RTelenovela

Stau auf der A24, aber eigentlich ist nichts los

Donnerstag, den 21. August 2014
Tags: , , , , ,

Wer am Sonntag aus Richtung Norden nach Berlin möchte, erlebt die Autobahnhölle. Dichter Verkehr auf der A 19, Staus auf der A 24. Tag im Eimer.
Das wollte ich umgehen. Deshalb musste ich mich entscheiden: Entweder verbringe ich den Tag bis zum Abend in und um Bützow in Mecklenburg-Vorpommern, wo ich wegen einer Hochzeit war. Oder ich machte mich bereits am Morgen auf den Weg. Ich entschied mich für Ersteres.

Wichtigster Begleiter auf der Fahrt nach Hause ist der Verkehrsfunk im Radio. Die Ostseewelle hatte allerdings noch nichts zu melden. Freie Fahrt, und tatsächlich war die A19 noch relativ frei.
Ich erreichte das Dreieck Wittstock und die A24 und schon nahm der Verkehr schlagartig zu. Mehr als Tempo 80 war nicht mehr drin. Was da wohl noch kommen mag? Verkehrsfunk auf radioeins: Nichts. Nur ein liegengebliebener Lkw.

Erster Stillstand bei Neuruppin. Direkt hinter der Abfahrt. Ursprünglich war Plan B, dass ich die Autobahn verlasse, wenn der Verkehrsfunk Stau meldet. Von Neuruppin aus wäre das kein Problem gewesen.
Zum Glück löste sich der Knoten noch mal. Aber ab Linum wurde es dann richtig zähflüssig. Und dann: Totaler Stillstand in Höhe Flatow, kurz vor der Abfahrt Kremmen.

Und der Verkehrsfunk? Still ruht der See, ein Stau irgendwo in Berlin. Dabei war das komplette Dreieck Havelland dicht. Die Überfahrt von der A10 zur A24 war ein einziger Stillstand, und in der Gegenrichtung ebenfalls.
Wozu haben wir die moderne Überwachungstechnik, wenn selbst schon stattfindende Staus nicht weitergegeben werden können? Warum meldet die Polizei stattdessen offenbar den Zustand von vor einer Stunde? Wieso ist das System so lahmarschig?

aRTikel

Berliner Gäste strömten in die Region

Montag, den 2. Juni 2014
Tags: , , , , , ,

„48 Stunden Kremmen“: Busse waren zwischen Sommerfeld, Flatow, Schwante, Vehlefanz und Velten unterwegs

MAZ Oranienburg, 2.6.2014

KREMMEN/OBERKRÄMER
Eva-Maria Otto wirft noch mal einen Blick in ihren Flyer. „Mir gefällt das alles sehr gut hier“, sagt sie. Sie ist aus dem Berliner Bezirk Friedrichshain zur Schmiede nach Schwante gekommen und hat sich mit dem Schmied Dieter Blumberg unterhalten. Als nächstes möchte sie zur Mühle nach Vehlefanz. Auch in der Kirche in Flatow war sie bereits. „Die fand ich sehr schön“, sagt sie und lächelt. Und überhaupt, sie werde noch mal wiederkommen, um sich das Schloss in Groß-Ziethen anzusehen.

Die von der Stadt Kremmen und dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) initiierte Aktion „48 Stunden Kremmen“ führte Eva-Maria Otto in die Region. Mit dem Regionalexpress kam sie nach Kremmen. Am dortigen Bahnhof starteten zwei Buslinien. Eine führte nach Sommerfeld, die andere über Flatow, Staffelde, Groß-Ziethen, Schwante und Vehlefanz zum Veltener Ofenmuseum. Besonders am Sonnabendvormittag strömten die Menschen aus den Zügen in die Busse. „Wir dachten, das verteilt sich mehr“, sagte Charlott-Luise Stolzenberg, in Kremmen verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit. Sie zählte allein am ersten Vormittag schon mehr als 700 Gäste, bis zum Sonnabendnachmittag seien es etwa 1200 gewesen. Am Sonntag lag die Zahl etwas niedriger. „Für uns ist das ein großer Erfolg“, so Stolzenberg.

Albert Kleye von den „Freunden der Kulturschmiede“ in Schwante war am Sonnabend überrascht vom Zuspruch. „Wir wussten ja gar nicht so genau, was da auf uns zukommt.“ Für die Vereinsmitglieder war das Wochenende mit großem Aufwand verbunden, „aber wir machen das ja gern.“ Für die Schmiede sind solche Aktionstage aber wichtig. „Es kommt immer wieder vor, dass Berliner erneut zu uns kommen und uns ansprechen“, so Kleye.

An der Mühle in Vehlefanz ist am Wochenende extra eine Sonderhaltestelle für die Busse eingerichtet worden. „Die Gäste aus Berlin wollen vor allem Historisches über die Mühle wissen“, erzählte Hartmut Müller vom Vehlefanzer Heimatverein.
Auch Sigrun Franke aus Berlin-Spandau sah sich am Sonnabendnachmittag dort um. „Ich bin von Schwante aus den Mühleseeweg entlang gewandert“, erzählte sie. „Das war wunderschön.“ Sie findet es gut, dass die Dorfbewohner bei der Aktion mitgemacht, Kuchen gebacken und Auskünfte erteilt haben. Bislang kannte sie die Region noch nicht, wollte aber unbedingt wiederkommen. „Die Felder, die Wiesen, der Wald und zwischendurch die Alleen – herrlich!“

Ein wenig Kritik ist aber auch laut geworden. Insbesondere am Sonnabendvormittag waren die Busse unpünktlich und überfüllt. Irritationen gab es, weil das Schloss in Groß-Ziethen nur am gestrigen Sonntag an der Aktion teilnahm und die Kirche in Staffelde erst am Nachmittag öffnete.
„Das ist allerdings eine sehr schöne Kirche“, so Ingrid Brose. Sie war aus Berlin-Marienfelde nach Staffelde gekommen. „Sie ist schlicht, aber alles ist so schön und liebevoll restauriert, das gefällt mir.“
Ein paar Kilometer weiter, in Flatow, sieht sich Irene Böhm aus Nieder Neuendorf mit ihrem Enkel Niklas die Kirche an. „Die lebt, die Kirche“, sagt sie. „Hier wird das Alte mit dem Neuen sehr gut verbunden.“ Karlheinz Sandow vom Gemeindekirchenrat führte Irene Böhm herum. „Wir freuen uns, wenn wir den Gästen unser Haus zeigen können“, sagte er.

Viele der Gäste am Sonnabend sagten, dass sie am Sonntag noch mal wiederkommen wollen. Diese Beobachtung hat Charlott-Luise Stolzenberg gemacht: „Wir haben einige schon bekannte Gesichter wiederentdeckt“, sagte sie gestern Nachmittag.

aRTikel

„Das Tatütata fand ich toll“

Montag, den 26. Mai 2014
Tags: , ,

Oliver Fritz (33) aus Kremmen ist seit 1991 Mitglied der freiwilligen Feuerwehr. Schon als Kind fand er das spannend.

MAZ Oranienburg, 26.5.2014

KREMMEN
Seit 22 Jahren ist Oliver Fritz Mitglied der freiwilligen Feuerwehr in Kremmen. Der 33-Jährige ist Ortswehrführer und für seine Kollegen einer der Hauptansprechpartner. Ansonsten arbeitet er als Servicemonteur in Berlin.

Blitz und Donner über Kremmen. Macht Sie das nervös?
Oliver Fritz: Es gibt gewisse Wetterlagen, da herrscht schon mehr Anspannung als sonst.

Als Feuerwehrmann ist man aber permanent in Einsatzbereitschaft, oder? Gibt es da so eine ständige Grundnervosität?
Fritz: Wenn es ewig nicht gepiept hat, dann ist klar, dass es nicht mehr lange bis zum nächsten Einsatz dauern kann. Wir müssen etwa 150-mal im Jahr raus. Aber so eine Grundnervosität habe ich eigentlich nicht. Außer vielleicht Silvester.

Wie kamen Sie denn damals zur Feuerwehr?
Fritz: Generell hat mich das schon immer interessiert. Ich war mal zum „Tag der offenen Tür“ dort. Das Drumherum, das Tatütata, die großen Autos, die Sirenen, das fand ich toll. Ich bin dann zur Jugendfeuerwehr gegangen.

Was macht man da so?
Fritz: Schläuche rollen. Das war das Erste, was wir damals gemacht haben. Hat aber Spaß gemacht, auch, mit den anderen zusammen zu sein. Wir wurden dann immer mehr an die eigentlichen Arbeiten der Feuerwehr herangeführt.

Und dann haben Sie sich endgültig entschieden: Ich werde Feuerwehrmann!
Fritz: Ja! Damals hatte ich mehrere Hobbys. Fußball, angeln und die Feuerwehr. Letzteres war am interessantesten. Auch ein großer Teil meines Freundeskreises war dabei.

Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Einsatz?
Fritz: Das war ein Kornfeldbrand bei Sommerfeld. Ich war 16 oder 17 Jahre alt. Feldbrände können wegen des Windes ziemlich gefährlich sein, und wir sind ganz schön gerannt. Aber nach einer guten Stunde war alles gelöscht.

Wissen Sie vorher, was Sie erwartet, wenn Sie zum Einsatz fahren?
Fritz: Größtenteils ja. Wir bekommen eine Art Kurzmitteilung auf den Pieper und haben auch ein Alarmfax. Wobei die Sache dann vor Ort meist doch noch ein bisschen anders ist.

Gab es spektakuläre Einsätze, an die Sie sich erinnern?
Fritz: Na ja, was heißt spektakulär? Uns hat mal jemand angerufen und gesagt, dass da eine Schlange sei, die war ihm nicht geheuer. War dann aber doch nur eine harmlose Ringelnatter.

Andere Einsätze sind sicherlich nicht so harmlos.
Fritz: Wir haben einen Autobahnabschnitt, für den wir zuständig sind. Gerade in den 90ern gab es dort viele schwere Unfälle.

Werden Sie mental darauf vorbereitet?
Fritz: Eigentlich nicht. Bei schlimmen Unfällen, frage ich meine Kameraden vorher, ob sie gewisse Dinge sehen können. Ich will nicht, dass auch meine Kollegen zu Schockpatienten werden. In Amalienfelde ist mal ein Auto gegen einen Baum gefahren, der Fahrer war tot. Das war nicht schön anzusehen. Da werden gerade relativ junge Kameraden ins kalte Wasser geworfen. Einen toten Menschen zu sehen, ist eine schwierige Erfahrung. Bei vielen wird da eine Grenze überschritten.

Wie kommt man damit klar?
Fritz: Wichtig ist es, danach darüber zu reden. Als Ortswehrführer muss ich ein Auge auf die anderen haben. Ich bin die Mutti für alles.

Welche Einsätze sind außerdem noch nervenzehrend?
Fritz: Die Brandserie im Herbst 2012 in Flatow war schlimm. Vor allem, weil das fast immer Großbrände waren. Gab es da Alarm, wussten wir, das wird eine lange Nacht.

Und als der Verdacht aufkam, dass es ein Feuerwehrmann sein könnte …
Fritz: … kam Unmut auf. So was will kein Wehrführer erleben, das kann aber niemand verhindern. So was droht aber, eine ganze Feuerwehr runterzuziehen.

Wenn Sie am Tage in Berlin arbeiten, sind Sie aber nicht erreichbar, oder?
Fritz: Das stimmt. Aber in der Regel sind bei Alarmen am Tag neun bis zehn Kameraden einsatzbereit. Wenn ich mal eine Woche an die Ostsee fahre, dann ist das natürlich auch abgesprochen.

Könne Sie die Jugend für Ihre Arbeit begeistern?
Fritz: Relativ schwierig. Aber es ist gut, dass wir „Tage der offenen Tür“ veranstalten. Die Konkurrenz ist größer geworden. Schule, Fußball, es ist weniger Zeit übrig. Da müssen wir am Ball bleiben. Deshalb bieten wir Jugendlager, Ausflüge oder Technikkurse an.

Bei der Feuerwehr arbeiten Sie mit Ihren Kameraden. Was macht Kameradschaft aus?
Fritz: Wir sind schon ein eingeschworener Haufen. Es muss sich jeder auf jeden verlassen können.

aRTikel

Warmer Tunnel für den Spargel

Freitag, den 21. Februar 2014
Tags: , , , ,

Das Wetter ist günstig: Vorbereitungen für die Ernte rund um Kremmen laufen bereits

MAZ Oranienburg, 21.2.2014

KREMMEN
Das warme Wetter der vergangenen Wochen sorgt dafür, dass der Spargel schneller wächst. Schon jetzt herrscht auf den Feldern rund um Kremmen Hochbetrieb. „Wir sind ungefähr zehn Tage früher dran als normalerweise“, erzählte gestern Malte Voigts, der Geschäftsführer des Spargelhofes in Kremmen.

Auf einem Feld in der Nähe von Flatow sind am Vormittag bereits die Erntehelfer unterwegs gewesen, um sogenannte Minitunnel anzulegen. „Sie wirken wie ein Gewächshaus“, so Malte Voigts. Schon im vergangenen Dezember sind die Spargelhügel mit schwarzen Folien belegt worden, sie sollen die Sonnenwärme in die Erde leiten. Über diese Folien wird nun eine weitere Klarsichtfolie gespannt. Befestigt wird sie einerseits mit Sand, andererseits durch darüber aufgestellte Stahlbügel.
Somit kann sich zwischen der Klarsichtfolie und dem Hügel ein Luftpolster bilden. „Unabhängig von der Außentemperatur können in dem Tunnel Werte von 28 Grad erreicht werden“, erzählt der Spargelhof-Geschäftsführer. Der Vorteil: Der Spargel könne an diesen Stellen zwei Wochen früher als normalerweise geernet werden. Falls es allerdings wieder Frost gibt, sind die Bemühungen hinfällig. „Bei extremer Kälte nützt das nichts“, so Voigts. Die Meteorologen rechnen allerdings nicht mehr damit, dass es noch mal einen Wintereinbruch gibt. Deshalb meint Voigts, dass Ende März die Ernte beginnt. „Für uns ist das momentane Wetter fast ideal“, sagte er gestern. Ein bisschen mehr Sonne wünscht er sich allerdings schon noch. „Hauptsache kein Schnee!“

Ganz anders ist die Situation auf der Belafarm in Beetz. Dort haben die Vorbereitungen noch nicht begonnen. „Wir fangen erst im März so richtig an“, sagte gestern Nachmittag Kristin Gansewig, die Assistentin der Belafarm-Geschäftsführung in einem MAZ-Gespräch. Der Spargel nimmt in dem Unternehmen eine Fläche von 20 Hektar ein. „Bei uns ist er eher ein Nebenprodukt“, so Gansewig weiter. „Wir bauen ihn nicht so intensiv an.“ Ein Credo bei der Belafarm sei es, den Spargel im natürlichen Fluss zu belassen, es werde also nicht besonders nachgeholfen, damit er schneller wächst. Gansewig rechnet damit, dass der BeetzerSpargelverkauf Ende April beginnt.
In einem Punkt ist sich Kristin Gansewig sehr sicher: Der Markt für den Spargel in der Region ist gesättigt. „Neben den Beelitzern und den Kremmenern gibt es eigentlich kaum noch Platz“, sagte sie gestern.

Der Kremmener Spargelhof dagegen vergrößert sich weiter. Die Rhinland Agrar GmbH von Malte Voigts bewirtschaftet in diesem Jahr 200 Hektar mit Spargel. Das sind 30 Hektar mehr als im vergangenen Jahr. Eine Fläche bei Flatow sei neu dazugekommen. „Das ist dann aber auch unsere maximale Ausdehnung“, erklärt Voigts.
Seit Sommer 2008 wird rund um Kremmen der Spargel angebaut. Einige der Flächen werden bald ihre Altersgrenze erreichen. „Dann werden wir dort wieder Getreide anbauen“, kündigt Voigts an. Ein paar Jahre später könnten dort aber wieder Spargelhügel angelegt werden.
Auch personell wird sich der Spargelhof in diesem Jahr vergrößern. Auf 550 bis 600 Mitarbeiter soll der Betrieb im Frühjahr anwachsen. Das sind etwa 100 mehr als im Vorjahr. So soll nach Angaben des Geschäftsführers beispielsweise das Spargelrestaurant auf dem Hof personalintensiver werden. Ab April soll es erstmals parallel ein Restaurant im Zelt und eine Selbstbedienungstheke im Hofladen geben. Auch zehn weitere Verkaufsstände sollen in der Region hinzukommen. „Wir verkaufen inzwischen in einem Radius von 100 Kilometern“, sagte Malte Voigts gestern. Ein ganz besonderer Verkaufsstand entsteht auf demSpargelhof selbst: ein Drive-in. Das ist für Leute, die in Kremmen nicht extra vom Parkplatz zum Hofladen laufen wollen. „Wir bauen eine kleine Blockhütte auf, dort wollen wir dann auch Spargel verkaufen.“

Ebenfalls neu ist, dass in diesem Jahr Heidelbeeren in Kremmen angebaut werden sollen. Auch dafür sucht Voigts Mitarbeiter. Momentan laufen die Ausschreibungen für die Jobs in Kremmen. „Ich habe ein paar Bedenken, dass wir alle Stellen besetzen können, aber bisher haben wir das in jedem Jahr geschafft.“
Falls wettermäßig nichts dazwischenkommt, beginnt mit der Spargelernte in Kremmen auch der Publikumsbetrieb auf dem Spargelhof. Zu Ostern, am Sonnabend, 19. April, ist die offizielle Saisoneröffnung geplant. Dann findet auch ein Kunst-, Handwerker- und Trödelmarkt statt.

aRTikel

Im Dienste Gottes

Dienstag, den 10. Dezember 2013
Tags: , , ,

Karlheinz Sandow kümmerte sich mehr als 40 Jahre lang um das kirchliche Leben in Flatow

MAZ Oranienburg, 10.12.2013

FLATOW
Ab jetzt ist mehr Zeit für den Garten. „Da ist viel zu tun“, sagt Karlheinz Sandow. Der 72-jährige Flatower gehörte vier Jahrzehnte lang zum Gemeindekirchenrat des Dorfes, für 14 Jahre leitete er das Gremium. Nun hat er das Amt aufgegeben, Natja Guse ist seine Nachfolgerin.

Die evangelische Kirche in Flatow ist für Karlheinz Sandow ein Stück Heimat. „Ich bin dort getauft worden, dort fand meine Konfirmationen statt, ich habe dort geheiratet“, erzählt er. Dennoch: Jetzt, mit 72, wollte er kürzertreten. „Vieles fällt einem doch inzwischen schwerer“, sagt er. Außerdem wollte er dem Nachwuchs im Gemeindekirchenrat eine Chance geben.
Das Gremium verwaltet das kirchliche Leben im Dorf. Es ist zuständig für die Finanzen, aber auch dafür, dass zum Gottesdienst Blumen vorhanden sind. „Die Mitglieder sammeln auch die Kollekte ein.“
Alle zwei bis drei Wochen finden in Flatow Gottesdienste statt. „Unsere Pfarrer ist für sechs Dörfer zuständig, da geht das nicht mehr öfter“, sagt Karlheinz Sandow. Meistens kommen ein Dutzend Menschen, selten 40. „Wenn eine Taufe ansteht, kommen natürlich mehr.“

In Grünefeld absolvierte der Flatower eine Malerlehre, danach arbeitete er zwei Jahre lang in West-Berlin. Nach dem Mauerbau wechselte er in einen Kremmener Dienstleistungsbetrieb. 1983 sprach ihn die damalige Flatower Pastorin an, ob er als Kirchenmaler arbeiten möchte. „Ich sagte zu, und es gab auch reichlich zu tun, das war gar nicht zu schaffen“, erzählt Karlheinz Sandow. Er arbeitete in 22 Kirchen in der Region, half beim Renovieren und Restaurieren. „Eine der schönsten Kirchen war in dieser Zeit die in Fehrbellin“, erinnert er sich. Inzwischen ist er in Rente gegangen.

Gebete spielen eine große Rolle im Leben der Sandows. „Wir knien uns nicht jeden Tag nieder“, sagt er, „aber ein Abendgebet und ein Dankeswort müssen drin sein.“ Ganz raushalten aus der Kirchenarbeit will er sich auch weiterhin nicht. „Meine Meinung kann ich immer äußern, aber die Beschlüsse zieht der neue Gemeindekirchenrat“, sagt er und schmunzelt. Er ist froh, dass die Sanierung des Kirchengebäudes weitgehend abgeschlossen ist. „Es fehlen noch Kleinigkeiten, wie zum Beispiel ein neuer Schaukasten.“
Letzterer würde auch den Pilgern weiterhelfen, die ab und durch Flatow laufen. Das Dorf liegt nämlich am Pilgerweg Berlin – Bad Wilsnack. „Sie können im Gemeindehaus übernachten, und darum musste ich mich auch kümmern“, so der 72-Jährige. Eine Aufgabe, die er immer gern übernahm, so konnte er viele Menschen kennenlernen.

Seit einer Woche hat Karlheinz Sandow frei. Trotzdem: „Eine Pause habe ich bis jetzt noch nicht gehabt.“ Schließlich muss auch noch das Eichenlaub im Garten zusammengefegt werden.

aRTikel

Feuerwehrmann freigesprochen

Dienstag, den 8. Oktober 2013
Tags: ,

Tag 2 -> 19.9.2013

Der Flatower Brandstifter-Prozess endete gestern mit einer Schlappe für die Staatsanwaltschaft

MAZ Oranienburg, 8.10.2013

FLATOW
Freispruch für Maximilian K.: Die Staatsanwaltschaft konnte dem 20-jährigen Angeklagten in drei Prozesstagen vor dem Jugendschöffengericht in Oranienburg nicht nachweisen, im Herbst 2012 in Flatow sechs Brände gelegt zu haben. Der Beschuldigte war selbst bei der Feuerwehr aktiv. Zwar gebe es gewisse Anhaltspunkte, aber keine objektiven Fakten, die für eine Verurteilung ausreichen, sagte Richterin Katrin Arbandt gestern in ihrer Urteilsbegründung. „Eine Indizienkette ist nicht zustande gekommen.“ Im vergangenen Herbst hatte sie den Haftbefehl gegen K. verkündet. Sie habe sich damals für die U-Haft entschieden – in Erwartung von Ermittlungsergebnissen. „Nur sind diese harten Fakten ausgeblieben“, so Arbandt in ihrer Urteilsbegründung.

Die Brandserie hielt Flatow im Herbst 2012 sechs Wochen lang in Atem. Auf dem Grundstück des Dorfbäckers ging am 15. Oktober ein Schuppen in Flammen auf. Die Serie endete am 20. November mit dem Brand am Kombinat. Am 21. November ist K. festgenommen worden, kurz vor Weihnachten wurde er unter Auflagen auf freien Fuß gesetzt.

Die Richterin kritisierte, dass nach mehr als zehn Monaten weiter wesentliche Gutachterergebnisse fehlen. Proben seien genommen, aber nicht ausgewertet worden. Die Ermittlungen hätten sich zudem sehr früh ausschließlich gegen K. gerichtet, anderen Hinweisen sei kaum nachgegangen worden, merkte die Richterin an. Dass K., immer wenn es in Flatow brannte, mit dem Fahrrad im Dorf gesehen worden sei, heiße nicht, dass er den Brand auch gelegt habe. Flatow sei ein kleines Dorf, da falle jeder auf, der dort auf den Straßen unterwegs sei. „Wer nicht gesehen werden will, fährt dann nicht mit dem Rad die Alte Poststraße entlang, sondern wird andere Wege finden“, so Arbandt.
Einige wenige Flatower hätten Stimmungsmache betrieben, sagte die Richterin, dies habe sich auch in Aussagen der Hauptbelastungszeugen widergespiegelt.
Bemerkenswert fand Arbandt, dass sich die Flatower Feuerwehr immer geschlossen hinter K. gestellt hatte und ihn stets für unschuldig hielt. Das sei in ähnlichen Fällen ganz anders gewesen.

Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor auf eine 18-monatige Haftstrafe für den 20-Jährigen plädiert, ausgesetzt zu drei Jahren auf Bewährung. Bereits im Plädoyer musste die Staatsanwältin aber einräumen, dass sie bei zwei der sechs Brände die Schuld von Maximilian K. nicht beweisen könne. Sie warf dem Angeklagten widersprüchliche Aussagen und fadenscheinige Alibis vor.
Ursprünglich war der dritte Prozesstag anberaumt worden, um einen weiteren Flatower Zeugen zu hören. Doch der erschien nicht. Die Polizei sollte ihn zu Hause abholen, traf ihn dort jedoch nicht an. Er muss nun ein Ordnungsgeld in Höhe von 300Euro zahlen oder wahlweise fünf Tage in Haft.

Der freigesprochene Maximilian K. hofft nun, wie er vor Gericht sagte, sein Leben wieder ordnen zu können. Er sucht einen neuen Job. Nach seiner Verhaftung war ihm in Flatow fristlos gekündigt worden.

aRTikel

Gerichtsbericht: Verdächtig – der Mann mit dem Fahrrad

Donnerstag, den 19. September 2013
Tags: ,

Tag 1 -> 17.9.2013

Flatower Brandserie: Tag 2 im Prozess gegen Maximilian K.

MAZ Oranienburg, 19.9.2013

FLATOW
Der Prozess gegen Maximilian K. ging gestern vor dem Jugendschöffengericht in Oranienburg in die zweite Runde. Dem 20-Jährigen wird vorgeworfen, im Oktober und November 2012 in Flatow sechs Brände gelegt zu haben.

Vier weitere Zeugen sind vernommen worden, darunter zwei Ermittler. Ein Polizist berichtete von schwierigen Umständen während der Ermittlungsphase, da ein Kollege zwischenzeitlich im Urlaub war und er dessen Aufgaben miterledigen musste. Er berichtete, dass sich im Laufe der Herbst-Wochen der Verdacht gegen den Angeklagten K. erhärtet habe. Zeugen sagten immer wieder, dass sie jemanden mit einem Fahrrad in der Nähe der Brände gesehen haben wollen. An vielen Punkten sei dabei der Name von K. gefallen. „Nie hat jemand einen anderen gesehen, ständig kam dieser Radfahrer ins Spiel“, so der Beamte. Tatsächlich hatte K. schon am Montag vor Gericht ausgesagt, er sei oft in Flatow mit dem Rad unterwegs gewesen. Gegen K. spreche auch, so der Polizist, dass nach dessen Festnahme einen Tag nach dem Großbrand im Kombinat ganz plötzlich Ruhe im Dorf herrschte.

Die Rede kam auch auf zwei Personen, die beim Scheunengroßbrand am 20. November 2012 dabei gesehen wurden, wie sie vom Feuer wegrannten. Polizeiliche Ermittlungen ergaben bereits im November, dass es sich aber um die Besitzer der Tiere handelte, die auf dem Gelände unmittelbar neben der Scheune lebten.
Unklar ist auch, was am 4. November passierte. An diesem Abend brannte ein Schuppen in der Alten Poststraße 10 in Flatow nieder. K. feierte nach seinen Angaben bis 22.30 Uhr in Kremmen seinen Geburtstag und wollte sich danach in Flatow mit einem Freund treffen. Dazu kam es jedoch nicht. Mitte November sagte K. diesem Freund bei einem Treffen, das man ihm was anhängen wolle.

Ein Zeuge ist zur Verhandlung nicht erschienen. Richterin Katrin Arbandt hat die Verhandlung unterbrochen und einen dritten Prozesstag anberaumt.