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Hoyerswerda ’91 – Eine Stadt, die Gewalt und ihre Aufarbeitung

Donnerstag, den 23. September 2021
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DI 21.09.2021 | 22.10 Uhr | mdr-Fernsehen

Hoyerswerda im Jahre 1991.
Tagelang belagern Neonazis und, wie sie sagen, normalen Bürger, einen Wohnblock, in dem Flüchtlinge leben. Sie beschmeißen das Haus, werfen Fenster ein, werfen Brandsätze. Pogromstimmung.
Neonazis fahren in der Stadt herum und bezeichnen sich als die zweite Polizei. Der Mann von der ersten, also richtigen Polizei nimmt das schulterzuckend hin.
Neonazis und ihre Anhänger werfen Brandsätze auf ein Flüchtlingsheim, zeigen den Hitlergruß und sein gewalttätig, und der sächsische Innenminister spricht davon, dass die Polizei wenig tun könne, man müsse stattdessen reden.
Ein junger Mann sagt, die Ausländer würden das Geld in den Arsch geschoben bekommen.
Ein anderer will ein ausländerfreies Hoyerswerda und Deutschland.
Ein anderer sagt, dass die Ausländer “Viecher” seien.
Eine Oma sagt zu den Anschlägen auf das Flüchtlingsheim: “Jeder, wie er es verdient.”
Die Ausländer sollen raus, sagt eine junge Frau live im ARD-“Brennpunkt” aus Hoyerswerda.
Die, die festgenommen wurde – es waren nicht viele – bekamen Bewährungsstrafen und mussten gemeinnützige Arbeit leisten.
Hoyerswerda im Jahre 1991.

30 Jahre danach befasst sich eine Doku des mdr mit den damaligen Ereignissen. “Hoyerswerda ’91 – Eine Stadt, die Gewalt und ihre Aufarbeitung”, hieß der Film, der am Dienstagabend zu sehen war.
Anhand der damaligen Fernsehbilder sowie durch Fotos einen lokalen Fotografen, durch Erzählungen von Anwohnern und Betroffenen, konnten diese Tage rekonstruiert werden.
Es sind Tage des Grauens, des Schams, der Schande.
Und durch nichts zu entschuldigen.

Ja, es lief nach der Wende in dieser Region sehr schlecht. Die Wirtschaft war am Boden, die Menschen desillusioniert. Die Wut machte sich breit, und die Wut fand einen Adressaten. Auf perfide, eklige Weise.
Heute, 2021, schauen die allermeisten Menschen in Hoyerswerda reflektiert auf die damaligen Ereignisse. Es gibt Willkommensinitiativen und Veranstaltungen, die sich mit 1991 auseinandersetzen.
Die Erinnerungen an damals müssen erhalten bleiben. Damit es so nie wieder passiert.

-> Die Doku in der ARD-Mediathek (bis 21. September 2022)

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Vernichtet – Eine Familiengeschichte aus dem Holocaust

Dienstag, den 31. August 2021
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MI 25.08.2021 | 23.45 Uhr | rbb

Rosa Glabe war eine Einwohnerin von Glambeck im Löwenberger Land. Sie hatte einen Kolonialwarenladen, und eigentlich war alles gut. Bis zum 9. November 1938.
Nicht nur in Berlin brannten jüdische Geschäfte, nicht nur in Berlin wurden die Scheiben von Häusern eingeschlagen, die Juden gehörten. Auch in Glambeck gab es Pogrome.
Bewohner des Dorfes haben Rosa Glabe, alleinerziehende Mutter und die Besitzerin des Ladens, aus dem Haus gescheucht. Dann zündeten sie Hausrat und persönliche Dinge an. Rosa und ihre Kinder Paul (16), Dora (15) und Theo (13) standen vor dem Nichts. Sie spürten den Hass.

Das ist der Ausgangspunkt einer Dokumentation, die am späten Mittwochabend im rbb zu sehen war: “Vernichtet – Eine Familiengeschichte aus dem Holocaust”.
Andreas Christoph Schmidt hat für seinen einstündigen Film recherchiert, was aus dem Glabes wurde. Sie verließen Glambeck, die jüdische Familie war dort nicht mehr erwünscht. Und so viel kann man sagen: Es ist der Weg in die Vernichtung. Familie Glabe wird den Zweiten Weltkrieg nicht überleben, sie ist ein Opfer des Holocausts.
Schmidt reist an die Orte, die für Glabes zu einem kurzzeitigen Ziel wurden, er spricht mit Experten, und irgendwann scheint er am Ende seiner Reisen und Recherchen – am Ende der Geschichte der Familie Glabe. Als alles vorbei war.
Kovno, Auschwitz, Treblinka: Das sind die Orte, das sind die Konzentrationslager, in denen die Glabes ermordet werden.

“Vernichtet” ist ein Film, der eigentlich so ruhig daherkommt. Man sieht die heutige Glambecker Dorfidylle. Man sieht Häuser der Großstadt, Gegenstände, viele ruhige Kamerafahrten. Auch ein KZ, eine heutige Gedenkstätte. Was aber erzählt wird, das ist das Grauen.
Ein wichtiger Film – und nicht umsonst bekam er in der vergangenen Woche einen Adolf-Grimme-Preis.

-> Der Film in der ARD-Mediathek (bis 24. August 2022)

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RTelenovela

32 Jahre danach: Wo in Hötensleben die Mauer steht

Mittwoch, den 25. August 2021
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Unweit der A2 bei Marienborn befindet sich ein hochspannendes und, wie ich finde, extrem wichtiges Denkmal: Am Rand von Hötensleben im Landkreis Börde befindet sich eine alte Grenzanlage.

Bis November 1989 stand zwischen Hötensleben im heutigen Sachsen-Anhalt und Schöningen in Niedersachsen die Mauer. Dort waren die DDR auf der einen Seite und die Bundesrepublik auf der anderen.
Die Mauer steht dort immer noch – als Denkmal.
Und wer eine Ahnung davon bekommen möchte, wie die Mauer und die Anlagen drumherum aussahen, der sollte sich das Grenzdenkmal Hötensleben ansehen. Es ist frei begehbar, kostet keinen Eintritt und gehört zur Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn.

Wenn man heute über die deutsche Teilung und über die Mauer spricht, dann geht es meist nur um Berlin. Um den Mauerbau in Berlin 1961. Dass aber an der deutsch-deutschen Grenze schon 1952 die Grenzbefestigung begann, das wissen nur wenige und wird auch selten erzählt.

In Hötensleben kann man die Mauer selbst sehen. Davor gab es Stahlbarrikaden. Außerdem eine Art Sandgraben, in dem man verräterische Schritte sehen konnte. Am Ende des Grabens gab es eine Steinbarriere, damit man mit einem eventuellen Fluchtfahrzeug erst gar nicht gegen die Mauer donnern konnte.
Im Grenzstreifen (oder auch Todesstreifen) gab es den Kolonnenweg aus Betonplatten, wo die Soldaten mit ihren Autos gegebenenfalls schnell von A nach B gelangen konnten. Außerdem ein Stacheldrahtzaun und die zweite Mauer als Sichtschutz. Zu sehen in Hötensleben sind auch zwei Grenztürme. Früher hat es dort zudem Selbstschussanlagen gegeben.

Es ist ein Stück deutscher Geschichte, das unbedingt bewahrt bleiben muss, auch wenn es vermutlich für die direkt am Grenzstreifen Lebenden nicht besonders schön ist. Aber dieses Geländes mahnt uns alle, was nie wieder in Deutschland geschehen darf.
Dass man heute einfach so auf diesem Areal spazieren kann, sehe ich auch 32 Jahre später immer noch als Geschenk an, und dass man sich in Hötensleben an diese Zeit im Rückblick erinnert und sich den Irrsinn dort ansehen kann, ist lobenswert.

-> Infos

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3 1/2 Stunden

Sonntag, den 8. August 2021
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SA 07.08.2021 | 20.15 Uhr | Das Erste

Es sind schon viele Geschichten über den Mauerbau am 13. August 1961 erzählt worden. Es ist inzwischen 60 Jahre her, dass West-Berlin eingemauert worden ist – und sich damit aber eigentlich die DDR mit ihren Bürgern eingemauert hat.
Zum Jubiläum zeigte Das Erste mit “3 1/2 Stunden” einen eindrücklichen Film, der sich mit einem schrecklichen, geradezu unfassbaren Gedanken befasst.

Am 13. August 1961 ist ein Interzonenzug aus Bayern in Richtung DDR und Ost-Berlin unterwegs. Unterwegs erfahren die Menschen im Zug, dass die DDR die Grenze schließt.
Die schlimme, lebensverändernde Erkenntnis ist: Diese Fahrt entscheidet darüber, wie das Leben eines jeden Einzelnen weitergeht. Bleibt man im Zug, wird man in der DDR eingesperrt sein. Steigt man noch in Bayern aus – der Zug wird noch ein paarmal halten -, kann man im Westen bleiben – und unter Umständen von einem Moment zum anderen die alte Heimat verlieren.

“3 1/2 Stunden” erzählt die Geschichte von den Menschen in diesem Zug. Da gibt es eine Familie, die droht auseinandergerissen zu werden. Die Mutter ist linientreu, der Vater will gern im Westen bleiben. Die Tochter will im Osten Sporterfolge feiern. Wird es eine Trennung geben?
Die vier Mitglieder einer Band überlegen, ob sie noch in Bayern aussteigen oder weiterfahren. Unter ihnen ein schwules Paar, das im Westen mehr Schwierigkeiten haben könnte als im Osten, ein Jude, eine Stasimitarbeiterin. Alle machen sie Musik zusammen – auch künftig?

Sie alle haben dreieinhalb Stunden für eine Entscheidung. Es sind Momente, die mitunter herzzerreißend sind. Und es ist ein grundsätzlich krasser Gedanke, wie entscheidend solche dreieinhalb Stunden sein können.
Auf spannende Weise macht dieser Film klar, wie schicksalshaft der Mauerbau für die Menschen war. Die politische Komponente ist das eine – die menschliche das andere.

-> Der Film in der ARD-Mediathek (bis 6. September 2021)

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Umgewendet – Schule nach dem Mauerfall

Sonntag, den 9. Mai 2021
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FR 07.05.2021 | 21.30 Uhr | tagesschau24

Die Wendezeit in der DDR ist noch lange nicht auserzählt. Eine rbb-Doku, die am Montag im Ersten und am Freitagabend bei tagesschau24 lief, beleuchtet ein heute recht wenig beleuchtetes Thema im Zusammenhang mit dem Mauerfall in der DDR. Es ist aber eines, das einmal mehr zeigt, wie schwierig es ist, innerhalb weniger Wochen einen ganzen Apparat von einem System aufs andere umzuswitchen.

In der Doku “Umgewendet – Schule nach dem Mauerfall” ist erzählt worden, wie sich Schulen und Lehrende innerhalb weniger Wochen komplett neu orientieren mussten – und mit ihnen natürlich die Kinder und Jugendlichen.
Das Schulsystem in der DDR und so ziemlich alles, was dort gelehrt worden war, war ideologisch gefärbt. Der SED-Staat gab vor, was gut und was böse zu sein hatte. In Staatsbürgerkunde war zu hören, wie böse der Kapitalismus war – Wochen später war man selber im Kapitalismus, und das Fach Staatsbürgerkunde war abgeschafft.

Lehrende wussten mitunter gar nicht, was sie den vor ihnen sitzenden Kindern und Jugendlichen nun beibringen sollen. Die Staatslehre gab es nicht mehr, und plötzlich sollten sie Philosophie lehren.
Und die Schülerinnen und Schüler hatten es plötzlich mit Lehrenden zu tun, die ihnen gerade noch was vom guten Staat DDR erzählten und nun plötzlich ganz andere Worte wählten – oftmals verbunden mit einem großen Autoritätsverlust.
In dieser Doku wurde das alles sehr anschaulich erzählt. Sie zeigt, wie schwierig es für alle Seiten war, plötzlich in einem anderen System zu arbeiten und zu lernen. Sich plötzlich mit neuen “Wahrheiten” befassen zu müssen.

Ich war 1989/90 in der 5. Klasse, ich besuchte eine polytechnische Oberschule in Oranienburg, und plötzlich spielten Pioniere keine Rolle mehr. Plötzlich mussten wir keine Wandzeitungen mehr erstellen. Plötzlich diskutierten wir darüber, ob wir wirklich noch Russisch lernen müssen, und der Russischlehrer war sowieso unten durch. Wir bekamen einen neuen Direktor, der alte von der SED war plötzlich weg.
In der 5. Klasse war das alles noch nicht das große Problem, und ich selbst und meine Familie waren sowieso eher geprägt davon, dass wir uns über die Entwicklung extrem gefreut hatten. Aber, und das kann man nicht unter den Tisch fallen lasen, für viele ist im Herbst 1989 auch eine Welt zusammengebrochen. Gar nicht wegen des Verlustes der DDR, viel wegen Zukunftsängsten, Vertrauensverlusten und Ungewissheiten. Während die einen voller Vorfreunde auf das blickten, was da kam, waren die anderen besorgt und desillusioniert.

-> Die Doku in der ARD-Mediathek (bis 3. Mai 2022)

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Die Liebe des Hans Albers

Sonntag, den 10. Januar 2021
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MI 06.01.2021 | 21.55 Uhr | Das Erste

Er war der blonde Hans. Hans Albers ist ab den 20er-Jahren des 20. Jahrhunderts als Schauspieler in Deutschland sehr bekannt und beliebt gewesen. Stand er auf der Theaterbühne sahen ihm die Leute gerne zu, und später spielte er auch in vielen Kinofilmen.
Er war mit Hansi Burg liiert, über viele Jahre. Sie suchte auch seine Rollen aus.
Und dann kamen die Nazis.
Die Nazis liebten den blonden Hans, fanden die Beziehung zu Hansi Burg aber alles andere als gut – sie war Jüdin. Und die verstand auch nicht, warum sich Hans Albers vor den Karren der Nazis spannen ließ und weiter deren Propagandafilme und Gute-Laune-Werke in Kriegszeiten drehte.
Dabei wollte Albers nur eines sein: unpolitisch. Er wollte spielen, nur darum ging es ihm. Und deshalb vermied er es auch, sich gemeinsam mit den Naziherrschern zu zeigen, entsprechende Termine sagte er immer wieder ab.
Ein Spagat.

Von diesem spannenden Spagat erzählte am Mittwochabend der Film “Die Liebe des Hans Albers”. Dabei handelte es sich um eine Art Dokudrama. Denn zu sehen waren teilweise Originalszenen, aber auch inszenierte Szenen, die wohl auf wahre Gespräche beruhen.
Dabei ging es nicht um den blonden Hans als Held der Frauen, die ihm zujubelten. Sondern um Haltung und Moral. Um die Frage, was er gegen die Nazis getan hat – ob er überhaupt was gegen sie getan hat. Warum er den Nazis zwar fern blieb, aber in deren Filmen spielte.
Hält man Albers anfangs noch für seltsam naiv, wird später klar: Es ging ihm auch ums Überleben. In dem er einfach weiter seinen Beruf ausübte, auf eine Weise die er für vertretbar hielt.

Leider war der ganze Film im Ersten erst in der Nacht zum Donnerstag weit nach 3 Uhr zu sehen. Denn bei der TV-Premiere am Mittwochabend ist er nach etwas mehr als einer Stunde zugunsten einer wegen der Capitol-Ereignisse vorgezogenen “Tagesthemen” abgebrochen worden.
Das ist wirklich schade, und das haben der Film und das Thema nicht verdient. Die ARD muss sich fragen lassen, warum man im Wissen der Ereignisse der Film überhaupt begonnen hat.

-> Der Film in der ARD-Mediathek (bis 7. April 2021)

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Staffeldes historisches Plumpsklo

Donnerstag, den 22. Oktober 2020
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Dorfgeschichte: An der Bergstraße steht ein altes Gebäudeensemble aus dem 19. Jahrhundert

MAZ Oberhavel, 22.10.2020

Staffelde.
Ein Blick durchs Herz in der Holztür. Drinnen ist es dunkel. Helmut Glanzer schüttelt den Kopf: Nichts zu erkennen. Es sind genau acht solcher Holztüren mit einem Herzchen drin, und hinter jeder müsste sich eine Trockentoilette befinden – im Volksmund: Plumpsklo.

Das kleine Gebäude mit den Herzchen in den Türen befindet sich mitten in Staffelde, zwischen der Flatower Straße und der Bergstraße. Es gehört zu einem kleinen Grundstücksensemble, das heute fast schon einen geschichtlichen Wert hat. Helmut Glanzer, der ehemalige Ortsvorsteher von Staffelde, und Ingrid Zache von der Landesgeschichtlichen Vereinigung für die Mark Brandenburg beschäftigen sich seit einiger Zeit intensiv mit der Historie des Dorfes.

Das Gebäudeensemble besteht aus einem Mehrfamilienhaus, dem kleinen Gebäude mit den acht Toiletten und einem größeren Gebäude mit acht Kellern und Abstellräumen im oberen Teil.
Das Mehrfamilienhaus müsste nach 1850 gebaut worden sein, schätzt Ingrid Zache. „Dafür spricht die massive Bauweise.“ Ende des 19. Jahrhunderts war Staffelde die größte Gutswirtschaft des damaligen Kreises Osthavelland. Dafür sind Arbeitskräfte benötigt worden. „Die lockte man mit diesen Maßnahmen an. In dem sie sagten: Ihr kriegt Wohnungen.“ In den Häusern gab es eine Stube, eine Kammer, eine Küche. Damals lebten acht Familien in dem Haus – demzufolge mussten auch acht Toiletten gebaut werden, dazu acht Schuppen. Für beides war im Haus selbst kein Platz, und so entstanden die Nebengebäude, die noch heute in Staffelde zu sehen sind. „Jeder hat seinen kleinen Keller gehabt“, sagt Helmut Glanzer. Dazu führte eine kleine Treppe runter. Hinter der Tür daneben ging es dagegen ein paar Stufen rauf. „Da wurde vermutlich Holz gelagert.“ Der grüne Holzschuppen am Wohnhaus sei erst später dazu gebaut worden.
Die Plumpsklos sind vermutlich seit gut 40 Jahren außer Betrieb, schätzt Helmut Glanzer. „der Anschluss wurde zu DDR-Zeiten gelegt.“

1881 gab es in Staffelde eine neue Gemeindeordnung, berichtet Ingrid Zache. „Darin hieß es, man solle sich um die Armen im Dorf kümmern.“ Das Mehrfamilienhaus an der Bergstraße könnte daraufhin zum „Dorfarmenhaus“ umfunktioniert worden sein. „Das Dorf hatte diese Leistung zu erbringen und musste Unterkünfte bereitstellen“, sagt Ingrid Zache. Dass das Haus dafür genutzt worden sei, sei jedoch nur eine Vermutung, betont sie weiter. Zu DDR-Zeiten gehörte das Gebäudeensemble der Gemeinde Staffelde. Das Dach des Schuppengebäudes ist damals neu gedeckt worden. „Sonst wäre es damals schon eingefallen“, sagt Helmut Glanzer. Das Mehrfamilienhaus ging mit der Eingemeindung Staffeldes nach Kremmen in deren Besitz über, jetzt gehört es zur Wohnungsbaugesellschaft, der Woba in Kremmen.

Die gerade musealen Schuppen- und Toilettengebäude stehen seit Jahrzehnten ungenutzt auf dem Gelände. „Ich denke mal, wir müssen uns damit mal befassen, um das hier erhalten zu können“, sagt Helmut Glanzer, der auch Mitglied des Ortsbeirates ist. „Aber die jüngere Generation sieht das vielleicht anders als wir Alten. Abreißen und etwas Neues bauen, sagen die Jungen.“ Er ergänzt: „So lange, wie ich lebe, bleibt das stehen.“ Helmut Glanzer wünscht sich, dass die Gebäude wenigstens grundinstandgesetzt werden. „Es zeigt ein Stück Geschichte in Staffelde.“ Es gehe auch darum, die steinernden Zeugen der verschiedenen Geschichtsepochen im Dorf zu erhalten, ergänzt Ingrid Zache.

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