RTelenovela

Das Liederbuch aus der Bücherzelle

Mittwoch, den 14. September 2022
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Neulich parkte ich wegen eines Termins an der Sommerfelder Feuerwehr, und auf diesem Parkplatz befindet sich auch eine Bücherzelle. Leute stellen gebrauchte Bücher rein, andere nehmen ein Buch raus – alles ist möglich.
Ich schaute mal rein, immerhin findet man ja manchmal ein schönes Schätzchen. Ich ließ meinen Blick schweifen. Diverse Romane, ein paar Sachbücher – ehrlich gesagt nichts, was mich wirklich interessiert hat. Ich wollte fast schon wieder gehen, da fiel mein Blick nach unten, wo eine kleine Kiste stand.
Und da lag es: das “Liederbuch 5 bis 10”. Ich erkannte es sofort.

1989, Oranienburg war noch Teil der DDR, kam ich in die 5. Klasse. Immer am Ende der Sommerferien konnte ich meine neuen Schulbücher abholen, was ich immer sehr spannend fand. Zu Hause blätterte ich sie schon mal durch. Und eines der Bücher war dieses Liederbuch.

Der Verlag Volk und Wissen gab es 1989 offenbar sogar das erste Mal heraus, denn in dem Buch, das ich aus der Sommerfelder Bücherzelle holte, stand “1. Auflage” mit dem Jahr 1989.
Eine Seite weiter ist ein Schulstempel zu sehen: “Goethe-Schule – Oberschule – Kremmen – Krs. Oranienburg”.
Außer ein paar Rissen ist das Buch ganz gut enthalten, und drin sind unzählige Lieder, die für den Unterricht in der DDR geeignet waren: Friedenslieder, Freundschaftslieder, Solidaritätslieder, Kampflieder, Republiklieder, Heimat- und Volkslieder, aber auch Weihnachts- oder Frühlingslieder.
Und natürlich beginnt man gleich mal, alles durchzublättern – noch im Auto auf dem Sommerfelder Parkplatz.

“Der kleine Trompeter” darf nicht fehlen.
Von all unsern Kameraden
War keiner so lieb und so gut
Wie unser kleiner Trompeter
Ein lustiges Rotgardistenblut
Wie unser kleiner Trompeter
Ein lustiges Rotgardistenblut.

Haben wir als Kinder oft gesungen – also, singen müssen, im Unterricht. Nichts, was man privat gesungen hat.

Oder “Unsere Heimat”:
Unsere Heimat, das sind nicht nur die Städte und Dörfer.
Unsere Heimat sind auch all die Bäume im Wald.
Unsere Heimat ist das Gras auf der Wiese,
das Korn auf dem Feld und die Vögel in der Luft
und die Tiere der Erde.

Es gab aber auch unverfängliche Lieder – und “Am Lagerfeuer” habe ich damals sehr gemocht.
Matt ist das Feuer, bald ist’s verglommen.
Über unsre Häupter ist Nacht nun gekommen.
Schlaf nun ein mein Freund, sollst gute Träume finden.
Übers Jahr wirst du das Feuer neu entzünden.

Man hat alles besungen: Es gibt im Buch auch das “Lied gegen die Neutronenbombe”, das natürlich immer noch aktuell ist. Aber es gibt auch ganz andere, nun ja, sehr bemerkenswerte Lieder, die richtigerweise nicht mehr wirklich gesungen werden. Eines heißt “Meinst du, die Russen wollen Krieg?” Heute kennen wir die Antwort. Auch im Buch: “Wenn wir schreiten Seit an Seit”, “Auf, auf zum Kampf”, “Bau auf, bau auf (Freie Deutsche Jugend, bau auf!)”, “Geh voran, Pionier” – und wer es nicht begriffen hat, es gab auch “Pioniere voran!”. Ganz zukunftsweisend ist aber auch die heutige Europahymne drin.

Den Schatz aus Sommerfeld habe ich natürlich mitgenommen, und demnächst werde ich ein anderes Buch in die Zelle stellen – wenn es auch nicht von 1989 sein wird.

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Hans-Ulrich Jörges: Stille Invasion

Mittwoch, den 10. August 2022
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Das geteilte Berlin hatte einige Kuriositäten zu bieten. Zum Beispiel die S-Bahn in West-Berlin. Die wurde nämlich von der Deutschen Reichsbahn betrieben – von der DDR aus. Die dortigen Beschäftigten lebten zwar überwiegend in West-Berlin, waren aber bei der DDR beschäftigt. Mussten sie zum Arzt, mussten sie in ein spezielles Arztzentrum in West-Berlin, in das aber jeden Morgen Arztpersonal aus Ost-Berlin angereist kam.
Für die DDR und für die SED ging es vor allem um das Prestige, denn eigentlich war das Betreiben der mehr und mehr maroden S-Bahn im Westen der Stadt ein Verlustgeschäft. Und man musste sparen.

Im September 1980 kommt es dann zum Eklat. Die DDR-Reichsbahner in West-Berlin wollen streiken. Sie sollen zwar minimal mehr Geld bekommen, allerdings sollen auch Strecken und Betriebszeiten gekürzt werden, somit befürchten die Bahner, in Wirklichkeit noch weniger Geld zu bekommen.
Stellwerke werden besetzt, der Bahnverkehr in Richtung Bundesrepublik wird lahmgelegt. Honecker und Co. wollen den Streik mit allen Mitteln unterbinden.
Bei den Streikaktivitäten immer mit dabei ist der Reuters-Korrespondent Valentin Freytag. Er wird wider Willen vom neutralen Beobachter zum Mitwisser, und er beeinflusst die Ereignisse auch mehr und mehr.
Aber irgendwann werden angebliche Bahnpolizisten über die Gleise von Ost- nach West-Berlin geschickt…

Aus dem wirklich passierten Ereignis im Jahr 1980 hat der Journalist Hans-Ulrich Jörges den Roman “Stille Invasion” gemacht. Darin erzählt er quasi Tag für Tag, von Minute zu Minute, was rund um den Streik passiert ist. Der Leser ist dabei, wenn der Streik geplant und durchgezogen wird. Aber auch, wenn das SED-Politbüro in Ost-Berlin tagt.
Jörges selbst war bei Reuters, und er hat den damaligen Bahnstreik aus nächster Nähe erlebt – man kann davon ausgehen, dass er ein bisschen auch seine journalistische Geschichte erzählt.
Er recherchierte in Stasi-Akten, in Akten des Berliner Senats. Einige Abläufe sind dokumentiert, einige hat Jörges auf Grundlage der Ereignisse erfunden. Was bei der SED gesagt wurde, ist wohl nicht genau belegt.
Und so steht auf dem Buch zwar Roman – geschrieben ist das alles aber eher wie ein Bericht. Genaue zeitliche Abläufe, Dialoge, Versammlungen. Das ist einerseits spannend – aber andererseits auch nur wegen des spannenden geschichtlichen Plots. Abgesehen davon,. dass man aufgrund der Fülle der Handelnden manchmal etwas den Überblick verliert oder einiges etwas oberflächlich wirkt: Für einen wirklich guten Roman fehlt es sehr stark an Beiwerk. Das Thema ist stark, die Ausschmückung eher schwach.

Hans-Ulrich Jörges: Stille Invasion
be.bra verlag, 224 Seiten
6/10

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Die Wannseekonferenz

Montag, den 24. Januar 2022
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MO 24.01.2022 | 20.15 Uhr | ZDF

Der Ermordung von Millionen Juden als Verwaltungsakt. Wo man einfach mal drüber spricht. So ganz nüchtern. Wie man denn eine solche Tötung von unfassbar vielen Menschen so einfach wie möglich gestalten kann – also, nicht für die Opfer, sondern für die Täter.

Vor 80 Jahren, am 20. Januar 1942, fand in einer Villa am Wannsee in Berlin eine „Besprechung mit anschließendem Frühstück“ statt. Thema: die “Endlösung der Judenfrage”.
15 führende Vertreter der SS und der NSDAP reden auf Einladung von Reinhard Heydrich, dem Chef der Sicherheitspolizei und des SD, darüber, was denn nun mit den Juden zu passieren habe.

Unter der Regie von Matti Geschonneck entstand anhand von Protokollen der Film “Die Wannseekonferenz”. Er lief am Montagabend im ZDF.
Der Film spielt bis auf den Anfang, der vor der Villa beginnt, ausschließlich im Versammlungsraum. Lauter Herren, die babarische Dinge unfassbar nüchtern sprechen. Man berät darüber, wie man die Juden umbringen wolle. Mit Gas. Und am besten in großen Gruppen, damit es schneller gehe. Man spricht über diese Gräueltaten wie über einen Verwaltungsakt. Dass es doch gut wäre, wenn auch Jeden als Arbeiter und Überwacher eingesetzt würden, weil das Personal einsparen würde. Dass es doch gut wäre, wenn die mit den Zügen ankommenden Juden so bald wie möglich zur Vergasung gebracht würden. Dass man drauf achten müsse, dass in der Gegend, wo der Rauch hinziehen könnte, niemand wohne.
An einer Stelle gibt es Skrupel: Aber nicht wegen dem Massenmord, sondern ob dieser Massenmord für das KZ-Personal so “unaufwändig” und so einfach wie möglich geschehen könnte, weil das ja irgendwie belastend sein könnte.

Diese ganze Nüchternheit, mit der das alles besprochen wird, ist bedrückend, ist schockierend und einfach nicht zu fassen. Diese Menschen, die dort über den Massenmord reden, vor allem die, die die Vorschläge einbringen, sind Bestien. Der Judenhass, dieser riesige Hass auf diese Menschen, ist kaum zu ertragen.

Wir alle kennen die Bilder aus den Konzentrationslagern. Wir alle wissen, was danach geschehen ist. Diese Bilder blitzen auf, wenn man diese Männer reden hört.
Ein wichtiger Film!

-> Der Film in der ZDF-Mediathek (bis 17. Januar 2024)

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Der Eierwurf von Halle – Das Musical

Sonntag, den 7. November 2021
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FR 05.11.2021 | 23.05 Uhr | ZDF

Ein Ereignis, das vielleicht nicht vergessen ist, aber an das man zunächst nicht denkt, wenn es um die Deutsche Einheit geht: der Eierwurf von Halle. Er hat sogar einen gleichnamigen Wikipedia-Eintrag.
Es ist der 10. Mai 1991. Die Unzufriedenheit über die wirtschaftliche Situation im Ost Deutschlands bricht sich bei den Menschen Bahn. Als Bundeskanzler Helmut Kohl in Halle war, wurde er mit Eiern beworfen. Und Kohl stürmte auf die Demonstrierenden zu, um sie zu packen. Seine Bodyguards hatten mächtig zu tun, um ihn zurückzuhalten. So wütend und außer sich hat man Helmut Kohl vermutlich danach nie wieder in der Öffentlichkeit gesehen.

Nun gibt es endlich das Musical zu diesem geschichtlich wichtigen deutschen Ereignis. Am Freitagabend hatte “Der Eierwurf von Halle – Das Musical” Premiere – in einer Sonderausgabe des “ZDF Magazin Royale” mit Jan Böhmermann. 27 Minuten lang gute Unterhaltung mit ernstem Hintergrund. Denn im Mai 1991 wurde auf diese Weise zum ersten Mal der Frust im Osten so richtig sichtbar.

Sebastian Krumbiegel spielte Helmut Kohl, Angelika Milster spielte das Ei. Ob man Angelika Milster damit in ihrer besten Rolle gesehen hat, muss jeder für sich entscheiden – die ungewöhnlichste war es aber in jedem Fall.
Die Story beginnt jedoch mit zwei Männern im Bett – wie sich später rausstellt, ist der eine Kohls Bodyguard, der andere einer der Eierwerfer. Ein echter Konflikt.

Wenn Jan Böhmermann so was anpackt, dann hat das Hand und Fuß. Toller Songs, tolle Choreografien, toll in Szene gesetzt. Ein Musical, das wirklich Spaß machte und sogar ein bisschen ans Herz ging. Auch wenn der eigentliche Konflikt nur angerissen worden ist. Andererseits: Nach 30 Jahren werden sich bestimmt wieder ein paar Leute mehr mit dieser Geschichte befassen.

-> Die Sendung in der ZDF-Mediathek (bis 4. November 2022)

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Hoyerswerda ’91 – Eine Stadt, die Gewalt und ihre Aufarbeitung

Donnerstag, den 23. September 2021
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DI 21.09.2021 | 22.10 Uhr | mdr-Fernsehen

Hoyerswerda im Jahre 1991.
Tagelang belagern Neonazis und, wie sie sagen, normalen Bürger, einen Wohnblock, in dem Flüchtlinge leben. Sie beschmeißen das Haus, werfen Fenster ein, werfen Brandsätze. Pogromstimmung.
Neonazis fahren in der Stadt herum und bezeichnen sich als die zweite Polizei. Der Mann von der ersten, also richtigen Polizei nimmt das schulterzuckend hin.
Neonazis und ihre Anhänger werfen Brandsätze auf ein Flüchtlingsheim, zeigen den Hitlergruß und sein gewalttätig, und der sächsische Innenminister spricht davon, dass die Polizei wenig tun könne, man müsse stattdessen reden.
Ein junger Mann sagt, die Ausländer würden das Geld in den Arsch geschoben bekommen.
Ein anderer will ein ausländerfreies Hoyerswerda und Deutschland.
Ein anderer sagt, dass die Ausländer “Viecher” seien.
Eine Oma sagt zu den Anschlägen auf das Flüchtlingsheim: “Jeder, wie er es verdient.”
Die Ausländer sollen raus, sagt eine junge Frau live im ARD-“Brennpunkt” aus Hoyerswerda.
Die, die festgenommen wurde – es waren nicht viele – bekamen Bewährungsstrafen und mussten gemeinnützige Arbeit leisten.
Hoyerswerda im Jahre 1991.

30 Jahre danach befasst sich eine Doku des mdr mit den damaligen Ereignissen. “Hoyerswerda ’91 – Eine Stadt, die Gewalt und ihre Aufarbeitung”, hieß der Film, der am Dienstagabend zu sehen war.
Anhand der damaligen Fernsehbilder sowie durch Fotos einen lokalen Fotografen, durch Erzählungen von Anwohnern und Betroffenen, konnten diese Tage rekonstruiert werden.
Es sind Tage des Grauens, des Schams, der Schande.
Und durch nichts zu entschuldigen.

Ja, es lief nach der Wende in dieser Region sehr schlecht. Die Wirtschaft war am Boden, die Menschen desillusioniert. Die Wut machte sich breit, und die Wut fand einen Adressaten. Auf perfide, eklige Weise.
Heute, 2021, schauen die allermeisten Menschen in Hoyerswerda reflektiert auf die damaligen Ereignisse. Es gibt Willkommensinitiativen und Veranstaltungen, die sich mit 1991 auseinandersetzen.
Die Erinnerungen an damals müssen erhalten bleiben. Damit es so nie wieder passiert.

-> Die Doku in der ARD-Mediathek (bis 21. September 2022)

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Vernichtet – Eine Familiengeschichte aus dem Holocaust

Dienstag, den 31. August 2021
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MI 25.08.2021 | 23.45 Uhr | rbb

Rosa Glabe war eine Einwohnerin von Glambeck im Löwenberger Land. Sie hatte einen Kolonialwarenladen, und eigentlich war alles gut. Bis zum 9. November 1938.
Nicht nur in Berlin brannten jüdische Geschäfte, nicht nur in Berlin wurden die Scheiben von Häusern eingeschlagen, die Juden gehörten. Auch in Glambeck gab es Pogrome.
Bewohner des Dorfes haben Rosa Glabe, alleinerziehende Mutter und die Besitzerin des Ladens, aus dem Haus gescheucht. Dann zündeten sie Hausrat und persönliche Dinge an. Rosa und ihre Kinder Paul (16), Dora (15) und Theo (13) standen vor dem Nichts. Sie spürten den Hass.

Das ist der Ausgangspunkt einer Dokumentation, die am späten Mittwochabend im rbb zu sehen war: “Vernichtet – Eine Familiengeschichte aus dem Holocaust”.
Andreas Christoph Schmidt hat für seinen einstündigen Film recherchiert, was aus dem Glabes wurde. Sie verließen Glambeck, die jüdische Familie war dort nicht mehr erwünscht. Und so viel kann man sagen: Es ist der Weg in die Vernichtung. Familie Glabe wird den Zweiten Weltkrieg nicht überleben, sie ist ein Opfer des Holocausts.
Schmidt reist an die Orte, die für Glabes zu einem kurzzeitigen Ziel wurden, er spricht mit Experten, und irgendwann scheint er am Ende seiner Reisen und Recherchen – am Ende der Geschichte der Familie Glabe. Als alles vorbei war.
Kovno, Auschwitz, Treblinka: Das sind die Orte, das sind die Konzentrationslager, in denen die Glabes ermordet werden.

“Vernichtet” ist ein Film, der eigentlich so ruhig daherkommt. Man sieht die heutige Glambecker Dorfidylle. Man sieht Häuser der Großstadt, Gegenstände, viele ruhige Kamerafahrten. Auch ein KZ, eine heutige Gedenkstätte. Was aber erzählt wird, das ist das Grauen.
Ein wichtiger Film – und nicht umsonst bekam er in der vergangenen Woche einen Adolf-Grimme-Preis.

-> Der Film in der ARD-Mediathek (bis 24. August 2022)

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32 Jahre danach: Wo in Hötensleben die Mauer steht

Mittwoch, den 25. August 2021
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Unweit der A2 bei Marienborn befindet sich ein hochspannendes und, wie ich finde, extrem wichtiges Denkmal: Am Rand von Hötensleben im Landkreis Börde befindet sich eine alte Grenzanlage.

Bis November 1989 stand zwischen Hötensleben im heutigen Sachsen-Anhalt und Schöningen in Niedersachsen die Mauer. Dort waren die DDR auf der einen Seite und die Bundesrepublik auf der anderen.
Die Mauer steht dort immer noch – als Denkmal.
Und wer eine Ahnung davon bekommen möchte, wie die Mauer und die Anlagen drumherum aussahen, der sollte sich das Grenzdenkmal Hötensleben ansehen. Es ist frei begehbar, kostet keinen Eintritt und gehört zur Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn.

Wenn man heute über die deutsche Teilung und über die Mauer spricht, dann geht es meist nur um Berlin. Um den Mauerbau in Berlin 1961. Dass aber an der deutsch-deutschen Grenze schon 1952 die Grenzbefestigung begann, das wissen nur wenige und wird auch selten erzählt.

In Hötensleben kann man die Mauer selbst sehen. Davor gab es Stahlbarrikaden. Außerdem eine Art Sandgraben, in dem man verräterische Schritte sehen konnte. Am Ende des Grabens gab es eine Steinbarriere, damit man mit einem eventuellen Fluchtfahrzeug erst gar nicht gegen die Mauer donnern konnte.
Im Grenzstreifen (oder auch Todesstreifen) gab es den Kolonnenweg aus Betonplatten, wo die Soldaten mit ihren Autos gegebenenfalls schnell von A nach B gelangen konnten. Außerdem ein Stacheldrahtzaun und die zweite Mauer als Sichtschutz. Zu sehen in Hötensleben sind auch zwei Grenztürme. Früher hat es dort zudem Selbstschussanlagen gegeben.

Es ist ein Stück deutscher Geschichte, das unbedingt bewahrt bleiben muss, auch wenn es vermutlich für die direkt am Grenzstreifen Lebenden nicht besonders schön ist. Aber dieses Geländes mahnt uns alle, was nie wieder in Deutschland geschehen darf.
Dass man heute einfach so auf diesem Areal spazieren kann, sehe ich auch 32 Jahre später immer noch als Geschenk an, und dass man sich in Hötensleben an diese Zeit im Rückblick erinnert und sich den Irrsinn dort ansehen kann, ist lobenswert.

-> Infos

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