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Überzeugt uns! Der Politikercheck

Dienstag, den 22. August 2017
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MO 21.08.2017 | 23.00 Uhr | Das Erste

Woran erkennt man eine politische Jugendsendung zur Bundestagswahl in der ARD? Junge Politiker zu Gast? Interaktivität? Einbindung des Publikums? Alles falsch: Eine Jugendsendung in der ARD erkennt man daran, dass sie im Kesselhaus in Berlin stattfindet. Weil die Location so cool ist. Um 23 Uhr in der Nacht. Und natürlich am Titel: “Überzeugt uns!” – mit passendem Hashtag #ueberzeugtuns.
Dummerweise hat der Titel mit dieser Sendung so wenig zu tun wie die “RTL II News” mit Informationen.

Für die ach so junge, flotte Politshow am Montagabend im Ersten war angekündigt: Jungwähler stellen Fragen. Am Ende wird entschieden, welcher Gast von welcher Partei überzeugte.
Es lief so: Ein Moderator und eine Autorin stellten Fragen, lasen ab und zu Facebook-Fragen vor, und die Sache mit der Überzeugungsentscheidung muss irgendwie vergessen worden sein.

Selten klafften in einer ARD-Politsendung Anspruch und Wirklichkeit so auseinander. Jung sollte das Ganze sein. Aber wo waren die jungen Politiker? Warum mussten bei “Überzeugt uns!” wieder die üblichen Verdächtigen sitzen – allen voran der alte AfD-Gauland, der von der Jugend am weitesten entfernt war. Warum wirkte die Show wie eine verlängerte “Hart aber fair”-Sendung? Warum hatte das Publikum fast nichts zu sagen? Und wer sollte eigentlich von irgendwas überzeugt werden? Wer war das “uns” in “Überzeugt uns!”?

Eine schlimme Fehlbesetzung war zudem Ronja von Rönne. Die Autorin hatte irgendwie eine falsche Vorstellung davon, wie es ist, eine Talkshow zu moderieren. AfD-Gauland machte sie mehrfach blöd von der Seite an, was weder cool noch investigativ wirkte, sondern einfach nur plump und pubertär. Immer wieder plärrte sie bei anderen dazwischen, und immer wieder merkte man, wenn ihr Antworten missfallen. Als Moderatorin allerdings erwarte ich mehr Seriosität, denn das Denken möchte ich als Zuschauer gern selbst übernehmen. Wenn die ARD wieder mal ein Argument liefern wollte, warum so viele die angeblich linksversifften Sender so hassen, dann hat Ronja von Rönne wieder ordentlich Öl ins Feuer gegossen – und das war schlicht unnötig und höchst unprofessionell.
An einigen Stellen war dem eigentlichen Moderator Ingo Zamperoni anzumerken, dass er versuchte, das Steuer zu übernehmen.

Diese angebliche Jugendsendung der ARD war von vorn bis hinten ein Missverständnis. Ein verstaubtes Konzept, viel zu viele Themen, Leute wurde über den Mund gefahren, eine ärgerliche Gesprächsführung.
Jens Spahn (CDU) war deutlich anzumerken, dass ihm diese Sendung missfällt, und später machte er bei Twitter seinem Ärger Luft. Eigentlich wäre es spannend gewesen, wenn irgendwer der Gäste die ganze Runde gesprengt und sich drüber ausgelassen hätte, welchen Müll die ARD da gerade fabriziert – und alle zustimmend gegangen wären. Aber so was traut sich ja niemand – auch niemand aus dem Publikum.
Jugendtalk: Liebe ARD, das #ueberzeugtuns nicht.

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Frag selbst

Mittwoch, den 16. August 2017
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SO 13.08.2017 | 23.15 Uhr | tagesschau24

Der Fernsehwahlkampf 2017 kommt nun langsam auch in die heiße Phase, und es ist spannend, wie die Sender versuchen, ihre verschiedenen Zielgruppen für Politik zu begeistern.
Wer da zum Beispiel denkt, dass sich ARD und ZDF immer noch nur an die Älteren richtet, der irrt.

Auf tagesschau24 lief am späten Sonntagabend das Format “Frag selbst”. Im ARD-Hauptstadtstudio begrüßte Tina Hassel die AfD-Politikerin Frauke Petry. Allerdings war es nicht Tina Hassel, die die Fragen stellte. Es waren die Nutzer der Facebook-Seite der “Tagesschau”. Tina Hassel war nur dazu da, die Fragen der Zuschauer zu stellen.
Und so ging es um die Frage der Flüchtlinge und was die AfD dazu denkt. Es ging um die Reichensteuer, um das Verhältnis der AfD zur Demokratie und um die EU. Bestes interaktives Fernsehen.

Nun kann man natürlich fragen, warum so was auf einem Spartenkanal am späten Abend versendet wird.
Dass es “versendet” wird – da ist sogar was dran. Aber eigentlich lief “Frag selbst” am selben Abend bereits live um kurz nach 19 Uhr. Aber nicht im Fernsehen, sondern auf Facebook – per Livestream auf der “Tagesschau”-Facebook-Seite.
Heißt: Die ARD wartet nicht nur darauf, dass man sie einschaltet. Man geht auch dorthin, wo die Leute sind – im Internet, auf Facebook. Und wenn dort noch ein Format wie “Frag selbst” über die Bühne geht, wo die Leute zwar nicht ungefiltert, aber durchaus direkt ihre Fragen los werden kann, dann kann das nur positiv sein.

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News spezial: Der G20-Gipfel

Sonntag, den 9. Juli 2017
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FR 07.07.2017 | 20.00 Uhr | n-tv

In Hamburg herrscht Krieg, und das Fernsehen steht mittendrin.
Der Reporter von n-tv steht im Schanzenviertel. Er hat einen Helm auf und blickt sich immer wieder um. Hinter ihm ist Blaulicht zu sehen, Polizisten in Kampfuniform und auch Randalierer. Eine Barrikade brennt, und der Reporter erzählt von alldem.

Als am Freitagabend in St. Pauli die Lage eskalierte, als die Proteste gegen den G20-Gipfel zur dumpfen Randale wurde, da zoomten die Nachrichtensender noch mal richtig ran. Stundenlang berichtete n-tv in einem “News spezial” live direkt aus dem Brennpunkt. Immer mal wieder musste der Reporter abbrechen und seinen Standort wechseln, weil er von der Polizei abgedrängt wurde. Weil es einfach zu gefährlich wurde.

Ebenso auf N24. Die Nachrichten kamen direkt aus dem Hamburger Krisengebiet. Jeder Steinwurf, jedes Feuer – live und direkt. Die Tagesschau hatte ebenfalls einen Reporter vor Ort, und auf Facebook bot sie immer wieder einen Livestream an, auf dem unkommentiert ebenfalls Livebilder aus dem Schanzenviertel zu sehen waren.

Es ist ein zweischneidiges Schwert: Einerseits ist es gut, ein ungefiltertes Bild von der Situation zu bekommen, irgendwie dabei zu sein, aus erster Hand zu sehen, was sich abspielt. Andererseits ist es natürlich auch eine Befriedigung von Sensationsgier und ein Stück Voyeurismus. Es ist, als wären wir in Hamburg dabei und würden gaffend auf der anderen Straßenseite stehen. Zehntausende waren über das Internet über Streams auf Facebook und Youtube live dabei, und morgen regen wir uns auf, wenn wir andere bei Autobahnunfällen doch mal wieder neugierig sind und gaffen.

Die Hamburger Ausschreitungen waren in jedem Fall auch wieder eine kleine Zäsur in der Live-Berichterstattung. Per Internet sind wir mittendrin statt nur dabei.

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Das war 2016!

Samstag, den 31. Dezember 2016
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Was war das für 1 Jahr???!!!!11!!
Die Welt wird immer verrückter. Nein, eigentlich sind es die Menschen, die immer irrer werden. Die sich gegenseitig anstacheln, die nur noch ihre eigenen Wahrheiten akzeptieren, alles andere als Lüge abtun. Die immer und überall Verschwörungen wittern und nicht mal mehr offiziellen Mitteilungen der Polizei glauben.
Stattdessen wird immer mehr als gefühlte Wahrheiten gesetzt. Was ich fühle, wie ich etwas empfinde, ist auch ein Fakt. Wir leben im postfaktischen Zeitalter, und das ist auch das Wort des Jahres. Eigentlich ja eher das Unwort.

RT Deutsch zum Beispiel. Das russische Auslandsfernsehen sei reine Propaganda, sagen die einen. Das sei alles die Wahrheit, und nur dort gebe es sie, sagen die anderen. Als in Berlin angeblich ein Asylbewerber eine junge Russlanddeutsche entführt und vergewaltigt, kocht die Volksseele, angestachelt auch durch Berichte von RT Deutsch. Dass das Mädchen die Schule geschwänzt und der Mann ihr Freund war – irgendwann hat es schlicht keinen der Demonstrierenden mehr interessiert.
Es sind nämlich nicht nur von Gefühlen geprägte Kommentare, die verbreitet werden – sondern auch Fakenews, Nachrichten, die schlicht ausgedacht, die eine Lüge sind. Da werden Politiker Worte in den Mund gelegt, die sie nie gesagt haben. Oder Gerüchte über angebliche Taten von Ausländern gegenüber Deutschen, die so nie stattfanden.
So haben EU-Gegner den Brexit in Großbritannien erreicht, dass die Wähler für den Austritt des Königreiches aus der EU stimmen, hatten wenige für möglich gehalten. So hat es Donald Trump in den USA geschafft, Präsident zu werden. Gefühle statt Fakten. Irgendwelche Zahlen statt echtem Inhalt.
Oder eben irgendwas daher gelabert. So macht das Mario Barth. In New York sendete er live auf Facebook und wunderte sich, dass zwar über Anti-Trump-Demo berichtet werde, er aber keine sehe. Dass es am Tage war und die Straße, an der er stand, gesperrt – na ja, das hat Mario ja nicht wissen können.
Facebook, Twitter und Co. werden aufgefordert, etwas gegen die Verbreitung solcher Fakenews zu unternehmen. Darüber wird 2017 noch zu reden sein.

Ganz unschuldig sind die Medien aber nicht, dass man ihnen nicht glaubt. Als in der Neujahrsnacht rund um den Kölner Hauptbahnhof hunderte Männer Frauen begrapschen und Passanten berauben, dauerte es Tage, bis umfassend berichtet worden ist. Der WDR sendete um Mitternacht sogar live aus der Domregion – da hat man das offenbar nicht mitbekommen. Beim ZDF war selbst am 4. Januar, als alle anderen endlich berichteten, noch nichts dazu zu sehen. Man bat um Verzeihung. Im Laufe des Jahres ist dann aber recherchiert worden: Dass es sich vorwiegend um Täter aus Nordafrika handelt. Dass die Polizei haarsträubend unterbesetzt war, dass Fehlentscheidungen getroffen und in einer ersten Pressemitteilung beschönigt worden ist.

Es war kein schönes Jahr. Terror, Unglücke, Todesfälle.
Und immer startet die Breaking-News-Maschine. Ein Zwischenfall in Berlin? Da darf gern mal schwadroniert und vermutet werden – immer mit der Betonung, man wolle nichts vermuten. Amoklauf in München? Da zeigt man bei RTL schon mal, wie Leichen abtransportiert werden und live hinter dem Reporter, wie Polizisten mit Waffen auf Passanten zielen. Auch der Teilzeitnachrichtensender N24 ist da ganz weit vorn mit bei.
Und immer wieder der Vorwurf an ARD und ZDF, es werde in solchen Fällen zu spät reagiert. Nach dem Zugunglück in Bayern ging der BR erst nach Stunden auf Sendung, nach dem Berliner Zwischenfall das ZDF erst nach fast zwei Stunden.

Und dann immer wieder die Empörungswellen, die durch Deutschland rollen.
Letzter Platz beim Eurovision Song Contest? Empörung! Keiner hat uns lieb! Alles Fake! Und überhaupt! Dass unser Song mies war, zieht keiner in Betracht – obwohl er in den deutschen Charts auch unterbelichtet war. Na ja, diese Fakten halt.
Die Sache mit dem Nachbarn Boateng. AfD-Mann Alexander Gauland habe gesagt, keiner wolle, dass Boateng sein Nachbar sei. Mag er so gesagt haben, er meinte aber wohl eher, dass viele Deutsche erst mal schlucken würden, wenn ein Dunkelhäutiger nebenan einziehen würde. Dennoch: Empörung! Aber eher eine geheuchelte, weil nicht weiter nachgedacht, sondern nur auf einen Satz Bezug genommen wurde, aber nicht auf den Kontext.
Fußball-Bundestrainer Jogi Löw kratzt sich während eines EM-Spiels an den Eiern und riecht dann an seiner Hand. Groooße Aufregung! Viele Berichte und Artikel, als ob wir keine anderen Sorgen haben.
Diskuswerfer Christoph Harting gewinnt Gold bei Olympia und erdreistet sich, bei der Hymne nicht ernsthaft zu sein. Empörung! Wie kann er nur so respektlos sein!! Meine Güte.
Und so weiter.

Da geht es schon mal fast unter, wenn Journalisten etwas enthüllen – die Panamapapers. Es ging um Briefkastenfirmen in Panama und um Geldwäsche von Unternehmen und Promis. Da wird ein großes Ding aufgedeckt, es ist das, was die Menschen fordern: diese Art des Enthüllungsjournalismus. Zwei Abende lang ist das ein Thema, dann verpufft es schon wieder. Empörung? Hält sich in Grenzen.
Oder wenn Jan Böhmermann in seiner zdf_neo-Show “Neo Magazin Royale” aufdeckt, wie die Leute in der RTL-Dokusoap “Schwiegertochter gesucht” arbeiten, wie sie die Teilnehmer und Zuschauer veralbern. Kurze Aufregung und gleich wieder verpufft. Quasi ohne Folgen.

Apropos Böhmermann: Nach einer “extra 3″-Satire über den türkischen Ministerpräsidenten Erdogan legte er in seiner Show noch einen drauf. Er wolle mal zeigen, was denn ein Schmähgedicht sei und wie es klingen müsse: und trug eines vor. Und wieder: groooooße Aufregung. Das ZDF löschte vorsichtshalber die Passage aus der Mediathek, in der Wiederholung lief die Show verkürzt. Erdogan forderte eine Strafe, die Bundesregierung gab den Fall zur Ermittlung frei. Böhmermann zog sich einige Wochen zurück. Am Ende siegte dennoch die Satirefreiheit. Zumal viele Kritiker schlicht den Kontext des Gedichtes ausblendeten. Dass Böhmermann Aufsehen erregen wird, ahnte er wohl, dass das Aufsehen so groß wird – inklusive Berichte in “Tagesschau” und Co., das ahnte er sicher nicht.

Aber zwischendurch waren die Deutschen sowieso mit, ähm, wichtigeren Dingen beschäftigt: dass sich Sarah und Pietro getrennt haben. Weshalb RTL II das auch ordentlich ausschlachtete. Dass Babette von Kienlin (Einstmann) zum zweiten Mal in ihrer ZDF-”Drehscheibe” zusammengebrochen ist. Dass irgendwo irgendwelche Horrorclowns aufgetreten sind.
Oder dass sich Til Schweiger unfassbar toll findet. Sein Nick Tschiller im “Tatort” sei der beste Krimi, der je im Fernsehen lief, und jeder Kritiker habe keine Ahnung, so schrieb er auf Facebook. Von Fernsehgeschichte war da die Rede. Nun ja.

Einer hat keine Lust mehr auf den Zirkus: Im Herbst hing Tobias Schlegl seinen Fernsehjob an den Nagel – um sich zum Notfallsanitäter umschulen zu lassen.
Auch Jürgen Domian will nicht mehr – jedenfalls nicht Nacht für Nacht im 1LIVE-Studio sitzen. Nach 22 Jahren endet seine Call-in-Show “Domian”. Sie wird schwerstens vermisst.

Viele werden am Ende des Jahres vermisst. Sehr viele Promis – sehr viele Musiker sind 2016 gestorben.
George Michael ist tot, ebenso Prince und David Bowie. Leonard Cohen und Roger Cicero. Achim Mentzel und Ekki Göpelt. Außerdem “Trio”-Schlagzeuger Peter Behrens und Manfred Durban von den Flippers. Der Publizist Roger Willemsen, die Politiker Guido Westerwelle, Hans-Dietrich Genscher, Lothar Späth, Peter Hintze, Jutta Limbach, Hildegard Hamm-Brücher, Henning Voscherau und Walter Scheel. In Kuba Fidel Castro. Der Produzent Wolfgang Rademann. Die Schauspieler Götz George, Manfred Krug, Uwe Friedrichsen, Alan Rickman, Bud Spencer, Maja Maranow, Gisela May, Hans Korte, Hilmar Thate, Karl-Heinz von Hassel und Peter Lustig. Die Moderatorinnen Erika Berger und Miriam Pielhau, die Journalisten Günter-Peter Ploog und Jana Thiel, Tamme Hanken, Schriftsteller Umberto Eco, Synchronsprecher Arne Elsholtz, Comiczeichner Lothar Draeger, DDR-Regimefrau Morgot Honecker und der Boxer Muhammad Ali.

Drei Fernsehsender haben sich auch verabschiedet: Der Social-Media-Sender joiz ist erst verkauft worden, dann ging er in Insolvenz, das Studio ließ der Besitzer schon mal ausräumen – ein Musiksender sollte daraus werden. Am Ende zog man den Stecker. einsplus und zdf.kultur gibt es auch nicht mehr. Dafür aber das ARD/ZDF-Jugendangebot Funk – allerdings nur im Internet.
Und was ist mit Servus TV? Erst ließ Besitzer und Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz verkünden, er mache den Sender zum Jahresende dicht. Zu Hohe Kosten. Und von der Gründung eines Betriebsrates war die Rede. Nur einen Tag später hieß es: Es geht doch weiter. Und dann: Servus TV beendet die Ausstrahlung in Deutschland. Und dann: doch nicht, alles geht weiter. Ein Hü und Hott.

Was war sonst so?
Der Deutsche Fernsehpreis ist nun eine rumpelige Gala in den Düsseldorfer Rheinterrassen. Eine öde Party.
Harald Schmidt ist auch noch da – in grausamen Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen – und auf dem Traumschiff.
Weibliche Fußball-Kommentatorinnen wollen einige deutsche Männer nicht haben: Als Claudia Neumann im ZDF ein Herren-EM-Spiel kommentiert, wird im Internet fies gepöbelt. Wo doch angeblich nur Asylbewerber nicht gut mit ihren Frauen umgehen. Wobei, sorry, im Fußball gelten natürlich andere Regeln.
RTL hat einen neuen Ableger: RTLplus. Noch mehr Sendeflächen für Gerichtsshow-Resterampen.
Daniela Katzenberger und Lucas Cordalis teilen ihr Leben mit den RTL-II-Zuschauern: Hochzeit und Heiligabend live. Puh.
Auch puh, aber anders: Als Jörg Draeger, Frederic Meißner, Björn-Hergen Schmipf und Harry Wijnvoord den Jakobsweg liefen, entstand daraus die 12-teilige Dokureihe “OGOT” bei Tele 5. Slow-TV vom feinsten. Ein kleines TV-Highlight.
Sehr sehenswert war auch “Terror – Ihr Urteil”. Der Film bestand nur aus einer Gerichtsverhandlung um den Abschluss eines Flugzeuges, das von Terroristen entführt worden ist, und am Ende konnte das Fernsehvolk abstimmen. Ein spannendes Experiment, und immerhin ist das auch einen Tag diskutiert worden.
Olympia in Rio. Das letzte Mal bei ARD und ZDF – nun übernimmt Eurosport.
Als an einem Sonntag morgens um kurz vor halb 7 im ZDF der Horrorfilm “Halloween – Nacht des Grauens” statt Kinderfernsehen läuft, fragen ein paar Leute via Twitter mal nach. Erst da fällt den ZDF-Leuten was auf. Ups.

Da ist man schon mal aufgeregt. Und bei all dem Neuen blickt sowieso keiner mehr durch. Deshalb kommen nun auch viele Sendungen von damals wieder. Für die guten Gefühle. Oder so. Das “Glücksrad” ist wieder da. “Herzblatt”, das “Familien-Duell”, “Jeopardy!”, “Ruck Zuck”, “Akte X”, “Der heiße Stuhl” und – da haben wir ja wirklich drauf gewartet: “Tutti Frutti”.
Mal sehen, wer oder was 2017 alles zurückkommt. Und ob wir uns alle ein bisschen abregen. So ganz allgemein.
Guten Rutsch.

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Mitternachtskrimi: Paul Temple und der Fall Gregory

Sonntag, den 14. Juni 2015
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FR 12.06.2015 | 0.05 Uhr (Sa.) | Deutschlandfunk

Der Satz klingt fast schon unglaubwürdig: Der Deutschlandfunk sendet ein Hörspiel mit Bastian Pastewka.
Junge Leute wissen vermutlich gar nicht, wer oder was der Deutschlandfunk sein soll – und schon gar nicht, ob und wo sie das empfangen können.

Wenn der Comedian und Schauspieler Bastian Pastewka am Freitag nicht auf seiner Facebook-Seite auf die Radio-Ausstrahlung seines Hörspiels “Paul Temple und der Fall Gregory” hingewiesen hätte – vermutlich hätte das kaum jemand mitbekommen.
Pastewka und Kollegen haben einen verschollenen Hörspiel-Krimiklassiker von 1949 neu vertont, aufgepeppt und mit selbstironischen Elementen versehen. Demnächst gibt es das Spektakel auch als Bühnentour.

Warum aber wird so ein Comedy-Krimi-Highlight an einem Freitag um 0.05 Uhr verschrottet? Und dazu noch auf dem von Jugendlichen kaum wahrgenommenden Deutschlandfunk? Oder habe ich die PR-Kampagne verpasst, die auf die Ausstrahlung des Hörspiels hinwies?
Warum laufen solche Hörspiele nicht auch mal im Abend- oder Nachtprogramm auf den Jugendradiowellen der ARD? Ertragen junge Leute keinen 53-minütigen Wortbeitrag mehr?

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Die schärfsten Schlitten vor der Linse

Montag, den 23. März 2015
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Jenny Crämer (25) aus Velten setzt Autos für ihre Bilder in Szene

MAZ Oranienburg, 23.3.2015

VELTEN
Eine besondere Lackierung. Auffällige Felgen. Spezielle Teile. Jenny Crämer hat den speziellen Blick für Autos – um sie für ihre Fotos in Szene zu setzen.
Seit Oktober 2013 betreibt die 25-Jährige aus Velten ihre Facebookseite „J.C. Photographixxx“, bis heute hat sie schon fast 10 000 Fans im sozialen Netzwerk. „Und das aus reinem Herzblut, es ist mein Hobby“, sagt sie. Jenny verdient damit kein Geld, und will es auch nicht. Vorerst.

Aber inzwischen kommen nicht nur Freunde zu ihr. Auch Fans der Seite und manchmal auch Unternehmen kontaktieren sie, damit sie Autos fotografieren kann. „Die meisten Leute stecken viel Herzblut in ihr Auto“, sagt sie. „Das versuche ich, für die Fotos umzusetzen.“ Die passende Location ist dabei immer besonders wichtig. Der Hafen ist Velten bietet eine gute Kulisse, aber auch in Neuruppin war sie schon unterwegs, bei Oldtimerschauen in Paaren im Glien oder in Marwitz – eigentlich überall in der Region.
Der richtige Winkel, die perfekte Sonneneinstrahlung, ein schöner Hintergrund. Und natürlich auch Details. Darauf kommt es ihr besonders an.

Ab April hat sie regelmäßig Shootings. „Meistens am Wochenende“, erzählt Jenny. Eigentlich ist sie gelernte Bäckerin, momentan stehen aber ihre beiden Kinder ganz oben auf der Tagesordnung. Zu ihrem Hobby kam sie gewissermaßen schleichend. „Ich bin seit 2008 regelmäßig auf Tuningtreffen dabei“, erzählt sie. Dort hat sie oft Bilder gemacht – zunächst für sich. Sie postete sie später auch auf Facebook. „Irgendwann haben sich dann Leute bei mir gemeldet, sie wollten von mir ihre Autos fotografiert haben.“
Audi und VW sind ihre Lieblingsmarken, sie fotografiert aber natürlich alle Marken. „Das gibt es keine No-gos“, sagt sie und lächelt. „Das ist ja eh immer eine Sache des Geschmacks.“
Ihr Traum ist es, Fotos in renommierten Autozeitschriften gedruckt zu sehen. Im Berliner Turbozentrum hängt allerdings schon jetzt ein Foto von ihr. „Da ist man dann schon stolz.“ Ob sie aus ihrem Hobby doch auch mal einen richtigen Beruf macht – da hadert sie mit sich. „Ja, das Potenzial wäre da“, gibt sie zu. Aber noch traue sie sich nicht. Noch!

Internet: Die Fotos auf Facebook: „JC-Photographixxx“

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ZDF-Morgenmagazin: Braun!!!

Donnerstag, den 30. Oktober 2014
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MI 29.10.2014 | 5.30 Uhr | ZDF

Ein unglaublicher Skandal erschüttert das ZDF. Eigentlich trug Moderator Jochen Breyer am Dienstag im Morgenmagazin ein olivgrünes Hemd. Im Fernsehen kam das jedoch ganz anders rüber. Das Hemd war BRAUN! Böse. Ganz, ganz böse.
Mit diesem BRAUNEN Hemd sprach Breyer mit einem Talkgast über die Kölner Hooligan- und Skinhead-Proteste gegen die Salafisten.

Angeblich hat das einige ZDF-Zuschauer beunruhigt. Ein Talk über Nazis, und der Moderator trägt BRAUN?? Eine Unverschämtheit!
Das ZDF entschuldigte sich daraufhin auf Facebook: “Aufgrund einiger Zuschauer-Hinweise zur Kleidungswahl unseres Moderators Jochen Breyer möchten wir kurz aufklären, dass sein olivgrünes Hemd auf dem Bildschirm tatsächlich braun wirkte, dies aber von Jochen Breyer natürlich keinesfalls beabsichtigt war. Wir entschuldigen uns für den entstandenen Eindruck.“

Ernsthaft, ZDF? Der Sender entschuldigt sich für ein braunes Hemd? Weil es eventuell ein bisschen hässlich war? Weil das ZDF eine BRAUNe Bildstörung hatte? Weil das ZDF die Farbe BRAUN abstoßend findet? Oder doch nicht ernsthaft deshalb, weil man denken könnte, dass Breyer mit der Farbe BRAUN ein Statement loswerden wollte.
Wie paranoid sind wir eigentlich inzwischen? Oder auch: wie dämlich?
Und was kommt noch: Werden die Charlie-Brown-Comics bald verboten? Kommen die BRAUNen Kastanien auf den Index?

Am Mittwoch trug Breyer ein weißes Hemd mit schwarzem Sacko. Schwarz-weiß? Da fällt uns doch bestimmt auch noch was ein, oder, Fernsehdeutschland?