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Das war 2020!

Donnerstag, den 31. Dezember 2020
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Weißt du noch, damals? Als Shows in großen Hallen mit tausenden Menschen aufgezeichnet worden sind? Als in der “heute show” noch Menschen im Studio saßen und gelacht und geklatscht haben? Das war alles davor. Vor Corona.
Kein anderes Thema hat die Menschheit und somit auch das Mediengeschehen 2020 so beeinflusst wie das Coronavirus.

Okay, davor gab es noch die Umweltsau. Corona war noch weit weg. 2020 begann mit einem Skandal, der noch von 2019 ins neue Jahr rüberschwappte. Der WDR-Kinderchor und die Oma, die alte Umweltsau. Satire und so. Die führte jedoch zu einem heftigen Streit. Einerseits der Shitstorm, angeführt von rechten Kreisen. Andererseits beim WDR selbst. Dass sich Intendant Tom Buhrow für eine Satire entschuldigte, anstatt sich näher damit zu befassen oder sich vor seine Leute zu stellen, kam nicht gut an.
Apropos Shitstorm: Der rollt auch 2020 wieder zigfach durchs Land. Weil das RTL-Dschungelcamp in Australien live auf Sendung ging, obwohl es im Land riesige Waldbrände gab, sorgte bei denen, die sich schnell empören, für Empörung. Dass die Brände so weit weg waren, dass es für die Show nicht relevant war – egal. RTL rief stattdessen in den Sendungen zu Spenden auf. Ach, und wer hat eigentlich gewonnen? Kann das mal jemand googlen?
Empörung herrschte auch über den vom mdr übertragenen Semperopernball. Zuvor vergaben die Ausrichter des Balls den St.-Georg-Orden an Abd el Fatah al-Sisi, dem Präsidenten von Ägypten. Menschenrechtsverletzungen stehen bei ihm auf der Tagesordnung, und wie es zur Preisvergabe kam, ist unklar. Es heißt, man wollte einen Ball-Ableger in Ägypten etablieren. Die Wellen schlugen hoch, als Moderatorin Judith Rakers beschloss, die Moderation abzugeben. Mareile Höppner wollte einspringen, wurde aber vom Shitstorm weggefegt – am Ende moderierte Roland Kaiser allein, nicht ohne heftige Kritik zu üben.

Corona trat spätestens am 28. Januar in das Leben der Deutschen. Der erste Fall im Land. In einem “Tagesthemen extra” auf Youtube ist diese Meldung verbreitet worden. Und dann ging alles ganz schnell.
Die Fallzahlen stiegen, Mitte März gab es Einschränkungen und schließlich den ersten Lockdown. Fernsehshows mussten auf Publikum verzichten. Weil Kinos und Theater schließen mussten, zeigte der rbb diverse Aufführungen wie “Carmen”. Musiker gaben Online-Konzerte, viele Theater zeigten Stücke oder Ausschnitte davon live bei Facebook oder Youtube. Die Fußball-Bundesliga pausierte zwei Monate lang, stattdessen liefen am Sonnabend alte Länderspiele. Der Charité-Virologe Christian Drosten stieg zum Star auf, NDR Info bat ihn regelmäßig zum Coronavirus-Update, und Hunderttausende lauschten den Ausführungen. Mangels bewegter Bilder zeigte tagesschau24 den Podcast mit einem Standbild. Die Tagesschau selbst hatte plötzlich jeden Tag fast 20 Millionen Zuschauer. Alle wollten wissen, was los ist in diesem Land. Angela Merkel spricht zu den Deutschen: “Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst.” Die Ansprache sehen auf verschiedenen Sendern gut 25 Millionen Menschen.

Medien im Ausnahmezustand. Und Fernsehsender, die plötzlich spontan umplanen müssen oder in Windeseile neue Formate schaffen. Bei RTL gehen Pocher, Jauch und Gottschalk zur Primetime live per Schaltkonferenz mit der “Quarantäne-WG” auf Sendung. Leider irgendwie ohne Konzept, und nach drei Sendungen ist Schluss. Auf Sat.1 bekommt Luke Mockridge eine einstündige Show, bei VOX sendet Mark Forster aus seinem Studio und holt sich übers Netz Gäste zu sich. Matze Knop witzelt jeden Tag bei Sky Sport News. Alles sehr kurzlebig. Nur Sebastian Puffpaff ist mit seiner täglichen Coronasendung bei 3sat langlebig. Es gibt Comedy-Konferenzen mit langweiligen oder gelangweilten Komikern, die zu Hause in die Kamera starren. “NDR Talk Show” und Co. wandeln sich ebenfalls zu Konferenzschaltungen – und alle zeigen, wie mies das Internet in Deutschland ist.
Kreativ wird Sido. Er meldet sich freitags zwölf Stunden lang live aus einem Berliner Loft – “Zuhause mit Sido” läuft elfmal auf Youtube. Später meldet er sich mit Knossi und weiteren Freunden live auf Twitch aus dem mehrtägigen Angelcamp. Jan Böhmermann und Olli Schulz senden mit ihrem Spotify-Podcast “Fest & flauschig” im Frühjahr fünfmal pro Woche und sorgen für Zerstreuung im Homeoffice. Klaas Heufer-Umlauf sorgt in “Late Night Berlin” für rührende Augenblicke, als er Supermarkt-Angestellten was Gutes tut und im Innenhof eines Altersheims ein Konzert veranstaltet.
Unterdessen gibt es in den Nachrichten jeden Tag die neuen Coronazahlen – und es gibt die, die alles anzweifeln. Lügenpresse. Mainstreammedien. Und andere Kampfbegriffe.
Ein Verlierer sind die Kinos. Diverse Filme verlieren ihren Leinwandauftritt – “Berlin Berlin” läuft nur auf Netflix, “Mulan” für viel Geld nur auf Disney+, auch auf Amazon Prime Video gibt es Filme zu sehen, die 2020 eigentlich hätten im Kino laufen sollen.

Und sonst? Fußball-EM: ausgefallen. Olympia? Ausgefallen. Viele, viele Events sind: ausgefallen. Es ist ein tristes, trauriges, ruhiges Jahr. Als die Bundesliga wieder läuft, ist es immer noch ruhig – in die Stadien darf weiter kein Publikum. Geisterspiele werden zur Normalität.
Auch der Eurovision Song Contest in Rotterdam: ausgefallen. Aus Versicherungsgründen konnte es offenbar auch keinen Ersatz geben. Stattdessen machte jedes Land einirgendein eigenes Finale. Unser deutscher Teilnehmer Ben Dolic – im deutschen Finale in der Hamburger Elbphilharmonie im Ersten war zu erahnen: Wir wären nicht weit gekommen. Bitte nicht wiederwählen.
Der Junior Eurovision Song Contest 2020 in Warschau: zum Glück nicht ausgefallen. Und erstmals nahm Deutschland teil und wurde: Letzter. Glück auf!

Am besten haben es im ersten Lockdown wohl die Bewohner des “Big Brother”-Hauses auf Sat.1 gehabt. Im Februar ziehen sie ein. Als sie später erfahren, was draußen los ist, ist das eine Live-Sondersendung. Experten erklären den Bewohnern, die Pandemie, die draußen herrscht. Die Show geht es – im Gegensatz zu Kanada, wo “Big Brother” abgebrochen werden muss. Am Ende gewinnt übrigens… kann das bitte auch mal jemand googeln? War übrigens ein Flop – leider. Das Publikum will mehr Zoff, mehr Trash – da war “Big Brother” fast erfreulich normal.

Trash, Zoff – da ragen zwei Formate 2020 heraus. In “Promis unter Palmen” auf Sat.1 und im “Sommerhaus der Stars” bei RTL kommt es zu heftigsten Mobbing-Attacken, die beim Zuschauen weh tun und wütend machen – aber eben auch für Quoten sorgen. Der Streamingdienst TV Now und RTL fluten das Land mit Promi-Trash-Formaten – sinnlos, die hier alle aufzuzählen, so schnell, wie sie vergessen werden. In “Kampf der Realitystars” auf RTL zwei regt sich Jürgen Milski über ein Spiel auf, das unter seinem Niveau sei. Lustig. Vor ein paar Jahren hat er bei 9Live noch ganz niveauvoll Zuschauer verarscht. Aber echt.
Und wenn ein Trash-Format plötzlich nicht mehr so richtig trashig ist, ist’s auch falsch: “Schwiegertochter gesucht” kommt 2020 mit ziemlichen Normalos daher – und schon weht auch deshalb wieder ein Shitstörmchen.

Pech hat RTL auch mit “Deutschland sucht den Superstar”. Wobei: Was heißt Pech? RTL rannte mit offenen Augen ins PR-Desaster. Jurymitglied Xavier Naidoo macht mit Corona-Leugner-Videos und wirren Aussagen von sich Reden. Vor den Live-Shows im Frühjahr wird er gefeuert. Dieter Bohlen macht sich lächerlich, weil er stundenlang rumeiert, anstatt um zu erklären, was Sache ist. Für Naidoo kommt Florian Silbereisen in die Jury, und am Ende gewinnt der Schlager: Ramon Roselly kann sich in der Schlagerbranche schnell etablieren. Im Herbst kommt Michael Wendler ins Spiel. Als Jurymitglied soll er für Quote sorgen, aber auch er gleitet in die irre Welt der sogenannten Querdenker ab. Die Medien seien gelenkt, sagt er, auch RTL – und weiteren Stuss. RTL reagiert. Wendler ist raus. Blöd nur: Die Castings sind im Kasten. Im Januar 2021 ist Wendlerzeit bei RTL – bis zum Recall.
Aber warum eigentlich der Wendler? Es war nämlich auch das Jahr von Oliver Pocher. Auch er hatte Corona, und zu Hause begann er, Instagram und Co. zu durchforsten, um den dortigen Irrsinn freizulegen. Seine Videos finden riesigen Anklang, und dabei stößt er auch auf Wendler-Aktionen. Das schaukelt sich hoch bis zu einer gemeinsamen Battle-Show bei RTL. Wendler bekommt Dokusoaps und weitere Angebote. Bis zum Aus.
Und Pocher ist bei RTL omnipräsent. Moderationen, Auftritte und eine eigene Late Night mit Ehefrau Amira.

Wer immer noch fehlt in der Medienlandschaft: Stefan Raab. Vor fünf Jahren stand er das letzte Mal vor der Kamera. Jetzt produziert er nur noch Shows, sitzt in der Regie und frisst Chips. So wird das dem Zuschauer vor jeder seiner Sendungen mitgeteilt, als ob es ein Qualitätsmerkmal sei, dass Raab irgendwie anwesend ist. Doch es herrscht Götterdämmerung. Sein “Free European Song Contest” ist nett, wirkt aber altbacken, wie seine Shows vor zehn Jahren. “Fame Maker”, wo man die Sänger nicht hören kann, ist eine nette Idee, trägt aber nicht ewig. Und die Möchtegern-Late-Night “Täglich frisch geröstet” bei TV Now ist wohl die Enttäuschung des Jahres: nicht täglich, nicht frisch, nicht geröstet, eigentlich nicht mal eine Late Night.

Der Sender Tele 5 steht vor einer ungewissen Zukunft. 2020 erfolgte die Übernahme durch Discovery, die eigentlich durch Dokuformate bekannt sind. Senderchef Kai Blasberg nimmt den Hut.
2020 mussten wir aber noch weitere Abschiede nehmen. Jan Hofer verlässt nach mehr als 35 Jahren die Tagesschau. Die Moderatorin Sabine Sauer geht nach ebenso vielen Jahren in den Ruhestand, ebenso wie ZDF-Wettermann Gunther Tiersch. Hans-Ulrich Jörges verabschiedet sich vom “stern”. Mit Zee.One hat sich ein ganzer Sender verabschiedet – wobei ihn wohl kaum jemand vermissen wird. Und nach fast 35 Jahren endete die “Lindenstraße”. Mit Helga Beimers 80. Geburtstag mussten die Fans sich von der Dauerserie trennen. Das Fernsehballett wird aufgelöst. Die Formel 1 läuft letztmals bei RTL, wandert zu Sky. Eine Ära endete Ende Dezember bei radioeins: Nach 33 Jahren und 1627 Sendungen lief letztmals die Musiksendung “Roots”. Moderator Wolfgang Doebeling geht mit 70 Jahren in Rente.

Sie werden uns fehlen. Die Schauspieler Sean Connery, Michael Gwisdek, Claude Brasseur, Irm Hermann, Kirk Douglas, Renate Krößner, Otto Mellies, Burkhart Driest, Sonja Ziemann, Thilo Prückner, Michel Piccoli und Birol Ünel. Die Komiker Karl Dall, Herbert Feuerstein und Fips Asmussen. Die Comiczeichner Albert Uderzo und Uli Stein. Künstler Christo. Promifriseur Udo Walz. Die Musikschaffenden Gotthilf Fischer, Little Richard, Ennio Morricone, Werner Böhm (Gottlieb Wendehals), Kenny Rogers, Harry Jeske und Trini Lopez. Die Journalisten Gert Müller-Gerbes, Horst Schättle, Mathias Puddig, Hermann Schreiber, Ulrich Kienzle, Geri Nasarski, Sabine Zimmermann, Volker Panzer und Julitta Münch. “Bummi”-Gründerin Ursula Böhnke-Kuckhoff. Fußballer Diego Maradona. Die Politiker Norbert Blüm, Hans-Jochen Vogel, Thomas Oppermann, Wolfgang Clement, Ingrid Stahmer und Barbara Rütting. Die Unterhalter Roy Horn und Mike Shiva. Der Filmemacher Joseph Vilsmeier. Dramatiker Rolf Hochhuth. Der Autor Carlos Ruiz Zafón.

Immer noch da ist die AfD. Da wird von Ermächtigungsgesetzen gefaselt, es werden rechte Youtuber in den Reichstag eingeschleust, und die Querdenker-Bewegung findet man dort auch irgendwie sehr gut. Nicht gut findet die AfD den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Lieber setzt man auf sogenannte alternative Medien oder sorgt gleich selbst für den Content.
Dass die CDU in Sachsen-Anhalt vorsichtshalber nicht über die Erhöhung des Rundfunkbeitrages abstimmen lässt – im Fall dessen, dass die CDU selbst ablehnt, sitzt man in einem Boot mit der AfD und riskiert einen Koalitionsbruch -, und so die geplante Erhöhung vorerst kippt, gefällt der AfD.
Immerhin gibt es bei ARD und ZDF nicht Sendungen bei wie BILD, wo die Moderatoren aus Sponsoringgründen Milchflaschen ins Bild halten und schütteln müssen. “Reif ist Live” war mehr Milchreklame als Fußball-Analyse.

Überhaupt, die BILD. Nach dem Anschlag von Hanau geht “Bild live” auf Sendung, und es werden krude Theorien on Air geschickt. Fakten prüfen? Ach was. Wozu denn?
Nach einem Familiendrama in Solingen veröffentlicht die BILD einen Chat zwischen einem Jungen, dessen Mutter und Brüder tot sind, und dessen Freund. RTL zerrt den Freund vor die Kamera. Die Sensationsgeilheit kennt keine Grenzen. Die Öffentlich-Rechtlichen machen es nicht immer besser: Nach einem Anschlag im hessischen Volkmarsen wird auch in einer hr-Sondersendung rumorakelt.

Und sonst so? Die Ärzte rocken die Tagesthemen. Joko und Klaas müssen sich für Fake-Beiträge entschuldigen – sorgen aber auch für Begeisterung, als sie ihre 15-Minuten-Live-Sendung auf ProSieben für Hinweise auf Frauenrechte und Flüchtlinge nutzen. Die CSU kann ihren Parteitag nur virtuell abhalten. Mal was anderes live auf phoenix: Angelika Niebler hat echt wenige Bücher in ihrem Regal – hätte man sonst gar nicht erfahren. Rezo hat mal wieder zerstört: diesmal die Presse, vor allem die Lügen der Klatschpresse. Der rbb kuschelte im Sommerinterview mit dem Neonazi Andreas Kalbitz (Ex-AfD) an einem lauschigen See. Blöd: Die Recherchen aus dem eigenen Haus haben die Redaktion irgendwie nicht erreicht. Und dann war da noch der Bachelor bei RTL, der am Ende einfach gar keiner Frau eine Rose schenkte. Single zu sein ist doch auch was Schönes.

2021. Bleiben Sie gesund. Werden Sie gesund. Alles wird gut. Hoffentlich.

Hits: 519

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Walulis Woche

Dienstag, den 29. September 2020
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SO 27.09.2020 | 23.20 Uhr | SWR-Fernsehen

Otto hatte mal wieder drei Probleme, und was ihm helfen konnte, war ein Neger. Bimbo, so nannte er den Neger, verkaufte er an eine reiche Ministergattin als Sklaven, von der er wenig später ein paar SCheine abknöpfte, und weil das zu wenig war, nahm er Bimbo, den Sklaven, gleich wieder mit.
Das war 1985 in “Otto – Der Film”.
Neger? Ein Schwarzer als Sklave? Und dann auch noch mit Namen Bimbo?
Das ist doch…. also… das kann doch nur RASSISTISCH sein!!!
Oder auch nicht.

Nicht nur um “Otto – Der Film” gibt es derzeit eine Rassismusdebatte. Eine von vielen. Es wird darüber gestritten, was man denn mit mehr oder weniger historischen Comedynummern macht, in denen deutsche Comedians Asiaten mit Schlitzaugen gespielt haben, sich schwarz geschminkt haben, um Schwarze zu spielen, die Inder mit entsprechendem Dialekt gespielt haben oder sich als schwule Kreischtucken in Filmkulissen gestellt haben.

Darüber muss man sprechen, denn aus heutiger Sicht, sagen viele Menschen, gehen Witze, die man 1995 oder 2005 gemacht hat, nicht mehr. Witze, die Minderheiten beleidigen, sich über andere Ethnien lustig machen oder sexistisch sind.
Darum ging es am Sonntagabend in der ersten Sendung von “Walulis Woche” im SWR-Fernsehen.
In den USA werden ganze Folgen von Serien gelöscht, weil das Schauspieler Blackfacing betreiben, “Little Britain” ist teilweise nicht mehr zu sehen, weil sich auch da, wie es heißt, über Minderheiten lustig gemacht wird.
Ja, gelöscht – weg damit.

Aber das Fazit von Philipp Walulis, und der Meinung bin ich auch: Löschen ist falsch. Einfach unter den Tisch fallen zu lassen, ist nicht der richtige Weg. Aus den Augen, aus dem Sinn bringt nur wenig. Man muss die Szenen weiter zugänglich machen. Um sie in die Zeit einzuordnen, um sie aus heutiger Sicht beurteilen zu können. Um zu sehen, was damals eventuell nicht so gut war.

Und Otto? Ottos erster Film war nicht rassistisch. Denn im Film ging es nicht darum, sich über “Neger” lustig zu machen. Günther Kaufmann ist dunkelhäutig, und er spielte den Mann, den Otto als Bimbo als Sklave an die reiche Tussi verkaufte. Die Frau, für es Sklavenhandel mit “Negern” völlig normal zu sein schien. Das ist der Witz – er sich gegen die Frau richtet und nicht gegen den Schwarzen.
Es sei wichtig, hieß es in “Walulis Woch”, zu betrachten, welches Ziel ein Gag habe. Geht es einfach nur darum, irgendwie lustig zu sein wollen oder gegen es darum, was aufzuzeigen? Bei der Beurteilung von solchen Szenen und Momenten müsse das immer bedacht werden.

Dass übrigens Walulis jetzt auch im SWR-Fernsehen vertreten ist, ist gut. Bei Funk, dem ARD/ZDF-Jugendangebot, ist er auf Youtube mit seinen Videos sehr gut vertreten. In “Walulis Daily” geht es um Aktuelles aus der Medien- und Influencer-Szene, hinzu kommt “Walulis Story” mit dem Hauptbeitrag, der dann auch in der SWR-Sendung zu sehen ist.
Im SWR-Sendegebiet haben die Sendung am Sonntag gerade mal 18.000 Menschen gesehen. Das ist haarsträubend wenig und viel weniger, als Walulis auf Youtube erreicht. Da muss der SWR wohl noch viel mehr trommeln.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 27. September 2021)

Hits: 247

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maiLab: Corona geht gerade erst los

Samstag, den 4. April 2020
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DO 02.04.2020 | Funk

Es wird länger dauern. Corona geht gerade erst los.
Es sind jetzt etwa zwei Wochen, so lange gilt überall das Kontaktverbot als Sicherheitsmaßnahme zur Eindämmung des Coronavirus.
Und dann? Wie geht es weiter? Bis zum 19. April soll diese Phase dauern, in der wir möglichst zu Hause bleiben sollen. Beginnt am 20. April wieder das normale Leben?
Das können wir uns wohl abschminken.

Nach längerer Zeit Pause ging am Donnerstag eine neue Folge Funk-Formats “maiLab” auf Sendung. “Corona geht gerade erst los”, ist der Titel. Mai Thi Nguyen-Kim beschäftigt sich darin mit der Frage, was uns denn eigentlich noch erwartet und welche Maßnahmen warum nötig seien.

Es ist wahrscheinlich der erste Beitrag, der recht anschaulich und logisch erklärt, warum das alles so schnell nicht vorbei gehen wird.
So erklärt sie sehr gut, welche Zahlen der Neuansteckungen wir erreichen müssen, damit Lockerungen eintreten könnten. Wir erfahren aber auch etwas über Herdenimmunität und den Zeitraum, wie lange es dauert, bis wir sie erreichen. Es geht aber auch darum, dass wir das wirtschaftlich gar nicht durchhalten, wenn wir auf bestimmte Begebenheiten monatelang warten müssen.

Uns macht diese Sendung nicht glücklich. Aber sie macht schlauer. Und sie zeigt uns einen Weg, den wir beschreiten können, eine Perspektive, wo es hingehen könnte.
Sicherlich wird es Leute geben, die das alles anzweifeln, die das alles für unsicher halten oder auch für Quatsch. Aber Gegenbeweise, dass das ja alles gar nicht so schlimm ist, gibt es ja auch nicht.

Die “maiLab”-Ausgabe hat innerhalb von knapp zwei Tagen 2,32 Millionen Klicks bekommen, am Freitag war sie auf Platz 1 der Youtube-Trends. Eine Aufklärung, die offenbar viele erreicht und noch erreichen wird.

-> Die Sendung auf Youtube

Hits: 319

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Late Night Berlin

Dienstag, den 10. März 2020
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MO 09.03.2020 | 23.10 Uhr | ProSieben

“Natürlich war unser erster Reflex zu sagen: ‘Ja, wir machen wir hier ja nur Quatschfernsehen. Um Gottes Willen, wir sind ja keine Journalisten, die ausschließlich der Wahrheit verpflichtet sind.”

Nach der Recherche des Funk-Magazins “STRG_F”, dass bei Joko und Klaas Beiträge gefaked worden sind, dass bei “Late Night Berlin” der Fahrraddieb gar kein Fahrraddieb war, obwohl behauptet worden ist, dass alles so abgelaufen sei.
Die Aufregung war – völlig zurecht – groß. Auch in einem Unterhaltungsformat sollte man schauen, wie weit man die Wahrheit sich hinbiegen darf. An welcher Stelle die Wahrheit vielleicht doch eine Rolle spielen könnte.
Deshalb ist mit Spannung erwartet worden, ob Klaas Heufer-Umlauf am Montagabend in der neuen Ausgabe von “Late Night Berlin” ein Statement abgeben wird.

Und tatsächlich frotzelte er ein wenig rum, aber im Kern hatte er dennoch ernte Worte zu sagen.
“Trotzdem – und das will ich hier klar und deutlich sagen – sind wir in einzelnen Fällen über dieses Ziel hinausgeschossen. So zum Beispiel beim Fahrraddieb. Alles war so schön geplant, so schön vorbereitet. Nur eines, das konnten wir wirklich nicht ahnen, dass ausgerechnet in dieser Nacht in Berlin keiner kommt, um ein Fahrrad zu klauen. (…) In dem Fall haben wir deutlich so anders dargestellt, dass man es auch nicht so einfach mit einem ‘Ist ja nur Unterhaltung’ wegwischen kann. Ich kann auch jeden verstehen, der davon enttäuscht wurde. Dafür möchte ich mich – ernst gemeint und ohne jede Ironie – entschuldigen. Das war ohne Wenn und Aber ein Fehler und wird so auch nicht mehr vorkommen.”

Zum “Duell um die Welt” hat er nichts gesagt. Und Klaas Heufer-Umlauf hat auch deutlich gemacht, dass man unterhalten wolle, es sei Entertainment, dass er und seine Leute das Fernsehen lieben.
Dass er den Fake so zugegeben hat, dass er deutlich macht, dass es so nicht in Ordnung war, das ist gut.
So gut und richtig es ist, dass Medien so etwas aufdecken, so gut und richtig ist es auch, um Entschuldigung zu bitten und es danach besser zu machen.

Hits: 240

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STRG_F: Joko und Klaas – So faken sie ihre Videos

Freitag, den 6. März 2020
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DI 03.03.2020 | 17.00 Uhr | Funk

“Late Night Berlin” und “Duell um die Welt” mit Joko und Klaas sind Unterhaltungsshows. Ganz klar. Aber wie wahrhaftig muss so eine Unterhaltungsshow sein? Wenn man den Zuschauern sagt, dies und das sei genau so geschehen – ist es dann nicht schlimm, wenn dies und das eben nicht so geschehen ist, wie man es den Zuschauern weismachen will?

Das Recherchemagazin “STRG_F” der ARD/ZDF-Jugendplattform Funk hat am Dienstagnachmittag für Wirbel gesorgt. “Joko und Klaas: So faken sie ihre Videos” ist der Titel eines Beitrages, der es in sich hat.

Die Vorwürfe: In “Late Night Berlin” gab es einen Beitrag, wo ein Fahrraddieb auf frischer Tat erwischt und ihm durch aufwendige Aktionen sein Tun verdeutlicht worden ist. Die Szene ist mindestens zweimal gedreht worden, der Dieb war somit nicht echt, eingeweiht oder ein Schauspieler.
Ein Tinder-Date in “Late Night Berlin”, das sehr außergewöhnlich verlief, soll unecht gewesen sein, die überraschte Frau sei eine Schauspielerin gewesen. Zeugen berichteten von den Dreharbeiten.
Ein Ballonflug im “Duell um die Welt” kann so nicht stattgefunden haben. Schauspieler Edin Hasanović soll angeblich hoch oben alleine gelassen worden sein. Aber war das wirklich so? War seine Panik nicht echt? Es gibt großen Zweifel.
Sophia Tomallas “Entführung” quer durch Europa hat so nicht stattgefunden, die wurde an mehreren Tagen gedreht. Dass sie vom blinden Fallschirmsprung nichts wusste, darf bezweifelt werden.

Das sind harte Vorwürfe gegen Joko und Klaas, gegen die Produktionsfirma Florida TV und gegen ProSieben, wo das alles lief.
Man gibt sich verschnupft, räumt dies und das kleinmütig ein, aber es wirkt, als sei man verwundert, dass man sich darüber aufrege, dass in Unterhaltungssendungen nicht alles so verläuft, wie man das weismacht. Ist doch nur Unterhaltung!

Nein!
Darf Unterhaltung nicht wahrhaftig sein? Darf man die ganze Zeit so tun, als sei das alles wirklich so geschehen, wenn es so gar nicht war?
Die Antwort ist klar.
Denn ein Einspielfilm wie der mit dem Fahrraddieb in “Late Night Berlin” wäre nicht mehr halb so lustig, wenn man wüsste, dass das alles gefaked ist. Im Grunde ist das alles dann nur noch Theater.
Dasselbe gilt beim “Duell um die Welt”. Der Film mit dem Heißluftballon wäre nicht weniger lustig gewesen, wenn man am Ende aufgeklärt hätte, dass Edin Hasanović hätte gar keine Angst haben müssen, weil man diese und jede Maßnahmen getroffen hätte. So hätte man die Zuschauer unterhalten, es wäre immer noch spannend gewesen, und am Ende hätte man augenzwinkernd Fakten geschaffen.
Mätzchen wie die Entführungs-Europatour kann man sich dann dagegen sparen, denn wenn sie so nicht stattgefunden haben, funktionieren sie eben nicht.

Hier geht es um Glaubwürdigkeit, und da ist es schlicht egal, ob es sich um Unterhaltungsfernsehen handelt. Und da geht es auch nicht um Schnittbilder, die auch in gewisser Hinsicht “unecht”, aber eben nicht grundsätzlich eine Lüge sind. Wenn man einen Fahrraddieb auf den Arm nehmen will, dann muss das eben echt sein. Ist es nicht echt, kriegt man es auf echtem Weg nicht hin, dann muss man es halt lassen. Oder am Ende sagen: “So hätte das ablaufen können, wenn…”
Joko und Klaas stehen für gute Unterhaltung, sie stehen aber auch für Glaubwürdigkeit. Nun aber stehen alle ihre Aktionen unter einem anderen Eindruck.
War neulich die Bestrafungsaktion für den Schlüsseldienst echt? War der Typ echt? Ist Charlotte Roche wirklich mit bloßer Haut Bungee gesprungen?
Am Montag war Kurt Krömer zu Gast bei “Late Night Berlin”. Krömer und Klaas zofften sich, Krömer schlug um sich und zerstörte Studiomobilar. Wirkte wie Fake. War sicherlich Fake. Aber auch diese Aktion ist am Ende nicht aufgelöst worden. In diesem Fall war die Aktion eh absurd und übertrieben – und auch typisch Krömer – aber in irgendeiner Art und Weise hätte man das am Ende ja dennoch auflösen können. Alles davor wäre nicht weniger lustig gewesen.

Es ist spannend, ob und wie Joko und Klaas auf die Fakevorwürfe reagieren. Sie müssen reagieren. Und sie müssen Konsequenzen ziehen.
Ich bin großer Fan von ihren Aktionen und Sendungen. Wenn da jetzt ein großer Schatten drauf läge, dann wäre das unglaublich schade. Aber so kann das jedenfalls nicht weitergehen, wenn alle “STRG_F”-Vorwürfe stimmen.

-> Die Sendung auf Youtube

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Das war 2019!

Dienstag, den 31. Dezember 2019
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Das Medienwort des Jahres ist vermutlich 2019 ein Name: Greta. Greta Thunberg ist 16, Schwedin und die wohl bekannteste Umweltaktivistin unserer Zeit. Kommt Greta ins Spiel, dann werden alle nervös. Die Medien, weil sie mit Greta-Artikel wieder Klicks bekommen. Die Fans, weil sie Greta für alles feiern. Die Hasser, weil sie Greta für alles, nun ja, hassen.
2019 ist das Jahr – wie auch 2018 und 2017 und … – der Shitstorms, deren Wellen in immer kürzen Abständen durch das Web rollen. Immer wieder ist irgendwo die Empörung groß, weil irgendwer irgendwas gesagt hat, was irgendwer aus irgendwelchen Gründen ganz schlimm fand.

Schlimm findet die CDU im Jahr 2019 das Internet aber auch. Ein gewisser Rezo ist es, der auf Youtube vor der Europawahl von der “Zerstörung der CDU” spricht. Bis Jahresende hat das Video 16,49 Millionen Klicks, darin zählt Rezo die Versäumnisse der Politik auf, gerade in Sachen Umweltbelange. Man solle doch nicht die CDU wählen, und die SPD eigentlich auch nicht, die AfD ebenfalls nicht.
Das schlägt Wellen, nicht nur bei dem Wahlergebnis. CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer spricht danach davon, dass es ja nicht sein könne, dass Youtuber auf diese Weise Wahlen beeinflussen wollen.
Die CDU will mit einem Antwortvideo kontern. Philipp Amthor soll es richten, und das Video wird so geil, dass es danach nicht veröffentlicht wird. PR-Desaster. Genau wie das Monate danach gestartete Youtube-Format “CSYou”.
Aber mit PR-Desaster kennt sich Annegret Kramp-Karrenbauer aus. Ende Februar tritt sie beim SWR im “Stockacher Narrengericht” als Klofrau auf – wie jedes Jahr. Mit Witzen über das dritte Geschlecht – “Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder schon sitzen müssen.” – sorgt sie für Zoff. Darf sich eine so hohe Politikerin so über Randgruppen lustig machen? Das ist die Frage.

Und worüber dürfen sich eigentlich Komiker noch lustig machen? Über Frauen mit Doppelnamen jedenfalls nicht. Kramp-Karrenbauer. Bernd Stelter bekommt beim “Karneval in Köln” jedenfalls Besuch auf der Bühne. Eine Zuschauerin teilt ihm Auge in Auge mit, dass sie seine Doppelnamen-Gags irgendwie doof findet. Nur eine Woche später stürmt eine Frau die Bühne des “Moma-Cafés” des ZDF-Morgenmagazins. Sie wollte wissen, ob denn hier eigentlich alle einen anlügen, sie sprach von Lügenpresse, Lügenfresse und wollte fragen, ob bei ihr die Mainzelmännchen zu Hause seien. Alles ganz wichtige Fragen, die dringend geklärt werden müssen.

Oh, Moment: Greta hat wieder was gesagt. Sie fordert mehr Panik. Wichtige Sondermeldung. Es folgen Lob und Empörung.

Apropos Empörung: Rammstein hat sich was Dolles geleistet. In einer Vorschau für den Song und das Video zu “Deutschland” werde der Holocaust relativiert. Heißt es. War dann aber nicht so, der Shirtstorm rollte trotzdem durchs Twitterland.
Sat.1 löst seine Shitstorms lieber im Ausland aus: in Thailand. Ach was, ein Krieg steht im Raum! Im Frühstücksfernsehen reißen sie blöde Witzchen über den thailändischen König. Der und angeblich ganz Thailand finden das empörend, und bei Sat.1 schmeißt man sich in den Staub und entschuldigt sich untertänigst. Fast fließen Tränen. Ohje. Wird Sat.1 etwa zur Strafe zum thailändischen Regierungsfernsehen?
ARD und ZDF in Deutschland sind diesem Vorwurf auch 2019 immer wieder ausgesetzt. Dabei zeigen Formate wie “Die Anstalt”, “heute show” und “Extra 3” dass das nun wirklich nicht sein kann. Und auch Magazine wie “Report”, “Kontraste” oder “Frontal 21” decken Skandale auf, die der deutschen Politelite sicherlich nicht gefallen haben.

Achtung, Greta hat wieder was gemacht. Mit einem Schiff reist sie über den Atlantik in die USA. Jubel von den Fans. Kritik von den anderen, und überhaupt, das ist ja aus Gründen gar nicht so umweltfreundlich, wie alle sagen.

Bloß keine Schwäche zeigen. Nicht immer gelingt das. Ein Bundestagsabgeordneter bricht am Rednerpult zusammen, live übertragen von phoenix und dem Parlamentsfernsehen. Vorher machen sich die AfD-Leute noch lustig über ihn, als er beginnt zu stocken. Bei einem Auftritt stolpert Peter Altmeier nach einer Rede und fällt von einer Treppe. Das sieht böse aus. Gleich mehrere Male bekommt Kanzlerin Angela Merkel Zitteranfälle. Es beginnt das große Rätseln über eine mögliche Krankheit. In allen drei Fällen verbreitet sich über das Netz auch eine Welle der Häme. Politiker haben keine Schwäche zu zeigen, immerhin bekommen die doch so viel Kohle und tun dafür nichts, so wird, nun ja, debattiert.
Vor einem Millionenpublikum kollabiert “Tagesschau”-Sprecher Jan Hofer. Er wirkt fahrig, seine letzte Ansage kann er nicht mehr machen, die Sendung wird abgebrochen. Tage zuvor war er noch von morgens um kurz vor 10 bis nachts nach 23 Uhr in jeder Nachrichtensendung on Air. Bei der ARD will man von Überarbeitung nicht sprechen.

Ein bisschen flottere Arbeit wünscht man sich dagegen von der “Tagesschau” an dem Abend, als in Paris Notre Dame brennt. Eine kurze Sondersendung im Ersten und später eine hektisch zusammengestellte Live-Übertragung bei tagesschau24 lösen die Debatte über die Schnelligkeit der Nachrichtenübermittlung aus. Ob die stundenlangen Mutmaßungen und Kameraschwenks über die brennende Kathedrale bei ntv besser sind, ist unklar.
Legendär sind dagegen die stundenlangen Übertragungen aus dem britischen Parlament. Stichwort 1: Brexit. Stichwort 2: Order!

Greta! Jetzt bekommt sie auch noch die Goldene Kamera! Das Mädchen haut wieder eine Rede für den Klimaschutz raus, und kurz danach bekommt die Schauspielnewcomerin einen SUV geschenkt. Glückwunsch!

Schalten wir besser mal nach Österreich. Dort heißt das Wort des Jahres nicht “Greta”, sondern “Ibiza”. FPÖ-Rechtspopulist Hans-Christian Strache lässt sich von einer versteckten Kamera reinlegen. Auf Ibiza trifft er sich mit einer angeblichen Oligarchin. Es geht um Investitionen in Österreich und um Gefälligkeiten, die die Pressefreiheit aushebeln. Aus für die FPÖ in der Regierung. Pressekonferenzen. Neuwahl. Mega-Quoten für den ORF2.
In Deutschland dagegen sorgen die Rechtspopulisten der AfD immer wieder für Schlagzeilen. Bjö…, äh, Bernd, äh, Björn Hocke bricht ein Interview mit dem ZDF ab, weil er emotional aufgewühlt sei. Und er werde nie wieder ein Interview mit dem Journalisten führen, was er bedauern könnte, wenn Höcke mal eine wichtige politische Persönlichkeit sei.
Der mdr dagegen setzt Uwe Steimle gleich ganz ab. Oder besser: beschäftigt ihn nicht weiter. Darüber ist Uwe Steimle empört. Er würde gern vom mdr, den er für einen Staatsfunk hält und der regierungsnah sei und rückständig, weiterarbeiten. Der mdr sieht das anders. Der Arbeit- und Geldgeber mag es nicht, beschimpft zu werden. Uwe Steimle, das Opfer. Findet Uwe Steimle. Er redet von einem Berufsverbot. Seine Auftritte sind ausverkauft. Dort erzählt er dann von seinem Berufs, … ähm. Merken Sie selbst, oder?
Dieter Nuhr soll übrigens auch neurechts sein. Er äußert sich kritisch zu “Fridays for Future” und zu Greta. Dass er sich auch kritisch zur AfD äußert, scheint egal zu sein. Meinungsfreiheit gegen die Forderung, Dieter Nuhr abzusetzen.

Und, ach ja. Greta. Dieter Nuhr hat wieder was Böses über Greta gesagt. Bringt Schlagzeilen. Bringt Klicks. Lob und Hass, na, Sie wissen schon.

2019 hat auch Comebacks parat. Jörg Kachelmann feiert seine Rückkehr in die ARD. Er darf wieder das “Riverboat” im mdr moderieren, wo auch gleich die Quoten steigen. Der Deutsche Fernsehpreis kommt mit einer Gala zurück, in den vergangenen Jahren wurde eher spartanisch gefeiert. Die Rettungsschwimmer aus Malibu sind wieder da – und das auch noch in HD. “Baywatch” auf Nitro jetzt noch schärfer. Die Youtube-Star-Zwillinge, die Lochis, verkünden das Ende ihrer gemeinsamen Karriere. Jahrelang haben sie klickstarke Videos und am Ende auch Songs produziert. Durch die Jugend geht ein Ruck. Zlatko kehrt ins “Big Brother”-Haus zurück. 2000 war er schon mal drin, 2019 als “Promi”. Sat.1 jazzt das zum Comeback des Jahres hoch. Es erweist sich als laues Lüftchen. Domian meldet sich mit einer Talkshow im WDR zurück – ganz ohne Telefon. Pittiplatsch ist wieder da – fast 30 Jahre nach dem Aus im DFF. Und auch Jürgen Kuttner macht wieder den “Sprechfunk” – allerdings erstmal nur im Internet auf radioeins.de.
Ein Comeback – also zumindest für 30 Minuten – hat auch ein gewisser Ernesto. Ihn kennt man als Ex-Mann von einer Ex-Anwältin in einer RTL-Trashshow. Nun tritt er in einer RTL-II-Trashshow auf. Nackt. Aber: Sensation! Nach einer Penis-Vergrößerungs-OP! Das schauen wir uns doch mal genau an. Und, ähm, ein bisschen, nun ja, haben wir uns da schon mehr…. ähm… also…

Das irritierendste Comeback 2019: tm3. Der Sender Family.TV nennt sich in tm3 um. Die Rechte am Markennamen waren frei, mit dem tm3 von damals hat das aber nichts zu tun. Doch das Glück hält nicht lange, Wochen später wird der Sender abgeschaltet. Immer wieder gibt es Lizenzprobleme, der Betreiber von Family.TV/tm3 zeigt Sendungen im Programm, an denen er gar keine Rechte hat. Zwangs-Aus.
Unfreiwillig und mit großem Knall endet auf radioeins die freitägliche Comedy “radiozwei”. Als sich Tommy Wosch und Martin “Gotti” Gottschild live on Air ernsthaft zoffen, ist es aus. Erst im Herbst kehrt Wosch allein mit einem neuen Format zurück.
Abschied nehmen heißt es auch vom “Neomagazin Royale”. Jan Böhmermann verlässt zdf neo, um im Herbst 2020 mit neuer Show beim ZDF weiterzumachen.
Nächtliche Spitzeneinschaltquoten erzielt Sky mit der letzten Staffel von “Games of Thrones”. Doch viele Fans sind enttäuscht darüber, wie die Serie endet.
Der langsame Abschied von der “Lindenstraße” geht dagegen weiter. Am 20. Dezember ist Drehschluss. Noch drei Monate. Ende März 2020 ist dann auch im Fernsehen Schluss.

Auch viele bekannte Menschen sind nicht mehr da. Abschied für immer. Bruno Ganz, Hannelore Elsner, Doris Day, Billie Zöckler, Lisa Martinek, Ursula Karusseit, Luke Perry, Wolfgang Winkler, Jan Fedder, Rudger Hauer, Gerd Baltus, Helmut Krauss, Peter Fonda, Max Wright und Ken Kercheval werden als Schauspieler fehlen. Die Sportler Rudi Assauer, Matti Kykänen und Niki Lauda. Die Musiker Marie Fredriksson, Peter Schreier, Karel Gott, Costa Cordalis, Wiglaf Droste, Keith Flint, Gus Backus, Alphonso Williams und Mark Hollis. Die Moderatoren und Journalisten Wilhelm Wieben, Wiebke Bruhns, Manina Ferreira-Erlenbach, Franziska Pigulla, Michael Jürgs, Werner Doyé und Walter Freiwald. Die Politiker Manfred Stolpe, Jörg Schönbohm, Robert Mugabe, Klaus Kinkel, Jacques Chirac und Anke Fuchs. Weltraumfahrer Sigmund Jähn, Autorin Rosamunde Pilcher, Kabarettist Werner Schneyder, Produzent Artur Brauner, Comiczeichner Guillermo Mordillo, Unternehmer Ferdinand Piech, Weltenbummlerin Heidi Hetzer, Designer Luigi Colani und Modeschöpfer Karl Lagerfeld.

Vor dem Aus gerettet wird dagegen der Berliner Verlag. Dran hängen unter anderem die Berliner Zeitung und der Berliner Kurier. Das Berliner Unternehmerpaar Silke und Holger Friedrich kauft den Verlag von der DuMont-Mediengruppe. Freude und Misstrauen. Immerhin sind die beiden kaum medienerfahren. Und dann kommt auch noch raus, dass bei Holger irgendwas mit der Stasi ist. Was er zunächst verheimlicht. Die Euphorieblase platzt.

Bei den Sendern platzen 2019 diverse Hoffnungen. RTL landet mit der Daily-Soap “Herz über Kopf” einen Flop. VOX versucht es mal wieder mit der schon öfter gefloppten Actionshow “Survivor” – und scheitert. Das ZDF hat kein Glück mit “Mein Lied für dich” und “Sorry für alles”.
Richtig gut läuft es dagegen weiter für den “Tatort” aus Münster. Der Fall “Spieglein, Spieglein” erreicht 14,01 Millionen Menschen. Quotenrekord 2019.

Und Greta? Müsste die nicht bald mal auf dem Schiff wieder in Lissabon angekommen? Nachrichtensender zeigen live und eine halbe Ewigkeit, wie ein Schiff aus dem Atlantik in Portugal anlegt.

Wird über Greta vor allem im Netz geredet, spielt sich auch das Mediengeschehen selbst zunehmend im Netz ab. Das herkömmliche analoge Fernsehen ist weiter auf dem Rückmarsch. Netflix begeistert mit Serien wie “Wir sind die Welle”, “Die Patchwork-Familie”, “How to sell Drugs online (fast)” oder “Sex Education”. Amazon Prime mit “Pastewka”. Außerdem geht Joyn an den Start, TV Now der RTL-Gruppe bietet unter anderem mit “Prince Charming” exclusiven Content. Und natürlich Youtube mit unendlich vielen Videos sowie diversen Funk-Formaten wie “Druck”.
Das Fernsehen muss sich anstrengen, wenn es weiter Aufmerksamkeit will. Das gelingt zum Beispiel mit “24h Europe” (arte), “Chez Krömer” (rbb), “Die Geschichte eines Abends” (NDR), “Käthe und ich” (Das Erste), “Die Unsichtbaren” (Das Erste) oder “Der Club der singenden Metzger” (Das Erste).

Was gab es sonst so? Thomas Gottschalk moderiert beim BR eine Literatursendung. Ja, wirklich! Bei Lanz zoffen sich Hasselhoff und Lindner. Hasselhoff gewinnt. Ja, echt! Böhmermann sagt was im ORF, und die Moderatorin distanziert sich. Ja, mei! Luke Mockrige prankt den “ZDF-Fernsehgarten” und ist … ähm, irgendwer fand das sicher lustig. Bei Funk gibt es eine 72-stündige Talkshow. Live! Und danach drei Tage Tiefschlaf. Die EU hat ein neues Urheberrecht. Und Youtube stirbt. Oder so ähnlich.
Achso, und: “I’m sorry! Zero Points!”

Schauen wir ein letztes Mal zu Greta: Die war auf dem Klimagipfel. Der war enttäuschend. Aber, bitte: Was war das denn?! Greta im ICE! Auf dem Boden sitzend! Wo sie doch 1.-Klasse-Tickets hatte!!! War dann zwar alles ein bisschen anders, aber da rollte der Shitstorm schon. Ist ja eh alles wurscht. Hauptsache Greta.

Nicht vergessen dürfen wir zu guter Letzt aber noch diese Feststellung. Enissa Amani ist eine Komikerin.
Echt!
Alles Gute für die 20er-Jahre.

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Das schaffst du nie! Der 72h-Talkshow-Weltrekord

Freitag, den 15. November 2019
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DI 12.11.2019 | 17.30 Uhr | Funk

Das schaffen die nie!
So dachte ich am Dienstag.
Da begann nämlich bei Funk auf Youtube und auf ARD-alpha eine etwas andere Sendung. Nun ist natürlich eine Talkshow erst mal nichts Besonderes. Besonders ist, dass sie 72 Stunden dauert. Drei Tage. Von Dienstagnachmittag bis Freitagnachmittag. Ohne nennenswerte Pause.

Der alte Weltrekord stammt aus Syrien. Zwei Moderatorinnen des Staatsfernsehens waren 2014 insgesamt 70 Stunden und fünf Minuten auf Sendung – mit nur kurzen Pausen und kaum Schlaf.
Ariane Alter und Sebastian Meinberg vom Funk-Format “Das schaffst du nie!” wollen das um fast zwei Stunden toppen und drei volle Tage auf Sendung sein.
Die Schwierigkeit besteht natürlich auch darin, dass eine Talkshow an sich erst mal nur wenig Aktion bietet. Heißt: Man sitzt viel und unterhält sich. Das ist bei großer Müdigkeit natürlich wenig förderlich.

So wurde die Dauertalksendung eigentlich auch erst in der Nacht zum Donnerstag wirklich interessant. Da waren die beiden Moderatoren schon so richtig müde. Inklusive Augenringe und im Sitz hängen wie ein Schluck Wasser.
Ganz ohne Pausen geht es dann doch nicht, pro Stunde haben sie fünf Minuten zur freien Verfügung – auch für Schlaf. Die Zeit können sie sammeln und für etwas längeren Schlaf nutzen – was sie auch taten. Einer oder eine muss jedoch immer live auf Sendung bleiben.

Jeder, der mal länger wach war, weiß: Irgendwann wird es wirklich schwierig. Nach 30 Stunden übermannt einen die Müdigkeit sehr, und ob dann 90 Minuten Schlaf wirklich reichen, ist fraglich.
Aber wenn es so einfach wäre, wäre es ja nicht Besonderes.
So ist eigentlich fast nebensächlich, wer zu Gast ist – spannend ist, wie sich Ariane Alter und Sebastian Meinberg schlagen. Schaffen sie die 72 Stunden – dann: Respekt!

-> Die Sendung auf Youtube

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