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Die Hoppe-Chronik (3): Mit dem Pferdewagen auf der Flucht nach Westen

Freitag, den 19. Juli 2013
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(2) -> 16.7.2013

Irene Hoppe – eine Neu-Vehlefanzer Lebenschronik (3): Die Familie kam 1945 nur bis Demerthin / Sieben tote Soldaten in Wolfslake und Umgebung

MAZ Oranienburg, 19.7.2013

NEU-VEHLEFANZ
An die Flucht aus Wolfslake erinnert sich Irene Hoppe noch ziemlich genau. Es war der 20. April 1945. Die Rote Armee drängte Richtung Berlin, auch das Haus der Familie, direkt an der einzigen Kreuzung des Dorfes, wurde teilweise besetzt.
Immerhin: „Wir hatten den schönsten Flüchtlingswagen“, erinnert sich die 82-Jährige heute. Mit dem Pferdegespann machten sie sich auf den Weg nach Westen. Zunächst übernachtete die Familie in Flatow, am nächsten Tag ging es weiter bis Bückwitz im heutigen Landkreis Ostprignitz-Ruppin. „Da standen Polizisten mit Kettenhunden.“ Sie kamen bis Demerthin bei Kyritz. „Eigentlich wollten wir bis über die Elbe kommen, zu den Amis.“ Es war ein ganzer Pulk mit Menschen, der in der Gegend unterwegs war. Doch in dem Dorf kam es zu einem Zwischenfall, auf die Menschenmasse ist geschossen worden. „Wir haben uns im Keller eines Gutes verschanzt“, erzählt Irene Hoppe. Sie blieben so lange dort, bis es draußen wieder ruhiger wurde. Irgendwann rief ein älterer Mann: „Ihr könnt ruhig rauskommen!“
Irenes Mutter arbeitete als Rote-Kreuz-Schwester und musste sich danach in Demerthin um die Verwundeten kümmern. Unterdessen entschloss sich die Familie, wieder in die Heimat zurückzukehren. „In Fehrbellin sind wir dann aber von Polen überfallen worden“, so Irene Hoppe. Die Fremden nahmen den Reisenden ihre Pferde weg. „Wir mussten unseren Wagen dann selber schieben.“ Sie kamen wieder bis Flatow.

Zu Hause, in Wolfslake, spielte sich unterdessen ein weiteres Drama ab. Die Großmutter war zunächst daheim geblieben, als sich der Rest der Familie auf machte in Richtung Elbe. Sie wollte nicht mit auf die Flucht, trotz aller Risiken. Die Oma blieb im Haus Am Krämerwald 5.
Sieben Soldaten starben kurz vor Kriegsende im Jahre 1945 in Wolfslake und Umgebung. Einer der toten Männer lag im Straßengraben gegenüber des Hauses der Familie. „Der tote Soldat wurde im Garten begraben“, sagt Irene Hoppe. „Niemand weiß, woher er war.“ Auf dem bescheidenen Holzkreuz stand nur „Unteroffizier Hoffmann.“ Erst viele Jahre später, 2008, ist der Soldat umgebettet worden. Zum Vorschein gekommen ist zu diesem Zeitpunkt auch die Blechmarke mit der Aufschrift „2624 – 4. KP L.S.E.B.“ Das bedeutet: „4. Kompanie Landesschützenersatzbataillon“. Es kommt heraus, dass unter der Nummer tatsächlich ein damals 42-jähriger Mann registriert ist, der seit 1945 als vermisst galt. Jedoch trägt er nicht den Namen Hoffmann. Heute liegen seine sterblichen Überreste auf dem Friedhof von Vehlefanz.

Unterdessen erreichte die Familie von Irene, die inzwischen fast 15 Jahre alt war, Klein-Ziethen. „Wir konnten in der Ziegelei bleiben“, erinnert sie sich. „In unser Haus durften wir nicht zurück, da waren nun die Russen.“
Am 8. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg. Zu diesem Zeitpunkt lebte die Familie immer noch in der Klein-Ziethener Ziegelei. „An diesem Tag knallten die Russen mit ihren Kalaschnikows.“ Einige der Leute, die das mitbekommen haben, bekamen wieder Angst und haben herumgejammert. „Aber mein Vater hat sie aufgemuntert und gesagt, das seien Freudenschüsse.“ Doch das weitere Elend und der Hunger sollten da erst noch bevorstehen

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Der literarische Spambogen

Donnerstag, den 11. Oktober 2012
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In diesen Tagen begann in Ostprignitz-Ruppin der Literarische Bilderbogen. Eine feine Sache, weil auch viele Promis in die Region kommen und aus ihren Büchern lesen oder zu Talkrunden einladen.
Ich bin dabei. Ende Oktober fahre ich nach Fehrbellin und schaue mir die Veranstaltung mit Walter Kohl, Helmuts Sohn, an. Er liest aus seinem Buch “Leben oder gelebt werden” und unterhält sich darüber mit einem Moderator. Das ist ganz sicher spannend, und ich freue mich drauf.

Um nach Fehrbellin fahren zu können, habe ich mich vor einíger Zeit angemeldet. Dazu habe ich auch meine Adresse angegeben.
Veranstalter sind die öffentlichen Bibliotheken in OPR. Neulich bekam ich Post vom Landkreis Ostprignitz-Ruppin. Ich machte mir schon kurz Sorgen über den Inhalt, war, nachdem ich den Brief aufriss, aber überrascht: Es handelte sich um Reklame für den Literarischen Bilderbogen, in dem Fall eine Veranstaltung in Kyritz.

Ich werde demnächst eine Veranstaltung des Bilderbogens besuchen. Dazu habe ich mir das Programm angesehen und eine Auswahl getroffen. Das hielt beim Medienzentrum in Neuruppin aber niemanden davon ab, mir trotzdem noch mal Reklame zu schicken.
Ich finde das nervig. Hätten sie mir 2013 so eine Reklamepost verschickt, hätte ich das noch verstanden. Das aber ist aufdringlich.

Heute hatte ich ein weiteres Mal Post aus Neuruppin. Wieder Werbung für den Literarischen Bilderbogen. Diesmal für die Veranstaltung mit Walter Kohl in Fehrbellin. Für die Sause, für die ich bereits Tickets bestellt habe. Ich konnte nur noch leicht säuerlich den Kopf schütteln.
Ob in Neuruppin irgendjemand nachdenkt, bevor sie ungebeten Post verschicken? Es sieht nicht so aus. Aber immerhin scheint man in Neuruppin noch ordentlich Kohle für Spam-Post zu haben.

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Mitreden – Der Countdown

Donnerstag, den 5. Januar 2012
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Heute mal wieder Werbung in eigener Sache. Wie schon mal erwähnt, steht demnächst eine Premiere an. Erstmals moderiere ich gemeinsam mit Inforadio-Moderator Dietmar Ringel die Talkshow “Mitreden”. Einen Termin gibt es inzwischen auch: Los geht es am Sonntag, 15. Januar 2012, um 11 Uhr in der “Tiefsten Provinz” im Kremmener Scheunenviertel.

Schon um 10.30 Uhr werden die Tore geöffnet, dann gibt es nämlich einen Brunch. “Mitreden” ist ein Brunchtalk.
Zu Gast sind der Schauspieler Jürgen Heinrich (“Wolffs Revier”), Rainer Grieger, der Präsident der Oranienburger Polizei-Fachhochschule, sowie Frank Buthmann, der Geschäftsführer und Koch im “Kleinen Haus” in Linum. Dazu gibt’s natürlich auch Live-Musik.

Nun trafen wir uns zur zweiten “Redaktionssitzung” und planten die Sause ein bisschen durch. Natürlich will ich nicht zu viel verraten, aber diese Show wird nicht nur eine Gesprächsrunde sein, ein bisschen Action wird es ebenfalls geben. Und wenn alles so läuft, wie wir uns das denken, dann könnte das ganz unterhaltsam werden.
Am 1. April geht es weiter, und auf den Gast, der da kommt, auf den freue ich mich schon ganz besonders. Wer das ist, das verraten wir am 15. Januar in Kremmen!

Der Eintritt kostet – inklusive Brunch 15 Euro. Wer das sehen will, gebe mir ein Zeichen.

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Fehrbellin-Neuruppiner Radkappenbingo

Donnerstag, den 15. Dezember 2011
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Herzlich willkommen beim Fehrbellin-Neuruppiner Radkappenbingo, der neuen aufregenden Show in Ihrem Lieblingsblog!
Die Spielregeln sind ganz einfach: Sie fahren mit Ihrem Auto von Fehrbellin nach Neuruppin, lockern ein wenig eine Ihrer Radkappen. Und dann beginnt das Spiel. Der nachfolgende Verkehr muss tippen, an welcher Stelle der Strecke Sie Ihre Radkappe verlieren.
Alles verstanden? Na, dann kann’s ja losgehen.

Ich begrüße die erste Kandidatin. An diesem trüben Donnerstagmittag fährt sie mit ihrem grauen Kleinwagen durchs Fehrbelliner Zentrum auf den Weg nach Neuruppin. Die Radkappe vorn links sitzt locker.
Uuund – los geht’s! Bitte tippen Sie jetzt! Wo verliert das Auto die Kappe: noch in Fehrbellin? Oder in der berüchtigen S-Kurve in Dammkrug? In der Treskower Baustellenumfahrung oder gar erst im Ziel, in Neuruppin?
Tippen Sie jetzt! Sie haben fünf Sekunden Zeit!

So, dann loggen wir den Tipp mal ein! Und es kann losgehen!
Vom Rathaus biegen wir rechts in Richtung Neuruppin ab. Wir verlassen Fehrbellin. Die Radkappe eiert weiter am linken Vorderrad.
Weiter geht es an den Feldern vorbei. Jetzt: Dammkrug. Die S-Kurve. Passiert es jetzt?
Neeein, alles noch dran.
Es geht wieder raus am Dammkrug, weiter zur Autobahn. Dann abbremsen, dort steht der feste Blitzer.
Die Radkappe hält. Wer auf Fehrbellin oder Dammkrug getippt hat, ist schon raus.

Wir erreichen Treskow, dort ist die Landesstraße gesperrt, wir müssen eine Umleitung fahren. Die Radkappe eiert weiter.
Es wird spannend! Treskow oder Neuruppin? Das Radkappenbingo steuert auf seinen Showdown zu!
Wir sind nun auf der Erich-Dieckhoff-Straße in Treskow. Da! Da passiert es! Die Radkappe fällt ab, rollt auf die Straße und kullert in Richtung Gehweg, fliegt elegant über den Bordstein und landet schließlich auf dem Weg. Und die Fahrerin hat es nicht bemerkt.

Herzlichen Glückwunsch! Wer auf Treskow gesetzt hat, ist der Sieger im Fehrbellin-Neuruppiner Radkappenbingo!
Ich würde mich freuen, wenn Sie auch beim nächsten Mal dabei sind.
Gute Nacht.

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Pressespiegel

Freitag, den 11. November 2011
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Diese Lesung in Fehrbellin muss ja eine dolle Veranstaltung gewesen sein. Das jedenfalls schreibt die MAZ in Neuruppin.

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Jetzt schon: Die Vorweihnachtszeit beginnt

Mittwoch, den 9. November 2011
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Nicht nur in den Supermärkten wird es langsam ernst: Die Weihnachtszeit steht vor der Tür.
Bei mir beginnt sie: morgen.

Morgen lese ich zum ersten Mal völlig fremden Menschen aus meinen Geschichten vor. In diesem Fall den ersten Teil von “Weihnachtsparadies”. In der Serie geht es um ein Seniorenheim in Binz.
Das passt, denn meine Zuhörer sind Rentnerinnen aus einem Lesekreis. Es wird spannend für mich, wie das alles bei ihnen ankommt.
Die Geschichte spielt vom 1. bis 24. Dezember. Da wird es so richtig kitschig-weihnachtlich. Und das am 10. November.

Es ist eine recht kurzfristige Sache. Eigentlich sollte das Ganze erst im Dezember im Lesekreis in Fehrbellin losgehen, aber für zwei Lesungen reicht die Zeit nicht.
Nun sitze ich also hier und bereite alles vor. Überfliege noch mal den Text, checke die Musik.
Dann kann’s morgen losgehen.

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Die Angst vor der Angst

Samstag, den 30. April 2011
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Hobby: Der Fehrbelliner Jürgen Mühling hat von 1986 bis heute bereits mehr als 9500 Fallschirmsprünge absolviert

MAZ Neuruppin, 30.4.2011

Jürgen Mühling ist einer der Betreiber des Fallschirmsportplatzes in Fehrbellin. Gerade hat dort die neue Saison begonnen.

FEHRBELLIN
Bei seinem ersten Mal hatte Jürgen Mühling richtig Schiss. „Ich saß da und habe mich gefragt: Bist du bescheuert?“ Das war 1986. Damals saß er in einem Flugzeug, um sich kurz danach mit dem Fallschirm in die Tiefe zu stürzen. „Da kommt das Tier in dir raus, und du willst es wissen“, sagt Mühling.
Der Sprung: „Da bleibt dir erst mal der Magen stehen.“ Eine Minute lang im freien Fall. Reizüberflutung. Dann weitere drei Minuten am Schirm. Am Ende war der Eindruck ein bleibender: „Gelandet, aufgestanden, wow.“ Inzwischen hat der 44-Jährige genau 9520 Sprünge absolviert. „Eine kontrollierte Extremsituation.“

Jürgen Mühling – Spitzname: Mahle – ist einer von vier Betreibern der Take-Off Fallschirmsport GmbH am Rande von Fehrbellin. Er lebt seit 16 Jahren in der Stadt. Das Fallschirmspringen ist sein Leben – Platz für andere Hobbys bleibt da nicht. „Es gibt nichts, was mich mehr fordern kann“, sagt er und lächelt.
Er meint es ernst. Auf dem Tisch neben ihm steht der Laptop. Darauf sind unzählige Bilder und Videos gespeichert. Zum Beispiel der Film von der größten Sprungformation der Welt. Mahle war über Thailand einer von 400 Teilnehmern, die in der Luft bestimmte Formationen gebildet haben – als Geschenk für den König von Thailand. „Das ist einer der Sprünge, die ich nie vergessen werde“, sagt er.

Die Motivation für einen Fallschirmsprung aus 4000 Metern ist die Herausforderung. „Der Mensch kann auf Dauer seiner Langeweile nicht standhalten“, sagt Jürgen Mühling. „Der eine beschäftigt sich deshalb mit der Modelleisenbahn, andere brauchen mehr Action.“ Der Fallschirmsport sei eine sehr sichere Sportart. „Die Devise ist: Keine Angst vor der Angst.“
Allein 2000 Leute pro Jahr wagen über Fehrbellin den Tandemsprung. Wer eine eigene Lizenz haben möchte, muss mindestens 16 Jahre alt sein. Jeder braucht 25 bis 30 Sprungtage. Die Meteorologie, Freifalltheorie, Aerodynamik und das Luftrecht – in der Theorieprüfung müssen auch diese und weitere Themengebiete sitzen.

Gerade hat in Fehrbellin wieder die Saison begonnen. Jeden Tag sind Sprungschüler vor Ort. Ab und zu auch Prominente. Der Comedian Murat Topal drehte unlängst auf dem Flugplatz Szenen für seine Serie „Spezialeinsatz“ beim Pay-TV-Sender Sat.1 Comedy. Auch wenn der Berliner Komiker die in der Sendung gezeigten Sprünge selbst absolvierte – Jürgen Mühling war einer der Stuntdoubles. „Die Idee zu den Szenen hatte Murat, wir lieferten das Know-how“, erzählt der Fehrbelliner. Die Szenen liefen im März über die Bildschirme. Die Rhinstadt hatte darin – zumindest aus luftiger Höhe gesehen – ihren Auftritt.
Mahle bezeichnet Fehrbellin idealen Ort für die Fallschirmspringer. „Wir haben hier eine sehr große Fläche“, erzählt er. Gerade probiert die Crew neue Spielchen aus. Jüngst übten Mahle und seine Kollegen über Fehrbellin das Freifalltennis. Ein rasanter Ballwechsel am Himmel. „Wir wollen daraus einen Werbegag machen.“ Demnächst beginnen sie ein 16er-Training. Ziel ist eine Großformation. „Wir wollen versuchen, den Brandenburger Rekord zu knacken.“ Momentan liegt er bei einer 38er-Formationen. Denkbar seien darüber hinaus Sauerstoffsprünge aus einer Höhe von 7500 Metern.
An Zielen mangelt es Mahle nicht. Was er an seinem Sport so mag: „Ich muss mich nicht vergleichen.“ Allein das Erlebnis sei Erfolg genug. „Ich habe schon viel gesehen und erlebt. Ich bin zufrieden.“

*
Jürgen Mühling über …
…seinen allerersten Fallschirmsprung: „Ich bin eigentlich nicht der Härteste und Mutigste gewesen. Ich hatte damals den schönsten Schirm meines Lebens.“
… die ersten Sekunden im freien Fall: „Nach fünf bis sechs Sekunden ist man wieder klar.“
… die Faszination des Springens: „Der Respekt vor der Allmacht der Natur ist groß. Es beansprucht alle Sinne. Es ist toll, so viel erleben zu dürfen. Es wird nie langweilig.“
… seinen schönsten Sprung: „Den besten Sprung gibt es nicht. Du musst dich nicht festlegen, es ist jedes Mal ein neues Hochgefühl.“

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