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rbb: Aus für radiomultikulti

Freitag, den 23. Mai 2008
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Der rbb muss sparen. 54 Millionen Euro werden der ARD-Anstalt in den nächsten Jahren fehlen. Der Grund sind sinkende Gebühreneinnahmen. Und es wird nicht hier und da gespart – es wird gleich ein ganzer Radiosender eingestellt. Am 31. Dezember 2008 hat radiomultikulti Sendeschluss. Für immer. Auf den Frequenzen läuft dann Funkhaus Europa von WDR und RB, ebenfalls eine sogenannte Integrationswelle.
Der Aufschrei ist groß. Medienschaffende, Politiker und Sprecher von Integrationsverbänden fordern die Weiterführung von radiomultikulti. 1994 ging das Programm auf Sendung, damals noch teilweise mit Mitteln aus der Politik. Doch: Wer hört eigentlich radiomultikulti? Hören die in Berlin und Brandenburg lebenden Ausländer diesen Kanal? Pro Tag werden 37000 Hörer ausgewiesen. Das ist nicht viel. Das ist wenig. Die Welle scheint nicht von denen angenommen zu werden, an die sie sich richtet. In Berlin lebende Türken hören Metropol FM oder türkische Sender über Satellit. Die rbb-Welle gilt als eher intellektuell.
Könnte man vielleicht sagen, der Radiosender ist nur ein Liebling der Radiomacher selbst, der Kulturschaffenden und der Politiker? Wäre das der Sinn so einer Welle?
Eigentlich nicht. Aber diese Meinung scheint unpopulär.
Es werden auch weiterhin Nachrichten in anderen Sprachen gesendet. Das Funkhaus Europa übernimmt und hat das selbe Anliegen – kommt nur eben nicht aus Berlin.
Das ist gar nicht mal unvernünftig. Denn die Frage ist: Muss eigentlich jede der Rundfunkanstalten der ARD so ein Spartenprogramm senden? Es reicht doch, wenn eine das tut – für alle. Die Trennung des rbb von so einem Prestigeobjekt ist sehr bitter. Ganz falsch aber auch nicht. Denn, und das ist wirklich bitter für den rbb: Die radiomultikulti-Zielgruppe wird von dem Aus gar nichts mitbekommen…