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Ausmisten

Samstag, den 21. April 2018
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Irgendwann muss man sich trennen. Da kommt der Moment, wo man sagt: Nein, jetzt ist Schluss!
Wenn zum Beispiel der Klamottenschrank dermaßen überquillt, dass man eigentlich gar nicht in den Laden zu gehen braucht, weil eh kein Platz mehr ist. Aber dann schafft man eben mal Platz, und der Frühjahr ist die beste Zeit, um mal auszumisten.

Nachdem neulich schon die Kassetten dran glauben mussten (na gut, die fristen ihr Gnadenbrot im Keller), ging’s also diesmal an die Klamotten.
Dieses schöne T-Shirt, das ich mal geschenkt bekommen habe, selbst bemalt. Wegschmeißen? Kann man doch nicht, war doch ein Geschenk! Andererseits, es ist blass geworden, der Stoff nicht mehr schön. Also dann doch weg!
Und dann dieses tolle Shirt, das ich in New York gekauft habe. Erinnerungen! Aber andererseits ziehe ich es nicht mehr an. Also dann doch weg!
Dieser Pullover! In Blau, und es war mal ein schönes Blau. Wie gesagt: war. Und auch schon lange nicht an gehabt, und der Stoff ist auch hinüber. Also weg damit.

Letztlich war es doch ein sehr ordentlicher Stapel, der ausgemustert worden ist. Im Schrank war plötzlich wieder ein bisschen Platz, und der Gang zum C&A hatte wieder einen Sinn.

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Heiligabend, 18 Uhr

Montag, den 25. Dezember 2017
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Um kurz vor 18 Uhr fahre ich am Heiligabend zur Familienbescherung. Wenn ich das Auto vor der Garage parke und aussteige, dann höre ich die Oranienburger Kirchenglocken läuten. Aus dem Zentrum sind die Glocken der Nicolaikirche zu hören. Um Punkt 18 Uhr setzt das Geleut von St. Johannesberg ein – vom ehemaligen katholischen Kloster. Es ist das Weihnachtsläuten.

Besonders das Läuten von Johannesberg ist mit vielen Erinnerungen verbunden. Denn der Ton der Glocken hat sich seit meiner Kindheit nicht geändert. Früher läuteten sie um 6, 12 und 18 Uhr. Weil ich morgens nie mehr in Hörweite bin, weiß ich nicht, ob es das morgendliche Läuten noch gibt. Es ist ein Stück Nostalgie und vor allem Heimat.

Nun also, um 18 Uhr, stehe ich vor dem Haus und lausche dem doppelten Glockenläuten, halte zwei Minuten inne. Ich denke an die, die nicht mehr da sind, Streiflichter von früher.
Irgendwann setze ich mich dann in Bewegung, gehe ins Haus, um Weihnachten zu feiern.

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Traumtagebuch (137): Leipzig, und wir mittendrin

Sonntag, den 22. Oktober 2017
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(136) -> 1.5.2017

Leipzig am 9. Oktober. Wir fahren mit dem Auto über eine breite Straße. Vorn sehen wir plötzlich eine Reihe von Panzern. Dahinter wehen diverse China-Fahnen. “Heute ist der 9. Oktober”, sage ich. Das sei der Tag der Demos in Leipzig.
Wir fahren weiter, und immer mehr Menschen laufen auf der Straße herum.

Auf der rechten Seite der Straße wird gerade eine Nazi-Demo von Polizisten eingekesselt. Ich steuere das Auto drumherum, und wird es wird immer schwieriger, den vielen Menschen auszuweichen. Da hinten ist eine Gegendemo.

Wir sind zu Fuß unterwegs, wir sind zu viert – Teile meiner Familie und ich. Der Bahnhof ist schon in Sichtweite. Unsere Schritte werden schneller, als plötzlich kleine Gegenstände durch die Luft fliegen. Offenbar fangen die Demonstranten in den Blöcken an, sich zu bewerfen. Glücklicherweise werden wir nicht getroffen.
Vor uns ist der Bahnhof. Wir stehen vor dem Bahnhofstunnel. “Ist es gut, jetzt in diesen Tunnel zu gehen”, frage ich die anderen.

Eine Antwort gibt es nicht, ich wache auf.

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Die Wende brachte uns die B.Z. ins Haus

Freitag, den 6. Oktober 2017
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Meine erste Begegnung mit der B.Z. hatte ich am 10. November 1989. Damals titelte die Zeitung “Die Mauer ist weg! Berlin ist wieder Berlin!” Am Tag nach dem Mauerfall waren wir das erste Mal in West-Berlin, und damals war das natürlich DIE Schlagzeile.
Und irgendwie war die Boulevardzeitung damit zu einem Symbol geworden. Als wir das zweite Mal “rüber” fuhren, kauften wir uns die Zeitung. Erneut war eine fette Schlagzeile vorne drauf, und die Sache mit den fetten Schlagzeilen hat uns damals fasziniert. Immerhin gab es in der DDR ja keine Boulevardzeitung in dieser Machart.

Irgendwann gab es die B.Z. auch in Oranienburg zu kaufen, und ich kaufte sie jeden Tag. Die B.Z. war die erste (und eigentlich bis heute auch einzige) Tageszeitung, die ich mir tatsächlich so gut wie täglich kaufte. 60 Pfennig kostete sie anfangs.
Es dauerte einige Jahre, bis mein Interesse daran abebbte, in meiner Familie wurde sie jedoch noch sehr lange jeden Tag gekauft. ich finde sie inzwischen nicht mehr allzu spannend.

Jetzt feierte die B.Z. ihr 140. Jubiläum. Die erste Ausgabe erschien 1877, zwischen 1943 und 1953 pausierte das Blatt. Inzwischen läuft’s mit den Verkaufszahlen – wie überall – eher mau, sie kostet 1 Euro, und damit weit mehr als das Doppelte wie 1990.
Zum Geburtstag kaufte ich mir mal wieder eine Ausgabe mit dem Sonderhaft und einem Rückblick. Ein bisschen Nostalgie ist dabei. Herzlichen Glückwunsch!

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Fundbüro im Auto

Mittwoch, den 13. September 2017
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Manchmal hat es auch was Gutes, mal aufräumen zu müssen. Weil mein Auto eine Innen- und Außenwäsche bekam, musste ich ausräumen – radikal und alles.
Das war gut so, denn im Sommer war ich viel unterwegs, und es hatte sich einiges angesammelt, was ich nie ausgeräumt hatte.
So mussten endlich mal die Tageszeitungen aus Schwetzingen und Hannover vom Juli (!) raus. Außerdem die diversen Papierchen in den Seitenfächern der Autotür.

Andererseits: Man findet einiges wieder. Eine Postkarte, die ich verschollen glaubte – vom Mai. Sie tauchte wieder auf. Außerdem eine CD, die irgendwann mal runtergefallen und scheinbar verschwunden war. Diverse andere CDs, die im Kofferrarum in irgendwelchen Ablagekästchen lagen.
Es findet sich letztlich immer wieder alles an – man muss nur mal offensiv aufräumen.

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Garten mitten in der Großstadt

Montag, den 10. Juli 2017
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Wir hatten zu Hause immer einen eigenen Garten. Deshalb sind mir Gartensparten fremd. Aber Leute, die in Mietshäusern wohnen, möchten ja auch gern einen Garten haben (ich nicht).
Und so gibt es nun auch innerhalb meiner Familie Besitzer einer kleinen Parzelle in einer Gartensparte in Hannover.

Es ist eine eigene kleine Welt, die man durch ein großes Tor betritt. Wer rein kommt, verlässt die Großstadt. Grundstück liegt dicht an Grundstück. Meistens stehen Bungalows drauf. Einige recht klein und unscheinbar, aber einige sind echt schick zu kleinen Wohnungen ausgebaut worden.
Wobei ich mir gar nicht sicher bin, wie das ist mit den Gartengrundstücken. Ich kenne viele, das ist es nicht gern gesehen, dass man da ständig übernachtet, oft ist es sogar verboten. In Hannover ist das wohl nicht so – aber sicher bin ich mir da nicht.

Immerhin muss man sich an Regeln halten. Man muss dafür sorgen, dass das Grundstück von draußen einsehbar ist. Und man muss Gemüse anpflanzen. Das muss man sogar nachweisen, denn es gibt regelmäßige Begehungen. Man kann also doch nicht machen, was man will.
Die Enge der Sparten sorgt vermutlich sowieso dafür, dass man von den Nachbarn beäugt wird.

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Ausgesperrt, und der Schlüsseldienst nimmt sich Zeit

Freitag, den 7. Juli 2017
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Hätte eigentlich ein schöner Abend werden können, so ganz in Familie. Aber leider hat da jemand (nicht ich!) den Schlüssel in der Wohnung vergessen und die Tür zugezogen.
Immerhin gab es einen freundlichen Nachbarn, der ungelogen drei Stunden lang versuchte, das Ding aufzukriegen. So lernten wir uns immerhin alle näher kennen, und ich bin mir sicher, dass erstens meine Hilfsbereitschaft endlicher gewesen wäre und zweitens, dass meine Geduld nicht so strapazierfähig ist wie die des Nachbarn.

Irgendwann beschloss die Wohnungsbesitzerin, einen Schlüsseldienst anzurufen. Hannover hat ja viele davon, und der, der rausgesucht worden ist, versprach, in etwa 20 Minuten da zu sein.
Am Telefon waren es dann 40 Minuten. Das konnte uns aber nicht abschrecken, denn wir saßen ja eh schon lange genug auf der Flurtreppe oder auf dem nachbarlichen Balkon.

Nach 40 Minuten fragten wir beim Schlüsseldienst mal nach, wann er denn käme. Wir erfuhren, es habe (angeblich) irgendwo einen Notfall gegeben, und der Schlüsseldienstmann käme in etwa 30 Minuten.
Macht dann insgesamt 70. Und nicht 20, wie großkotzig im Internet dahingeschrieben.
Nach 70 Minuten war immer noch keiner da.

Inzwischen wurde ein Servicedienst der Gelben Seiten angerufen, was aber auch nicht so ganz einfach ist, weil die ja auch nur irgendwen vermitteln, und man weiß nicht genau, wer da kommt und was er kostet.
Nach 90 Minuten hieß es bei Dienst 1, dass er bald käme. Aber da hatte der Herr von den Gelben Seiten uns schon jemand anderen vermittelt, der gleich bei uns anrief – und nach 7 (!!) Minuten da war.
In der Zwischenzeit hatten wir Dienst 1 storniert, was aber Dienst 1 nicht wahrhaben wollte und trotzdem irgendwann – nach 105 Minuten – vor der Tür stand und 20 Euro Gebühren haben wollte – nebst 50 Euro Stornogebühren. Nicht wirklich.
Zu dem Zeitpunkt waren wir längst in der Wohnung, weil ja Dienst 2 sehr fix war.

Es war dann übrigens schon 1.30 Uhr. Den Abend hatte ich mir anders vorgestellt.