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Oranienburg entdecken: Wo die Mot.-Schützen waren

Samstag, den 30. März 2019
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Es gibt einige Orte in meiner Heimatstadt, die mir bis heute unbekannt sind oder waren. So genannte geheimnisvolle Orte, die man gern mal erkunden möchte.
So fahre ich zum Beispiel jeden Tag am jüdischen Friedhof vorbei – ich war aber noch nie dort. Was auch daran liegt, dass er, so weit ich weiß, abgeschlossen ist.

Am Freitag hatte ich für die MAZ einen Termin auf dem Gelände der Polizeischule Brandenburg. Ich fuhr am Vormittag dort hin, parkte mein Auto und lief los.
Als ich über das Gelände lief, fiel mir auf: Ich war dort noch nie.

Die Polizei-Fachhochschule des Landes Brandenburg befindet sich auf einem ehemaligen Kasernengelände. Bis zur Wende waren dort die Mot.-Schützen – die 1. motorisierte Schützendivision. In der damaligen Straße des Friedens, gegenüber der Hasenheide, Mot.-Schützenregiment 1 “Hans Beimler”.
Natürlich kam man als normaler Bürger auf dieses Gelände nie rauf. Ich war damals sowieso noch ein Kind, aber das Areal hatte eine besondere Bedeutung für mich.
Meine Oma hat dort bei der Poststelle gearbeitet. Ich wollte sie immer mal dort besuchen, aber es ist nie dazu gekommen. Ob das daran lag, dass es nicht erlaubt war oder es einfach immer wieder verschoben worden ist, weiß ich nicht.
Auf dem Gelände muss es aber auch einen Buchladen gegeben haben, denn meine Oma war damals diejenige, die mich immer mit Büchern versorgt hat. Auch mit Büchern, die es nicht so oft gab.

All das fiel mir ein, als ich am Freitagvormittag über das Gelände lief. Vermutlich sah es vor 30 Jahren noch anders aus. Aber viele der Gebäude standen sicherlich auch schon zu Kasernenzeiten. Insbesondere natürlich die alten Garagen, die auch heute noch als genau das dienen.
Wieder mal ein neues Stück meiner Heimat erkundet.

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Die Unsichtbaren – Wir wollen leben

Sonntag, den 20. Januar 2019
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MI 16.01.2019 | 20.15 Uhr | Das Erste

In Krisenzeiten, wenn Menschen in Gefahr sind, weil andere Menschen meinen, sie seien nichts wert, dann gibt es auch sie: die Engel. Die, die helfen.
Und von denen soll erzählt werden. Immer wieder. Um zu zeigen, dass das Gute nicht ausgestorben ist. Dass das Gute nicht zu unterdrücken ist.
Der Film “Die Unsichtbaren – Wir wollen leben” erzählt von solchen Leuten. Er lief am Mittwochabend im Ersten.

1943 in Berlin. Die Nazis bringen die Juden in die Konzentrationslager, um sie zu vernichten. Offiziell gilt Berlin zu dieser Zeit als “judenfrei”. Das ist die Stadt aber nicht. Weil Juden Wege gefunden haben, die Nazis auszutricksen. Und weil es Menschen gab, die die Juden in ihren Wohnungen oder anderswo versteckten und sie deckten. Etwa 7000 Juden haben sich den Deportationen zu dieser Zeit entziehen können, sind untergetaucht.

In dem Film geht es um vier Einzelschicksale. Um Cioma Schönhaus (toll: Max Mauff), der “kriegswichtige Arbeit” vollrichtet und deshalb nicht abtransportiert wird – später fälscht er Pässe und kann so vielen anderen helfen. Auch Hanni Lévy (Alice Dwyer) kann sich retten, blondiert sich die Haare, um als “Arierin” durchzugehen.

Auf ergreifende und sehr spannende Art und Weise zeigt dieser Film, wie es den Menschen zu dieser Zeit in Berlin ergangen ist. In dem Dokudrama kommen auch die überlebenden Zeitzeugen selbst zu Wort. So werden “Die Unsichtbaren” 100 Minuten lang und für immer zu Sichtbaren.

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Zu Besuch bei Herrn Luther

Samstag, den 5. Januar 2019
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Heute gehen wir zu Herrn Luther. Wie erklärt man einem zweieinhalbjährigen Kind, was man im Lutherhaus in Wittenberg zu sehen bekommt?
Dabei handelt handelt es sich um das einstige Wohnhaus von Martin Luther. Gebaut wurde es 1504 als Augustinerkloster. Es hieß “Schwarzes Kloster“, eine Anspielung auf die Kuttenfarbe der Augustinermönche. Ab 1508 lebte dort Martin Luther als Mönch. Mit der Reformation ist das Kloster aufgelöst worden, Luther bekam es 1532 und wohnte dann dort mit seiner Familie.
Und, klar, einem Kleinkind sagt man dann: Wir gehen zu Luthers. Deshalb haben wir auch einmal an das Eingangstor geklopft, schließlich macht man das so, wenn man zu Gästen geht.

Im größten reformationsgeschichtlichen Museum der Welt kann man tatsächlich den Geist von Martin Luther spüren. Wenn man in der Lutherstube steht, in der vor fast 500 Jahren Diskussionen geführt worden sind, man die alten Tische, Bänke und Schränke sieht, da hält man schon mal kurz inne. Außerdem kann man Luthers Mönchskutte ansehen, die 10-Gebote-Tafel von Lucas Cranach, Luthers Bibel sowie Handschriften und Medaillen. Steht man vor Büchern, die aus dem 16. Jahrhundert sind, dann ist das sehr besonders. Oder vor den vielen Zeichnungen und Gemälden von Lucas Cranach.
Interessant ist übrigens auch, dass ja Martin Luther von vielen Malern und Zeichnern dargestellt worden ist. Viele dieser Werke hängen und liegen im Lutherhaus – wo man feststellt, dass er teilweise ziemlich unterschiedlich aussieht – und dass er mit dem Alter ziemlich dick wurde.

Als wir das Gelände wieder verließen, haben wir vorsichtshalber noch mal ans Tor geklopft. Man will ja bei Familie Luther in guter Erinnerung bleiben.

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Thomas Grimm / Roberto Yáñez: Ich war der letzte Bürger der DDR – Mein Leben als Enkel der Honeckers

Samstag, den 27. Oktober 2018
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Sein Opa war der Erste Sekretär des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands und Vorsitzender des Staatsrates der Deutschen Demokratischen Republik. Für Roberto war er aber einfach nur der Opa.
Roberto Yáñez ist der Enkel von Erich und Margot Honecker, und Thomas Grimm hat er seine Geschichte erzählt.

Wir erfahren, was Roberto in Wandlitz erlebt hat. In der Waldsiedlung haben die DDR-Funktionäre gewohnt, und der Junge ist damals über das Gelände gestreunt. Mal mit Freunden, mal mit seinem Opa. Zu ihm hatte er einen engen Draht. Dagegen schien Margot Honecker, seine Oma, immer ein bisschen kühl gewesen zu sein. Irgendwie liebend, aber kühl.
Roberto berichtet von der Schule, wo ihm hin und wieder schon klar gemacht worden ist, dass er als Honeckers Enkel ein Vorbild zu sein habe. Er erzählt aber auch davon, wie der Opa 1989 krank wurde und wie die Wende ihn einholte. Zu guter Letzt erfahren wir auch etwas über die Zeit in Chile bis zum Tod seiner Oma 2016.

Das Buchcover macht den Eindruck, als würde Roberto Yáñez das Buch hauptsächlich geschrieben haben. Dem ist nicht so. Aber er kommt immer wieder ausführlich in Thomas Grimms Story zu Wort. Sie wirkt wie eine Fernsehdokumentation, sowohl in der Art der Sprache als auch der Zitate.
Aber dadurch liest sich das Buch flüssig und spannend. Es ist sehr interessant, zu lesen, wie Roberto einige Dinge erlebt hat. Wie Roberto Geschichte aus seinem Blickwinkel erzählt. Man wird vermutlich wenig bis nichts bahnbrechend Neues erfahren. Diesen Anspruch hat Roberto Yáñez aber vermutlich auch nicht. Insofern ist es eine interessante Biografie eines Mannes, der in einem höchstspannenden Umfeld aufwuchs.

Thomas Grimm / Roberto Yáñez: Ich war der letzte Bürger der DDR – Mein Leben als Enkel der Honeckers
Insel Verlag, 255 Seiten
8/10

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Rüdiger Barth / Hauke Friederichs: Die Totengräber – Der letzte Winter der Weimarer Republik

Samstag, den 1. September 2018
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Was man manchmal gern vergisst: Die Machtergreifung von Adolf Hitler am 30. Januar 1933 erfolgte nicht durch eine Wahl. Der Beginn des Dritten Reiches konnte passieren, weil in Berlin viele politische Akteure skrupellos um die Macht kämpften, anderen die Macht zuschob – oder einfach zu müde waren, um irgendwie noch andere Lösungen zu finden.

Rüdiger Barth und Hauke Friederichs haben ein sehr spannendes Buch zusammengestellt, das den letzten Winter der Weimarer Republik beleuchtet.
Vom 17. November 1932 bis zum 30. Januar 1933 erzählten sie Tag für Tag, was genau passiert ist. Wer traf sich mit wem, was passierte im Reichstag, welche Entscheidungen traf der Reichspräsident Hindenburg? Wer intrigierte mit wem, wer verhandelte und wer nicht. Und was war ganz allgemein in Berlin los, wie war die Stimmung?
Entstanden ist ein Krimi, ein politisches Drama – das leider keine Fiktion ist, aber dennoch so aufwühlend wie ein Thriller ist.

Mitunter gibt es erhellende Momente in den Erzählungen. Da ist zum Beispiel die SPD, die mahnt, die bangt – die aber nichts unternimmt, die einfach nur zuschaut. Kommt einem bekannt vor. Erschreckend sind auch die Parallelen zu heute: Die Rechtsextremen erstarken, ihre politische Macht wird 1932 immer stärker. Heute kündigen Mitglieder gewisser Parteien an, dass sie im Falle eines Wahlsieges gleich mal die Pressehäuser stürmen werden – am 30. Januar 1933 ist genau das passiert.

„Die Totengräber“ – ein wichtiges, hochinteressantes und lehrreiches Buch.

Rüdiger Barth / Hauke Friederichs: Die Totengräber – Der letzte Winter der Weimarer Republik
S.Fischer, 410 Seiten
9/10

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Früher Schulhaus – heute Wohnzimmer

Samstag, den 18. August 2018
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Die 83-Jährige Elli Rosemann wohnt seit zwei Jahren im Vehlefanzer Seniorenheim – aufdem Gelände hat sie als junges Mädchen insgesamt acht Jahre lang gelernt

MAZ Oberhavel, 18.8.2018

Vehlefanz.
Etwa 2000 Kinder erleben heute ihren ersten Schultag. Bei Elli Rosemann ist das schon ein paar Jahre her. Die 83-Jährige erlebte ihre Einschulung im Spätsommer 1941. „Damals habe ich meine Schultüte gekriegt“, sagt sie. Sie lebte zu der Zeit in der Vehlefanzer Lindenallee, in der Nähe des Dorfangers. Ihre Schule war gar nicht weit entfernt – in der Lindenallee 30. Sie wohnt dort inzwischen. Denn dort, wo sich einst die Schule befand, ist heute das altersgerechte Wohnheim. Es trägt passenderweise den Namen „Alte Schule“.

„Wir haben hier unten den Unterricht gehabt, da, wo jetzt die Tagespflege ist“, erinnert sich Elli Rosemann. Immer mal wieder kommt es vor, dass sie sich an früher erinnert. Da, wo sich der Anbau heute befindet, stand früher eine Holzbaracke. An der Seite des Grundstückes befanden sich eine ganze Reihe Plumpsklos. In jedem Klassenzimmer stand ein schwerer Kachelofen. „Jeden Tag musste der Hausmeister ein paar Zentner Kohlen rumschleppen und Holz. Er musste wirklich viel arbeiten.“ Die Kinder selbst sind meist in Holzpantinen zur Schule gekommen. „Deshalb wurde sie auch Pantinenschule genannt.“ Bis 1945 spielte Hitlers Propaganda eine große Rolle. „Aber wir haben auch viel gesungen: Der Mai ist gekommen“, so die 83-Jährige.
Während der letzten Monate des Zweiten Weltkrieges wurde der Unterricht kurze Zeit ausgesetzt. „Ich weiß noch, bei uns gegenüber waren alle Scheiben kaputt, da ist eine große Bombe gefallen. Das war eine Zeit der großen Angst. Die Flieger kamen in großen Schwärmen über Vehlefanz hinweg.“ Nach Kriegsende war das Dorf voller Flüchtlinge, einige von ihnen gingen auch auf die dortige Schule.
„In der 8. Klasse waren wir dennoch ziemlich wenig“, erzählt Elli Rosemann. „Wir waren bloß zehn Mädels und vier Jungs. Einige sind nach Velten in die Oberschule gewechselt.“ Sie erinnert sich an manche Aufsätze, „bei denen ich immer nichts gewusst habe.“ Nach der 8. Klasse war Schluss. Sie ging danach für drei Jahre auf die landwirtschaftliche Berufsschule in Velten und arbeitete dann auch in der Landwirtschaft. „Wir hatten Kühe, Pferde und Schweine.“ Später zog sie nach Amalienfelde.

„Seit Juni 2016 wohne ich nun hier“, sagt sie. Kurz zuvor war das neue altersgerechte Wohnheim eröffnet worden. Hinter der alten Schule war der Anbau mit den Wohnungen entstanden. „Ein bisschen komisch ist es schon“, ergänzt sie. „Ich habe eine Weile gebraucht, um mich einzugewöhnen.“ Dass sie nun ausgerechnet dort wohnt, wo sie acht Jahre lang zur Schule gegangen ist, sei ein lustiger Zufall. „Man überlegt, mit wem man damals immer so hier war“, sagt Elli Rosemann. „Aber es sind leider nicht mehr viele hier aus meiner alten Klasse.“

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ZDF-History: Queen Elizabeth II. – Meine Krönung

Dienstag, den 29. Mai 2018
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SO 27.05.2018 | 23.50 Uhr | ZDF

Und dann lächelt sie, die Queen.
Sie erzählt, dass ihre Krone drei Pfund wiegt, ganz schön schwer. Und der Interviewer fragt sie: Ist sie bequem? “Nein”, sagt die Queen, und dann lächelt sie. So richtig. “Kronen sind nie bequem”, sagt sie.

Als vor einigen Monaten in der BBC eine Doku zu sehen war, in der Queen Elizabeth II. erstmals ein Fernsehinterview gab, da war auch in Deutschland der Pressewirbel groß.
Nun lief sie auch in Deutschland – und das ZDF hat dafür einen wirklich spektakulären Sendeplatz gefunden – am späten Sonntagabend. Dass das kaum jemandem auffiel, ist kein Wunder.

In “Queen Elizabeth II. – Meine Krönung” schaut sich die britische Königin 65 Jahre alte Filmaufnahmen ihrer Krönung vom 2. Juni 1953 an – und kommentiert sie. Was ein bisschen wie eine RTL-Rankingshow klingt, in der E-Promis irgendwas zu irgendwelchen Bildern daherlabern, ist in diesem Fall ein durchaus rührendes Stück Fernsehen.

Sicherlich, es ist nicht besonders erhellend, was die Queen zu sagen hat. Dass man links und rechts der Feier nicht viel mitbekommen hat. Dass sie ihr Zepter an einer Stelle vergessen hat. Wie erzählt über die Krone, was sie ausmacht, wie alt sie schon ist.
Dass das am Ende doch interessant ist, liegt vermutlich daran, dass Queen Elizabeth II. ja sonst sehr verschlossen ist. Hin und wieder hält sie eine Rede oder tritt einfach nur winkend irgendwo auf.
Dass sie nun plaudert, hin und wieder lächelt, aber sonst durchaus ernst diese alten Bilder anschaut, ist da etwas Besonderes. Beim ZDF wird man sich schon was dabei gedacht, dass sie den Interviewer akustisch übersetzt haben, die Queen jedoch untertitelten. Um sie in echt zu hören. Wie sie spricht, wie das klingt.
Und irgendwie mag man es ja kaum glauben, aber die Königin ist auch nur ein Mensch, und bei ihr mal hinter die Kulissen zu schauen, wäre mal spannend!

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