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Vincent Kliesch: Auris

Donnerstag, den 6. August 2020
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Knast, lebenslang. Matthias Hegel hatte zuvor den Mord an einem Obdachlosen gestanden.
Etwas, womit niemand gerechnet hat, denn Hagel ist nicht irgendwer. Er gilt als der beste forensische Phonetiker in Deutschland. Er hat ein fantastisches Gehör, hört in einer Stimme kleinste Nuancen, weiß, wenn sich jemand verstellt, kann sogar etwas zum Bildungsstand sagen oder weiß auch ziemlich genau, woher jemand kommt. Alle nennen ihn Auris.
Aber nun das. Schuldig.
Wirklich? Jula Ansorge arbeitet bei einem Berliner Radiosender. Sie fragt sich, warum ausgerechnet dieser Mann so eine Tat verüben sollte. Sie beginnt zu recherchieren. Allerdings: Hegel will das gar nicht, er will nicht aus dem Knast. Dass sie sich und ihre Familie selbst in Gefahr bringt, muss sie bald feststellen. Denn plötzlich ist ihr jüngerer Halbruder verschwunden.

Der Roman “Auris” von Vincent Kliesch entstand nach einer Idee von Sebastian Fitzek. Diese Ideengebung schlachtet der Droemer-Verlag großspurig aus, Fitzek steht sogar gleichrangig mit dem Namen des eigentlichen Autors – sicherlich in der Hoffnung, ein paar Bücher mehr zu verkaufen.
Die Story an sich ist durchaus spannend, sie wird auch recht filmisch erzählt. Kino im Kopf. Allerdings können in diesem Buch auch ohne Weiteres ganze Abschnitte quergelesen werden. An vielen Stellen hätte der Text auch gerafft werden können, weil inhaltlich wenig passiert.
Der Roman spielt in Berlin, zur Wendung kommt es allerdings, als Auris in einem Telefonmitschnitt hören will, dass eine Person in Oberhavel lebt. Dass der Showdown des Romans ausgerechnet in der ehemaligen Lungenheilstätte am Grabowsee in Friedrichsthal, lässt sich kaum erklären, kommt aber natürlich im Roman gut als gruseliger Ort.

Vincent Kliesch: Auris
Droemer, 352 Seiten
6/10

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KeineWochenShow

#178 – E wie Erst mal kein Umweltschutz

Sonntag, den 31. Mai 2020
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Folge #168 von KeineWochenShow war die erste, die wir wegen des Coronavirus unterm Carport und mit frischer Luft aufgezeichnet haben. Nun sind wir schon bei Ausgabe #178.
Covid-19 wird uns wohl noch eine Weile beschäftigen, aber ab dieser Woche verzichten wir auf die Statistik, die wir nun seit fast drei Monaten immer am Anfang der Sendung hatten. Das Virus selbst bleibt natürlich ein Thema.

Wir sprechen über das aktuelle Regel-Wirrwarr und darüber, ob in Sachen Umwelt danach alles besser werden wird. Vermutlich nicht. Warum gibt es Flüge von Düsseldorf nach Frankfurt/Main? Und wann gibt es wieder Kreuzfahrten? Und ist Fußball ohne Zuschauer wirklich so öde?
Im Interview ist diesmal Tino Herrig. Mit seinen Söhnen spielte er jeden Sonntag vor der Friedrichsthaler Kirche ein paar Lieder. Letzten Sonntag zum vorerst letzten Mal, und im Gespräch berichtet er, wie es dazu kam.

Wir sprechen außerdem über einen Tempel in Sommerswalde, einen Aufkleberskandal in Oranienburg und einiges mehr. In KeineWochenShow #178 auf Youtube.

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aRTikel

Musik gegen den Coronakoller

Montag, den 25. Mai 2020
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Familie Herrig aus Malz spielt seit Mitte März jede Woche vor der Kirchentür in Friedrichsthal – zum letzten Auftritt gibt es einen Kuchen zum Dank

MAZ Oranienburg, 25.5.2020

Friedrichsthal.
Mal ein paar Minuten Zerstreuung, ein bisschen Kultur und Besinnlichkeit in aufregenden Zeiten: Zwölfmal stand Familie Herrig aus Malz immer am Sonntagvormittag vor der Kirche in Friedrichsthal, um Musik zu machen. An diesem Sonntag das vorerst letzte Mal.
Vor der Kirchentür wurden Mikrofone aufgebaut, ein Piano, und eine Trompete war auch dabei. Tino Herrig, Kirchenmusiker in Friedrichsthal, Nassenheide, Sachsenhausen und Freienhagen, und seine beiden Söhne Paul (19) und Franz (15) haben sich jedes Mal drei Titel rausgesucht, die gemeinsamen mit den anderen Leuten gesungen werden konnten, außerdem zwei weitere Lieder.

In den vergangenen Wochen waren Gottesdienste wegen der Regeln rund um das Coronavirus nicht erlaubt. „Mitte März hat es angefangen, als alles verboten war“, erzählt Tino Herrig. „Es war die Idee unseres Pfarrers Peter Krause.“ Sie lautete: „Musik vor dem Turm“. Sie fand in Friedrichsthal mit den Herrigs statt und gleichzeitig mit Pfarrer Krause in Sachsenhausen, eine Stunde danach in Nassenheide. „Es tat mir ein bisschen weh, dass die Kirche so sang- und klanglos ihre Türen geschlossen hat, also haben wir dann nach Ideen gesucht, die in dieser Zeit auch erlaubt gewesen seien. 15 Minuten lang sollten die Leute sonntags mit Musik erfreut werden.
Reklame dafür gab es nicht – aus guten Gründen. Aber natürlich sprach sich das Friedrichsthal schnell rum. Außerdem blieben immer wieder Passanten stehen, und in den umstehenden Häusern wurden viele Fenster geöffnet. „Wir haben gemerkt, wie sehr die Sehnsucht nach etwas Gemeinsamkeit und nach dem Wort Gottes da ist, sagte Tino Herrig am Sonntag.
Gespielt worden sind Hoffnungs- und Dankeslieder. „Wir haben auch immer versucht, ein paar liturgische Sachen zu spielen und auch zeitgemäße Musik.“

Seine Kinder musste er nicht lange bitten. „Franz hat sofort mitgemacht, und dann hat Paul auch bald Ja gesagt.“ Paul hat in der Zeit auch sein Abitur gemacht, war also auch mit seinen Prüfungen beschäftigt.
Franz hat es großen Spaß gemacht, jeden Sonntag zu spielen. „Es war interessant, dass auch Leute kamen, die nicht christlich waren“, erzählte der 15-Jährige. „Musik bedeutet für mich, mich zu öffnen. Das, was man mag, kann man preisgeben.“ Ein Lieblingslied hat er nicht. „Am liebsten spiele ich aber neue Hits, die angesagt sind.“ Trompete spielt er, seit er neun Jahre alt war, anfangs an der Musikschule, inzwischen im Sachsenhausener Posaunenchor. „Ich mag den Ton, der da rauskommt“, erzählte er. Ansonsten geht er in die 9. Klasse an der Oranienburger Torhorst-Gesamtschule. Später will er am liebsten beruflich etwas mit Musik machen.

Jeden Sonntag dabei war auch Edelgard Müller. Die Friedrichsthalerin leitet das Frauenfrühstück in Malz. „Wie anders und ärmer wäre unsere Coronazeit doch verlaufen, gäbe es nicht die Familie Herrig, die uns und viele andere mit ihrer Musik immer sonntags an der Kirche Friedrichsthal erfreut hat.“ Es sei ein Ersatz dafür gewesen, dass ja sonst nicht viel los sein konnte. „Man sah mal ein paar Leute und konnte von weitem ein paar Worte wechseln“, sagte sie. Sie schrieb nicht nur einen Dankesbrief, sondern überreichte am Sonntag Tino Herrig auch eine Torte zum Geburtstag.

Pfingsten findet dann wieder eine Andacht in der Kirche statt, aber am 21. Juni soll ab 18 Uhr zur Sommersonnenwende wieder vor der Kirchentür Musik gemacht werden.

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RTelenovela

Radtour (38): In Zeiten des Coronavirus

Montag, den 6. April 2020
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(37) -> 22.6.2019

In Zeiten des Coronavirus haben wir in Brandenburg glücklicherweise keine Ausgangssperre. Und auch während der Kontaktsperre ist Sport an der frischen Luft erlaubt. Und dazu gehört auch das Fahrradfahren.
Also nutzte sich den Sonnenschein-Sonntag, um mich aufs Rad zu schwingen.

Ich radele durch die Oranienburger Innenstadt. Es ist ja nicht so, dass am Sonntagnachmittag in Oranienburg unheimlich viel los wäre. Aber es ist noch weniger los, als sowieso schon. Es fahren kaum Autos, und plötzlich fällt auf, wie unfassbar laut, der Schienenersatzverkehrsbus ist. Und wie sehr er stinkt. Normalerweise merkt man das im Lärm und allgemeinen Gestank gar nicht.

Weiter geht es Richtung Lehnitzschleuse. Ein paar Radler kommen mir entgegen, ein paar Rollschuhfahrer und wenige Spaziergänger. An der Schleuse biege ich auf den Radweg entlang des Oder-Havel-Kanals.
Auch hier geht es entspannt zu. Ein paar Radler, meistens zu zweit, selten verbotenerweise zu dritt. Am Ufer auf der anderen Seite, wo die Sonne scheint, liegen an vielen Stellen Menschen. Sicherlich Familien.
In Friedrichsthal erreiche ich die Grabowseebrücke. Direkt dahinter, an der ehemaligen Fähre, ist ein Ausflugslokal. Das ist natürlich – wie alle anderen Lokale – geschlossen, aber einen Außer-Haus-Verkauf gibt es – wie meistens – auch dort. Allerdings muss man einen 1,50 Meter großen Sicherheitsabstand zu den anderen Leuten halten, und seine Bockwurst muss man im Gehen am Wasser essen – oder das Radler trinken.
Ein paar Leute sind zwar da, aber auch das ist alles vollkommen entspannt.

Ich fahre weiter durch Friedrichsthal und Sachsenhausen, am dortigen Bahnhof vorbei, bis nach Oranienburg. Ich biege ab zum Schlosshafen, radele am Schloss vorbei, auf der Havelpromenade, über das Blaue Wunder und die Pferdeinsel. Überall ist wenig los, von Massenaufläufen ist glücklicherweise nirgendwo etwas zu sehen.
Aber mir werden die Muskeln schwer. Gut, dass ich wieder zu Hause ankomme…

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KeineWochenShow

#129 – Alex gegen Sarah und Kurt

Sonntag, den 23. Juni 2019
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Das große Medien-Battle! Oranienburgs Bürgermeister Alexander Laesicke gegen die Autorin Sarah Kuttner. In der aktuellen Ausgabe von KeineWochenShow sprechen wir über die Zickereien, weil Alex der Oranienburg-Roman “Kurt” nicht gefällt, was widerum Sarah doof findet.

Der Kuss-Skandal der Woche! Am Grabowsee in Friedrichsthal haben ein Kuss zwischen zwei Männern und schlimmste Beschimpfungen zu einem Polizeieinsatz geführt. Auch darüber sprechen wir ausführlich.

Es geht aber auch um das Zittern der Woche! Angela Merkel hatte Wassermangel. Um die Spender der Woche! Die viel versprochen, aber noch nichts gezahlt haben. Natürlich das Bier der Woche! Die CD der Woche! Die Serie der Woche! Alles das und mehr in KeineWochenShow #129 auf Youtube.

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RTelenovela

Radtour (37): Geradeaus abbiegen

Samstag, den 22. Juni 2019
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(36) -> 12.6.2019

Wer von Oranienburg nach Schmachtenhagen will, findet an der B273 einen schönen Radweg am Waldrand. Erstaunloch kurvenreich und bergig geht es entlang der Bundesstraße ins nächste Dorf.
Der Radweg endet allerdings am Ortseingang. Dann darf der blöde Radfahrer direkt auf die Bundesstraße. Auf keiner Seite gibt es einen vernünftigen Weg. Das ist besonders unangenehm an der Kreuzung, wo es gerade aus in Richtung Bauernmarkt und rechts (der Hauptstraße folgend) nach Wensickendorf. Denn als Radler muss man ja irgendwie den Autofahrern mitteilen, dass man dem Straßenverlauf der Hauptstraße nicht folgen will. Aber nach links zu zeigen, ist eigentlich falsch, denn es geht ja eigentlich geradeaus weiter.
Als fuhr ich vor der Kreuzung immer langsamer und wartete ab, bis von hinten keiner mehr kam. Das war am Abend nicht so ein Problem – am Tage sicherlich schwieriger.

In Schmachtenhagen selbst fahre ich an der Kirche vorbei, und ich denke darüber nach, dass wir neulich bereits geplant haben, Heiligabend dort wieder hinzugehen, obwohl es ja immer eher, nun ja, schwierig ist.
Ich fahre am alten Schlecker-Schuppen vorbei, in dem sich neuerdings ein Tierfutterhandel befindet.

Links geht es zum Grabowsee. Ich fahre über die alten Bahnschienen, aber die Strecke von Schmachtenhagen nach Sachsenhausen ist schon seit Ewigkeiten außer Betrieb, die Gleise enden an einem Grundstückstor. Irgendwie wäre es ja toll, wenn es da auch wieder mal eine vernünftige Bahnverbindung gäbe.
Der Weg zum Grabowsee ist beschwerlich. Er führt zwar durch den Wald, aber ewig lange über Kopfsteinpflaster. Aber auch später, als dem Asphalt gibt es viele große Bodenwellen. Nicht sehr angenehm.

Ich lege eine Pause am Grabowsee ein. Ein paar Leute sind noch da. Ein Typ reißt sich gerade die Badehose runter, und ich denke an den Vorfall, der unter anderem deshalb zu einem Polizeieinsatz geführt hatte. Soll ja Leute geben, die von solchen, ähm, Vorfällen angewidert sind…

Als ich über die Grabowseebrücke über den Oder-Havel-Kanal in Friedrichsthal rolle, donnert es leicht. Vorsichtshalber schaue ich auf dem Handy auf das Wetterradar – und erst mal passiert wohl nichts. Ich radele am Kanal bis Oranienburg.

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RTelenovela

Küsst euch!

Donnerstag, den 20. Juni 2019
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Polizeieinsatz am Grabowsee in Friedrichsthal! Es muss was Schlimmes passiert sein!
Könnte man meinen.
Angefangen hat es nämlich schlicht mit: Liebe.

Zwei Männer, 26 und 33 Jahre, haben im See gebadet und haben sich geküsst. Und dann haben sie sich auch noch die Badehosen ausgezogen – um sich umzuziehen. An einem Strand!! Unglaublich!!
Für eine Frau (42) und einen Mann (57) war das zu viel. Sie riefen die Polizei, und sie beschimpften die Männer, es war wohl die Rede davon, dass man sie vergasen müsse, und sie würden ins KZ gehören.
Und so kam die Polizei ins Spiel.
Als die eintraf, mussten die Beamten alle erst mal beruhigen. Am Ende gab es für beide Seiten Anzeigen. Wegen angeblicher exhibitionistischer Handlungen die einen, wegen volksverhetzender Beleidigungen die anderen.

Da muss man echt aufpassen, dass man nicht emotional und beleidigend wird. Aber anderseits: Ich glaub’, es hackt! Ernsthaft? Die Polizei holen, weil zwei Typen sich küssen? Haben wir wirklich keine anderen Probleme? Und kann man sich wirklich so gestört und angewidert fühlen, wenn zwei sich liebende Menschen sich küssen? Und wenn sich Leute am Strand umziehen, ohne sich umständlich Handtücher umzubinden? Selbst wenn ein kleines bisschen mehr passiert sein sollte, dann kann man ja immer noch eine freundliche, aber bestimmte Ansage machen.

In Oberkrämer wurde neulich das Hissen der Regenbogenflagge abgelehnt – angeblich weil die Liebe ja Privatsache sei und sowieso Friede, Freude und auch Eierkuchen herrsche.
Der Vorfall vom Grabowsee zeigt: Nichts ist gut! Es gibt immer noch Verbohrte. Und wenn diese Leute auch noch volksverhetzende Hasstiraden herausblöken, dann geht das Ganze sogar in die nazistische Ecke. Die Nazis haben einst die Schwulen ins KZ deportiert. Wer so was auch wieder will, kann wohl als Nazi, als Rassist, Hetzer oder Menschenhasse betitelt werden. So was ist ekelhaft, und dafür gibt es ganz klar die Rote Karte!

Hits: 178