RTelenovela

B96: Wenn’s mal wieder länger dauert

Sonntag, den 16. August 2015
Tags: , , , , ,

Die Bewohner von Fürstenberg verfluchen die B96. Die führt mitten durch das Zentrum und kann verdammt laut werden. Die Vorbereitungen für eine Ortsumgehung laufen nun nach langem Kampf. Wobei es ja für einen Ort für Fürstenberg auch immer Fluch und Segen zugleich ist, so eine belebte Straße zu haben. Kein Durchgangsverkehr führt schließlich dazu, dass auch weniger Leute in den Ort kommen.
Es heißt, nachts um 1 Uhr könne man langsam dran denken, mal ein Fenster aufzumachen, dann kämen weniger Lkw durch. Weniger. Nicht: keine.

Am Sonnabendvormittag war die B96 eher ein Fluch. Eine halbe Ewigkeit stand ich in einer der Seitenseiten, um links auf die Bundesstraße abzubiegen. Lange Kolonnen auf beiden Seiten, der sich durch die kleine Stadt quält. Ferienverkehr. Bestimmt fünf Minuten ging das so, bis sich endlich mal ein Schlupfloch auftat.
Immerhin war der Weg Richtung Oranienburg relativ frei. Aber nach Norden: Stau an der Brückenbaustelle bei Dannenwalde. Stau in Löwenberg. Stau vor Nassenheide. Wer dorthin unterwegs war, brauchte viel Geduld. Andererseits blieb viel Zeit zum Träumen von wunderschönen Umgehungsstraßen.

aRTikel

Mit Fotoapparat und Klemmbrett die Innenstadt abgeklappert

Dienstag, den 28. April 2015
Tags: , , ,

Für Google Maps hat Maximilian Schmidt (22) Geschäfte in der Oranienburger City ins Bild gesetzt

MAZ Oranienburg, 28.4.2015

ORANIENBURG
Maximilian Schmidt ist neuerdings ein echter Kenner der Oranienburger Innenstadt. Der 22-jährige Fürstenberger hat nämlich etwa 120 Läden fotografiert. Das aber nicht aus reinem Spaß an der Freude. Sondern, um sie im Internet bekannter zu machen.
Sechs Wochen lang absolvierte er ein Praktikum bei der Werbeagentur „Chicken on Speed“ in der Stralsunder Straße in Oranienburg. Sein Hauptprojekt nannte sich „City 100“. Dabei ging es darum, 100 Geschäfte (am Ende waren es ein paar mehr) ins Bild zu setzen und die Fotos bei Google Maps im Internet hochzuladen. „Das ist für die Leute, die hier noch nie waren, oder wissen möchten, wie das Geschäft aussieht, wonach sie gerade gesucht haben“, erklärt er.

Zwei Tage lang war er in Oranienburg unterwegs: entlang der Stralsunder Straße, Schul- und Mittelstraße, Bernauer und Lehnitzstraße, am Schloss vorbei zur Breiten Straße und zum Bötzower Platz. „Wir haben uns auf die Innenstadt beschränkt“, sagt er. Mit Fotoapparat und Klemmbrett lief er durch die Stadt – und fiel auf. „Meistens bin ich auch in die Läden rein, um Bescheid zu sagen“, sagt Maximilian. „Manche kamen auch gleich raus.“ Wenn er dann erklärt hat, worum es bei dem Projekt geht, haben es die meisten auch verstanden. „Einige kannten Google Maps aber gar nicht“, so der Fürstenberger. Auch musste er ab und zu erklären, dass er die Läden von außen auch ohne zu fragen rein rechtlich fotografieren darf.

Nachdem er zwei Tage lang in Oranienburg unterwegs war, setzte er sich im Büro der Werbeagentur an den Computer, um alles zu bearbeiten. Wer bei Google Fotos hochlädt, kann dazu den passenden Standort eingeben und die Läden so noch besser markieren. Im Idealfall erscheint, wenn sich Nutzer auf der Google-Maps-Seite im Oranienburger Stadtgebiet umschauen oder speziell den Namen eines Geschäfts eingeben, dann auch die Bilder der dort befindlichen Läden. „Das waren ziemlich viele Geschäfte“, sagt Maximilian und lächelt. „Ich habe immer gedacht, dass die Stadt, was die Läden angeht, recht klein ist.“

Maximilian Schmidt geht auf das Hennigsdorfer Eduard-Maurer-Oberstufenzentrum. Sein Bildungsgang: gestaltungstechnischer Assistent. „Es geht zum Beispiel um Gestaltung, Werbung und Videoschnitt“, so der 22-Jährige. Innerhalb dessen musste er sich einen Praktikumsplatz suchen. „So sollen wir auf das Berufsleben vorbereitet werden.“ Seinem Chef René Tausch war es wichtig, ihm auch eine sinnvolle Aufgabe zu geben. „Es ist immer gut, so ein Praktikum mit etwas Handfestem abzuschließen“, sagt er. „Praktikanten sollen schließlich nicht nur Kaffee kochen“, ergänzt er mit einem Augenzwinkern.
Maximilian kann sich vorstellen, als Mediengestalter zu arbeiten. Bald stehen erst mal die Prüfungen für das Fach-Abi an. Vielleicht gründet er mal sein eigenes Label für Textildesign. „Beim Praktikum habe ich auf jeden Fall schon mal ein bisschen Routine mitbekommen“, sagt er. Und wenn er in Zukunft auf Google Maps nachschaut, wird er immer wieder auf seine Fotos stoßen.

RTelenovela

Havel und Kölle Alaaf!

Sonntag, den 15. Februar 2015
Tags: ,

Ein dreifaches Havel Alaaf! Ich gebe zu: Ich bin ein Karnevalsmuffel. Schon zu Kindergartenzeiten habe ich mich ungern verkleidet – auch wenn die Party dann letztlich doch immer Spaß gemacht hat.
Aber seitdem geht der Fasching immer komplett an mir vorbei. “Mainz bleibt Mainz” muss ohne mich stattfinden, nur am Rosenmontag schalte ich mal ein, wenn in Köln der Karnevalsumzug startet.

Heute aber verschlug es mich zum Karneval nach Fürstenberg, und es hat überhaupt nicht weh getan. Die Sporthalle war toll geschmückt, viele Leute haben sich lustig verkleidet (ich habe kurz überlegt, meine Warnweste und meinen Bauarbeiterhelm aus dem Kofferraum zu holen, aber das hätte nicht zum Liebes- und Rock’n'-Roll-Motto gepasst) und die Stimmung war auch recht gut.

Die Karnevalisten haben getanzt, gespielt und gewitzelt – alles weitgehend zotenfrei (hört man von anderen Faschingsfeiern anders), sehr modern und nicht so verstaubt, wie man es manchmal im Fernsehen vorgesetzt bekommt. Und wenn es im kommenden Jahr eine bissige, die Ereignisse in Fürstenberg und der Region aufs Korn nehmende Büttenrede gibt, dann bin ich 2016 eventuell wieder dabei. Und darauf ein dreifaches Havel Alaaf!

RTelenovela

Pendelverkehr: Gransee – Fürstenberg

Freitag, den 19. Dezember 2014
Tags: , , ,

Seit ich neulich beim Umzug eines Freundes mitgeholfen habe, kenne ich mich auf der Strecke zwischen Gransee und Fürstenberg ganz gut aus. Wir arbeiteten gewissermaßen im Pendelverkehr. Immer hin und her und hin und her. Dreimal innerhalb von etwas mehr als vier Stunden.

Sehr idyllisch ist beispielsweise die Eisenbahnbrücke bei Dannenwalde. Die ist – auch wenn es nicht danach aussieht – eine Baustelle. Die Brücke ist so marode, dass der Verkehr nur noch einspurig rüberführen darf. Wer weiß, vielleicht würde die Überführung sonst schlapp machen. Irgendwann, also sicher irgendwann bald, könnte es mal eine neue Brücke geben. An der Ampel, die den Verkehr dort wechselseitig regelt, kann man schon die eine oder andere Minute verbringen. Und Zeitung lesen zum Beispiel. Oder was aus dem Kofferraum holen. Oder der Familie im Auto dahinter zuwinken.

Danach – der Zeitverlust ist schließlich immens – hat natürlich kaum noch jemand Lust, die erlaubten 80 Sachen zu fahren, immer wieder kommt es zu gefährlichen Überholmanövern. Einige Leute scheinen die B96 für eine vierspurige Autobahn zu halten – eine, bei denen man die beiden Gegenspuren leider vergessen hat. Egal, auch vor Kurven wird links gefahren. Man gännt sich ja sonst nichts.

Völlig aus dem Nichts steht dann das Ortsschild von Fürstenberg an der Straße. Wenn man dort die vielen “B96 raus aus der Stadt!”-Schilder sieht, kann man nur erahnen, wie genervt die Menschen dort vom Verkehrslärm sind. Allerdings ist es auch krass, wie schmal die B96 im Ortskern wird und sich durch die Innenstadt quält. In der Rushhour könnte das tatsächlich problematisch werden.

RTelenovela

Oldtimer-Nostalgie

Dienstag, den 8. Juli 2014
Tags: , ,

100 alte Autos auf dem Markt von Kremmen. Wunderschöne alte Modelle. Dazu Leute, die sich teilweise in passende Klamotten geworfen haben. Toll! Oldtimertouren wie die am Freitag durch Kremmen und Oranienburg machen mich immer ein bisschen nostalgisch. Denn als Kind habe ich mit meiner Familie auch so manche solcher Touren miterlebt.

Mein Vater gehörte Zeit seines Lebens zu den Oranienburger Autonarren, die ihren Oldtimer hegten und pflegten und damit natürlich immer wieder unterwegs waren. Ich mittenmang.
So erinnere ich mich an Ausfahrten nach Fürstenberg oder zum Schloss nach Sommerswalde, es muss Mitte der 80er-Jahre gewesen sein. Die Fahrten an sich waren toll. Bei sonnigem Wetter mit offenem Dach und wehenden Haaren – was kann es Schöneres geben? Auch wenn unser Oldie hinten nur „Notsitze“ hatte und die nicht so wirklich gemütlich waren. Was ich aber hasste, war das ewige Rumstehen, wenn die Autos präsentiert worden sind. Wenn man eine halbe Ewigkeit auf irgendeinem Platz oder auf einer Wiese verbringt, ohne dass etwas Nennenswertes passiert. Als Kind hat man keinen Nerv dafür. Heute kann ich die Faszination besser nachvollziehen.

Ein gibt ein legendäres Foto, es muss am Schloss in Sommerswalde entstanden sein: Die Gruppe stand um einen Oldtimer herum, und der Fotograf meinte: Jetzt schauen Sie doch alle mal zum Auto. Und das machte ich. Und ich war der Einzige, der auf dem Foto aufs Auto glotzte, während alle anderen natürlich in die Kamera schauten…

RTelenovela

Aschermittwoch – aber die Jecken bleiben jeck!

Mittwoch, den 13. Februar 2013
Tags: , , , , ,

Alles hat ein Ende, und nicht nur die Wurst hat zwei. Das gilt offenbar auch für den Fasching. Ein Blick auf den Kalender verrät: Heute ist Aschermittwoch, das Ende der närrischen Zeit. Eigentlich.

Aber in einigen Orten scheint noch immer keine Katerstimmung zu herrschen. Die Narren machen einfach weiter, als ob nichts gewesen wäre. Die Senioren in Eichstädt ignorierten den Aschermittwoch eiskalt und feierten heute ihren Fasching.
Am kommenden Wochenende geht es munter weiter, da sind die Nassenheider immer noch jeck, auch die Falkenthaler geben weiter Gastspiele. Die Fürstenberger Narren lassen es ebenfalls weiterkrachen. In Kremmen rufen sie nach Sessionsschluss auch noch „Helau!“, am Sonntag in der Musikantenscheune. Die Senioren in Vehlefanz haben auch noch nicht genug, und feiern am kommenden Dienstag ihren verspäteten Fasching.

Wer weiß, vielleicht wird der 11. 11. ja demnächst auch schon am 10. 10. gefeiert. Die Narren machen eben was sie wollen. Auch nach Aschermittwoch.

aRTikel

Hast du einen Knall, oder was?!

Mittwoch, den 25. Januar 2012
Tags: , , , , , ,

Waschzettel und Leiterangst: Ticks und Marotten von Jugendlichen in Oberhavel

MAZ Oranienburg, 25.1.2012

Wenn alle Zettel im Ordner ordentlich sein müssen oder Linien auf dem Gehweg tabu sind: junge Leute berichten von ihren seltsamen Macken.

OBERHAVEL
Die Sache mit dem Haltbarkeitsdatum auf Lebensmitteln: „Wenn das Datum abgelaufen ist, esse ich nichts mehr davon“, erzählt Philipp (17) aus Oranienburg. Obwohl das Zeug noch gar nicht schlecht sein muss. Es ist eine Macke, und jeder hat eine, wenn er nur lange genug nachdenkt.

Ängste, Ticks, seltsame Angewohnheiten. So was bürgert sich schnell ein, wenn wir nicht aufpassen. „Oft wissen die anderen mehr über meine Macken als ich selbst“, sagt Bastian (25) aus Glienicke im Facebook-Chat. Schon vor zwei Wochen haben wir uns im Internet, auf unserer Facebook-Seite „MAZ-Willi OHV“ nach euren Ticks erkundigt. „Ich bin teilweise zu ordentlich und penibel“, schreibt Christin aus Fürstenberg. „Meine Uni-Ordner müssen alle ordentlich sein, sind nach Farben sortiert, und die Zettel dürfen keine Knicke haben.“ Anja verriet, dass sie ohne ihr Kuscheltier nicht schlafen kann, und Thomy berichtete, dass er „’ne ganze Weile Schlücke beim Trinken gezählt“ hat. „Das war nervig.“

Wir wundern uns zwar, krank ist das jedoch nicht. „Die psychische Krankheit beginnt da, wo Menschen unter ihrer Außergewöhnlichkeit leiden“, sagt Manfred Lütz, studierter Theologe, Autor und Chefarzt einer Kölner Klinik, im Interviewbuch „Des Wahnsinns fette Beute“. Eine Marotte sei eine „eigenartige Eigenart“, ergänzt er. Schwierig werde es nur, wenn es kein Umfeld mehr gebe, das einen erträgt, dann beginne man wahrscheinlich zu leiden, so Lütz.

Manchmal nerven Ticks und Phobien aber doch. „Ich habe Höhenangst“, erzählt Philipp aus Oranienburg. „Schon ab einem Meter. Ich kann mich nicht mal auf eine Leiter stellen. Dann habe ich ein komisches Gefühl im Bauch.“
Tobias (19) aus Hohen Neuendorf hat sich seiner Marotte entledigt: Wenn er auf Gehwegen unterwegs war, konnte er nicht auf die Linien treten. Auf dem Zebrastreifen betrat er dagegen nur die weißen Flächen. Aber das sei vorbei, ergänzt er. „Dafür muss ich immer mit Gegenständen spielen. Wenn in meiner Nähe was rumliegt, muss ich es in die Hand nehmen“, erzählt Tobias.
Auch Wanda (18) aus Lehnitz hat Ticks. Wenn sie unter der Dusche steht, dann muss sie sich immer wieder durchlesen, was auf der Shampooflasche draufsteht. Bei Mahlzeiten hat sich ein ungewöhnlicher Ablauf eingeschlichen: „Ich esse immer zuerst das, was mir am wenigsten schmeckt“, erzählt sie. „Nach dem Motto: Das Beste kommt zum Schluss.“ Allerdings sei das nur im Restaurant so, zu Hause nicht.
Wenn sich Vivien (18) aus Bergfelde eine neue Klamotte kauft, dann muss sie immer zuerst den Waschzettel abschneiden. „Den hasse ich“, sagt sie.

Fast allen Befragten geht es übrigens gleich: Kommen sie erst ins Plaudern, fallen ihnen noch viel mehr Macken, Ticks und Phobien ein.