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Das Dilemma mit den sozialen Medien

Samstag, den 17. Oktober 2020
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DO 15.10.2020 | Netflix

Ab wann sollten Kinder eigentlich…
Moment… Es hat gerade Pling gemacht. Auf Facebook hat gerade jemand was von mir geliked. Sehr schön.
Also… Ab wann sollten Kinder eigentlich ein Smartphone bekommen? Und ist es eigentlich gut, wenn sie schon in ganz jungen Jahren mit sozialen Medien…
Ähm, Moment… Grad hat mein Handy gebrummt. Eine neue Nachricht von der Dating-App. Ich antworte mal kurz.

Wo war ich stehengeblieben?
Ach, egal.
Auf Netflix gibt es jetzt eine Doku über “Das Dilemma mit den sozialen Medien”. Der Film beschäftigt sich mit dem Umgang der Medien mit Facebook und Co. Wobei es ja nicht nur so ist, dass wir uns…
Momentchen, grad kommt ein Pling von WhatsApp. Die Bürogruppe. Da muss ich mal kurz… Ach, Mensch, und hier hat mir ja noch jemand dieses tolle Foto geschickt. Und wenn ich schon mal dabei bin – gibt es auf Facebook schon einen neuen Beitrag. Und auf Instagram, da gibt es doch sicher…
Ähm. Sorry. Ich habe mich ablenken lassen.
Also, die sozialen Medien. Die sorgen ja auch dafür, dass wir uns immer wieder von ihr ablenken lassen. Ständig macht es Pling, es piept, es vibriert. Das ist gewollt. Jede Minute mehr bringt den Firmen mehr Einnahmen. Wir sehen Werbung, wir bekommen Werbung zugespielt, und unsere Daten werden weiterverkauft, damit auch andere Firmen unsere Daten bekommen. Es ist ein Teufelskreis. Und weil Facebook mehr und mehr lernt, was wir mögen und was nicht, wird die Pinnwand entsprechend angepasst, niemand hat die gleich Einträge auf der Pinnwand wie ich. Und währenddessen schauen wir bei WhatsApp nach, ob die Person, mit der wir chatten, die letzte Nachricht schon gelesen hat – Stichwort blaue Häkchen.
Die sozialen Medien tun alles dafür, uns bei der Stange zu halten. Selbst auf Youtube werden uns immer wieder Videos angepriesen, von denen Youtube weiß, dass wir drauf stehen könnten.
Alles für die Sucht.

Zudem entstehen durch diese Selektion auch Blasen. Zugespielt werden nur noch genehme Videos, wie auch auf Facebook unter Umständen nur noch Nachrichten erscheinen, die vermuten lassen, dass alles immer schlimmer würde. So entsteht Hass, so werden Fakenews verbreitet. Eine echte Gefahr.

Insofern erzählt die Netflix-Doku letztlich wenig wirklich Neues. Aber sie bringt vieles noch mal auf den Punkt. Spannend ist sie allemal – und erhellend auch. Man müsste jetzt nur Taten folgen lassen, wenn man es denn will.
Interessanterweise erwähnt Netflix aber nicht, dass ja Netflix ähnlich arbeitet wie Youtube. Denn auch Netflix lernt, wie man den Kunden auf der Seite hält – indem Filme und Serien angezeigt werden, die mir auch gefallen könnten. Es ist eben auch mit Netflix ein Dilemma.
Und ich muss jetzt echt mal schauen, was es Neues gibt. Bei Facebook. Bei Twitter. Bei Instagram. Bei ….

-> Der Film auf Netflix

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Reif ist Live

Dienstag, den 30. Juni 2020
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MO 29.06.2020 | 14.00 Uhr | Bild

Müllermilch ist ein wirklich sehr leckeres Produkt. Carli Underberg heißt zwar wie ein alkoholisches Getränk, aber eigentlich greift er doch lieber zur Müllermilch. Carli Underberg ist Mitglied der Bild-Chefredaktion, und er moderiert die Fußball-Talkshow “Reif ist Live” bei Bild auf Facebook. Und er mag Müllermilch, erwähnte ich das schon? Er mag so sehr die Müllermilch, dass während seiner Live-Sendung am Montagnachmittag gleich vier verschiedene Müllermilch-Flaschen auf seinem Moderationstisch standen. Natürlich so, dass sie immer im Bild waren, denn ohne Müllermilch mag Herr Underberg gar nicht gerne moderieren.

“Reif ist Live” heißt die Sendung aber nicht wegen Underbergs Müllermilch-Vorliebe, sondern weil sich in dieser sehr seriösen Sportsendung Marcel Reif zum aktuellen Fußballgeschehen äußert. Wichtig zu wissen: Marcel Reif trinkt keine Müllermilch. Zumindest nicht on Air. Was durchaus verwundert.
Während aber Marcel Reif so über den HSV und andere Mannschaften schwadroniert, macht sich der Carli Underberg erst mal eine Müllermilch auf. Er gießt die Müllermilch in sein Glas – allerdings im Off – und dann trinkt er genüsslich von seiner Müllermilch, während Marcel Reif so vor sich hinredet. Ob Herr Underberg allerdings Müllermilch trinkend zuhört weiß man nicht genau, schließlich ist der Genuss der Müllermilch doch so groß, dass das schon mal von Marcel Reifs Gerede ablenken kann. Gut, dass Carli noch ein paar Müllermilch-Flaschen auf seinem Tisch rumzustehen hat.

Tja, eines ist mal Fakt: Wenn Marcel Reif der Hauptdarsteller in der Sendung “Reif ist Live”, dann ist die Müllermilch mindestens die Nebendarstellerin – wenn sie sich nicht sogar an die Hauptdarsteller-Position mogelt.
Immerhin hat Carli Underberg die Müllermilch nicht während der Moderation genüsslich geschüttelt. Und es ist auch kein Kellner ins Studio gekommen, um die Müllermilch-Flaschen auf dem Tisch abzustellen. Und diesmal wurde die Müllermilch auch nicht ganz langsam ins Glas geschüttet.
Das ist nämlich an vorherigen Sendungen zelebriert worden.

Dass die Müllermilch da rumsteht und geschüttelt und getrunken wird, ist natürlich kein Zufall, denn immerhin gibt es eine Einblendung, die besagt: “Unterstützt durch Produktplatzierungen”.
Wobei das natürlich untertrieben ist, und noch nie wurde eine “Produktplatzierung” so ernst genommen wie im ach so journalistischen Sportformat bei Bild. Da unterbrechen die Moderatoren ihre Interviews, um Müllermilch zu schlürfen. Da dreht sich das Gespräch mit dem Keller darum, welche Müllermilch-Sorte der Moderator denn gern haben möchte: Erdbeer. Da wird die Müllermilch so total nebenbei geschüttelt, während eine Interview-Frage gestellt wird.
Und wenn du jetzt sagst: Oh mein Gott, ist das aber bescheuert, albern, hirnlos und dämlich. Dann muss ich dich natürlich beschwichtigen und sagen: Ähm, ja, stimmt.

Alles an dieser, nun ja, Produktinszenierung ist albern. Dass die Müllermilch permant im Bild steht, dass Moderatoren Müllermilch trinken in der Sendung, dass sie die Müllermilch schütteln, und dass das alles so total echt und natürlich wirkt. Nicht.
Aber vermutlich hält man bei Bild die Zuschauer für so beknackt, dass sie der Meinung sind, dass sie die Müllermilch nicht nur platzieren müssen, sondern auch noch ein albernes Theaterstück drumrum basteln müssen. Und dann regen sie sich auf, wenn jemand Bild für unseriös hält.
Es gibt übrigens auch ganz leckere Milch aus der Uckermark in Brandenburg: Hemme-Milch. Wollte ich nur mal erwähnt haben. Weiß auch nicht, warum mir das jetzt einfällt.

-> Die Sendung bei Bild auf Facebook
-> Sammlung und Zusammenfassung beim BILDblog auf Facebook

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Facebook außer Kontrolle

Freitag, den 2. November 2018
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DI 30.10.2018 | 23.45 Uhr | Das Erste

Ist Mark Zuckerberg naiv? Ist der vielleicht dumm? Oder doch einfach nur ein wahnsinnig cleverer Geschäftsmann, der sich nicht in die Karten gucken lässt?
Irgendwas davon muss einfach stimmen.
Mark Zuckerberg war schon Milliardär, da war er noch Student. Facebook hat ihn reich gemacht.
Wir nutzen Facebook kostenlos. Aber nicht, ohne etwas zu geben. Unsere Daten nämlich.

Viel zu spät am Dienstagabend lief im Ersten die Doku “Facebook außer Kontrolle”.
Das Phänomen ist allerdings: Eigentlich hat uns diese Doku gar nichts Neues erzählt.
Facebook hat unsere Daten. Kennt unser Verhalten. Weiß, worauf wir stehen. Weiß, was Werbekunden wollen. Facebook hat Algorithmen. Facebook beeinflusst die Gesellschaft.
Facebook beeinflusst Politik. Zumindest indirekt, weil Populisten die Algorithmen verstanden haben und für sich nutzen. Hass macht sich breit. Es wird gemault und gehetzt. Ob Facebook noch ein soziales Medium ist, ist eine immer öfter gestellte Frage,
Wie gesagt: Eigentlich wissen wir das alles. Aber es ist trotzdem gut, das noch mal gesagt zu bekommen. Nun müsste man nur noch so konsequent sein, auf Facebook zu verzichten.
Wenn, ja, wenn.

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Eurovision Song Contest 2018: Songcheck

Donnerstag, den 10. Mai 2018
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DI 08.05.2018 | 23.15 Uhr | one

Na, wird es die Schweiz diesmal schaffen? Schafft es ZiBBZ ins Finale des Eurovision Song Contests 2018 in Lissabon?
Beim “Songcheck” bei one sind sie skeptisch. Der Hut der Sängerin falle sehr auf, aber der Song sei nicht so doll, so die Analyse.

Was aber will man noch groß analysieren? Als am späten Dienstagabend die zweite Ausgabe vom “Songcheck” gezeigt wurde, da war das 1. Halbfinale des Eurovision Song Contests schon gelaufen, und dass die Schweiz rausgeflogen ist, das stand längst fest.
Irgendwie muss man bei der ARD in Sachen Programmplanung gepennt haben. Aber in Sachen ESC ist man bei der ARD sowieso alles andere als clever.

Die Songcheck-Sendungen – es sind vier – sind bereits vor Wochen aufgezeichnet worden. Live gab es sie auf Facebook, auch auf YouTube sind die Folgen ewig schon verfügbar. Auf one laufen sie definitiv zu spät. Wenn am Donnerstag und Freitag die Folgen 3 und 4 ausgestrahlt werden, haben sich auch schon alle Besprechungen erledigt, denn dann lief auch schon das 2. Halbfinale.
Also, liebe Leute von one, im kommenden Jahr könnte man ja mal drüber nachdenken, den “Songcheck” einfach mal eine Woche früher – also in der Woche vor dem ESC – auszustrahlen. Das würde mehr Sinn ergeben – und wäre gleich noch eine gute Erinnerung und Einstimmung auf die eigentliche ESC-Woche.

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ntv live: Mark Zuckerberg vor dem US-Kongress

Samstag, den 14. April 2018
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DI 10.04.2018 | 20.00 Uhr | ntv

Da sitzt er nun wie ein Schüler in einer mündlichen Prüfung. Schüchtern und mit den Augen klimpernd, und irgendwie war da auch ein bisschen Angst im Gesicht. Mark Zuckerberg, der Erfinder und Chef von Facebook, saß am Dienstag vor dem US-Kongress, um über den aktuellen Datenskandal Auskunft zu geben. Der Nachrichtensender ntv übertrug live.

Vieles ist merkwürdig an diesem Skandal. Eine Firma hat viele Millionen Kundendaten von Facebook bezogen, um Parteienreklame zu versenden. Das ist ärgerlich – aber wussten wir nicht alle, dass die Daten, die wir bei Facebook hinterlassen, irgendwie ausgewertet werden? Werden nicht schon immer Adressen vertickt – woher kommen sonst immer mal wieder die Reklamebriefe zu uns?

Dennoch kann man ja mal nachfragen, und ein Mitglied der Demokratischen Partei hakte ordentlich nach. Ob denn Mark Zuckerberg mal sagen könnte, in welchem Hotel er gestern Nacht war. Wollte er lieber nicht sagen. Mit wem denn der Mark gestern telefoniert habe. Wollte er lieber nicht sagen.
Datenschutz, ne?! Den findet der Mark irgendwie wichtig. Also, zumindest wenn es um ihn selber geht. Wer jedoch auf seine Plattform kommt, der hat gefälligst alles preiszugeben. Jeder soll sehen, wo er war, mit wem und ob es toll war. Und jeder soll auch sehen, wenn er oder sie auf Facebook irgendwo sich an einer Diskussion beteiligt. Alles total transparent.
Nur der Mark hat darauf keinen Bock. Merkwürdige Sache.

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Das war 2017!

Sonntag, den 31. Dezember 2017
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I bims, und hier kommt schon wieder der Jahresrückblick, vong Silvester her.
Nein, nein, das Jahr 2017 hat mir nicht das Hirn eingefroren. “I bims” ist aber das Jugendwort des Jahres, und die dazu passenden “vong … her”-Nachsätze gehören auch zur Jugendsprache. Soll wohl den verkürzenden und fehlerhaften Internet-Chat-Sprech darstellen, und es gibt Leute, die das lustig finden.
Ach, überhaupt das Internet. Was in den sozialen Netzwerken abgeht, das ist nicht mehr feierlich. Da kotzen sich die Wutbürger überall da aus, wo es auch nur entfernt um Politik geht. Man könnte meinen, Deutschland ist zur Wuthochburg verkommen, aber es ist wohl eher so, dass alle anderen sich immer mehr zurückziehen und sich gar nicht mehr äußern. Was auch nicht gut ist. Mehr und mehr wird Pöblern der Platz überlassen – immer mehr angefeuert durch die AfD, und die “Bild” macht auch immer gern und fleißig mit.

2017 war geprägt von einem Schwarz-Weiß-Denken. Entweder ist alles gut oder alles schlecht. Zwischentöne? Werden oft vermisst. Donald Trump ist US-Präsident, und alle, die nicht das berichten, was er für die Wahrheit hält, bezeichnet er als Fake-News. Er liefert sich einen Kampf mit den US-Medien, verbreitet seine Weisheiten lieber über Twitter.
Ein anderer Diktator tobt sich in der Türkei aus. Aus fadenscheinigen Gründen werden Journalisten, Menschenrechtler und andere Menschen festgenommen, die aus Sicht von Staatschef Erdogan schlecht für die Türkei seien. Der deutsch-türkische Journalist und Türkei-Korrespondent der WeltN24-Gruppe, Deniz Yücel, sitzt seit weit mehr als 300 Tagen in Haft – #freeDeniz.

Eine harte Debatte wird auch um die Öffentlich-Rechtlichen Sender geführt. Insbesondere zwischen den Zeitungsverlagen und ARD/ZDF gibt es Streit darüber, was die Sender im Internet machen dürfen und was nicht. Der Lobbyist Matthias Döpfner, Vorstandsvorsitzender von Axel Springer und Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger, schießt gegen ARD und ZDF, nennt sie Staatsfunk, obwohl er es besser wissen müsste. Er sieht die Presse in Gefahr, wenn auch die ARD Texte auf ihren Internetseiten verbreitet. Aber auch der Ton unter den Zuschauern ist rauer geworden. In den sozialen Netzwerken kübeln Pöbler Häme über die Öffentlich-Rechtlichen aus, schimpfen über die angeblichen Lügenmedien, Staatssender und über die angebliche Regierungslinie.
Allerdings geben ARD und ZDF den Kritikern auch immer wieder Futter. Gerade im Umgang mit der AfD tun sich viele Journalisten noch schwer. Statt mit Fakten bloßzustellen, geht es scheinbar oft immer noch um eigene Befindlichkeiten. Da werden Sätze aus dem Zusammenhang gerissen und zu Skandalen aufgeblasen.
Was aber die AfD auch sehr gut kann – und sich zum Opfer zu machen. In einer ZDF-Wahlsendung verließ AfD-Frau Alice Weidel die Arena, als sie kritische Fragen zu hören bekam. Als sie sagte, dass die Zeit der politischen Korrektheit vorbei sei, und sie in der NDR-Satiresendung “extra 3” daraufhin als Nazi-Schlampe betitelt worden ist, da war die Zeit der politischen Unkorrektheit offenbar auch schon wieder vorbei. Weidel klagte. Und bekam kein Recht.
Dennoch und gerade wegen des Hypes und die vielen Skandalisierungen – die AfD schaffte es im September in den Bundestag, und die Medien müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, daran zumindest eine Mitschuld zu haben.

Es war ein politisches Medienjahr. Auch wegen der Bundestagswahl. Die hat SPD-Chef Martin Schulz in nicht ganz so guter Erinnerung. Was vielleicht auch daran lag, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel ständig mehr Redezeit bekommen hat als er. Für Inhalte hatte er da nicht immer so viel Zeit – weil er sich darüber ja erst mal mokieren musste.
Bei Sat.1 hat man sich ab eh lieber damit beschäftigt, ob FDP-Chef Christian Lindner scharf ist und ob die Linke Katja Kipping irgendwie auf ihn stehen könnte.

Zeiten ändern sich. Auch im Sport. Als in Dortmund ein Anschlag auf den Bus der Fußballer von Borussia Dortmund verübt wird, wird aus Sky Sport News plötzlich ein Nachrichtensender im Breaking-News-Modus.
In der Pause des DFB-Pokal-Finales wollten die Fußballfunktionäre mal ein bisschen US-Entertainment-Luft schnuppern. Ganz im Sinne der Halbzeitshow beim SuperBowl gab es das beim Fußball erstmals auch. Mit Helene Fischer. Fanden die Fans eher so mittel.
Überhaupt, der Fußball: Die Bundesliga zerbröselt immer mehr. Nun sind nicht nur Sky und die ARD an Bord oder das ZDF und Sport 1. Auch Eurosport hat ein paar Rechte (wenn der Player mal funktioniert) und bei Nitro laufen montags auch noch ein paar (bislang weitgehend unbeachtete) Häppchen.
Niki Lauda hat sich vor laufenden RTL-Kamera und unerwartet als Formel-1-Co-Moderator verabschiedet. Und hinterließ einen verstörten Florian König. Nico Rosberg wird sein Nachfolger.
Ach ja, und da dann war ja noch Handball-WM. Hat aber kaum jemand sehen können, weil sich der Rechteinhaber belN sich mit keinem Sender einigen konnte – weder mit ARD und ZDF, noch mit Sky. So liefen die Spiele auf Youtube im Internet, aber der Seite einer Bank. Auch mal was Neues.

Apropos kleines Publikum: Es wird immer schwerer für die Sender, Serienhits zu landen. Selbst hochgelobte Serien wie “This is us” floppen, und es gibt noch viele mehr davon, die als Disaster abgebucht werden müssen. Der hochgelobte “Mr. Robot” hatte bei Nitro quasi keine Zuschauer. Es scheint, dass sich das Seriengeschehen mehr und mehr bei Amazon und Netflix abspielen. Auch deutsche Serien wie “Dark” oder Schweighöfers “You are wanted” laufen nicht im Fernsehen (oder ist im ORFeins in Österreich gefloppt), sondern bei den Streaminganbietern. Ob “Berlin Babylon” ein Hit ist, wissen wir auch erst im Herbst 2018. Die Co-Produktion zwischen Sky und ARD lief bislang nur im Pay-TV. Der Jubel ist groß – aber das muss ja nichts heißen.
Dennoch: Langsam kommt für das Fernsehen die Wende. Angebote wie Amazon Prime, Netflix und das altbekannte Sky haben immer mehr Nutzer.
Die jungen Zuschauer treiben sich eher auf YouTube rum und schauen sich dort ihre Stars an. Oder mobben sie gleich mal. Als rauskommt, dass der YouTube-Star Tanzverbot in Oranienburg wohnt, erlebt er die Aufdringlichkeit und Widerwärtigkeit seiner Fans und Hater. Er muss raus aus seiner Wohnung und zieht um.

Lineares Fernsehen ist unterdessen immer mehr out. Auch weil insbesondere das Privatfernsehen, immer mieser wird. Oder wer möchte wirklich sehen, wie irgendwelche Z-Stars ein Baby bekommen? “Janni & Peer … und ein Baby!” lief bei RTL II eher nicht so gut. Auf demselben Sender zieht man sich bei der Datingshow “Naked Attraction” gleich ganz nackt aus – weil das ja angeblich die ehrlichste Art des Datings ist. Aber auch das ZDF greift ins Klo: “Das Pubertier – Die Serie” ist einfach nur doof-albern, die Show “Flieg mit mir” im Ersten schrecklich betulich. “Das Sommerhaus der Stars” bei RTL ist nur noch Fremdschämen. VOX wollte die Echo-Verleihung aufpolieren und liefert eine Katastrophe ab. Die pure Ödnis.
Aber es gab natürlich auch gutes Fernsehen: der ZDF-Mehrteiler “Der gleiche Himmel” war ebenso ein Hit wie die letzte Staffel vom “Club der roten Bänder” bei VOX.

Schluss war auch für den “Circus Halligalli”. Dabei sorgte die Show noch fix für die deutsche Fernsehpeinlichkeit des Jahres: Bei der “Goldenen Kamera” schmuggelt das Team einen falschen Ryan Gosling ein. Er nimmt in der Live-Show im ZDF den Preis entgegen, und danach kam raus, dass selbst die Kategorie ein Fake war, weil die von der “Goldene Kamera”-Redaktion nur mit der Aussicht auf den Gosling-Besuch eingeführt wurde.
Aber die Amis können mithalten. Bei der Oscar-Verleihung kommt ausgerechnet beim besten Film ein falscher Umschlag in Umlauf. Die Leute von “La La Land” (schon wieder Gosling) stehen schon auf der Bühne, wollen sich bedanken – um dann zu erfahren, dass “Moonlight” der beste Film ist. Ups.

Da möchte man im Boden versinken. Das gilt auch für den Eurovision Song Contest. Vorletzter. Wobei es natürlich nicht an der Qualität des deutschen Songs (wie hieß der noch gleich?) oder an der Dings (wie hieß die noch gleich?) lag, sondern weil uns Deutsche einfach keiner mag. Na klar. Vielleicht gibt es ja 2018 ein Comeback, gerade wird mal wieder am Konzept für den deutschen Vorentscheid gefeilt.

Dabei ist das mit Comebacks so eine Sache: Als Thomas Gottschalk mit der neuen Sat.1-Show “Little Big Stars” um die Ecke kam, war das Interesse gering. Auch dass Christian Rach bei RTL wieder Restauranttester war, ließ viele kalt – was aber auch an den bekloppten Fällen lag, um die sich Rach kümmern musste. Die Wiederkehr von “Der Preis ist heiß” bei RTLplus war dagegen ein voller Erfolg – auch weil sich alle große Mühe gaben, den Klassiker nur behutsam zu modernisieren. Heraus kam netter, guter Trash. Ach, und dann ist ja auch MTV wieder da. Also, eigentlich war MTV nie weg, nur eben im Pay-TV versteckt. Nun gibt es angeblich wieder Interesse an dem Sender, die Rückkehr ins Free-TV war perfekt.

Aber auch Ankünfte sorgten für Wirbel. Der rbb übertrug mit großem Aufwand die Landung von Schätzchen und Träumchen in Schönefeld – zwei Pandabeeren. Sehr wichtig. Und noch eine Flugzeuglandung war dem rbb eine Live-Übertragung wert: die der letzten Air-Berlin-Maschine. Nie gab es vermutlich eine emotionalere Pleite eines Unternehmens. Es hieß Abschied nehmen.

Abschied. Auch 2017 wieder von vielen prominenten Menschen. Helmut Kohl ist gestorben, ebenso die Politiker Heiner Geißler und Roman Herzog. Die Schauspieler Roger Moore, Karin Dor, Christine Kaufmann, Jerry Lewis, Dieter Bellmann, Andreas Schmidt, Mikael Niqvist, Ingeborg Krabbe, Bill Paxton, Margot Hielscher, Martin Lüttge und Klaus Wildbolz. Die Musiker Fats Domino, Chris Roberts, Tom Petty, Chuck Berry, Malcolm Young, Joy Flemming, Chester Bennington, Chris Cornell, Gunter Gabriel, Daliah Lavi, Andrea Jürgens und Robert Miles. Die Comiczeichnerin Lona Rietschel, die Journalisten Ulrike von Möllendorff und Udo Ulfkotte, Playboy-Gründer Hugh Hefner, Joachim Kardinal Meisner, die Tennisspielerin Jana Novotna und die Synchronsprecher Oliver Grimm (“Kimba, der weiße Löwe”, “Hugo”) und Anderas von der Meden (Kermit, David Hasselhoff).

Man hätte außerdem den Eindruck gewinnen können, dass das Fernsehen stirbt – dabei wurde nur das alte DVB-T-Signal abgeschaltet – zugunsten des neuen DVB-T2. Die Kampagne machte den Eindruck, als seien sehr viel mehr Zuseher betroffen. Der Übergang verlief dennoch recht reibungslos. Eher reibungsvoll verläuft es beim Lokalsender Oberhavel TV. Die Qualität der Sendungen ließ immer mehr nach, es gab immer weniger, die Verbreitung via Satellit und im Vodafone-Kabel ist eingestellt – inzwischen gibt es wohl ein Insolvenzverfahren.

Aber was ist denn im Fernsehen 2017 wirklich Wichtiges passiert? Natürlich! Marc Terenzi ist Dschungelkönig geworden, obwohl sich Kader Loth so angestrengt hat, ein neues Image zu bekommen. Als Anne Will über den G20-Ausschreitungen diskutiert, fällt für zehn Minütchen das Bild aus, während im Studio weitergesprochen wird. Als beim selben Thema bei Maischberger sich die Gemüter erhitzen, verlässt Wolfgang Bosbach wütend die Arena, weil er sich von Jutta Ditfurth beleidigt gefühlt hat – nicht ohne auch selbst auszuteilen. Als in Frankfurt/Main eine Bombe entschärft werden muss, überträgt das hr fernsehen 13 Stunden (!) live – weil der Sender selbst evakuiert ist. Aus “Schlag den Raab” und “Schlag den Star” ist “Schlag den Henssler” geworden. Na ja. Birgit Schrowange ist erst ungeschminkt bei RTL aufgetreten (einmalig) und dann mit grauen Haaren (für immer).

Wird 2018 alles besser? Werden wir alle immer irrer? Oder ist uns einfach alles wurscht, so lange man sich auf YouTube weiter Schminktipps reinziehen kann? Oder alternativ den Livestream von der Demorandale wie bei G20 in Hamburg?
I bims, vong Spannung her.

PS: Ach, Mensch, Herr Eumann, habe ich Sie doch glatt wieder vergessen! Herzlichen Glückwunsch zur Wahl zum neuen Direktor der rheinland-pfälzischen Landesmedienanstalt. Nicht dass Sie wieder angepisst sind!

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Die extra-lange Bernd-Nacht

Montag, den 30. Oktober 2017
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SA 28.10.2017 | 21.00 Uhr | KiKA

Mit Bernd, das Brot ist es ziemlich seltsam. Einerseits ist er zwar die wohl bekannteste Figur im KiKA, und vor allem auch bei Erwachsenen bekannt. Umso erstaunlicher ist es, dass weder der Bernd-Herkunftssender ZDF irgendwas mit der Kastenbrot-Puppe macht, noch der KiKA selbst immer mal wieder was Neues im Programm hat.
Stattdessen läuft nachts die “KiKA Lounge” mit Bernd – eine gut neun Jahre alte Produktion. Kann man schon mitsprechen.

Da war es eine schöne Überraschung, als es hieß, dass in der (wegen der Zeitumstellung eine Stunde längeren) Nacht zum Sonntag “Die extra-lange Bernd-Nacht” veranstaltet wird. Von 21 bis 6 Uhr wurden noch mal die besten Bernd-Filme und -Clips gezeigt. Die Zuschauer konnten sogar live mitentscheiden, welcher Beitrag als nächstes gezeigt werden sollte.

Wer aber am Sonnabend den KiKA eingeschaltet hat, wird sich vielleicht gewundert haben. Dort lief wie eh und je die “KiKA Lounge” in der Dauer-Nachtschleife.
“Die extra-lange Bernd-Nacht” lief nur auf Facebook, auf der Seite des KiKA.
War auch so angekündigt, wenn man denn genauer auf die Facebook-Vorschau gesehen hatte. Aber warum zeigt man das für ein paar Hände voll Zuschauer auf Facebook und nicht im Fernsehen?

Eine Antwort darauf gab es nicht wirklich, beim KiKA gefragt, heißt es nur, dass man sich mit Absicht dafür entschieden hatte und dass die Schleife im KiKA-Fernsehen ja so etwas wie ein Testbild ist.
Dass der KiKA ein zehnstündiges Sonderprogramm aber nur auf Facebook sendet, ist eher zweifelhaft.

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