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Der Test zum Welttoilettentag

Donnerstag, den 19. November 2009
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Den Gedenktag gibt es seit 2001: Die MAZ testete neun Anlagen

MAZ Neuruppin, 19.11.2009

Heute ist der Welttoilettentag. Deshalb hat sich die MAZ am Dienstag auf eine Reise zu den öffentlichen Toiletten in Neuruppin, Lindow, Rheinsberg und entlang der Autobahn A 24 begeben. Relevant waren jedoch nicht nur die Toilettenbecken an sich, sondern auch das Umfeld. Sind die Anlagen einfach zu finden? Sind sie problemlos zu bedienen? Dabei schnitten die Toiletten auf den Autobahnraststätten und dem Autohof in Herzsprung insgesamt etwas besser ab als die in den drei Städten.

Erstmals ausgerufen wurde der Welttoilettentag übrigens am 19. November 2001 von der Welttoilettenorganisation. Die Vereinten Nationen unterstützen den jährlichen Feiertag. Damit soll vor allem auf fehlende ausreichend hygienische Sanitäreinrichtungen für mehr als 40 Prozent der Menschen auf der Welt hingewiesen werden. Ein Problem, das unterschätzt wird, obwohl es ein wichtiges Hindernis für soziale und wirtschaftliche Entwicklung ist, so ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums.

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Wie im Tierkäfig
Die Toilette an der Neuruppiner Post wirkt gruselig – die Klos am Schulplatz sind alt, aber sauber

NEURUPPIN
Die Toilette am Neuruppiner Schulplatz ist eher ein Insidertipp. Ich habe sie nur zufällig entdeckt. Sie ist nicht ausgeschildert. Hinter dem Bistro am alten Gymnasium führt eine Treppe nach unten. Auf den ersten Blick sieht die gesamte Anlage schon ein bisschen älter aus. Auf den zweiten zwar auch, aber auf die Sauberkeit kommt es schließlich an. Die ist gegeben.
Die Atmosphäre ist locker. Die Toilettenfrau unterhält sich angeregt mit anderen Gästen, grüßt aber freundlich. Es herrscht Leben in der Bude. Auf einem der Klodeckel klebt ein Bild, auf dem sich ein Männchen die Nase zuhält. So schlimm ist es noch nicht. Leider fehlt allerdings ein Handtuch oder ein Trockner – irgendwas, womit ich mir die Hände abtrocknen kann. Die 30 Cent zahle ich dann bei der Toilettenfrau, die sich inzwischen in ihr zigarettenverrauchtes Kabuff gesetzt hat.

Unweit vom Schulplatz, direkt neben der Post, steht ein vollautomatisches Toilettenhaus. Der Zutritt kostet eigentlich 20 Cent, die Tür öffnet sich aber auch so. Doch der erste Eindruck ist gruselig. Die Tür fällt zu, und ich bin gefangen. Mein Eindruck: Ich stehe in einem Tierkäfig – oder einer Gefängniszelle. Licht gibt es nicht, nur von oben dringt ein wenig Helligkeit durchs Gitter. Toilette, Pissoir und das Ding, das entfernt an ein Waschbecken erinnert, sind aus Stahl und glänzen im matten Licht. Das wirkt alles andere als vertraulich.
Ich beschließe: Auf dieses Klo werde ich mich ganz bestimmt nicht setzen. Und ich kenne niemanden, der sich auf so etwas freiwillig setzen würde. Das Häuschen ist nicht wirklich dreckig, aber schön ist was anderes.

Ein besonderer Anblick bietet sich übrigens in der Neuruppiner Regattastraße gegenüber dem Evangelischen Gymnasium: ein verwitterter, abgeschlossener Container, an dem das Schild „Toilette“ klebt. Was mich drinnen erwartet hätte, will ich mir aber lieber gar nicht ausmalen.

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Das Hinweisschild zeigt auf Kronprinz Friedrich
Die Rheinsberger Toilette ist sauber, aber schwer zu finden

RHEINSBERG
Rheinsberg hat ein ordentliches, sauberes Klo. Da gibt es nichts zu meckern. Nur leider habe ich ewig danach suchen müssen.
Das Hinweisschild für die Toilette habe ich schnell entdeckt. Es steht gegenüber dem Tor zum Schlosspark. Lustigerweise zeigt es direkt auf das Denkmal von Kronprinz Friedrich. Ich vermute jedoch, dass es nicht gemeint sein kann. Mit etwas gutem Willen zeigt das Schild auch in Richtung der Touristeninfo. Also laufe ich dort hin.

Ich ahne, dass ich falsch bin, denn dort fehlt jeder weitere Hinweis auf ein Klo. Ich frage nach. „Da müssen Sie in den Schlosspark zum Marstall“, bekomme ich als Auskunft. Ich laufe also zurück zum Schlossparkeingang. Und wieder bin ich ratlos. Ich sehe mich im Park um. Welches der Gebäude könnte denn nun der Marstall sein? Ich denke erneut an das Hinweisschild vor dem Park. Es zeigt auf das vom Tor aus gelegen rechte Gebäude. Ich mache mich auf den Weg.
Einen weiteren Hinweis auf eine Toilette – oder überhaupt irgendeinen Tipp finde ich nicht. Schließlich stehe ich vor einer verschlossenen Tür mit der Aufschrift „Schlosstheater Rheinsberg“. Ein Klo gibt es hier nicht. Missmutig laufe ich wieder zum Eingang zurück. Unterwegs sprechen mich zwei Frauen an: „Wissen Sie, wo die Toiletten sind?“ Gute Frage. Da sind wir ja nun schon zu dritt. Ich habe keine Antwort, und wir sind schnell per du.

Auf dem Rückweg entdecke ich dann doch noch eine Übersichtstafel. Die muss ich wohl übersehen haben. Auf ihr kann ich ablesen, wo nun genau der Marstall ist. Es ist das linke Gebäude, das eingerüstete. Das Hinweisschild draußen zeigt also in eine völlig falsche Richtung. Direkt vor dem Eingang erwartet mich eine große Hinweistafel: WC. Gut zu wissen.

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Die Tür fällt zu, der Gast steht im Dunkeln
In Lindow sind die Räume beschmiert

LINDOW
Normalerweise kostet der Zutritt zur Toilette an der Lindower Touristeninfo im Ortszentrum 20 Cent und ist eine Wissenschaft. Die kleine Hinweistafel spricht Bände: Tür kräftig innerhalb von drei Sekunden öffnen. Was für ein Stress. Den habe ich glücklicherweise nicht, ein Mitarbeiter der Touristen-info schließt mir auf. Derzeit müssen die 20 Cent für die Männertoilette nicht gezahlt werden, weil der Raum völlig mit Graffiti beschmiert ist. Diverse Krakel von verschiedenen „Künstlern“ zieren Vorraum und Kabine.

Zunächst muss ich allerdings nach dem Lichtschalter suchen. Als die Tür zufällt, stehe ich nämlich völlig im Dunkeln. Nichts für Leute mit Platzangst. Ich taste die Wand ab nach dem Schalter.
Auch ohne Graffiti wirkt der düstere Raum nicht sehr gastlich. Das Pissoir neben dem Miniwaschbecken ist ungepflegt, das darin stehende Wasser gelb. Insgesamt sollten die Lindower darüber nachdenken, das Ding gründlich zu sanieren.

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Toiletten an der Autobahn

Papierreste auf dem Boden
LINUM
In der Toilettenanlage der Raststätte Linumer Bruch – an der Autobahn in Fahrtrichtung Hamburg – empfängt mich zunächst ein eigenwilliger Geruch. Im Toilettenraum selbst ist der Duft glücklicherweise neutraler. In einer der Kabinen liegen noch Reste des Klopapiers vom Vorgänger. In den Urinalen liegen stellenweise noch lauter Haarbüschel, was nun wirklich kein schöner Anblick ist. Aber ansonsten ist die Anlage annehmbar sauber. Clever: Der Toilettenmann am Ausgang hat sein Schild so hingelegt, dass der Besucher die 50 Cent Gebühr als Aufforderung versteht – und nicht als freiwillige Gabe.

Ein paar Minuten Urlaubsflair
WALSLEBEN
Idylle an der Raststätte Walsleben-Ost. Das Toilettenhaus ist ein Extracontainer neben der Gaststätte, dahinter beginnt der Wald. Das Gebäude hat von außen das Flair eines Urlaubsbungalows. Am frischesten riecht es im Vorraum, drinnen duftet es neutral, alles ist sauber. Allerdings beginnen die Klobrillen langsam zu verkeimen. Auf der anderen Seite der Autobahn, in Walsleben-West, wartet die Toilettenfrau vor der Tür rauchend auf ihre Kunden. Dennoch werde ich freundlich begrüßt. Der Toilettenraum ist ähnlich eingerichtet wie in Walsleben-Ost, wirkt jedoch noch viel heller und ausgesprochen freundlich. Die Becken sind sauber. Da lässt sich der Kunde gern nieder und gibt 30Cent oder mehr.

Duschen für die Brummifahrer
HERZSPRUNG
Aus dem Radio beschallen die größten Hits der 80er, 90er und das Beste von heute den Waschraum. Im Sanitärbereich auf dem Autohof in Herzsprung können die Brummifahrer auch duschen. Der Toilettenmann gibt sich Mühe: Überall stehen kleine Töpfe mit Blumen. Ein kleines Problem scheint es in einigen der Kabinen zu geben. Das Wasser läuft permanent. In Sachen Sauberkeit lässt die Anlage aber keine Wünsche offen. Ein Nachteil auf dem riesigen gepflasterten Rastplatz ist jedoch die völlige Orientierungslosigkeit. Der Reisende verirrt sich – sowohl bei der Zu- als auch bei der Abfahrt.

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Im nächsten Jahr kommt der Anbau
Interview: In Flecken Zechlin nachgefragt

Am Toilettentest kann Flecken Zechlin mangels Testobjekt nicht teilnehmen. Robert Tiesler fragte beim Ortsbürgermeister Wilfried Schmidt nach.

Flecken Zechlin hat als Touristenort bislang keine öffentliche Toilette. Warum ist das so?
Wilfried Schmidt:Bisher bestand kein Bedarf. Aber als Tourismusort werden wir eine öffentliche Toilette brauchen.

Und wie weit sind die Überlegungen?
Schmidt: Die Toilette ist in Planung.

Wann und wo soll es denn so weit sein?
Schmidt:Ich gehe davon aus, dass sie im Jahr 2010 gebaut wird. Es ist ein Anbau an die Touristeninformation geplant. Ein Architektenbüro ist schon an der Arbeit.

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Von Potter bis Pilcher

Mittwoch, den 21. Oktober 2009
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Porträt: Britta Strohschein hat ihren Traumberuf – als Bibliothekarin an der Grundschule in Flecken Zechlin

MAZ Neuruppin, 21.10.2009

Bevor Britta Strohschein aus Flecken Zechlin sich um die Bücher in der Schule kümmerte, war sie Köchin – was ihr wenig Spaß machte.

FLECKEN ZECHLIN
Jedes Buch hat eine Seele. Es gehört nicht in den Müll. Niemals. Britta Strohschein lächelt. Seit zwei Jahren arbeitet die 42-Jährige als Bibliothekarin an der Grundschule in Flecken Zechlin. Dreimal pro Woche ist die Bücherei für je eine Stunde am Mittag geöffnet. „Meist bleibt es aber nicht bei dieser einen Stunde“, sagt Britta Strohschein. Sie räumt die neuen Bücher ein, katalogisiert sie, plant Aktionen. „Ich habe Märchenrätsel ausgearbeitet, die die Kinder lösen können.“ Bis Mai kommenden Jahres haben sie Zeit. Die Schlauesten bekommen Preise, die Britta Strohschein bis dahin besorgen will.
„Es ist heutzutage schwer, die jungen Leute vom Computer wegzubekommen“, sagt sie. Deshalb hat es sich die Flecken Zechlinerin zur Aufgabe gemacht, die Kinder zum Lesen zu bewegen. „Es muss ja kein Roman sein. Aber Bücher können uns viel von den Dingen beibringen, über die wir noch nichts wissen. Durch Worte kann man viele Menschen erreichen.“

Bibliothekarin war schon immer der Traumberuf von Britta Strohschein gewesen. „Ich habe bereits als Kind viel gelesen“, erinnert sie sich. Die „Buddenbrooks“ zum Beispiel. Es hat allerdings viele Jahre gedauert, bis sie tatsächlich einen Job in einer Bücherei übernehmen konnte. „Ursprünglich war ich Köchin und später Restaurantfachfrau“, erzählt sie.
Gelernt hat sie im ehemaligen „Märkischen Hof“ in Neuruppin. Später arbeitete sie als Köchin im Rheinsberger Kernkraftwerk, im FDGB-Schulungsheim in Linowsee, in einer Rheinsberger Backstube und in der Marina Wolfsbruch in Kleinzerlang. Britta Strohschein erinnert sich: „Aber Köchin zu sein hat mir nie so richtig Spaß gemacht, wenn ich so zurückblicke.“ Trotz einer langwierigen Krankheit schaffte sie 2004 einen weiteren Abschluss, der es ihr erlaubt, Lehrlinge auszubilden.

Sie selbst kehrte aus gesundheitlichen Gründen jedoch nicht mehr in den Beruf zurück. Der Zufall wollte es, dass sie dann im Juni 2007 die Bibliothek an der Grundschule in Flecken Zechlin übernahm. „Ich wurde gefragt, ob ich mich dafür bewerben will“, erzählt Britta Strohschein. „Am Anfang war alles ein wenig chaotisch. Niemand wusste, wo welches Buch steht.“ Doch das hat sich inzwischen geändert. „Wir bekommen auch hin und wieder welche geschenkt. Manchmal sogar noch Ungelesene.“ Auch sie gibt manchmal ein paar Euro privat für Bücher dazu. Als sie auf der Suche nach Romanen der „Harry Potter“-Reihe war, fragte sie beim Verlag nach, der ihr sogleich Band fünf und sechs kostenlos zuschickte.

Sie liest am liebsten Familiengeschichten. „Schicksale, die sich über mehrere Generationen erstrecken, mag ich besonders“, sagt sie. Und wenn sie nicht liest, dann kümmert sie sich um ihre Katze oder sieht Rosamunde-Pilcher-Filme im Pay-TV. „Ich liebe die irischen Landschaften“, erzählt sie und lächelt.
Nebenher singt sie in zwei Chören. „Frohsinn“ heißt der eine in Flecken Zechlin. „Da singen wir Volkslieder und Schlager.“ Der andere ist der Singkreis in Dorf-Zechlin: „Meine Bücher, der Chor – das alles gibt mir sehr viel Kraft“, sagt sie.

RTZapper

Bauer sucht Kultur

Sonntag, den 11. Oktober 2009
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SA 10.10.2009 | 17.10 Uhr | rbb

Es gibt Kulturmagazine, die bestehen aus Moderationen und verschiedenen Beiträgen. Es gibt auch die, in denen eine halbe Stunde lang nur ein Mensch interviewt wird und das ganze weitgehend ohne Schnitte auskommt.
Und es gibt “Bauer sucht Kultur” im rbb. Eine spannende, witzige und erhellende Reihe.
Dieter Moor (1993 bekannt geworden durch das VOX-Medienmagazin “Canale grande”) lebt auf einem Bauernhof in der Nähe von Berlin. In jeder Sendung “Bauer sucht Kultur” fährt er durch Brandenburg, trifft Leute, sieht sich Museen an, besondere Orte und Einrichtungen.

So besuchte er in der aktuellsten Ausgabe die Schauspielerin Ursula Werner (“Wolke 9″) in der Prignitz, besuchte in Malz ein Ehepaar, das in den 80ern aus Hessen (West) in den Oranienburger Ortsteil (Ost) zog, um ein erbe anzutreten und eine Kneipe zu führen. Weiter nach Flecken Zechlin zum Ex-Manager der Band Ideal, der sich bei Rheinsberg ein Haus gebaut hat.

Bauer Moor sucht Kultur, findet sie und lässt uns daran teilhaben. Wunderbar!

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Moment mal: Das kleinere Übel

Mittwoch, den 2. September 2009
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RT hofft, dass sich die Flecken Zechliner mit ihrem Straßenprotest kein Bein stellen

MAZ Neuruppin, 2.9.2009

Von außen betrachtet ist das ein seltsamer Vorgang. Da können die Einwohner von Flecken Zechlin endlich durch das Konjunkturpaket II neue Straßenbeläge bekommen, und dann wollen sie sie gar nicht. Sie möchten stattdessen ihr Holperpflaster behalten und viel lieber eine Umgehungsstraße bauen lassen.

Doch so viel ist klar: Diese Umgehungsstraße wird nicht kommen – wie auch in vielen anderen Dörfern in der Region. Das bedeutet: Sind die Flecken Zechliner erfolgreich und können durchsetzen, dass das Kopfsteinpflaster in der Rheinsberger und der Mirower Straße so bestehen bleibt, dann wird sich der schlechte Zustand so schnell auch nicht ändern. Vielmehr bleibt dann der Lärm – und auch die Erschütterungen in den Häusern.

Die Flecken Zechliner müssen sich nun entscheiden, welches das kleinere Übel ist: Eine glatte Straße oder keine glatte Straße? Ein durch den Bitumenbelag leicht verändertes Ortsbild oder noch mehr Risse in den Wänden?

Hinzu kommt: Die Straße muss auch als Kopfsteinpflasterstrecke irgendwann, vielleicht schon bald saniert werden. Und dann ist wohl kein finanziell helfendes Konjunkturpaket in Sicht. Hoffentlich stellen sich die Flecken Zechliner kein Bein mit ihrem Protest.