KeineWochenShow

#129 – Alex gegen Sarah und Kurt

Sonntag, den 23. Juni 2019
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Das große Medien-Battle! Oranienburgs Bürgermeister Alexander Laesicke gegen die Autorin Sarah Kuttner. In der aktuellen Ausgabe von KeineWochenShow sprechen wir über die Zickereien, weil Alex der Oranienburg-Roman “Kurt” nicht gefällt, was widerum Sarah doof findet.

Der Kuss-Skandal der Woche! Am Grabowsee in Friedrichsthal haben ein Kuss zwischen zwei Männern und schlimmste Beschimpfungen zu einem Polizeieinsatz geführt. Auch darüber sprechen wir ausführlich.

Es geht aber auch um das Zittern der Woche! Angela Merkel hatte Wassermangel. Um die Spender der Woche! Die viel versprochen, aber noch nichts gezahlt haben. Natürlich das Bier der Woche! Die CD der Woche! Die Serie der Woche! Alles das und mehr in KeineWochenShow #129 auf Youtube.

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RTelenovela

Radtour (37): Geradeaus abbiegen

Samstag, den 22. Juni 2019
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(36) -> 12.6.2019

Wer von Oranienburg nach Schmachtenhagen will, findet an der B273 einen schönen Radweg am Waldrand. Erstaunloch kurvenreich und bergig geht es entlang der Bundesstraße ins nächste Dorf.
Der Radweg endet allerdings am Ortseingang. Dann darf der blöde Radfahrer direkt auf die Bundesstraße. Auf keiner Seite gibt es einen vernünftigen Weg. Das ist besonders unangenehm an der Kreuzung, wo es gerade aus in Richtung Bauernmarkt und rechts (der Hauptstraße folgend) nach Wensickendorf. Denn als Radler muss man ja irgendwie den Autofahrern mitteilen, dass man dem Straßenverlauf der Hauptstraße nicht folgen will. Aber nach links zu zeigen, ist eigentlich falsch, denn es geht ja eigentlich geradeaus weiter.
Als fuhr ich vor der Kreuzung immer langsamer und wartete ab, bis von hinten keiner mehr kam. Das war am Abend nicht so ein Problem – am Tage sicherlich schwieriger.

In Schmachtenhagen selbst fahre ich an der Kirche vorbei, und ich denke darüber nach, dass wir neulich bereits geplant haben, Heiligabend dort wieder hinzugehen, obwohl es ja immer eher, nun ja, schwierig ist.
Ich fahre am alten Schlecker-Schuppen vorbei, in dem sich neuerdings ein Tierfutterhandel befindet.

Links geht es zum Grabowsee. Ich fahre über die alten Bahnschienen, aber die Strecke von Schmachtenhagen nach Sachsenhausen ist schon seit Ewigkeiten außer Betrieb, die Gleise enden an einem Grundstückstor. Irgendwie wäre es ja toll, wenn es da auch wieder mal eine vernünftige Bahnverbindung gäbe.
Der Weg zum Grabowsee ist beschwerlich. Er führt zwar durch den Wald, aber ewig lange über Kopfsteinpflaster. Aber auch später, als dem Asphalt gibt es viele große Bodenwellen. Nicht sehr angenehm.

Ich lege eine Pause am Grabowsee ein. Ein paar Leute sind noch da. Ein Typ reißt sich gerade die Badehose runter, und ich denke an den Vorfall, der unter anderem deshalb zu einem Polizeieinsatz geführt hatte. Soll ja Leute geben, die von solchen, ähm, Vorfällen angewidert sind…

Als ich über die Grabowseebrücke über den Oder-Havel-Kanal in Friedrichsthal rolle, donnert es leicht. Vorsichtshalber schaue ich auf dem Handy auf das Wetterradar – und erst mal passiert wohl nichts. Ich radele am Kanal bis Oranienburg.

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RTelenovela

Küsst euch!

Donnerstag, den 20. Juni 2019
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Polizeieinsatz am Grabowsee in Friedrichsthal! Es muss was Schlimmes passiert sein!
Könnte man meinen.
Angefangen hat es nämlich schlicht mit: Liebe.

Zwei Männer, 26 und 33 Jahre, haben im See gebadet und haben sich geküsst. Und dann haben sie sich auch noch die Badehosen ausgezogen – um sich umzuziehen. An einem Strand!! Unglaublich!!
Für eine Frau (42) und einen Mann (57) war das zu viel. Sie riefen die Polizei, und sie beschimpften die Männer, es war wohl die Rede davon, dass man sie vergasen müsse, und sie würden ins KZ gehören.
Und so kam die Polizei ins Spiel.
Als die eintraf, mussten die Beamten alle erst mal beruhigen. Am Ende gab es für beide Seiten Anzeigen. Wegen angeblicher exhibitionistischer Handlungen die einen, wegen volksverhetzender Beleidigungen die anderen.

Da muss man echt aufpassen, dass man nicht emotional und beleidigend wird. Aber anderseits: Ich glaub’, es hackt! Ernsthaft? Die Polizei holen, weil zwei Typen sich küssen? Haben wir wirklich keine anderen Probleme? Und kann man sich wirklich so gestört und angewidert fühlen, wenn zwei sich liebende Menschen sich küssen? Und wenn sich Leute am Strand umziehen, ohne sich umständlich Handtücher umzubinden? Selbst wenn ein kleines bisschen mehr passiert sein sollte, dann kann man ja immer noch eine freundliche, aber bestimmte Ansage machen.

In Oberkrämer wurde neulich das Hissen der Regenbogenflagge abgelehnt – angeblich weil die Liebe ja Privatsache sei und sowieso Friede, Freude und auch Eierkuchen herrsche.
Der Vorfall vom Grabowsee zeigt: Nichts ist gut! Es gibt immer noch Verbohrte. Und wenn diese Leute auch noch volksverhetzende Hasstiraden herausblöken, dann geht das Ganze sogar in die nazistische Ecke. Die Nazis haben einst die Schwulen ins KZ deportiert. Wer so was auch wieder will, kann wohl als Nazi, als Rassist, Hetzer oder Menschenhasse betitelt werden. So was ist ekelhaft, und dafür gibt es ganz klar die Rote Karte!

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RTelenovela

Radtour (35): Schotter und Kopfsteinpflaster

Freitag, den 31. Mai 2019
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(34) -> 24.5.2019

Zum Himmelfahrtstag passt eine Radtour, und diesmal ließ ich mich wieder von einem Kollegen inspirieren, der ein Teilstück der heutigen Strecke neulich auch erst befahren hat.
Start ist am Oranienburger Schlosshafen. Dort schippern gerade ein paar junge Männer auf einem Boot auf der Havel herum. Sie hören laute Musik und grölen mit. Auf dem August-Wilheim-Steg bleiben immer wieder Leute stehen und schauen zu. Einige singen sogar mit, als das Lied von “Cordula Grün” angestimmt wird.

Ich radelte los. Und im Parkweg gleich das erste Ärgernis, das in Oranienburg ja schon fast Routine ist. Eine Straße mit Schotter. Wer so was entscheidet, ist weder Fußgänger, noch Radfahrer. Auf Schotter mit losen kleinen, spitzen Steinen kann man weder fahren noch laufen. Mit dem Rad ist das unangenehm, aber auch für Leute mit Kinderwagen.
Die Gegend hinter dem Schlosspark ist eine merkwürdige Mischung aus kleinen und großen Wohnhäusern und Kleingärten. Eine spannende und willkürliche aussehende Mischung. Am Luisenweg ist zudem die DDR wieder auferstanden. Eine riesige DDR-Fahne weht über einer Garage.

Ich fahre über die Kanalbrücke zur Thaerstraße. Dort ist in den vergangenen Jahren ein vollkommen neues Wohngebiet entstanden – wie an vielen Stellen in Oranienburg. Auf der rechten Seite der Straße befindet sich so etwas wie ein Gehweg. Bestehend aus Schotter und Sand. Und wieder frage ich mich ernsthaft, was das soll. Der Weg sieht aus wie noch nicht fertig, wie gewollt, aber nicht gekonnt. Radfahren kann man dort nicht und laufen fällt dort sicher auch schwer. Dieser Weg zieht sich die ganze Thaerstraße entlang und weiter am Kühbrückenweg. Stellenweise besteht der in Bordsteinen eingefasste Weg aus Zuckersand. Der pure Wegeblödsinn.
Ich ziehe es vor, auf der Straße zu fahren. Im Kuhbrückenweg wird Oranienburg ländlich. Links sind Spargelfelder, rechts stehen Holzstapel, an einer Stelle befindet so so etwas wie ein verfallener Stall. Im Bereich der B96-Brücke, die erst etwas mehr als 15 Jahre alt ist, gibt es sogar einen richtigen Radweg.

Ich erreiche Tiergarten, eine recht abgelegener Oranienburger Stadtteil. Der eingefasste Sandschotterweg beginnt plötzlich wieder und sieht noch zerzauster aus. Ich fahre wieder auf der Straße, an der Tiergarten-Gaststätte vorbei, in der ein paar Leute sitzen.
Am Ende von Tiergarten endet auch die Asphaltstrecke. Und – hurra – wieder Schotter. Ein paar Radler mühen sich auf dem Weg ab.
Auf der Kuhbrücke im gleichnamigen Wohnplatz mache ich eine kurze Pause und schaue auf die idyllische Natur mit dem Rhin, auf untern durchführt.
In Kuhbrücke gibt es sogar noch ein paar Häuschen, aber schnell befinde ich mich im Wald. Der Weg ist schlecht, Schlaglöcher und Feldsteine. Vermutlich war der Weg früher mal im besseren Zustand.
Der Weg führt bis zur Landesstraße, die ich nahe Teerofen – schon auf Hohenbrucher Gemarkung – überquere.

Es sind durchaus ein paar Leute auf diesem Weg unterwegs. Er führt von Oranienburg-Tiergarten bis Nassenheide und könnte eine wunderbare Radweg-Alternative sein. Von Nassenheide aus ist diese Strecke sogar als Radwanderstrecke ausgewiesen. Aber der Weg ist in miesem Zustand. Er muss früher mit Asphalt überzogen gewesen sein. Davon ist kaum was übrig. Stattdessen: lauter altes, holpriges Kopfsteinpflaster, von dem aber auch kaum noch was übrig ist.
An solche Wege wird offenbar kaum gedacht. Ein zumindest schmales Asphaltband, das sich dort durch den Wald zöge, wäre großartig. Denn die Natur dort ist erholsam, man fährt durch den puren Wald.

Ich erreiche Nassenheide. Wer mit dem Rad durch Nassenheide fährt, lernt das Dorf ganz neu kennen. Auf der Hohenbrucher Chaussee entsteht derzeit ein ganz neues Wohngebiet mit zig Häusern. Wo die bald stehen, war vorher weites Feld. Es ist ein wahnsinnig ruhiges Fleckchen Erde. Zumindest noch.
Und auch der Nassenheider Dorfkern ist vor allem eins: ruhig. Durch das Dorf führt zwar am Rand die B96 durch. Aber abseits davon herrscht Ruhe. Nassenheide hat den Vorteil, kein Durchfahrtsdorf zu sein. Am Ortsausgang kommt nichts mehr – zumindest für Autofahrer. So kann man minutenlang am Dorfanger stehen, auf die Kirche und die anderen alten Gebäude blicken, ohne dass ein Auto kommt.
Durch einen Tunnel an einem Bach geht es unter der B96 hindurch. Auf der anderen Seite geht es auf die Liebenwalder Chaussee, über den Nassenheider Bahnübergang.
Eigentlich wollte ich bis Freienhagen fahren, dann weiter durch den Wald nach Malz. Aber am Dameswalder Weg bleibe ich stehen und schaue auf Google Maps, wohin der Weg führt – und entschließe mich, dort einzubiegen.

Wieder geht es durch den Wald, mit dem Unterschied, dass der Waldweg dort ganz gut befahrbar ist. Ich lande in Neu-Friedrichsthal. Ich wusste als Oranienburger nicht, dass genau genommen Neu-Friedrichsthal ein eigener Ort ist – immerhin gibt es ein eigenes grünes Ortsschild.
Neu-Friedrichsthal liegt auch janz weit draußen. Nahe am Wald gelegen, ist es dort auch sehr ruhig in der relativ kleinen Siedlung. In der Kreuzallee überquere ich die Havel und bleibe dort auf der Brücke auch noch mal kurz stehen. Der Anblick ist einfach schön.
Ich verlasse Neu-Friedrichsthal, einem Ort, den ich bislang nicht kannte, und erreiche den Friedrichsthaler Ortskern mit der Kirche.
Langsam bin ich an einem Punkt, wo ich eigentlich langsam mal wieder zu Hause sein will. Der Wind kommt von vorn, und ich radele durch den Ort, in dem die Gaststätte an Himmelfahrt erstaunlicherweise geschlossen ist.
Mit Mühe erreiche ich wieder Sachsenhausen, ich bin inzwischen auf der selben Strecke von neulich unterwegs, und ich merke, dass ich langsam mal was trinken muss. Aber McDonald’s ist ja nicht mehr weit…

Und dann war da noch der Fußgänger in der Sachsenhausener Straße in Oranienburg, der auf dem Rad- und Fußweg direkt vor mir links – ohne zu gucken – auf meinen Radweg ausscherte, weil vor ihm eine Frau mit Kinderwagen war. Ich war schon so dicht an ihm dran, dass ich mich entscheiden musste: Klingeln oder vollbremsen. Beides ging nicht mehr. Ich bremste scharf, und wir bekamen alle einen Schreck. Der Mann rief mir irgendwas nach, woraufhin ich meinte, das sei der Radweg. Der soll froh sein, dass ich ihn nicht umgekachelt habe, nachdem er unaufmerksam ausscherte.

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RTelenovela

Radtour (33): Einmal rüber und noch mal rüber

Dienstag, den 21. Mai 2019
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(32) -> 15.2.2017

Manchmal ist man als Radfahrer merkwürdigen Regeln ausgesetzt. In Oranienburg darf man stadtauswärts in der Bernauer Straße freundlicherweise den Radweg in beide Richtungen benutzen. Will man aber zur Schleuse, ist der ausgeschilderte Weg so: Vor der Carl-Gustav-Hempel-Straße muss man als Radler einmal über die Straße, weil dort der beidseitige Radweg endet. Ist man drüben, fährt man geschätzte 20 Meter, um dann wieder über die Straße zu fahren – denn die Schleuse befindet sich auf der anderen Straßenseite – die man ja gerade verlassen musste.
Anstatt also dass man einmal die Hempelstraße quert, muss man die Bernauer Straße, die B273, sogar zweimal queren. Keine Ahnung, wer sich so was ausdenkt.

Immer wieder schön: der Radweg am Oder-Havel-Kanal. Blöderweise scheint man in Richtung Friedrichsthal immer Gegenwind zu haben. Vor der Grabowseebrücke bog ich aber links ab, um durch den Ort zu fahren.
Friedrichsthal ist ein besonders ruhiges Fleckchen – zumal wenn man die Malzer Chaussee entlangradelt. Man hört die Vögel, und im Waldstück rauschen die Bäume. Es ist ganz wunderbar.
Da merkt man auch, wenn man an der Friedrichsthaler Chaussee bis Sachsenhausen fährt, wie laut plötzlich Autos sein können, wenn sie an einem vorbeirauschen.

In Sachsenhausen fahre ich an der Bahnstrecke entlang. In Höhe der Straße An den Russenfichten gibt es eine Stelle, wo man ganz wunderbar an den Gleisen den Bahnverkehr beobachten kann. Dort rauschen die Züge in hohem Tempo vorbei. Wobei mich durchaus wundert, wie schlecht die Stelle gesichert ist. Aber vermutlich ist es einfach zu teuer, Bahngleise abzuschotten.

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RT liest

Sarah Kuttner: Kurt

Montag, den 15. April 2019
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Ein großer Schritt für Lena und ihren Freund Kurt. In der Nähe von Oranienburg haben sie sich ein Grundstück mit Haus gekauft. Raus aus Berlin. Und näher zu Kurts Sohn aus erster Ehe: Kurt will Kurt nahe sein. Der wohnt nämlich mit seiner Mutter im Nachbarort Lehnitz, und von Berlin aus konnte sich der Vater kaum um seinen Sohn kümmern. Jede zweite Woche soll der kleine Kurt nun bei den beiden leben. Sie richten sich ein, es scheint alles gut zu werden.
Aber dann stirbt Kurt. Der Junge fällt in der Kita vom Klettergerüst. Keiner hat schuld. Es passiert einfach.
Eine Welle der Trauer erfasst die Patchworkfamilie, und Lena weiß nicht genau, wie sie damit umgehen soll. Ihr Freund lässt sich kaum trösten, er lässt sie nicht an sich ran.
Kann die Beziehung diese Trauer überleben?

In ihrem vierten Roman widmet sich Sarah Kuttner der Trauer. Wie umgehen mit dem Schmerz? Dabei geht es auch darum, wie man umgeht mit dem Schmerz anderer, nahestehender Menschen. Auf ergreifende Art und Weise schildert Kuttner wie das Paar zurecht kommt oder eben nicht zurecht kommt.
Sarah Kuttner hat eine wunderschöne Weise, Alltag zu erzählen. Liest man die ersten Kapitel bekommt man einen Eindruck vom Familienleben. Wie sie erzählt, wie sie die Dialoge aufschrieb, all das ist toll. Wahrhaftig und unaufgeregt.
Sie hat tatsächlich ein Grundstück bei Oranienburg, sie kennt die Gegend gut. Deshalb wird sie in diesem Roman erstaunlich detailliert beschrieben. Wir fahren mit Lena durch Oranienburg, zum Wandlitzsee, nach Rummelsburg in Berlin. Kommt in der Verfilmung, die natürlich auch dort spielen muss, sicher gut.
Den Tod des Jungen erzählt sie fast beiläufig. Passiert eben. Das kommt erschreckend, man bekommt eine Gänsehaut. Die Trauer danach ist gut beobachtet. Die Angst, die leise Verzweiflung springt einem regelrecht entgegen. Man fühlt und fiebert mit, man kämpft immer wieder mit den Tränen.
“Kurt” ist liebevoll, gefühlvoll, hat aber auch eine fröhliche und leichte Alltagsbeschreibung, die später ins Traurige abgleitet. “Kurt” geht unter die Haut.

Sarah Kuttner: Kurt
S.Fischer, 240 Seiten
9/10

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RT im Kino

Heilstätten

Montag, den 26. Februar 2018
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Nach seinem YouTube-Star-Film-Disaster “Kartoffelsalat” bringt Regisseur Michael David Pate nun den nächsten Social-Media-Streifen ins Kino. “Heilstätten” ist erneut hart an der Grenze zum Trash, aber optisch immerhin kein Totelausfall.

Das verlassene Gelände der Heilstätten von Beelitz. Dort soll es spuken, und deshalb zieht es eine Gruppe von YouTubern (u.a. Sonja Gerhardt, Lisa-Marie Koroll, Nilam Farooq, Emilio Sakraya, Timmi Trinks) dorthin, um eine Gruselnacht zu verbringen und daraus einen Film für das Internet zu machen.
Sie haben alles dabei, was sie brauchen. Kameras, Wärmebildkameras, Schwarzlicht, Scheinwerfer. Allerdings müssen sie bei Theo (Tim Oliver Schultz), der sie dort reinbringt, die Handys abgeben, damit schon während der Nacht nicht herauskommt, dass sie sich dort illegalerweise aufhalten.
Worüber sie am Anfang noch Witze machen, wird aber bald bitterer Ernst: Als es draußen dunkel ist, beginnt in den Heilstätten der Spuk – grausamer, als alle gedacht haben.

Warum man betonen muss, dass die Geschichte in den Beelitzer Heilstätten spielt, ist unklar. Denn der Film entstand in der ehemaligen, nun leerstehenden Lungenheilstätte am Grabowsee in Friedrichsthal bei Oranienburg. Hätte man genauso erzählen können.
Warum es zu Beginn eine Szene gibt, in der YouTuber Freshtorge mit einer Freundin im Oranienburger Kino sitzt und darüber palavert, dass er Horrorfilme schlimm findet, ist ebenso unklar. Denn die Szene steht völlig sinnfrei im Raum, sie wird am Ende auch nicht aufgelöst.
Ansonsten ist “Heilstätten” zu zwei Dritteln leider eher anstrengend als gruselig. Und das deshalb, weil es sich eher um die YouTuber als um den Horror dreht. Die jungen Leute, deren leben sich darum dreht, völlig überdreht in die Kamera zu quaken, sind leider nicht wirklich spannend.
Aber das Blatt wendet sich, denn am Ende macht die ganze Geschichte doch noch eine einigermaßen interessante, wenn auch vollkommen abgedrehte Wendung. Ohne zu viel zu verraten: Das Ende ist irre bis wirr.
Lustigerweise hat der YouTube-Film “Heilstätten” aber eine nette Botschaft an YouTuber und ihre Zuseher – Theo bringt sie rüber und äußert sie: Man solle doch bitte was Vernünftiges ins Netz stellen und so verhindern, dass die Jugend verdummt. Da ist was dran.

Heilstätten
D 2017, Regie: Michael David Pate
Fox, 89 Minuten, ab 16
5/10

Hits: 42