RTelenovela

Lassen Sie mich vor, ich bin Apotheker!

Montag, den 11. Juli 2016
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Lassen Sie mich vor, ich bin Apotheker! Diesen Spruch solltest du dir merken, wenn du dich das nächste Mal in einer Warteschlange vordrängelst. In Fürstenberg hat es am Sonnabend funktioniert, führte aber zu einem geradezu bizarren Streit.
Ein Mann und eine Frau warteten am Langos-Stand hinter uns, entdeckten aber weiter vorn Freunde – und stellten sich zu ihnen. Das fiel natürlich den dahinter Wartenden auf. Eine Frau vor uns sprach den Mann an, was das denn solle. Und das sei ja unsozial. Der reagierte erst nicht, erst als die Frau perment auf ihn einredete – und auch uns mit einbezog, da drehte sich der Mann um. “Wollen Sie Ärger”, fragte er.

Uuh. Jetzt wurde es spannend.
Der Mann wollte von der Frau wissen, was Sie denn heute schon Soziales geleistet habe. Und was die Frau denn von Beruf sei. Hat zwar nichts mit dem Vordrängeln zu tun, aber egal.
Die Frau sei Apothekerin, sagte sie. Und der Vordrängler auch, wie sich rausstellte. Und er tat so, als sei Apotheker ein reiner Sozialberuf.
Der Kollegenstreit ging aber noch weiter. Und wenn der Herr Apotheker vor hatte, den Wasserfest-Arroganzpreis an diesem Abend ganz locker.
Er sei ja heute schon viel unterwegs gewesen, und Schütze sei er auch. Sogar Schützenkönig sei er schon mal gewesen, allerdings schon vor ein paar Jahren.
Viel unterwegs, Apotheker, Schütze, Ex-König. Das alles, fand der Vordrängler, seien alles Gründe, warum das Vordrängeln in Ordnung sei. Vielleicht wollte er auch einfach irgendwas sagen, machte es aber nur lächerlicher und noch unsympathischer.

Er bekam irgendwann seinen Langos, wir alle mussten noch länger warten, hatten dafür aber auch länger Zeit, über die ach so soziale Ader des Herrn Apotheker nachzudenken. Uns vor Ehrfurcht in den Staub zu werfen, wollten wir dann doch nicht.

RTZapper

ZAPPER VOR ORT: Nicole beim Wasserfest

Sonntag, den 10. Juli 2016
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SA 09.07.2016 | Fürstenberg, Stadtpark

Da hat wohl jemand die Texte von Nicole ein bisschen zu ernst genommen. Wenn sie singt, sie sei nur für ihn da und er solle doch kommen, da fühlte dieser jemand sich wohl wirklich angesprochen.
Plötzlich jedenfalls rannte am Sonnabendnachmittag beim Wasserfest im Fürstenberger Stadtpark ein Mann auf die Bühne, um die Schlagersängerin Nicole zu umarmen. Nicole trat mitten im Song die Flucht an, und ein Securitymann schob den aufdringlichen Herren wieder von der Bühne.
Nach diesem Zwischenfall musste sich Nicole kurz mal sammeln, ein wenig schockiert schien sie wohl tatsächlich gewesen zu sein.

Aber Nicole ist Profi. Seit 1981 singt sie, “Flieg nicht so hoch, mein kleiner Freund” war ihr erster Hit, und 1982 hatte sie ihren endgültigen Durchbruch mit “Ein bisschen Frieden” – und dem Sieg beim Eurovision Song Contest.
Und es ist ja immer wieder erstaunlich: Man denkt, man hat mit diesen Schlagern gar nicht sooo viel am Hut, und dann singt Nicole los, und man kennt dann doch vieler dieser Lieder: “Ein leises Lied”, “Dann küss mich doch”, “Mir vielleicht vielleicht” – und so weiter. Das liegt allerdings auch daran, dass ja auf zdf.kultur die ZDF-Hitparade täglich wiederholt wird – und in den 80ern und sehr frühen 90ern Schlager in Deutschland noch sehr viel mehr im Musik-Mittelpunkt standen.
Ganz Profi badet Nicole in der Menge, lässt sich auch von den erstaunlich vielen Fotografen und Filmern nicht stören und zieht freundlich, locker ihr Programm durch.
Auch als der junge Mann erstmals vor der Bühne stand, Fotos von Nicole machte und ihr dabei immer näher kam, ließ sie sich nichts anmerken – aber vermutlich war die Security da schon aufmerksam geworden.

Andererseits wird sich Nicole durch den kleinen Zwischenfall an Fürstenberg wohl länger erinnern. Das Publikum an Nicole aber auch – ein schöner Nachmittag mit einer sympathischen Sängerin.

RT liest

Marc Kayser: Große Freiheit Ost – Auf der B96 durch ein wildes Stück Deutschland

Montag, den 4. Januar 2016
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In der DDR war die F96 die längste Fernverkehrsstraße des Landes. Inzwischen ist daraus die B96 geworden, sie ist inzwischen zwar löchrig, aber immer noch wichtig. Deshalb ist sie für viele Menschen in Ostdeutschland auch eine Straße voller Erinnerungen, voller Symbolik.
Marc Kayser hatte deshalb einen spannenden Ansatz, als er beschloss, ein Buch über die B96 zu schreiben. Es gibt schließlich viel über sie zu sagen.
Leider hat der Autor sein Konzept erstaunlich schnell vollkommen aus den Augen verloren.

Die B96 also. Sie führt von Zittau in Sachsen über Berlin nach Sassnitz auf Rügen. Marc Kayser hat sich ins Auto gesetzt und ist die Strecke abgefahren. Er trifft auf Menschen und Orte. Ein Schmied mit Zukunftssorgen. Eine plötzliche Baustelle. Auf Inka Bause in Berlin. Einen Motorradfan. Und viele weitere.
Die Geschichten sind meistens ganz interessant – aber sie haben viel zu oft nichts mit der B96 zu tun.

Viel zu oft verwendet Kayser die Floskel, dass etwas nur einen Steinwurf von der B96 entfernt liege. Immer wieder gibt es Kapitel im Buch, die völlig von der B96 abweichen. Südbrandenburg scheint den Autor so gut wie gar nicht interessiert zu haben. Immer seltener schreibt er über die Straße, sondern über irgendwelche Leute und Orte “einen Steinwurf entfernt”.
Manche Kapitel wirken zudem schludrig. Erst erzählt der Autor, dass die B96 den Potsdamer Platz in Berlin zerschneidet (nein, das ist die B1), um auf der nächsten Seite richtigerweise zu sagen, dass die B96 in einem Tunnel unter dem Berliner Zentrum entlangführt.
In Berlin reist der Autor scheinbar wahllos an irgendwelche Orte (Velodrom, Hellersdorf) um irgendwelche Storys zu erzählen – nur kaum eine über die B96 oder die alte B96a.
Nördlich von Berlin fährt er zum Grabowsee (nicht an der B96), nach Prenden (angeblich “zehn zügige Autominuten entfernt” – dabei sind es gute 45 Minuten und nicht mal ansatzweise in der Nähe der B96), nach Zehdenick (an der B109) oder nach Rheinsberg (B122). Lauter Orte, die im Norden Berlins liegen – aber nicht an der B96, über die er eigentlich schreiben wollte. Fast schon ignorant.
Die spannende Geschichte vom Entenschnabel in Glienicke? Dass die B96 auf dem ehemaligen Grenzstreifen verläuft? Die Himmelspagode in Hohen Neuendorf? Alles nicht spannend für den Autor.
Immerhin kommt Fürstenberg vor, eine Stadt, die heute geplagt ist vom B96-Lärm, und in der viele Leute darum kämpfen, dass eine Umgehungsstraße gebaut wird.

Die ebenfalls spannende Geschichte der ganz alten F96 zwischen Greifswald und Stralsund, wird relativ lapidar runtererzählt. Recherchiert worden ist nicht. Von wann ist die Straße? Wann wurde die neue F96 (die inzwischen die B105 ist) gebaut?
Hätte mich interessiert. den Autor hat’s leider wohl nicht interessiert.
Das geht immer so weiter: Auf Rügen scheint er wahllos irgendwelche Orte zu besuchen (Binz liegt nun wirklich nicht an der B96). Über die Rügenbrücke wird nur gesagt, sie sehe schön aus. Über die Fahrt darüber (oder über den alten Rügendamm): nichts. Über den Zoff um den B96-Neubau: nichts.
Auch fehlen in diesem Buch Straßenkarten, um überhaupt mal zu verdeutlichen, wo man sich denn nun befindet (aber vermutlich hätte das entlarvt, dass viele Storys im Buch mit dem Thema nichts zu tun haben).

Dieses Buch erzählt zwar viel über Menschen, auch über die Freiheit, auch über das wilde Deutschland.
Aber über die B96 erfährt man in diesem Buch viel, viel zu wenig. Recherchen scheint es kaum gegeben zu haben. Es erinnert ein wenig an “Kesslers Expeditionen”. Aber von so einem Buch erwarte ich mir schon etwas mehr. In dieser Hinsicht ist es eine Enttäuschung – fast schon eine Täuschung.

Marc Kayser: Große Freiheit Ost – Auf der B96 durch ein wildes Stück Deutschland
Bild und Heimat, 187 Seiten
3/10

RTelenovela

B96: Wenn’s mal wieder länger dauert

Sonntag, den 16. August 2015
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Die Bewohner von Fürstenberg verfluchen die B96. Die führt mitten durch das Zentrum und kann verdammt laut werden. Die Vorbereitungen für eine Ortsumgehung laufen nun nach langem Kampf. Wobei es ja für einen Ort für Fürstenberg auch immer Fluch und Segen zugleich ist, so eine belebte Straße zu haben. Kein Durchgangsverkehr führt schließlich dazu, dass auch weniger Leute in den Ort kommen.
Es heißt, nachts um 1 Uhr könne man langsam dran denken, mal ein Fenster aufzumachen, dann kämen weniger Lkw durch. Weniger. Nicht: keine.

Am Sonnabendvormittag war die B96 eher ein Fluch. Eine halbe Ewigkeit stand ich in einer der Seitenseiten, um links auf die Bundesstraße abzubiegen. Lange Kolonnen auf beiden Seiten, der sich durch die kleine Stadt quält. Ferienverkehr. Bestimmt fünf Minuten ging das so, bis sich endlich mal ein Schlupfloch auftat.
Immerhin war der Weg Richtung Oranienburg relativ frei. Aber nach Norden: Stau an der Brückenbaustelle bei Dannenwalde. Stau in Löwenberg. Stau vor Nassenheide. Wer dorthin unterwegs war, brauchte viel Geduld. Andererseits blieb viel Zeit zum Träumen von wunderschönen Umgehungsstraßen.

aRTikel

Mit Fotoapparat und Klemmbrett die Innenstadt abgeklappert

Dienstag, den 28. April 2015
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Für Google Maps hat Maximilian Schmidt (22) Geschäfte in der Oranienburger City ins Bild gesetzt

MAZ Oranienburg, 28.4.2015

ORANIENBURG
Maximilian Schmidt ist neuerdings ein echter Kenner der Oranienburger Innenstadt. Der 22-jährige Fürstenberger hat nämlich etwa 120 Läden fotografiert. Das aber nicht aus reinem Spaß an der Freude. Sondern, um sie im Internet bekannter zu machen.
Sechs Wochen lang absolvierte er ein Praktikum bei der Werbeagentur „Chicken on Speed“ in der Stralsunder Straße in Oranienburg. Sein Hauptprojekt nannte sich „City 100“. Dabei ging es darum, 100 Geschäfte (am Ende waren es ein paar mehr) ins Bild zu setzen und die Fotos bei Google Maps im Internet hochzuladen. „Das ist für die Leute, die hier noch nie waren, oder wissen möchten, wie das Geschäft aussieht, wonach sie gerade gesucht haben“, erklärt er.

Zwei Tage lang war er in Oranienburg unterwegs: entlang der Stralsunder Straße, Schul- und Mittelstraße, Bernauer und Lehnitzstraße, am Schloss vorbei zur Breiten Straße und zum Bötzower Platz. „Wir haben uns auf die Innenstadt beschränkt“, sagt er. Mit Fotoapparat und Klemmbrett lief er durch die Stadt – und fiel auf. „Meistens bin ich auch in die Läden rein, um Bescheid zu sagen“, sagt Maximilian. „Manche kamen auch gleich raus.“ Wenn er dann erklärt hat, worum es bei dem Projekt geht, haben es die meisten auch verstanden. „Einige kannten Google Maps aber gar nicht“, so der Fürstenberger. Auch musste er ab und zu erklären, dass er die Läden von außen auch ohne zu fragen rein rechtlich fotografieren darf.

Nachdem er zwei Tage lang in Oranienburg unterwegs war, setzte er sich im Büro der Werbeagentur an den Computer, um alles zu bearbeiten. Wer bei Google Fotos hochlädt, kann dazu den passenden Standort eingeben und die Läden so noch besser markieren. Im Idealfall erscheint, wenn sich Nutzer auf der Google-Maps-Seite im Oranienburger Stadtgebiet umschauen oder speziell den Namen eines Geschäfts eingeben, dann auch die Bilder der dort befindlichen Läden. „Das waren ziemlich viele Geschäfte“, sagt Maximilian und lächelt. „Ich habe immer gedacht, dass die Stadt, was die Läden angeht, recht klein ist.“

Maximilian Schmidt geht auf das Hennigsdorfer Eduard-Maurer-Oberstufenzentrum. Sein Bildungsgang: gestaltungstechnischer Assistent. „Es geht zum Beispiel um Gestaltung, Werbung und Videoschnitt“, so der 22-Jährige. Innerhalb dessen musste er sich einen Praktikumsplatz suchen. „So sollen wir auf das Berufsleben vorbereitet werden.“ Seinem Chef René Tausch war es wichtig, ihm auch eine sinnvolle Aufgabe zu geben. „Es ist immer gut, so ein Praktikum mit etwas Handfestem abzuschließen“, sagt er. „Praktikanten sollen schließlich nicht nur Kaffee kochen“, ergänzt er mit einem Augenzwinkern.
Maximilian kann sich vorstellen, als Mediengestalter zu arbeiten. Bald stehen erst mal die Prüfungen für das Fach-Abi an. Vielleicht gründet er mal sein eigenes Label für Textildesign. „Beim Praktikum habe ich auf jeden Fall schon mal ein bisschen Routine mitbekommen“, sagt er. Und wenn er in Zukunft auf Google Maps nachschaut, wird er immer wieder auf seine Fotos stoßen.

RTelenovela

Havel und Kölle Alaaf!

Sonntag, den 15. Februar 2015
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Ein dreifaches Havel Alaaf! Ich gebe zu: Ich bin ein Karnevalsmuffel. Schon zu Kindergartenzeiten habe ich mich ungern verkleidet – auch wenn die Party dann letztlich doch immer Spaß gemacht hat.
Aber seitdem geht der Fasching immer komplett an mir vorbei. “Mainz bleibt Mainz” muss ohne mich stattfinden, nur am Rosenmontag schalte ich mal ein, wenn in Köln der Karnevalsumzug startet.

Heute aber verschlug es mich zum Karneval nach Fürstenberg, und es hat überhaupt nicht weh getan. Die Sporthalle war toll geschmückt, viele Leute haben sich lustig verkleidet (ich habe kurz überlegt, meine Warnweste und meinen Bauarbeiterhelm aus dem Kofferraum zu holen, aber das hätte nicht zum Liebes- und Rock’n'-Roll-Motto gepasst) und die Stimmung war auch recht gut.

Die Karnevalisten haben getanzt, gespielt und gewitzelt – alles weitgehend zotenfrei (hört man von anderen Faschingsfeiern anders), sehr modern und nicht so verstaubt, wie man es manchmal im Fernsehen vorgesetzt bekommt. Und wenn es im kommenden Jahr eine bissige, die Ereignisse in Fürstenberg und der Region aufs Korn nehmende Büttenrede gibt, dann bin ich 2016 eventuell wieder dabei. Und darauf ein dreifaches Havel Alaaf!

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Pendelverkehr: Gransee – Fürstenberg

Freitag, den 19. Dezember 2014
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Seit ich neulich beim Umzug eines Freundes mitgeholfen habe, kenne ich mich auf der Strecke zwischen Gransee und Fürstenberg ganz gut aus. Wir arbeiteten gewissermaßen im Pendelverkehr. Immer hin und her und hin und her. Dreimal innerhalb von etwas mehr als vier Stunden.

Sehr idyllisch ist beispielsweise die Eisenbahnbrücke bei Dannenwalde. Die ist – auch wenn es nicht danach aussieht – eine Baustelle. Die Brücke ist so marode, dass der Verkehr nur noch einspurig rüberführen darf. Wer weiß, vielleicht würde die Überführung sonst schlapp machen. Irgendwann, also sicher irgendwann bald, könnte es mal eine neue Brücke geben. An der Ampel, die den Verkehr dort wechselseitig regelt, kann man schon die eine oder andere Minute verbringen. Und Zeitung lesen zum Beispiel. Oder was aus dem Kofferraum holen. Oder der Familie im Auto dahinter zuwinken.

Danach – der Zeitverlust ist schließlich immens – hat natürlich kaum noch jemand Lust, die erlaubten 80 Sachen zu fahren, immer wieder kommt es zu gefährlichen Überholmanövern. Einige Leute scheinen die B96 für eine vierspurige Autobahn zu halten – eine, bei denen man die beiden Gegenspuren leider vergessen hat. Egal, auch vor Kurven wird links gefahren. Man gännt sich ja sonst nichts.

Völlig aus dem Nichts steht dann das Ortsschild von Fürstenberg an der Straße. Wenn man dort die vielen “B96 raus aus der Stadt!”-Schilder sieht, kann man nur erahnen, wie genervt die Menschen dort vom Verkehrslärm sind. Allerdings ist es auch krass, wie schmal die B96 im Ortskern wird und sich durch die Innenstadt quält. In der Rushhour könnte das tatsächlich problematisch werden.