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Radtour (27): Sackgasse ins Nichts

Sonntag, den 7. Juli 2013
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(26) -> 18.6.2013

Dass ich mich mal wieder auf eine Expedition begebe, war wirklich nicht geplant! Ich bin einfach so reingeraten.
Eigentlich wollte ich nach einem Besuch des Eiscafes am Oranienburger Lehnitzsee nur noch die übliche Runde fahren – entlang des Oder-Havel-Kanals bis Friedrichsthal und durchs Dorf zurück.
Aber es sollte anders kommen.

Erste neue Entscheidung: An der neuen Friedrichsthaler Brücke fahre ich noch weiter bis Malz – da ist Dorffest, vielleicht ist’s da nett. Also radele ich an der Werft und der Schleuse vorbei nach Malz.
Doch das, ähm, Dorffest ist eine Enttäuschung. Auf der Wiese stehen ein paar Bänke, ein paar Leute sitzen da rum, dazu ein bisschen Musik und Bierwagen. Das ist nicht mal ein Fotomotiv und kein Grund, eine Pause zu machen. Zumal ich sowieso nur noch 2 Euro dabei hatte.

Ich fahre eine Kopfsteinpflasterstraße entlang und erreiche den Ortsausgang von Malz. Welcher Ort danach kommt, und ob da überhaupt noch ein Ort kommt, steht da nicht. Die Fläche auf dem Schild ist jungfräulich gelb. Aber: Es gibt einen richtigen Radweg.
Und da ist sie – die Expedition. Ich radele weiter und weiß nicht, wohin.

Ein Radweg, der mir völlig unbekannt war. Von Malz aus führt er durch den Wald. Nebend er unbefestigten Sandpiste gibt es einen asphaltierten Weg. Und die Stille, die pure Natur. Ein herrlicher Weg!
Irgendwann aber biegt der Radweg links ab, das freundschaftliche Nebeneinander von Sand- udn Radweg endet. Jetzt geht es an einer Stromoberleitung entlang, durchs Feld. Ich habe keinen blassen Schimmer, wo ich ankommen könnte. Ich tippe auf Nassenheide.

Ich komme an eine Straße – und ahne: Ich bin genau an der Grenze zwischen Neuholland und Freienhagen. Die Landesstraße.
Aber ist es wirklich die Landesstraße? Ich bin mir unsicher. Die Hinweisschilder für Radfahrer sind nicht ganz eindeutig. Freienhagen ist nicht ausgeschildert. Und: Gegenüber geht eine Straße ab, wohin sie führt, weiß ich nicht. Vielleicht bin ich auch nur zu blöd, die richtigen Schilder zu finden.
Ich entscheide mich – warum auch immer – diese schmale Straße entlang zu fahren. Ich komme an einer Pferdepension vorbei, dessen Namen ich noch nie gehört habe. Weiter an einem riesigen Rinderstall vorbei.

Erstaunlicherweise gibt es sogar im Nirgendwo eine Bushaltstelle. Vielleicht bekomme ich durch den Fahrplan heraus, wo ich bin.
Das Vorhaben scheitert allerdings daran, dass beide Fahrpläne beider Fahrtrichtungen dranhängen. Aber in welcher Richtung bin ich denn nun unterwegs? Die Haltestelle heißt: “Neuholland, Sperberhof”.
Immerhin ist nun klar: Ich bin tatsächlich in Neuholland, und ich war kurz davor tatsächlich an der Landesstraße. Wäre ich nur mal links abgebogen! Aber umdrehen kommt bei der Radtour nicht infrage.

Ich radele also weiter – bis zum Bergemannhof, einem Wohnplatz – gewissermaßen ein Ortsteil von Neuholland. Kannte ich vorher nicht. Wieder mal einer der Kleinstorte in Oberhavel, die ich neu entdeckt habe.
Ich biege in die kleine Straße ab, die so heißt die der Ort. Ein paar Höfe, wenige Häuser, ein paar Hunde, die müde rumliegen. Ansonsten weites Feld.
Erstaunlich. Ein gibt Orte im Nirgendwo, die vom Nirgendwo noch mal abgezweigt sind. Im verlauf der Straße gibt’s weitere einzelne Grundstücke. Und ein Sackgassenschild, das ich aber erst mal ignoriere. Ich fahre weiter und gelange an ein Grundstück – und ans Ende der Straße.
Hier geht es nicht weiter – und es ist das erste Mal auf meiner meiner Radtouren, dass ich umdrehen muss, dass ich wirklich nicht weiter komme, denn die Straße endet am Feld.

Also zurück. Aber nur bis zur Bushaltestelle. Denn dort biegt ein Plattenweg zum Sperberhof ab. Über holprige Betonplatten fahre ich entlang eines Wassergrabens ohne Wasser. Wo nun der Sperberhof ist, weiß ich nicht. Habe ich nicht gefunden – oder übersehen. Aus Beton wird Sand, aber selbst im Nichts gibt’s plötzlich ein Ortsschild: Freienhagen. Ich erreiche die Groß-Siedlung.
Große Pferdehöfe, hübsche Villen und ein besonders kurzer Ernst-Thälmann-Weg.
Am Ende der Siedlung bin ich wieder an der Landesstraße. Ich fahre Richtung Nassenheide. Inzwischen zut mir der Hintern weh, und ich will nun eigentlich auf dem direkten Wege nach Hause.

Der Bahnhof Nassenheide ist komplett neu gestaltet. Der alte Bahnsteig ist weggerissen, das Wartehäuschen ist weg – übrig nur nur eine neue Plattform auf der nach Freienhagen gerichteten Seite. Sehr schmucklos. Im Schaukasten hängt ein Zettel mit einem Foto des mehrköpfigen Bahnhofsteams – allerdings sitzt es nicht in Nassenheide, sondern irgendwo in Berlin. Aber schönes Foto…

Das mit dem direkten Weg gelingt mir in Nassenheide dann doch nicht – ich biege am Friedrichsthaler Weg falsch ab und verirre mich in einem lauschigen Wohngebiet. Sackgassenpleite Nummer 2.
Dann aber geht’s zurück – entlang der B96 und weiter nach Sachsenhausen. Nach einem Zwischenstopp im Imbiss von Ronald M.D. erreiche ich endlich wieder meine Straße – fast drei Stunden war ich unterwegs. Reicht erst mal wieder.

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aRTikel

1993: Hennigsdorfer Metaller streiken, Oranienburger hoffnungslos

Samstag, den 11. Mai 2013
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März/April 1993 -> 9.4.2013

Vor 20 Jahren: Riva-Belegschaft will mehr Lohn / Krupp verkündet Aus für Werk in der Kreisstadt / Bomben in Lehnitz und Eichstädt

MAZ Oranienburg, 11.5.2013

OBERHAVEL
Was passierte vor 20 Jahren im damaligen Kreis Oranienburg? Diesmal der April und Mai 1993.

Der Unternehmer Horst Eichholz erwarb am Germendorfer Ortsausgang ein 60 Hektar großes Areal. In den kommenden 30 Jahren, also bis 2023, will er Bausande gewinnen. Das Gelände rund um den Kiessee will er zum Naherholungsgebiet ausbauen.

Harald Juhnke dreht mal wieder im Hennigsdorfer Media-Park-Studio. Im April 1993 entstehen Szenen für den Film „Ein Kerl wie Samt und Seide“.

Fast 4000 Fans erleben das Osterspektakel auf der Speedwaybahn in Wolfslake. Bei den Solomaschinen gewinnt Christian Görs aus dem heimischen Team.

Otto Arndt ist neuer Bürgermeister von Freienhagen. Bislang war er nur Stellvertreter.

Das Rathaus von Kremmen ist viel maroder als angenommen. Amtsdirektor Klaus-Jürgen Sasse schätzt im April 1993, dass die Sanierung etwa zwei Millionen Mark kosten würde, das kann sich das Amt momentan nicht leisten. Deshalb könne erst mal nur der Seitenflügel bearbeitet werden.

Die Beschäftigten von Krupp-Stahl Oranienburg beginnen am 16. April 1993 eine Mahnwache vor dem Werkstor. Das Werk soll geschlossen werden, doch eine Entscheidung darüber wird immer wieder aufgeschoben. Erst im Mai ist klar: Am 30. Juni 1993 ist Schluss. Die Kaltwalzwerker wollen bis dahin nicht mehr streiken, sondern sehen, was für sie und ihre Familien noch möglich ist.

Ein neu erschienener Gästeführer für Oranienburg sorgt für Aufsehen. Erstellt worden ist die Broschüre von einer Agentur in Worms – und sie ist voller schlimmer Fehler. Im geschichtlichen Teil ist von „Luise-Henriette von Nassau-Oranienburg“ die Rede. Dazu gibt es eine Straßenkarte aus der Nazizeit. Darauf befindet sich das Heimatmuseum in der Horst-Wessel-Straße, der Adolf-Hitler-Damm ist mit Tipp-Ex nur leicht unleserlich gemacht worden. Die Stadtverwaltung lehnt es ab, dafür die Verantwortung zu übernehmen, das Heft wird nicht mehr ausgeliefert.

Am Veltener Autobahnsee (Bernsteinsee) soll eigentlich bald die Badesaison beginnen, doch am 22. April 1993 ist alles verbarrikadiert. Am Strand liegen riesige Rohre. Die Stadt Velten will die Anlage verkaufen, doch die Verträge sind noch nicht fertig.

In Hammer schrillen die Alarmglocken. Die Schule soll geschlossen werden und die neuen ABC-Schützen auf Liebenwalde und Neuholland aufgeteilt werden – der Hort jedoch würde in Hammer bleiben. Der Gemeinderat beschließt am 29. April 1993, die Schule offen zu lassen und stellt sich damit gegen das Amt Liebenwalde.

Unter der Regie der Orion-Agrar-GmbH entsteht im Kremmener Ortsteil Orion eine Erschließungsstraße für das neue Gewerbegebiet. Komplizierte Grundstücksangelegenheiten haben das Projekt verzögert, wie Geschäftsführer Christoph Brunner erklärt.

Es gibt Gedankenspiele der Flughafenplaner, den neuen Großflughafen für Berlin-Brandenburg zwischen Tietzow (Kreis Nauen) und Flatow zu bauen. Dagegen spricht nicht nur der Kranichrastplatz, auch die Landesregierung lehnt einen nördlichen Standort für den Flughafen ab.

Die Belegschaft des Hennigsdorfer Riva-Stahlwerkes beginnt am 3. Mai 1993 einen Streik. Die Belegschaft kämpft um höhere Tarife.

Im Oranienburger Lehnitzsee muss am 5. Mai eine amerikanische Fünf-Zentner-Bombe gesprengt werden. Die Wasserfontäne bei der Explosion ist gewaltig. Im Eichstädter Dorfteich kommt bei Baggerarbeiten am 13. Mai 1993 eine Bombe ans Licht, die jedoch nur noch eine leere Hülse ist. In Lehnitz aber steht der nächste Kracher bevor: Im Bachstelzenweg liegt eine 500-Kilo-Bombe. Die Entschärfung könnte schwierig werden.

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1993: Christliches Jugendzentrum ohne Mietvertrag

Sonntag, den 17. Februar 2013
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Januar 1993 -> 26.1.2013

Vor 20 Jahren: Oranienburger Jugendliche nur noch mit Bleiberecht / Zoff in den Gemeinden Neu-Vehlefanz, Stolpe-Süd und Freienhagen

MAZ Oranienburg, 16.2.2013

Was passierte vor 20 Jahren im damaligen Kreis Oranienburg? Diesmal die erste Hälfte im Februar 1993.

OBERHAVEL
Das Christliche Jugendzentrum in Oranienburg steht in seinen Räumen in der Bernauer Straße ohne Mietvertrag da. Doch vorerst haben die Jugendlichen ein Bleiberecht. Wie es weitergehen soll, ist allerdings noch offen.

Die Gemeinde Neu-Vehlefanz muss einen Kredit in Höhe von 1,3 Millionen Mark aufnehmen, um wenigstens das Dringendste zahlen können. Amtsdirektor Helmut Jilg kritisiert die schwierige Zusammenarbeit.

Am unbeschrankten Bahnübergang zwischen Wensickendorf und Zehlendorf sterben am 2. Februar 1993 zwei Menschen. Die Fahrerin hat das Signal der Diesellok nicht gehört.

Die Mühlenbecker Abgeordneten geben grünes Licht für einen geplanten Hotelpark. 30 Millionen Mark sollen auf dem Gelände nördlich der Autobahn bis 1994 investiert werden. Bis zu 200 Gäste könnten in Bungalows unterkommen.

Das in Eichstädt geplante große Erlebnis- und Einkaufszentrum ist vom Land Brandenburg abgelehnt worden. Der Unmut im Amt Oberkrämer ist groß. „Vielleicht können wir ja in 20 Jahren als Wildhüter arbeiten“, sagt Bärenklaus Bürgermeister Karsten-Peter Schröder.

Am Kremmener See entsteht ein auf Pfählen errichtetes Gasthaus. Am 1. Mai 1993 will Bauherr Günter Funk es einweihen. Auch die danebenliegende Badestelle wird umgestaltet.

Die Entscheidung ist gefallen: Oranienburg wird Kreisstadt des neuen Kreises Oberhavel. Politiker in Gransee, Zehdenick, Fürstenberg und Löwenberg fordern die Potsdamer Landesregierung auf, den Beschluss zurückzunehmen.

Zoff in Stolpe-Süd: Die Gemeinde ist handlungsunfähig. Am 9. Februar 1993 treten vier Gemeindevertreter zurück, nachdem ihnen die Kommunalaufsicht Formfehler bei der Auswahl zweier Ratsmitglieder vorgeworfen hatte. Ärger gibt es auch um die geplante Ansiedlung eines Asylbewerberheimes.

Noch mehr Zoff in Freienhagen: Viele Bürger stürmen am 11. Februar 1993 den Gemeinderat, wollen über aktuelle Probleme sprechen, doch sie kommen nicht zu Wort, weil die Gemeindevertreter Wortmeldungen nicht zulassen. Es kommt zum Eklat, die Bürger verlassen wütend die Sitzung. Im nichtöffentlichen Teil tritt daraufhin Bürgermeister Uwe Mewes zurück.

In Kremmen und Schwante setzen unbekannte Personen Gewerbetreibende unter Druck und verlangen Schutzgelder. Die Rede ist von 300 Mark im Monat. Auch in Velten soll es ähnliche Fälle geben.

Das Kopfsteinpflaster in der Dorfstraße in Germendorf entwickelt sich zu einem Unfallschwerpunkt. Innerhalb von nur drei Tagen kommt es zu mehreren Unfällen mit drei Toten und sieben Schwerverletzten.

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Eine haarige Sache

Mittwoch, den 20. Juni 2012
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Eichenschädling: In Neuholland nur noch im Schutzanzug auf dem Radweg

MAZ Oranienburg, 20.6.2012

Bei Groß-Ziethen, in Wolfslake, Neuholland und Nassenheide: Der Eichenprozessions- spinner frisst die Bäume kahl.

OBERHAVEL
Fred Hoffmann aus Neu-Vehlefanz wollte sich das Drama nicht mehr ansehen. Auf dem Gelände seiner Autowerkstatt in Wolfslake nistete sich der Eichenprozessionsspinner ein. Mit einem Autostaubsauger rückte Hoffmann den Tieren auf den Pelz. „Am Abend hatte ich schlimme Pusteln am Körper“, erzählt er. Kein Wunder: Schon der kleinste Kontakt mit den umherfliegenden Härchen kann allergische Reaktionen auslösen.

Überall in Oberhavel sind Eichen von den Spinnern befallen. Die grauen Nester an den Stämmen sind deutlich zu erkennen, oft bilden sie lange Linien hoch bis in die Astgabeln. Die Bäume sehen aus wie im Dezember: kahl, vertrocknet, tot. Ein Brennpunkt ist die Straße zwischen dem Ortsausgang Groß-Ziethen und dem Abzweig Klein-Ziethen. Nutzer unserer Facebook-Seite „MAZ Oranienburg“ meldeten den Schädlingsbefall außerdem im Nassenheider Forst sowie auf der Strecke zwischen der Borgsdorfer Kreuzung und Lehnitz.

Besonders schlimm sieht auch die Eichenallee in Neuholland aus. Zwischen dem Abzweig ins Dorf und der Hamburger Kreuzung entlang der L213 sind die Bäume braun und fast kahl. Der Radweg ist an dieser Stelle kaum noch benutzbar. Regelrechte Schutzanzüge wären nötig. „Wir haben Angst, dort langzufahren“, sagt die Neuholländerin Heike Steger. Ihre Sportkollegin Doreen Lässig hat erlebt, was passiert, wenn sich Radler nicht schützen: „Nach ein paar Stunden fängt es tierisch an zu jucken“, erzählt sie. „Später hatte ich richtige harte Stellen und große Pusteln.“ Fast 14 Tage dauerte es, bis alles verheilt war. Schon oft fragten sie in der Stadtverwaltung nach, warum nichts gegen den Eichenspinner getan wird. „Oft halten dort Touristen an und bestaunen die Spinner“, erzählt Heike Steger. „Sie wissen nicht, dass das gefährlich ist.“ Die Liebenwalder Stadtverwaltung ließ an der Stelle ein Schild aufstellen: „Achtung, Eichenprozessionsspinner!“ Heike Steger ist das zu wenig. „Das sagt kaum was aus“, findet sie.

Andrea Goldhammer vom Liebenwalder Ordnungsamt muss sich oft Beschwerden über den Schädling anhören. „In den Orten haben wir den Spinner vielerorts schon entfernt“, sagt sie. An der Zehdenicker Straße in Liebenwalde, in Neuholland und Freienhagen waren die Bekämpfer schon vor Ort. „Aber an der Landesstraße sind uns die Hände gebunden.“

[Landesbetrieb winkt ab.]

Heike Steger aus Neuholland kann das nicht verstehen: „Es werden Millionen Euro für Radwege ausgegeben, die wir nicht nutzen können.“ Sie findet, dass der Weg gesperrt werden müsse.

Bei Fred Hoffmann ist das Ordnungsamt Oberkrämer bereits aktiv gewesen. „Die gröbsten Nester sind weg, aber das ist nur ein Bruchteil aller befallenen Bäume“, sagt er. Dirk Eger, der Leiter des Ordnungsamtes in Oberkrämer, setzt bei der Bekämpfung des Spinners Schwerpunkte. „Dort, wo Leute unterwegs sind, vor allem Kinder, werden wir aktiv“, sagt er. So kündigte er an, dass die Nester an den Bäumen im Eichstädter Heidegarten entfernen werden. „Alle Schädlinge zu bekämpfen, dazu sind wir nicht in der Lage.“

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Radtour (10): Schäferstündchen am Lehnitzsee

Mittwoch, den 28. September 2011
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(9) -> 19.9.2011

Dieses Wetter! Unfassbar! Ewig haben wir auf den Sommer gewartet. Und jetzt ist Herbst, und der Sommer gibt ein verspätetes Gastspiel.

Diesmal ging es mit Rad wieder nach Sachsenhausen. Entlang der Granseer Straße, der ehemaligen B96, ist der Radweg in einem erbärmlichen Zustand. Der Ortskern scheint sowieso ziemlich vernachlässigt zu werden. Das sieht alles relativ runtergekommen aus. Sachsenhausen ist als Ortsteil von Oranienburg wohl in Vergessenheit geraten.

Am Ortsausgang von Sachsenhausen wird der Weg schlagartig besser. Glatter Asphalt. Wenn man mal von den Blättern und Ästen absieht. Mit denen muss man als Radler leben. Die großen Straßen werden immer mal wieder gesäubert. Radwege nicht. Muss man eben aufpassen.
Am B-96-Knotenpunkt namens “Oranienburg-Nord” (blödsinniger Name – warum nicht “Sachsenhausen”?) lässt sich die alte Streckenführung nur noch erahnen. Sie ist noch an der Baumschneise zu sehen, allerdings ist sie begrünt worden. Irgendwann sind diese Spuren verwischt.

Ich erreiche Nassenheide. An der Liebenwalder Chaussee bietet sich ein Bild des Jammerns. Auf einem Feld stehen Sonnenblumen. Allerdings sind sie nicht gelb, sondern schwarz. Schwarz und vertrocknet. Sieht aus wie nach einem verheerenden Brand.
Am Bahnübergang ist der Radweg unterbrochen. Wahrscheinlich hat die Bahn einfach keine Lust, da mal die Lücke im vorhandenen Weg auf beiden Seiten des Übergangs zu schließen.

Kurz vor Freienhagen zeigt sich die Natur von der wunderlichen Seite. Aus einem Baumstamm wächst ein ganzer Strauß heller Pilze.
Freienhagen hat leider keinen Platz für einen Radweg. Das heißt: Es gibt Wege neben der Straße. Die sind aber so eng und so dicht an den Häusern, dass das nicht ganz ungefährlich ist. Da hat man wohl vor Jahrzehnten sind mit dem Verkehr im 21. Jahrhundert gerechnet.
An der Feuerwehr biege ich in den Malzer Weg. Er führt in den Wald und fällt erst durch sein mieses Kopfsteinpflaster, dann durch seinen löchrigen Asphalt auf. Stellenweise ist die Strecke mehr Loch als Straße. Selbst als Radler muss man höllisch aufpassen. Weder die Stadt Liebenwalde noch Oranienburg scheinen an der straße größeres Interesse zu haben. Andererseits: Die Idylle im Wald zwischen Freienhagen und Malz ist herrlich!

Am Ende des Waldes liegt also Malz. Rechts der Straße sind Grundstücke, auf denen wohl Ausflügler aus Berlin wohnen – zumindest laut der Autokennzeichen. Ist ja auch ein lauschiges Plätzchen.
Im Dorfkern steht eine ganze Gruppe Kinder mit ihren Fahrrädern. Hängen die Kleinen also doch nicht nur vorm Fernseher und dem Computer.
In der Nähe der Malzer Werft wird der Kanal zu einem reißenden Gewässer. An der Schleuse ist ein richtiger, kleiner Wasserfall zu sehen. und es sieht aus, als ob das Wasser auf der anderen Seite fast über die Ufer tritt.

In Friedrichsthal erreiche ich den Radweg Berlin-Kopenhagen. Auf halber Strecke zwischen Friedrichsthal und der Lehnitzschleuse gibt’s für Radler eine Überraschung. Im Bereich der Rastanlage ist ein Spielfeld auf den Asphalt gemalt. Es sind zahlen von 1 bis 52 mit diversen Pfeilen. Da braucht man nur noch einen Würfel. Vielleicht sollte ich mir nächstes Mal Begleiter mit auf die Tour nehmen.

Als ich an der Lehnitzschleuse in Oranienburg vorbeifahre, ist die gerade in Betrieb. Am Ufer des Kanals sitzen ein Vater und ein kleiner Junge. Beide staunen. Ich radele weiter über die B273 hinweg ans Lehnitzsee-Ufer. Auf der andere Seeseite scheint eine Disco zu sein, laute Musik schallt übers Wasser hinweg.
Ich stoppe an einem Schild mit der Aufschrift “Rastplatz”. Der schmale Weg führt vom eigentlich Rundweg weg, auf eine Landzunge. Dort gibt es eine echte Überraschung: ein Schäferstündchen. Auf dem dortigen Tisch liegt ein Mann, auf ihr sitzt eine Frau. Beide sind angezogen, aber wie weit sie trotzdem schon sind, kann ich nicht abschätzen. Sie haben mich auch bemerkt, denn sie verharren in der Stellung. So einfach wollte ich es ihnen aber nicht machen: Ich bleib an dem Platz stehen, sah mich noch ein wenig in der Gegend um, sah zur anderen Seeseite mit der Disco. Ich wartete eine gute Minute, bis ich umdrehte. Ich konnte mir gerade noch verkneifen, zu sagen: “Weitermachen.”

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Der Polizeilaser – eine Serviceleistung

Freitag, den 8. Juli 2011
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Schon seit einiger Zeit fehlen in Freienhagen die Tempo-70-Schilder. Das Dorf ist zweigeteilt, und im freien Teil der Strecke auf der Landesstraße konnte man Tempo 70 fahren.
Der Rahmen des Schildes steht noch, nur das Schild ist weg. Die Wiedereinführung von Tempo 50 im weiteren Verlauf der Straße ist dagegen noch zu sehen.

Das bedeutet: In ganz Freienhagen gilt Tempo 50. Und weil man so was ja schnell vergessen kann, hat sich die Polizei einen ganz besonderen Service einfallen lassen: Die Beamten stellen sich in die Ex-Tempo-70-Zone und lasern.
Und ganz klar, da muss man erst gar nicht auf falsche Gedanken kommen: Mit Abzocke hat das natürlich gar nichts zu tun.

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1991: Streit um Ortsumfahrung

Freitag, den 25. Februar 2011
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Januar 1991 II -> 1.2.2011

Rückblick: Im Februar 1991 erstmals Variante außerhalb Oranienburgs

MAZ Oranienburg, 25.2.2011

Was passierte vor 20 Jahren im Altkreis Oranienburg – und was stand in der MAZ? Diesmal: die erste Hälfte im Februar 1991.

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Der Februar 1991 beginnt in Nassenheide mit schlechten Nachrichten. Das Trinkwasser hat eine zu hohe Nitratbelastung. Schuld ist die intensive Düngung mit Gülle und Jauche. Probleme gibt es aber auch in Neu-Vehlefanz, Liebenthal, Freienhagen, Wensickendorf, Schmachtenhagen, Bötzow und Hammer.

Viele Kaufhallen im Kreis Oranienburg bekommen ein neues Etikett. Die Häuser der ehemaligen DDR-Handelsorganisation (HO) gehören nun zu Spar. Hinzu kommen weitere 26 Verkaufsstellen im Landkreis. Der Vorwurf, dass ein großes Monopol entsteht, wird laut.

Die Polizei feiert am 1. Februar 1991 einen Erfolg. Beamte nehmen fünf Jugendliche aus Hennigsdorf und Velten fest. Sie sollen 24 Straftaten in zehn Tagen verübt haben. Dazu gehören vier Raubüberfälle, 17 Bungaloweinbrüche, eine Autobeschädigung und zwei weitere Einbrüche. Schockierend ist die besondere Brutalität, mit der die kurzgeschorenen Männer vorgegangen sind. So schlugen sie auch einen 15-Jährigen im Zug zusammen.

Doch es geht auch anders: In Oranienburg renovieren Jugendliche den ehemaligen Jugendklub 3 am „Gesellschaftshaus“ in der Straße des Friedens (Bernauer Straße). Das Christliche Jugendzentrum Oranienburg (CJO) plant, dort einzuziehen. Der Leiter des Vereins in Gründung, Herbert Weimer, will das Haus dreimal pro Woche öffnen.

Schließen muss dagegen der Jugendklub „Freundschaft“ in der Augustin-Sandtner-Straße. Der Kreis und die Stadt Oranienburg konnten ihn nicht mehr finanzieren.

In der Kreisstadt ist mal wieder die Diskussion um eine Ortsumgehung für die B 96 entbrannt. Bislang gilt eine Streckenführung von der Leninallee (Berliner Straße) über die Saarlandstraße und André-Pican-Straße als sicher. Nun wird eine außerörtliche Umgehung ins Auge gefasst. Sie beginnt an der Autobahn bei Hohenschöpping, führt zwischen Leegebruch und Oranienburg entlang, östlich von Germendorf zum Ortseingang von Sachsenhausen. Doch Oranienburgs Abgeordnete sind skeptisch.

Die Situation am Arbeitsmarkt verschärft sich im Winter 1991. Im Arbeitsamtsbezirk Neuruppin hat der Kreis Oranienburg die meisten Erwerbslosen. Jeder Zehnte hat keinen Job.

In der Region gibt es unterdessen Streit um eine Kreisgebietsreform. Oranienburgs Landrat Karl-Heinz Schröter plädiert für eine wohlüberlegte Form zum Ende der Legislaturperiode 1994. Er wünscht sich einen „organischen Kreis“ mit Nauen und Gransee. Ein Großkreis mit Neuruppin stehe dagegen nicht zur Debatte.

Borgsdorf nimmt am 11. Februar 1991 Abschied vom „Weißen Hirsch“. Nur zwei Tage vor dem Aus flatterte der Bescheid der Märkha-GmbH (dem HO-Nachfolger) ins Haus. Das Haus schreibt rote Zahlen, im Januar fuhr es einen Verlust in Höhe von 10.000 Mark ein. Gaststättenleiter Klaus Schwarze ist dennoch enttäuscht.

Der Winter hat die Region fest im Griff. Die Lage auf den Straßen ist angespannt. Allein am Wochenende 9./10. Februar 1991 passierten 43 Unfälle. Im Vergleich zum Vorjahr passierten bis zum 11. Februar 600 Prozent mehr Unfälle. In den ersten 42 Tagen des Jahres 1991 starben sechs Menschen auf den Straßen.

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