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Warmer Tunnel für den Spargel

Freitag, den 21. Februar 2014
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Das Wetter ist günstig: Vorbereitungen für die Ernte rund um Kremmen laufen bereits

MAZ Oranienburg, 21.2.2014

KREMMEN
Das warme Wetter der vergangenen Wochen sorgt dafür, dass der Spargel schneller wächst. Schon jetzt herrscht auf den Feldern rund um Kremmen Hochbetrieb. „Wir sind ungefähr zehn Tage früher dran als normalerweise“, erzählte gestern Malte Voigts, der Geschäftsführer des Spargelhofes in Kremmen.

Auf einem Feld in der Nähe von Flatow sind am Vormittag bereits die Erntehelfer unterwegs gewesen, um sogenannte Minitunnel anzulegen. „Sie wirken wie ein Gewächshaus“, so Malte Voigts. Schon im vergangenen Dezember sind die Spargelhügel mit schwarzen Folien belegt worden, sie sollen die Sonnenwärme in die Erde leiten. Über diese Folien wird nun eine weitere Klarsichtfolie gespannt. Befestigt wird sie einerseits mit Sand, andererseits durch darüber aufgestellte Stahlbügel.
Somit kann sich zwischen der Klarsichtfolie und dem Hügel ein Luftpolster bilden. „Unabhängig von der Außentemperatur können in dem Tunnel Werte von 28 Grad erreicht werden“, erzählt der Spargelhof-Geschäftsführer. Der Vorteil: Der Spargel könne an diesen Stellen zwei Wochen früher als normalerweise geernet werden. Falls es allerdings wieder Frost gibt, sind die Bemühungen hinfällig. „Bei extremer Kälte nützt das nichts“, so Voigts. Die Meteorologen rechnen allerdings nicht mehr damit, dass es noch mal einen Wintereinbruch gibt. Deshalb meint Voigts, dass Ende März die Ernte beginnt. „Für uns ist das momentane Wetter fast ideal“, sagte er gestern. Ein bisschen mehr Sonne wünscht er sich allerdings schon noch. „Hauptsache kein Schnee!“

Ganz anders ist die Situation auf der Belafarm in Beetz. Dort haben die Vorbereitungen noch nicht begonnen. „Wir fangen erst im März so richtig an“, sagte gestern Nachmittag Kristin Gansewig, die Assistentin der Belafarm-Geschäftsführung in einem MAZ-Gespräch. Der Spargel nimmt in dem Unternehmen eine Fläche von 20 Hektar ein. „Bei uns ist er eher ein Nebenprodukt“, so Gansewig weiter. „Wir bauen ihn nicht so intensiv an.“ Ein Credo bei der Belafarm sei es, den Spargel im natürlichen Fluss zu belassen, es werde also nicht besonders nachgeholfen, damit er schneller wächst. Gansewig rechnet damit, dass der BeetzerSpargelverkauf Ende April beginnt.
In einem Punkt ist sich Kristin Gansewig sehr sicher: Der Markt für den Spargel in der Region ist gesättigt. „Neben den Beelitzern und den Kremmenern gibt es eigentlich kaum noch Platz“, sagte sie gestern.

Der Kremmener Spargelhof dagegen vergrößert sich weiter. Die Rhinland Agrar GmbH von Malte Voigts bewirtschaftet in diesem Jahr 200 Hektar mit Spargel. Das sind 30 Hektar mehr als im vergangenen Jahr. Eine Fläche bei Flatow sei neu dazugekommen. „Das ist dann aber auch unsere maximale Ausdehnung“, erklärt Voigts.
Seit Sommer 2008 wird rund um Kremmen der Spargel angebaut. Einige der Flächen werden bald ihre Altersgrenze erreichen. „Dann werden wir dort wieder Getreide anbauen“, kündigt Voigts an. Ein paar Jahre später könnten dort aber wieder Spargelhügel angelegt werden.
Auch personell wird sich der Spargelhof in diesem Jahr vergrößern. Auf 550 bis 600 Mitarbeiter soll der Betrieb im Frühjahr anwachsen. Das sind etwa 100 mehr als im Vorjahr. So soll nach Angaben des Geschäftsführers beispielsweise das Spargelrestaurant auf dem Hof personalintensiver werden. Ab April soll es erstmals parallel ein Restaurant im Zelt und eine Selbstbedienungstheke im Hofladen geben. Auch zehn weitere Verkaufsstände sollen in der Region hinzukommen. „Wir verkaufen inzwischen in einem Radius von 100 Kilometern“, sagte Malte Voigts gestern. Ein ganz besonderer Verkaufsstand entsteht auf demSpargelhof selbst: ein Drive-in. Das ist für Leute, die in Kremmen nicht extra vom Parkplatz zum Hofladen laufen wollen. „Wir bauen eine kleine Blockhütte auf, dort wollen wir dann auch Spargel verkaufen.“

Ebenfalls neu ist, dass in diesem Jahr Heidelbeeren in Kremmen angebaut werden sollen. Auch dafür sucht Voigts Mitarbeiter. Momentan laufen die Ausschreibungen für die Jobs in Kremmen. „Ich habe ein paar Bedenken, dass wir alle Stellen besetzen können, aber bisher haben wir das in jedem Jahr geschafft.“
Falls wettermäßig nichts dazwischenkommt, beginnt mit der Spargelernte in Kremmen auch der Publikumsbetrieb auf dem Spargelhof. Zu Ostern, am Sonnabend, 19. April, ist die offizielle Saisoneröffnung geplant. Dann findet auch ein Kunst-, Handwerker- und Trödelmarkt statt.

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Im Dienste Gottes

Dienstag, den 10. Dezember 2013
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Karlheinz Sandow kümmerte sich mehr als 40 Jahre lang um das kirchliche Leben in Flatow

MAZ Oranienburg, 10.12.2013

FLATOW
Ab jetzt ist mehr Zeit für den Garten. „Da ist viel zu tun“, sagt Karlheinz Sandow. Der 72-jährige Flatower gehörte vier Jahrzehnte lang zum Gemeindekirchenrat des Dorfes, für 14 Jahre leitete er das Gremium. Nun hat er das Amt aufgegeben, Natja Guse ist seine Nachfolgerin.

Die evangelische Kirche in Flatow ist für Karlheinz Sandow ein Stück Heimat. „Ich bin dort getauft worden, dort fand meine Konfirmationen statt, ich habe dort geheiratet“, erzählt er. Dennoch: Jetzt, mit 72, wollte er kürzertreten. „Vieles fällt einem doch inzwischen schwerer“, sagt er. Außerdem wollte er dem Nachwuchs im Gemeindekirchenrat eine Chance geben.
Das Gremium verwaltet das kirchliche Leben im Dorf. Es ist zuständig für die Finanzen, aber auch dafür, dass zum Gottesdienst Blumen vorhanden sind. „Die Mitglieder sammeln auch die Kollekte ein.“
Alle zwei bis drei Wochen finden in Flatow Gottesdienste statt. „Unsere Pfarrer ist für sechs Dörfer zuständig, da geht das nicht mehr öfter“, sagt Karlheinz Sandow. Meistens kommen ein Dutzend Menschen, selten 40. „Wenn eine Taufe ansteht, kommen natürlich mehr.“

In Grünefeld absolvierte der Flatower eine Malerlehre, danach arbeitete er zwei Jahre lang in West-Berlin. Nach dem Mauerbau wechselte er in einen Kremmener Dienstleistungsbetrieb. 1983 sprach ihn die damalige Flatower Pastorin an, ob er als Kirchenmaler arbeiten möchte. „Ich sagte zu, und es gab auch reichlich zu tun, das war gar nicht zu schaffen“, erzählt Karlheinz Sandow. Er arbeitete in 22 Kirchen in der Region, half beim Renovieren und Restaurieren. „Eine der schönsten Kirchen war in dieser Zeit die in Fehrbellin“, erinnert er sich. Inzwischen ist er in Rente gegangen.

Gebete spielen eine große Rolle im Leben der Sandows. „Wir knien uns nicht jeden Tag nieder“, sagt er, „aber ein Abendgebet und ein Dankeswort müssen drin sein.“ Ganz raushalten aus der Kirchenarbeit will er sich auch weiterhin nicht. „Meine Meinung kann ich immer äußern, aber die Beschlüsse zieht der neue Gemeindekirchenrat“, sagt er und schmunzelt. Er ist froh, dass die Sanierung des Kirchengebäudes weitgehend abgeschlossen ist. „Es fehlen noch Kleinigkeiten, wie zum Beispiel ein neuer Schaukasten.“
Letzterer würde auch den Pilgern weiterhelfen, die ab und durch Flatow laufen. Das Dorf liegt nämlich am Pilgerweg Berlin – Bad Wilsnack. „Sie können im Gemeindehaus übernachten, und darum musste ich mich auch kümmern“, so der 72-Jährige. Eine Aufgabe, die er immer gern übernahm, so konnte er viele Menschen kennenlernen.

Seit einer Woche hat Karlheinz Sandow frei. Trotzdem: „Eine Pause habe ich bis jetzt noch nicht gehabt.“ Schließlich muss auch noch das Eichenlaub im Garten zusammengefegt werden.

aRTikel

Feuerwehrmann freigesprochen

Dienstag, den 8. Oktober 2013
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Tag 2 -> 19.9.2013

Der Flatower Brandstifter-Prozess endete gestern mit einer Schlappe für die Staatsanwaltschaft

MAZ Oranienburg, 8.10.2013

FLATOW
Freispruch für Maximilian K.: Die Staatsanwaltschaft konnte dem 20-jährigen Angeklagten in drei Prozesstagen vor dem Jugendschöffengericht in Oranienburg nicht nachweisen, im Herbst 2012 in Flatow sechs Brände gelegt zu haben. Der Beschuldigte war selbst bei der Feuerwehr aktiv. Zwar gebe es gewisse Anhaltspunkte, aber keine objektiven Fakten, die für eine Verurteilung ausreichen, sagte Richterin Katrin Arbandt gestern in ihrer Urteilsbegründung. „Eine Indizienkette ist nicht zustande gekommen.“ Im vergangenen Herbst hatte sie den Haftbefehl gegen K. verkündet. Sie habe sich damals für die U-Haft entschieden – in Erwartung von Ermittlungsergebnissen. „Nur sind diese harten Fakten ausgeblieben“, so Arbandt in ihrer Urteilsbegründung.

Die Brandserie hielt Flatow im Herbst 2012 sechs Wochen lang in Atem. Auf dem Grundstück des Dorfbäckers ging am 15. Oktober ein Schuppen in Flammen auf. Die Serie endete am 20. November mit dem Brand am Kombinat. Am 21. November ist K. festgenommen worden, kurz vor Weihnachten wurde er unter Auflagen auf freien Fuß gesetzt.

Die Richterin kritisierte, dass nach mehr als zehn Monaten weiter wesentliche Gutachterergebnisse fehlen. Proben seien genommen, aber nicht ausgewertet worden. Die Ermittlungen hätten sich zudem sehr früh ausschließlich gegen K. gerichtet, anderen Hinweisen sei kaum nachgegangen worden, merkte die Richterin an. Dass K., immer wenn es in Flatow brannte, mit dem Fahrrad im Dorf gesehen worden sei, heiße nicht, dass er den Brand auch gelegt habe. Flatow sei ein kleines Dorf, da falle jeder auf, der dort auf den Straßen unterwegs sei. „Wer nicht gesehen werden will, fährt dann nicht mit dem Rad die Alte Poststraße entlang, sondern wird andere Wege finden“, so Arbandt.
Einige wenige Flatower hätten Stimmungsmache betrieben, sagte die Richterin, dies habe sich auch in Aussagen der Hauptbelastungszeugen widergespiegelt.
Bemerkenswert fand Arbandt, dass sich die Flatower Feuerwehr immer geschlossen hinter K. gestellt hatte und ihn stets für unschuldig hielt. Das sei in ähnlichen Fällen ganz anders gewesen.

Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor auf eine 18-monatige Haftstrafe für den 20-Jährigen plädiert, ausgesetzt zu drei Jahren auf Bewährung. Bereits im Plädoyer musste die Staatsanwältin aber einräumen, dass sie bei zwei der sechs Brände die Schuld von Maximilian K. nicht beweisen könne. Sie warf dem Angeklagten widersprüchliche Aussagen und fadenscheinige Alibis vor.
Ursprünglich war der dritte Prozesstag anberaumt worden, um einen weiteren Flatower Zeugen zu hören. Doch der erschien nicht. Die Polizei sollte ihn zu Hause abholen, traf ihn dort jedoch nicht an. Er muss nun ein Ordnungsgeld in Höhe von 300Euro zahlen oder wahlweise fünf Tage in Haft.

Der freigesprochene Maximilian K. hofft nun, wie er vor Gericht sagte, sein Leben wieder ordnen zu können. Er sucht einen neuen Job. Nach seiner Verhaftung war ihm in Flatow fristlos gekündigt worden.

aRTikel

Gerichtsbericht: Verdächtig – der Mann mit dem Fahrrad

Donnerstag, den 19. September 2013
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Tag 1 -> 17.9.2013

Flatower Brandserie: Tag 2 im Prozess gegen Maximilian K.

MAZ Oranienburg, 19.9.2013

FLATOW
Der Prozess gegen Maximilian K. ging gestern vor dem Jugendschöffengericht in Oranienburg in die zweite Runde. Dem 20-Jährigen wird vorgeworfen, im Oktober und November 2012 in Flatow sechs Brände gelegt zu haben.

Vier weitere Zeugen sind vernommen worden, darunter zwei Ermittler. Ein Polizist berichtete von schwierigen Umständen während der Ermittlungsphase, da ein Kollege zwischenzeitlich im Urlaub war und er dessen Aufgaben miterledigen musste. Er berichtete, dass sich im Laufe der Herbst-Wochen der Verdacht gegen den Angeklagten K. erhärtet habe. Zeugen sagten immer wieder, dass sie jemanden mit einem Fahrrad in der Nähe der Brände gesehen haben wollen. An vielen Punkten sei dabei der Name von K. gefallen. „Nie hat jemand einen anderen gesehen, ständig kam dieser Radfahrer ins Spiel“, so der Beamte. Tatsächlich hatte K. schon am Montag vor Gericht ausgesagt, er sei oft in Flatow mit dem Rad unterwegs gewesen. Gegen K. spreche auch, so der Polizist, dass nach dessen Festnahme einen Tag nach dem Großbrand im Kombinat ganz plötzlich Ruhe im Dorf herrschte.

Die Rede kam auch auf zwei Personen, die beim Scheunengroßbrand am 20. November 2012 dabei gesehen wurden, wie sie vom Feuer wegrannten. Polizeiliche Ermittlungen ergaben bereits im November, dass es sich aber um die Besitzer der Tiere handelte, die auf dem Gelände unmittelbar neben der Scheune lebten.
Unklar ist auch, was am 4. November passierte. An diesem Abend brannte ein Schuppen in der Alten Poststraße 10 in Flatow nieder. K. feierte nach seinen Angaben bis 22.30 Uhr in Kremmen seinen Geburtstag und wollte sich danach in Flatow mit einem Freund treffen. Dazu kam es jedoch nicht. Mitte November sagte K. diesem Freund bei einem Treffen, das man ihm was anhängen wolle.

Ein Zeuge ist zur Verhandlung nicht erschienen. Richterin Katrin Arbandt hat die Verhandlung unterbrochen und einen dritten Prozesstag anberaumt.

RTelenovela

Im Gericht: Mikro offen?

Donnerstag, den 19. September 2013
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Die meisten Gerichtsverhandlungen sind öffentlich, und eigentlich ist es schade, dass nicht mehr Menschen in die Verhandlungen kommen, um dort zuzuhören. Denn dort spielt sich das wahre Leben ab mit seinem ganzen Irrsinn, seinen traurigen, seltsamen, lustigen und irrsinnigen Geschichten.

Gerade erlebe ich im Oranienburger Amtsgericht den Prozess gegen einen 20-Jährigen, der im Herbst 2012 in Flatow sechs Brände gelegt haben soll. Ob er es wirklich, darüber wird das Gricht entscheiden.

Erstaunlich ist die haarsträubende Akustik im Saal. Das Haus des Amtgerichtes ist neu, aber die Planer scheinen nicht bedacht zu haben, dass es vielleicht sinnvoll wäre, wenn alle Leute gut verstehen würden, was denn im Gerichtssaal gesprochen wird.
Da braucht bloß ein nuschelnder Polizist im Zeugenstand zu sitzen, schon ist nichts mehr zu verstehen. Oder wenn die Richterin meint, besonders leise vor sich hinwispern zu müssen. Oder wenn draußen im Flur der Aktenwagen vorbeidonnert, dann ist die Tonstörung für die Zuschauer im Saal perfekt. Aber wenn vorn in den Akten geraschelt wird, das ist einwandfrei zu hören.
Was die Planer da angestellt haben, ist Murks. Oder will Justizia nicht, dass die Leute im Saal der Verhandlung ordentlich folgen können?

Zumindest die Richterin hat auf ihrem Platz ein Mikrofon zu stehen. Als einer der Flatower Zuhörer die Nase voll hatte, fragte er die “nette Frau”, so drückte er sich aus, ob sie denn nicht lauter reden oder das Mikro benutzen könne. Die Richterin stellte daraufhin klar, dass sie nicht die “nette Frau”, sondern die “Frau Vorsitzende” sei, und außerdem sei das Mikro nicht dafür gedacht, um den Saal zu beschallen.
Schade eigentlich.

aRTikel

Zeugen verstricken sich in Widersprüche

Dienstag, den 17. September 2013
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Maximilian K. soll in Flatow sechs Brände gelegt haben / Gestern begann in Oranienburg der Prozess

MAZ Oranienburg, 17.9.2013

FLATOW
Zeugen, die sich blamieren. Ein Angeklagter mit großen Erinnerungslücken. Der erste Prozesstag gegen Maximilian K. gestern vor dem Oranienburger Jugendschöffengericht dauerte sechs Stunden und hatte überraschende Momente. Dem 20-Jährigen wird vorgeworfen, in der Zeit vom 15. Oktober bis 20. November 2012 in Flatow sechs Brände gelegt zu haben. Das größte Feuer loderte in einer Scheune nahe des Fußballplatzes. K. streitet die Taten ab, kann sich aber an viele Einzelheiten nicht mehr erinnern.

K. war Mitglied der freiwilligen Feuerwehr in Flatow. Er arbeitete bis zu seiner Festnahme am 21. November in einer Bäckerei. Seit seiner Entlassung aus der U-Haft ist er arbeitslos. Der recht entspannt wirkende Jugendliche, der zwischendurch immer wieder einem Freund zulächelt, kämpft an einer Stelle mit den Tränen: Als sein Ex-Arbeitgeber Karsten G. vermutet, dass immer was an K. haften bleibe, so lange kein Urteil im Prozess gefällt werde.
Die Brandserie hatte in Flatow für Wirbel gesorgt. Zivilpolizei überwachte den Ort, die Bewohner machten Kontrollgänge. Dass K. der Täter sein könnte, sei gemunkelt worden, sagten mehrere Zeugen.

Am 4. November feierte K. mit seiner Familie in Kremmen seinen Geburtstag, die Party in einer Pizzeria dauerte bis 22.30 Uhr. Eine halbe Stunde danach fing ein Holzzaun in der Alten Poststraße in Flatow Feuer. Zwei Tage danach brannte ein Schuppen auf demselben Grundstück. K. bemerkte das Feuer um 2.10 Uhr als erster. Er sei schon wach gewesen, weil er früher als sonst seinen Dienst in der Bäckerei antreten wollte.
An das große Feuer am 20. November konnte sich K. nicht mehr wirklich erinnern. Auf die Fragen von Richterin Katrin Arbandt bekam sie nur ein Kopfschütteln. Sie konfrontierte ihn mit der Vernehmung im November: Demnach sei er an dem Abend mit dem Rad unterwegs gewesen, um einen Freund zu treffen. Der sei nicht erschienen. K. radelte wieder nach Hause, habe jedoch einen Zwischenstopp am Spielplatz eingelegt, um zu urinieren. Eine Zeugin sagte später, sie habe ihn dort gesehen, und K. habe nervös gewirkt.

In seiner Wohnung fand die Polizei dann einen halbgefüllten Zehn-Liter-Benzinkanister, einen leeren 20-Liter-Behälter, eine angefangene Flasche Grillanzünder, Feueranzünder und 24 Feuerzeuge. In der Badewanne entdeckten die Beamten Brandrückstände. Das Benzin im kleinen Kanister war für den inzwischen verkauften Rasenmäher, so K., die 20 Liter für das Auto der Mutter. Sie bestätigte das gestern vor Gericht.

Vier Belastungszeugen präsentierte die Staatsanwaltschaft gestern – und alle vier verstrickten sich in haarsträubende Widersprüche. Ein Zeuge will K. vom Flatower Löschteich aus beobachtet haben – in der Vernehmung im November war vom Löschteich nie die Rede. Innerhalb von drei Minuten sei der Zeuge nach Hause gelaufen, als er K. wieder auf dem Rad gesehen habe. Laut Vernehmungsprotokoll war der Zeuge aber gar nicht am Löschteich gewesen. Das habe er damals in der Aufregung vergessen zu erwähnen, so der 22-Jährige.
In ähnliche Widersprüche verwickelten sich auch die weiteren Zeuginnen. Es stellte sich heraus, dass sie vieles, über das sie erzählt hatten, nur von Dritten gehört haben. Sie alle mussten sich von Richterin Katrin Arbandt deutliche Worte anhören.
Alle vier Belastungszeugen der Staatsanwaltschaft waren an dem gestrigen Gerichtstag ein Totalausfall. Am morgigen Mittwoch werden in dem Fall weitere Zeugen gehört.

aRTikel

Die Hoppe-Chronik (5): Wolfslaker Schüler mussten in den Nachbarort

Dienstag, den 23. Juli 2013
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(4) -> 20.7.2013

Irene Hoppe – eine Neu-Vehlefanzer Lebenschronik (5): Im Sommer 1959 schloss die Lehranstalt im Dorf / „LPG Vorwärts“ gegründet

NEU-VEHLEFANZ
Freud und Leid im Hause Krohn. 1948 kam Willi Hoppe aus der Gefangenschaft aus Ostpreußen zurück nach Wolfslake. Willi und Irene heiraten im Jahre 1952. Da allerdings waren ihre Eltern beide schon tot. Die Mutter stirbt 1950 nach schwerer Krankheit, der Vater folgt ihr zwei Jahre danach.

Irene und Willi kümmerten sich in den 50ern um die Landwirtschaft. Morgens mussten die Kühe gemolken und die anderen Tiere versorgt werden. „Wir haben bis hinter Flatow Land gehabt“, sagt Irene Hoppe, die heute übrigens ihren 83. Geburtstag feiert. Sie ist damals mit dem Fahrrad unterwegs gewesen, ihr Mann mit dem Motorrad. Das Heu musste zusammengeharkt und aufgeladen werden. Abends ging es wieder zu den Kühen. „Gegen 22 Uhr waren wir fertig.“ Ein anstrengendes Leben, und schon bald forderte es von der damals Mittzwanzigerin ihren Tribut.

Unterdessen war im Jahre 1954 in Oranienburg die Kreisbibliothek gegründet worden. Seitdem gab es auch in der Gemeinde Neu-Vehlefanz eine Bücherei. „Ein kleiner Buchbestand wurde damals angelegt, und die Möglichkeit der Buchausleihe von der Kreisbibliothek war auch möglich“, erzählt Irene Hoppe. 1954, im ersten Jahr, hatte die Gemeindebibliothek 28 Leser und 176 Ausleihen – bei mehr als 300 Einwohnern.

In den ersten Nachkriegsjahren entstanden in Neu-Vehlefanz 14 Neubauernhäuser. Neben dem Gut gab es in den Ortsteilen Wolfslake und Neu-Vehlefanz sieben mittlere und kleinere Landwirtschaften, die auch bis zur Gründung der landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) selbstständig wirtschafteten. Am 11. März 1958 wurde die erste Genossenschaft gegündet – die „LPG Vorwärts“. Vier Landwirtschaftsbetriebe machten damals den Anfang. Die Nutzfläche der Gemeinde betrug 468,06 Hektar, davon 349,05 Hektar Acker. Davon bewirtschaftete die LPG 72,58 Hektar Acker. Die ersten Mitglieder waren Herbert Bergling, Hermann Krohn, Manfred Rieger und Willi Hoppe, Irenes Mann.

Die Schule an der Perwenitzer Chaussee in Wolfslake wurde nach Kriegsende zwar wieder eröffnet, aber nur noch die Klassen 1 bis 4 bekamen im Dorf noch ihren Unterricht, die Klassen 5 bis 8 mussten zur Schule nach Vehlefanz. Im Sommer 1959 schloss die Wolfslaker Schule für immer. Am 1. September 1959 übernahm die Vehlefanzer Schule auch die Unterstufe aus Wolfslake. Letzter dortiger Lehrer war Günter Weise, erinnert sich Irene Hoppe. 1958 öffnete in Klein-Ziethen erstmals ein Erntekindergarten. „Die Leiterin hieß Frau Weise und war die Ehefrau des damaligen Lehrers.“ Die Einrichtung zog oft um, erst am 1. Mai 1968 ist ein ganzjähriger Kindergarten unter der Leitung von Hilde Netzel eröffnet worden.

Für Irene Hoppe änderte sich das Leben im Jahre 1960. Sie musste sich einer Operation am Bauch unterziehen. Der Arzt riet ihr davon ab, weiter schwer zu arbeiten. „Der Arzt hat geschimpft, und ich war nun auch dauernd krank“, erinnert sie sich.
Ein neuer Lebensweg deutete sich für sie an: „Frau Schmidt, die Direktorin der Schule in Vehlefanz, hat mich gefragt, ob ich Grundschullehrerin werden will.“ Doch auch dieses Vorhaben sollte bald scheitern.