RTZapper

Das war 2017!

Sonntag, den 31. Dezember 2017
Tags: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

I bims, und hier kommt schon wieder der Jahresrückblick, vong Silvester her.
Nein, nein, das Jahr 2017 hat mir nicht das Hirn eingefroren. “I bims” ist aber das Jugendwort des Jahres, und die dazu passenden “vong … her”-Nachsätze gehören auch zur Jugendsprache. Soll wohl den verkürzenden und fehlerhaften Internet-Chat-Sprech darstellen, und es gibt Leute, die das lustig finden.
Ach, überhaupt das Internet. Was in den sozialen Netzwerken abgeht, das ist nicht mehr feierlich. Da kotzen sich die Wutbürger überall da aus, wo es auch nur entfernt um Politik geht. Man könnte meinen, Deutschland ist zur Wuthochburg verkommen, aber es ist wohl eher so, dass alle anderen sich immer mehr zurückziehen und sich gar nicht mehr äußern. Was auch nicht gut ist. Mehr und mehr wird Pöblern der Platz überlassen – immer mehr angefeuert durch die AfD, und die “Bild” macht auch immer gern und fleißig mit.

2017 war geprägt von einem Schwarz-Weiß-Denken. Entweder ist alles gut oder alles schlecht. Zwischentöne? Werden oft vermisst. Donald Trump ist US-Präsident, und alle, die nicht das berichten, was er für die Wahrheit hält, bezeichnet er als Fake-News. Er liefert sich einen Kampf mit den US-Medien, verbreitet seine Weisheiten lieber über Twitter.
Ein anderer Diktator tobt sich in der Türkei aus. Aus fadenscheinigen Gründen werden Journalisten, Menschenrechtler und andere Menschen festgenommen, die aus Sicht von Staatschef Erdogan schlecht für die Türkei seien. Der deutsch-türkische Journalist und Türkei-Korrespondent der WeltN24-Gruppe, Deniz Yücel, sitzt seit weit mehr als 300 Tagen in Haft – #freeDeniz.

Eine harte Debatte wird auch um die Öffentlich-Rechtlichen Sender geführt. Insbesondere zwischen den Zeitungsverlagen und ARD/ZDF gibt es Streit darüber, was die Sender im Internet machen dürfen und was nicht. Der Lobbyist Matthias Döpfner, Vorstandsvorsitzender von Axel Springer und Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger, schießt gegen ARD und ZDF, nennt sie Staatsfunk, obwohl er es besser wissen müsste. Er sieht die Presse in Gefahr, wenn auch die ARD Texte auf ihren Internetseiten verbreitet. Aber auch der Ton unter den Zuschauern ist rauer geworden. In den sozialen Netzwerken kübeln Pöbler Häme über die Öffentlich-Rechtlichen aus, schimpfen über die angeblichen Lügenmedien, Staatssender und über die angebliche Regierungslinie.
Allerdings geben ARD und ZDF den Kritikern auch immer wieder Futter. Gerade im Umgang mit der AfD tun sich viele Journalisten noch schwer. Statt mit Fakten bloßzustellen, geht es scheinbar oft immer noch um eigene Befindlichkeiten. Da werden Sätze aus dem Zusammenhang gerissen und zu Skandalen aufgeblasen.
Was aber die AfD auch sehr gut kann – und sich zum Opfer zu machen. In einer ZDF-Wahlsendung verließ AfD-Frau Alice Weidel die Arena, als sie kritische Fragen zu hören bekam. Als sie sagte, dass die Zeit der politischen Korrektheit vorbei sei, und sie in der NDR-Satiresendung “extra 3″ daraufhin als Nazi-Schlampe betitelt worden ist, da war die Zeit der politischen Unkorrektheit offenbar auch schon wieder vorbei. Weidel klagte. Und bekam kein Recht.
Dennoch und gerade wegen des Hypes und die vielen Skandalisierungen – die AfD schaffte es im September in den Bundestag, und die Medien müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, daran zumindest eine Mitschuld zu haben.

Es war ein politisches Medienjahr. Auch wegen der Bundestagswahl. Die hat SPD-Chef Martin Schulz in nicht ganz so guter Erinnerung. Was vielleicht auch daran lag, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel ständig mehr Redezeit bekommen hat als er. Für Inhalte hatte er da nicht immer so viel Zeit – weil er sich darüber ja erst mal mokieren musste.
Bei Sat.1 hat man sich ab eh lieber damit beschäftigt, ob FDP-Chef Christian Lindner scharf ist und ob die Linke Katja Kipping irgendwie auf ihn stehen könnte.

Zeiten ändern sich. Auch im Sport. Als in Dortmund ein Anschlag auf den Bus der Fußballer von Borussia Dortmund verübt wird, wird aus Sky Sport News plötzlich ein Nachrichtensender im Breaking-News-Modus.
In der Pause des DFB-Pokal-Finales wollten die Fußballfunktionäre mal ein bisschen US-Entertainment-Luft schnuppern. Ganz im Sinne der Halbzeitshow beim SuperBowl gab es das beim Fußball erstmals auch. Mit Helene Fischer. Fanden die Fans eher so mittel.
Überhaupt, der Fußball: Die Bundesliga zerbröselt immer mehr. Nun sind nicht nur Sky und die ARD an Bord oder das ZDF und Sport 1. Auch Eurosport hat ein paar Rechte (wenn der Player mal funktioniert) und bei Nitro laufen montags auch noch ein paar (bislang weitgehend unbeachtete) Häppchen.
Niki Lauda hat sich vor laufenden RTL-Kamera und unerwartet als Formel-1-Co-Moderator verabschiedet. Und hinterließ einen verstörten Florian König. Nico Rosberg wird sein Nachfolger.
Ach ja, und da dann war ja noch Handball-WM. Hat aber kaum jemand sehen können, weil sich der Rechteinhaber belN sich mit keinem Sender einigen konnte – weder mit ARD und ZDF, noch mit Sky. So liefen die Spiele auf Youtube im Internet, aber der Seite einer Bank. Auch mal was Neues.

Apropos kleines Publikum: Es wird immer schwerer für die Sender, Serienhits zu landen. Selbst hochgelobte Serien wie “This is us” floppen, und es gibt noch viele mehr davon, die als Disaster abgebucht werden müssen. Der hochgelobte “Mr. Robot” hatte bei Nitro quasi keine Zuschauer. Es scheint, dass sich das Seriengeschehen mehr und mehr bei Amazon und Netflix abspielen. Auch deutsche Serien wie “Dark” oder Schweighöfers “You are wanted” laufen nicht im Fernsehen (oder ist im ORFeins in Österreich gefloppt), sondern bei den Streaminganbietern. Ob “Berlin Babylon” ein Hit ist, wissen wir auch erst im Herbst 2018. Die Co-Produktion zwischen Sky und ARD lief bislang nur im Pay-TV. Der Jubel ist groß – aber das muss ja nichts heißen.
Dennoch: Langsam kommt für das Fernsehen die Wende. Angebote wie Amazon Prime, Netflix und das altbekannte Sky haben immer mehr Nutzer.
Die jungen Zuschauer treiben sich eher auf YouTube rum und schauen sich dort ihre Stars an. Oder mobben sie gleich mal. Als rauskommt, dass der YouTube-Star Tanzverbot in Oranienburg wohnt, erlebt er die Aufdringlichkeit und Widerwärtigkeit seiner Fans und Hater. Er muss raus aus seiner Wohnung und zieht um.

Lineares Fernsehen ist unterdessen immer mehr out. Auch weil insbesondere das Privatfernsehen, immer mieser wird. Oder wer möchte wirklich sehen, wie irgendwelche Z-Stars ein Baby bekommen? “Janni & Peer … und ein Baby!” lief bei RTL II eher nicht so gut. Auf demselben Sender zieht man sich bei der Datingshow “Naked Attraction” gleich ganz nackt aus – weil das ja angeblich die ehrlichste Art des Datings ist. Aber auch das ZDF greift ins Klo: “Das Pubertier – Die Serie” ist einfach nur doof-albern, die Show “Flieg mit mir” im Ersten schrecklich betulich. “Das Sommerhaus der Stars” bei RTL ist nur noch Fremdschämen. VOX wollte die Echo-Verleihung aufpolieren und liefert eine Katastrophe ab. Die pure Ödnis.
Aber es gab natürlich auch gutes Fernsehen: der ZDF-Mehrteiler “Der gleiche Himmel” war ebenso ein Hit wie die letzte Staffel vom “Club der roten Bänder” bei VOX.

Schluss war auch für den “Circus Halligalli”. Dabei sorgte die Show noch fix für die deutsche Fernsehpeinlichkeit des Jahres: Bei der “Goldenen Kamera” schmuggelt das Team einen falschen Ryan Gosling ein. Er nimmt in der Live-Show im ZDF den Preis entgegen, und danach kam raus, dass selbst die Kategorie ein Fake war, weil die von der “Goldene Kamera”-Redaktion nur mit der Aussicht auf den Gosling-Besuch eingeführt wurde.
Aber die Amis können mithalten. Bei der Oscar-Verleihung kommt ausgerechnet beim besten Film ein falscher Umschlag in Umlauf. Die Leute von “La La Land” (schon wieder Gosling) stehen schon auf der Bühne, wollen sich bedanken – um dann zu erfahren, dass “Moonlight” der beste Film ist. Ups.

Da möchte man im Boden versinken. Das gilt auch für den Eurovision Song Contest. Vorletzter. Wobei es natürlich nicht an der Qualität des deutschen Songs (wie hieß der noch gleich?) oder an der Dings (wie hieß die noch gleich?) lag, sondern weil uns Deutsche einfach keiner mag. Na klar. Vielleicht gibt es ja 2018 ein Comeback, gerade wird mal wieder am Konzept für den deutschen Vorentscheid gefeilt.

Dabei ist das mit Comebacks so eine Sache: Als Thomas Gottschalk mit der neuen Sat.1-Show “Little Big Stars” um die Ecke kam, war das Interesse gering. Auch dass Christian Rach bei RTL wieder Restauranttester war, ließ viele kalt – was aber auch an den bekloppten Fällen lag, um die sich Rach kümmern musste. Die Wiederkehr von “Der Preis ist heiß” bei RTLplus war dagegen ein voller Erfolg – auch weil sich alle große Mühe gaben, den Klassiker nur behutsam zu modernisieren. Heraus kam netter, guter Trash. Ach, und dann ist ja auch MTV wieder da. Also, eigentlich war MTV nie weg, nur eben im Pay-TV versteckt. Nun gibt es angeblich wieder Interesse an dem Sender, die Rückkehr ins Free-TV war perfekt.

Aber auch Ankünfte sorgten für Wirbel. Der rbb übertrug mit großem Aufwand die Landung von Schätzchen und Träumchen in Schönefeld - zwei Pandabeeren. Sehr wichtig. Und noch eine Flugzeuglandung war dem rbb eine Live-Übertragung wert: die der letzten Air-Berlin-Maschine. Nie gab es vermutlich eine emotionalere Pleite eines Unternehmens. Es hieß Abschied nehmen.

Abschied. Auch 2017 wieder von vielen prominenten Menschen. Helmut Kohl ist gestorben, ebenso die Politiker Heiner Geißler und Roman Herzog. Die Schauspieler Roger Moore, Karin Dor, Christine Kaufmann, Jerry Lewis, Dieter Bellmann, Andreas Schmidt, Mikael Niqvist, Ingeborg Krabbe, Bill Paxton, Margot Hielscher, Martin Lüttge und Klaus Wildbolz. Die Musiker Fats Domino, Chris Roberts, Tom Petty, Chuck Berry, Malcolm Young, Joy Flemming, Chester Bennington, Chris Cornell, Gunter Gabriel, Daliah Lavi, Andrea Jürgens und Robert Miles. Die Comiczeichnerin Lona Rietschel, die Journalisten Ulrike von Möllendorff und Udo Ulfkotte, Playboy-Gründer Hugh Hefner, Joachim Kardinal Meisner, die Tennisspielerin Jana Novotna und die Synchronsprecher Oliver Grimm (”Kimba, der weiße Löwe”, “Hugo”) und Anderas von der Meden (Kermit, David Hasselhoff).

Man hätte außerdem den Eindruck gewinnen können, dass das Fernsehen stirbt – dabei wurde nur das alte DVB-T-Signal abgeschaltet – zugunsten des neuen DVB-T2. Die Kampagne machte den Eindruck, als seien sehr viel mehr Zuseher betroffen. Der Übergang verlief dennoch recht reibungslos. Eher reibungsvoll verläuft es beim Lokalsender Oberhavel TV. Die Qualität der Sendungen ließ immer mehr nach, es gab immer weniger, die Verbreitung via Satellit und im Vodafone-Kabel ist eingestellt – inzwischen gibt es wohl ein Insolvenzverfahren.

Aber was ist denn im Fernsehen 2017 wirklich Wichtiges passiert? Natürlich! Marc Terenzi ist Dschungelkönig geworden, obwohl sich Kader Loth so angestrengt hat, ein neues Image zu bekommen. Als Anne Will über den G20-Ausschreitungen diskutiert, fällt für zehn Minütchen das Bild aus, während im Studio weitergesprochen wird. Als beim selben Thema bei Maischberger sich die Gemüter erhitzen, verlässt Wolfgang Bosbach wütend die Arena, weil er sich von Jutta Ditfurth beleidigt gefühlt hat – nicht ohne auch selbst auszuteilen. Als in Frankfurt/Main eine Bombe entschärft werden muss, überträgt das hr fernsehen 13 Stunden (!) live – weil der Sender selbst evakuiert ist. Aus “Schlag den Raab” und “Schlag den Star” ist “Schlag den Henssler” geworden. Na ja. Birgit Schrowange ist erst ungeschminkt bei RTL aufgetreten (einmalig) und dann mit grauen Haaren (für immer).

Wird 2018 alles besser? Werden wir alle immer irrer? Oder ist uns einfach alles wurscht, so lange man sich auf YouTube weiter Schminktipps reinziehen kann? Oder alternativ den Livestream von der Demorandale wie bei G20 in Hamburg?
I bims, vong Spannung her.

PS: Ach, Mensch, Herr Eumann, habe ich Sie doch glatt wieder vergessen! Herzlichen Glückwunsch zur Wahl zum neuen Direktor der rheinland-pfälzischen Landesmedienanstalt. Nicht dass Sie wieder angepisst sind!

RTZapper

Die extra-lange Bernd-Nacht

Montag, den 30. Oktober 2017
Tags: ,

SA 28.10.2017 | 21.00 Uhr | KiKA

Mit Bernd, das Brot ist es ziemlich seltsam. Einerseits ist er zwar die wohl bekannteste Figur im KiKA, und vor allem auch bei Erwachsenen bekannt. Umso erstaunlicher ist es, dass weder der Bernd-Herkunftssender ZDF irgendwas mit der Kastenbrot-Puppe macht, noch der KiKA selbst immer mal wieder was Neues im Programm hat.
Stattdessen läuft nachts die “KiKA Lounge” mit Bernd – eine gut neun Jahre alte Produktion. Kann man schon mitsprechen.

Da war es eine schöne Überraschung, als es hieß, dass in der (wegen der Zeitumstellung eine Stunde längeren) Nacht zum Sonntag “Die extra-lange Bernd-Nacht” veranstaltet wird. Von 21 bis 6 Uhr wurden noch mal die besten Bernd-Filme und -Clips gezeigt. Die Zuschauer konnten sogar live mitentscheiden, welcher Beitrag als nächstes gezeigt werden sollte.

Wer aber am Sonnabend den KiKA eingeschaltet hat, wird sich vielleicht gewundert haben. Dort lief wie eh und je die “KiKA Lounge” in der Dauer-Nachtschleife.
“Die extra-lange Bernd-Nacht” lief nur auf Facebook, auf der Seite des KiKA.
War auch so angekündigt, wenn man denn genauer auf die Facebook-Vorschau gesehen hatte. Aber warum zeigt man das für ein paar Hände voll Zuschauer auf Facebook und nicht im Fernsehen?

Eine Antwort darauf gab es nicht wirklich, beim KiKA gefragt, heißt es nur, dass man sich mit Absicht dafür entschieden hatte und dass die Schleife im KiKA-Fernsehen ja so etwas wie ein Testbild ist.
Dass der KiKA ein zehnstündiges Sonderprogramm aber nur auf Facebook sendet, ist eher zweifelhaft.

RTZapper

Überzeugt uns! Der Politikercheck

Dienstag, den 22. August 2017
Tags: , , ,

MO 21.08.2017 | 23.00 Uhr | Das Erste

Woran erkennt man eine politische Jugendsendung zur Bundestagswahl in der ARD? Junge Politiker zu Gast? Interaktivität? Einbindung des Publikums? Alles falsch: Eine Jugendsendung in der ARD erkennt man daran, dass sie im Kesselhaus in Berlin stattfindet. Weil die Location so cool ist. Um 23 Uhr in der Nacht. Und natürlich am Titel: “Überzeugt uns!” – mit passendem Hashtag #ueberzeugtuns.
Dummerweise hat der Titel mit dieser Sendung so wenig zu tun wie die “RTL II News” mit Informationen.

Für die ach so junge, flotte Politshow am Montagabend im Ersten war angekündigt: Jungwähler stellen Fragen. Am Ende wird entschieden, welcher Gast von welcher Partei überzeugte.
Es lief so: Ein Moderator und eine Autorin stellten Fragen, lasen ab und zu Facebook-Fragen vor, und die Sache mit der Überzeugungsentscheidung muss irgendwie vergessen worden sein.

Selten klafften in einer ARD-Politsendung Anspruch und Wirklichkeit so auseinander. Jung sollte das Ganze sein. Aber wo waren die jungen Politiker? Warum mussten bei “Überzeugt uns!” wieder die üblichen Verdächtigen sitzen – allen voran der alte AfD-Gauland, der von der Jugend am weitesten entfernt war. Warum wirkte die Show wie eine verlängerte “Hart aber fair”-Sendung? Warum hatte das Publikum fast nichts zu sagen? Und wer sollte eigentlich von irgendwas überzeugt werden? Wer war das “uns” in “Überzeugt uns!”?

Eine schlimme Fehlbesetzung war zudem Ronja von Rönne. Die Autorin hatte irgendwie eine falsche Vorstellung davon, wie es ist, eine Talkshow zu moderieren. AfD-Gauland machte sie mehrfach blöd von der Seite an, was weder cool noch investigativ wirkte, sondern einfach nur plump und pubertär. Immer wieder plärrte sie bei anderen dazwischen, und immer wieder merkte man, wenn ihr Antworten missfallen. Als Moderatorin allerdings erwarte ich mehr Seriosität, denn das Denken möchte ich als Zuschauer gern selbst übernehmen. Wenn die ARD wieder mal ein Argument liefern wollte, warum so viele die angeblich linksversifften Sender so hassen, dann hat Ronja von Rönne wieder ordentlich Öl ins Feuer gegossen – und das war schlicht unnötig und höchst unprofessionell.
An einigen Stellen war dem eigentlichen Moderator Ingo Zamperoni anzumerken, dass er versuchte, das Steuer zu übernehmen.

Diese angebliche Jugendsendung der ARD war von vorn bis hinten ein Missverständnis. Ein verstaubtes Konzept, viel zu viele Themen, Leute wurde über den Mund gefahren, eine ärgerliche Gesprächsführung.
Jens Spahn (CDU) war deutlich anzumerken, dass ihm diese Sendung missfällt, und später machte er bei Twitter seinem Ärger Luft. Eigentlich wäre es spannend gewesen, wenn irgendwer der Gäste die ganze Runde gesprengt und sich drüber ausgelassen hätte, welchen Müll die ARD da gerade fabriziert – und alle zustimmend gegangen wären. Aber so was traut sich ja niemand – auch niemand aus dem Publikum.
Jugendtalk: Liebe ARD, das #ueberzeugtuns nicht.

RTZapper

Frag selbst

Mittwoch, den 16. August 2017
Tags: , ,

SO 13.08.2017 | 23.15 Uhr | tagesschau24

Der Fernsehwahlkampf 2017 kommt nun langsam auch in die heiße Phase, und es ist spannend, wie die Sender versuchen, ihre verschiedenen Zielgruppen für Politik zu begeistern.
Wer da zum Beispiel denkt, dass sich ARD und ZDF immer noch nur an die Älteren richtet, der irrt.

Auf tagesschau24 lief am späten Sonntagabend das Format “Frag selbst”. Im ARD-Hauptstadtstudio begrüßte Tina Hassel die AfD-Politikerin Frauke Petry. Allerdings war es nicht Tina Hassel, die die Fragen stellte. Es waren die Nutzer der Facebook-Seite der “Tagesschau”. Tina Hassel war nur dazu da, die Fragen der Zuschauer zu stellen.
Und so ging es um die Frage der Flüchtlinge und was die AfD dazu denkt. Es ging um die Reichensteuer, um das Verhältnis der AfD zur Demokratie und um die EU. Bestes interaktives Fernsehen.

Nun kann man natürlich fragen, warum so was auf einem Spartenkanal am späten Abend versendet wird.
Dass es “versendet” wird – da ist sogar was dran. Aber eigentlich lief “Frag selbst” am selben Abend bereits live um kurz nach 19 Uhr. Aber nicht im Fernsehen, sondern auf Facebook – per Livestream auf der “Tagesschau”-Facebook-Seite.
Heißt: Die ARD wartet nicht nur darauf, dass man sie einschaltet. Man geht auch dorthin, wo die Leute sind – im Internet, auf Facebook. Und wenn dort noch ein Format wie “Frag selbst” über die Bühne geht, wo die Leute zwar nicht ungefiltert, aber durchaus direkt ihre Fragen los werden kann, dann kann das nur positiv sein.

RTZapper

News spezial: Der G20-Gipfel

Sonntag, den 9. Juli 2017
Tags: , , , , ,

FR 07.07.2017 | 20.00 Uhr | n-tv

In Hamburg herrscht Krieg, und das Fernsehen steht mittendrin.
Der Reporter von n-tv steht im Schanzenviertel. Er hat einen Helm auf und blickt sich immer wieder um. Hinter ihm ist Blaulicht zu sehen, Polizisten in Kampfuniform und auch Randalierer. Eine Barrikade brennt, und der Reporter erzählt von alldem.

Als am Freitagabend in St. Pauli die Lage eskalierte, als die Proteste gegen den G20-Gipfel zur dumpfen Randale wurde, da zoomten die Nachrichtensender noch mal richtig ran. Stundenlang berichtete n-tv in einem “News spezial” live direkt aus dem Brennpunkt. Immer mal wieder musste der Reporter abbrechen und seinen Standort wechseln, weil er von der Polizei abgedrängt wurde. Weil es einfach zu gefährlich wurde.

Ebenso auf N24. Die Nachrichten kamen direkt aus dem Hamburger Krisengebiet. Jeder Steinwurf, jedes Feuer – live und direkt. Die Tagesschau hatte ebenfalls einen Reporter vor Ort, und auf Facebook bot sie immer wieder einen Livestream an, auf dem unkommentiert ebenfalls Livebilder aus dem Schanzenviertel zu sehen waren.

Es ist ein zweischneidiges Schwert: Einerseits ist es gut, ein ungefiltertes Bild von der Situation zu bekommen, irgendwie dabei zu sein, aus erster Hand zu sehen, was sich abspielt. Andererseits ist es natürlich auch eine Befriedigung von Sensationsgier und ein Stück Voyeurismus. Es ist, als wären wir in Hamburg dabei und würden gaffend auf der anderen Straßenseite stehen. Zehntausende waren über das Internet über Streams auf Facebook und Youtube live dabei, und morgen regen wir uns auf, wenn wir andere bei Autobahnunfällen doch mal wieder neugierig sind und gaffen.

Die Hamburger Ausschreitungen waren in jedem Fall auch wieder eine kleine Zäsur in der Live-Berichterstattung. Per Internet sind wir mittendrin statt nur dabei.

RTZapper

Das war 2016!

Samstag, den 31. Dezember 2016
Tags: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Was war das für 1 Jahr???!!!!11!!
Die Welt wird immer verrückter. Nein, eigentlich sind es die Menschen, die immer irrer werden. Die sich gegenseitig anstacheln, die nur noch ihre eigenen Wahrheiten akzeptieren, alles andere als Lüge abtun. Die immer und überall Verschwörungen wittern und nicht mal mehr offiziellen Mitteilungen der Polizei glauben.
Stattdessen wird immer mehr als gefühlte Wahrheiten gesetzt. Was ich fühle, wie ich etwas empfinde, ist auch ein Fakt. Wir leben im postfaktischen Zeitalter, und das ist auch das Wort des Jahres. Eigentlich ja eher das Unwort.

RT Deutsch zum Beispiel. Das russische Auslandsfernsehen sei reine Propaganda, sagen die einen. Das sei alles die Wahrheit, und nur dort gebe es sie, sagen die anderen. Als in Berlin angeblich ein Asylbewerber eine junge Russlanddeutsche entführt und vergewaltigt, kocht die Volksseele, angestachelt auch durch Berichte von RT Deutsch. Dass das Mädchen die Schule geschwänzt und der Mann ihr Freund war – irgendwann hat es schlicht keinen der Demonstrierenden mehr interessiert.
Es sind nämlich nicht nur von Gefühlen geprägte Kommentare, die verbreitet werden – sondern auch Fakenews, Nachrichten, die schlicht ausgedacht, die eine Lüge sind. Da werden Politiker Worte in den Mund gelegt, die sie nie gesagt haben. Oder Gerüchte über angebliche Taten von Ausländern gegenüber Deutschen, die so nie stattfanden.
So haben EU-Gegner den Brexit in Großbritannien erreicht, dass die Wähler für den Austritt des Königreiches aus der EU stimmen, hatten wenige für möglich gehalten. So hat es Donald Trump in den USA geschafft, Präsident zu werden. Gefühle statt Fakten. Irgendwelche Zahlen statt echtem Inhalt.
Oder eben irgendwas daher gelabert. So macht das Mario Barth. In New York sendete er live auf Facebook und wunderte sich, dass zwar über Anti-Trump-Demo berichtet werde, er aber keine sehe. Dass es am Tage war und die Straße, an der er stand, gesperrt – na ja, das hat Mario ja nicht wissen können.
Facebook, Twitter und Co. werden aufgefordert, etwas gegen die Verbreitung solcher Fakenews zu unternehmen. Darüber wird 2017 noch zu reden sein.

Ganz unschuldig sind die Medien aber nicht, dass man ihnen nicht glaubt. Als in der Neujahrsnacht rund um den Kölner Hauptbahnhof hunderte Männer Frauen begrapschen und Passanten berauben, dauerte es Tage, bis umfassend berichtet worden ist. Der WDR sendete um Mitternacht sogar live aus der Domregion – da hat man das offenbar nicht mitbekommen. Beim ZDF war selbst am 4. Januar, als alle anderen endlich berichteten, noch nichts dazu zu sehen. Man bat um Verzeihung. Im Laufe des Jahres ist dann aber recherchiert worden: Dass es sich vorwiegend um Täter aus Nordafrika handelt. Dass die Polizei haarsträubend unterbesetzt war, dass Fehlentscheidungen getroffen und in einer ersten Pressemitteilung beschönigt worden ist.

Es war kein schönes Jahr. Terror, Unglücke, Todesfälle.
Und immer startet die Breaking-News-Maschine. Ein Zwischenfall in Berlin? Da darf gern mal schwadroniert und vermutet werden – immer mit der Betonung, man wolle nichts vermuten. Amoklauf in München? Da zeigt man bei RTL schon mal, wie Leichen abtransportiert werden und live hinter dem Reporter, wie Polizisten mit Waffen auf Passanten zielen. Auch der Teilzeitnachrichtensender N24 ist da ganz weit vorn mit bei.
Und immer wieder der Vorwurf an ARD und ZDF, es werde in solchen Fällen zu spät reagiert. Nach dem Zugunglück in Bayern ging der BR erst nach Stunden auf Sendung, nach dem Berliner Zwischenfall das ZDF erst nach fast zwei Stunden.

Und dann immer wieder die Empörungswellen, die durch Deutschland rollen.
Letzter Platz beim Eurovision Song Contest? Empörung! Keiner hat uns lieb! Alles Fake! Und überhaupt! Dass unser Song mies war, zieht keiner in Betracht – obwohl er in den deutschen Charts auch unterbelichtet war. Na ja, diese Fakten halt.
Die Sache mit dem Nachbarn Boateng. AfD-Mann Alexander Gauland habe gesagt, keiner wolle, dass Boateng sein Nachbar sei. Mag er so gesagt haben, er meinte aber wohl eher, dass viele Deutsche erst mal schlucken würden, wenn ein Dunkelhäutiger nebenan einziehen würde. Dennoch: Empörung! Aber eher eine geheuchelte, weil nicht weiter nachgedacht, sondern nur auf einen Satz Bezug genommen wurde, aber nicht auf den Kontext.
Fußball-Bundestrainer Jogi Löw kratzt sich während eines EM-Spiels an den Eiern und riecht dann an seiner Hand. Groooße Aufregung! Viele Berichte und Artikel, als ob wir keine anderen Sorgen haben.
Diskuswerfer Christoph Harting gewinnt Gold bei Olympia und erdreistet sich, bei der Hymne nicht ernsthaft zu sein. Empörung! Wie kann er nur so respektlos sein!! Meine Güte.
Und so weiter.

Da geht es schon mal fast unter, wenn Journalisten etwas enthüllen – die Panamapapers. Es ging um Briefkastenfirmen in Panama und um Geldwäsche von Unternehmen und Promis. Da wird ein großes Ding aufgedeckt, es ist das, was die Menschen fordern: diese Art des Enthüllungsjournalismus. Zwei Abende lang ist das ein Thema, dann verpufft es schon wieder. Empörung? Hält sich in Grenzen.
Oder wenn Jan Böhmermann in seiner zdf_neo-Show “Neo Magazin Royale” aufdeckt, wie die Leute in der RTL-Dokusoap “Schwiegertochter gesucht” arbeiten, wie sie die Teilnehmer und Zuschauer veralbern. Kurze Aufregung und gleich wieder verpufft. Quasi ohne Folgen.

Apropos Böhmermann: Nach einer “extra 3″-Satire über den türkischen Ministerpräsidenten Erdogan legte er in seiner Show noch einen drauf. Er wolle mal zeigen, was denn ein Schmähgedicht sei und wie es klingen müsse: und trug eines vor. Und wieder: groooooße Aufregung. Das ZDF löschte vorsichtshalber die Passage aus der Mediathek, in der Wiederholung lief die Show verkürzt. Erdogan forderte eine Strafe, die Bundesregierung gab den Fall zur Ermittlung frei. Böhmermann zog sich einige Wochen zurück. Am Ende siegte dennoch die Satirefreiheit. Zumal viele Kritiker schlicht den Kontext des Gedichtes ausblendeten. Dass Böhmermann Aufsehen erregen wird, ahnte er wohl, dass das Aufsehen so groß wird – inklusive Berichte in “Tagesschau” und Co., das ahnte er sicher nicht.

Aber zwischendurch waren die Deutschen sowieso mit, ähm, wichtigeren Dingen beschäftigt: dass sich Sarah und Pietro getrennt haben. Weshalb RTL II das auch ordentlich ausschlachtete. Dass Babette von Kienlin (Einstmann) zum zweiten Mal in ihrer ZDF-”Drehscheibe” zusammengebrochen ist. Dass irgendwo irgendwelche Horrorclowns aufgetreten sind.
Oder dass sich Til Schweiger unfassbar toll findet. Sein Nick Tschiller im “Tatort” sei der beste Krimi, der je im Fernsehen lief, und jeder Kritiker habe keine Ahnung, so schrieb er auf Facebook. Von Fernsehgeschichte war da die Rede. Nun ja.

Einer hat keine Lust mehr auf den Zirkus: Im Herbst hing Tobias Schlegl seinen Fernsehjob an den Nagel – um sich zum Notfallsanitäter umschulen zu lassen.
Auch Jürgen Domian will nicht mehr – jedenfalls nicht Nacht für Nacht im 1LIVE-Studio sitzen. Nach 22 Jahren endet seine Call-in-Show “Domian”. Sie wird schwerstens vermisst.

Viele werden am Ende des Jahres vermisst. Sehr viele Promis – sehr viele Musiker sind 2016 gestorben.
George Michael ist tot, ebenso Prince und David Bowie. Leonard Cohen und Roger Cicero. Achim Mentzel und Ekki Göpelt. Außerdem “Trio”-Schlagzeuger Peter Behrens und Manfred Durban von den Flippers. Der Publizist Roger Willemsen, die Politiker Guido Westerwelle, Hans-Dietrich Genscher, Lothar Späth, Peter Hintze, Jutta Limbach, Hildegard Hamm-Brücher, Henning Voscherau und Walter Scheel. In Kuba Fidel Castro. Der Produzent Wolfgang Rademann. Die Schauspieler Götz George, Manfred Krug, Uwe Friedrichsen, Alan Rickman, Bud Spencer, Maja Maranow, Gisela May, Hans Korte, Hilmar Thate, Karl-Heinz von Hassel und Peter Lustig. Die Moderatorinnen Erika Berger und Miriam Pielhau, die Journalisten Günter-Peter Ploog und Jana Thiel, Tamme Hanken, Schriftsteller Umberto Eco, Synchronsprecher Arne Elsholtz, Comiczeichner Lothar Draeger, DDR-Regimefrau Morgot Honecker und der Boxer Muhammad Ali.

Drei Fernsehsender haben sich auch verabschiedet: Der Social-Media-Sender joiz ist erst verkauft worden, dann ging er in Insolvenz, das Studio ließ der Besitzer schon mal ausräumen – ein Musiksender sollte daraus werden. Am Ende zog man den Stecker. einsplus und zdf.kultur gibt es auch nicht mehr. Dafür aber das ARD/ZDF-Jugendangebot Funk – allerdings nur im Internet.
Und was ist mit Servus TV? Erst ließ Besitzer und Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz verkünden, er mache den Sender zum Jahresende dicht. Zu Hohe Kosten. Und von der Gründung eines Betriebsrates war die Rede. Nur einen Tag später hieß es: Es geht doch weiter. Und dann: Servus TV beendet die Ausstrahlung in Deutschland. Und dann: doch nicht, alles geht weiter. Ein Hü und Hott.

Was war sonst so?
Der Deutsche Fernsehpreis ist nun eine rumpelige Gala in den Düsseldorfer Rheinterrassen. Eine öde Party.
Harald Schmidt ist auch noch da – in grausamen Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen – und auf dem Traumschiff.
Weibliche Fußball-Kommentatorinnen wollen einige deutsche Männer nicht haben: Als Claudia Neumann im ZDF ein Herren-EM-Spiel kommentiert, wird im Internet fies gepöbelt. Wo doch angeblich nur Asylbewerber nicht gut mit ihren Frauen umgehen. Wobei, sorry, im Fußball gelten natürlich andere Regeln.
RTL hat einen neuen Ableger: RTLplus. Noch mehr Sendeflächen für Gerichtsshow-Resterampen.
Daniela Katzenberger und Lucas Cordalis teilen ihr Leben mit den RTL-II-Zuschauern: Hochzeit und Heiligabend live. Puh.
Auch puh, aber anders: Als Jörg Draeger, Frederic Meißner, Björn-Hergen Schmipf und Harry Wijnvoord den Jakobsweg liefen, entstand daraus die 12-teilige Dokureihe “OGOT” bei Tele 5. Slow-TV vom feinsten. Ein kleines TV-Highlight.
Sehr sehenswert war auch “Terror – Ihr Urteil”. Der Film bestand nur aus einer Gerichtsverhandlung um den Abschluss eines Flugzeuges, das von Terroristen entführt worden ist, und am Ende konnte das Fernsehvolk abstimmen. Ein spannendes Experiment, und immerhin ist das auch einen Tag diskutiert worden.
Olympia in Rio. Das letzte Mal bei ARD und ZDF – nun übernimmt Eurosport.
Als an einem Sonntag morgens um kurz vor halb 7 im ZDF der Horrorfilm “Halloween – Nacht des Grauens” statt Kinderfernsehen läuft, fragen ein paar Leute via Twitter mal nach. Erst da fällt den ZDF-Leuten was auf. Ups.

Da ist man schon mal aufgeregt. Und bei all dem Neuen blickt sowieso keiner mehr durch. Deshalb kommen nun auch viele Sendungen von damals wieder. Für die guten Gefühle. Oder so. Das “Glücksrad” ist wieder da. “Herzblatt”, das “Familien-Duell”, “Jeopardy!”, “Ruck Zuck”, “Akte X”, “Der heiße Stuhl” und – da haben wir ja wirklich drauf gewartet: “Tutti Frutti”.
Mal sehen, wer oder was 2017 alles zurückkommt. Und ob wir uns alle ein bisschen abregen. So ganz allgemein.
Guten Rutsch.

RTZapper

Mitternachtskrimi: Paul Temple und der Fall Gregory

Sonntag, den 14. Juni 2015
Tags: ,

FR 12.06.2015 | 0.05 Uhr (Sa.) | Deutschlandfunk

Der Satz klingt fast schon unglaubwürdig: Der Deutschlandfunk sendet ein Hörspiel mit Bastian Pastewka.
Junge Leute wissen vermutlich gar nicht, wer oder was der Deutschlandfunk sein soll – und schon gar nicht, ob und wo sie das empfangen können.

Wenn der Comedian und Schauspieler Bastian Pastewka am Freitag nicht auf seiner Facebook-Seite auf die Radio-Ausstrahlung seines Hörspiels “Paul Temple und der Fall Gregory” hingewiesen hätte – vermutlich hätte das kaum jemand mitbekommen.
Pastewka und Kollegen haben einen verschollenen Hörspiel-Krimiklassiker von 1949 neu vertont, aufgepeppt und mit selbstironischen Elementen versehen. Demnächst gibt es das Spektakel auch als Bühnentour.

Warum aber wird so ein Comedy-Krimi-Highlight an einem Freitag um 0.05 Uhr verschrottet? Und dazu noch auf dem von Jugendlichen kaum wahrgenommenden Deutschlandfunk? Oder habe ich die PR-Kampagne verpasst, die auf die Ausstrahlung des Hörspiels hinwies?
Warum laufen solche Hörspiele nicht auch mal im Abend- oder Nachtprogramm auf den Jugendradiowellen der ARD? Ertragen junge Leute keinen 53-minütigen Wortbeitrag mehr?