, dass in Berlin die Mauer gefallen ist. Wie es war, das erste Mal im Westen.
Der “Tagesschau”-Sprecher Jan Hofer hat mit zwölf ostdeutschen Prominenten darüber gesprochen, wie sie den Tag erlebt, was sie in den Wochen zuvor gemacht und wie sie überhaupt die Wende erlebt haben.

Es sind interessante Begebenheiten, die dort teilweise erzählt werden. Die Entertainerin Dagmar Frederic hat vor der Wende leiber nicht erzählt, wenn sie mit der Familie in Holland war, sie wollte ja niemanden traurig machen, sagt sie. Die erste freie Wahl 1990 hat sie geschwänzt, da musste erst Manfred Stolpe kommen, um ihr zu sagen, dass das wichtig sei.
Gunther Emmerlich dagegen durfte nicht in den Westen reisen, und auch Fernsehsendungen waren nie live – weil man Angst hatte, er sagt wieder was gegen die DDR.
Gregor Gysi erzählt, dass er am 10. November eine wichtige Gerichtsverhandlung hatte, und alle Beteiligten waren vom Mauerfall-Feiern ziemlich durch. Was er zu sagen hat, ist überhaupt extrem spannend. Denn er zeigt auf, dass die deutsche Einheit keine Einheit war. Der Westen wurde dem Osten übergestülpt. Was an sich in Ordnung ist – aber auch das Gesellschaftliche wurde nicht zusammengeführt, sondern es wurde übersehen, dass der DDR mehr ist als der bloße Staat, sondern dass auch Menschen dahinterstanden mit ihren Eigenheiten und kulturellen Besonderheiten. Gysi öffnet dem Leser darin wenig die Augen, denn wer darüber nachdenkt, sollte zu dem Schluss kommen: Er könnte Recht haben.

Alle Geschichten sind anders, und das macht es interessant. Da sind Entertainer, Politiker, Sportler und damals noch “einfache” Menschen, die da erzählen. Manchmal hätten die Gespräche ein wenig gekürzt werden können, andere wirken wie auf dem Fragebogen ausgefüllt.
Im Grunde ist über die Ereignisse des 9. November 1989 alles gesagt. Aber diese persönlichen Geschichten erweitern das Gesamtbild.

Jan Hofer: Was haben Sie gemacht, als die Mauer fiel? Prominente aus dem Osten erinnern sich
Bild und Heimat, 235 Seiten
7/10

RTelenovela

Die Wende brachte uns die B.Z. ins Haus

Freitag, den 6. Oktober 2017
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Meine erste Begegnung mit der B.Z. hatte ich am 10. November 1989. Damals titelte die Zeitung “Die Mauer ist weg! Berlin ist wieder Berlin!” Am Tag nach dem Mauerfall waren wir das erste Mal in West-Berlin, und damals war das natürlich DIE Schlagzeile.
Und irgendwie war die Boulevardzeitung damit zu einem Symbol geworden. Als wir das zweite Mal “rüber” fuhren, kauften wir uns die Zeitung. Erneut war eine fette Schlagzeile vorne drauf, und die Sache mit den fetten Schlagzeilen hat uns damals fasziniert. Immerhin gab es in der DDR ja keine Boulevardzeitung in dieser Machart.

Irgendwann gab es die B.Z. auch in Oranienburg zu kaufen, und ich kaufte sie jeden Tag. Die B.Z. war die erste (und eigentlich bis heute auch einzige) Tageszeitung, die ich mir tatsächlich so gut wie täglich kaufte. 60 Pfennig kostete sie anfangs.
Es dauerte einige Jahre, bis mein Interesse daran abebbte, in meiner Familie wurde sie jedoch noch sehr lange jeden Tag gekauft. ich finde sie inzwischen nicht mehr allzu spannend.

Jetzt feierte die B.Z. ihr 140. Jubiläum. Die erste Ausgabe erschien 1877, zwischen 1943 und 1953 pausierte das Blatt. Inzwischen läuft’s mit den Verkaufszahlen – wie überall – eher mau, sie kostet 1 Euro, und damit weit mehr als das Doppelte wie 1990.
Zum Geburtstag kaufte ich mir mal wieder eine Ausgabe mit dem Sonderhaft und einem Rückblick. Ein bisschen Nostalgie ist dabei. Herzlichen Glückwunsch!

RT im Kino

Dunkirk

Dienstag, den 1. August 2017
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Wie ist es im Krieg?
Furchtbar. Angsteinflößend. Zermürbend. Tödlich.
“Dunkirk” zeigt, wie es im Krieg ist.

Dünkirchen, 1940. Die deutschen Truppen marschieren in Richtung Westen. Die Männer der britischen und französischen Armee sollen unterdessen vom Strand in Dünkirchen aus per Schiffe ins nicht sehr weit entfernte Großbritannien gebracht werden. Es ist die “Operation Dynamo”. Doch die Männer sind am Strand eingekesselt, sie sind wie auf dem Präsentierteller und sind vielen Angriffen ausgesetzt.
Tommy (Fionn Whitehead) und Gibson (Aneurin Barnard) versuchen auf eines der Schiffe zu kommen, doch das scheint ein nahezu unmögliches Unternehmen zu sein. Und selbst auf einem Schiff sind sie alles andere als sicher.
Unterdessen versuchen Mr. Dawson (Mark Rylance), sein Sohn und dessen Freund mit seinem Privatschiff nach Dünkirchen zu schippern, um die Evakuierung zu unterstützen.
Pilot Farrier (Tom Hardy) will zugleich aus der Luft die Schiffe auf der See schützen – und muss mit seinen Kollegen immer wieder Angriffe auf feindliche Flieger starten.

Zu Lande, zu Wasser, in der Luft. Christopher Nolan zeigt in “Dunkirk” den Krieg auf drei Ebenen. Erzählt wird dabei aber immer dieselbe nervenzehrende Geschichte einer riesigen Evakuierungsaktion.
Es ist ein Film, der es nicht zulässt, mal kurz durchzuatmen. Ein Krieg lässt keine Atempausen zu. Es gibt keine Sicherheiten. Überall lauern Gefahren, überall droht der Tod.
Auf einer sehr eindrucksvolle Weise lässt Nolan das den Zuschauern spüren. Der Spannungsbogen ist extrem eng gestrickt. Auch die fast permanent bedrohliche Musik sorgt für die Anspannung. Die Musik signalisiert: Es ist nicht vorbei. Keiner ist sicher, die Bedrohungen enden nicht. So entsteht eine Beklemmung, die nie anzuhören scheint. Es ist eine Mischung aus Unruhe, auch Angst und Sorge. Ein Alptraum.
Es scheint, als ob in der großen Gruppe von Menschen jeder seine eigenen Entscheidungen treffen muss, es ist in der Menschenmasse eine erschütternde Einsamkeit, die dort gezeigt wird.
Auch wenn “Dunkirk” keine Doku ist – der Film wirkt wie eine Doku, da er über weite Strecken nur zu beobachten scheint. Irritierend ist an einigen Stellen nur, dass es bei einigen Szenewechseln einen Tag-Nacht-Wechsel gibt, der nicht erklärbar ist. Dass eigentlich hunderttausende Soldaten am Strand sind, es im Film aber wirkt, als seien es “nur” hunderte, ist aber noch verschmerzbar.
Von diesen wenigen Kritikpunkten abgesehen: Es gab im Kino schon unzählige Anti-Kriegs-Filme. “Dunkirk” ist nicht irgendein weiterer Vertreter dieser Gattung. Es ist nachhaltiges, eindrucksvolles Kino.

Dunkirk
GB 2017, Regie: Christopher Nolan
Warner, 107 Minuten, ab 12
9/10