RTelenovela

Mitreden – Der Brunchtalk (7)

Montag, den 5. August 2013
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(6) -> 25.3.2013

So langsam kommt der Wahlkampf in die heiße Phase. Sieben Wochen vor der Bundestagswahl war unser Brunchtalk im Kremmener Theater “Tiefste Provinz” ein Politikspecial.
Und weil wir Gregor Gysi, den Fraktionsvorsitzenden der Linken im Bundestag, bei uns zu Gast hatten, war das Ganze auch schon lange ausverkauft. Allerdings kam Gysi ein paar Minuten zu spät. Er war im Stau auf der A10 steckengeblieben, die Polizei musste ihn erst da raus holen. Man habe ihn mit einer Drohne da raus geholt, sagte er scherzhaft. Interessant und unterhaltsam berichtete er über seine politische Arbeit.

Ihm zur Seite saßen zwei Herren, die erst noch in den Bundestag wollen. Max Koziolek (23) aus Falkensee tritt für die FDP im Havelland an.Zu den Liberalen sei er gekommen, weil die am ehesten seine Standpunkte vertreten würden. Er ist für die Abschaffung des Solidaritätsbeitrages und findet es nicht schlimm, wenn er nur einen zeitlich gebundenen Arbeitsvertrag hätte – was die Kremmen mit Buh-Rufen quittierten.
Hans-Georg Rieger sitzt im Stadtparlament von Rheinsberg und will als Unabhängiger in den Bundestag. Er kommt aus Schwaben, und das hört man. Er ist gegen das Berufsbeamtentum und will, dass man sich endlich um die Langzeitarbeitslosen kümmern solle.

Harald Baumer arbeitet für die “Nürnberger Nachrichten” als Berlin-Korrespondent. Die Arbeit der Politiker sei schwieriger geworden, findet er. Sie müssten sich mit immer komplizierteren Dingen beschäftigen.
Musik im Programm hatten wir diesmal auch wieder: Die Kreisstadthelden aus Oranienburg brachten zwei ihrer Songs.

Es war eine muntere, spannende und manchmal erhellende Runde. Gysi und Koziolek debattierten auf eine interessante Weise, Rieger brachte die etwas andere Note ins Spiel, Baumer sorgte für den Blick von der anderen Seite.
Gut 20 Minuten haben wir wieder überzogen, aber das war es wert. Weiter geht es am 6. Oktober.

RTelenovela

Bahnbekanntschaften (72): Die Entführung der RB12

Mittwoch, den 12. Juni 2013
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(71) -> 29.1.2013

Wenn der Zug plötzlich in die falsche Richtung fährt, dann wird der aufmerksame Bahnkunde unruhig. Eigentlich sollte die Regionalbahn 12 von Berlin-Gesundbrunnen aus nach Oranienburg fahren – Richtung Norden. Als der Zug aber rückwärts aus dem Bahnhof fuhr, war die Überraschung groß.

Zugbegleiter haben normalerweise Ahnung von der Strecke, die sie uns Bahnkunden begleiten. Der Mann, der diesen Job am Dienstagabend ausübte, war leider nicht so ganz auf der Höhe.
Als ich in den Zug stieg, bemerkte ich auf dem gegenüber liegenden Gleis, dass der in Gesundbrunnen endete Zug zehn Minuten Verspätung hat – und auf diesen RE5 müssen wir warten, wegen der Anschlussreisenden.
Ich fragte den Zugbegleiter, ob ich das richtig sehe, dass unser Zug nicht 23.02 Uhr, sondern frühestens 23.10 Uhr losfährt. Nein, sagte der Zugbegleiter, der Zug fahre um 23.02 Uhr. Aha.
Dann sagte der Zugbegleiter, dass wir wegen einer Baustelle außen herum fahren müssten, also über Spandau, Falkensee und Hennigsdorf. Wann wir denn dann in Oranienburg ankommen, fragte ich den Zugbegleiter. Um 23.22 Uhr, sagte der Mann. Ich antwortete, dass ich das bezweifele.

Eine gute Minute später, kam die Ansage des Lokführers aus den Lautsprechern, dass unser Zug etwa zehn Minuten später losfahren würde, wegen der Anschlussreisenen im verspäteten RE5. Der Zugbegleiter reagierte darauf nicht. Ich hatte also recht. Aber wahrscheinlich denkt ein Zugbegleiter da nicht so mit.
Viele Leute saßen in dem Zug, weil auf der S-Bahn-Strecke nach Oranienburg ein Schienenersatzverkehr eingesetzt wurde. Vom Regen in die Traufe.

23.09 Uhr. Der RE5 fährt ein und genau null Reisende steigen aus diesem Zug in unseren. Aber schön, dass wir gewartet haben.

23.11 Uhr. Unser Zug fährt los. In die falsche Richtung. Die Leute sind ratlos. Was mir der Zugbegleiter unter vier Augen mitteilte, hat allen anderen Fahrgästen leider niemand gesagt. Die Deutsche Bahn interessiert es nicht, dass ihr Kunden denken, ihr Zug fahre zum falschen Ziel. Der Zugbegleiter hält es nicht für möglich, alle Leute zu informieren. Einige witzeln, dass wir doch hoffentlich nicht entführt werden. Stattdessen teile ich mein Wissen mit den anderen Leuten. Die sind empört, denn auch sie wissen, dass die Strecke über Spandau sehr, sehr viel weiter ist als direkt nach Oranienburg. Nur der Zugbegleiter weiß das nicht.

23.22 Uhr. Eigentlich hätten wir jetzt in Oranienburg ankommen sollen. Wir sind in Spandau. Langsam rollen wir durch den großen Bahnhof.
Seegefeld, ein Stadtteil von Falkensee. Ich hätte nicht gedacht, dass ich diese Strecke noch mal erleben werde. Als der RE5 noch nicht über Gesundbrunnen fuhr, nahm er auch diese weitläufige Strecke – lang’ ist’s her.

23.32 Uhr. Finkenkrug. Die Frau mir gegenüber hat keine Ahnung, was und vor allem wo Finkenkrug ist. Immer noch ein Stadtteil von Falkensee.
Wir tuckern durch die Dunkelheit, irgendwo vor Hennigsdorf werden wir während der Fahrt von einem Güterzug überholt.

23.56 Uhr. Wir erreichen Lehnitz. Die spannende Frage ist: Werden wir heute noch Oranienburg erreichen?
0.00 Uhr. Oranienburg. Der Zugbegleiter lag ein wenig falsch in der Annahme, dass wir auf der Ausweichstrecke genauso schnell am Ziel sind wie auf dem direkten Weg. Wir brauchten mehr als doppelt so lange. Aber so was kann ein Zugbegleiter ja nicht wissen. Am Ende hatten wir 38 Minuten Verspätung. Selbst mit dem SEV bei der S-Bahn wären wir schneller am Ziel gewesen. Die Bahn hat sich wieder viele Freunde gemacht.

RTZapper

Heimatkunde – Zu Fuß um die deutsche Hauptstadt

Freitag, den 6. November 2009
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DO 05.11.2009 | 23.25 Uhr | rbb

Es ist gut, wenn sich der Vorsitzende der deutschen Partei “Die Partei” noch für sein potenzielles Wählervolk interessiert. 18 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung spazierte Martin Sonneborn im Jahr 2008 in vier Wochen rund um Berlin und betrieb “Heimatkunde”.
Und es ist erstaunlich, was die berlin-brandenburgische Grenze alles zu bieten hat. Kleingärtner, Reihenhausbewohner, Nudisten, Imbissbudenbesitzer, Asylanten, Religiöse.

Im Kreis Teltow-Fläming, in Großbeeren, stieß er auf eine Siedlung, in der die Reihenhäuser alle gleich aussehen. Seltsam trist. Furchtbar. Und kein Ossi weit und breit. “Hier sollen Ostdeutsche wohnen”, meint Sonneborn und stößt auf Verwunderung.

In Hohen Neuendorf wundert er sich über die Himmelspagode und trifft an der Tankstelle am Stadtrand auf eine Gruppe Jugendlicher. Seine Bockwust darf er allerdings nicht auf das Auto eines jungen Mannes stellen. Aber er kommt mit ihm ins Gespräch. Als die Mauer fiel, fand der 1978 Geborene, dass der westen gar nicht so anders aussah, als der Osten. Frohnau sei auch nicht bunter gewesen als Hohen Neuendorf. Er habe nur schöne Erinnerungen an die DDR.
Im Hintergrund blinkt der Funkturm von Berlin-Frohnau, der im Februar 2009 gesprengt wurde.
Der Wahnsinn zeigt sich dann im Kofferraum eines weiteren OHV-Autos. Eine Musikanlage, Wasserspiele, ein Quietscheentchen und eine Art Monitor. Kunst, Kultur und Musik. Skurril.

In der Invalidensiedlung in Berlin-Frohnau sucht Sonneborn nach – na klar – Invaliden. Er trifft auf eine Frau, dessen Grundstück bis 1990 direkt an der Mauer lag. Davor stand ein acht Meter hoher Grenzturm, die Grenzer konnten in den Garten der Frau sehen, die nun schon 40 Jahre in der Siedlung wohnt.

Weiter nach Stolpe-Süd. Der bedrückenste Teil der Doku.
Ein umzäuntes Gelände und ein Wachmann, der nicht verraten will, um was für eine Einrichtung es sich dabei eigentlich handelt. Ob man ihm nicht gesagt habe, was er denn bewache, fragt Sonneborn. Und: Wofür er es denn halte. Der Wachmann antwortet, er sei nicht befugt etwas zu sagen. Dabei, wollte doch Sonneborn nur wissen, was er da sieht. Aber die Angestellten der Wachschutzfirma beziehungsweise des Asylantenheimes in Stolpe-Süd scheinen Schiss zu haben, irgendjemandem auch nur die geringste Angriffsfläche zu bieten.
Aber Sonneborn fand schließlich einen Palästinenser, der ihn mit auf sein Zimmer nahm. Seit fünf Jahren wohnt er im Heim. Im 15 Quadratmeter kleinen Zimmer. Nach Berlin, wenige Meter entfernt, darf er nicht. In die Heimat auch nicht, er hat keinen Pass. Arbeiten darf er auch nicht. Eine Wohnung bekommt er auch nicht. Dafür aber 40 Euro Taschengeld im Monat.

In Schönwalde-Siedlung trifft er auf lauter Jauchewagen der Awu, die an einem Imbiss stehen. Ein beißender Geruch, der wohl nicht nur von der Fritteuse komme, wie Sonneborn anmerkt. Die Jauchefahrer kommen auch öfter beim Imbiss vorbei, um das Abwasser, die Jauche abzupumpen. Anders funktioniere das in dem Teil der Siedlung nicht, so die Imbissfrau.
Aber der Aufschwung komme: Zwei Kreisverkehre und ein Yachthafen seien geplant. Jetzt, 2009, gibt es sie jedenfalls noch nicht.

In der Döberitzer Heide trifft Sonneborn mitten im Nichts auf einen betenden Herrn. Er muss erst seinen Gott fragen, er ob dem Filmwanderer dessen Namen nennen darf.

Zu guter Letzt diskutiert Sonneborn mit den Besitzern eines Chinalokals in Falkensee-Finkenkrug darüber, dass sich die chinesen um das deutsche Rentensystem sorgen.

“Heimatkunde” ist ein sehr spannendes Filmporträt über die Menschen in Berlin und Brandenburg. Ihre Sorgen, ihre Probleme, irgendwie auch ihre Piefigkeit, Grobheit. Aber wenn man mit ihnen redet, kommen viele fesselnde Gespräche heraus. Denn das macht den Film aus: Sonneborn nimmt die Leute ernst. Er fragt pointiert, aber ernsthaft, will wirklich etwas von den Menschen wissen, vielleicht auch von ihnen lernen.
Und deshalb war “Heimatkunde” auch genug das, was der Titel versprach.

RTelenovela

In Falkensee liegt mein Lieblings-Rewe in Trümmern

Mittwoch, den 22. Juli 2009
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Als ich heute Morgen im Radio die Nachricht hörte, dass in Falkensee das Dach eines Supermaktes eingestürzt ist, wurde ich schon hellhörig. Ich habe mehr als zwei Jahre in Falkensee gearbeitet. In den Berichten fiel nie der Name der Supermarktkette, selbst im Interview mit Bürgermeister Müller nicht. Nur einmal, als es hieß, dass das Unglück gegen 22.20 Uhr passierte, 20 Minuten nach Ladenschluss, kam ich ins Grübeln. Rewe hat immer bis 22 Uhr geöffnet.
Und tatsächlich: Im Büro klickte ich mich ins Internet: Das Dach von Rewe im Akazienhof ist eingestürzt. Meine Vorahnung war richtig.
Verletzt wurde niemand, nur noch der Marktleiter war da.

Bei Rewe schräg gegenüber des Falkenseer Büros ging ich immer am liebsten einkaufen. Dort gab es beispielsweise die Schälchen mit dem leckeren Möhrensalat.
Ein bisschen überrascht war ich, als ich erfuhr, dass der Akazienhof mit dem Rewe-Markt erst sechs Jahre alt war. Ich fand eigentlich immer, dass das Areal sehr viel älter aussah.
Jetzt ist mein Falkenseer Lieblingssupermarkt nur noch ein Trümmerhaufen. Gut, dass niemand darin umgekommen ist. Die Zeit des Einsturzes, kurz nach Ladenschluss ist nicht mehr und nicht weniger als Glück im Unglück.

aRTikel

Bahnfans mit leuchtenden Augen

Montag, den 18. Mai 2009
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Wirtschaft: Zehntausende Brandenburger nutzten den „Tag des offenen Unternehmens“ für Firmenbesuche

MAZ, 18.5.2009

Trotz oft schlechten Wetters strömten die Brandenburger in die Betriebe. Etwa 500 Firmen beteiligten sich.

POTSDAM
Eisenbahnexperten unter sich. Ein Dialog zwischen einem Vater und seinem etwa zehnjährigen Sohn, aufgeschnappt in einem ausgestellten Eisenbahnwaggon: „Papa, ist das hier ein 422?“ „Nein, das ist ein 442.“ Der Sohn schüttelt skeptisch den Kopf: „Aber der 442er, mit dem ich gefahren bin, hatte keine Toilette.“
Solche Gespräche waren am Sonnabend auf dem Gelände des Schienenfahrzeugherstellers Bombardier-Transportation in Hennigsdorf (Oberhavel) häufig zu hören. Mit leuchtenden Augen schlenderten vor allem große und kleine Männer an den Werkshallen, den alten Lokomotiven und den modernen Eisenbahnwaggons vorbei. Das Unternehmen war eines von landesweit fast 500, die am Sonnabend zum „Tag der offenen Unternehmen“ einluden: von der „A bis Z Oberflächenveredelung“ in Zehdenick (Oberhavel) bis zu „Zweirad-Hübner“ in Cottbus .
Regen, Wind und nasskaltes Wetter können die Brandenburger an diesem Sonnabendvormittag nicht schrecken. Trotz dunkler Wolken pilgern sie zu Zehntausenden zu den vielen Firmen, die sich präsentieren. „An diesem Tag geht es auch um die Zukunft nach der Krise“, gibt Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) am Morgen beim Besuch der Elektro-Firma Gottschalk in Prenzlau (Uckermark) gewissermaßen das Motto vor.

Von einer Krise ist auf dem Bombardier-Gelände in Hennigsdorf wenig zu spüren. „Die Leute sollen sich davon überzeugen, dass wir ein faszinierendes Werk haben“, sagt Standortleiter Marc Diening vor den Besuchern auf der Festwiese. Er verweist darauf, dass in Hennigsdorf nicht nur Züge gebaut, sondern auch neue entwickelt würden. Mit etwa 2000 Beschäftigten ist Bombardier einer der größten Arbeitergeber Brandenburgs. „Wir bekennen uns zu der gewaltigen Verantwortung, die wir in der Region haben“, so Diening weiter. Währenddessen reißt der Himmel über Hennigsdorf auf, die Sonne kämpft sich durch.
Karl Völker aus Berlin steht mit seinem Enkel vor einer Traditionslok. Großes Staunen. „Die Kinder sind neugierig“, sagt der ehemalige AEG-Angestellte und kann nicht verhehlen: „Aber auch ich finde es hier sehr interessant.“ Am beeindruckendsten findet er die Sauberkeit in den Hallen. „Früher war es hier sehr viel dreckiger“, sagt Völker und läuft langsam weiter. Auf der Festwiese wurden in der Zwischenzeit die ersten Testfahrten auf diversen Loks verlost. Einmal im Führerstand die Knöpfe drücken – ein Traum für viele und ein Mekka für Eisenbahnfans.

Im Bäckerhandwerk ist von den schwierigen Zeiten momentan auch wenig zu spüren. In Falkensee (Havelland) jedenfalls entstand auf dem Gelände des Biobackhauses an der Bahnhofstraße erst vor einigen Monaten ein Hallenanbau. Die Kapazität reichte nicht mehr aus. Allein 3500 Brote und 20000 Brötchen werden dort pro Tag gebacken. 120 Leute sind im Biobackhaus mit seinen neun Filialen beschäftigt.
Die achtjährige Sarah nutzt die Gunst der Stunde und probiert sich an einem Teigschneckchen. Auf den ersten Blick recht einfach: den Teig kneten und rollen, so dass vier kleine, längliche Würstchen entstehen sollten. „Eigentlich möchte ich Tierpflegerin werden“ sagte Sarah, während sie sich mit dem Teig abmüht. Helfen lassen will sie sich nicht, das wäre schließlich gegen ihre Ehre. Als aber aus dem als Schneckchen geplanten Backwerk allmählich ein Türmchen wird, greifen die Profibäcker dann doch kurz ein.
„Wir möchten die Leute überraschen“, sagt Bäckermeister und Firmengründer Hans-Jürgen Leib. „Viele denken, wir sind nur ein kleiner Laden, dann kommen sie aber zu uns nach hinten und sehen, was alles dahinter steckt.“ Die Neugierde scheint groß zu sein: Allein bis zum Mittag kommen etwa 50 Neugierige in die Falkenseer Bäckerei.

Doch nicht überall ist der „Tag des offenen Unternehmens“ ein Erfolg. Beatrice Barenthin wartet in ihrem Friseurgeschäft an der Karl-Marx-Straße in Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin) an diesem Vormittag vergeblich auf Gäste, die sich über Haarschneidetechniken und Berufschancen informieren wollten. „Bei uns waren bislang nur die üblichen Kunden“, sagt Barenthin, und die Enttäuschung ist ihr anzumerken. „Wir hatten Plakate aufgehängt und Flyer verteilt.“ Woran liegt es, das trotzdem niemand kommt? „Ich denke, viele sind heute bei den Jugendweihen“ mutmaßt Barenthin. „Vielleicht ist das Interesse aber auch nicht vorhanden.“ Was jedoch nicht bedeutet, dass es in Neuruppin einen Mangel an Azubi-Anwärtern gäbe. Vier bis fünf Lehrlinge stellt die Friseurgenossenschaft, zu der Beatrice Barenthins Geschäft gehört, jährlich ein, im „Juniorsalon“ dürfen die angehenden Friseure die Haare der Kunden schneiden.
Ob das Geschäft noch einmal am „Tag der offenen Unternehmen“ teilnimmt, ist noch unklar: „Mehr als präsent zu sein, können wir nicht“, sagt Beatrice Barenthin.

aRTikel

Schönwalde punktet, Ketzin muss nacharbeiten

Freitag, den 24. April 2009
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Teil 1 -> 18.4.2009

Internet: Der MAZ-Test: Wie präsentieren sich die Städte und Gemeinden des Osthavellandes auf ihren Homepages? / Teil 2

MAZ Falkensee, 24.4.2009

Wie aktuell und übersichtlich sind die Internetseiten der Städte und Gemeinden im Osthavelland? Die MAZ vergibt Schulnoten.

HAVELLAND
Gemeinsam mit dem Softwareentwickler Jörg Stöber schaute sich Robert Tiesler auf den örtlichen Internetseiten um. Nachdem im ersten Teil bereits Brieselang, Dallgow-Döberitz, Falkensee und Friesack ihre Noten erhalten haben, folgt heute der zweite Teil.

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Ketzin
www.ketzin.de

Layout: Das Design ist schlicht und optisch wenig ansprechend. Der Nutzer stößt eher zufällig auf die Begrüßung des Bürgermeisters unter „Verwaltung“ und „Begrüßung“. Die Seite ist zwar nicht unübersichtlich, aber manche Links der Hauptnavigation führen zu fremden Seiten, die sich auch nicht nur auf Ketzin beziehen.

Nutzwert: Nicht immer aktuell. Einige Ausschreibungen sind von 2007. Politisch ist die Seite aber auf neuestem Stand, auch die Amtsblätter sind zu finden. Die Termine wurden bis zum Jahresende 2009 vorgetragen. Unklar ist, ob sie später noch überarbeitet werden, falls etwas ausfällt. Nette Zugabe: das Wetter in Ketzin.

Barrierefreiheit: Das Programm Flash ist zwingend erforderlich, sonst lässt sich die Seite nicht bedienen, weil die Navigation fehlt. Für einige Rechner ist die Seite somit nicht nutzbar. Barrierefreiheit ist absolut nicht gegeben, weil die Seite dafür zu kompliziert aufgebaut ist.

Noten: Inhalt 2,5
Umsetzung 6

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Nauen
www.nauen.de

Layout: Mittelmaß. Es werden teilweise kontrastarme Schriften verwendet, die schwer zu lesen sind. Die Navigation ist unklar. Die Unterpunkte sind unscheinbar im oberen Teil, eine dritte Navigationsleiste erscheint im Fuß. Auch hier findet der Nutzer die Begrüßung nur zufällig.

Nutzwert: Der Besucher wird mit dem Schriftzug „Funkstadt Nauen“ begrüßt. Weshalb wird Nauen so genannt? Inhaltlich geht die Seite auf solche Fragen nicht ein. Die Terminliste erscheint außerdem unübersichtlich. Bei wiederkehrenden Events werden unklare Daten eingegeben. Ein zweiter Veranstaltungskalender steht unter „Kultur“ und „Freizeit“. Der ist wenig hilfreich, da dort nur Tage ohne Orte und Uhrzeiten angegeben sind. Schön ist der Altstadtbummel mit neuen und alten Fotos.

Barrierefreiheit: Der Nutzer muss erst den Popupblocker ausschalten, um die Seite ansehen zu können. Sie ist kompliziert aufgebaut, besteht aus vielen Tabellen und ist damit nicht barrierefrei. Die Einzelseiten sind auch nicht extra nach ihrem Inhalt ausgezeichnet, was die Orientierung auf der Seite erleichtern würde. Gut dagegen ist die vorhandene Textversion.

Noten: Inhalt 3
Umsetzung 4,5

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Schönwalde-Glien
www.schoenwalde-glien.de

Layout: Die Startseite ist originell. Die Rubriken sind übersichtlich und klar strukturiert, es ist immer offensichtlich, wo sich der Nutzer gerade befindet.

Nutzwert: Die Informationen sind umfassend. Zu finden sind alle Ansprechpartner, Gesetzestexte und Paragrafen. Die Visitenkartendateien der Gemeindemitarbeiter können direkt in das eigene Mailprogramm übertragen werden. Im Bereich „Bürger“ erscheint der Titel der Rubrik „Lebenslagen“ etwas unbestimmt. Der Veranstaltungskalender ist bis Anfang 2010 geführt. Das Branchenbuch ist noch ausbaufähig. Interessant: die Einwohnerstatistik der Gemeinde – allerdings steht sie unter „Wirtschaft“. Kleines Manko: Es fehlen Bilder. Der Bürgermeister und die Sparkasse können doch nicht das einzige sein, was Schönwalde optisch zu bieten hat.

Barrierefreiheit: Überzeugend. Die Codestrukturierung ist auf der Höhe der Zeit, die Seite ist dadurch für Bildschirmleseprogramme optimiert, die auch Sehbehinderten die Nutzung ermöglichen. Alle Infos sind zu diesem Zweck korrekt ausgewiesen. Auch eine Schnellnavigation für solche Leseprogramme ist vorhanden.

Noten: Inhalt 1,3
Umsetzung 1,2

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Wustermark
www.wustermark.de

Layout: Ein Seitenkopf mit dem Ortsnamen fehlt. Nur das Wappen im oberen Teil der Seite deutet darauf hin, wo sich der Nutzer überhaupt befindet. Die Navigation auf der linken Seite ist unklar aufgebaut, in den Rubriken sind unter anderem „Veranstaltungen“, „Seniorenrat“ und „Rangierbahnhof Wustermark“ aufgelistet. Generell treten viele Unklarheiten auf. Während des Surfens weiß der Nutzer nicht, auf welcher Unterseite er sich gerade bewegt.

Nutzwert: Der Formularserver auf der Gemeindeseite enthält alle wichtigen Infos, inklusive E-Mail-Adressen der Ansprechpartner. Zudem gibt es alle wichtigen Daten zum Ort, zur Kommunalpolitik, Touristik und Wirtschaft.

Barrierefreiheit: Die Seite basiert auf verschachtelten Seiten und Tabellen. Leseprogramme haben damit Probleme. Nicht barrierefrei.

Noten: Inhalt 2,5
Umsetzung 5

aRTikel

Gute Noten für Brieselang, aber in Dallgow ist noch viel zu tun

Samstag, den 18. April 2009
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Internet: Der große MAZ-Test – Wie präsentieren sich die Städte und Gemeinden des Osthavellandes im Netz?

MAZ Falkensee, 18.4.2009

Wie aktuell und übersichtlich sind die Internetseiten der Städte und Gemeinden im Osthavelland? Die MAZ vergibt Schulnoten.

HAVELLAND
Acht Internetseiten unterzogen sich dem Test von Softwareentwickler Jörg Stöber und Robert Tiesler. Die Veröffentlichung erfolgt in alphabetischer Reihenfolge. In einer der folgenden Ausgaben finden Sie den zweiten Teil mit Ketzin, Nauen, Schönwalde-Glien und Wustermark.

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Brieselang
www.gemeindebrieselang.de

Layout : Die Seite weist eine klare Gliederung auf, auch wenn sie manchmal ein wenig altbacken aussieht. An einigen Stellen, besonders bei vielen der Unterseiten, fallen Abweichungen vom eigentlichen Layout auf.

Nutzwert: Der Nutzer hat oft verschiedene Möglichkeiten, um den Inhalt zu finden, den er sucht. Die aktuelle Gemeindevertretung wird umfassend erklärt, jedoch fehlen noch die Beschlüsse von 2009. Ansonsten sind sie alle als PDF abrufbar. Auch der Rest der Seite ist ansonsten auf erfreulich aktuellem Stand. Auf der Terminseite fehlt gerade bei wiederkehrenden Veranstaltungen eine klare Übersichtlichkeit. Da liegt daran, dass scheinbar willkürlich Anfangs- und Endtage eingetragen wurden. Der Nutzer findet auf der Seite alle wichtigen Formulare, Satzungen und Amtsblätter. Nett: Bilder vom Erntefest und das „Bild der Woche“ auf der Startseite. Negativ: Der umständliche Name der Seite und die Gemeinde hat keine Rechte an der Seite www.brieselang.de.

Barrierefreiheit: In dieser Hinsicht eine sehr gute Seite. Die Codestrukturierung ist auf der Höhe der Zeit, für Screenreader optimiert. Alle Infos sind semantisch korrekt dargestellt mit Über- und Unterüberschriften. Eine Schnellnavigation für Screenreader ist vorhanden.

Noten: Inhalt: 1
Umsetzung: 2

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Dallgow-Döberitz
www.dallgow.de

Layout: Die Seite weist keine klare Struktur auf, ein Design ist im Prinzip nicht vorhanden, das Layout ist extrem schlicht. Die Navigation steht unübersichtlich im Seitenkopf. Die Seite kommt ohne Fotos aus – von Bürgermeister Jürgen Hemberger auf der Startseite mal abgesehen. Die Trennung zwischen den Kategorien „Termine“ und „Veranstaltungen“ ist unklar. Der Nutzer erkennt auf den ersten Blick keinen Unterschied, zumal selbst im Gästebuch weitere vereinzelte Terminhinweise zu finden sind.

Nutzwert: Die Termine sind auf dem aktuellen Stand, allerdings nicht sehr umfangreich. Wiederholungstermine werden am Ende der Seite aufgeführt, was somit durchaus übersichtlich ist. Der Nutzer findet umfangreiche Infos zur Verwaltung und Gemeindevertretung, auf den Seiten der Ausschüsse fehlen allerdings die Vornamen (Herr/Frau X). Die Linksammlung ist umfangreich, allerdings teilweise überholt und im Großen und Ganzen doch ziemlich willkürlich und überflüssig.

Barrierefreiheit : Diese ist nicht gegeben. Die Seite verwendet Frames (Teilbereiche) und wird in weitere Seiten aufgeteilt. Probleme können auftreten, wenn der Nutzer über die Suchmaschinen auf die falsche Seite kommt. Dann ist die Navigation nicht mehr erreichbar. Für Screenreader ist sie überhaupt nicht optimiert, es gibt keine semantische Auszeichnung der Inhalte.

Noten: Infos: 3
Umsetzung: 5

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Falkensee
www.stadt-falkensee.de

Layout: Der Slogan „Stadt im Aufwind“ schlägt sich im Internetauftritt leider nicht nieder. Es ist nicht sofort ersichtlich, was die Haupt- und was die Unternavigation ist, die Liste der verschiedenen Navigationslisten reicht bis zu fünf Ebenen tief. Da wird es unübersichtlich. Das Design ist ziemlich langweilig. Erstaunlich: Die barrierearme Version ist schöner.

Nutzwert: Einige Rubriken auf der Startseite bleiben unklar: Unter der Überschrift „Veranstaltungen“ stehen auch allgemeine Nachrichten. Außerdem gibt es noch eine Extrarubrik: „Meldungen aus Falkensee“ Dort wiederum tauchen auch Veranstaltungshinweise auf. Der eigentliche Veranstaltungskalender befindet sich jedoch unter der Rubrik „Kultur & Sport“. Daneben gibt es alle wichtigen Infos aus der Stadtverwaltung und der SVV, allerdings nur als PDF. Ein nettes Gimmick: Falkensee aus der Luft.

Barrierefreiheit: Die barrierefreie Version der Seite ist auch für nichtbehinderte Menschen zu empfehlen, sie ist schöner als das Original. Barrierearmut ist gegeben.

Noten: Infos: 2
Umsetzung: 3

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Friesack
www.amt-friesack.de

Layout: Die Seite macht zumindest keinen unmodernen Eindruck. Sie wirkt relativ übersichtlich. Sie teilt sich in verschiedene Bereiche mit eigenen Navigationen auf, der Nutzer kommt nur über Dropdownliste wieder zurück. Dafür, dass Ämter, Gemeinden und Ortsteile eingebunden sind, ist die Seite dennoch recht übersichtlich.

Nutzwert: Die Seite ist nicht optimiert für Suchmaschinen und kämpft mit extrem veralteten Versionen von www.friesack.de in den Ranglisten. Somit ist auch nicht gleich ersichtlich, welche der diversen Friesack-Seiten die richtige ist. Auffallend ist der umfangreiche Formularserver zum Runterladen. Zu finden sind alle Infos des Amtes sowie weitergehende Informationen zu den Städten und Gemeinden im Amt.

Barrierefreiheit: Ohne ein Programm, das Javascript entschlüsselt, ist die Seite nicht benutzbar. Einige Rechner unterstützen kein Java, manche Nutzer deaktivieren es wegen der Sicherheit. Es fehlt ein Hinweis auf Notwendigkeit von Java. Barrierearmut ist somit praktisch nicht gegeben. Die Verwendung von Frames (Teilbereiche), die Aufteilung der Seite in mehrere verschiedene Seiten erschwert die Nutzung. Probleme können auftreten, wenn man über die Suchmaschinen auf die falsche Seite kommt. Das Navigieren wird dann schwerer. Auch der Kontrast der Schriften ist mitunter mangelhaft.

Noten: Inhalt: 1
Umsetzung 3,5

Von Berlin in die weite Welt des Havellandes
Internet: Jörg Stöber testete acht Homepages

MAZ Falkensee, 18.4.2009

HAVELLAND
In Schönwalde-Glien ist die Internetseite der Gemeinde vor einigen Wochen neu gestaltet worden. Auch in Brieselang hat sich einiges getan. In Nauen und Wustermark arbeitet die Verwaltung an der Aktualität. Die Ketziner wollen noch 2009 ihre Seite überarbeiten. Gemeinsam mit dem Berliner Softwareentwickler Jörg Stöber schaute sich MAZ-Volontär Robert Tiesler auf den Internetseiten der Städte und Gemeinden im Osthavelland um.
Acht Adressen standen auf dem Zettel von Jörg Stöber. Der 28-Jährige untersuchte fast fünf Stunden lang die Internetseiten von Brieselang, Dallgow-Döberitz, Falkensee, Friesack, Ketzin, Nauen, Schönwalde-Glien und Wustermark. Der Test erfolgte in den Kategorien Layout und Übersichtlichkeit, Nutzwert und Aktualität sowie Barrierefreiheit.
Letztere ist seit einem Jahr ein großes Thema: „Die Barrierearmut auf den Internetseiten ist gesetzlich vorgeschrieben“, sagte Jörg Stöber. „Minderheiten dürfen nicht ausgeschlossen werden.“ Allerdings weiß er, dass die Umsetzung schwierig ist, wenn eine Gemeinde nicht viel Geld hat. „Die Seite hat dann auch einen erhöhten Pflegeaufwand.“ Drei der acht Homepages waren so gut wie barrierefrei. Die Hälfte der überprüften Internetseiten schnitten gut ab. „Der Rest ist in Sachen Layout noch auf einem sehr alten Stand“, so Jörg Stöber. „Friesack schien mehrere Anläufe gebraucht zu haben, bis dort eine brauchbare Seite entstanden war.“ Er rät den Friesackern dringend, die alten Versionen, die sowohl inhaltlich als auch von der Aufmachung keinen Standard mehr erfüllen, abzuschalten.
Stöber hat bei seiner Arbeit generell die Erfahrung gemacht, dass nach der Jahrtausendwende viele schlechte Seiten entstanden sind. „Zur Boomzeit rund um das Jahr 2000 schwammen alle auf der Webseitenwelle.“ Für viel Geld seien schlechte Internetauftritte abgeliefert worden.
Jörg Stöber ist Diplomkaufmann, sein Wissen über Computer und das Internet verschaffte er sich im Nebenstudium. Er ist einer von zwei Gesellschaftern der Firma Escriptum und entwickelt vor allem Software.